Treffs mit Leichtathleten

Eine sehr sportliche Mentaltrainerin für die Leichtathleten

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Sie liebt das Außergewöhnliche. Katja Seyffardt, ihres Zeichens Mentaltrainerin, zeigt Hochleistungssportlern, wie man gegen Ängste und Barrikaden angeht, wie man den Wettkampfstress mindert.  Aber nicht nur reden kann sie. Sie beweist auch als ambitionierte Sportlerin in einer nicht alltäglichen Sportart wie Fallschirmspringen sowohl körperliche als auch geistige Fitness.

 

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Von ihr ist Deutschlands bester Geher, Christopher Linke aus Potsdam,  vor den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro elf Monate lang  betreut worden. Messbarer Erfolg: der 5. Platz im 20-km-Gehen von Olympia und  nur knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt. Und aktuell am 21. Mai 2017 der Erfolg beim Europacup der Geher in Podebrady.

Nicht alle  wollen in der Öffentlichkeit darüber reden. Christopher Linke aber nimmt kein Blatt vor den Mund: „   Katja hat mir in unserer elfmonatigen Zusammenarbeit in Vorbereitung auf Olympia Rio 2016 einen Weg gezeigt, meine Konzentration zu fokussieren. Statt mich an anderen Wettkampfteilnehmern zu orientieren, kann ich nun den Fokus bei mir und meiner Leistung halten. Sie hat es geschafft, mich immer wieder neu zu motivieren, indem wir an vielen kleinen Zielen auf dem Weg zum großen Ziel  gearbeitet haben. Es hat mir gerade am Anfang sehr geholfen, dass ich mit Katja über meine Probleme und Ängste sprechen konnte. Sie hat mir deutlich gemacht, dass nur ich selbst Dinge ändern kann. Ich habe mehr Verständnis für gewisse Situationen gefunden, mein Blickwinkel hat sich geändert und so auch mein Verhalten. Ich bin ruhiger geworden und kann jetzt durch eine konkrete Zielsetzung den Fokus auf die für mich wichtigen Dinge halten. Mein Ergebnis bei Olympia in Rio hat meine anfänglichen eigenen Erwartungen mehr als übertroffen. Danke Katja!“

Soweit die Worte von Christopher Linke.

Wenn man ihn, wie ich, dann im Livestream von Podebrady gesehen hat, war man überrascht von seiner  Dominanz. Er sprühte förmlich vor Selbstbewußtsein. Und Katja Seyffardt, die mit Hagen Pohle und Nils Brembach weitere Geher betreute, meint dazu: „ Die Geher haben bei ihrem langen Kampf  Phasen, in denen es hart wird. Dann müssen sie über die Schmerzen hinwegsehen, und sich auf anderes konzentrieren, beispielsweise sich mit Worten motivieren.“ Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass man 50.000 Mal am Tag mit sich selbst redet. Dessen muss man sich bewusst werden und zu seinem Vorteil ausnutzen.

Nicht immer klappt es allerdings so wie bei Christopher Linke.

Katja Seyffardt betreute auch ihren Fast-Namensvetter, den Potsdamer Speerwerfer Bernhard Seifert, der zwar den Sprung nach Olympia nicht schaffte, aber sich  trotzdem über die elfmonatige Zusammenarbeit positiv  äußerte:  „ Katja konnte  mir viel beibringen und das zeigen, was ich in meinem Beruf als Spitzensportler super anwenden kann. Wir arbeiteten an Motivation, Konzentration, Stressbewältigung und Umgang mit Verletzungen. In erster Linie konnte ich mit ihr meine ganzen Probleme und Ängste besprechen.  Weiterhin haben wir an Teilzielen gearbeitet, die es mir ermöglichten,  stets motiviert zu bleiben und nicht das Hauptziel aus den Augen zu verlieren. Sie zeigte mir, wie man mit schwierigen Situationen klarkommt und wie man diese bewältigt. Ich konnte durch die Übungen meinen Fokus sowohl im Training als auch im Wettkampf super halten und habe mich nicht durch andere Einflussfaktoren aus der Bahn bringen lassen. Wenn es mal nicht klappte,  analysierte sie mit mir gemeinsam  das Problem und zeigte mir stets einen neuen Weg. Ich bedanke mich für die super Zusammenarbeit. Danke Katja!“

Wann aber kommen die Sportler zur Mentaltrainerin?  Viele Leute denken, dass sie zu einem Mentaltrainer gehen, wenn sie Probleme haben. Aber man könnte schon viel früher mentale Techniken anwenden, um es nicht soweit kommen zu lassen, dass man in der Blockade hängt oder aber die Angst-Dimension sehr groß ist“. Und Katja Seyffardt erläutert das an einem Beispiel: „ Der Körper ist gewissermaßen die Hardware vom Computer, und der mentale Aspekt ist die Software. Beides muss kompatibel sein. Wenn die mentale Einstellung nicht abgestimmt ist, dann kann der Körper noch so gut ausgebildet sein, aber man kann seine Leistung nicht abrufen. Es entsteht eine Blockade, die sich beispielsweise in Wettkampfangst äußert. Die Kunst ist nun, durch bestimmte Techniken den Kopf im Jetzt zu behalten.“  Wie aber sehen solche Techniken aus? „ Es gibt Entspannungs- und Konzentrationstechniken, bei denen man sich auf das Ein-oder Ausatmen konzentriert. Ein anderes Mittel ist, bestimmte Muskelgruppen anzuspannen, angefangen vom Kopf über den Bauch bis zu den Füßen“. Jeder reagiert darauf anders. Der eine schaut lieber, der andere hört lieber und wieder ein anderer fühlt lieber.

Das Mentaltraining ist natürlich eine sehr persönliche Sache. „ Das 1 zu 1 – Coaching ist sicherlich besser als etwa ein allgemeiner Workshop mit mehreren Leuten. Nur im Einzelgespräch  öffnet sich der Athlet vollkommen“, erklärt Katja. Und ich kann es nachfühlen, denn sie hat eine bestimmte Gabe, auf Leute zuzugehen und mit ihnen zu reden.  Wir kannten uns vor unserem Treffen in einem Kaffee im Outletcenter in Wustermark bei Berlin nicht persönlich, sondern nur durch das Internet. Doch der Draht zwischen uns war sofort geknüpft, auch wenn ich ja nicht mit einem persönlichen Problem zu ihr gekommen war.

Warum aber hat sie diese Ausstrahlungkraft? Ein wenig wurde es mir klar, als sie mir einiges über ihren bisherigen Lebensweg erzählte.

 Tauchsport  – Fallschirmspringen – Mentaltrainerin

Die gebürtige Hamburgerin absolvierte zunächst eine Tauchausbildung.  Schon mit 20 Jahren suchte sie ihre berufliche Erfüllung im Ausland, zunächst in  Südamerika, danach in der Karibik und in Mittelamerika. Dort arbeitete sie vor allem als Tauchlehrerassistentin. Wieder zurück in Deutschland flog sie einige Jahre als Stewardess durch die Lüfte, wandte sich dann der Psychologie zu.

Gleichzeitig arbeitete sie bereits intensiv im Tauchsport als Tauchlehrerassistentin. „Ich war bei Tauchevents als Sicherungstaucherin in Cypern dabei, habe für zwei Tauchschulen in Ägypten gearbeitet und Taucher mit ausgebildet.“ Sie lernte es dabei, sich und anderen die Angst zu nehmen. Und ihren nächsten, nun wieder längeren Auslandseinsatz hatte sie dann in Russland,  wo sie zunächst in Sibirien für ein Jagd- und Abenteuerunternehmen arbeitete.

Anschließend folgten vier Jahre Moskau, wo sie Leute im Fitnessbereich und im Mentalbereich trainierte. Das hätte sie sicherlich noch länger getan, doch da machte ihr 2008 die weltweite Finanzkrise einen Strich durch die Rechnung. Bis 2010 kämpfte sie sich noch durch, aber dann kehrte sie zurück nach Deutschland, zunächst nach Hamburg und arbeitet seitdem als Mentaltrainerin.

Der Reiz der Lüfte

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Doch Stillstand ist Rückschritt. Das scheint ihr Motto zu sein. War eines ihrer Lebenswelten bisher beim Tauchsport das Wasser,   wiederentdeckte sie nunmehr den Reiz der Lüfte. „ Mit dem Fallschirm springen wollte ich auch früher schon, aber beides, Tauchen und Springen, war zeitlich nicht zu packen.“

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Seit 2010  widmet sie sich wieder mehr dem Fallschirmspringen, den Fallschirmschein hatte sie ja schon gemacht. Sie arbeitet nun auf den Flugplätzen von Fehrbellin und Gransee, zwei Gemeinden rund 100 km nördlich von Berlin entfernt. „ Ich bilde Leute theoretisch im Fallschirmspringen aus und gebe 1 zu 1- Coaching für diejenigen, die schon springen können, sich aber noch verbessern wollen.“

Frei wie ein Vogel fliegen

 

Katja Seyffardt ist auch  BASE-Springerin geworden.  Was verbirgt sich dahinter?  Einfach gesagt: Mit einem Flügelanzug springt sie vom Berg herab,  fliegt und landet später mit dem Fallschirm. „ Es ist eine Extremsportart, und man braucht zuvor eine gehörige Anzahl von Fallschirmsprüngen aus dem Flugzeug, ehe man sich da heranwagen kann.“

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Auf den Fotos kann man sehen, wie spektakulär das Ganze ist. Zunächst wird eine entsprechende Kleidung angelegt, die später das Fliegen möglich macht. Und so spannend, wie es von außen aussieht, beschreibt es Katja Seyffardt  auch: „ Man steht oben am Berg, an der Kante.  Dann gibt es eine ganz bestimmte Absprungtechnik, um gut vom Berg abzuspringen und in den Flug zu kommen.“ Und wie ist der Flug? „Natürlich toll. Man fühlt sich wie ein Vogel. Man lenkt mit Gewichtsverschiebungen, kennt die Landezone. Und man zieht rechtzeitig den Fallschirm und landet dann. Alles geschieht auf Sicht, und nicht wie beim Sprung aus dem Flugzeug, wo wir einen Höhenmesser und einen Höhenwarner dabei haben und genau wissen, wann wir den Fallschirm ziehen müssen. Beim BASE-Springen muss man das Gefühl entwickeln, wie tief man gehen kann und wann man den Fallschirm zieht. Natürlich sind da auch immer Ängste dabei, aber man lernt, damit umzugehen, sie zu beherrschen. Man lernt,  sie gut einzuschätzen und man wächst auch über sich hinaus, entwickelt sich weiter.“

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Vom Berg fliegen ist ein aufregender Ausgleich für ihre Tätigkeit als Mentaltrainerin. Es ist auch ein wenig ein Selbstversuch, wie man mentale Stärke beweisen und trainieren kann. „ Wenn ich meinen Sportlern davon erzähle, erkennen sie schnell, dass ich nicht nur die Theorie beherrsche, sondern sie auch selbst anwende.

Warum arbeitet Katja Seyffarth überhaupt mit den Athleten?  „ Ich finde es  sehr interessant, weil ich mich in die Thematik einfühlen kann. Ich kenne selbst Ängste, arbeite seit vielen Jahren im Sport. Zwar nicht als Profisportlerin, sondern in der Vergangenheit als Tauchlehrerassistentin  und seit vielen Jahren als Fallschirmsprung-Lehrerin.  Ich weiß, wie es ist, wenn man einem gewissen Druck ausgesetzt ist, wenn man dann eine bestimmte Leistung zu einem Zeitpunkt X abliefern muss.“

Peter Grau

BASE-Springen in der Schweiz und in Italien:

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Thomas Röhlers Speerwurfrekord und das Marathon-Spektakel mit Eliud Kipchoge

Thomas Röhler mit Olympiagoldmedaille

Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler (Foto: Olaf Brockmann)

 

In den vergangenen Tagen ist in der Leichtathletik einiges passiert. Diesmal aber mit positiven Schlagzeilen. Zunächst warf  Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler beim Diamond-League-Meeting in Doha (Katar) mit 93,90 m  neuen deutschen Rekord. Er übertraf damit den alten Rekord, den der Magdeburger Raymond Hecht 1995 mit 92,60 m aufgestellt hatte, um über einen Meter.

Später gab Thomas Röhler dem Berliner Journalisten Jan-Henner Reitze für leichtathletik.de  ein langes, inhaltsreiches Interview:

http://www.leichtathletik.de/news/news/detail/thomas-roehler-bei-100-metern-ist-der-kameramann-sicher-eine-zeit-lang/

Thomas Röhler 2 Scheinwerfer

Thomas Röhler 1 Schatten

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Thomas Röhler beim Training in Jena

 

Thomas Röhler kommt aus Jena, einem Ort in Thüringen, den ich schon seit meiner Jugend kenne. Dorthin führten uns oft unsere Klassenfahrten, ob nun ins Zeiss-Planetarium oder auf den „Jenzig“, einen kleinen Berg mit Rundumsicht.  Später war ich in Jena oft zu Leichtathletik-Sportfesten.

Jena spielt auch in der Speerwurfgeschichte eine gewichtige Rolle.  1996 warf dort der Tscheche Jan Zelezny mit 98,48 m den noch heute gültigen Weltrekord. Damals war ich live dabei, sah den Speer im Ernst-Abbe-Sportfeld segeln. Dieser Flug ist auch heute noch auf You-Tube zu sehen:

https://r.search.yahoo.com/_ylt=A9mSs28CcBBZV5MA6FYzCQx.;_ylu=X3oDMTBybDA1bGNhBGNvbG8DaXIyBHBvcwMyBHZ0aWQDBHNlYwNzYw–/RV=2/RE=1494278275/RO=10/RU=https%3a%2f%2fwww.youtube.com%2fwatch%3fv%3dV6P9WbTPeLA/RK=0/RS=vh6D863h3IO6P7AnX1_QFft8Mqs-

Für mich eine Duplizität der Ereignisse, denn 12 Jahr zuvor, 1984, saß ich in Berlin im Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark unter den Zuschauern und sah ebenfalls einen Weltrekord. Damals warf der Potsdamer Uwe Hohn das alte Speer-Modell auf die sagenhafte Weite von 104,80 m. Ich kann mich noch erinnern, wie der Speer auf mich zuflog. Doch ich war  auf den Zuschauerrängen sicher. Aber damit nicht später andere Zuschauer durch zu weit fliegende Speere gefährdet würden, veränderte man den Speer, gab ihm einen anderen Schwerpunkt, und anschließend flog der Speer nicht mehr so weit.

Diesmal saß ich in Doha nicht im Stadion, aber ich habe für solche Fälle ja meinen Wiener Journalistenkollegen Olaf Brockmann, der wie gewohnt die Spitzenleichtathleten ablichtete:

Thomas Röhler Doha Rekord Brockmann

Thomas Röhler nach seinem Rekordwurf in Doha (Foto: Olaf Brockmann)

 

Der 2-Stunden-Marathon in Monza

Das Meeting in Doha fand am Freitag, dem 5. Mai 2017  statt. Nur wenige Stunden später, am 6. Mai früh um 5:45 Uhr, wurde ein anderes „Unternehmen“ gestartet. Unter dem Namen  „ Breaking 2“    sollten auf dem Formel-1-Kurs im italienischen Monza der erste Marathon (42,195 km) unter der Zwei-Stunden-Marke gelaufen werden.  Auserkoren dafür war vor allem der Olympiasieger von Rio 2016,  Eliud Kipchoge (Kenia). Auf einer 2,4 –km-Runde rannte man, unterstützt von 18 Tempomachern, einem Führungsfahrzeug, welches Windschutz bot und nach einer monatelangen Vorbereitung, in der alles ausgereizt wurde.  Den Anfang des Rennens in der morgendlichen Dämmerung sah ich mir im Livestream im Internet noch an, schlief dann erstmal weiter. Pünktlich zum Zieleinlauf wurde ich wieder wach, sah Eliud Kipchoge nach 2:00:25 Stunden die Ziellinie überqueren. Es wurde also nichts mit der Unterbietung der 2 Stunden, aber daß es möglich ist, wurde bewiesen. Auch wenn dem Ganzen so etwas wie ein Laborversuch anhaftete. Doch vor allem denjenigen, die es live mit in Monza erlebten, hat es gefallen.

In Monza direkt dabei war für laufen.de   Christian Ermert, der seine Eindrücke später so beschrieb: https://www.laufen.de/marathon-eliud-kipchoge-verpasst-2-stunden-nur-knapp

und dann noch einen Kommentar hinzusetzte: https://www.laufen.de/breaking2-der-kommentar-zum-rennen-von-monza

Kritisches zum Marathon- Spektakel merkte  FAZ-Sportredakteur Michael Reinsch an:

http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/eliud-kipchoge-schafft-marathon-unter-2-stunden-nicht-15004278.html

Begegnung mit Eliud Kipchoge in Kenia

Olaf Brockmann konnte natürlich nicht dabei sein, er war ja noch in Doha. Aber er hatte es geahnt, daß Eliud Kipchoge etwas Großes erreichen wollte (deshalb hatte der auch auf die lukrativen Frühjahrsmarathons, u.a. in London und Boston, verzichtet und sich voll auf diesen 2-Stunden –Versuch vorbereitet). Olaf Brockmann  hatte am 22. März 2017 in Eldoret in Kenia mit Eliud  Kipchoge gesprochen und ihn dort fotografiert:

Eliud Kipchoge mit Olaf Kenia

Eliud Kiochoge in Kenia

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Eliud Kipchoge  im Training und im Gespräch

 

 

Diskuswerfer Robert Harting feilt am Comeback

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Diskuswerfer Robert Harting (2016 / Foto: Grau)

Robert Harting hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Zu Ostern, schreibt er bei Facebook, gab er ein Interview.  Zu Ostern und nicht an Ostern, das gefällt mir.

Und es gefällt mir auch, was er Dieter Wenck im Gespräch für die Berliner Morgenpost zu erzählen hatte.  Lesen Sie den Text   unter  http://m.morgenpost.de/sport/article210267765/Robert-Harting-feilt-in-der-Folterkammer-am-Comeback.html

Robert Harting über Fitneß, Freizeit und Makel

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Robert Harting

 

Um Diskuswerfer Robert Harting ist es seit einiger Zeit ruhiger geworden. Tauchte er früher oft mit Wortmeldungen zu vielen Problemen in der Öffentlichkeit auf,  hört man jetzt weniger von ihm.

Dagegen  hat sein Bruder, Olympiasieger Christoph Harting, eine komplette Kehrtwendung vollzogen. Verscherzte er sich durch sein Verhalten nach seinem Olympiasieg in Rio de Janeiro viele Sympathien, versucht er jetzt, verlorene Zuneigung zurückzugewinnen.

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Christoph Harting

 

Und das mit Erfolg. Im Fernsehen ist Christoph Harting ein willkommener Gast, ob bei Talk-Shows oder bei der ARD-Sendung „Klein gegen groß“.  Er beweist, daß er es ganz anders kann, daß er eine besondere Seite hat, die ankommt.

Warum nicht gleich so, möchte man ihm zurufen. Doch das weiß er sicher selbst. Und handelt danach.

Robert Harting aber arbeitet intensiv im Training mit seinem neuen Trainer Marko Badura, um dann in der Sommersaison wieder mit dem Diskus brillieren zu können.

Aber wenn er gefragt wird, dann gibt er natürlich noch immer gern Antworten.

So kürzlich  Franziska Manske von der Redaktion Mediaplanet.   Mediaplanet ist ein internationales Unternehmen, das nach eigener Erklärung  „crossmediale Kampagnen zu aktuellen und spannenden Themen in Gesundheit, Business, Technologie, Lifestyle, Bildung und CSR ( Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung)“  verbreitet.

Mehr zur Arbeitsweise von Mediaplanet unter   www.mediaplanet.com

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Robert Harting

 

Robert Harting äußerte sich im Gespräch mit Franziska Manske vor allem über Fitness und Freizeit.

Zum Anfang wurde er gefragt,  wie er fit und gesund bleibe und in Form.

Lesen Sie seine Antwort dazu und das gesamte Interview mit Robert Harting unter

http://www.fuer-ihn.info/…/fit-bleiben-den-kopf-aufraeumen-

Anna Rüh – die Diskuswerferin aus Magdeburg

An manche Interviews kann man sich als Journalist noch recht gut erinnern. Mir geht es so mit einem Interview mit der Diskuswerferin Anna Rüh. Bei einem meiner vielen Besuche der Halleschen Werfertage drängte sich im Mai 2012 die damals 18-Jährige durch ihre Leistung förmlich auf. Zwar war sie anfangs recht zurückhaltend, als ich sie in der Aufwärm-und Ruhehalle um ein Gespräch bat. Kein Wunder, denn ich nehme an, daß das ihr erstes großes, langes Interview wurde.

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Und für mich war es deshalb so reizvoll, weil es meine erste Begegnung mit der langaufgeschossenen Blondine war. Da kann man dann viel fragen, erfragen und so war es dann auch. Es war ein ergiebiges Gespräch und im Ergebnis kam die folgende Geschichte zustande, die am 24. Mai 2012   bei leichtathletik.de   erschien:

Anna Rüh in neuen Dimensionen

Geplant hatte Anna Rüh (SC Neubrandenburg) eigentlich nur mit der U20-WM im Juli in Barcelona (10. bis 15. Juli 2012). Diese Planung wurde bei den Halleschen Werfertagen am Samstag ordentlich durcheinander gewirbelt: Mit einem Wurf auf 63,04 Meter überbot sie die Olympia-Norm und kann nun auch mit einem Olympia-Ticket liebäugeln. Glück brachte der 18-Jährigen in Halle ein ganz besonderes Wurfgerät.

Die schwarze Diskusscheibe, die Anna Rüh mit zu den Werfertagen gebracht hatte, nutzte einst die dreimalige Weltmeisterin Franka Dietzsch, die zu ihrer aktiven Zeit ebenfalls für den SC Neubrandenburg startete. Bei der WM 2007 in Osaka (Japan) schleuderte sie ihn auf die Siegesweite von 66,61 Meter.

An ihren Wurf vom Vormittag konnte Anna Rüh sich schon am Nachmittag nicht mehr so recht erinnern. „Ich war wahrscheinlich so erleichtert, dass ich es geschafft habe, und dann fiel eine Last von mir.“ Auf die Frage, ob sie danach sofort an London gedacht habe, lautete die spontane und ehrliche Antwort: „Ja, denn ich habe einen Meter über der Norm geworfen!“

Ticket nach London umkämpft

Anna Rüh räumte allerdings ein, dass die Reise nach London noch lange nicht gebucht sei. „Ich habe zwar gute Chancen, aber es gibt auch noch andere Werferinnen, die die Norm packen könnten.“

Dazu zählen sicherlich Heike Koderisch (SC Magdeburg) oder die ebenfalls noch der U20-Jugend angehörende Shanice Craft (MTG Mannheim).

Auch Bundestrainer Werner Goldmann bestätigte: „Natürlich haben im Moment Nadine Müller, Julia Fischer und Anna Rüh die besten Karten. Aber ich denke, dass auch andere Athletinnen bei guten Bedingungen noch in den Normbereich kommen können.“

Respekt vor Frauen-Konkurrenz

Nach dem U20-Wettbewerb am Vormittag maß sich Anna Rüh am Nachmittag mit den Frauen und zeigte einigen Respekt: „ Das ist natürlich ein Riesenniveau. Da versucht man sich anzupassen an dieses Niveau. Aber ich war auch viel nervöser“.

Aus nächster Nähe konnte sie beobachten, wie Nadine Müller (Hallesche LA-Freunde) mit 66,68 Metern alle Konkurrentinnen hinter sich ließ und auch Julia Fischer (SCC Berlin) mit 63,37 Metern erneut die Olympianorm übertraf. Sie selbst konnte ihre Leistung vom Vormittag bestätigen und wurde mit 62,32 Metern Sechste.

Trainingsleistung bestätigt

Für die blonde Athletin kam die Leistungssteigerung nicht überraschend. „Ich habe im Training gesehen, dass ich über 60 Meter werfen kann. Und im Wettkampf bin ich noch stärker als im Training, denn da kommt noch das Adrenalin hinzu.“

Trainiert hatte der Schützling von Dieter Kollark in der letzten Zeit nicht nur im heimischen Neubrandenburg, sondern auch viel in Kienbaum bei Berlin. Zwar habe sie sich von den Kraftwerten her nicht viel gesteigert, nur etwas an Körpergewicht zugelegt habe sie, die bei 1,84 Meter Größe jetzt rund 80 Kilogramm wiegt. „Aber wir haben viel Technik trainiert, und das hat sich ausgezahlt.“

Erstmals war sie zudem für eine Woche mit den anderen Spitzenwerfern im Trainingslager in Albufeira (Portugal). „Dort hat sie sehr gut trainiert, sodass die zweimalige Normerfüllung für mich keine Überraschung darstellt“, berichtete Bundestrainer Werner Goldmann.

Kaufmännische Ausbildung

Das Leben der 18-Jährigen besteht allerdings nicht nur aus Sport. In Neubrandenburg hat Anna Rüh im Sportgymnasium den Realabschluss gemacht und dann ein Jahr lang ein Praktikum in der Unternehmensberatung Hannig absolviert.

Da ihr das gefiel, begann sie dort anschließend eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Und sie hat das Glück, dass ihr Chef sportbegeistert ist und ihr für Training und Wettkämpfe die nötigen Freiräume lässt.

Im Jahr 2011 holte sie sich in Tallinn (Estland) bei der U20-EM mit dem Diskus Silber und bewies mit Bronze im Kugelstoßen ihre Vielseitigkeit. Doch gegenwärtig konzentriert sie sich mehr aufs Diskuswerfen. „Wir haben das Kugelstoßen etwas zurückgestellt, aber ich fange damit bald wieder an“. Vielleicht wird sie bei der U20-WM in Barcelona sogar wieder mit beiden Geräten antreten.

Anna Rüh von Dirk Gartenberg

Anna Rüh als Kugelstoßerin (Foto: Dirk Gantenberg)
Schwarzer Diskus als Glücksbringer

Dass Anna Rüh nicht unbedingt mit der Olympiachance gerechnet hatte, zeigt sich auch darin, dass über die nächsten Wettkämpfe noch keine Klarheit herrscht. „ Ich werde in Leipzig starten und dann natürlich bei den Deutschen Meisterschaften. Mehr weiß ich noch nicht“.

Fest steht, dass sie auch bei den nächsten Wettkämpfen wieder auf die Disken von Franka Dietzsch zurückgreifen wird. Im Moment bringt ihr die schwarze Scheibe von Osaka Glück: „Wenn man weiß, dass der Diskus schon mal so weit geflogen ist, dann vertraut man ihm.“ Und Anna Rüh hätte nichts dagegen, wenn der Diskus auch bei den Olympischen Spielen in London weit fliegen würde.

Soweit meine Geschichte über Anna Rüh aus dem Mai 2012.

 

2012 wurde dann für Anna Rüh das  international bisher erfolgreichstes Jahr. Bei der EM in Helsinki wurde sie Vierte, zwei Wochen danach gewann sie den Titel bei der Junioren-WM und bei den Olympischen Spielen in London erreichte sie einen zehnten Platz.

 

Die Jahre zwischen 2012 und 2016

Natürlich habe ich ihren weiteren Weg mit besonderem Interesse verfolgt, weil solch ein  Premiereninterview  auch im Gedächtnis bleibt.

Seitdem sind immerhin fast fünf Jahre vergangen.  Anna Rüh wirft weiterhin den Diskus, aber es hat sich seit 2012 viel getan.  Sie hat ihren Verein gewechselt, ist von Neubrandenburg nach Magdeburg gezogen. Und auch beruflich und privat hat sich einiges verändert.

 

Doch wie ist die aktuelle Lage zu Beginn des Jahres 2017?  Da hat einer Licht ins Dunkel gebracht, der selbst bis vor kurzem im Hochleistungssport als 400-m-Hürden -Läufer in der deutsche Spitze aktiv war, für den SC Magdeburg startete und deshalb auch Anna Rüh gut kennt: Varg Königsmark.

Königsmark bestes Profilfoto

Varg Königsmark  (Foto: Dirk Gantenberg)

Varg Königsmark hat 2016 die Spikes an den berühmten Nagel gehängt, studiert weiterhin Psychologie an  der Otto-von-Guericke-Universität von Magdeburg. Gegenwärtig absolviert er  im französischen Grenoble ein Forschungspraktikum.

Warum hat aber hat er nun für leichtathletik.de  eine lange Geschichte über die Diskuswerferin Anna Rüh geschrieben?  Varg Königsmark erzählt es mir so: „ Es war, wenn man so will, so etwas wie mein Pilotprojekt. Seit ich Jack Kerouac (US-amerikanischer Schriftsteller mit franko-kanadischen Wurzeln) gelesen habe, war es immer mein Wunsch, es nebenher im Schreiben zu versuchen. Und jetzt, da ich mit der Leichtathletik aus Athletenperspektive aufhören mußte, erschien es mir als ein günstiger Zeitpunkt, dahingehend mal einen kleinen Versuch zu starten.“

Königsmark Hürden mit Georg Fleischhauer

Varg Königsmark (rechts) und Georg Fleischhauer im Hürdenwald (Foto:  Dirk Gantenberg)

 

Vielleicht bleibt das auch keine „Eintagsfliege“, denn Varg Königsmark  erklärte mir auch:

„ Ich könnte mir schon vorstellen, auch gepaart mit der Psychologie, in diesen Bereich etwas weiter vorzudringen (Thema Fachjournalismus z.B.). Die Psychologie ist ja die Lehre menschlichen Verhaltens und Erlebens und daher finde ich es sehr „verlockend“, „ über Menschen“  zu schreiben, mich ausführlich mit den Hintergründen zu befassen. “

Seine aktuelle Geschichte über Anna Rüh jedenfalls ist sehr lesenswert. Unter der Überschrift „Anna Rüh und das verflixte Jahr 2016“ wurde sie bei  leichtathletik.de  am 17. Februar 2017 veröffentlicht.

Lesen Sie bitte unter: https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/anna-rueh-in-neuen-dimensionen/

Wer noch mehr über Anna Rüh wissen möchte und wer viele Fotos sehen möchte, kann deren sehr beeindruckende Homepage   www.annarueh.de   besuchen.

Und wer sie in Aktion mit der Diskusscheibe sehen möchte, der muß zu einem der kommenden Wettkämpfe der leichtathletischen Sommersaison kommen.

Ich werde sie wahrscheinlich, wenn wir beide den Weg nach Halle/Saale zum diesjährigen Werfermeeting finden, dort wiedersehen. Nach nunmehr fünf Jahren, seit unserer ersten Begegnung.

 Peter Grau

 

 

Meike Kröger: Hochspringerin und Architektin

Wer bei den Hochspringerinnen die 2 Meter überspringt, der gehört seit langem zu einem illustren Kreis. Zuletzt gelang das bei den Hallen-Europameisterschaften der Leichtathleten in Belgrad der siegenden Litauerin Airine Palsyte mit einem Satz über 2,01 m.

Die ewige deutsche Hallen-Bestenliste wird von Heike Henkel mit 2,07 m angeführt, die sie 1992 sprang. Ihr folgen Ariane Friedrich (2,05), Alina Astafei (2,04), Susanne Beyer (2,02)m Gabriele Günz (2,01) und Daniela Rath (2,00).  Als Letzte sprang  die Berlinerin Meike Kröger mit 2,00 m in diesen Klub.    Über sie habe ich 2009 schon einmal einen Beitrag für  leichtathletik.de  geschrieben, den ich nun für diese Homepage aktualisiert habe:

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Meike Kröger:  Hochspringerin und Architektin

Meike Kröger gehört zum Eliteklub der Hochspringerinnen, die 2 Meter  übersprungen   haben. Am 28. Februar 2010  gelang ihr dieses Kunststück  in Karlsruhe bei den Deutschen Meisterschaften. Allerdings ging es für die Berlinerin danach nicht mehr reibungslos weiter. Verletzungen und Krankheiten stoppten ihren Aufwärtstrend. Am Ende  verabschiedete sie sich 2012  vom Hochleistungssport und konzentrierte sich voll auf ihren Beruf. Nach dem Abschluß ihres Architekturstudiums zog sie nach Zürich und schloß später in Hamburg ihren Master in Architektur ab. Gegenwärtig arbeitet die 30-Jährige in Kalifornien in den USA.

Doch wie kam sie überhaupt zum Hochsprung?

Flinke Füße in Berlin

In der LG Nord Berlin begann  ihre Leichtathletik-Karriere. Ihr älterer Bruder Jan war bereits im Verein. „Ich fand das toll, wollte es auch.“ Da kam ihr zugute, dass durch die LG Nord das Programm „Flinke Füße“ initiiert wurde, in welchem man direkt zu den Schulen geht, dort eine Lichtschranke aufbaut, die Kinder 30 Meter rennen läßt und wenn es ihnen Spaß gemacht hat, anbietet, zum Schnuppertraining zu kommen. Auch Meike Kröger wurde angesprochen, schlug ein und fing ab der dritten Klasse mit der Leichtathletik an.
Zuerst probierte sie sich an verschiedenen Disziplinen aus, absolvierte auch mal einen Mehrkampf. Als sich der Hochsprung als beste Disziplin herauskristallisierte und sie auch von der Größe her,- heute mißt sie 1,86 m-, dafür geeignet war, wechselte sie dorthin. Mit 15 Jahren, im Jahr 2001, sprang sie bereits 1,77 m hoch. „Das war schon recht gut“, schaut sie zurück.

„Allerdings gab es bald einen Rückschlag, als ich mir beim Hochsprung ein Bein brach, das heißt den Schienbeinkopf. Es wurde geschraubt und genagelt, anschließend war Pause angesagt.“ Ein Jahr lang trieb sie keinen Sport, zwei Jahre lang keinen Hochsprung.
Dreisprung zum Spaß

Dann im ersten A-Jugend-Jahr wagte sie sich wieder an den Hochsprung heran, probte auch daneben ein bißchen Dreisprung, „allerdings mehr, weil das Spaß machte“. Den ersten internationalen Einsatz hatte sie 2005 mit 19 Jahren bei der U20-EM in Kaunas (Litauen), wo sie allerdings noch in der Qualifikation scheiterte. Zweimal, 2007 und 2008, holte sie sich den deutschen Juniorenmeister-Titel.
„Vier Jahre bewegte ich mich auf Höhen zwischen 1,80 und 1,83 m“, erinnert sie sich. „Aber 2007 bin ich im Training genauso hoch wie im Wettkampf gesprungen, was eigentlich nicht so sein soll. Da sah man schon, dass ich höher springen müßte. 2008 platzte  endlich der Knoten, mit der Bestleistung von 1,91 m und dem dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften.“

Die Ursachen dafür liegen nicht so einfach auf der Hand oder auf dem Fuß. „Wir haben mehr Krafttraining gemacht“, bringt sie ihren Trainer Jan-Gerrit Keil ins Gespräch, mit dem sie seit 2002  zusammenarbeitete. Der Trainingsumfang aber wurde nicht erhöht. Und dieser war wahrlich nicht hoch, denn nur viermal in der Woche trainierte sie, nicht eben viel gegenüber anderen Athletinnen. Ein Grund dafür war, daß Meike Kröger nicht nur Sportlerin war, sondern sich auch um ihre berufliche Zukunft kümmerte.
Soziales Jahr in Kirgisistan

Nach dem Abitur absolvierte sie von 2005 bis 2006 ein freiwilliges soziales Jahr in einem Straßenkinderheim in der Hauptstadt von Kirgisistan, Bischkek. „Ich wollte nach der Schule nicht sofort studieren, sondern mich sozial engagieren. Außerdem reizte es mich, Russisch zu lernen. Ich hatte diese Sprache mal in der 11. Klasse bei einem halbjährigen Aufenthalt in Frankreich gehört und sie schön gefunden.“ Nun folgte also gewissermaßen das Sprachpraktikum am Ort.
Meike Kröger Berglandschaft mit Pferden

Dabei hatte sie noch Glück, denn als klar war, daß sie nach Kirgisistan reisen werde, fand DLV-Trainerin Brigitte Kurschilgen heraus, daß eben dort in Bischkek Igor Paklin wohnt, der ehemalige Weltklasse-Hochspringer. Bei ihm trainierte sie, bei dessen Bruder wohnte sie. „Aber die Leistung wurde nicht besser. Zudem hatte ich einiges zugenommen, wog so um die 65 Kilogramm.“

Auf den Pfaden der Architektur

Nach der Rückkehr nach Berlin studierte Meike Kröger an der Humboldt-Uni Volkswirtschaftslehre, aber es wurden nur zwei Semester, „weil es mir nicht so recht Spaß machte.“ Es folgte im Wintersemester 2007 der Wechsel zum Architekturstudium an die Technische Universität Berlin. Warum Architektur? „Ich bin für kreative Sachen, betätige mich gern gestalterisch. Naturwissenschaften liegen mir, besonders auch Mathematik.“

Studium und Sport, das war für Meike Kröger immer ein schwieriger Spagat. In einem Interview mit dem Spikes-Magazin erklärte sie einmal: „Ich studiere und mache nebenher Leichtathletik – nicht umgedreht.“

Und trotzdem ging es auch sportlich weiter bergauf. 2009 wurde sie bei den Deutschen Hallenmeisterschaften mit 1,92 m Zweite hinter Ariane Friedrich und reiste voller Optimismus zu den Hallen-Europameisterschaften nach Turin, wollte dort um eine Medaille mitspringen. Die Qualifikation hatte sie überstanden. Zwar nur mit 1,85 m, aber im Finale sollte es höher gehen. „Aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Fünf Minuten vor dem Gang in den Call-Room  bin ich beim Aufwärmen bei einem Steigesprung umgeknickt. Zuerst dachte ich, daß ich trotzdem springen kann, denn anfangs tat nichts weh. Aber der Fuß, mein Sprungfuß, schwoll schnell an, und der Physiotherapeut stellte fest, daß ein Springen nicht mehr möglich war.“
Ein Verband wurde angelegt, der Fuß gekühlt und enttäuscht mußte sie die Halle verlassen und ins Hotel zurückfahren. In Berlin wurden dann vom Arzt ein Bänderanriß und eine Stauchung im Knöchel festgestellt. Zehn Tage Gips, danach nochmals vier bis sechs Wochen eine Aircastschiene zur Stabilisierung des Fußes, das waren die ersten Therapie-Schritte. Es folgten Reha-Maßnahmen, hauptsächlich im Wasser, um den Fuß wieder zu mobilisieren.

 

So konnte sie auch bei einer Show-Vorstellung der Hochspringer in Berlin nicht mitspringen, als vier Briefmarken und die Gedenkmünze zu den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin vorgestellt wurden.  Aber sie hatte keine Scheu, vor rund 200 Leuten, darunter Finanzminister Peer Steinbrück und Innenminister Wolfgang Schäuble, in der Halle der TSV Guts-Muths 1861 Berlin das Sportprogramm zu moderieren. Und anschließend fand sie noch Zeit und Muße, um mir ein ausführliches Interview für leichtathletik.de zu geben.

Der 2-Meter-Satz von Karlsruhe

Nachdem die Fußverletzung auskuriert war, qualifizierte sich die Berlinerin für ihre Heim-WM im Berliner Olympiastadion, wurde dort beachtliche Elfte (wahrscheinlich Neunte, denn ihren russischen Konkurrentinnen Tschitscherowa und Slesarenko wurde später Doping nachgewiesen / Jan-Gerrit Keil) . Und die gute Form nutzte Meike Kröger dann 2010 zum Paukenschlag, den 2 Metern. Am 28. Februar schwang sie sich bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Karlsruhe erstmals über diese Höhe. Als zehnte Deutsche überhaupt schaffte sie den Sprung über zwei Meter. Mit dieser Spitzenleistung brachte sie sogar die haushohe Favoritin Ariane Friedrich in Bedrängnis. „Die zwei Meter waren für diesen Winter noch gar kein Ziel. Aber ich habe schon bei den Sprüngen und Kraftwerten in dieser Trainingswoche gemerkt, daß ich sehr gut drauf bin“, erzählte sie anschließend meinem Stuttgarter Kollegen Klaus Schlütter, den ich bei der Leichtathletik-EM 1998 in Budapest näher kennengelernt hatte.

„Kröger, damals gerade mal 23 Jahre, „pokerte“ emsig  mit,  steigerte von 1,94 m gleich auf 1,98 m, schaffte diese Höhe im dritten Versuch und setzte sich vorübergehend an die Spitze. Ihr Trainer und Psychologe Jan-Gerrit Keil sagte: „Wir hatten beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen. Mit 1,96 m wäre Ariane nicht zu schlagen gewesen.“ Eine kluge Taktik. Als Friedrich die 2,00 m im ersten Versuch riß, Kröger aber sensationell drüber flog, sah sie schon fast wie die Siegerin aus. Doch die Frankfurterin bewies starke Nerven und wehrte den Angriff mit 2,02 m  ab.“

Nun dachte man, daß sich Meike Kröger in der Weltspitze festsetzen werde. Aber dem war nicht so. Sie wurde zwar im Jahre 2010 in der Freiluftsaison nochmals deutsche Vizemeisterin und 2011 Dritte, aber danach nahmen Verletzungen und Krankheiten überhand, sodaß sie keine Höchstleistungen mehr bringen konnte und 2012 ihren Rücktritt vom Sport verkündete.

In der Zeitschrift „Leichtathletik“  äußerte sie sich im Februar 2013 im Gespräch mit Philip Häfner zu ihren Krankheiten. Neben einer alten Knieverletzung und einer erblichen chronischen Schilddrüsenunterfunktion litt sie zeitweise unter Depressionen und konnte nicht trainieren. „Ich habe lange überlegt, ob ich das öffentlich machen soll. Aber ich hoffe, daß ich damit das Bewußtsein für psychische Erkrankungen schärfen kann. Denn ich bin sicher nicht die einzige Betroffene im Leistungssport“, erklärte Meike Kröger.

Und in einem Interview mit Michael Reinsch von der FAZ äußerte sie sich nochmals zu diesen Problemen, die sie am Ende zur Aufgabe des Sportes zwangen.

(Auszüge aus einem FAZ-Interview vom 25.2.2013)

Frage: Als Sie in Karlsruhe mit zwei Metern Zweite der deutschen Meisterschaften wurden, sprach Ihr Trainer Jan-Gerrit Keil, ein Psychologe, davon, dass eine solche Leistung auch eine Belastung sein könne. Hat dieser Sprung Ihre Erkrankung verursacht?

Kröger: Ich kann nicht sagen, dass es dieser eine Sprung war. Aber der Druck im Leistungssport, den man sich vor allem selbst macht, begünstigt solche Krankheiten. Ich bin sehr ehrgeizig, sonst wäre ich dort nicht hingekommen. Aber er machte mir eben nur so lange Spaß, wie er nebenher lief. Als ich sah, dass ich oben mitmischen kann, als ich Erwartungen weckte, auch in mir selbst, geriet der Sport immer mehr in den Lebensmittelpunkt. Wenn man viel investiert, erwartet man, dass viel dabei herauskommt. Alles andere ist eine Enttäuschung. Aber so funktioniert Leistungssport nicht: Das Ergebnis wird nicht automatisch besser, je mehr man investiert.

Hat Ihr Architekturstudium Ihren Weg schwerer gemacht?

Kröger: Ich will nicht jammern. Ich habe einfach keinen Weg gesehen, Spitzensport und Studium optimal zu verbinden. Und ich wollte mich nicht erst mit dreißig zu Zwanzigjährigen in den Hörsaal setzen. Man kann ein Architekturstudium nicht strecken, deshalb hatte ich wenig Zeit fürs Training. Das war zum Scheitern verurteilt.

Wann haben Sie die ersten Anzeichen Ihrer Depression erlebt?

Kröger: Das entwickelt sich, ohne dass man es wahrnimmt. Richtig ausgebrochen ist es Ende 2011. Ich hatte zuvor eine lange Phase von Verletzungen und eine Schilddrüsenunterfunktion.

Hat der Sport Sie in der Depression belastet oder geholfen?

Kröger: Er spielte überhaupt keine Rolle. Man kämpft nur darum, überhaupt wieder Lebensqualität herzustellen. Die Frage ist, ob und wann man in den Leistungssport zurückkehren kann, wenn man geheilt ist. Es macht ja nicht klick, und man ist wie vorher. Es braucht eine Weile. Im Leistungssport muss man überzeugt und stark sein, um Erfolg zu haben. Ich spreche nur über meine Krankheit, weil durch einen irreparablen Knorpelschaden mein Ausscheiden aus dem Sport definitiv ist. Wenn ich ein Comeback vorhätte, würde ich mir das sehr gut überlegen. Man macht sich angreifbar. Die Chance, zurückzukommen, ist damit eigentlich gleich null.

Es gehört Mut dazu, darüber zu sprechen. Wie haben Sie den aufgebracht?

Kröger: Ich neige dazu, zu ehrlich zu sein. Ich will niemandem etwas vorgaukeln. Ich will offen umgehen mit dieser Krankheit. Vielleicht hätte es mir geholfen, wenn ich von anderen Leichtathleten gewusst hätte, die eine Depression hatten und wie sie damit umgehen. Es ist ja nicht außerirdisch, dass so etwas passiert im Leistungssport.

Soweit die Auszüge aus dem FAZ-Interview vom 25.2.2013.

Meike Kröger Porträtfoto zwei 2012

Über Zürich in die USA

Zwar erfüllten sich sportlich nicht alle Erwartungen, aber beruflich  konnte Meike Kröger ihren eingeschlagenen Weg erfolgreich fortsetzen.

Sie beendete 2011 ihr Architekturstudium in Berlin und zog dann zunächst in die Schweiz nach Zürich. Ihr Freund hatte dort eine Anstellung bei der Lufthansa bekommen.  „ In Zürich habe ich in einem Architekturbüro gearbeitet und im Letzigrund trainiert. Doch 2012 habe ich dann auf ärztliche Empfehlung  mit dem Leistungssport aufgehört.“  Meike Kröger räumt ein, daß sie sich in der Schweiz nie richtig eingewöhnt habe. Nach der endgültigen Abschied von der Leichtathletik entschied sie sich zunächst für ein Praktikum in den USA. „Das Praktikum bei Montalba Architects in Santa Monica war für mich eine super Erfahrung“, blickt sie zurück. „ Das Klima und die positive Lebenseinstellung und Gelassenheit in Kalifornien haben mir sehr gut getan.“

Im Jahr 2013 zog sie dann für zwei Jahre  nach Hamburg und schloß dort 2015 ihren Master in Architektur ab.  Dabei fertigte sie u.a. das folgende Modell an:

Kröger Foto sieben Modell Master 2015

 

Dann arbeitete sie noch einige Monate in Berlin-Mitte in einem Architekturbüro, „ in einem netten Team“, wie sie betont.

Meike Kröger Landschaft mit bühenden Bäumen

Nun aber meldet sich Meike Kröger wieder aus den USA.  „ Seit Dezember 2016 bin ich in Venice, Kalifornien, wo ich in einem kleinen Büro mit zwei anderen Architekten arbeite. Gleich am ersten Tag habe ich dort mein eigenes Projekt  bekommen. Ich habe viele Freiheiten und gleichzeitig Verantwortung. Dadurch lerne ich viel und werde gefordert.“  Aber nicht nur die Arbeit gefällt ihr. „ Morgens vor der Arbeit geht es immer kurz zum Meer.“ Wer hat schon eine Arbeitsstelle, die so günstig liegt.

Nebenher betätigt sich Meike Kröger auch künstlerisch, wie in den beiden folgenden Bilder zu sehen ist.  “ Ich drucke diese Siebdruckmuster selbst und verarbeite sie“:

Kröger Foto neun Siebdruck

Kröger Foto zehn Siebdrcuk zwei

Meike Kröger nutzt auch die herrliche Umgebung, fühlt sich dort schon  sehr zuhause.

So etwa in den Santa Monica Mountains, wo die folgenden Aufnahmen gemacht worden:

Kröger Foto Santa Monica Mountains

Kröger Foto drei Santa Monica Mountains

Kröger Foto vier Santa Monica Mountains

 

Oder aber auch in der Wüste von New Mexico, die sie auf einem Road Trip durchquerte:

Kröger Foto Roadtrip_WhiteSands_2014

Spektakulär auch das Foto von Pismo Beach nördlich von Los Angeles. Aber das Angeln überließ sie dort anderen:

Kröger Foto acht Pismo Beach

 

Letztendlich wundert es nicht,  daß Meike Kröger ihre Entscheidung, in den USA zu leben und zu arbeiten, nicht bereut hat. „ Es war zwar ein langer Weg, bis ich endlich das Visum in der Hand hatte, aber es hat sich gelohnt“.

Peter Grau

Fotos von einer Porträt-Session Meike Krögers mit dem Fotografen Andreas Reutz aus dem Jahre 2010 sind zu sehen unter    

http://www.gettyimages.ae/photos/meike-kroeger?excludenudity=true&sort=mostpopular&mediatype=photography&phrase=meike%20kroeger&family=editorial#license

 

Olympiasieger Braz da Silva – Stabhochsprung-Champion mit Höhenangst

 

Das Foto über diesem Beitrag  zeigt einen Sprintstart beim ISTAF-Indoor in Berlin und beeindruckt durch die Dynamik der Sprinterinnen.  Deshalb habe ich auch dieses Foto für meine Homepage ausgewählt.

Nachdem ich die ersten 3 Auflagen miterlebt hatte, war ich diesmal  nicht live beim ISTAF-Indoor in der Berliner Mercedes-Benz Arena dabei. Zwar hatte ich den Besuch geplant, aber dann blieb ich doch zuhause. Auch, weil mir im Internet ein Livestream angeboten wurde. Und diese Entscheidung habe ich dann auch nicht bereut, denn Tim Tonder lieferte  im Livestream von RBB Sportplatz  fünf Stunden lang viele Informationen und glänzte mit großem Hintergrundwissen.

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Tim Tonder ( NDR / ARD)

Alles rund um das ISTAF-Indoor konnte ich später in aller Ausführlichkeit in Wort und Bild auf der Homepage des  ISTAF-Indoor und bei leichtathletik.de nachempfinden.

Und schon vorher fand ich besonders eine Geschichte meines Kollegen Michael Reinsch sehr lesbar.

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In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) schrieb er am 10. Februar 2017 unter der Überschrift:

Olympiasieger Braz da Silva: Stabhochsprung-Champion mit Höhenangst

“ Sein brisantes Duell mit dem weinenden Franzosen Lavillenie ist noch in frischer Erinnerung. Nun hat der nach Italien übergesiedelte Olympiasieger Thiago Braz da Silva in Berlin Großes vor.

In einem derart vom Fußball geprägten Sport wie dem Brasiliens muss man Thiago Braz da Silva wohl mit einem Torwart oder einem Linksaußen vergleichen: ein bisschen anders, ein bisschen verrückter als alle anderen. Oder? Ja, sagt der 23-Jährige und lacht, das sei wohl so. Im Sommer ist er in Rio de Janeiro Olympiasieger im Stabhochsprung geworden und scheint, ein halbes Jahr später in der Kälte Europas, immer noch das Glück des überwältigenden Moments auszustrahlen.

Schon mit zwölf Jahren sei er auf dem Sprung gewesen, erzählt er, doch da flog er noch horizontal. Dann ging er den Traum vom Fliegen an wie ein, nun ja: Torwart oder Linksaußen. Er stieg aufs Dach des Elternhauses in Marilia, gut vierhundert Kilometer nordwestlich von São Paulo, und sprang aus etwa drei Metern Höhe in den zementierten Hof. Der Junge war begeistert. Sein Onkel, ein Zehnkämpfer, wies ihn in die Geheimnisse von Hoch- und Stabhochsprung ein. Von da an ging’s aufwärts.“

weiter zu lesen auf:

http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/hallen-istaf-berlin-mit-stabhochsprung-olympiasieger-thiago-braz-da-silva-14870225.html#GEPC;s2

 

 

Beim ISTAF-Indoor 2016 gewinnt der Brasilianer mit neuem Landesrekord von 5,93 m:

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(2017 wurde der Brasilianer mit 5,70 m hinter dem Polen Lisek (5,86 m) Zweiter).

 

 

Neues von Diskusolympiasieger Christoph Harting

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Christoph Harting

Mit allen Dreien, mit Christoph Harting, mit seinem Bruder Robert Harting und mit deren gemeinsamen Trainer Torsten Lönnefors  (früher Schmidt) hatte ich früher direkten Kontakt gehabt. Zunächst mit Robert Harting, den ich als Jugendlichen zunächst im Wurfhaus des Sportzentrum in Berlin-Hohenschönhausen traf und einige Jahre später  bei den Berliner Meisterschaften im Stadion Lichterfelde in Berlin-Wilmersdorf , wo er mich in einem längeren Gespräch sehr tief in seine Seele blicken ließ.

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Robert Harting

Seitdem sind wir uns oft über den Weg gelaufen, und er hat, wie es so seine Art ist, immer offen auf meine /unsere Fragen geantwortet.

Etwas anders war es bei seinem Bruder Christoph Harting. Ihn hatte ich einmal bei der Vorstellung des Berlin-Teams in der Berliner Spielbank am Potsdamer Platz gesprochen. Ich erinnere mich, daß es nicht ganz einfach war, von ihm etwas zu erfahren, aber im Laufe unserer Unterhaltung erfuhr ich das, was ich wissen wollte. Danach ergab sich nicht mehr die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, aber das lag allein daran, daß er mit seinen Leistungen zunächst nicht ganz oben ankam und meistens im Schatten seines Bruders stand.

Dann aber, als sich Christoph Harting immer mehr nach vorn schob,  war ich nicht mehr in die aktuelle Berichterstattung eingebunden. So wurde mir auch das Jahr 2016 erspart, als Christoph, aus welchen Gründen auch immer, die Journalisten mit Nichtachtung strafte und keine Interviews mehr gab.

Die Sprache wiedergefunden hatte er dann einige Wochen nach seinem Olympiaerfolg von Rio.  Mein Kollege Jan-Henner Reitze von leichtathletik.de  gelang das erste Interview nach der „Sendepause“.

Trainerwechsel

Zwischen und mit beiden Diskusriesen agierte Trainer  Torsten Lönnfors (früher Schmidt). Ihn hatte ich früher in seiner aktiven Zeit vor allem deshalb in Erinnerung, als er im Winter keine Wettkämpfe für die Diskuswerfer im Freien gab und er sich deshalb an den Kugelstoßwettbewerben in der Halle beteiligte und ich ihn in der Rudolf-Harbig-Halle in Berlin sprechen konnte.

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Torsten Lönnfors (mit Sonnenbrille) bei den Hallenser Werfertagen

Nun, im Jahre 2017, ist alles etwas anders geworden.  Torsten Lönnfors trainiert zwar weiter Christoph Harting, aber Robert Harting und dessen Ehefrau Julia Harting (geb. Fischer) werden nun von Marko Badura betreut, der von Leipzig nach Berlin wechselte.

 

Über den aktuellen Stand hat sich mein Kollege Michael Reinsch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)  mit Trainer Torsten Lönnefors unterhalten und am 3. Januar 2017 dazu einen Beitrag in der FAZ veröffentlicht.

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Michael Reinsch (FAZ)

 

Diskuswurf-Olympiasieger Harting plant das nächste verrückte Ding

Die Arbeit sei nicht leichter geworden, sagt Torsten Lönnfors. Vielleicht kann  man sagen, sie ist etwas entspannter geworden. Die Spannung ist raus aus dem täglichen Geschäft“. Der Berliner Diskus-Trainer betreut statt zwei Hartings nur noch einen, statt den einen Olympiasieger den anderen.

Lesen Sie weiter unter

http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/diskuswurf-olympiasieger-will-80-meter-weit-werfen-14592488.html

 

Kathleen Friedrich: Eine Fotografin mit Leidenschaft

 

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Die Potsdamerin Kathleen Friedrich kenne ich vor allem als Leichtathletin. Das liegt aber schon einige Jahre zurück. Nun ist sie Fotografin, und ich habe mich mit ihr in ihrem Studio in der Innenstadt von Potsdam verabredet.

Die Jägerstraße 43 ist schnell gefunden. Von der anderen Straßenseite aus fotografiere ich das Haus, in dem sie die Ateliersräume gemietet hat.

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Vor dem Eingang fällt mein Blick auf das Firmenschild:

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Nicht nur auf ihre Homepage www.kathleen-friedrich.de macht sie darauf aufmerksam, sondern gibt auch einen kurzen Überblick ihres Angebotes: Portraits, Hochzeiten, Events, Werbung.

Und dann gehe ich hinein in die „heiligen Hallen“, sprich in das Studio.

Im ersten Raum werden die Atelier-Fotos gemacht:

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Von dort gehe ich eine  kleine Treppe hinauf, und sehe Kathleen Friedrich gerade telefonieren.

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Doch dann nimmt sie sich zwei Stunden Zeit, um mit mir über ihr Sportlerleben und ihre berufliche Entwicklung bis hin zur Fotografin zu plaudern.

Zehn Jahre Hochleistungssport

Zehn Jahre als Hochleistungssportlerin liegen hinter ihr. Die Potsdamer Mittelstrecklerin war von 2000 bis 2004 die beste deutsche Läuferin über die 1500 m, gewann in diesen Jahren alle fünf Freilufttitel bei Deutschen Meisterschaften. WM- und EM-Teilnehmerin, Juniorenvizeweltmeisterin und Weltcup-Dritte von 2002, auch international mischte sie gut mit. In ihrem besten Jahr 2001  stellte sie mit 4:04,27 eine Bestzeit auf, die seitdem von keiner deutschen Läuferin mehr erreicht wurde.

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Kathleen Friedrich (Foto: Theo Kiefner)

So ehrgeizig, wie sie sich auf der Laufbahn präsentierte, nahm sie danach auch ihre berufliche Entwicklung in Angriff. Dabei gab ein Besuch bei der Leichtathletik-WM in Paris im Jahr 2003 den entscheidenden Impuls. „ In jenem Jahr war ich verletzt, konnte nicht aktiv teilnehmen. Aber ich fuhr als Touristin hin“, erzählt sie. „ Es ergab sich, daß ich dort einige meiner heutigen Kollegen bei der ARD traf und eingeladen wurde, mich einmal bei ihnen umzuschauen.“  Kathleen fand alles so interessant, daß sie sich anschließend entschied, in Potsdam „Europäische Medienwissenschaften“ zu studieren.  „Ich zog zurück in meine Heimatstadt Potsdam, schrieb mich an der Uni ein und war fortan Studentin. Nebenher fotografierte ich bereits hobbymäßig“.

Schnell fand sie Gefallen an dem gewählten Studiengang. Oft auch philosophisch angelegt, war er nicht nur auf ein spezielles Gebiet  ausgerichtet, sondern bot viel Freiraum, sich in sämtlichen medialen Bereichen auszuprobieren. Dazu gehörten zum Beispiel das Gestalten und Programmieren von Websiten, das Verfassen von journalistischen Texten oder auch das Experimentieren mit Ton und Bild. Kathleen Friedrich hatte am Ende des Studiums zwei Titel in der Tasche: den Bachelor und den Master of Arts.

Noch während des Studiums knüpfte sie feste Bande zum Fernsehen.  „Seit 2005 bin ich durchgängig für die ARD als Kommentar-Assistentin innerhalb der Leichtathletik zuständig, als Assistentin der Kommentatoren Ralf Scholt und Wilfried Hark.“ Immer, wenn die ARD Leichtathletik überträgt, ist die 39-Jährige dabei. „Das Schöne daran ist, daß ich weiterhin die Verbindung zur Leichtathletik behalte, auch wenn ich mich aus dem aktiven Sport 2006 verabschiedet habe.  Meine Liebe zur Leichtathletik ist ja weiterhin ungebrochen. Mittlerweile kann ich meine beiden Berufsfelder auch miteinander verbinden. Zum Beispiel habe ich im Oktober Sprinterin Rebekka Haase porträtiert.“

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Sprinterin Rebekka Haase

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Und da sind wir bei ihrem Hauptberuf. Kathleen Friedrich ist Fotografin, mit Leib und Seele. Nach nunmehr zehn intensiven Jahren sagt sie voller Inbrunst: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit“.

Wie in jedem selbständigen Beruf waren die Anfänge nicht leicht. „Ich hatte damals keinen ausgereiften Businessplan und habe sehr viel intuitiv gehandelt.“ Sie ging zum Gewerbeamt, meldete sich dort als Fotografin an und baute fortan ihre Selbständigkeit auf. Schnell fand sie ihre Spezialgebiete: Porträts, Hochzeiten, Werbeaufnahmen und Eventaufnahmen.

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Zunächst arbeitete sie von zuhause aus. Dann mietete sie Studios an, zog später in ein eigenes Studio auf einem Hinterhof und ist nun seit drei Jahren in diesem exzellenten Studio in Potsdams Innenstadt gelandet.

Kamen anfangs die Aufträge vor allem durch Mundpropaganda, ist das jetzt etwas einfacher geworden. „Ich habe mir ein sehr gutes Netzwerk aufgebaut,  mit Grafikern, mit Webdesignern, eben mit anderen kreativen Leuten und Geschäftspartnern.“ Man empfiehlt sich gegenseitig. Und sie betont ihre sehr gute Kundenbindung. „ Für viele bin ich die Haus-und Hoffotografin, sowohl für Firmen als auch für Familien.“

Ihre Referenzenliste ist groß. „ Einer meiner ersten Betriebe war die Mittelbrandenburgische Sparkasse, auch die Ärztekammer Berlin oder die Stadtwerke Potsdam sind dauerhafte Kunden von mir“. Aber auch für größere Unternehmen wie Vattenfall, Amazon oder Kärcher hat sie schon gearbeitet (weitere Referenzen auf der Homepage:  www.kathleen-friedrich.de).

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Eine der vielen Werbeaufnahmen

 

Getan hat sie viel dafür. Neben ihren Abschlüssen im Bereich Medienwissenschaft absolvierte sie ein Fernstudium Fotografie und eignete sie sich vieles im Arbeitsprozeß an. „Mit Blende arbeiten, mit  Belichtungszeiten, Farbtemperaturen, Isowerten, das sind ja nur die Grundvoraussetzungen,“ erzählt sie. „Die Arbeit mit einer Lampe, mit zwei oder drei Lampen, mit Dauerlicht, Blitzlicht, Reflektor, mit sehr unterschiedlichen Objektiven, all das gehört dazu und zeichnen dieses komplexe Handwerk aus.“  Ein Kunsthandwerk, möchte man hinzufügen.

Ganz allein aber ist sie nicht in ihrem Studio. „ Ich habe derzeit zwei junge, freie Mitarbeiterinnen, die mich bei der Bildverarbeitung unterstützen. Und neben mir sitzt mit Kathi Nicolaus eine Kollegin, die Web- und Grafikdesign macht, aber selbständig ist und ein eigenes Betätigungsfeld hat. Weil wir sehr spezialisiert sind, können wir uns, was unsere Produkte angeht, auch wirklich voneinander abheben. Ich halte nichts davon, wenn einer alles kann. So gut kann er es nie können.“

Kathleen Friedrich charakterisiert sich selbst so: „Ich will mich einfach immer verbessern, liebe es, näher an die Perfektion heranzukommen. Und das bedeutet keinen Druck für mich, sondern es ist einfach ein tolles Ziel.“

Und sie fügt auch hinzu, daß es Unterschiede zwischen dem Sport und dem Fotografen-Beruf gibt. „ Beim Sport ist die Verbesserung schon allein durch das Alter eingeschränkt. Irgendwann erreicht man körperlich den Zenit. Das ist beim Fotografieren einfach noch anders. Das Ende ist viel offener. Es kann sein, daß ich mein bestes Foto mit 90 Jahren machen werde. Es ist eben das Schöne, daß ich jetzt ein Feld gefunden habe, wo ich mich noch mehr austoben kann als im Sport.“

Laufbestzeit beim ISTAF 2001

 Zum Sport war sie durch ihre Eltern gekommen. Die Mutter war Sportlehrerin und der Vater ein guter 400-m-Läufer. „ Es kristallisierte sich sehr schnell heraus, daß ich Läuferin werden würde. Da war ich einfach am besten.“ So landete sie schnell bei den Mittelstrecken, bald auch bei Trainer Bernd Dießner. Doch ihre Entwicklung vollzog sich danach nicht reibungslos.

„Wenn die Wende nicht gekommen wäre, hätte ich nicht weiter Sport betrieben,“ erinnert sie sich. „ Vom DDR-System wurde ich 1988 aussortiert, hatte die Aufnahmeprüfung für die Kinder-und Jugendsportschule in Berlin nicht bestanden.“ Ein Jahr später kam die Wende. Ihr Trainer Bernd Dießner wechselte nach Chemnitz zum LAC Erdgas Chemnitz und sie ging mit. Von dann führte ihr sportlicher Weg nach oben.

Kathleen Friedrich holte sich in der Folgezeit fünf Deutsche Meistertitel über 1500 m, lief 2001 beim ISTAF in Berlin mit 4:04,27 min ihre Bestzeit. Seitdem ist keine deutsche Läuferin schneller gelaufen. Nur Corinna Harrer kam ihr 2012 mit 4:04,30 min recht nahe und jetzt schickt sich Constanze Klosterhalfen an, in diese Region hineinzulaufen. „ Sie halte ich gegenwärtig auch am ehesten in der Lage, mal ein 4:03 zu laufen“, meint Kathleen Friedrich.

Konnte mit der Weltspitze mithalten

2001 war jedenfalls ihr bestes Jahr. Doch die Krönung bei der Weltmeisterschaft im kanadischen Edmonton blieb aus. Im Halbfinale kam sie 150 m vor Schluß durch eine Konkurrentin zu Fall und stieg aus. „Das war ein Fehler, denn ich hätte nur ins Ziel kommen und dann Protest einlegen müssen. Das war mir zu dem Zeitpunkt leider nicht klar.“  Daß sie mit der Weltspitze mithalten konnte, wies sie 2001 mit vierten Plätzen eben beim ISTAF und in Zürich nach.

„ Auch wenn es neben der Silbermedaille bei der Juniorenweltmeisterschaft und dem dritten Platz beim Weltcup 2003 zu keiner weiteren internationalen Medaille gereicht hat, habe ich mit meiner Laufkarriere absolut Frieden geschlossen“.

Duale Laufbahn wäre besser gewesen

Rückblickend meint Kathleen Friedrich, daß es für sie besser gewesen wäre, wenn sie die duale Laufbahn eingeschlagen hätte. „Ich hätte etwas für den Kopf tun, mein Studium eher beginnen sollen. Ich bin einfach ein Denker und kann nicht aufhören zu denken. Deshalb muß ich meinem Kopf ständig „Futter“ geben. Ansonsten zerpflückt er Dinge, wo es nicht erforderlich ist.“ Doch sie räumt auch ein, daß das jeder für sich entscheiden muß. Um auch international ganz vorn zu landen, so mutmaßt sie im Nachhinein, wäre auch ein Mentaltrainer gut gewesen. „Doch damals war die Zeit dafür noch nicht reif oder erst in den Startlöchern. Es war eher ein bißchen verpönt“. Kathleen Friedrich betont, dass Bernd Dießner ein hervorragender Trainer gewesen ist. „Vielleicht hätten wir an ein bis zwei Stellschrauben drehen können, aber große Fehler haben wir nicht gemacht.“

Auf die Frage, ob vielleicht auch Doping der Konkurrenz ihr geschadet habe, antwortet sie vorsichtig. „Ich möchte dieses Thema nicht extra hervorheben, auf keinen Fall pauschal verdächtigen. Aber einiges gab mir doch zu denken“. Und sie führt den Fall der Türkin Süreyya Ayhan  an, die 2001 in Edmonton  als Achte hinter sieben Europäerinnen 4:08,17  min gelaufen war und ein Jahr später in München in 3:58,79 min  Europameisterin wurde. Zwei Jahre später wurde die Türkin des Dopings überführt.

Gelernt, über ihre Grenzen zu gehen

Aber weil sie mit ihrer aktiven sportlichen Karriere vor zehn Jahren abgeschlossen hat, schaut sie nicht mehr allzu sehr zurück und wenn, hebt sie das Positive von damals hervor: „ Ich habe vom Sport gelernt, über meine Grenzen zu gehen. Manche Aufgaben sind heute sehr anstrengend und ich kann dann auch durchziehen. Von mir wird ein Kunde nie hören, dass ich k.o. bin.“

Aber dafür muss sie sich auch fit halten. „Zehn Stunden lang eine Hochzeit fotografieren, mit einer Kamera plus schwerem Objektiv auf der Schulter bzw. in der Hand, ist auch körperlich anstrengend.“ Sie gibt mir eine solche Kamera in die Hand und ich kann es gut nachfühlen. Deshalb geht sie regelmäßig ins Fitneßstudio, joggt durch die Gegend und macht etwas ganz besonderes: einmal pro Woche geht sie mit ihrem Freund Ingo Opitz in die Tanzschule. „Da ist dann alles im Programm: Standard, Latein, Walzer , Foxtrott, Jive, Rumba, Chachacha. Und es gefällt mir, weil ich hier mit meinem Partner das Künstlerisch-Ästhetische in Kombination mit Bewegung ausleben kann.“

Vieles in ihrem Leben spielt sich aber rund um die Fotografie ab. „ Es ist ähnlich wie vorher beim Sport, es ist sehr ausfüllend. Ich arbeite viel und das sehe ich auch nicht als Belastung“. Aber trotzdem oder gerade deswegen genießt sie auch andere Momente. „ Wir gehen sehr gern zusammen esse. Ich bin auch ein Genußmensch. Ich würde auch in eine Stadt fahren, die eigentlich nichtssagend ist, wenn dort ein gutes Restaurant ist. Das Genießen hat sich bei mir durch den Sport verstärkt.“

Fotografie ist Miteinander

Zum Abschluß unseres zweistündigen Gespräches weist Kathleen Friedrich noch auf einen wesentlichen Unterschied hin: „ Der Leistungssport war eindeutig ein Gegeneinander. Die Fotografie aber ist ein Miteinander. Nur wenn ich meinem Gegenüber ein gutes Gefühl gebe, wird es auch ein gutes Foto.“

Und so glaubt man auch ihrer Philosophie, die sie auf ihrer Homepage kundtut: „Ich liebe es, das Schöne zu entdecken und es mit Gefühl und Einfühlungsvermögen zum Strahlen zu bringen. Die Begegnung auf Augenhöhe, das Gestalten mit Licht, Farbe und Form sowie das Einfangen von besonderen Momenten stehen im Fokus meiner Arbeit.“

Peter Grau

 

Man redet am Tag 50.000 Mal mit sich

 

Viele Jahre habe  ich mich intensiv mit dem Gehsport befaßt. Viele Veranstaltungen besuchte ich, in Naumburg war ich Stammgast. Und mit Wehmut sah ich seit einiger Zeit, daß dieser Sport, der soviel Trainingsfleiß benötigt und der auch attraktiv ist, wenn man ihn begreift, immer mehr den Weg nach unten ging. So war es für mich eine große Freude,  als ich bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro aus der Ferne den Fast-Triumph des Potsdamer Gehers Christopher Linke miterleben durfte.  Ihn hatte ich zuletzt beim Training in Kienbaum beobachtet, und ich wußte um seine gute Form.

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Christopher Linke in Rio

 

Nur knapp verpaßte er eine Medaille, seinen fünften Platz über 20 km Gehen hatte ich im Internet verfolgt.  Später kommunizierte ich mit ihm über Facebook, und nun kam er kürzlich per Foto mit dem Zeitungsboten in mein Haus.

Am 27. September 2016 brachte die Märkische Allgemeine Zeitung ein Foto von ihm aus dem olympischen Finale und ergänzte damit ein Interview, das Stephan Henke mit Katja Seyffardt geführt hatte, einer Mentaltrainerin, die in Wustermark westlich von Berlin lebt und die u.a. auch Christopher Linke psychologisch  im Vorfeld der Olympischen Spiele betreut hat.

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Katja Seyffardt

Lesen Sie  das Interview, in welchem Katja Seyffardt nicht nur über ihre Zusammenarbeit mit den Gehern Christopher Linke und Hagen Pohle sowie dem Speerwerfer Bernhard Seifert  spricht, sondern auch über Motivation, eine richtige Zielsetzung und Konzentrationsübungen über Kopfhörer:

Frage: Der Fußballtrainer Christoph Daum hat einmal etwas verquer behauptet: „ Wenn der Kopf richtig funktioniert, dann ist er das dritte Bein“. Wie würden Sie die Bedeutung des Mentalen für den Sport beschreiben?

Katja Seyffardt: Der Kopf ist entscheidend. Ich würde sagen, er macht 50 Prozent der Leistung aus. Wenn die physischen Grundlagen da sind, dann ist der mentale Aspekt sehr wichtig. Leistungssportler stehen immens unter Druck. Sie müssen zu bestimmten Zeiten maximale Leistung abrufen – und das über viele Jahre.

Wie helfen Sie als Mentaltrainerin?

Seyffardt:  Es ist immens wichtig, dass Sportler mentale Techniken als Werkzeug an die Hand bekommen, damit sie lernen, wie sie sich besser fokussieren können. Wenn im Stadion beispielsweise 80.000 Menschen brüllen, macht das ja etwas mit einem. Die Frage ist, wie der Sportler in solchen Fällen bei sich bleiben und  sich auf seine Aufgabe konzentrieren kann und nicht etwa auf den Sound des Stadions hört und sich von der Masse ablenken lässt.

Wie sehen solche Techniken aus?

Seyffardt: Jeder ist da individuell, jeder spricht auf unterschiedliche Dinge an. Der eine ist mehr visuell, der andere auditiv, der andere fühlt lieber. Da gibt es unterschiedlichste Entspannungs-und Konzentrationstechniken, bei denen man sich auf das Ein-oder Ausatmen konzentriert. Das kann man auch mit aufgenommenen Mp3s machen und diese dann über Kopfhörer abspielen.  Oder es gibt die Progressive Muskelrelaxation. Dabei spannt man bestimmte Muskelgruppen an, angefangen vom Kopf über den Bauch bis zu den Füßen. Dadurch erreicht man eine Tiefenentspannung. Klar ist aber: Es bringt nichts, drei Wochen vor einem großen Wettkampf damit anzufangen, das wäre unprofessionell. Es ist wie mit dem physischen Training, es muss regelmäßig angewendet und trainiert werden.

Wie unterscheidet sich das in den verschiedenen Sportarten?

Seyffardt: Geher wie Christopher Linke oder Hagen Pohle haben über eine Strecke von 50 Kilometern ganz andere Herausforderungen als beispielsweise der Speerwerfer Bernhard Seifert, der nach einem Wurf eine Konzentrationsübung macht. Die Geher müssen einen Fokus setzen, gerade wenn es hart wird. Sie würden ihre brennenden Beine wahrnehmen und sagen, ich kann nicht mehr. Professionelle Sportler müssen die Fähigkeit besitzen, über Schmerzen hinwegzusehen und den Fokus auf etwas anderes zu legen, sich beispielsweise auf das klopfende Herz zu konzentrieren oder eine Visualisierung abspielen oder sich innerlich mit Worten zu motivieren.

 

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Christopher Linke in Rio

 

(Interviews, die Katja Seyffardt mit Christopher Linke, Hagen Pohle und Bernhard Seifert führte, sind auf You Tube zu finden. Mehr über die Mentaltrainerin auch auf ihrer Homepage www.seyffardt.de)

 Wie hört sich eine innere Ansprache an?

Seyffardt: Man redet am Tag 50.000 Mal mit sich selbst. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Dessen muß man sich erstmal bewusst werden. Da ist es wichtig, wie der Sportler mit sich selbst redet und motiviert. Ist er streng und gebieterisch, weil er gerade eine Sequenz schlecht bewältigt hat? Oder kann er das Negative sofort ablegen, umdrehen, den Fokus auf die nächste Sequenz legen und sich innerlich durch Worte motivieren? Diese Routinen sind unglaublich wichtig, sie geben dem Sportler Sicherheit, gerade wenn man Versagensängste hat.

2004 holte Jürgen Klinsmann einen Sportpsychologen für die Fußball-Nationalmannschaft, die Skepsis war groß. Hat sich das inzwischen geändert?

Seyffardt: In Amerika und England ist die Sportpsychologie ein supergroßes Thema. Die haben dort auch ein ganz anderes Feeling für den Sport. Das fängt dort ja schon viel früher und unglaublich professionell in der Highschool an. Seit aber die Nationalelf einen Sportpsychologen hat, haben auch andere Clubs ein Ohr dafür und ziehen nach. Leider gibt es aber sehr viele Randsportarten, die finanziell nicht so gut ausgestattet sind  und die sich eine Betreuung nicht leisten können.

Sie arbeiten auch mit den Brandenburger Fußball-Schiedsrichtern. Welche Tipps geben Sie ihnen?

Seyffardt: Schiedsrichter sind oft Beleidigungen, Anfeindungen oder sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt, gerade im Amateursport. Da muss man als Person gefestigt und selbstbewusst sein und auch nicht über eine Entscheidung nachdenken, wenn sie gefällt ist und nicht einknicken. Eine Arbeit an den persönlichen Stärken kann hier sehr hilfreich sein, das Selbstbewusstsein stärken.

Ist ein Motivationstraining auch für Hobbysportler sinnvoll?

Seyffardt: Sobald man eine Leistung für sich erzielen will, ist das ein Thema, egal ob man beispielsweise einen Marathon gewinnen  oder einfach nur ankommen will. Außerdem gibt es immer mehr hochambitionierte Hobbysportler, die viel in ihren Sport und ihr Weiterkommen investieren. Auch in diesem Bereich habe ich schon Klienten betreut. Sobald es über den Freizeitgedanken hinausgeht, ist Mentaltraining auf jeden Fall sinnvoll. Außerdem unterstützt das Mentaltraining auch bei Verletzungen sehr stark die Heilung.

Interview:  Stephan Henke

(erschienen am 27. September 2016 in der „Märkischen Allgemeinen Zeitung)