Notizen aus Berlin und anderswo

Olympische Winterspiele in Südkorea – das Zuschauen macht Spaß

Winterolympiade eins

Vor einer Woche hatte ich noch meine Bedenken angemeldet, ob ich denn die Olympischen Winterspiele in Südkorea anschauen sollte. Die Freude war mir da durch die Negativberichterstattung im Vorfeld der Spiele etwas genommen worden (siehe http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11598 ).

Aber im Hinterkopf hatte ich damals schon:  Wenn die Spiele beginnen, wenn die Bilder aus der fernen Winterwelt zu uns, zu mir herüberschwappen werden, dann wird es wie immer sein:  „ Ich schaue einfach und erfreue mich am Wintersport, den ich sowieso sehr mag.“

Und so war es dann auch. Schnell war ich im Banne der Geschehnisse, schaute einige Male nachts in Wachphasen auf mein Smartphone, um das Neueste zu erfahren, und dann  waren die Tage von morgens bis abends mit Fernsehen ausgefüllt.

Schon die Eröffnungsfeier gefiel mir ausnehmend gut. Und ich bin auch nicht der Meinung eines der ARD-Reporter (es war wohl der von mir ansonsten sehr geschätzte Ralf Scholt), der sich an dem Einmarsch der einzelnen Nationen störte und der es möglichst so wie bei den Abschlußfeiern hätte, wo alles „wild“ durcheinander läuft. Ich bin da eher konservativ, mag es, wenn die einzelnen Nationen hinter ihrer Flagge einmarschieren und die Reporter Wissenswertes zu den einzelnen Staaten erzählen können.

Siegerehrungen heben das Nationale hervor

Konservativ bin ich auch, wenn es um die Siegerehrungen geht. Ich bin nicht der Meinung einer „noch“ Minderheit,  daß Siegerehrungen das Nationale zu sehr betonen würden. Aber gerade dort gefällt mir, wie die Sieger mit ihren Nationalhymnen geehrt werden.

Was aber soll man aus der ersten Woche hervorheben? Schwierig, weil die Eindrücke zu schnell wechselten und mit der „deutschen Brille“ gesehen die Erfolge doch immer mehr wurden.

Wiederentdeckt habe ich den Eiskunstlauf, den ich früher sehr mochte, aber irgendwann „satt gesehen hatte“.  Diesmal begeisterte mich das Goldpaar Sawtschenko/Massot   (ich bin froh, daß ich mal wieder Sawtschenko schreiben darf und nicht Savchenko. Ich habe ja jahrelang einen Kampf geführt, bei russischen Namen die von mir ein halbes Leben lang gewohnte Transkription zu benutzen. Doch letztendlich verlor ich den Kampf) .

Es war einfach eine Kür zum Genießen, wobei es mir fast zuviel Schwierigkeiten waren. Da konnte ich mich doch viel entspannter den Eistanzpaaren hingeben, ihre Darbietungen genießen.

Wie immer sah ich mir besonders gern die alpinen Disziplinen an, natürlich auch wie viele die Biathlon-Wettbewerbe. Doch auch für mich eher ungewohnte Disziplinen wie Shorttrack, Snowborad oder Curling  begeisterten mich.

Abstecher zur Leichtathletik

Zwischendurch blieb auch noch Zeit, die Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten in Dortmund zu beobachten. Nicht im Fernsehen, denn dort war ja Wintersport, aber auf leichathletik.de   erfüllte ein Livestream über zwei Tage, gekonnt moderiert von Alexandra Dersch und Ivo Koken, voll den Zweck. Dazu dann noch die vielen Informationen auf leichtathletik.de, vor allem auch die langen, inhaltsreichen Flash-Interviews, gaben mir einen guten Überblick über die zwei Tage.  Mehr dazu ist bei leichtathletik.de  nachzulesen.

Neuer deutscher Leichtathletik-Rekord über 3000 m durch Koko

Über den abschließenden Glanzlauf von Konstanze Klosterhalfen (Koko)  ist hier nachzulesen: https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/deutscher-hallenrekord-konstanze-klosterhalfen-pulverisiert-uralt-bestmarke/

Und weil ich nicht live in Dortmund war, zeige ich hier noch einige Fotos von Koko, die ich 2017 beim ISTAF in Berlin „schoß“:

ISTAF 2017 eins ISTAF 2017 neunundzwanzig ISTAf 2017 fünfunddreißig ISTAf 2017 achtundfünzig

Peter Grau

EM 2018 Titelbild Kowalski

 

Timo Benitz: Im Zielspurt über die 1500 m ist der Flugzeug-Fan nur schwer zu schlagen

 

EM 2018 Titelbild Kowalski

 

Wann habe ich Timo Benitz, den spurtschnellen Mittelstreckler, zum letzten Mal aktiv gesehen?  Es war 2014 im Mai im Paul-Greifzu-Stadion in Dessau beim Anhalt-Meeting. Dort zeigte er, wie oft auch danach, seine Spurtkraft, siegte in einem spannenden Rennen über 1500 m im Zielspurt.

Nun traf ich ihn Ende Januar 2018  in Berlin in der PanAm-Lounge, am Rande der Vorstellung des Werbemagazins für die Leichtathletik-EM im August in Berlin (mehr dazu unter  http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11295 )

Pan zehn   

Timo Benitz ganz links im Bild

 

Zwar taucht Timo Benitz  im Werbemagazin  nicht auf, aber einige Tage zuvor hat er bereits in Trachtenkluft für diese Europameisterschaften der Leichtathleten im Berliner Olympiastadion im August 2018 geworben (siehe auch http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11238):

Spitzenathleten_Trachtenmode

Timo Benitz Zweiter von links (Foto: SCHROEWIG/ D.Kollowsky)

Alexandra Burghardt, Laura Müller, Martin Wierig,Timo Benitz und Ruth Sophia Spelmeyer Fashion meets Sport - Angermaier-Weißwurstfrühstück im Hofbräuhaus in Berlin am 18.01.2018 Foto: BrauerPhotos / Neugebauer
Timo Benitz (Zweiter von rechts); Foto:  BrauerPhotos / Neugebauer

Es bot sich für ihn an, zur PanAm Lounge zu gehen, denn weit hat er es nicht bis dorthin. Der in der Nähe von Konstanz  geborene Timo Benitz lebt mittlerweile in Berlin, studiert an der Technischen Universität Berlin (TU) Luftschiff und Raumfahrt-Technik. Von dort sind es zu Fuß gerade mal 10 Minuten bis zur PanAm Lounge.

Rückblick auf das Jahr 2017

Im Gespräch in der PanAm-Lounge zeigt sich Timo aufgeräumt und plaudert munter vor sich hin. Zunächst schweifen wir kurz zurück auf das letzte Jahr 2017: „Es lief alles ziemlich gut, so, wie ich es mir vorgestellt hatte, ohne Verletzungen, „ erzählt er mir. „Ich hatte im zweiten Lauf der Saison direkt meine WM-Norm abgehakt, und bin auch mit 3:34,87 min neue Bestzeit über 1500 m gelaufen. Ich schaffte es bei der WM in London bis ins Halbfinale. Mein persönlicher Jahres-Höhepunkt war die Universiade in Taiwan, wo ich gewinnen konnte.“

Pan zweiundvierzig

In diesem Jahr 2018 will Timo Benitz nur wenige Hallen-Wettkämpfe bestreiten. Einer davon war bei der Hallen-DM in Dortmund, als er sich am 17. Februar über 3000 m eine Bronzemedaille holte. Aber seine volle Konzentration gilt der Heim-EM in Berlin.

Trainiert wird gegenwärtig in Berlin im Sportforum, draußen in Hohenschönhausen. Nach wie vor startet Timo Benitz für seinen Heimatverein  LG farbtex Nordschwarzwald. Wie schon erwähnt studiert er in Berlin Luft-und Raumfahrttechnik. Sofort fällt mir ein, daß auch der Ex-Hürdensprinter Dietmar Koszewski diese Studienrichtung gewählt hatte (mehr dazu auf meiner Homepage unter   http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=1257  )

Warum aber hat sich Timo Benitz für diese eher ausgefallene Studienrichtung entschieden? Seine Erklärung: „ Wenn man lieber einem Flugzeug hinterherschaut als einer Frau, dann weiß man warum. Es ist schwer zu beschreiben. Flugzeuge haben auf mich seit langem eine faszinierende Wirkung. Ich könnte Flugzeugen tagelang zuschauen, beobachten, wie sie starten und landen. Ich würde nochmals das Gleiche studieren, weil es einfach so wahnsinnig interessant ist, wie alles funktioniert. Es gibt für mich kein interessanteres Studium.“

Zunächst hat Timo Benitz an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Friedrichshafen studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. Nun befindet er sich mitten im Master-Studium an der Berliner TU.

Was aber will Timo Benitz später mal tun, wenn er mit dem Studium fertig ist?  „ Ich will ganz normal als Ingenieur arbeiten, am liebsten beim deutschen Unternehmen Airbus. Die  sitzen an unterschiedlichen Stellen, in München, Hamburg und Bremen.“

Geboren wurde Timo Benitz am Bodensee, lebte lange im 2200-Seelen-Ort Volkertshausen. „ Eigentlich wollte ich Fußballspieler werden, aber meine Mutter hatte etwas dagegen, schickte mich zur Leichtathletik“. Heute ist er froh, daß er dort gelandet ist.

2018 soll es eine neue Bestzeit werden

Sein Ziel für die Saison 2018: „ Ich möchte meine Bestzeit über 1500 m  verbessern, will eine 33er-Zeit laufen.“  Eine Zeit zu laufen ist die eine Sache, sich im Wettkampf gegen die Konkurrenz im Spurt durchsetzen, die andere Seite. Und fast kein anderer beherrscht das Spurten auf den letzten Metern so wie Timo Benitz.

Meine Frage, ob er sich diese Spurtfähigkeit bis heute erhalten habe, bejaht er. Natürlich ist es für mich interessant, zu erkunden, woher diese Fähigkeit rührt (ich erinnere mich, daß es vor vielen Jahren mit Manfred Matuschewski einen DDR-Läufer über 800 m gab, der eben diese Fähigkeit besaß, als „Millimeterläufer“ bekannt wurde, weil er oft auf den letzten Millimetern die Rennen entschied.)

Und Timo Benitz fühlt sich vor allem von zwei Olympiasiegern inspiriert: Von Dieter Baumann, der 1992 in Barcelona die 5000 m mit einem Schlußspurt gewann und von Nils Schumann, der im Jahr 2000 in  Sydney die 800 m dominierte. „ Dessen grandiosen Endspurt habe ich mir schon 40- oder 50-mal angeschaut. Das gibt mir immer sehr viel mit.“

Timo Benitz sieht den Grund für seine Spurtkraft nicht im speziellen Training, sondern in den Genen. „ Man denkt von mir zwar, daß ich auch im normalen Kurzsprint schnell bin, aber das stimmt überhaupt nicht. Aber auch wenn man kein guter Kurzsprinter ist, kann man trotzdem ein schneller Spurt auf längeren Distanzen sein. Deshalb ich auch schon oft Leute geschlagen, die im reinen Sprint besser als ich sind. Es kommt vor allem darauf an, wie man in der Schlußphase mit Laktat umgehen kann, ob man die Geschwindigkeit nur halten oder sie eben noch mal anheben kann.“

Die Konkurrenz weiß um die Fähigkeiten des Timo Benitz und hat viel Respekt. Timo Benitz meint dazu: „Sie sollen nicht überrascht sein von mir, sondern sie sollen Angst vor mir haben. Sobald sie in den Gedanken hineinkommen, daß sie mich nicht los werden können, verkrampfen sie, resignieren innerlich.“ Und er fügt hinzu: „ Für mich ist es immer sehr entspannt, im Feld mitzulaufen, denn ich weiß ganz genau, daß ich im Spurt mit allen mithalten kann.“

Spurten will Timo Benitz auch 2018 in der Freiluftsaison. Vor allem beim Finale im Berliner Olympiastadion will er der Konkurrenz den Marsch blasen, so wie er es lange Zeit auch als Posaunist in der Blaskapelle des Musikvereins Volkertshausen tat.

Peter Grau

EM 2018 Tiitelbild

 

Berlin: Bummel zwischen Bahnhof Zoo, Kranzler und Hugendubel

Am  19. Januar    war für mich der Besuch der PanAm –Lounge mitten in Berlin angesagt. Und da Glatteis auf den Autobahnen drohte, wählte ich erstmals wieder die Bahnfahrt. Zunächst nahm ich denRegionalzug von Neuruppin nach Berlin-Spandau.

Kranzler eins Kranzler zwei Kranzler drei

Dann der Umstieg auf die S-Bahn und los ging die Fahrt. Erster Halt:  die Station Olympiastadion:

Kranzler vier

Dort werden die Zuschauer im August 2018 aussteigen, wenn sie zur Leichtathletik-Europameisterschaft im nahen Olympiastadion wollen.

Doch diesmal war mein Ziel der S-Bahnhof Zoologischer Garten. Und weil noch viel Zeit bis zum Beginn der Vorstellung des Werbe-Magazins aus Anlaß der Europameisterschaft bleibt, schaue ich mir die Gegend rund um den S-Bahnhof an:

Kranzler fünf Kranzler sechs Kranzler sieben Kranzler neun

Das Theater des Westens ist ein besonderer Blickfang. Es wird Zeit, daß ich dort wieder mal eine Vorstellung besuche:

Kranzler acht

Weiter führt mich der Weg Richtung Kurfürstendamm (Kudamm):

Kranzler einundzwanzig Kanzler elf

 

Interessant sind einige Schautafeln, die die Entwicklung des berühmten Kaffee Kranzlers dokumentieren:

Kranzler zwölf Kranzler dreizehn Kranzler vierzehn Kranzler fünfzehn Kranzler sechszehn Kranzler siebzehn Kranzler achtzehn Kranzler neunzehn Kranzler zwanzig

 

Bald komme ich dann am heutigen Kaffee Kranzler vorbei, daß spürbar geschrumpft ist, in die erste Etage „verbannt“ wurde, und den Glanz früherer Jahre völlig verloren hat:

Kranzler sechsundzwanzig

Weiter geht es Richtung  Gedächtniskirche:

Kranzler zweiundzwanzig Kranzler dreiundzwanzig Kranzler vierundzwanzig Kranzler fünfundzwanzig

Kranzler neunundzwanzig Kranzler einunddreißig Kranzler dreißig

Zuvor aber ein eher trauriger Anblick für mich als Bücherfreund:

Kranzler sechsunddreißig

 

Hier an dieser Stelle residierte früher das Haus „Hugendubel“, etwa vergleichbar mit dem heutigen Dussmann Kultur Kaufhaus in der Friedrichstraße. Doch das war einmal. Heute sitzen dort andere Unternehmen, fernab vom Buchhandel.

Und Hugendubel? Es gibt noch ein kleines Geschäft, direkt neben einer Wechselstube, im Europacenter parterre:

Kranzler siebenunddreißig Kranzler achtunddreißig Kranzler vierzig

Da ist der Blick in die Tauentzienstraße, bis hin zum Kaufhaus des Westens, schon erfreulicher:

Kranzler vierunddreißig Kranzler neununddreißig Kranzler einundvierzig Kranzler zweiundvierzig

 

Bin ich vorhin mit der S-Bahn am Bahnhof Zoologischer Garten angekommen, schaue ich nun hinüber zum „richtigen“ Zoo:

Kranzler fünfundvierzig

Doch heute ist das kein Ziel für mich. Vielmehr folge ich dem Ansturm der Journalisten in die PanAm Lounge:

Kranzler vierundvierzig

Was ich dort erlebte, habe ich unter  http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11295       festgehalten.

Natürlich nutze ich auch die Gelegenheit, den Ausblick vom Balkon der Lounge zu genießen:

Kranzler sechsundvierzig Kranzler siebenundvierzig Kranzler achtundvierzig Kranzler neunundvierzig Kranzler fünfzig Kranzler einundfünfzig Kranzler dreiundfünfzig Kranzler zweiundfünfzig

 

Wieder unten angekommen, schaue ich nochmals in Richtung Zoo:

Kranzler vierundfünfzig

Doch den Besuch verschiebe ich auf wärmere Zeiten. Zurück also Richtung S-Bahnhof Zoologischer Garten:

Kranzler sechsundfünfzig Kranzler siebenundfünfzig Kranzler achtundfünfzig Kranzler neunundfünfzig Kranzler sechszig Kranzler einundsechzig Kranzler zweiundsechzig

Und bald bin ich wieder am S-Bahnhof Zoologischer Garten, esse dort schnell eine Currywurst und dann geht es zurück mit S-Bahn und Regionalbahn.

Es war ein Tag voller Eindrücke.  Berlin zeigt immer wieder neue Facetten.

Peter Grau

Lukas Weißhaidinger: Ein Wiener siegt beim Diskuswerfen in Berlin

Dieses Foto hatte sich Olaf Brockmann wohl nur im Traum ausmalen können:

Lucas vier mit Olaf

Olaf Brockmann mit dem Sieger im Diskuswerfen beim ISTAF-Indoor in Berlin, Lukas Weißhaidinger

Erstmals war mein Wiener Journalistenkollege Olaf Brockmann beim spektakulären ISTAF-Indoor in Berlin dabei. Zwei Tage vorher hatten wir uns zum Plausch getroffen (http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11311 ). Dabei sprachen wir nur wenig über die Aussichten des besten Diskuswerfers aus Österreich, Lukas Weißhaidinger. „Ich werde versuchen, von ihm ein schönes Foto zu machen, und wenn es sich anbietet, eine kleine Meldung nach Wien zur Kronen Zeitung abzusetzen.“ Mehr nicht.

Da ahnte Olaf Brockmann noch nicht, was er am Freitag (26. Januar)  erleben sollte.  Natürlich war er von der gesamten Veranstaltung sehr angetan, erlebte mit 12.000 Zuschauern spannende Leichtathletik.

Lukas einunddreißig Lukas neunundzwanzig

Doch er wartete natürlich auf den letzten Wettbewerb, das Diskuswerfen der Männer.  Und er durfte als Wiener auch parteiisch sein, fieberte mit Lukas Weißhaidinger mit. Der lag lange auf einem guten zweiten Rang, ehe er vom Publikumsliebling Robert Harting im sechsten Durchgang überholt wurde.  Doch dann geschah es: Der Österreicher ließ die Diskusscheibe auf  63,91 m fliegen – das war der Sieg.

Lukas acht Lukas zehn Lukas neun Lukas sieben

Und Olaf Brockmann durfte mitjubeln, fotografieren und das erfreuliche, weil  unerwartete Ergebnis nach Wien zum Internet-Dienst der Kronen Zeitung,   www. krone.at,   melden.

So konnte man es dann um 22.42 Uhr auch auf der Facebookseite von Olaf Brockmann lesen:

Sensationssieg für Lukas Weißhaidinger beim ISTAF Indoor in Berlin! Der Österreicher gewann den Diskusbewerb mit im letzten Versuch erzielten 63,91 m vor Olympiasieger Robert Harting (D/62,32 m). Harting hatte 2012 bei Olympia in London gewonnen, war dreimal Weltmeister und zweimal Europameister. „Emotional war dies mein größter Sieg der Karriere!“, jubelte Weißhaidinger, der vor zwei Jahren auch schon das ISTAF im Freien gewonnen hatte. „Jetzt bin ich einer der wenigen, der in Berlin das ISTAF im Freien und Indoor gewonnen hat!“

Lukas fünf Lukas sechs

Der Olympia-Sechste siegte in der nicht ganz ausverkauften Mercedes-Benz-Halle vor 12.100 Zuschauern – vor zwei Deutschen! Hinter Harting (dem großen Vorbild von Weißhaidinger) wurde Daniel Jasinski, Olympia-Dritter von Rio 2016, Dritter mit 61,86 m.

Lucas zwei

Dabei war der Event kaum noch an Spannung zu überbieten. Vor dem sechsten und letzten Durchgang hatte Jasinski noch vor Weißhaidinger und Harting geführt, dann setzte sich Harting, der Spezialist für letzte Versuche, an die Spitze, wurde als Lokalmatador von den Fans schon wie der Sieger gefeiert.

Es lag ein deutscher Doppelsieg in der Luft. Doch dann kam der Oberösterreicher! „Einer geht noch“, hatte Trainer Gregor Hoegler seinen Schützling von der Tribuene motiviert. Und wie der ging! Als die Scheibe weit durch die Halle gesegelt war, jubelte Weißhaidinger schon im Ring, beide Fäuste gegen die Hallendecke gestreckt. Dann wurde seine Siegesweite bekannt gegeben – und Luki jubelte grenzenlos, entschuldigte sich im Infield-Interview fast bei den Zuschauern, daßs er dem Lokalmatador noch den Sieg weggeschnappt hatte. „Der sechste Versuch war ein Lucky Punch, der richtige Konter zur perfekten Zeit!“ Daß Weißhaidinger den vermeintlichen Siegeswurf des Olympiasiegers noch kontern konnte, war schlicht sensationell! „Ich hätte nie gedacht, daß ich eine solche Weite jetzt schon drauf habe!“, bekannte Weißhaidinger, der Harting einmal mehr als sein Vorbild „und einen ganz Großen des Sports“ bezeichnete.

Lukas drei

Robert Harting (links) und Lukas Weißhaidinger

Berlin ist also ein verdammt guter Boden für Lukas Weißhaidinger. Da kommen die Europameisterschaften heuer im August im Berliner Olympiastadion gerade recht. Auch dort ist dem Österreicher jetzt alles zuzutrauen. Wer 63,91 m (natürlich österreichische Hallen-Bestleistung mit dem Diskus) aus dem Training heraus werfen kann, der kann auch im Sommer deutlich über 68 m werfen!

Soweit die „Botschaft“ von Olaf Brockmann aus Berlin.

Aber auch vorher  hatte er an diesem Abend schon eifrig fotografiert:

Lukas dreiunddreißig Lukas dreißig Lukas siebenundzwanzig Lukas fünfundzwanzig Lukas sechsundzwanzig Lukas dreiundzwanzig Lukas zweiundzwanzig Lukas einundzwanzig Lukas zwanzig Lukas achtzehn Lukas vierzehn Lukas siebzehn

 

Aber man konnte nachfühlen, daß für ihn das Größte eben am Schluß kam: Der Sieg von Lukas Weißhaidinger im Diskuswerfen.

Lukas eins

Peter Grau

(Fotos:  Olaf Brockmann)

Matthias Schlicht: Sprinter, Gymnasiallehrer, Maler

Schlicht Porträt vier

Für viele Leichtathleten sind Medaillen, Siege und Zeiten das Wichtigste, worauf sie später zurückschauen können. Für den Berliner Ex-Sprinter Matthias Schlicht sind es vor allem die Silbermedaille bei den Hallen-Europameisterschaften 1989 in Den Haag (eigentlich eine Goldmedaille, weil später Andreas Bergers Dopingvergangenheit herauskam) und der Trainingsaufenthalt in Houston /Texas.

Dort in den USA studierte Schlicht 1989/1990 nicht nur Kunst und Sport, sondern trainierte auch in einer Gruppe mit Carl Lewis, Leroy Burrell, Joe DeLoach und anderen. Matthias Schlicht war damit auch sehr dicht am Olympiasieger und Weltmeister Carl Lewis dran. Zwar trennten beide zehn Zentimeter, Schlicht maß 1,78 m, Lewis 1,88 m. Aber um so mehr versuchte der Berliner, mit dem „Großen Carl“ auf der Bahn mitzuhalten.

„ An Carl Lewis hat mir vor allem sein Durchhaltevermögen über die 100 m imponiert. Doch unschlagbar war er nicht. Im März 1990  habe ich ihn in einem Wettkampf über 50 m geschlagen, ihm einen Meter abgenommen. Danach waren alle baff und alle Schwarzen, gleich ob Leichtathleten, Footballer, Baseballer oder Basketballer, haben über mich geredet: Das ist der Weiße, der Carl Lewis geschlagen hat. Der läuft mal unter 10 Sekunden über 100 m.“  Trainer Tom Tellez stimmte in diesen Chor ein, und auch Carl Lewis hatte eine hohe Meinung von Matthias Schlicht. Und der glaubte seitdem selbst ein wenig daran.

Gleichzeitig Sprinter und Reisebürokaufmann

Doch warum war Matthias Schlicht überhaupt in dieser Trainingsgruppe gelandet?

Der gebürtige Berliner (Jg. 1967) hatte 1985 sein Abitur am Werner von Siemens-Gymnasium in Zehlendorf abgelegt. Bald faßte er in der Leichtathletik Fuß, wurde Sprinter. Sein Vater Uwe, als Journalist beim Berliner „Tagesspiegel“ tätig, lenkte seine berufliche Entwicklung. Er meinte:  Erst Ausbildung, dann Studium und auf gar keinen Fall in den Profisport, weil das zu riskant sei. So begann Schlicht zunächst eine Reisebürolehre und  funktionierte fortan zweigleisig, tagsüber im Reisebüro beim „Bayern Express“ in der Otto-Suhr-Allee, abends dann im Stadion Hakenfelde oder in der Harbig-Halle.

Und er fühlte sich nicht überfordert, auch, weil er erste Erfolge auf der Tartanbahn errang.  1986 wurde er bei der ersten Junioren-WM in Athen über 100 m Vierter und drei Tage später – Schlicht als Startläufer -, mit der 4×100-m-Staffel der Bundesrepublik Vizeweltmeister. „Das war ein totes Rennen mit den Briten“, erinnert sich Matthias Schlicht, wie überhaupt sein Gedächtnis phänomenal ist. „Es hat eine halbe Stunde gedauert, um Gold und Silber zu bestimmen. Die Amerikaner wurden übrigens disqualifiziert, weil sie alle Wechsel verpatzten“.

Drei Jahre später, im Februar 1989, folgte bei der Hallen-EM in Den Haag sein bis dahin größter sportlicher Erfolg. Über 60 m lag er lange in Führung und wurde erst kurz vor der Ziellinie vom Österreicher Andreas Berger (6.56 s) abgefangen. „Ich freute mich trotzdem über die unerwartete Silbermedaille.“ Aber drei Jahre später bekam diese Freude einen Dämpfer: „Ich erfuhr, daß Berger im Training des Dopings überführt wurde und dann zugab, auch vorher schon gedopt zu haben. Nie zuvor und auch nie danach war Berger schneller als 6,56 s gelaufen. Deshalb bin ich mir auch sicher, daß er in Den Haag gedopt war.“  Und Schlicht wünscht sich, daß der Europäische Leichtathletikverband (EAA) den Österreicher irgendwann aus den Ergebnislisten streichen möge und sein Sohn Enrique oder kommende Enkel dann stolz auf den Europameister sein können.

Auf den Gedanken, zum Training in die USA zu gehen, hatte ihn sein jüngerer Bruder Christian gebracht, der als Austauschschüler schon dort gewesen war. „Aber für mich kam ein solcher Austausch nicht mehr in Frage, weil ich dafür zu alt war.“ Doch ISTAF-Chef Rudi Thiel hatte telefonischen Kontakt zur Trainerlegende Tom Tellez und erreichte, daß Schlicht ab Januar 1989 in dessen Trainingsgruppe kommen durfte. „Ich habe an der Universität von Houston  als Hauptfach Kunst, daneben noch Leistungssport studiert und in der Trainingsgruppe von Carl Lewis trainiert.“

Matthias Schlicht Werbebroschüre Houston

Eine  Werbebroschüre von der University of Houston von 1988, wo Matthias Schlicht von 1989 bis 1990 studierte.  Unten links der 200-Meter-Olympiasieger von Seoul, Joe DeLoach (19,75 s und 10,03 s) und  Leroy Burrell (zweifacher 100-m-Weltrekordler,  1991 in 9,90 und 1994 in 9,85 s).

Nebenher frönte Matthias Schlicht seinem Hobby, der Malerei. „Damals malte ich vor allem mit Aquarellfarben Stilleben, Landschaften, Häuser“.

Schlicht dreiSchlicht Wohnung sieben

Schlicht achtSchlicht sechszehn

Schlicht vierSchlicht sechs

 

Sein Berliner Trainer Frank Hensel ließ ihn  nur ungern in die USA ziehen. „Ich stimme nur zu, wenn Du mir wöchentlich die Trainingsprotokolle zuschickst. Doch wenn Du verletzt zurückkommst, mußt Du Dir einen anderen Trainer suchen,“  hatte er gewissermaßen ein Ultimatum gesetzt.

Schlicht willigte ein, schickte per Post die handgeschriebenen Protokolle, ohne vorauszusehen, welche Bedeutung sie später mal für den deutschen Sprint erlangen würden.

Und er machte die ganz normale Erfahrung, daß sich eine Sprache  am besten vor Ort  lernen läßt. „Zudem merkte ich, daß ich nicht nur allgemein ein gutes Gedächtnis hatte (und habe), sondern speziell auch für Fremdsprachen. Ich habe dort in den USA das Schreiben von Aufsätzen gelernt“. Später kam ihm das zunutze, als er an der TU Berlin den amerikanischen Professoren im Englischstudium half, die Arbeiten von Studenten zu korrigieren. „Ich hatte das amerikanische Schema drauf, wie überhaupt das schriftliche Englisch meine absolute Stärke ist“.

Inzwischen beherrscht Matthias Schlicht aber nicht nur englisch und amerikanisch, sondern auch portugiesisch ( seit 26 Jahren ist er mit seiner brasilianischen Frau     verheiratet).

Da er also sehr schnell die englische Sprache lernte und sich auch ansonsten gut in die Trainingsgruppe einfügte, faßte man Vertrauen zu ihm. Und er bekam schnell zu hören, was seine Trainingsgefährten Carl Lewis, Leroy Burrell, Joe DeLoach, Mike Marsh, Floyd Hurt, Mark Witherspoon über Doping dachten. Sie alle haßten den Kanadier Ben Johnson (Johnson hatte 1988 in Seoul  bei Olympia das 100-m-Finale gegen Carl Lewis gewonnen, war aber drei Tage später wegen Dopings disqualifiziert worden.

Siehe dazu auch einen Bericht von Michael Reinsch aus dem Jahr 2013: http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/doping/ben-johnson-das-dreckigste-rennen-12585412-p3.html ).

„Wenn ich seinen Namen nur erwähnte, gab es immer die Geste von der Spritze und den Tabletten. Und unser Trainer Tom Tellez holte mich eines Tages ins Büro und meinte: „Mat, wir haben Dich als ersten und einzigen Deutschen aufgenommen,  wollen mit Dir ein Vierjahresprogramm machen. Ich hoffe, Du bist clean, denn wenn Du gedopt hast, dann fliegst Du gleich raus. Wir dopen nicht, wir brauchen das Zeug nicht.“  Schlicht fand nichts besonderes dabei, denn  „ich habe nie gedopt. Mich haben immer nur die natürlichen Grenzen interessiert.“

Die Signale schienen also für ihn auf Grün zu stehen, auch wenn noch nicht alles so gelang, wie er es sich gedacht hatte.

Die Halle war seine Stärke

Zwei Wochen nach der Hallen-EM 1989 gewann Schlicht bei der  Hallen-WM in Budapest das Halbfinale über 60 m. „Es  war ein superknappes Ding, drei Leute liefen 6,58 s, zwei 6,59 s. Aber nun war ich im Finale Mitfavorit für eine Medaille. Doch leider verpatzte ich den Start  und wurde nur Sechster.“

Aber er hatte bewiesen, daß er mit der Weltelite mithalten konnte. In der Halle lief er lieber als im Freien, weil er dort seine größeren Erfolgsaussichten sah. Doch immerhin war er mit 20 Jahren 1987 über 100 m bereits eine 10,35 s gelaufen. Und auch in seiner amerikanischen Trainingsgruppe bewies er, daß er auch über 100 m schnell war. Und wieder berichtet er in unserem Gespräch so überzeugend, als wolle er von seinem Super-Gedächtnis Zeugnis ablegen:

Das mißglückte Sommermärchen

„Im Mai 1989 sollten wir 120 m laufen, dabei über 80 m von Null auf Hundert steigern und  die letzten 40 m voll durchziehen. Carl Lewis lief zu meiner Rechten. Er war die ganze Zeit einen halben Meter vor mir, auch bei 120 m. An ihm kam ich nicht vorbei, das war für mich unmöglich. Aber ich war vor allen anderen, vor Leroy Burrell, vor Joe deLoach, vor Mark Witherspoon. Ich war Zweiter. Tom Tellez, der Trainer, war sehr beeindruckt von mir.  Er hatte nicht damit gerechnet, daß ich über 120 m so gut mithalten konnte. Doch leider war fünf Minuten später, beim warming down, alles vorbei. Ich merkte, daß ich nicht mehr richtig gehen konnte, weil beide Adduktoren durchgezerrt waren. Der Sommer 1989 war damit im Eimer.“ Matthias Schlicht  mußte tatenlos erleben, wie Wolfgang Haupt in 10,45 s Deutscher Meister über 100 m wurde. „Ohne die Verletzung wäre ich ganz locker Deutscher Meister geworden, mit einer 10,20er oder 10,10er-Zeit.  Ich bin vorher in der Halle allen Deutschen ein bis zwei Meter davongelaufen. Und das hätten sie auch über 100 m nicht aufgeholt. Ich war im amerikanischen Training drin, auch dicht an Carl Lewis dran.“

Sein Körper spielt leider nicht mehr mit

Im September 1989 war er wieder fit, fuhr erneut in die USA. Zwar schlug das Training wieder gut an, aber erneut machten ihm Verletzungsprobleme einen Strich durch die Erfolgs-Rechnung: Ischiasprobleme, viele Zerrungen, auch Muskelfaserrisse. Noch gravierender waren ab 1992 sehr schwere Erkältungen, die teilweise ein halbes Jahr anhielten. „1992 / 1993 wollte ich eigentlich mein Comeback „feiern“,  habe damals bei Wolfgang Huth trainiert. Ich hatte dieselbe Form wie im Winter 1988/89, hätte also wieder unter 6,60 s laufen können. Aber  Weihnachten 1992  machte ich einen Dauerlauf, erkältete mich danach und hatte ein halbes Jahr mit Fieber zu kämpfen.  Danach war ich körperlich ein Wrack, auch wenn ich 1993  nochmals Deutscher Meister geworden bin (eine Woche, nachdem ich 40,7 Grad Fieber hatte und zudem eine Zwischenprüfung in Erdkunde mit 1,3  bestand).  Den internationalen Durchbruch schaffte er aber nun nicht mehr.  Vielmehr blieb die Verletzungs-und Krankheitshexe Dauergast bei ihm.

„Im September 1995 wollte ich mich nochmals für die Hallensaison 1995/96 aufbauen. Da fing es wieder mit einer Nebenhöhlenvereiterung an, es folgten eine Bronchitis und das inzwischen chronische Fieber.“ Weder  Medizin noch der häufige Wechsel der  Ärzte halfen. „ Am 5. November 1995 hatte ich beim Training sogar Atemnot und  Erstickungsanfälle.“ Das war das letzte Zeichen, sich vom Sport zu verabschieden.

Als Lehrer nach Kaiserslautern

Nunmehr konnte sich Matthias Schlicht voll der beruflichen Entwicklung widmen. Er schloß das Lehramt-Studium von Geographie und Englisch mit dem Staatsexamen ab und absolvierte anschließend von  2001 bis 2003 das Referendariat am Hans Gorossa-Gymnasium in Berlin-Spandau. „Und dann kam die Zeit, in der Klaus Böger Schulsenator war und alles drunter und drüber ging,“ erinnert sich Matthias Schlicht. „Es gab keine Stellen, auch nicht für uns vier Leute, die wir mit 1,1 das zweite Staatsexamen abgeschlossen hatten.  Ich las eine Anzeige des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern, die dringend für die Leichtathletik einen Lehrer-Trainer brauchten, zur Hälfte für den normalen Unterricht und zur  Hälfte für die Betreuung der Leichtathleten ab der 6. Stunde sowie deren Betreuung an den Wochenenden ab Pfalzmeisterschaften aufwärts. Da habe ich mich beworben, und weil vom Direktor Dr. Becker ein Trainerschein gefordert wurde, habe ich in Berlin meinen C- und B-Trainerschein gemacht und anschließend in Mainz von 2004 bis 2006 unter Helmar Hommel die A-Trainer-Ausbildung Block-Sprint absolviert.“

Bei der A-Trainer-Ausbildung traf er auf DLV-Trainer wie Rüdiger Harksen, Heinz Hüsselmann, Winfried Vonstein oder Uli Knapp. „Und überall haben sie mich angesprochen und mir erklärt, wie wichtig  meine Trainingsprotokolle aus den USA für sie gewesen sind, ob nun für die Blöcke Sprint, Sprung oder Wurf. Uli Knapp,  der frühere Heimtrainer von Speerwerfer Boris Henry (heute Obergföll), hat mir gesagt: „Auch für die Werfer haben wir vom  Schnellkraftteil, der in Deinen Protokollen stand, enorm profitiert. Und Sprinttrainer erzählten: „ Wir haben seitdem das Training umgestellt.“  Es zog also immer weitere Kreise. „Inzwischen trainieren die deutschen Topsprinter nach dem amerikanischen Schema, was erstmals in meinen Trainingsprotokollen auftauchte“, ist sich Schlicht sicher. „Sie fahren im Februar nach Florida. Und warum: Wegen der Wärme!“

Mit den Trainerscheinen hatte Matthias Schlicht nicht nur die Anforderungen für die Anstellung in Kaiserlautern erfüllt, sondern auch wieder Kontakt zur Leichtathletik aufgenommen. Und in Kaiserlautern konnte er auch noch mal seine US-Protokolle verwenden. „In einer Arbeit mußte ich meine Trainingserfahrungen in den USA  mit dem Training verbinden, mit dem ich meine Schüler für „Jugend trainiert für Olympia“ vorbereitete.“

Eine Revolution im deutschen Sprint 

Matthias Schlicht weiß also aus berufenem Munde, wie wichtig seine Trainingsprotokolle waren. „Ich sage es mal knallhart: Es ist die Revolution im deutschen Sprint gewesen.“  An Bescheidenheit leidet er nicht, aber im Gespräch nimmt man  ihm alles ab, ohne es sofort nachprüfen zu können. Auch wenn er meint, daß „Julian Reus die 10,01 s nicht nach dem deutschen, sondern nach dem amerikanischen Sprint-Schema gelaufen ist.“

„Die Amerikaner sind nicht soviel im Kraftraum, sondern trainieren meistens auf Wettkampfebene,“  doziert er weiter.

An einem Montag in Texas

Und es wäre nicht Matthias Schlicht, wenn er nicht auch dafür ein Beispiel aus seiner amerikanischen Trainingsgruppe parat hätte:

„Der Montag war immer unser härtester Trainingstag. Der Tag hieß: Break down day.

Mitte September fingen wir mit dem Training an, zunächst zweimal 800 m,  immer mit einer halben Stunde Pause, nichts weiter. Aber Carl Lewis lief sie in 1:58,9 min mit Leroy Burell, ich in 2:10 min.

Dann ab Anfang Oktober:  600 m, 20 min Pause, 500 m, 20 min Pause, 400 m, fertig.  Carl Lewis lief wie Leroy Burrell die 600 m in 1:24,9. Joe DeLoach (Olympiasieger von 1988) und ich liefen die 600 m   in 1:31 bis 1:32, wir waren immer die Schlußlichter.

500 m lief Carl Lewis  in 66 sec, Joe und ich in 71 und 72 sec

400 m: Carl  48 sec.

Ab Mitte November: 500 m, 400 m, 300 m. Immer mit 20 min Pause, aber volles Rohr.

Und dann war Carl Lewis ab Mitte November bis Mitte Januar spurlos verschwunden: Keiner wußte, wo er war. Dann tauchte er Ende Januar wieder auf, lief in einer Extra-Gruppe die 400 m (wir waren da schon bei 400 m, 300 m, 200 m). Carl lief 54 sec über 400 m, über 300 m 37 sec, 200 m 22 sec. Alle  dachten: Warum so langsam?

Drei Wochen später, Mitte Februar, rückte Carl Lewis in die Gruppe von Burrell und Mark Witherspoon auf und die liefen die 400 m in 46,7, die 300 m in 32,8 bis 33,0  und die 200 m in 20,5. Und später, von Mitte Mai bis in den Juli hinein, folgten 300 m, 200 m, 100 m,  immer mit 20 min Pause. Dann hat Carl Lewis  beim break down day „die Sau rausgelassen“:  300 m: 31,7 , 200 m:  20,1, 100 m: 10,30.

Dann folgte der Wettkampf, bei dem ich 10,40 lief (wenige Tage nach den 50 m), genau so schnell wie Leroy Burell. Nur war ich danach verletzt.  Leroy wurde später US-Meister in 9,94 s. Da sieht man, was aus einer 10,40 s Mitte März im Juli  mit dem amerikanischen Training erreicht werden kann.“

Bekannte Schüler

Doch nun wieder zurück zum Beruf, zum Lehrer-Dasein in Kaiserslautern. Von 1994 bis 2013 war er dort angestellt, wurde immer im Leistungskurs Englisch eingesetzt. Und er hatte in diesen Jahren auch ab und an Schüler, die später zu sportlichen Ehren gelangten. So etwa die Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Bahnradsport, Miriam Welte oder den heutigen Fußball-Torwart von Paris St. Germain, Kevin Trapp, der am 14. November 2017 im Freundschaftspiel gegen Frankreich als Torwart der deutschen Nationalmannschaft so prächtig hielt.

Matthias Schlicht gefiel es in Kaiserlautern, aber familiäre Gründe führten ihn wieder zurück nach Berlin. „2008 kam mein Sohn Enrique auf die Welt. Nach drei Jahren war die Elternzeit  vorbei, und meine Frau wollte  zurück nach Berlin, um dort ihre Arbeit wieder aufzunehmen.“ Es dauerte einige Zeit, ehe Matthias Schlicht in Berlin eine neue  Schule fand und danach die Freigabe vom Land Rheinland –Pfalz erhielt. Im April 2013 konnte er in Berlin beginnen, zunächst in einer Grundschule im Märkischen Viertel. „Doch für mich als Gymnasiallehrer war das noch nicht die passende Schule. Umso glücklicher war ich dann, als ich in eine Sekundärschule, in die Julius-Leber-Schule in Reinickendorf, versetzt wurde. Dort unterrichte ich auch heute noch.“ Wie er sagt, ist er „ Lehrer aus Leidenschaft“.  „Ich mag meine Schüler, mag meine Kollegen, mag meine Schulleitung, mag meine Schule. Ich fühle mich da wohl, auch wenn es eine Brennpunkt-Schule ist, aber ich komme damit zurecht. Ich nehme die Schüler, wie sie sind, und sie mögen mich. Es ist eine gegenseitige Zuneigung“.

Erstmals unterrichtet er kein Englisch, aber mit genauso großer Lust ist er nun Kunstlehrer, gibt Erdkundestunden und andere Wahlpflichtfächer, die etwas mit Kunst zu tun haben. Und er kommt damit an bei den Schülern.

Kunst in der Schule und als Hobby

Die  Kunst ist ein weiteres Stichwort für das abwechslungsreiche Leben des Matthias Schlicht. Irgendwie hatte ich bei unserem Gespräch zuhause bei ihm in Berlin-Lichterfelde immer das Gefühl, daß er sich auf vielen Gebieten „austoben“ muß, einfach keine Grenzen kennt. So beschäftigt er sich auch seit Jahren mit moderner Astronomie, wertet Galaxien aus und ist über das Internet mit Millionen Hobby-Astronomen aus aller Welt verbunden.

Und seit 1984 ist er intensiv in die Malerei eingestiegen, zunächst mit selbstgemalten Aquarellen als auch später mit vielfältigen Ideen für den Kunstunterricht.

Über 30 Jahre  Kunst-Maler und Kunst-Lehrer

In seiner Wohnung in Berlin-Lichterfelde hängen einige seiner Werke:

Schlicht Wohnung eins

Schlicht Wohnung drei  Schlicht Wohnung vier    

schlicht zweiunddreißig

 

Ob in den USA – an einem Bild über Chicago hat er rund ein Jahr gearbeitet-, ob in Berlin, Kaiserslautern und nun wieder in Berlin: immer fand er die Zeit (oder er nahm sie sich einfach), um zu malen.

Dabei stand die Vorbereitung des Kunstunterrichts oft im Vordergrund. „So habe ich, wie ich es von meinem Kunststudium in den USA gewohnt war, über 45 Skizzen selbst gezeichnet. Dabei habe ich immer zwei verschiedene Stilrichtungen kombiniert oder eben zwei verschiedene Künstler in eine Skizze hingezeichnet.

Ich habe beispielsweise Albrecht Dürer mit Claude Monet kombiniert, das Bayerhaus von 1502 von Dürer mit den Seerosen von Monet. Oder Roy Lichtenstein mit Joan Miro, dem abstrakten Maler aus Katalonien. Später fügte ich Albrecht Dürers Drahtziehmühle mit islamischer Kunst zusammen und fand dabei bei meinen Schülern –  70 Prozent sind muslimisch-, großen Anklang. Aber auch die Verbindung  Caspar David Friedrich und Karl-Friedrich Schinkel kam an. In einer anderen Skizze brachte ich  Albrecht-Dürer-Bilder unter wie den jungen Feldhasen, den Hirschkäfer und das große Rasenstück.  Farbspezifisch ist Emil Nolde (1865-1965) einer meiner Lieblingskünstler für den Unterricht.“

Und wenn man Matthias Schlicht nach seinen Vorbildern fragt, läßt er sich nicht lange bitten: „Bei den Skizzen ist für mich Albrecht Dürer die Nr. 1.  Ich meine, daß ich seine Sprache verstehe und seinen Rhythmus, obwohl er vor 500 Jahren lebte. Wenn es um die Ölmalerei geht, habe ich als Vorbilder Albrecht Dürer, Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Frederic Edwin Church (USA) und Claude Monet und neuerdings auch den Japaner Katsushika Hokusai  (1760 geboren, 1849 gestorben). Ich kombiniere inzwischen den Japaner mit Caspar David Friedrich.

Sergej Bubkas Lieblingsbild

Der Kunstunterricht steht zwar im Blickpunkt, aber natürlich fühlt sich Matthias Schlicht auch als Maler anerkannt, wenn er seine Werke in Ausstellungen zeigen darf oder aber einzelne Werke verkaufen kann. Gern erinnert er sich an das Jahr 1997, als er in Werder bei Potsdam im Rathaus ausstellen durfte, anschließend den Auftrag für ein Bild zum 120. Baumblütenfest erhielt.

Weitere Ausstellungen im Postgiroamt am Halleschen Tor oder in einem portugiesischen Restaurant in Charlottenburg folgten.

Besonders eindrucksvoll aber war eine Ausstellung im Radisson Plaza in Berlin, initiiert von Rudi Thiel, der damit Werbung für das ISTAF-Springermeeting machen wollte. Mit dabei war auch Sergej Bubka, der damals wie  Matthias Schlicht für den OSC Berlin startete. „Und Sergej Bubka erkor das Bild „Prozession“ zu seinem Lieblingsbild:

Schlicht Wohnung zwei

Die Prozession

Im Rahmen dieser Ausstellung versteigerte Schlicht ein anderes Bild, „Sonnenuntergang an der Ostsee“, für 2000 DM an einen Hamburger, wobei 1000 DM an die Obachlosenzeitschrift „Platte“ überwiesen wurden.

„Malen werde ich immer, solange ich gesund bin und solange ich sehen kann“, schaut Matthias Schlicht in die Zukunft.

Schlicht Porträt fünf

Und damit er fit bleibt, schwimmt er beispielsweise viel. Von Mai bis Oktober spult er Distanzen bis zu 6 km im Sacrower See oder im Schlachtensee ab. Wenn es dort aber zu kalt wird, schwimmt er bis zu 5 km in der Halle. Aber auch Dauerlauf, Radfahren, Tischtennis und Fußball spielen mit seinem Sohn steht auf seinem sportlichen Programm.

Peter Grau

Einblick in die Vielfalt der Werke, die Matthias Schlicht bisher schuf:

Schlicht Wohnung vier Schlicht Wohnung fünf   Schlicht einsSchlicht Wohnung sechs Schlicht zwei    Schlicht sieben

 Schlicht vierzehn Schlicht fünfzehn  Schlicht siebzehn Schlicht neunzehn

Schlicht dreiundzwanzig Schlicht zweiundzwanzig Schlicht einundzwanzig Schlicht sechsundzwanzig Schlicht fünfundzwanzig Schlicht siebenundzwanzig Schlicht vierundzwanzig Schlicht achtundzwanzig Schlicht neunundzwanzig Schlicht dreiunddreißig

Schlicht dreißig Schlicht einunddreißig

Schlicht fünf Schlicht zehn Schlicht neun Schlicht elf Schlicht zwölf

 

 

 

 

 

 

Mit Hochglanz-Magazin Werbung für die Leichtathletik-Europameisterschaften 2018 in Berlin – Ruth und Lisa öffnen den Vorhang

EM 2018 Tiitelbild

Noch 200 Tage sind es bis zum Beginn der Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin. Eigentlich viel Zeit, aber für das Werben um Zuschauer im großen Olympiastadion muß jeder Tag genutzt werden.  So war man gespannt, was sich hinter der Einladung verbarg: In der PanAm-Lounge in der Budapester Straße sollte ein Hochglanz-Magazin „Berlin 2018“ vorgestellt werden. Dort, im 10. Stock des Eden-Hauses, direkt gegenüber dem Zoologischen Garten, haben sich schon viele bekannte Leute getroffen, es ist eine Lounge für besondere Anlässe.

Die amerikanische Fluglinie PanAM gibt es nicht mehr, weil sie 1991 insolvent und von Delta Air Lines übernommen wurde. Aber man  zehrt hier immer noch vom „Erbe“, pflegt den Namen PanAm.  Bereits unten am Fahrstuhl werden wir von einer Stewardeß im PanAm-Outfit empfangen und nachdem man einen Haken auf der Akkreditierungsliste bekommt, darf man einsteigen. Begleitet von den Wünschen der Stewardeß:  guten Flug. Wo wird man sonst noch so in den Fahrstuhl verabschiedet?

Oben angekommen werde ich zuerst von Claus Frömming begrüßt, dem Ober-Medienchef der EM. Mit ihm verbinden mich lange Jahre, in denen ich unter seiner Regie Geschichten für die Programmhefte des ISTAF schrieb.

Wie immer ist meine Begrüßung  mit dem Potsdamer Fotografen Eberhard Thonfeld sehr herzlich. Auch ihn kenne ich schon recht lange.  Auf dem folgenden Foto sitzen wir nach einem Veranstaltungstag bei der WM 1995 in Göteborg gemütlich im Deutschen Haus (von links: Grau, Thonfeld, Klaus Weise):

Peter 77 neun

„Thoni“ erzählt gern und viel,  plaudert über das neue Museum „Barberini“ in Potsdam: „Ich habe eine Jahreskarte, gehe sehr gern hin. Es ist jedem zu empfehlen.“ Später wird er auch im großen Rahmen zu Wort kommen. Als der Moderator die Abwesenheit des Jenaer Speerwerfers Thomas Röhler entschuldigt – der Sturm Friederike ließ keine Bahnfahrt von Jena nach Berlin zu-, zeigt er auf ein Foto, welches Röhler beim Friedfisch-Angeln zeigt.

Pan Roehler

Doch an welchem Fluß angelt er? Da meldet sich der gebürtige Jenaer Thonfeld: „Es ist die Saale“. Aber das wußte ich auch, als gebürtiger Erfurter und oftmaliger Besucher der Jenaer Leichtathletik-Meetings. Dort erlebte ich u.a. am 25. Mai 1996 auch den Weltrekordwurf von Speerwerfer Jan Zelezny mit einer Weite von 98,48 m.

Ein positives Element solcher Veranstaltungen für die Presse ist es,  daß man vielen Bekannten begegnet und in Gesprächen Neues erfährt.  Ob Ulrike Krieger, Peter Stein, Philip Häfner, Christian Ermert oder  Sebastian Arlt, ich freue mich, sie wiederzusehen.

Pan zweiPan eins

Doch ich bin ja nicht nur zum Erzählen gekommen, sondern zur Vorstellung des Magazins.

Dietmar Teige, Fernseh-Sportjournalist beim Fernsehsender RBB (Radio Berlin Brandenburg), übernimmt das Zepter:

Pan vier

Zunächst interviewt er den Aufsichtsratsvorsitzenden des Organisationskomitees der EM, Dr. Clemens Prokop:

Pan sieben

Prokop unterstreicht, daß es eine Mammutaufgabe sei, das  sehr große Olympiastadion jeden Tag zu füllen (die EM geht vom 7. Bis 12. August 2018). Doch er läßt auch keinen Zweifel daran, daß es gelingen wird.

Pan acht

Als Nächster darf Claus Frömming, seines Zeichens Direktor Kommunikation des Organisationskomitees,  über „sein“ Magazin plaudern, für das er verantwortlich zeichnet. „ Es ist mir sehr ans Herz gewachsen. Wir wollen damit vor allem auch Kreise außerhalb der Leichtathletik erreichen, Leute, die bisher noch nicht so mit der Leichtathletik Berührung hatten.“

Pan neun

Dieter Hallervorden, Schauspieler und Kabarettist, plaudert locker über seine Beziehung zur Leichtathletik: „Ich bin früher 400 m gelaufen, da hab ich mich ganz gut geschlagen, zumal, wenn kein anderer mitlief.“   Aber im nun vorgerückten Alter – heute ist er bereits 82 Jahre-, hat er für seinen Film „Das letzte Rennen“ wurde er nochmals so richtig aktiv, weil er dort einen Marathonläufer spielen sollte. „ Ich habe ein halbes Jahr lang jeden Tag trainiert und fast 10 Kilo abgenommen. Ich habe mir selbst bewiesen, daß man es kann, wenn man es will.“

Für sein Vorwort im Magazin erhält er vom Moderator ein besonderes Lob , und ich kann mich diesem Lob nun anschließen, nachdem ich es gelesen habe.

  Pan fünfzehn

 Jim Rakete, der weltbekannte Fotograf aus Berlin, lieferte viele der spektakulären Fotos für das Magazin. „Ich arbeite sehr gern mit Sportlern zusammen, weil sie unbekümmert und zwanglos an die Sache herangehen und sehr diszipliniert sind.“

 

Pan zwölf Pan vierzehn

Für zwei dieser Sportlerinnen, Ruth Spelmeyer und Lisa Rysih, war es eine willkommene, weil ungewohnte Aufgabe. „ Das ging alles ruckzuck“ meinte Lisa.

Interessiert verfolgen alle diese Interviews:

Pan fünf Pan sechs Pan zehn Pan dreizehn

 

Die Spannung steigt. Endlich naht der Höhepunkt der Veranstaltung: Ruth Spelmeyer (links) und Lisa Ryshich dürfen den Vorhang hinunterziehen und den Blick auf die Titelseite des Magazins freigeben:

Pan sechszehn

Beifall und einhelliges Lob folgen. Die Kameras halten den Moment fest, die Journalisten führen weitere Interviews:

Pan achtzehn Pan neunzehn

Pan zweiundzwanzig Pan dreiundzwanzig Pan dreißig

Und es wird weiter untereinander gesprochen, zwischen Journalisten, Sportlern, Funktionären:

Pan drei Pan achtunddreißig  Pan zweiunddreißig Benitz Pan vierundzwanzig Pan sechsunddreißig Pan achtundzwanzig

 

Und irgendwie paßt es kurz vor Ende der Veranstaltung in den repräsentativen Rahmen der PanAm-Lounge, daß plötzlich Fernsehmoderator Cherno Jobatey erscheint, und mit einem wie immer gewinnenden Lächeln sich unter die Journalisten mischt.

Pan neununddreißig

Jobatey war vor allem durch das ZDF-Morgenmagazins bekannt geworden, was er bis Ende 2012 zwanzig Jahre lang moderierte. Gegenwärtig ist er Herausgeber der deutschen Ausgabe der „Huffington Post“.

Cherno Jobatey paßt auch deshalb hierher, weil einer wie er sicher auch für die Verbreitung des  gerade vorgestellten Magazins außerhalb der Leichtathletik-Klientel sorgen kann. Und das hat ja vorher Claus Frömming betont: „Wir wollen das Magazin breit streuen, um die Idee der Europameisterschaft überall zu verbreiten.“

Peter Grau

 

Leichtathletik-Stars präsentieren bayerische Trachten als Werbung für die Leichtathletik-Europameisterschaften 2018 in Berlin

 

EM 2018 Tiitelbild

Unter dem Motto „Fashion meets Sport“ (Die Mode trifft den Sport) entwarf Marktführer Angermaier eine spezielle Trachtenkollektion zu den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin (7.-12. August 2018) und steckte Spitzenleichtathleten in die typisch bayerischen Trachten.

Die EM-Kollektion, für die hochwertige Stoffe und feinstes Leder aufwendig verarbeitet wurde, stellten  Ruth Spelmeyer (Langsprinterin), Laura Müller, Alexandra Burghardt (beide Sprint), Timo Benitz (Mittelstreckler  und Martin Wierig (Diskuswerfer)  vor.

Spitzenathleten_Trachtenmode

Von links nach rechts:  Ruth Spelmeyer, Timo Benitz, Alexandra Burghardt, Laura Müller und Martin Wierig  (Foto: SCHROEWIG/ D.Kollowsky)

Alexandra Burghardt, Laura Müller, Martin Wierig,Timo Benitz und Ruth Sophia Spelmeyer Fashion meets Sport - Angermaier-Weißwurstfrühstück im Hofbräuhaus in Berlin am 18.01.2018 Foto: BrauerPhotos / Neugebauer

Von links nach rechts: Alexandra Burghardt, Laura Müller, Martin Wierig, Timo Benitz und Ruth Spelmeyer ) Foto: BrauerPhotos / Neugebauer)

Rückblick auf 2017 – Ausblick auf 2018

 

Das Jahr 2017 verging wieder schnell, viel zu schnell. Es scheint so, daß für uns im vorgerückten Alter die Zeit noch schneller rast. Und das ist nicht nur, weil viel passiert, die Informationsflut immer mehr zunimmt, sondern auch, weil das Leben leider nicht unendlich ist. Da muß man schon froh sein, wenn man gesund ist und  fit bleibt.

Wie endlich das Leben ist, habe ich leider zuletzt beim Abschied meines Berliner Freundes Horst Prill und meines Journalistenkollegen Christian Fuchs schmerzlich erleben müssen. Aber man kann auch aus solchen Ereignissen Kraft ziehen, sich vornehmen, viel für die eigene körperliche und geistige Fitneß zu tun, um eben den Abschied von dieser Welt noch weit hinauszuschieben.

Meinen Geist habe ich im Jahr 2017 kräftig bewegt. Vor allem trug dazu die Arbeit für meine Homepage bei. Ein wenig habe ich vielleicht sogar überzogen, denn die rasante Steigerung der Zahl meiner Facebookfreunde hat auch viel Arbeit gemacht. Mittlerweile – mit Stand vom 14. Januar 2018-, sind es nun 2071 Freunde, meistens virtuelle Freunde.

Natürlich schaffe es nicht, mit allen zu korrespondieren. Allein wenn ich jedem zum Geburtstag gratulieren wollte, würde es viel Zeit einnehmen.  Und auch Rede und Gegenrede ist nur beschränkt möglich.

Im Jahr 2017 habe ich neue Freunde vor allem im Kunstbereich gesucht und gefunden. Diese Freundschaften habe ich dann ausgenutzt, um die einzelnen Künstler vorzustellen, sowohl mit ihrem Lebensweg als auch mit ihren Werken. Ich fühlte schnell, wie dankbar sie darüber waren, wie nötig sie Werbung brauchen. Aber es war auch so, daß ich meiner Homepage einen neuen Aspekt anfügte: Manchmal fühlte ich mich wie in einer Ausstellung, d.h. in vielen Ausstellungen.

Im Jahr 2018 werde ich dieses Tempo wohl nicht mehr beibehalten können und wollen. Es gibt zwar noch viele Künstlern, denen ich versprochen habe, sie vorzustellen. Doch das braucht einfach Zeit.

Mehr als im vorigen Jahr werde ich wieder über eigene Aktivitäten berichten, Erinnerungen aufleben lassen und auch die Leichtathletik dabei nicht aus den Augen verlieren.

Vorschau 2018 zwei

Die Leichtathletik-Europameisterschaft 2018 in Berlin wird in diesem Jahr oft genannt und beworben werden. Einen kleinen Teil möchte ich dazu beitragen. Bereits am 19. Januar werde ich in Berlin an einer Pressekonferenz teilnehmen, auf der ein farbenfrohes Heft vorgestellt werden wird, in dem sich Ex-Leichtathleten und andere Prominente äußern werden.

Vorschau 2018 drei

Am 26. Januar werde ich beim ISTAF Indoor die Leichtathleten in der Mercedes-Benz Arena in Berlin beobachten.

Peter Grau

Frankfurt-Marathon 2017: Arne Gabius glänzt bei Comeback, Katharina Heinig strahlende Deutsche Meisterin

Trotz windigen Wetters liefert der Mainova Frankfurt Marathon Spitzenresultate / Äthiopischer Dreifachsieg bei den Männern mit 2:05er-Siegerzeit / Olympiasiegerin Vivian Cheruiyot gewinnt das Frauenrennen 

2017 Frankfurt Marathon Frankfurt, Germany October 29, 2017 Photo: Victah Sailer@PhotoRun Victah1111@aol.com 631-291-3409 www.photorun.NET
Sieger: Shura Kitata Tola (Äthiopien) Foto:Mainova Frankfurt Marathon

Ein beeindruckendes Comeback von Arne Gabius in unter 2:10 Stunden; die sechstbeste Siegerzeit des Jahres 2017; eine Olympiasiegerin triumphiert in der Festhalle und Lokalmatadorin Katharina Heinig glänzt bei ihrem Heimspiel als Deutsche Meisterin: Der Mainova Frankfurt Marathon hat sowohl international als auch aus deutscher Sicht wieder Spitzenresultate geliefert.

Der Äthiopier Shura Kitata Tola und die Kenianerin Vivian Cheruiyot haben die 36. Ausgabe des Laufklassikers am Main gewonnen. Der deutsche Lauf-Star Arne Gabius blieb bei seinem starken Rennen mit 2:09:59 Stunden als Sechster haarscharf unter 2:10. Kitata lief bei schwierigen Bedingungen mit starkem Wind hochklassige 2:05:50 und führte vor seinen Landsleuten Kelkile Gezahegn Woldaregay (2:06:56) und Getu Feleke (2:07:46) einen äthiopischen Dreifachsieg an. „Ich habe von Beginn an erwartet, dass ich gewinne. Sicher war ich mir dann nach 30 Kilometern, als wir uns mit einer Dreiergruppe absetzen konnten. Ich habe gehofft, dass ich schneller laufen kann, aber das Wetter war nicht so einfach“, sagte der 21 Jahre junge Überraschungssieger.

Die Vorentscheidung im Männerrennen fiel bei Kilometer 30. Das äthiopische Trio Getu Feleke, Kelkile Gezahegn Woldaregay und Shura Kitata Tola setzte sich aus einer fünfköpfigen Spitzengruppe ab. Zunächst forcierte Feleke das Tempo. Bei Kilometer 37 attackierte jedoch Shura Kitata Tola und ließ seinen Landsleuten auf dem Weg in die vor Begeisterung brodelnde Festhalle keine Chance mehr. Bester Europäer war überraschend der britische Debütant Dewi Griffiths. Der Waliser lief als Fünfter 2:09:49 und erreichte die zweitbeste Zeit eines europäischen Läufers in diesem Jahr.

Alle Wettbewerbe zusammengerechnet verzeichneten die Veranstalter 26.482 Meldungen aus 108 Nationen, davon 14.513 Läufer über die 42,195-Kilometer-Distanz. Die Bedingungen waren für die Läufer besser als befürchtet, durch den starken Wind aber sehr herausfordernd. „Letztlich habe ich mit meinem Optimismus Recht behalten und es gab recht vernünftige Rennbedingungen, das zeigen auch die Ergebnisse mit vielen hochklassigen Zeiten“, sagte Veranstalter Jo Schindler. „Es war toll, mit welcher Begeisterung die Läufer das Ziel erreichten.“

Auch der Sportliche Leiter Christoph Kopp zog ein positives Resümee: „Sportlich ist alles gut gegangen, auch wenn nicht alle Träume von Einzelnen in Erfüllung sind. Ich wusste, dass das Potenzial für starke Leistungen da ist. Wir konnten aufgrund der Wetterbedingungen aber nicht davon ausgehen, dass diese Fähigkeiten auch umgesetzt werden.“ Der Sieger Shura Kitata Tola erzielte trotz schwieriger Bedingungen mit 2:05:50 Stunden die weltweit sechstbeste Marathon-Siegerzeit in diesem Jahr und schob sich an Position elf der Weltjahresbestenliste. Mit acht Läuferinnen unter 2:30 Stunden gab es eine bemerkenswerte Leistungsdichte im Frauenfeld. Dazu setzten sich europäische Läufer stark in Szene. Zusätzlich zum Briten Griffiths und zu Arne Gabius brachte der Pole Henryk Szost mit 2:10:09 eine beachtliche Leistung.

Mit großer Begeisterung erlebte Dr. Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender von Titelsponsor Mainova, den Frankfurter Marathontag: „Da war sehr viel Leidenschaft im Spiel und die Veranstaltung war perfekt organisiert. Es war ein großartiges Rennen mit emotionalen Momenten auch für die Zuschauer, das war fantastisch.“

Drei Marathonstarts in Frankfurt, dreimal mit der von Christoph Kopp vergebenen „Glücksnummer 7“ und dreimal unter 2:10 Stunden: Frankfurt erwies sich für den deutschen Rekordhalter Arne Gabius einmal mehr als ideales Pflaster. „Es war richtig hart im Gegenwind, und ich bekam im letzten Teil Probleme mit meiner linken Oberschenkelrückseite. Aber ich bin volles Risiko gegangen, um die Zeit von unter 2:10 noch zu erreichen“, sagte Gabius, der eine deutsche Jahresbestzeit lief. Mit seinen 2:09:59 schob er sich an dritte Stelle der europäischen Jahresbestenliste.

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Arne Gabius   (Foto: Mainova Frankfurt Marathon)

„Ich bin sehr erleichtert, dass es noch für unter 2:10 gereicht hat. Der schwierige Part war zwischen Kilometer 20 und 30. Ich habe aber nie ans Aufgeben gedacht. Die Geburt meines Sohnes war motivierend, aber während des Rennens war ich so fokussiert, ich habe nicht ständig dran gedacht. Jetzt werde ich die Zeit genießen. Meine Oberschenkel spüre ich sehr, aber in den nächsten Wochen brauche ich ohnehin nur meine Hände zum Windeln wechseln“, so Gabius, der drei Tage vor dem Lauf zum ersten Mal Vater geworden ist.

Die 5.000-Meter-Olympiasiegerin Vivian Cheruiyot lief in ihrem zweiten Marathon eine persönliche Bestzeit von 2:23:35. Lange Zeit lag sie auf Streckenrekordkurs von 2:21:01, doch im starken Wind konnte auch sie das Tempo nicht durchhalten. „Hier zu gewinnen gibt mir Selbstvertrauen. Es war sehr windig. Ich bin couragiert gelaufen und dachte, dass ich 2:20 erreichen kann. Aber ich bin zufrieden mit der Zeit. Ich bin noch neu im Marathon und werde mich weiter verbessern.“

Zweite wurde Yebrgual Melese in 2:24:30 vor ihrer äthiopischen Landsfrau Meskerem Assefa, die nach 2:24:38 im Ziel in der Festhalle war. Die beiden konnten am Ende den Rückstand auf die Siegerin Cheruiyot noch deutlich verkürzen. Als Fünfte jubelte die US-Amerikanerin Sara Hall über eine persönliche Bestzeit von 2:27:21.

Während Arne Gabius sich erwartungsgemäß den deutschen Meistertitel sicherte, gab es bei den Frauen eine Überraschung: Katharina Heinig (Eintracht Frankfurt) überholte in der Schlussphase die Titelverteidigerin Fate Tola (LG Braunschweig) und war als Achte und beste Europäerin in 2:29:29 im Ziel. Tola folgte unmittelbar dahinter als Neunte mit 2:30:12. Beide blieben damit klar unter der Norm für die Europameisterschaften in Berlin 2018 von 2:32:00 Stunden.

Katharina Heinig brachte mit einem packenden Finish die Festhalle zum Kochen. „Es war ein Hammerrennen und hinten raus wirklich hart. In der Stadt war eine klasse Stimmung, der Einlauf in die Festhalle ist Wahnsinn. Es war ein Sieg für die ganze Stadt. Als Deutsche Meisterin bin ich sicher nächstes Jahr bei der EM in Berlin dabei“, sagte die Frankfurterin strahlend.

Fate Tola, die Zweite der deutschen Meisterschaften, sagte: „Ich bin rundherum zufrieden. Ich bin während des Rennens müde geworden, daher konnte ich das Tempo nicht halten. Der Wind war sehr stark, da hatte ich keine Kraft mehr. Aber trotzdem bin ich zufrieden, ich bin Zweite bei der Deutsche Meisterschaft und habe die Norm für die EM, alles okay.“ Mit den Marathon-Debütantinnen Laura Hottenrott in 2:34:43 und Franziska Reng in 2:34:57 haben zusätzlich zwei deutsche Läuferinnen das Team-Limit für die EM von 2:35:00 Stunden unterboten.

Ergebnisse, Männer:

  1. Shura Kitata Tola ETH 2:05:50
  2. Kelkile Gezahegn ETH 2:06:56
  3. Getu Feleke ETH 2:07:46
  4. Martin Kosgey KEN 2:09:39
  5. Dewi Griffiths GBR 2:09:49
  6. Arne Gabius GER 2:09:59
  7. Henryk Szost POL 2:10:09
  8. Scott Smith USA 2:12:21
  9. Scott Fauble USA 2:12:35
  10. Mark Korir KEN 2:12:37

Frauen:

  1. Vivian Cheruiyot KEN 2:23:35
  2. Yebrgual Melese ETH 2:24:30
  3. Meskerem Assefa ETH 2:24:38
  4. Abebech Afework ETH 2:26:45
  5. Sara Hall USA 2:27:21
  6. Merima Mohammed BRN 2:27:49
  7. Sylvia Medugu KEN 2:29:09
  8. Katharina Heinig GER 2:29:29
  9. Fate Tola GER 2:30:12
  10. Anna Incerti ITA 2:32:11

„Aufgeregt, glücklich und voller Euphorie“

 Frankfurt Marathon 2017

Katharina Heinig  (Foto:  Mainova Frankfurt Marathon)

Deutsche Meisterin Katharina Heinig in Hochstimmung nach ihrem geglückten „Heimspiel“ beim Mainova Frankfurt Marathon / Nationales und internationales Ausrufezeichen gesetzt mit beeindruckenden Resultaten der Topathleten  / Mehr Frauen an der Startlinie und eine erstaunlich gute Finisher-Quote

Jo Schindler hatte am Tag nach der 36. Ausgabe des Mainova Frankfurt Marathon frische Zahlen dabei. Der Renndirektor freute sich über die aufgrund der schwierigen Bedingungen sehr gute Finisher-Quote. 11.146 Läufer erreichten beim Laufklassiker am Main am Sonntag das Ziel in der wieder mal außerordentlich stimmungsvollen Festhalle – ein erstaunliches Plus im Vergleich zum Vorjahr, als die Läufer von strahlendem Sonnenschein verwöhnt waren.

Es ließen sich weder die Breitensportler noch die Profis in dem windumtosten Rennen von ihrem Kurs abbringen. Nach den gezeigten sportlichen Leistungen hat der älteste deutsche Stadtmarathon national und international ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt. Legt man die schnellsten zehn Zeiten zugrunde, belegt der Laufklassiker am Main in Deutschland Rang zwei und weltweit Platz 7. Die Zeit von 2:05:50 Stunden des äthiopischen Champions Shura Kitala Tola (die sechstbeste Siegerzeit weltweit 2017) war ebenso Weltklasse wie die Tatsache, dass in Frankfurt erstmals die ersten acht Frauen in der Festhalle allesamt unter 2:30 Stunden geblieben sind.

„Es war eine sehr schöne Ausgabe des Mainova Frankfurt Marathon. Wir haben wieder bewiesen, dass in Frankfurt Topathleten und Breitensportler gleichermaßen gute Bedingungen für einen schnellen Marathon geboten werden“, sagte Schindler, der sich auch über den um vier Prozent gestiegenen Anteil von Frauen an der Startlinie freute.

Eine Teilnehmerin, nämlich die Frankfurterin Katharina Heinig, war nach ihrem beherzten Lauf zum Deutschen Meistertitel in 2:29:29 Stunden auch am Tag danach noch „aufgeregt, glücklich und voller Euphorie.“ Der ganze Druck und die Anspannung nach ihrer tollen Leistung auf heimischem Pflaster seien schlagartig von ihr abgefallen. Dass die 28-Jährige unter diesen Rennbedingungen nicht weit über ihrer persönlichen Bestzeit blieb in der unter der Begeisterung der Zuschauer brodelnden Festhalle, „rechne ich mir hoch an“, sagte Heinig.

Die neue Deutsche Meisterin wird in der kalten Jahreszeit unter anderem wieder in Kenia und auch in Südafrika in der Höhe trainieren. Das nächste Ziel sei, über Unterdistanz-Rennen „meine Grundschnelligkeit zu verbessern, was mir dann im Marathon zugutekommt“, so Heinig. Im Fokus stehen bei Katharina Heinig und auch bei der DM-Zweitplatzierten Fate Tola (2:30:12), deren Kräfte bei ihrem dritten Marathonlauf 2017 am Ende schwanden, die Europameisterschaften in Berlin im Sommer.

Arne Gabius, der mit dem Verband im Streit liegt, kann sich in Berlin eine Rückkehr auf die Bahn im 10.000-Meter-Rennen vorstellen. Doch nach seinem weiteren fulminanten Frankfurter Lauf wollte der deutsche Lauf-Star erstmal schnellstmöglich zurück ins heimische Stuttgart zu seiner Frau und seinem drei Tage vor dem Mainova Frankfurt Marathon geborenen Sohn.

Obwohl von Schmerzen in der hinteren Oberschenkelmuskulatur geplagt, hielt Gabius während des Rennens eisern an seinem Ziel fest, unter 2:10 Stunden ins Ziel zu kommen. „Ich bin volles Risiko gegangen – entweder schaffe ich es oder ich komme humpelnd nach 2:12 Stunden ins Ziel“, lautete seine Devise im letzten Renndrittel. Letztlich schaffte er es mit einer abermals starken Leistung am Main auf die Sekunde genau: 2:09:59.

Damit ist Arne Gabius der einzige deutsche Läufer, der jemals drei Marathons unter 2:10 Stunden bewältigt hat. Alle seine beeindruckenden Finishs waren in: Frankfurt. „Arne ist ja fast schon ein Frankfurter“, betonte der Sportliche Leiter Christoph Kopp die besondere Beziehung von Gabius zum Mainova Frankfurt Marathon.

Besondere Freude machten den Veranstaltern auch die Leistungen der zweiten deutschen Garde bei den Deutschen Meisterschaften. Hinter Gabius deuteten Jonas Koller (2:16:03) und Frank Schauer (2:16:30) ihr Potential mehr als nur an. Auch bei den Frauen setzten Laura Hottenrott (2:34:43) und Franziska Reng (2:34:57) Ausrufezeichen. Für großen Jubel in der Festhalle sorgte auch Klemens Wittig. Der 80 Jahre alte Dortmunder erreichte in der Altersklasse M80 in 3:39:54 Stunden eine neue europäische Bestleitung.

Einen neuen persönlichen Rekord erreichte auch Vivian Cheruiyot. Die Olympiasiegerin über 5000 Meter gewann den Laufklassiker am Main in 2:23:35 Stunden und fand anschließend persönliche Glückwünsche des kenianischen Staatspräsidenten in ihrem Emailfach. „Ein Marathonsieg ist etwas ganz Besonderes“, sagte die mehrfache Weltmeisterin über 5000 und 10.000 Meter. „Auch wenn der starke Wind meinen kleinen Körper fast hat wegfliegen lassen.“

Daheim in Kenia wolle sie auf jeden Fall berichten, dass man in Frankfurt einen schnellen, top organisierten Marathon laufen kann. „Ich“, sagte Cheruiyot, „komme gerne wieder.“

Alex Westhoff
PR+Kommunikation Mainova Frankfurt Marathon
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Eindrücke rund um den Berlin-Marathon 2017

Über die Ergebnisse und Ereignisse rund um den Berlin-Marathon 2017 ist viel berichtet worden, zusammenfassend auch auf meiner Homepage  unter  http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=9647. Einige Tage später habe ich meine 80 Fotos gesichtet, die ich an diesem regnerischen Sonntag „geschossen“ habe. Und ich konnte mich dann um so besser daran erinnern,  was so alles geschah.

Es beginnt in der Frühe dieses 24. Septembers. Wie immer stelle ich nach meiner Anfahrt aus Neuruppin mein Auto am Kaiserdamm ab und spaziere dann voller Erwartung zum Ernst-Reuter-Platz. Dort  erwarte ich das Riesenfeld der 42.000 Läuferinnen und Läufer.  An diesem Punkt stehen wie immer mit mir viele Zuschauer und sehen zunächst die Führungsfahrzeuge und Begleitfahrräder um die Ecke biegen:

Mara 17 eins Mara 17 zwei

Dann aber folgen die Hauptakteure, angeführt von einer ca. 12 köpfigen Spitze mit schwarzafrikanischen Läufern. Zu schnell sind sie für meine Kamerakünste und entsprechend verwischt ist das Foto:

Mara 17 drei

Nur mit relativ geringem Abstand folgt der beste deutsche Läufer Philipp Pflieger in einer großen Gruppe. Mit seiner Körpergröße ragt er heraus ( im blauen Trikot, 5. von links), und zu diesem Zeitpunkt sieht er  noch sehr gut aus:

Mara 17 dreiundzwanzig Pflieger

Blick in das folgende Läuferfeld:

Mara 17 sechs Mara 17 fünf Mara 17 sieben Mara 17 acht

Mara 17 zwölf Mara 17 elf

Kunst am Wege – aber regennaß:

Mara 17 neun Mara 17 zehn

Natürlich kann ich nicht das ganze Läuferfeld abwarten, denn ich will ja die Spitze noch an anderen Stellen des Kurses sehen. Deshalb fahre ich mit der U-Bahn bis zur Bülowstraße:

Mara 17 dreizehn

Dort aber merke ich, daß es eine  für Fotos unattraktive Gegend ist und fahre weiter, zunächst bis zum Bahnhof Märkisches Museum.

 

Mara 17 vierzehn Mara 17 fünfzehn

Dort führt zwar der Laufkurs nicht vorbei, aber ich habe ja noch etwas Zeit und kann einen kurzen Spaziergang in altbekannter Gegend unternehmen. Altbekannt, weil ich in den Jahren 1978 bis 1988  hier in der Redaktion „Prisma“ gearbeitet habe, einer Vierteljahreszeitschrift, die von der Auslandspresseagentur  Panorama DDR herausgegeben wurde.

In diesem Gebäude in der Wallstraße lag damals meine Arbeitsstätte. Dort residierte auch der Dietz-Verlag:

Mara 17 sechszehn

Aber nicht nur an die Arbeit erinnere ich mich, sondern auch an schöne Stunden, die ich direkt daneben  im Restaurant Ermelerhaus verbracht habe:

Mara 17 achtzehn Mara 17 einundzwanzig

Schon damals gab es diese herrliche Aussicht:

Mara 17 neunzehn Mara 17 zweiundzwanzig

Genug des Abstechers und zurück mit der U-Bahn bis zur Station Hausvogteiplatz:

Mara 17 siebenundzwanzig

Auch diesen Bahnhof kannte ich von früher her gut, denn hier stieg ich immer aus, um zu meiner Arbeitsstelle in der Investitionsbank bzw. danach der Staatsbank zu gelangen. Das war in den Jahren 1965 bis 1973.  In diesem Gebäude an der Ecke  Charlottenstraße/Französische Straße waren die Banken untergebracht:

Mara 17 vierunddreißig

Ähnliche Gebäude gab es damals und gibt es auch heute zuhauf:

Mara 17 einunddreißig?

Warum aber sind diese beiden Fotos unterschiedlich in der Größe? Weil eines mit dem Fotoapparat und das andere mit dem Smartphone gemacht wurde.  Ganz urplötzlich gab nämlich die SIM-Karte im Fotoapparat ihren Geist auf.  SIM-Karte voll las ich und damit mußte ich mich nun mit dem Smartphone behelfen.

Aber trotzdem wirkt der Gendarmenmarkt auch dann noch beeindruckend, wenn auch nicht ganz so schön wie bei Sonnenschein:

Mara 17 neunundzwanzig Mara 17 dreiunddreißig

Von den Läufern aber war noch nichts zu sehen. So suche ich mir einen passenden Stellplatz, um die Spitze des Feldes ablichten zu können. Und auch von hier grüßt der     Französische  Dom:

Mara 17 fünfunddreißig

War ich sicher, daß es der Französische Dom ist? Ja, denn ich hatte mir die Eselsbrücke aus DDR-Zeiten gemerkt. Wenn man am Gendarmenmarkt ist,  steht links ein Dom, rechts ein Dom und in der Mitte das Konzerthaus (Schauspielhaus). DDR= links, also links ist der Deutsche Dom, so war meine Eselsbrücke.

Doch das ist alles heute nur Kulisse. Wann kommen die Hauptdarsteller?

Die begleitenden Autos kündigen sie an.  Als auf dem Zeitauto 1:57 h stehen, ist mir klar, daß es wohl kein Weltrekord werden wird. Hier ist km 40, es sind also noch über 2 km zu rennen.

Mara 17 sechsunddreißig Mara 17 siebenunddreißig

Es kommen die zwei Spitzenreiter gemeinsam vorbei, und ich versuche  vergeblich, sie mit meinem Smartphone zu erhaschen. Erschwert wird der „goldene Schuß“ auch durch die dicht vor den Läufern fahrenden Fahrzeuge. So bleiben mir nur einige Schnappschüsse von nachfolgenden Läufern:

Mara 17 neununddreißig Mara 17 vierzig

 

Doch wo ist Pflieger (in Anlehnung an den Wintersport: Wo ist Behle)?  Nach mehr als zehn Minuten wird mir klar, daß er nicht mehr kommt. Aber warum?  Übers Internet kann ich mich heute nicht im Livestream informieren, weil mein Smartphone nicht mitspielt. So bin ich einige Zeit unwissend, bekomme die Aufklärung dann erst im Pressehotel „Interconti“ in der Budapester Straße.

Aber ein wenig streife ich noch in dieser Gegend umher, fotografiere die Staatsoper (links/dort wird seit ewigen Zeiten gebaut), die Kommode (rechts) und die Hedwigskathedrale (unten).

Mara 17 einundvierzig Mara 17 zweiundvierzig Mara 17 vierundvierzig

Hier am August-Bebelplatz befindet sich auch das „Hotel de Rome„.  Blick zurück: In den siebziger Jahren, also vor fast 50 Jahren, war in diesem Haus das „Berliner Stadtkontor“ansäßig, die Berliner Hauptfiliale der Staatsbank der DDR. Noch wichtiger für mich: Dort war für Jahre meine Essenskantine. Schmackhaftes Mittagessen zu niedrigen Preisen, die vom Betrieb gestützt wurden,  blieb mir in Erinnerung.

 

 

Mara 17 fünfundvierzigMara 17 dreiundvierzig

Vergeblich suche ich in der nahen Französischen Straße das Haus, in dem früher der Aufbau-Verlag residierte. Später kann ich zuhause nachlesen, daß der Aufbau-Verlag in die Prinzenstraße 85 umgezogen ist, nahe am U-Bahnhof Moritzplatz.

Weiter führt mein Weg, vorbei an einem Wahllokal:

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Da wird mir bewußt, daß heute am Sonntag nicht nur Marathontag, sondern auch Wahltag ist. Als Briefwähler muß ich nicht mehr ins Neuruppiner Wahllokal gehen, habe also noch Zeit, herumzuspazieren. Allerdings will ich ja noch ins Pressezentrum.

Zunächst erblicke ich die  Friedrichswerdesche Kirche, einst erbaut vom Neuruppiner Karl Friedrich Schinkel. Auch heute wird an ihr wieder mächtig gebaut. Und auf der anderen Seite sehe ich einen langgestreckten Bau. Früher  „regierte“ dort das Zentralkomitee der Sozialisten Einheitspartei Deutschland (SED), heute gehört es, so glaube ich, zum Außenministerium:

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Langsam erlischt meine Lust am Fotografieren. Nur noch zwei Aufnahmen, und dann begebe ich mich wieder in die U-Bahn, um zum Bahnhof Wittenbergplatz zu fahren.

 

Mara 17 einundfünfzig Mara 17 zweiundfünfzig

Ich nehme den „Sonderzug nach Pankow“, sprich die U-Bahn Richtung Pankow. Am Bahnhof Wittenbergplatz steige ich aus, schaue draußen im Freien auf das Kaufhaus des Westens und auf die lange Läuferschar, die sich direkt am Kaufhaus vorbeigeschlängelt:

Mara 17 siebenundfünfzig Mara 17 sechsundfünfzig

Zu Fuß geht es nun für mich Richtung Hotel Interconti.

Im Pressezentrum schaue ich erstmal meinem Kollegen Philipp Häfner über die Schulter, der den Rennverlauf des Marathons zu Papier, sprich in den Computer gebracht hat. Nun erfahre ich, wer gewonnen hat und was mit Philipp Pflieger geschehen ist.

Mara 17 achtundfünfzig

Die Pressekonferenz mit den Siegern hat noch nicht begonnen. Ich spaziere vor die Tür, treffe dort Ralf Kerkeling (links), den Chef der Zeitschrift „Leichtathletik“ und von „aktiv Laufen“ und den Berglaufspezialisten Wilfried Raatz, den ich sicher schon 25 Jahre kenne:

Mara 17 sechzig Kerkeling Raatz

Einige Schritte weiter löst sich das Rätsel  „Wo ist Pflieger“?  Philipp Pflieger erzählt uns  auf dem Gang, wie er alles erlebt hat. „Ich habe anfangs bewußt ein hohes Tempo angeschlagen, in Richtung 2:11 Stunden. Leider stieg der erste „Hase“ schon bei 9 km aus und der letzte Hase ebenfalls verfrüht bei 25 km (er sollte mindestens bis 30 km durchhalten). Doch es lief weiterhin gut. Dann aber plötzlich, so ca. 34 km (so genau weiß man das hinterher wohl nicht), war es, als ob man mir den Stecker gezogen hat. Ich mußte mich am Geländer festhalten, hatte dreimal einen Schwächeanfall und konnte einfach nicht mehr.“ So um die 38 km war für ihn  der Marathon zuende.  Und ich hatte vergebens auf ihn bei km 40 gewartet.

Mara 17 sechzig Pflieger Kerkeling

Ralf Kerkeling im Gespräch mit Philipp Pflieger

In der Pressekonferenz erzählt er dann  Urs Weber nochmals das Ganze:

Mara 17 einundsechzig Pflieger PK Mara 17 zweiundsechzig Pflieger PK

Danach aber kommen die Sieger des  Marathons zu Wort. Zunächst der Sieger Eliud Kipchoge (Kenia):

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Dann folgt er Zweite, der Debütant Guye Adola aus Äthiopien:

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Und am Ende sind alle vereint, auch der Drittplazierte Mosinet Geremew (Äthiopien)  ist dabei:

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Anna Hahner (in weiß),  als Fünfte beste deutsche Läuferin, darf über ihre Glücksgefühle plaudern:

Mara 17 einundsiebzig Hahner

Und alles, was gesagt und erlebt wurde, wird von den Journalisten zu Berichten und Geschichten verarbeitet:

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Michael Reinsch (links/FAZ) und Johannes  Knuth (Süddeutsche Zeitung)

 

Mara 17 dreiundsiebzig Ermert Mara 17 siebenundsechzig Ermert

Christian Ermert ( Köln )

Und eine Überraschung taucht für mich noch auf. Roland Winkler, ein Berliner Lauffreund aus früheren glorreichen Laufzeiten, strahlt mich freundlich wie immer an:

Mara 17 siebzig Roland Winkler

Roland hat seine Arbeit schon beendet. Seit vielen Jahren ist er für den Startbereich des Berlin-Marathons verantwortlich.  Oft ist er auch mitgelaufen, doch diesmal läßt er die anderen laufen.  “ Mein nächster Lauf ist der Brockenlauf“, meint der 70-Jährige.

Aktuell darf oder muß ich über diesen Marathon nicht berichten. Aber meine Homepage sucht ja immer nach Futter. So ergreife ich die Gelegenheit, ein halbstündiges Gespräch mit Ralf Kerkeling, dem Chef der Zeitschrift Leichtathletik und des Laufmagazins  „aktiv Laufen“ zu führen.

Mara 17 vierundsiebzig Ralf Kerkeling Porträt

Sehr interessant für mich, was er mir alles über sein bisheriges Leben als Musiker und Journalist erzählt. Ich freue mich schon darauf, daraus eine Geschichte zu basteln. Und revanchiert habe ich mich mit der Geschichte über einen deutschen Ex-Sprinter, den ich vor kurzem getroffen und gesprochen habe. Doch den Namen behalte ich noch geheim, denn heutzutage muß man ja immer mit der schreibenden Konkurrenz rechnen.

Inzwischen ist es 16 Uhr geworden, und es wird Zeit, die Heimreise anzutreten. Ich gehe Richtung U-Bahnhof Wittenbergplatz, komme dabei in der Nürnberger Straße an einem Hotel vorbei. Dort habe ich 1990 meinen ersten Arbeitsvertrag mit dem Kölner Sportverlag für die Zeitschrift Leichtathletik vorbereitet. Damals hieß es Penta-Hotel, heute Crowne Plaza:

Mara 17 fünfundsiebzig

Die letzten Fotos des Tages werden „geschossen“:

Mara 17 siebenundsiebzig Mara 17 sechsundsiebzig

Mara 17 einundachtzig Mara 17 achtzig Mara 17 neunundsiebzig Mara 17 achtundsiebzig

Vom Bahnhof Zoologischer Garten muß ich zum Ernst-Reuter-Platz. Normalerweise gehe ich da zu Fuß, aber heute fahre ich diese Strecke nochmals mit der U-Bahn. Und bin glücklich, als ich gegen 16.30 Uhr an meinem Auto ankomme.  Die Rückfahrt ist streßfrei, die Staus des Tages haben sich abgebaut und die Autobahn ist frei: Freies Fahren für freie Bürger.    17.45 Uhr treffe ich zuhause in Neuruppin ein. Rechtzeitig, um die erste Hochrechnung des Wahltages zu erleben. Der Wechsel ist vollbracht:  Vom Berlin-Marathon zur Bundestagswahl.

Peter Grau

(Fotos:  Peter Grau)