Tagebuch

Olympische Winterspiele in Südkorea – das Zuschauen macht Spaß

Winterolympiade eins

Vor einer Woche hatte ich noch meine Bedenken angemeldet, ob ich denn die Olympischen Winterspiele in Südkorea anschauen sollte. Die Freude war mir da durch die Negativberichterstattung im Vorfeld der Spiele etwas genommen worden (siehe http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11598 ).

Aber im Hinterkopf hatte ich damals schon:  Wenn die Spiele beginnen, wenn die Bilder aus der fernen Winterwelt zu uns, zu mir herüberschwappen werden, dann wird es wie immer sein:  „ Ich schaue einfach und erfreue mich am Wintersport, den ich sowieso sehr mag.“

Und so war es dann auch. Schnell war ich im Banne der Geschehnisse, schaute einige Male nachts in Wachphasen auf mein Smartphone, um das Neueste zu erfahren, und dann  waren die Tage von morgens bis abends mit Fernsehen ausgefüllt.

Schon die Eröffnungsfeier gefiel mir ausnehmend gut. Und ich bin auch nicht der Meinung eines der ARD-Reporter (es war wohl der von mir ansonsten sehr geschätzte Ralf Scholt), der sich an dem Einmarsch der einzelnen Nationen störte und der es möglichst so wie bei den Abschlußfeiern hätte, wo alles „wild“ durcheinander läuft. Ich bin da eher konservativ, mag es, wenn die einzelnen Nationen hinter ihrer Flagge einmarschieren und die Reporter Wissenswertes zu den einzelnen Staaten erzählen können.

Siegerehrungen heben das Nationale hervor

Konservativ bin ich auch, wenn es um die Siegerehrungen geht. Ich bin nicht der Meinung einer „noch“ Minderheit,  daß Siegerehrungen das Nationale zu sehr betonen würden. Aber gerade dort gefällt mir, wie die Sieger mit ihren Nationalhymnen geehrt werden.

Was aber soll man aus der ersten Woche hervorheben? Schwierig, weil die Eindrücke zu schnell wechselten und mit der „deutschen Brille“ gesehen die Erfolge doch immer mehr wurden.

Wiederentdeckt habe ich den Eiskunstlauf, den ich früher sehr mochte, aber irgendwann „satt gesehen hatte“.  Diesmal begeisterte mich das Goldpaar Sawtschenko/Massot   (ich bin froh, daß ich mal wieder Sawtschenko schreiben darf und nicht Savchenko. Ich habe ja jahrelang einen Kampf geführt, bei russischen Namen die von mir ein halbes Leben lang gewohnte Transkription zu benutzen. Doch letztendlich verlor ich den Kampf) .

Es war einfach eine Kür zum Genießen, wobei es mir fast zuviel Schwierigkeiten waren. Da konnte ich mich doch viel entspannter den Eistanzpaaren hingeben, ihre Darbietungen genießen.

Wie immer sah ich mir besonders gern die alpinen Disziplinen an, natürlich auch wie viele die Biathlon-Wettbewerbe. Doch auch für mich eher ungewohnte Disziplinen wie Shorttrack, Snowborad oder Curling  begeisterten mich.

Abstecher zur Leichtathletik

Zwischendurch blieb auch noch Zeit, die Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten in Dortmund zu beobachten. Nicht im Fernsehen, denn dort war ja Wintersport, aber auf leichathletik.de   erfüllte ein Livestream über zwei Tage, gekonnt moderiert von Alexandra Dersch und Ivo Koken, voll den Zweck. Dazu dann noch die vielen Informationen auf leichtathletik.de, vor allem auch die langen, inhaltsreichen Flash-Interviews, gaben mir einen guten Überblick über die zwei Tage.  Mehr dazu ist bei leichtathletik.de  nachzulesen.

Neuer deutscher Leichtathletik-Rekord über 3000 m durch Koko

Über den abschließenden Glanzlauf von Konstanze Klosterhalfen (Koko)  ist hier nachzulesen: https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/deutscher-hallenrekord-konstanze-klosterhalfen-pulverisiert-uralt-bestmarke/

Und weil ich nicht live in Dortmund war, zeige ich hier noch einige Fotos von Koko, die ich 2017 beim ISTAF in Berlin „schoß“:

ISTAF 2017 eins ISTAF 2017 neunundzwanzig ISTAf 2017 fünfunddreißig ISTAf 2017 achtundfünzig

Peter Grau

EM 2018 Titelbild Kowalski

 

Timo Benitz: Im Zielspurt über die 1500 m ist der Flugzeug-Fan nur schwer zu schlagen

 

EM 2018 Titelbild Kowalski

 

Wann habe ich Timo Benitz, den spurtschnellen Mittelstreckler, zum letzten Mal aktiv gesehen?  Es war 2014 im Mai im Paul-Greifzu-Stadion in Dessau beim Anhalt-Meeting. Dort zeigte er, wie oft auch danach, seine Spurtkraft, siegte in einem spannenden Rennen über 1500 m im Zielspurt.

Nun traf ich ihn Ende Januar 2018  in Berlin in der PanAm-Lounge, am Rande der Vorstellung des Werbemagazins für die Leichtathletik-EM im August in Berlin (mehr dazu unter  http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11295 )

Pan zehn   

Timo Benitz ganz links im Bild

 

Zwar taucht Timo Benitz  im Werbemagazin  nicht auf, aber einige Tage zuvor hat er bereits in Trachtenkluft für diese Europameisterschaften der Leichtathleten im Berliner Olympiastadion im August 2018 geworben (siehe auch http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11238):

Spitzenathleten_Trachtenmode

Timo Benitz Zweiter von links (Foto: SCHROEWIG/ D.Kollowsky)

Alexandra Burghardt, Laura Müller, Martin Wierig,Timo Benitz und Ruth Sophia Spelmeyer Fashion meets Sport - Angermaier-Weißwurstfrühstück im Hofbräuhaus in Berlin am 18.01.2018 Foto: BrauerPhotos / Neugebauer
Timo Benitz (Zweiter von rechts); Foto:  BrauerPhotos / Neugebauer

Es bot sich für ihn an, zur PanAm Lounge zu gehen, denn weit hat er es nicht bis dorthin. Der in der Nähe von Konstanz  geborene Timo Benitz lebt mittlerweile in Berlin, studiert an der Technischen Universität Berlin (TU) Luftschiff und Raumfahrt-Technik. Von dort sind es zu Fuß gerade mal 10 Minuten bis zur PanAm Lounge.

Rückblick auf das Jahr 2017

Im Gespräch in der PanAm-Lounge zeigt sich Timo aufgeräumt und plaudert munter vor sich hin. Zunächst schweifen wir kurz zurück auf das letzte Jahr 2017: „Es lief alles ziemlich gut, so, wie ich es mir vorgestellt hatte, ohne Verletzungen, „ erzählt er mir. „Ich hatte im zweiten Lauf der Saison direkt meine WM-Norm abgehakt, und bin auch mit 3:34,87 min neue Bestzeit über 1500 m gelaufen. Ich schaffte es bei der WM in London bis ins Halbfinale. Mein persönlicher Jahres-Höhepunkt war die Universiade in Taiwan, wo ich gewinnen konnte.“

Pan zweiundvierzig

In diesem Jahr 2018 will Timo Benitz nur wenige Hallen-Wettkämpfe bestreiten. Einer davon war bei der Hallen-DM in Dortmund, als er sich am 17. Februar über 3000 m eine Bronzemedaille holte. Aber seine volle Konzentration gilt der Heim-EM in Berlin.

Trainiert wird gegenwärtig in Berlin im Sportforum, draußen in Hohenschönhausen. Nach wie vor startet Timo Benitz für seinen Heimatverein  LG farbtex Nordschwarzwald. Wie schon erwähnt studiert er in Berlin Luft-und Raumfahrttechnik. Sofort fällt mir ein, daß auch der Ex-Hürdensprinter Dietmar Koszewski diese Studienrichtung gewählt hatte (mehr dazu auf meiner Homepage unter   http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=1257  )

Warum aber hat sich Timo Benitz für diese eher ausgefallene Studienrichtung entschieden? Seine Erklärung: „ Wenn man lieber einem Flugzeug hinterherschaut als einer Frau, dann weiß man warum. Es ist schwer zu beschreiben. Flugzeuge haben auf mich seit langem eine faszinierende Wirkung. Ich könnte Flugzeugen tagelang zuschauen, beobachten, wie sie starten und landen. Ich würde nochmals das Gleiche studieren, weil es einfach so wahnsinnig interessant ist, wie alles funktioniert. Es gibt für mich kein interessanteres Studium.“

Zunächst hat Timo Benitz an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Friedrichshafen studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. Nun befindet er sich mitten im Master-Studium an der Berliner TU.

Was aber will Timo Benitz später mal tun, wenn er mit dem Studium fertig ist?  „ Ich will ganz normal als Ingenieur arbeiten, am liebsten beim deutschen Unternehmen Airbus. Die  sitzen an unterschiedlichen Stellen, in München, Hamburg und Bremen.“

Geboren wurde Timo Benitz am Bodensee, lebte lange im 2200-Seelen-Ort Volkertshausen. „ Eigentlich wollte ich Fußballspieler werden, aber meine Mutter hatte etwas dagegen, schickte mich zur Leichtathletik“. Heute ist er froh, daß er dort gelandet ist.

2018 soll es eine neue Bestzeit werden

Sein Ziel für die Saison 2018: „ Ich möchte meine Bestzeit über 1500 m  verbessern, will eine 33er-Zeit laufen.“  Eine Zeit zu laufen ist die eine Sache, sich im Wettkampf gegen die Konkurrenz im Spurt durchsetzen, die andere Seite. Und fast kein anderer beherrscht das Spurten auf den letzten Metern so wie Timo Benitz.

Meine Frage, ob er sich diese Spurtfähigkeit bis heute erhalten habe, bejaht er. Natürlich ist es für mich interessant, zu erkunden, woher diese Fähigkeit rührt (ich erinnere mich, daß es vor vielen Jahren mit Manfred Matuschewski einen DDR-Läufer über 800 m gab, der eben diese Fähigkeit besaß, als „Millimeterläufer“ bekannt wurde, weil er oft auf den letzten Millimetern die Rennen entschied.)

Und Timo Benitz fühlt sich vor allem von zwei Olympiasiegern inspiriert: Von Dieter Baumann, der 1992 in Barcelona die 5000 m mit einem Schlußspurt gewann und von Nils Schumann, der im Jahr 2000 in  Sydney die 800 m dominierte. „ Dessen grandiosen Endspurt habe ich mir schon 40- oder 50-mal angeschaut. Das gibt mir immer sehr viel mit.“

Timo Benitz sieht den Grund für seine Spurtkraft nicht im speziellen Training, sondern in den Genen. „ Man denkt von mir zwar, daß ich auch im normalen Kurzsprint schnell bin, aber das stimmt überhaupt nicht. Aber auch wenn man kein guter Kurzsprinter ist, kann man trotzdem ein schneller Spurt auf längeren Distanzen sein. Deshalb ich auch schon oft Leute geschlagen, die im reinen Sprint besser als ich sind. Es kommt vor allem darauf an, wie man in der Schlußphase mit Laktat umgehen kann, ob man die Geschwindigkeit nur halten oder sie eben noch mal anheben kann.“

Die Konkurrenz weiß um die Fähigkeiten des Timo Benitz und hat viel Respekt. Timo Benitz meint dazu: „Sie sollen nicht überrascht sein von mir, sondern sie sollen Angst vor mir haben. Sobald sie in den Gedanken hineinkommen, daß sie mich nicht los werden können, verkrampfen sie, resignieren innerlich.“ Und er fügt hinzu: „ Für mich ist es immer sehr entspannt, im Feld mitzulaufen, denn ich weiß ganz genau, daß ich im Spurt mit allen mithalten kann.“

Spurten will Timo Benitz auch 2018 in der Freiluftsaison. Vor allem beim Finale im Berliner Olympiastadion will er der Konkurrenz den Marsch blasen, so wie er es lange Zeit auch als Posaunist in der Blaskapelle des Musikvereins Volkertshausen tat.

Peter Grau

EM 2018 Tiitelbild

 

Traumhafte Winterlandschaft in Tirol

Die Olympischen Winterspiele in Südkorea stehen vor der Tür. Leider ist meine Freude leicht getrübt, denn die massive Wochenend-Berichterstattung in der ARD  über vergangene Dopingpraktiken im Skisport gab mir doch zu denken. Wenn einem suggeriert wird, daß auch bei den kommenden Olympischen Spielen wahrscheinlich wieder viele Doper dabei sein werden, stelle ich mir die Frage, warum denn überhaupt noch die Spiele übertragen werden. Dabei werden ja nicht Roß und Reiter genannt, es bleibt eher vage. Und als Hauptzeuge wird jemand genommen, der früher selbst zu den Dopingverantwortlichen gehörte…

Was aber soll man tun?  Den Ärger herunterschlucken und trotzdem schauen?

Ich überlege noch…    Bis dahin aber tröste ich mich  mit Winterfotos aus einer „heilen“ Welt.  Mein Tiroler Facebook-Freund Andreas Wiesinger hat sich, wie er schreibt, auf eine „traumhafte Fototour zur fast unberührten Gruttenhütte (1620 m)“ begeben.  Schauen wir gemeinsam die Fotos:

Grutten eins Grutten zwei Grutten drei Grutten fünf Grutten sechs Grutten sieben Grutten vier Grutten acht Grutten neun Grutten elf Grutten zehn Grutten zwölf Grutten dreizehn Grutten vierzehn

(alle Fotos: Andreas Wiesinger)

 

Berlin: Bummel zwischen Bahnhof Zoo, Kranzler und Hugendubel

Am  19. Januar    war für mich der Besuch der PanAm –Lounge mitten in Berlin angesagt. Und da Glatteis auf den Autobahnen drohte, wählte ich erstmals wieder die Bahnfahrt. Zunächst nahm ich denRegionalzug von Neuruppin nach Berlin-Spandau.

Kranzler eins Kranzler zwei Kranzler drei

Dann der Umstieg auf die S-Bahn und los ging die Fahrt. Erster Halt:  die Station Olympiastadion:

Kranzler vier

Dort werden die Zuschauer im August 2018 aussteigen, wenn sie zur Leichtathletik-Europameisterschaft im nahen Olympiastadion wollen.

Doch diesmal war mein Ziel der S-Bahnhof Zoologischer Garten. Und weil noch viel Zeit bis zum Beginn der Vorstellung des Werbe-Magazins aus Anlaß der Europameisterschaft bleibt, schaue ich mir die Gegend rund um den S-Bahnhof an:

Kranzler fünf Kranzler sechs Kranzler sieben Kranzler neun

Das Theater des Westens ist ein besonderer Blickfang. Es wird Zeit, daß ich dort wieder mal eine Vorstellung besuche:

Kranzler acht

Weiter führt mich der Weg Richtung Kurfürstendamm (Kudamm):

Kranzler einundzwanzig Kanzler elf

 

Interessant sind einige Schautafeln, die die Entwicklung des berühmten Kaffee Kranzlers dokumentieren:

Kranzler zwölf Kranzler dreizehn Kranzler vierzehn Kranzler fünfzehn Kranzler sechszehn Kranzler siebzehn Kranzler achtzehn Kranzler neunzehn Kranzler zwanzig

 

Bald komme ich dann am heutigen Kaffee Kranzler vorbei, daß spürbar geschrumpft ist, in die erste Etage „verbannt“ wurde, und den Glanz früherer Jahre völlig verloren hat:

Kranzler sechsundzwanzig

Weiter geht es Richtung  Gedächtniskirche:

Kranzler zweiundzwanzig Kranzler dreiundzwanzig Kranzler vierundzwanzig Kranzler fünfundzwanzig

Kranzler neunundzwanzig Kranzler einunddreißig Kranzler dreißig

Zuvor aber ein eher trauriger Anblick für mich als Bücherfreund:

Kranzler sechsunddreißig

 

Hier an dieser Stelle residierte früher das Haus „Hugendubel“, etwa vergleichbar mit dem heutigen Dussmann Kultur Kaufhaus in der Friedrichstraße. Doch das war einmal. Heute sitzen dort andere Unternehmen, fernab vom Buchhandel.

Und Hugendubel? Es gibt noch ein kleines Geschäft, direkt neben einer Wechselstube, im Europacenter parterre:

Kranzler siebenunddreißig Kranzler achtunddreißig Kranzler vierzig

Da ist der Blick in die Tauentzienstraße, bis hin zum Kaufhaus des Westens, schon erfreulicher:

Kranzler vierunddreißig Kranzler neununddreißig Kranzler einundvierzig Kranzler zweiundvierzig

 

Bin ich vorhin mit der S-Bahn am Bahnhof Zoologischer Garten angekommen, schaue ich nun hinüber zum „richtigen“ Zoo:

Kranzler fünfundvierzig

Doch heute ist das kein Ziel für mich. Vielmehr folge ich dem Ansturm der Journalisten in die PanAm Lounge:

Kranzler vierundvierzig

Was ich dort erlebte, habe ich unter  http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11295       festgehalten.

Natürlich nutze ich auch die Gelegenheit, den Ausblick vom Balkon der Lounge zu genießen:

Kranzler sechsundvierzig Kranzler siebenundvierzig Kranzler achtundvierzig Kranzler neunundvierzig Kranzler fünfzig Kranzler einundfünfzig Kranzler dreiundfünfzig Kranzler zweiundfünfzig

 

Wieder unten angekommen, schaue ich nochmals in Richtung Zoo:

Kranzler vierundfünfzig

Doch den Besuch verschiebe ich auf wärmere Zeiten. Zurück also Richtung S-Bahnhof Zoologischer Garten:

Kranzler sechsundfünfzig Kranzler siebenundfünfzig Kranzler achtundfünfzig Kranzler neunundfünfzig Kranzler sechszig Kranzler einundsechzig Kranzler zweiundsechzig

Und bald bin ich wieder am S-Bahnhof Zoologischer Garten, esse dort schnell eine Currywurst und dann geht es zurück mit S-Bahn und Regionalbahn.

Es war ein Tag voller Eindrücke.  Berlin zeigt immer wieder neue Facetten.

Peter Grau

Ein Wiener in Berlin – Treffen im Dussmann-Kulturkaufhaus und im Cafe Einstein Unter den Linden

Einstein neunundzwanzig

Foto: Olaf Brockmann

Ein wenig Historie schwang schon mit – bei unserem Treffen in Berlin am 24. Januar 2018. Ich kenne meinen Wiener Journalistenkollegen Olaf Brockmann schon lange. Sehr lange waren wir allerdings durch die Mauer getrennt. Er lebte zunächst in Düsseldorf, später in Wien, ich in Ostberlin.

Höchstwahrscheinlich haben wir uns nach dem Fall der Mauer 1989  erstmals am Rande der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart gesehen. Und dann folgten viele internationale Höhepunkte der Leichtathletik, bei denen wir für unterschiedliche Zeitungen tätig waren. Das brachte es dann auch mit sich, daß wir nie die Zeit hatten, uns länger zu unterhalten, uns auszutauschen.

Aber es ist ja nie zu spät. So ergriffen wir diese Gelegenheit, um uns abseits einer sportlichen Veranstaltung zu treffen.

Treff bei Dussmann

Olaf Brockmann flog am Vormittag in Berlin-Tegel  ein, und für 14 Uhr hatten wir uns im Dussmann-Kulturkaufhaus an der Friedrichstraße verabredet.

Einstein vier

Warum gerade dort? Weil wir beide Bücher mögen. So kann man es auf eine kurze Formel bringen. Olaf hat zuhause rund 8000 Bücher in seiner Bibliothek, ich um einiges weniger, aber gelesen habe ich seit meiner Jugend immer gern. Ich war sowohl in Erfurt  als auch später in Berlin und jetzt in Neuruppin Stammgast in den Bibliotheken.

Duss einunddreißig

 

Diesmal fuhr ich nicht mit dem Zug nach Berlin, sondern mit dem Auto. Und weil mein Stamm-Parkhaus nahe der Charite besetzt war, suchte ich einige Zeit und fand dann einen Parkplatz im Freien in der Dorotheen-Straße.

Einstein zwei

 

Da noch genug Zeit war, spazierte ich zunächst in der Gegend rund um den S-Bahnhof Friedrichstraße umher. Und ich merkte erneut, wieviel sich seit 1989 dort verändert hat. Zeitweise fühlte ich mich recht fremd…  Aber es sind ja auch fast dreißig Jahre seitdem vergangen.

Einstein fünf Einstein drei Einstein sieben Einstein sechs Einstein neun Einstein zehn Einstein elf Einstein dreizehn

 

14 Uhr ging ich dann zum Kultur-Kaufhaus Dussmann und dort vor dem Eingang winkte mir Olaf freundlich zu:

Einstein Olaf vor Dussmann

 

Er war zuvor schon am Brandenburger Tor gewesen und hatte von dort erste Fotos mitgebracht:

Einstein neunundzwanzig Einstein einunddreißig Einstein dreißig

 

Wir sind ja beide Hobby-Fotografen geworden, wobei Olaf noch einen ziemlichen Vorsprung vor mir hat.

Doch wir wollten ja nicht nur fotografieren, sondern miteinander reden.

Einstein siebzehn

Olaf Brockmann, Wien

 

Und dazu suchten wir bei Dussmann ein ruhiges Eckchen und fanden es auch vor der grünen Wand.

Was hat es mit dieser Wand, die sich über vier Stockwerke erstreckt, auf sich? Sie bildet gewissermaßen eine grüne Oase im Kaufhaus. Der in Paris lebende Botaniker und Gartenkünstler Patrick Blank hat dieses tropische Pflanzenkunstwerk auf einer Wandfläche von 270 Quadratmeter vor einigen Jahren erschaffen.

Wir schauten während unseres Gespräches auf diese Wand, die eine beruhigende Wirkung ausübt.

Duss dreiunddreißig Duss zweiunddreißig

Einstein neu Olaf zwei       Peter Dussmann zwei

Olaf Brockmann                                                                Peter Grau

Wir tauschten uns  intensiv aus. Klar war, daß wir nicht unser ganzes Leben ausbreiten konnten. Olaf ist Jahrgang 1953, ich Jahrgang 1940. Da ist seitdem viel passiert. Ich habe einen ausführlicheren Lebenslauf auf meiner Homepage festgehalten. Olaf erzählte mir einiges aus seinem Leben,  und das werde ich demnächst in einer Geschichte zum Besten geben.

Beide waren wir mal DDR-Bürger, Olaf für wenige Monate, ich bis 1990. Olaf ist in Rostock geboren, ich in Erfurt. Nun trafen wir uns gewissermaßen in der Mitte, in Berlin.

Zwei Stunden lang plauderten wir miteinander. Danach ging es hinaus an die frische Luft, an diesem Tag war es leicht frühlingshaft. Und es war ein guter Einfall von mir, ins Cafe Einstein Unter den Linden zu gehen, rund 300 m vom Brandenburger Tor entfernt:

Bei Rüblitorte plus Schlagsahne und bei Cappucino und Kaffee ließen wir es uns dort gut gehen.

Danach spazierten wir gemeinsam zum Parkplatz meines Autos, und von dort nochmals an der Spree entlang, wieder am S-Bahnhof Friedrichstraße vorbei bis zur Straße Unter den Linden.

Einstein einundzwanzig Einstein dreiundzwanzig Einstein zweiundzwanzig Einstein vierundzwanzig Einstein fünfundzwanzig Einstein sechsundzwanzig Einstein siebenundzwanzig

 

Kurz vor der Staatsbibliothek und der Humboldt-Universität verabschiedeten wir uns voneinander.  Ich fuhr zurück nach Neuruppin, Olaf wandte sich Richtung Alex, machte noch einen Abstecher zu den Hackeschen Höfen.  Wie immer ließ er dabei seinem Fotoapparat keine Ruhe (weitere Fotos von Olaf Brockmann werden folgen, denn er ist ja noch zwei Tage in Berlin):

Einstein dreiunddreißig Einstein vierunddreißig Einstein fünfundreißig Einstein sechsunddreißig Einstein zweiunddreißig Einstein achtunddreißig Einstein siebenunddreißig

Bleiben aber wird uns beiden die Erinnerung an dieses Treffen, das mehr als ein Wiedersehen war.

Peter Grau

(Fotos: Olaf Brockmann und Peter Grau)

Matthias Schlicht: Sprinter, Gymnasiallehrer, Maler

Schlicht Porträt vier

Für viele Leichtathleten sind Medaillen, Siege und Zeiten das Wichtigste, worauf sie später zurückschauen können. Für den Berliner Ex-Sprinter Matthias Schlicht sind es vor allem die Silbermedaille bei den Hallen-Europameisterschaften 1989 in Den Haag (eigentlich eine Goldmedaille, weil später Andreas Bergers Dopingvergangenheit herauskam) und der Trainingsaufenthalt in Houston /Texas.

Dort in den USA studierte Schlicht 1989/1990 nicht nur Kunst und Sport, sondern trainierte auch in einer Gruppe mit Carl Lewis, Leroy Burrell, Joe DeLoach und anderen. Matthias Schlicht war damit auch sehr dicht am Olympiasieger und Weltmeister Carl Lewis dran. Zwar trennten beide zehn Zentimeter, Schlicht maß 1,78 m, Lewis 1,88 m. Aber um so mehr versuchte der Berliner, mit dem „Großen Carl“ auf der Bahn mitzuhalten.

„ An Carl Lewis hat mir vor allem sein Durchhaltevermögen über die 100 m imponiert. Doch unschlagbar war er nicht. Im März 1990  habe ich ihn in einem Wettkampf über 50 m geschlagen, ihm einen Meter abgenommen. Danach waren alle baff und alle Schwarzen, gleich ob Leichtathleten, Footballer, Baseballer oder Basketballer, haben über mich geredet: Das ist der Weiße, der Carl Lewis geschlagen hat. Der läuft mal unter 10 Sekunden über 100 m.“  Trainer Tom Tellez stimmte in diesen Chor ein, und auch Carl Lewis hatte eine hohe Meinung von Matthias Schlicht. Und der glaubte seitdem selbst ein wenig daran.

Gleichzeitig Sprinter und Reisebürokaufmann

Doch warum war Matthias Schlicht überhaupt in dieser Trainingsgruppe gelandet?

Der gebürtige Berliner (Jg. 1967) hatte 1985 sein Abitur am Werner von Siemens-Gymnasium in Zehlendorf abgelegt. Bald faßte er in der Leichtathletik Fuß, wurde Sprinter. Sein Vater Uwe, als Journalist beim Berliner „Tagesspiegel“ tätig, lenkte seine berufliche Entwicklung. Er meinte:  Erst Ausbildung, dann Studium und auf gar keinen Fall in den Profisport, weil das zu riskant sei. So begann Schlicht zunächst eine Reisebürolehre und  funktionierte fortan zweigleisig, tagsüber im Reisebüro beim „Bayern Express“ in der Otto-Suhr-Allee, abends dann im Stadion Hakenfelde oder in der Harbig-Halle.

Und er fühlte sich nicht überfordert, auch, weil er erste Erfolge auf der Tartanbahn errang.  1986 wurde er bei der ersten Junioren-WM in Athen über 100 m Vierter und drei Tage später – Schlicht als Startläufer -, mit der 4×100-m-Staffel der Bundesrepublik Vizeweltmeister. „Das war ein totes Rennen mit den Briten“, erinnert sich Matthias Schlicht, wie überhaupt sein Gedächtnis phänomenal ist. „Es hat eine halbe Stunde gedauert, um Gold und Silber zu bestimmen. Die Amerikaner wurden übrigens disqualifiziert, weil sie alle Wechsel verpatzten“.

Drei Jahre später, im Februar 1989, folgte bei der Hallen-EM in Den Haag sein bis dahin größter sportlicher Erfolg. Über 60 m lag er lange in Führung und wurde erst kurz vor der Ziellinie vom Österreicher Andreas Berger (6.56 s) abgefangen. „Ich freute mich trotzdem über die unerwartete Silbermedaille.“ Aber drei Jahre später bekam diese Freude einen Dämpfer: „Ich erfuhr, daß Berger im Training des Dopings überführt wurde und dann zugab, auch vorher schon gedopt zu haben. Nie zuvor und auch nie danach war Berger schneller als 6,56 s gelaufen. Deshalb bin ich mir auch sicher, daß er in Den Haag gedopt war.“  Und Schlicht wünscht sich, daß der Europäische Leichtathletikverband (EAA) den Österreicher irgendwann aus den Ergebnislisten streichen möge und sein Sohn Enrique oder kommende Enkel dann stolz auf den Europameister sein können.

Auf den Gedanken, zum Training in die USA zu gehen, hatte ihn sein jüngerer Bruder Christian gebracht, der als Austauschschüler schon dort gewesen war. „Aber für mich kam ein solcher Austausch nicht mehr in Frage, weil ich dafür zu alt war.“ Doch ISTAF-Chef Rudi Thiel hatte telefonischen Kontakt zur Trainerlegende Tom Tellez und erreichte, daß Schlicht ab Januar 1989 in dessen Trainingsgruppe kommen durfte. „Ich habe an der Universität von Houston  als Hauptfach Kunst, daneben noch Leistungssport studiert und in der Trainingsgruppe von Carl Lewis trainiert.“

Matthias Schlicht Werbebroschüre Houston

Eine  Werbebroschüre von der University of Houston von 1988, wo Matthias Schlicht von 1989 bis 1990 studierte.  Unten links der 200-Meter-Olympiasieger von Seoul, Joe DeLoach (19,75 s und 10,03 s) und  Leroy Burrell (zweifacher 100-m-Weltrekordler,  1991 in 9,90 und 1994 in 9,85 s).

Nebenher frönte Matthias Schlicht seinem Hobby, der Malerei. „Damals malte ich vor allem mit Aquarellfarben Stilleben, Landschaften, Häuser“.

Schlicht dreiSchlicht Wohnung sieben

Schlicht achtSchlicht sechszehn

Schlicht vierSchlicht sechs

 

Sein Berliner Trainer Frank Hensel ließ ihn  nur ungern in die USA ziehen. „Ich stimme nur zu, wenn Du mir wöchentlich die Trainingsprotokolle zuschickst. Doch wenn Du verletzt zurückkommst, mußt Du Dir einen anderen Trainer suchen,“  hatte er gewissermaßen ein Ultimatum gesetzt.

Schlicht willigte ein, schickte per Post die handgeschriebenen Protokolle, ohne vorauszusehen, welche Bedeutung sie später mal für den deutschen Sprint erlangen würden.

Und er machte die ganz normale Erfahrung, daß sich eine Sprache  am besten vor Ort  lernen läßt. „Zudem merkte ich, daß ich nicht nur allgemein ein gutes Gedächtnis hatte (und habe), sondern speziell auch für Fremdsprachen. Ich habe dort in den USA das Schreiben von Aufsätzen gelernt“. Später kam ihm das zunutze, als er an der TU Berlin den amerikanischen Professoren im Englischstudium half, die Arbeiten von Studenten zu korrigieren. „Ich hatte das amerikanische Schema drauf, wie überhaupt das schriftliche Englisch meine absolute Stärke ist“.

Inzwischen beherrscht Matthias Schlicht aber nicht nur englisch und amerikanisch, sondern auch portugiesisch ( seit 26 Jahren ist er mit seiner brasilianischen Frau     verheiratet).

Da er also sehr schnell die englische Sprache lernte und sich auch ansonsten gut in die Trainingsgruppe einfügte, faßte man Vertrauen zu ihm. Und er bekam schnell zu hören, was seine Trainingsgefährten Carl Lewis, Leroy Burrell, Joe DeLoach, Mike Marsh, Floyd Hurt, Mark Witherspoon über Doping dachten. Sie alle haßten den Kanadier Ben Johnson (Johnson hatte 1988 in Seoul  bei Olympia das 100-m-Finale gegen Carl Lewis gewonnen, war aber drei Tage später wegen Dopings disqualifiziert worden.

Siehe dazu auch einen Bericht von Michael Reinsch aus dem Jahr 2013: http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/doping/ben-johnson-das-dreckigste-rennen-12585412-p3.html ).

„Wenn ich seinen Namen nur erwähnte, gab es immer die Geste von der Spritze und den Tabletten. Und unser Trainer Tom Tellez holte mich eines Tages ins Büro und meinte: „Mat, wir haben Dich als ersten und einzigen Deutschen aufgenommen,  wollen mit Dir ein Vierjahresprogramm machen. Ich hoffe, Du bist clean, denn wenn Du gedopt hast, dann fliegst Du gleich raus. Wir dopen nicht, wir brauchen das Zeug nicht.“  Schlicht fand nichts besonderes dabei, denn  „ich habe nie gedopt. Mich haben immer nur die natürlichen Grenzen interessiert.“

Die Signale schienen also für ihn auf Grün zu stehen, auch wenn noch nicht alles so gelang, wie er es sich gedacht hatte.

Die Halle war seine Stärke

Zwei Wochen nach der Hallen-EM 1989 gewann Schlicht bei der  Hallen-WM in Budapest das Halbfinale über 60 m. „Es  war ein superknappes Ding, drei Leute liefen 6,58 s, zwei 6,59 s. Aber nun war ich im Finale Mitfavorit für eine Medaille. Doch leider verpatzte ich den Start  und wurde nur Sechster.“

Aber er hatte bewiesen, daß er mit der Weltelite mithalten konnte. In der Halle lief er lieber als im Freien, weil er dort seine größeren Erfolgsaussichten sah. Doch immerhin war er mit 20 Jahren 1987 über 100 m bereits eine 10,35 s gelaufen. Und auch in seiner amerikanischen Trainingsgruppe bewies er, daß er auch über 100 m schnell war. Und wieder berichtet er in unserem Gespräch so überzeugend, als wolle er von seinem Super-Gedächtnis Zeugnis ablegen:

Das mißglückte Sommermärchen

„Im Mai 1989 sollten wir 120 m laufen, dabei über 80 m von Null auf Hundert steigern und  die letzten 40 m voll durchziehen. Carl Lewis lief zu meiner Rechten. Er war die ganze Zeit einen halben Meter vor mir, auch bei 120 m. An ihm kam ich nicht vorbei, das war für mich unmöglich. Aber ich war vor allen anderen, vor Leroy Burrell, vor Joe deLoach, vor Mark Witherspoon. Ich war Zweiter. Tom Tellez, der Trainer, war sehr beeindruckt von mir.  Er hatte nicht damit gerechnet, daß ich über 120 m so gut mithalten konnte. Doch leider war fünf Minuten später, beim warming down, alles vorbei. Ich merkte, daß ich nicht mehr richtig gehen konnte, weil beide Adduktoren durchgezerrt waren. Der Sommer 1989 war damit im Eimer.“ Matthias Schlicht  mußte tatenlos erleben, wie Wolfgang Haupt in 10,45 s Deutscher Meister über 100 m wurde. „Ohne die Verletzung wäre ich ganz locker Deutscher Meister geworden, mit einer 10,20er oder 10,10er-Zeit.  Ich bin vorher in der Halle allen Deutschen ein bis zwei Meter davongelaufen. Und das hätten sie auch über 100 m nicht aufgeholt. Ich war im amerikanischen Training drin, auch dicht an Carl Lewis dran.“

Sein Körper spielt leider nicht mehr mit

Im September 1989 war er wieder fit, fuhr erneut in die USA. Zwar schlug das Training wieder gut an, aber erneut machten ihm Verletzungsprobleme einen Strich durch die Erfolgs-Rechnung: Ischiasprobleme, viele Zerrungen, auch Muskelfaserrisse. Noch gravierender waren ab 1992 sehr schwere Erkältungen, die teilweise ein halbes Jahr anhielten. „1992 / 1993 wollte ich eigentlich mein Comeback „feiern“,  habe damals bei Wolfgang Huth trainiert. Ich hatte dieselbe Form wie im Winter 1988/89, hätte also wieder unter 6,60 s laufen können. Aber  Weihnachten 1992  machte ich einen Dauerlauf, erkältete mich danach und hatte ein halbes Jahr mit Fieber zu kämpfen.  Danach war ich körperlich ein Wrack, auch wenn ich 1993  nochmals Deutscher Meister geworden bin (eine Woche, nachdem ich 40,7 Grad Fieber hatte und zudem eine Zwischenprüfung in Erdkunde mit 1,3  bestand).  Den internationalen Durchbruch schaffte er aber nun nicht mehr.  Vielmehr blieb die Verletzungs-und Krankheitshexe Dauergast bei ihm.

„Im September 1995 wollte ich mich nochmals für die Hallensaison 1995/96 aufbauen. Da fing es wieder mit einer Nebenhöhlenvereiterung an, es folgten eine Bronchitis und das inzwischen chronische Fieber.“ Weder  Medizin noch der häufige Wechsel der  Ärzte halfen. „ Am 5. November 1995 hatte ich beim Training sogar Atemnot und  Erstickungsanfälle.“ Das war das letzte Zeichen, sich vom Sport zu verabschieden.

Als Lehrer nach Kaiserslautern

Nunmehr konnte sich Matthias Schlicht voll der beruflichen Entwicklung widmen. Er schloß das Lehramt-Studium von Geographie und Englisch mit dem Staatsexamen ab und absolvierte anschließend von  2001 bis 2003 das Referendariat am Hans Gorossa-Gymnasium in Berlin-Spandau. „Und dann kam die Zeit, in der Klaus Böger Schulsenator war und alles drunter und drüber ging,“ erinnert sich Matthias Schlicht. „Es gab keine Stellen, auch nicht für uns vier Leute, die wir mit 1,1 das zweite Staatsexamen abgeschlossen hatten.  Ich las eine Anzeige des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern, die dringend für die Leichtathletik einen Lehrer-Trainer brauchten, zur Hälfte für den normalen Unterricht und zur  Hälfte für die Betreuung der Leichtathleten ab der 6. Stunde sowie deren Betreuung an den Wochenenden ab Pfalzmeisterschaften aufwärts. Da habe ich mich beworben, und weil vom Direktor Dr. Becker ein Trainerschein gefordert wurde, habe ich in Berlin meinen C- und B-Trainerschein gemacht und anschließend in Mainz von 2004 bis 2006 unter Helmar Hommel die A-Trainer-Ausbildung Block-Sprint absolviert.“

Bei der A-Trainer-Ausbildung traf er auf DLV-Trainer wie Rüdiger Harksen, Heinz Hüsselmann, Winfried Vonstein oder Uli Knapp. „Und überall haben sie mich angesprochen und mir erklärt, wie wichtig  meine Trainingsprotokolle aus den USA für sie gewesen sind, ob nun für die Blöcke Sprint, Sprung oder Wurf. Uli Knapp,  der frühere Heimtrainer von Speerwerfer Boris Henry (heute Obergföll), hat mir gesagt: „Auch für die Werfer haben wir vom  Schnellkraftteil, der in Deinen Protokollen stand, enorm profitiert. Und Sprinttrainer erzählten: „ Wir haben seitdem das Training umgestellt.“  Es zog also immer weitere Kreise. „Inzwischen trainieren die deutschen Topsprinter nach dem amerikanischen Schema, was erstmals in meinen Trainingsprotokollen auftauchte“, ist sich Schlicht sicher. „Sie fahren im Februar nach Florida. Und warum: Wegen der Wärme!“

Mit den Trainerscheinen hatte Matthias Schlicht nicht nur die Anforderungen für die Anstellung in Kaiserlautern erfüllt, sondern auch wieder Kontakt zur Leichtathletik aufgenommen. Und in Kaiserlautern konnte er auch noch mal seine US-Protokolle verwenden. „In einer Arbeit mußte ich meine Trainingserfahrungen in den USA  mit dem Training verbinden, mit dem ich meine Schüler für „Jugend trainiert für Olympia“ vorbereitete.“

Eine Revolution im deutschen Sprint 

Matthias Schlicht weiß also aus berufenem Munde, wie wichtig seine Trainingsprotokolle waren. „Ich sage es mal knallhart: Es ist die Revolution im deutschen Sprint gewesen.“  An Bescheidenheit leidet er nicht, aber im Gespräch nimmt man  ihm alles ab, ohne es sofort nachprüfen zu können. Auch wenn er meint, daß „Julian Reus die 10,01 s nicht nach dem deutschen, sondern nach dem amerikanischen Sprint-Schema gelaufen ist.“

„Die Amerikaner sind nicht soviel im Kraftraum, sondern trainieren meistens auf Wettkampfebene,“  doziert er weiter.

An einem Montag in Texas

Und es wäre nicht Matthias Schlicht, wenn er nicht auch dafür ein Beispiel aus seiner amerikanischen Trainingsgruppe parat hätte:

„Der Montag war immer unser härtester Trainingstag. Der Tag hieß: Break down day.

Mitte September fingen wir mit dem Training an, zunächst zweimal 800 m,  immer mit einer halben Stunde Pause, nichts weiter. Aber Carl Lewis lief sie in 1:58,9 min mit Leroy Burell, ich in 2:10 min.

Dann ab Anfang Oktober:  600 m, 20 min Pause, 500 m, 20 min Pause, 400 m, fertig.  Carl Lewis lief wie Leroy Burrell die 600 m in 1:24,9. Joe DeLoach (Olympiasieger von 1988) und ich liefen die 600 m   in 1:31 bis 1:32, wir waren immer die Schlußlichter.

500 m lief Carl Lewis  in 66 sec, Joe und ich in 71 und 72 sec

400 m: Carl  48 sec.

Ab Mitte November: 500 m, 400 m, 300 m. Immer mit 20 min Pause, aber volles Rohr.

Und dann war Carl Lewis ab Mitte November bis Mitte Januar spurlos verschwunden: Keiner wußte, wo er war. Dann tauchte er Ende Januar wieder auf, lief in einer Extra-Gruppe die 400 m (wir waren da schon bei 400 m, 300 m, 200 m). Carl lief 54 sec über 400 m, über 300 m 37 sec, 200 m 22 sec. Alle  dachten: Warum so langsam?

Drei Wochen später, Mitte Februar, rückte Carl Lewis in die Gruppe von Burrell und Mark Witherspoon auf und die liefen die 400 m in 46,7, die 300 m in 32,8 bis 33,0  und die 200 m in 20,5. Und später, von Mitte Mai bis in den Juli hinein, folgten 300 m, 200 m, 100 m,  immer mit 20 min Pause. Dann hat Carl Lewis  beim break down day „die Sau rausgelassen“:  300 m: 31,7 , 200 m:  20,1, 100 m: 10,30.

Dann folgte der Wettkampf, bei dem ich 10,40 lief (wenige Tage nach den 50 m), genau so schnell wie Leroy Burell. Nur war ich danach verletzt.  Leroy wurde später US-Meister in 9,94 s. Da sieht man, was aus einer 10,40 s Mitte März im Juli  mit dem amerikanischen Training erreicht werden kann.“

Bekannte Schüler

Doch nun wieder zurück zum Beruf, zum Lehrer-Dasein in Kaiserslautern. Von 1994 bis 2013 war er dort angestellt, wurde immer im Leistungskurs Englisch eingesetzt. Und er hatte in diesen Jahren auch ab und an Schüler, die später zu sportlichen Ehren gelangten. So etwa die Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Bahnradsport, Miriam Welte oder den heutigen Fußball-Torwart von Paris St. Germain, Kevin Trapp, der am 14. November 2017 im Freundschaftspiel gegen Frankreich als Torwart der deutschen Nationalmannschaft so prächtig hielt.

Matthias Schlicht gefiel es in Kaiserlautern, aber familiäre Gründe führten ihn wieder zurück nach Berlin. „2008 kam mein Sohn Enrique auf die Welt. Nach drei Jahren war die Elternzeit  vorbei, und meine Frau wollte  zurück nach Berlin, um dort ihre Arbeit wieder aufzunehmen.“ Es dauerte einige Zeit, ehe Matthias Schlicht in Berlin eine neue  Schule fand und danach die Freigabe vom Land Rheinland –Pfalz erhielt. Im April 2013 konnte er in Berlin beginnen, zunächst in einer Grundschule im Märkischen Viertel. „Doch für mich als Gymnasiallehrer war das noch nicht die passende Schule. Umso glücklicher war ich dann, als ich in eine Sekundärschule, in die Julius-Leber-Schule in Reinickendorf, versetzt wurde. Dort unterrichte ich auch heute noch.“ Wie er sagt, ist er „ Lehrer aus Leidenschaft“.  „Ich mag meine Schüler, mag meine Kollegen, mag meine Schulleitung, mag meine Schule. Ich fühle mich da wohl, auch wenn es eine Brennpunkt-Schule ist, aber ich komme damit zurecht. Ich nehme die Schüler, wie sie sind, und sie mögen mich. Es ist eine gegenseitige Zuneigung“.

Erstmals unterrichtet er kein Englisch, aber mit genauso großer Lust ist er nun Kunstlehrer, gibt Erdkundestunden und andere Wahlpflichtfächer, die etwas mit Kunst zu tun haben. Und er kommt damit an bei den Schülern.

Kunst in der Schule und als Hobby

Die  Kunst ist ein weiteres Stichwort für das abwechslungsreiche Leben des Matthias Schlicht. Irgendwie hatte ich bei unserem Gespräch zuhause bei ihm in Berlin-Lichterfelde immer das Gefühl, daß er sich auf vielen Gebieten „austoben“ muß, einfach keine Grenzen kennt. So beschäftigt er sich auch seit Jahren mit moderner Astronomie, wertet Galaxien aus und ist über das Internet mit Millionen Hobby-Astronomen aus aller Welt verbunden.

Und seit 1984 ist er intensiv in die Malerei eingestiegen, zunächst mit selbstgemalten Aquarellen als auch später mit vielfältigen Ideen für den Kunstunterricht.

Über 30 Jahre  Kunst-Maler und Kunst-Lehrer

In seiner Wohnung in Berlin-Lichterfelde hängen einige seiner Werke:

Schlicht Wohnung eins

Schlicht Wohnung drei  Schlicht Wohnung vier    

schlicht zweiunddreißig

 

Ob in den USA – an einem Bild über Chicago hat er rund ein Jahr gearbeitet-, ob in Berlin, Kaiserslautern und nun wieder in Berlin: immer fand er die Zeit (oder er nahm sie sich einfach), um zu malen.

Dabei stand die Vorbereitung des Kunstunterrichts oft im Vordergrund. „So habe ich, wie ich es von meinem Kunststudium in den USA gewohnt war, über 45 Skizzen selbst gezeichnet. Dabei habe ich immer zwei verschiedene Stilrichtungen kombiniert oder eben zwei verschiedene Künstler in eine Skizze hingezeichnet.

Ich habe beispielsweise Albrecht Dürer mit Claude Monet kombiniert, das Bayerhaus von 1502 von Dürer mit den Seerosen von Monet. Oder Roy Lichtenstein mit Joan Miro, dem abstrakten Maler aus Katalonien. Später fügte ich Albrecht Dürers Drahtziehmühle mit islamischer Kunst zusammen und fand dabei bei meinen Schülern –  70 Prozent sind muslimisch-, großen Anklang. Aber auch die Verbindung  Caspar David Friedrich und Karl-Friedrich Schinkel kam an. In einer anderen Skizze brachte ich  Albrecht-Dürer-Bilder unter wie den jungen Feldhasen, den Hirschkäfer und das große Rasenstück.  Farbspezifisch ist Emil Nolde (1865-1965) einer meiner Lieblingskünstler für den Unterricht.“

Und wenn man Matthias Schlicht nach seinen Vorbildern fragt, läßt er sich nicht lange bitten: „Bei den Skizzen ist für mich Albrecht Dürer die Nr. 1.  Ich meine, daß ich seine Sprache verstehe und seinen Rhythmus, obwohl er vor 500 Jahren lebte. Wenn es um die Ölmalerei geht, habe ich als Vorbilder Albrecht Dürer, Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Frederic Edwin Church (USA) und Claude Monet und neuerdings auch den Japaner Katsushika Hokusai  (1760 geboren, 1849 gestorben). Ich kombiniere inzwischen den Japaner mit Caspar David Friedrich.

Sergej Bubkas Lieblingsbild

Der Kunstunterricht steht zwar im Blickpunkt, aber natürlich fühlt sich Matthias Schlicht auch als Maler anerkannt, wenn er seine Werke in Ausstellungen zeigen darf oder aber einzelne Werke verkaufen kann. Gern erinnert er sich an das Jahr 1997, als er in Werder bei Potsdam im Rathaus ausstellen durfte, anschließend den Auftrag für ein Bild zum 120. Baumblütenfest erhielt.

Weitere Ausstellungen im Postgiroamt am Halleschen Tor oder in einem portugiesischen Restaurant in Charlottenburg folgten.

Besonders eindrucksvoll aber war eine Ausstellung im Radisson Plaza in Berlin, initiiert von Rudi Thiel, der damit Werbung für das ISTAF-Springermeeting machen wollte. Mit dabei war auch Sergej Bubka, der damals wie  Matthias Schlicht für den OSC Berlin startete. „Und Sergej Bubka erkor das Bild „Prozession“ zu seinem Lieblingsbild:

Schlicht Wohnung zwei

Die Prozession

Im Rahmen dieser Ausstellung versteigerte Schlicht ein anderes Bild, „Sonnenuntergang an der Ostsee“, für 2000 DM an einen Hamburger, wobei 1000 DM an die Obachlosenzeitschrift „Platte“ überwiesen wurden.

„Malen werde ich immer, solange ich gesund bin und solange ich sehen kann“, schaut Matthias Schlicht in die Zukunft.

Schlicht Porträt fünf

Und damit er fit bleibt, schwimmt er beispielsweise viel. Von Mai bis Oktober spult er Distanzen bis zu 6 km im Sacrower See oder im Schlachtensee ab. Wenn es dort aber zu kalt wird, schwimmt er bis zu 5 km in der Halle. Aber auch Dauerlauf, Radfahren, Tischtennis und Fußball spielen mit seinem Sohn steht auf seinem sportlichen Programm.

Peter Grau

Einblick in die Vielfalt der Werke, die Matthias Schlicht bisher schuf:

Schlicht Wohnung vier Schlicht Wohnung fünf   Schlicht einsSchlicht Wohnung sechs Schlicht zwei    Schlicht sieben

 Schlicht vierzehn Schlicht fünfzehn  Schlicht siebzehn Schlicht neunzehn

Schlicht dreiundzwanzig Schlicht zweiundzwanzig Schlicht einundzwanzig Schlicht sechsundzwanzig Schlicht fünfundzwanzig Schlicht siebenundzwanzig Schlicht vierundzwanzig Schlicht achtundzwanzig Schlicht neunundzwanzig Schlicht dreiunddreißig

Schlicht dreißig Schlicht einunddreißig

Schlicht fünf Schlicht zehn Schlicht neun Schlicht elf Schlicht zwölf

 

 

 

 

 

 

Mit Hochglanz-Magazin Werbung für die Leichtathletik-Europameisterschaften 2018 in Berlin – Ruth und Lisa öffnen den Vorhang

EM 2018 Tiitelbild

Noch 200 Tage sind es bis zum Beginn der Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin. Eigentlich viel Zeit, aber für das Werben um Zuschauer im großen Olympiastadion muß jeder Tag genutzt werden.  So war man gespannt, was sich hinter der Einladung verbarg: In der PanAm-Lounge in der Budapester Straße sollte ein Hochglanz-Magazin „Berlin 2018“ vorgestellt werden. Dort, im 10. Stock des Eden-Hauses, direkt gegenüber dem Zoologischen Garten, haben sich schon viele bekannte Leute getroffen, es ist eine Lounge für besondere Anlässe.

Die amerikanische Fluglinie PanAM gibt es nicht mehr, weil sie 1991 insolvent und von Delta Air Lines übernommen wurde. Aber man  zehrt hier immer noch vom „Erbe“, pflegt den Namen PanAm.  Bereits unten am Fahrstuhl werden wir von einer Stewardeß im PanAm-Outfit empfangen und nachdem man einen Haken auf der Akkreditierungsliste bekommt, darf man einsteigen. Begleitet von den Wünschen der Stewardeß:  guten Flug. Wo wird man sonst noch so in den Fahrstuhl verabschiedet?

Oben angekommen werde ich zuerst von Claus Frömming begrüßt, dem Ober-Medienchef der EM. Mit ihm verbinden mich lange Jahre, in denen ich unter seiner Regie Geschichten für die Programmhefte des ISTAF schrieb.

Wie immer ist meine Begrüßung  mit dem Potsdamer Fotografen Eberhard Thonfeld sehr herzlich. Auch ihn kenne ich schon recht lange.  Auf dem folgenden Foto sitzen wir nach einem Veranstaltungstag bei der WM 1995 in Göteborg gemütlich im Deutschen Haus (von links: Grau, Thonfeld, Klaus Weise):

Peter 77 neun

„Thoni“ erzählt gern und viel,  plaudert über das neue Museum „Barberini“ in Potsdam: „Ich habe eine Jahreskarte, gehe sehr gern hin. Es ist jedem zu empfehlen.“ Später wird er auch im großen Rahmen zu Wort kommen. Als der Moderator die Abwesenheit des Jenaer Speerwerfers Thomas Röhler entschuldigt – der Sturm Friederike ließ keine Bahnfahrt von Jena nach Berlin zu-, zeigt er auf ein Foto, welches Röhler beim Friedfisch-Angeln zeigt.

Pan Roehler

Doch an welchem Fluß angelt er? Da meldet sich der gebürtige Jenaer Thonfeld: „Es ist die Saale“. Aber das wußte ich auch, als gebürtiger Erfurter und oftmaliger Besucher der Jenaer Leichtathletik-Meetings. Dort erlebte ich u.a. am 25. Mai 1996 auch den Weltrekordwurf von Speerwerfer Jan Zelezny mit einer Weite von 98,48 m.

Ein positives Element solcher Veranstaltungen für die Presse ist es,  daß man vielen Bekannten begegnet und in Gesprächen Neues erfährt.  Ob Ulrike Krieger, Peter Stein, Philip Häfner, Christian Ermert oder  Sebastian Arlt, ich freue mich, sie wiederzusehen.

Pan zweiPan eins

Doch ich bin ja nicht nur zum Erzählen gekommen, sondern zur Vorstellung des Magazins.

Dietmar Teige, Fernseh-Sportjournalist beim Fernsehsender RBB (Radio Berlin Brandenburg), übernimmt das Zepter:

Pan vier

Zunächst interviewt er den Aufsichtsratsvorsitzenden des Organisationskomitees der EM, Dr. Clemens Prokop:

Pan sieben

Prokop unterstreicht, daß es eine Mammutaufgabe sei, das  sehr große Olympiastadion jeden Tag zu füllen (die EM geht vom 7. Bis 12. August 2018). Doch er läßt auch keinen Zweifel daran, daß es gelingen wird.

Pan acht

Als Nächster darf Claus Frömming, seines Zeichens Direktor Kommunikation des Organisationskomitees,  über „sein“ Magazin plaudern, für das er verantwortlich zeichnet. „ Es ist mir sehr ans Herz gewachsen. Wir wollen damit vor allem auch Kreise außerhalb der Leichtathletik erreichen, Leute, die bisher noch nicht so mit der Leichtathletik Berührung hatten.“

Pan neun

Dieter Hallervorden, Schauspieler und Kabarettist, plaudert locker über seine Beziehung zur Leichtathletik: „Ich bin früher 400 m gelaufen, da hab ich mich ganz gut geschlagen, zumal, wenn kein anderer mitlief.“   Aber im nun vorgerückten Alter – heute ist er bereits 82 Jahre-, hat er für seinen Film „Das letzte Rennen“ wurde er nochmals so richtig aktiv, weil er dort einen Marathonläufer spielen sollte. „ Ich habe ein halbes Jahr lang jeden Tag trainiert und fast 10 Kilo abgenommen. Ich habe mir selbst bewiesen, daß man es kann, wenn man es will.“

Für sein Vorwort im Magazin erhält er vom Moderator ein besonderes Lob , und ich kann mich diesem Lob nun anschließen, nachdem ich es gelesen habe.

  Pan fünfzehn

 Jim Rakete, der weltbekannte Fotograf aus Berlin, lieferte viele der spektakulären Fotos für das Magazin. „Ich arbeite sehr gern mit Sportlern zusammen, weil sie unbekümmert und zwanglos an die Sache herangehen und sehr diszipliniert sind.“

 

Pan zwölf Pan vierzehn

Für zwei dieser Sportlerinnen, Ruth Spelmeyer und Lisa Rysih, war es eine willkommene, weil ungewohnte Aufgabe. „ Das ging alles ruckzuck“ meinte Lisa.

Interessiert verfolgen alle diese Interviews:

Pan fünf Pan sechs Pan zehn Pan dreizehn

 

Die Spannung steigt. Endlich naht der Höhepunkt der Veranstaltung: Ruth Spelmeyer (links) und Lisa Ryshich dürfen den Vorhang hinunterziehen und den Blick auf die Titelseite des Magazins freigeben:

Pan sechszehn

Beifall und einhelliges Lob folgen. Die Kameras halten den Moment fest, die Journalisten führen weitere Interviews:

Pan achtzehn Pan neunzehn

Pan zweiundzwanzig Pan dreiundzwanzig Pan dreißig

Und es wird weiter untereinander gesprochen, zwischen Journalisten, Sportlern, Funktionären:

Pan drei Pan achtunddreißig  Pan zweiunddreißig Benitz Pan vierundzwanzig Pan sechsunddreißig Pan achtundzwanzig

 

Und irgendwie paßt es kurz vor Ende der Veranstaltung in den repräsentativen Rahmen der PanAm-Lounge, daß plötzlich Fernsehmoderator Cherno Jobatey erscheint, und mit einem wie immer gewinnenden Lächeln sich unter die Journalisten mischt.

Pan neununddreißig

Jobatey war vor allem durch das ZDF-Morgenmagazins bekannt geworden, was er bis Ende 2012 zwanzig Jahre lang moderierte. Gegenwärtig ist er Herausgeber der deutschen Ausgabe der „Huffington Post“.

Cherno Jobatey paßt auch deshalb hierher, weil einer wie er sicher auch für die Verbreitung des  gerade vorgestellten Magazins außerhalb der Leichtathletik-Klientel sorgen kann. Und das hat ja vorher Claus Frömming betont: „Wir wollen das Magazin breit streuen, um die Idee der Europameisterschaft überall zu verbreiten.“

Peter Grau

 

Leichtathletik-Stars präsentieren bayerische Trachten als Werbung für die Leichtathletik-Europameisterschaften 2018 in Berlin

 

EM 2018 Tiitelbild

Unter dem Motto „Fashion meets Sport“ (Die Mode trifft den Sport) entwarf Marktführer Angermaier eine spezielle Trachtenkollektion zu den Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin (7.-12. August 2018) und steckte Spitzenleichtathleten in die typisch bayerischen Trachten.

Die EM-Kollektion, für die hochwertige Stoffe und feinstes Leder aufwendig verarbeitet wurde, stellten  Ruth Spelmeyer (Langsprinterin), Laura Müller, Alexandra Burghardt (beide Sprint), Timo Benitz (Mittelstreckler  und Martin Wierig (Diskuswerfer)  vor.

Spitzenathleten_Trachtenmode

Von links nach rechts:  Ruth Spelmeyer, Timo Benitz, Alexandra Burghardt, Laura Müller und Martin Wierig  (Foto: SCHROEWIG/ D.Kollowsky)

Alexandra Burghardt, Laura Müller, Martin Wierig,Timo Benitz und Ruth Sophia Spelmeyer Fashion meets Sport - Angermaier-Weißwurstfrühstück im Hofbräuhaus in Berlin am 18.01.2018 Foto: BrauerPhotos / Neugebauer

Von links nach rechts: Alexandra Burghardt, Laura Müller, Martin Wierig, Timo Benitz und Ruth Spelmeyer ) Foto: BrauerPhotos / Neugebauer)

Die Leichtathleten des Jahres 2017 stehen fest: Johannes Vetter und Gesa Felicitas Krause

Wie immer waren die Leser von „Leichtathletik“ und die Nutzer von leichtathletik.de aufgerufen, die Leichtathleten des Jahres 2017 zu wählen. 40.000 Stimmen wurden abgegeben und am Ende setzten sich Speerwerfer Johannes Vetter und Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause durch:

Johannes Vetter:

Vetter Speerwurf

Gesa Felicitas Krause:

Krause eins

Beim Nachwuchs erhielten Zehnkämpfer Niklas Kaul und Kugelstoßerin Julia Ritter die meisten Stimmen.

Interviews mit den Gewinnern sind in der aktuellen Ausgabe der Leichtathletik zu lesen:

Leichtathletik 3 2018 Titel

Bei leichtathletik.de kann man ebenfalls die Ergebnisse der Wahl   nachlesen unter:  https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/gesa-krause-und-johannes-vetter-sind-deutschlands-leichtathleten-des-jahres-2017/

Von Kuba über Wandlitz nach Chile

Es ist nicht gerade prickelnd, wenn man seine Lebensjahre dahinrasen sieht. Aber manchmal bin ich doch dankbar, etwas älter zu sein, weil ich  es mir leisten kann, noch länger als bis Mitternacht fernsehen zu können und am nächsten Morgen nicht wie manche um 5 oder 6 Uhr aufstehen muß.

Am gestrigen Sonntag (14. Januar) war solch ein Abend. Zunächst sah ich mir eine meiner Lieblingssendungen im Westdeutschen Rundfunk (WDR) an: Wunderschön.

Diesmal zwar nicht mit meiner Lieblingsreiseführerin Tamina Kallert, aber auch Andrea Grießmann  machte ihre Sache gut, zumal sie die Landessprache beherrscht. Wohin ging es diesmal? Nach Kuba.

Kuba Wunderschön

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/wunderschoen/video-wunderschoen—kuba-auf-eigene-faust-102.html

Sehr informativ war es und nebenbei erinnerte ich mich, daß ich noch eine ganze Menge Fotos auf meiner Homepage veröffentlichen will, die mein Wiener Journalistenkollege Olaf Brockmann vor einigen Wochen aus Kuba mitbrachte.

Playa eins Kuba fünf Kuba achtzehn Kuba fünfzehn Kuba dreiunddreißig Kuba vierunddreißig

Mehr davon unter http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=11223

 

Es folgten im Fernsehen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) einige Filme aus der DDR-Vergangenheit. Zunächst eine Geschichte  um drei Kinder der damaligen Politiker-Größen Sindermann, Grüneberg und Mittag, die in der Prominentensiedlung Wandlitz bei Berlin aufwuchsen. Danach eine Geschichte über die von Walter Ulbricht und seiner Frau Lotte adoptierte Tochter Beate, deren „Rückgabe“ an ihre leibhaftige Mutter, und die weitere Adoption einer Tochter, die wiederum den Namen Beate bekam.

Und dann zum Abschluß ein Film über Roberto Yanez Betancourt y Honecker, dem Sohn der Tochter von Erich und Margot Honecker, Sonja.

https://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/a/video-167672.html

Roberto zwei

Der Künstler Roberto Yanez bei einer Ausstellung in Berlin 2013 (Foto: dpa)

Schon zu Beginn des Filmes stellt Roberto  klar, daß er zwar der Enkel ist, aber nicht für all das, was Erich Honecker vorgeworfen wird, verantwortlich gemacht werden will. Doch dann gewöhnt man sich schnell an die philosophierenden Ausführungen eines Mannes, der in Ostberlin geboren wurde, als Kind engen Kontakt zu seinen Großeltern Erich und Margot Honecker hatte, dann in eine normale Oberschule ging und mit 16 Jahren  durch die politische Wende  aus der DDR nach Chile (dort kommt sein Vater her) kam. Nun ist Roberto erstmals nach 23 Jahren  wieder in Berlin. (Film aus dem Jahr 2013, aber hochspannend).

Es war fast 1.30 Uhr, als ich den Fernseher ausmachte. Befriedigt, daß ich mein Wissen erweitern konnte.

Peter Grau