{"id":1310,"date":"2016-03-19T20:34:45","date_gmt":"2016-03-19T19:34:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=1310"},"modified":"2016-03-19T20:34:45","modified_gmt":"2016-03-19T19:34:45","slug":"rund-um-den-muenchen-marathon-im-jahr-1988","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=1310","title":{"rendered":"Rund um den M\u00fcnchen-Marathon im Jahr 1988"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-300x223.jpg\" alt=\"M\u00fcnchen Marathon 1988\" width=\"300\" height=\"223\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1312\" srcset=\"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-300x223.jpg 300w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-1024x761.jpg 1024w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988.jpg 1700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nachdem ich im April 1987 den Hamburg-Marathon, meinen ersten Marathon im Westen, gelaufen war, freute ich mich schon auf den n\u00e4chsten \u201eSchlag\u201c im Jahre 1988. Und wieder war ich meinem Onkel Karl dankbar, da\u00df er im Mai Geburtstag hatte. Einmal war ich dankbar, da\u00df er schon so alt war und damit in das Kapitel  \u201e Reisen bei dringenden Familienangelegenheiten\u201c fiel. Nur so war es f\u00fcr mich, der ich ja mit 48 Jahren noch weit vom Rentenalter entfernt war, m\u00f6glich, den legalen Schritt \u00fcber die Grenze zu tun und in die Bundesrepublik zu reisen. Dankbar war ich auch, da\u00df mein Onkel seinen Geburtstag in der marathonfreundlichen Zeit Anfang Mai  feierte.<\/p>\n<p><strong>Kleine H\u00fcrden vor der Westreise<\/strong><\/p>\n<p>Wie immer mu\u00dfte ich vorher f\u00fcr die Genehmigung einer Westreise einige Bef\u00fcrworter haben, so im Betrieb oder im Haus. Aber da ich mich nie renitent benahm, bekam ich auch von \u00fcberall nur \u201egute Zensuren\u201c. Erinnern kann ich mich noch, da\u00df ich dann meinen Antrag f\u00fcr eine Besuchsreise in der Meldestelle der Volkspolizei  in der heutigen M\u00f6llendorff-Stra\u00dfe in Berlin-Lichtenberg \u201everteidigen\u201c mu\u00dfte. Als ich nebenbei erw\u00e4hnte, da\u00df ich mit einer  Erbschaft eines anderen Onkels rechnen w\u00fcrde und auch deshalb \u201er\u00fcberfahren\u201c m\u00fc\u00dfte, sprang man darauf an. Ich hatte einen weiteren Pluspunkt gesammelt.<br \/>\nUnd dann <strong>der Tag des Gl\u00fccks<\/strong>:  Ich erhielt meine Reiseerlaubnis. Es konnte losgehen.<\/p>\n<p>Sicherlich sind meine Erinnerungen etwas vage, aber da kann ich ja wieder einen Brief ins Spiel bringen, den ich hinterher meiner Mutter geschrieben habe und den ich w\u00f6rtlich wiedergebe:<\/p>\n<p>Liebe Mutti!                    Berlin, d. 22.5.88<br \/>\nEin kurzer Bericht \u00fcber meine zweite Reise quer durch die Bundesrepublik. Am Montag (25.4.) bekam ich die Genehmigung, am Mittwoch (27.4.) abends 21 Uhr war Abfahrt des Zuges von Berlin-Friedrichsstra\u00dfe. Ich hatte wieder, wie im Vorjahr,  die Fahrkarten nach Konstanz gel\u00f6st. Im Zug bekam ich die Liegewagenpl\u00e4tze f\u00fcr unser Ost-Geld (30.-), das zahlte sich sp\u00e4ter mit einer ruhigen Nacht aus. Am Bahnhof Zoologischer Garten kamen ein Westberliner und ein Marokkaner in mein Abteil und  wir unterhielten uns lange. Der Westberliner macht seit drei Jahren Urlaub in Marokko. Nun wollte er nach Stuttgart, um sich dort einen gebrauchten Mercedes zu kaufen. Im Zug habe ich  erstmals in meinem Leben gut und lange geschlafen, mit einer Schlaftablette und Oropax in den Ohren zur L\u00e4rmd\u00e4mmung. Kam ausgeruht in Stuttgart an. Am 28.4. Stadtbummel, dann nachmittags nach Ostfildern gefahren, um dort ab 17 Uhr mit meinem Lauffreund Werner Sonntag 11 km auf seiner Hausstrecke zu laufen.  Anschlie\u00dfend Abendessen bei ihm.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Mit-Werner-nach-dem-Marathon.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Mit-Werner-nach-dem-Marathon-219x300.jpg\" alt=\"Mit Werner nach dem Marathon\" width=\"219\" height=\"300\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1317\" srcset=\"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Mit-Werner-nach-dem-Marathon-219x300.jpg 219w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Mit-Werner-nach-dem-Marathon.jpg 687w\" sizes=\"(max-width: 219px) 100vw, 219px\" \/><\/a><br \/>\nTreff mit Werner Sonntag (rechts) viele Jahre sp\u00e4ter nach einem Berlin-Marathon (den nur Werner lief)<\/p>\n<p>Am Samstag (30.4.) erlebte ich auf einem 10.-DM-Stehplatz im Neckarstadion das Fu\u00dfballspiel VfB Stuttgart-HSV, das Stuttgart 5:1  gewann.<br \/>\n(Damals konnte ich nicht ahnen, da\u00df ich f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter an gleicher Stelle als Journalist bei der Leichtathletik-WM 1993 dabei sein w\u00fcrde!). <\/p>\n<p>Am 2. Mai fr\u00fch nach <strong>Esslingen <\/strong>gefahren, dort das Begr\u00fc\u00dfungsgeld in H\u00f6he von 130.- DM abgeholt.  Anschlie\u00dfend Jeans (29.-) gekauft, durch den Ort gebummelt, beim B\u00e4cker f\u00fcr 2,20 DM einen Kaffee plus Erdbeerschnitte verkonsumiert. Mittags wieder nach Stuttgart zur\u00fcckgefahren, dann wieder nach Esslingen. Kaffee bei Onkel Karl (mit Frau Gei\u00dfer), dann mit deren Auto mitgefahren nach Berkheim. Dorthin kamen auch Franz, Lisbeth, Wolfgang und diverse Verwandte, um Onkel Karls Geburtstag zu feiern. <\/p>\n<p>Am 3. Mai gegen 14 Uhr nach <strong>Konstanz <\/strong>weitergereist. Dort eine Stunde in der Stadt gebummelt, dann von Gerhard abgeholt. Abends lange unterhalten. Am 4. Mai vormittags am Bodensee gelaufen, mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Alpen. Herrlich! Dann wieder Stadtbummel mit Gerhard, mittags zusammen mit Sohn Ullrich griechisch essen gewesen. Abends fuhren wir per Bus zur\u00fcck. Ich ging dann auf die F\u00e4hre, fuhr \u00fcber den Bodensee und sah mir Mersburg an. <\/p>\n<p>Am 5. Mai fuhr ich zur\u00fcck nach Stuttgart. Am 6.5. hatte ich mich f\u00fcr 9 Uhr mit <strong>Werner Sonntag<\/strong> am Hauptbahnhof verabredet, gegen 11.30 Uhr waren wir in M\u00fcnchen. Dort bummelte ich allein durch die Stadt bis zum Marienplatz und fuhr  per S-Bahn Richtung Olympiagel\u00e4nde. Dort holte ich meine Startnummer ab.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-41.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-41-300x211.jpg\" alt=\"M\u00fcnchen Marathon 1988 (4)\" width=\"300\" height=\"211\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1313\" srcset=\"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-41-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-41-1024x720.jpg 1024w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-41.jpg 1696w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich lief unter dem <strong>Pseudonym<\/strong> Walter Becker, weil ich nicht extra die DDR-Beh\u00f6rden darauf aufmerksam machen wollte, da\u00df ich in M\u00fcnchen gelaufen bin, obwohl es ja nicht verboten war. Aber da hatte ich die Rechnung ohne die Stasi gemacht, die mich schon seit dem Hamburg-Marathon im Visier hatte.<\/p>\n<p>Ich  sah mir jedenfalls  alles an (nur das Stadion noch nicht), spazierte sp\u00e4ter zur\u00fcck zum Bahnhof. Dann rief ich <strong>Heiko<\/strong>, den M\u00fcnchner, an. Der holte mich dort ab, und dann fuhren wir zu seiner Wohnung und noch in eine Gastst\u00e4tte. Ich hatte ein kleines Zimmer f\u00fcr mich  und f\u00fchlte mich wohl. Am 7. Mai  machten wir einen gemeinsamen Einkaufsbummel, fuhren nochmals zum Olympiagel\u00e4nde, abends in eine wienerische Gastst\u00e4tte. <\/p>\n<p>Dann kam der <strong>8. Mai<\/strong>, der Tag des <strong>M\u00fcnchen-<\/strong><strong>Marathons<\/strong>.  Fr\u00fch fuhren wir zum Olympiagel\u00e4nde. Vor dem Parkgel\u00e4nde gab es einen Stau, soda\u00df ich aussteigen mu\u00dfte und Heiko wieder nach Hause fuhr. Er konnte den Marathon leider nicht mitlaufen, weil er verletzt war. Ich bewegte mich in ruhigem Tempo, weil ich noch gen\u00fcgend Zeit bis zum Start hatte,  zur Olympiaschwimmhalle, zog mich dort um und gab meinen Kleider-Beutel ab. Um 9 Uhr war der Start, immer in 1000-er Gruppen. Es war wieder ein sehr ber\u00fchrendes Gef\u00fchl,  bei solch einem Riesenlauf mit<strong> 8000 Teilnehmern<\/strong> dabei sein zu d\u00fcrfen. Und ich war sehr traurig, da\u00df nicht alle meine Berliner Lauffreunde das erleben durften. <\/p>\n<p>Die Strecke f\u00fchrte quer durch M\u00fcnchen, an vielen bekannten Bauwerken vorbei. Besonders sch\u00f6n war es am Marienplatz, denn zum einen kannte ich diesen Platz schon und zum anderen bildeten die  Zuschauer ein dichtes Spalier und spendeten viel Beifall. Sp\u00e4ter wurde es nach 30 km schwerer f\u00fcr mich, kein Wunder bei den vergangenen aufregenden zehn Tagen. Heiko kam laufenderweise auch mal im Englischen Garten an die Strecke. Ich war froh, als ich wieder den Olympiaturm sah. Das Ziel war also nicht mehr weit. Bei 40 km feuerten uns die Zuschauer nochmals gewaltig an, und dann kam der H\u00f6hepunkt. Zuerst lief ich im Gl\u00fccksgef\u00fchl durch den Stadiontunnel ins Stadion ein, dann lie\u00df ich dieses herrliche Stadion auf mich wirken. Nur noch 100 m waren es bis zum Ziel, und dann, nach <strong>3:32:19 h <\/strong> war ich im Ziel. Gl\u00fccklich bekam ich die Medaille und eine Urkunde \u00fcberreicht.  <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-klein-MedailleM\u00fcnchen-Marathon-1988.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-klein-MedailleM\u00fcnchen-Marathon-1988-280x300.jpg\" alt=\"M\u00fcnchen klein MedailleM\u00fcnchen-Marathon 1988\" width=\"280\" height=\"300\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1315\" srcset=\"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-klein-MedailleM\u00fcnchen-Marathon-1988-280x300.jpg 280w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-klein-MedailleM\u00fcnchen-Marathon-1988.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-2-300x212.jpg\" alt=\"M\u00fcnchen Marathon 1988 (2)\" width=\"300\" height=\"212\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1316\" srcset=\"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-2-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/M\u00fcnchen-Marathon-1988-2-1024x724.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sp\u00e4ter zog ich mich in der Schwimmhalle um. Geschwommen bin ich nicht, weil ich meine Badehose vergessen hatte. Mit Heiko traf ich mich sp\u00e4ter, auch Werner Sonntag stie\u00df zu uns. Er brauchte 3:45 h, war aber auch gl\u00fccklich. Ab 16 Uhr ging es per Auto mit Werner Sonntag zur\u00fcck nach Stuttgart. Er  brachte mich bis zu meiner Tante Gerda nach Stuttgart-Feuerbach. Am 9. Mai machte ich die letzten Eink\u00e4ufe, nachmittags verabschiedete ich mich von der Stuttgarter K\u00f6nigsstra\u00dfe. Am 10. Mai fr\u00fchmorgens 7.06 Uhr fuhr ich dann zur\u00fcck, wurde in Berlin von beiden T\u00f6chtern und einem Laufkumpel per Auto abgeholt.<br \/>\nNun setze ich auf den 90. Geburtstag von Onkel Karl  im Jahr 1989. <strong>Marathon kann sehr sch\u00f6n sein!<\/strong><\/p>\n<p>Soweit der Brief an meine Mutter.<\/p>\n<p>Und er beweist ein wenig, wie wir wenigen Gl\u00fccklichen, die damals schon legal solche Reisen unternehmen durften, das genossen und viel erlebt haben. Wie einfach ist das alles heutzutage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich im April 1987 den Hamburg-Marathon, meinen ersten Marathon im Westen, gelaufen war, freute ich mich schon auf den n\u00e4chsten \u201eSchlag\u201c im Jahre 1988. Und wieder war ich meinem Onkel Karl dankbar, da\u00df er im Mai Geburtstag hatte. 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