{"id":122,"date":"2015-12-02T17:04:53","date_gmt":"2015-12-02T16:04:53","guid":{"rendered":"http:\/\/petergrau.laufserver.de\/?p=122"},"modified":"2015-12-14T17:09:51","modified_gmt":"2015-12-14T16:09:51","slug":"hauke-fuhlbruegge-vom-mittelstreckler-zum-rechtsanwalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=122","title":{"rendered":"Hauke Fuhlbr\u00fcgge: Vom Mittelstreckler zum Rechtsanwalt"},"content":{"rendered":"<p><strong>In den 90er Jahren geh\u00f6rten mit Hauke Fuhlbr\u00fcgge und Jens-Peter Herold zwei deutsche Mittelstreckler zur Weltspitze. 1991 machte einer von ihnen, der Erfurter Hauke Fuhlbr\u00fcgge, bei der WM in Tokio sein Meisterst\u00fcck, als er \u00fcber 1500 m Bronze holte und seinem schnelleren nationalen Konkurrenten die Medaille auf dem Zielstrich noch entriss.<\/strong><\/p>\n<p>Tokio, 1. September 1991. Das WM-Finale \u00fcber 1500 Meter: Noch heute ist dem 48- j\u00e4hrigen Hauke Fuhlbr\u00fcgge dieser Wettkampf so pr\u00e4sent wie vor mehr als 20 Jahren: \u201e 50 m vor dem Ziel wu\u00dfte ich, da\u00df ich es noch packe, da\u00df ich den auf Platz 3 liegenden Jens-Peter Herold noch abfangen werde.\u201c Und er f\u00fcgte gleichzeitig eine Maxime an, die er auch auf sein normales Leben \u00fcbertr\u00e4gt: \u201e Wenn sich eine Chance bietet, dann mu\u00df man sie auch wahrnehmen\u201c. Ein Medaillenfavorit war Fuhlbr\u00fcgge in Japans Metropole auf keinen Fall. Schlie\u00dflich hatte er im Halbfinale mit etwas Gl\u00fcck den letzten der zw\u00f6lf Pl\u00e4tze f\u00fcr den Endlauf einen Tag sp\u00e4ter ergattert.<br \/>\nAllerdings war er auch kein Unbekannter. Ein Jahr zuvor war er ebenfalls in blendender Form, doch bei der EM in Splitt machte ihn schon im Vorlauf eine Disqualifikation einen Strich durch die Erfolgsrechnung. \u201e In einem 1500-m-Lauf geht es hart zur Sache. Es war eine normale Rempelei mit dem Favoriten Peter Elliott, Mann gegen Mann.\u201c<\/p>\n<p>Mit seiner sportlichen Laufbahn ist Hauke Fuhlbr\u00fcgge zufrieden: \u201e Ich habe internationale Medaillen gewonnen, neben dem WM-Bronze auch Silber bei der Hallen-WM 1989 in Budapest\u201c. Seine Bestzeiten von 3:34:15 Minuten \u00fcber 1500 m und 1:45:15 Minuten \u00fcber 800 m k\u00f6nnen sich sehen lassen. \u201e Allerdings \u00e4rgert es mich ein wenig, da\u00df ich fast nie in einem Rennen war, wo so richtig die Post abgegangen ist, wo man wie mit dem Staubsauger mitgenommen wird und dann eine sehr gute Zeit laufen kann\u201c, blickt Fuhlbr\u00fcgge zur\u00fcck. \u201e In einem solchen Rennen war ich vielleicht einmal bei einem Meilenlauf in Oslo. Doch da fehlte mir der Mut und die Courage, mal wirklich hart hinter dem Tempomacher hinterherzulaufen.\u201c<\/p>\n<p>\u00c4rgerlich war auch, da\u00df er so fr\u00fch verletzungsbedingt aufh\u00f6ren mu\u00dfte. \u201e Im WM-Jahr 1991 habe ich mich am Fu\u00df verletzt und dann in der Olympiasaison 1992 und auch 1993 mit immer st\u00e4rker werdenden Beschwerden trainiert, nat\u00fcrlich dann nicht mehr in der notwendigen Qualit\u00e4t.\u201c Zwar schaffte er es 1992 zu Olympia und kam in Barcelona immerhin bis zum Zwischenlauf. Aber der Fu\u00df war eben nicht in Ordnung.<\/p>\n<p><strong>Joggen nicht mehr m\u00f6glich<\/strong><\/p>\n<p>1993 stellte man bei der OP fest, da\u00df eine Sehne gerissen war. \u201e Damit h\u00e4tte ich eigentlich nicht mehr laufen d\u00fcrfen, denn zwei Jahre hartes Training haben den Fu\u00df so gestre\u00dft, da\u00df ich danach noch dreimal operiert wurde.\u201c Die endg\u00fcltige Diagnose war: Selbst zum Joggen nicht mehr tauglich. Und das wurde auch Wahrheit. \u201e Wenn ich heute 5 km laufe, bereue ich es hinterher bitter,\u201c sagt Fuhlbr\u00fcgge. Ein wenig schwerer als fr\u00fcher ist er auch geworden, \u201e aber mit 1,80 m und 75 kg geh\u00f6re ich wohl noch zu den Schlanken,\u201c sch\u00e4tzt er ein. Und sportlich ist er trotzdem aktiv: \u201eIch fahre viel Mountainbike und bin beim Kitesurfen an der Ostsee oder der Nordsee unterwegs. Das macht wahnsinnig viel Spa\u00df.\u201c Nicht mehr Tartan, sondern Wasser und Wind sind jetzt seine Elemente.<\/p>\n<p><strong>Schnell auch im Studium<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Abschied vom Hochleistungssport gl\u00fcckte Hauke Fuhlbr\u00fcgge recht schnell der Einstieg ins Berufsleben. Zwar war er schon seit 1990 als Jurastudent an der Uni in Jena eingeschrieben, aber richtig mit dem Studium begann er erst 1996 &#8211; das aber mit aller Konsequenz. \u201e Ich zog von Erfurt nach Jena, lebte in einer Studenten-WG, um ganz nah am Geschehen zu sein.\u201c Vor allem aber zog er das Studium innerhalb von drei Jahren durch. \u201e Es sollte schnell gehen, vielleicht war auch ein wenig Panik wegen meines fortgeschrittenen Alters dabei\u201c.<\/p>\n<p><strong>Jura-Examen mit Pr\u00e4dikat<\/strong><\/p>\n<p>1999 schlo\u00df er das Jurastudium mit einem Pr\u00e4dikatsexamen ab, was bedeutete, da\u00df er zu den besten 15 Prozent aller Studenten geh\u00f6rte. Schon im Studium hatte sich herausgebildet, welche Fachrichtung ihm nicht lag: \u201e Ich wollte mich nicht mit und f\u00fcr andere Leute streiten. Mit dem klassischen Rechtsanwaltsberuf konnte ich mich nicht anfreunden.\u201c So wandte er sich dem Wirtschaftsrecht zu, befa\u00dfte sich intensiv mit Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Unternehmensrecht. W\u00e4hrend des Referendariats in Erfurt und D\u00fcsseldorf durchlief er deshalb nicht nur solche vorgeschriebenen Stationen wie Zivilgericht und Strafgericht, sondern arbeitete bereits in gro\u00dfen Wirtschaftskanzleien. Nach dem zweiten Staatsexamen war es dann keine \u00dcberraschung mehr, da\u00df er diese Berufsrichtung w\u00e4hlte. Gern w\u00e4re er in seiner th\u00fcringischen Heimat geblieben, doch dort gab es nur wenige M\u00f6glichkeiten im Bereich Wirtschaftsrecht. \u201e Es kamen nur die Regionen um Frankfurt\/Main, M\u00fcnchen, D\u00fcsseldorf und Hamburg in Frage.\u201c So landete er in der Elbmetropole, arbeitet mittlerweile bei einem banknahen Immobilienunternehmen und ist dort als Leiter Recht und Steuern t\u00e4tig. \u201e Wir kaufen vornehmlich Immobilien f\u00fcr Versorgungskassen, d.h. f\u00fcr private Rentenversicherungstr\u00e4ger, initiieren Fonds, und f\u00fcr die rechtlichen und steuerlichen Verh\u00e4ltnisse und die Gesellschaftsvertr\u00e4ge bin ich verantwortlich.\u201c Diese T\u00e4tigkeit ist mit vielen Reisen verbunden, erfordert die Zusammenarbeit mit Rechtsanwaltskanzleien im In- und Ausland. \u201e Es ist eine sehr spannende T\u00e4tigkeit und wegen der st\u00e4ndigen \u00c4nderungen in Recht und Steuern und der Internationalit\u00e4t eine Herausforderung,\u201c beschreibt der Rechtsanwalt Fuhlbr\u00fcgge seine Arbeit. \u201e Nat\u00fcrlich denke ich manchmal daran, ob ich nicht auch irgendetwas im Sport h\u00e4tte anfangen k\u00f6nnen. Aber letztlich habe ich richtig entschieden, weil es ein Job ist, der sehr viel Spa\u00df macht, in dem es keinen Stillstand gibt und der mich auch in Jahren noch fordern wird.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fccklich in Hamburg<\/strong><\/p>\n<p>Seit dreizehn Jahren wohnt Hauke Fuhlbr\u00fcgge in Hamburg, ist gl\u00fccklich verheiratet und hat mit seiner Frau Steffani drei Kinder: Sarah, Daniel und Nesth\u00e4kchen Neele Maarit. Er mag die Stadt, hat aber auch die Bindung zu seiner th\u00fcringischen Heimat nicht verloren. \u201e Leider bin ich viel zu selten dort. Zuletzt war ich im November 2011 in Erfurt, habe den ber\u00fchmten Weihnachtsmarkt in der Altstadt besucht und es ist irgendwie immer noch wie Heimkommen.\u201c<br \/>\nBeim Hamburg-Marathon 2011 gab es ein Wiedersehen mit seinem langj\u00e4hrigen Trainer Dieter Hermann\u201c. Mit ihm war er praktisch seine gesamte erfolgreiche Zeit zusammen. \u201e Es war eine tolle Zusammenarbeit, auch wenn es zwischendurch mal geknistert hat,\u201c schaut er auf die Jahre in Erfurt zur\u00fcck und erg\u00e4nzt: \u201e Aber das geh\u00f6rt auch dazu, wenn man erfolgreich sein will. Wenn es nur Harmonie gibt, dann bewegt sich am Ende nichts.\u201c<br \/>\nPeter Grau<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Hauke-Fuhlbr\u00fcgge.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-477\" src=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Hauke-Fuhlbr\u00fcgge-225x300.jpg\" alt=\"Hauke Fuhlbr\u00fcgge\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Hauke-Fuhlbr\u00fcgge-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Hauke-Fuhlbr\u00fcgge-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Hauke-Fuhlbr\u00fcgge.jpg 1386w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>(siehe auch in \u201eLeichtathletik\u201c Nr. 16\/2012)<\/p>\n<p>http:\/\/www.markenverlag.de\/index\/46\/63\/LEICHTATHLETIK\/Abonne-ment<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den 90er Jahren geh\u00f6rten mit Hauke Fuhlbr\u00fcgge und Jens-Peter Herold zwei deutsche Mittelstreckler zur Weltspitze. 1991 machte einer von ihnen, der Erfurter Hauke Fuhlbr\u00fcgge, bei der WM in Tokio sein Meisterst\u00fcck, als er \u00fcber 1500 m Bronze holte und seinem schnelleren nationalen Konkurrenten die Medaille auf dem Zielstrich noch entriss. Tokio, 1. September 1991. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=122\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Hauke Fuhlbr\u00fcgge: Vom Mittelstreckler zum Rechtsanwalt<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=122"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":483,"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122\/revisions\/483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}