{"id":575,"date":"2015-12-21T09:44:32","date_gmt":"2015-12-21T08:44:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=575"},"modified":"2015-12-21T09:44:32","modified_gmt":"2015-12-21T08:44:32","slug":"christina-schwanitz-immer-offen-im-gespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=575","title":{"rendered":"Christina Schwanitz: Immer offen im Gespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kugelsto\u00dferin Christina Schwanitz erlebte am 20. Dezember 2015 einen weiteren H\u00f6hepunkt: Sie wurde von den deutschen Sportjournalisten zur Sportlerin des Jahres gew\u00e4hlt, erhielt die Auszeichnung aus den H\u00e4nden ihres Ehemannes Tomas. <\/strong><\/p>\n<p>Viel ist bis dahin im Leben der Christina Schwanitz passiert. Einige Strecken dieses Weges durfte ich als Berichterstatter begleiten, und  immer war sie gespr\u00e4chsbereit und f\u00fcr einen Scherz zu haben. Besonders sind mir die langen Gespr\u00e4che am Rande des Kugelsto\u00dfmeetings in Nordhausen und der Halleschen Werfertage erinnerlich.<br \/>\nAuch wenn das Gespr\u00e4ch in Halle\/Saale  schon \u00fcber 2 Jahre zur\u00fcckliegt, lohnt es sich noch, auf dieses Jahr <strong>2013 <\/strong>zur\u00fcckzublicken. In der \u201eLeichtathletik\u201c erschien damals der folgende Artikel:<\/p>\n<p><strong>Christina Schwanitz: Ohne Schrauben und Zahn zu den 20,20 Metern<\/strong><\/p>\n<p>\u201eKugelsto\u00dfen macht mir wieder Spa\u00df\u201c jubelte Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge) nach ihrem gelungenen Auftritt bei den 39. Hallenser Werfertagen im Jahre 2013.  Mit 19,84 Metern gewann sie und war nicht allzu traurig, dass die Kugel diesmal nicht wie vor einer Woche in Shanghai (20,20 m) \u00fcber die 20 Meter hinaus flog. \u201e20 Meter, das ist weit, sehr weit. Da fliegt die Kugel, bildlich gesprochen, \u00fcber viele Autos\u201c. Doch die Frage, wieweit es nun gehen k\u00f6nne, kontert sie in ihrer fr\u00f6hlichen, offenen Art: \u201e Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich mal 30 Meter sto\u00dfen\u201c.  Doch das Zwinkern in den Augen dokumentierte, dass das nicht Ernst gemeint war.<br \/>\nAber der Hallen-EM \u2013Titel von G\u00f6teborg , die  20,20 m von Shanghai und die souver\u00e4ne Vorstellung bei den Werfertagen in Halle zeigen die neue Qualit\u00e4t der 27- J\u00e4hrigen.<br \/>\nNun wird all\u00fcberall nach Erkl\u00e4rungen gesucht und die Antworten k\u00f6nnen so zusammengefasst werden: Gesundheit, Training, Psyche.<br \/>\nSeit drei Jahren trainiert sie bei Sven Lang, und anfangs dauerte es, ehe beide sich auf einer Wellenlinie befanden. Sven Lang: \u201e Ich habe allein ein Jahr gebraucht, um die Philosophie, die ich vom Kugelsto\u00dfen habe, umzusetzen.  Als ich soweit war, traten k\u00f6rperliche Probleme auf, denn Christina  hatte f\u00fcnf Jahre die Schrauben im Fu\u00df.  Da war ich in den Trainingsmitteln bei ihr eingeschr\u00e4nkt, konnte manches nicht machen. Es gab Einheiten, die ich abbrechen musste, wenn sie nur ein wenig gegen den Balken gesto\u00dfen war.\u201c Seit die Metallteile aus den F\u00fc\u00dfen heraus sind, ist es ein anderes Trainieren. \u201e Sie ist  schmerzfrei. Da  kann ich nun richtig trainieren, auch die Umf\u00e4nge erh\u00f6hen.\u201c   <\/p>\n<p>Ohne Verletzungen wurden die Trainingslager in  Albufeira und Laatsch (Tirol) absolviert, eine neue Qualit\u00e4t erreicht. Die 20 Meter fielen da schon, \u201e es ging f\u00fcr mich nur noch darum, dass ich es im Wettkampf best\u00e4tige.\u201c  Und auf dem Weg zur Schallmauer konnte sie auch ein kaputter Zahn nicht aufhalten.  Noch in der letzten Woche in S\u00fcdtirol hatte sie  sehr starke Zahnschmerzen bekommen. \u201e Ich bin nur noch auf drei Stunden Schlaf pro Nacht gekommen und Essen war auch nicht mehr richtig m\u00f6glich. Aber ich wollte es rei\u00dfen, trainierte trotzdem.\u201c Nach der R\u00fcckkehr wurde der Zahn gezogen, zwei Tage sp\u00e4ter nochmals die Form im Ring getestet und dann kam das Okay f\u00fcr den 15-Stunden-Flug nach Shanghai zum Meeting der Diamond League.  Am Freitag und Samstag wurde in Shanghai trainiert, abends war dann der Wettkampf. Die beeindruckende Serie kommt ihr fl\u00fcssig von den Lippen:<br \/>\n19,79; 20,12; 19,69; ung\u00fcltig; 20,20, ung\u00fcltig.<br \/>\n\u201e Zweimal 20 m, das war schon ein gro\u00dfes Ding. Aber es kam f\u00fcr mich ja nicht \u00fcberraschend, eher f\u00fcr die anderen.\u201c Da st\u00f6rte es sie nicht, dass zu ihrem Wettbewerb fast keine Zuschauer im Stadion waren, \u201e gef\u00fchlte 5 vielleicht\u201c. Es z\u00e4hlte nur die Zahl auf der Anzeigetafel, die 20,20, und nat\u00fcrlich der Sieg.<br \/>\nF\u00fcr eine Sightseeing-Tour durch die Gro\u00dfstadt blieb danach keine Zeit. Am Pfingstsonntag ging es zur\u00fcck, wieder 15 Stunden per Flugzeug. Pfingstmontag morgens um 1 Uhr war sie wieder zuhause. \u201e Ich wollte mich ja  auf meinen Auftritt in Halle vorbereiten\u201c, nahm sie es gelassen, aber vor allem professionell. Jetzt merkte sie auch den Jetlag, \u201e das Training fiel sehr schwer, die Bewegungen als auch die Konzentration vom Kopf her.<br \/>\nDoch im Wettkampf war davon wenig zu merken. Stabil die Serie, nur der Ausrutscher \u00fcber die 20 m fehlte. Und sie zog  einen Vergleich. \u201e 2008  habe ich in der Halle in Chemnitz \u00fcberraschend 19,68 m gesto\u00dfen und gedacht.  Um  Gotteswillen, woher habe ich das hervorgeholt. Das schaffe ich doch nie wieder. Jetzt ist es anders, ich traue es mir zu.\u201c<br \/>\nUnd dieses Vertrauen in das eigene K\u00f6nnen hat eine nun viel st\u00e4rkere Psyche zum Hintergrund. Gerade die lie\u00df sie in der Vergangenheit oftmals im Stich. Besondern krass war es bei der WM 2011 in Daegu und noch mehr bei der Hallen-WM 2012 im t\u00fcrkischen Istanbul. \u201e Ich habe mich bei gro\u00dfen Wettk\u00e4mpfen so aufgeregt, dass ich dann einfach blockiert war, einen blackout hatte.\u201c So konnte es nicht weitergehen, der Weg zur Psychologin war unausweichlich. <\/p>\n<p><strong>Hilfreiche Psychologie<\/strong><\/p>\n<p>\u201e Ich hatte zwar fr\u00fcher schon mal mit einem jungen Psychologen erste Erfahrungen gesammelt, doch der behandelte mich wie ein kleines Kind.\u201c Nun traf sie auf Grit  Reimann (Dresden), die auch Turner und Bobfahrer unter ihrer Obhut hat.  \u201e Ich fahre zu ihr nach Dresden, und kann das auch immer mit einem Besuch bei meinen Gro\u00dfeltern koppeln, die ich sonst leider nur noch selten sehe\u201c, sagt die geb\u00fcrtige Dresdnerin. Und mit dieser Psychologin hatte sie ein Gl\u00fcckslos gezogen. \u201e Sie konnte mir sehr vor London helfen.  London war f\u00fcr mich der geilste Wettkampf bisher,  mental und vom Erleben her. Seitdem macht mir Leistungssport Spa\u00df, ist keine Pflichtveranstaltung mehr. Zwar  hat man nun auch mehr Verantwortung, und der Rucksack wird immer gr\u00f6\u00dfer, den man mit sich herumschleppt, aber das kann ich mittlerweile zu 80 Prozent im Wettkampf vergessen und das macht den Spa\u00dffaktor Sport aus. Mittlerweile sage ich, gut, versuche ich es. Fr\u00fcher habe ich mir dann selber Stre\u00df gemacht, ich muss, ich muss, eben weil ich die Erwartungen aufgenommen habe.  Will und muss , das geht nicht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Kurs Moskau <\/strong><\/p>\n<p>Weil Christina Schwanitz nun endlich wieder den Erfolg vor Augen sieht, nimmt sie notgedrungen auch gro\u00dfe Abstriche an ihrer Freizeit, ihrem Privatleben in Kauf. Viel ist sie unterwegs, ihren Verlobten Tomas sieht sie recht selten. Doch die Hochzeit im September ist weiterhin ein Thema \u201e ich will doch endlich auch mal eine Prinzessin sein\u201c.  Zuvor aber erduldet sie die \u201eFron\u201c des Trainings, jetzt gerade in Kienbaum. In Sch\u00f6nebeck ist am 7. Juni der n\u00e4chste Wettkampf, danach sollen einige Meetings folgen, die Deutschen Meisterschaften. Und dann nimmt sie schon Kurs auf die WM in Moskau.<br \/>\n\u201eSicher w\u00e4re es sch\u00f6ner gewesen, wenn ich in London bei Olympia schon diese 20-Meter-Form gehabt h\u00e4tte. Aber h\u00e4tte, wenn und aber, das bringt nichts mehr. Nun packen wir es eben in Moskau\u201c, schaut sie optimistisch nach vorn. Im Augenblick stehen f\u00fcr Christina Schwanitz alle Zeichen  auf Erfolg.<br \/>\nPeter Grau<\/p>\n<p>(erschienen in \u201eLeichtathletik\u201c Nr. 22 vom 29.5.2013)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kugelsto\u00dferin Christina Schwanitz erlebte am 20. 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