{"id":4633,"date":"2016-12-25T21:29:32","date_gmt":"2016-12-25T20:29:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=4633"},"modified":"2016-12-25T22:51:57","modified_gmt":"2016-12-25T21:51:57","slug":"man-redet-am-tag-50-000-mal-mit-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=4633","title":{"rendered":"Man redet am Tag 50.000 Mal mit sich"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Jahre habe \u00a0ich mich intensiv mit dem <strong>Gehsport<\/strong> befa\u00dft. Viele Veranstaltungen besuchte ich, in Naumburg war ich Stammgast. Und mit Wehmut sah ich seit einiger Zeit, da\u00df dieser Sport, der soviel Trainingsflei\u00df ben\u00f6tigt und der auch attraktiv ist, wenn man ihn begreift, immer mehr den Weg nach unten ging. So war es f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Freude,\u00a0 als ich bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro aus der Ferne den Fast-Triumph des<strong> Potsdamer Gehers Christopher Linke<\/strong> miterleben durfte.\u00a0 Ihn hatte ich zuletzt beim Training in Kienbaum beobachtet, und ich wu\u00dfte um seine gute Form.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-zwei.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4636\" src=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-zwei-300x225.jpg\" alt=\"katja-zwei\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-zwei-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-zwei.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Christopher Linke in Rio<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nur knapp verpa\u00dfte er eine Medaille, seinen <strong>f\u00fcnften Platz \u00fcber 20 km Gehen<\/strong> hatte ich im Internet verfolgt.\u00a0 Sp\u00e4ter kommunizierte ich mit ihm \u00fcber Facebook, und nun kam er k\u00fcrzlich per Foto mit dem Zeitungsboten in mein Haus.<\/p>\n<p>Am 27. September 2016 brachte die <strong>M\u00e4rkische Allgemeine Zeitung<\/strong> ein Foto von ihm aus dem olympischen Finale und erg\u00e4nzte damit ein Interview, das <strong>Stephan Henke<\/strong> mit <strong>Katja Seyffardt<\/strong> gef\u00fchrt hatte, einer Mentaltrainerin, die in Wustermark westlich von Berlin lebt und die u.a. auch Christopher Linke psychologisch\u00a0 im Vorfeld der Olympischen Spiele betreut hat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-eins.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-4634\" src=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-eins.jpg\" alt=\"katja-eins\" width=\"83\" height=\"80\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Katja Seyffardt<\/strong><\/p>\n<p>Lesen Sie\u00a0 das <strong>Interview<\/strong>, in welchem Katja Seyffardt nicht nur \u00fcber ihre Zusammenarbeit mit den Gehern Christopher Linke und Hagen Pohle sowie dem Speerwerfer Bernhard Seifert\u00a0 spricht, sondern auch \u00fcber Motivation, eine richtige Zielsetzung und Konzentrations\u00fcbungen \u00fcber Kopfh\u00f6rer:<\/p>\n<p><strong><em>Frage<\/em><\/strong><em>: Der Fu\u00dfballtrainer Christoph Daum hat einmal etwas verquer behauptet: \u201e Wenn der Kopf richtig funktioniert, dann ist er das dritte Bein\u201c. Wie w\u00fcrden Sie die Bedeutung des Mentalen f\u00fcr den Sport beschreiben?<\/em><\/p>\n<p><strong>Katja Seyffardt<\/strong>: Der Kopf ist entscheidend. Ich w\u00fcrde sagen, er macht 50 Prozent der Leistung aus. Wenn die physischen Grundlagen da sind, dann ist der mentale Aspekt sehr wichtig. Leistungssportler stehen immens unter Druck. Sie m\u00fcssen zu bestimmten Zeiten maximale Leistung abrufen \u2013 und das \u00fcber viele Jahre.<\/p>\n<p><em>Wie helfen Sie als Mentaltrainerin?<\/em><\/p>\n<p><strong>Seyffardt<\/strong>: \u00a0Es ist immens wichtig, dass Sportler mentale Techniken als Werkzeug an die Hand bekommen, damit sie lernen, wie sie sich besser fokussieren k\u00f6nnen. Wenn im Stadion beispielsweise 80.000 Menschen br\u00fcllen, macht das ja etwas mit einem. Die Frage ist, wie der Sportler in solchen F\u00e4llen bei sich bleiben und \u00a0sich auf seine Aufgabe konzentrieren kann und nicht etwa auf den Sound des Stadions h\u00f6rt und sich von der Masse ablenken l\u00e4sst.<\/p>\n<p><em>Wie sehen solche Techniken aus?<\/em><\/p>\n<p><strong>Seyffardt<\/strong>: Jeder ist da individuell, jeder spricht auf unterschiedliche Dinge an. Der eine ist mehr visuell, der andere auditiv, der andere f\u00fchlt lieber. Da gibt es unterschiedlichste Entspannungs-und Konzentrationstechniken, bei denen man sich auf das Ein-oder Ausatmen konzentriert. Das kann man auch mit aufgenommenen Mp3s machen und diese dann \u00fcber Kopfh\u00f6rer abspielen. \u00a0Oder es gibt die Progressive Muskelrelaxation. Dabei spannt man bestimmte Muskelgruppen an, angefangen vom Kopf \u00fcber den Bauch bis zu den F\u00fc\u00dfen. Dadurch erreicht man eine Tiefenentspannung. Klar ist aber: Es bringt nichts, drei Wochen vor einem gro\u00dfen Wettkampf damit anzufangen, das w\u00e4re unprofessionell. Es ist wie mit dem physischen Training, es muss regelm\u00e4\u00dfig angewendet und trainiert werden.<\/p>\n<p><em>Wie unterscheidet sich das in den verschiedenen Sportarten?<\/em><\/p>\n<p><strong>Seyffardt:<\/strong> Geher wie Christopher Linke oder Hagen Pohle haben \u00fcber eine Strecke von 50 Kilometern ganz andere Herausforderungen als beispielsweise der Speerwerfer Bernhard Seifert, der nach einem Wurf eine Konzentrations\u00fcbung macht. Die Geher m\u00fcssen einen Fokus setzen, gerade wenn es hart wird. Sie w\u00fcrden ihre brennenden Beine wahrnehmen und sagen, ich kann nicht mehr. Professionelle Sportler m\u00fcssen die F\u00e4higkeit besitzen, \u00fcber Schmerzen hinwegzusehen und den Fokus auf etwas anderes zu legen, sich beispielsweise auf das klopfende Herz zu konzentrieren oder eine Visualisierung abspielen oder sich innerlich mit Worten zu motivieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-drei.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4638\" src=\"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-drei-300x225.jpg\" alt=\"katja-drei\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-drei-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Katja-drei.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Christopher Linke in Rio<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>(Interviews, die Katja Seyffardt mit Christopher Linke, Hagen Pohle und Bernhard Seifert f\u00fchrte, sind auf You Tube zu finden. Mehr \u00fcber die Mentaltrainerin auch auf ihrer Homepage www.seyffardt.de) <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><em>Wie h\u00f6rt sich eine innere Ansprache an?<\/em><\/p>\n<p><strong>Seyffardt<\/strong>: <strong>Man redet am Tag 50.000 Mal mit sich selbs<\/strong>t. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Dessen mu\u00df man sich erstmal bewusst werden. Da ist es wichtig, wie der Sportler mit sich selbst redet und motiviert. Ist er streng und gebieterisch, weil er gerade eine Sequenz schlecht bew\u00e4ltigt hat? Oder kann er das Negative sofort ablegen, umdrehen, den Fokus auf die n\u00e4chste Sequenz legen und sich innerlich durch Worte motivieren? Diese Routinen sind unglaublich wichtig, sie geben dem Sportler Sicherheit, gerade wenn man Versagens\u00e4ngste hat.<\/p>\n<p><em>2004 holte J\u00fcrgen Klinsmann einen Sportpsychologen f\u00fcr die Fu\u00dfball-Nationalmannschaft, die Skepsis war gro\u00df. Hat sich das inzwischen ge\u00e4ndert?<\/em><\/p>\n<p><strong>Seyffardt<\/strong>: In Amerika und England ist die Sportpsychologie ein supergro\u00dfes Thema. Die haben dort auch ein ganz anderes Feeling f\u00fcr den Sport. Das f\u00e4ngt dort ja schon viel fr\u00fcher und unglaublich professionell in der Highschool an. Seit aber die Nationalelf einen Sportpsychologen hat, haben auch andere Clubs ein Ohr daf\u00fcr und ziehen nach. Leider gibt es aber sehr viele Randsportarten, die finanziell nicht so gut ausgestattet sind \u00a0und die sich eine Betreuung nicht leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Sie arbeiten auch mit den Brandenburger Fu\u00dfball-Schiedsrichtern. Welche Tipps geben Sie ihnen<strong>?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Seyffardt<\/strong>: Schiedsrichter sind oft Beleidigungen, Anfeindungen oder sogar k\u00f6rperlicher Gewalt ausgesetzt, gerade im Amateursport. Da muss man als Person gefestigt und selbstbewusst sein und auch nicht \u00fcber eine Entscheidung nachdenken, wenn sie gef\u00e4llt ist und nicht einknicken. Eine Arbeit an den pers\u00f6nlichen St\u00e4rken kann hier sehr hilfreich sein, das Selbstbewusstsein st\u00e4rken.<\/p>\n<p><em>Ist ein Motivationstraining auch f\u00fcr Hobbysportler sinnvoll?<\/em><\/p>\n<p><strong>Seyffardt<\/strong>: Sobald man eine Leistung f\u00fcr sich erzielen will, ist das ein Thema, egal ob man beispielsweise einen Marathon gewinnen \u00a0oder einfach nur ankommen will. Au\u00dferdem gibt es immer mehr hochambitionierte Hobbysportler, die viel in ihren Sport und ihr Weiterkommen investieren. Auch in diesem Bereich habe ich schon Klienten betreut. Sobald es \u00fcber den Freizeitgedanken hinausgeht, ist Mentaltraining auf jeden Fall sinnvoll. Au\u00dferdem unterst\u00fctzt das Mentaltraining auch bei Verletzungen sehr stark die Heilung.<\/p>\n<p><strong>Interview:\u00a0 Stephan Henke<\/strong><\/p>\n<p>(erschienen am 27. September 2016 in der \u201eM\u00e4rkischen Allgemeinen Zeitung)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Viele Jahre habe \u00a0ich mich intensiv mit dem Gehsport befa\u00dft. Viele Veranstaltungen besuchte ich, in Naumburg war ich Stammgast. Und mit Wehmut sah ich seit einiger Zeit, da\u00df dieser Sport, der soviel Trainingsflei\u00df ben\u00f6tigt und der auch attraktiv ist, wenn man ihn begreift, immer mehr den Weg nach unten ging. 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