{"id":786,"date":"2016-01-13T15:51:27","date_gmt":"2016-01-13T14:51:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=786"},"modified":"2016-01-13T15:51:27","modified_gmt":"2016-01-13T14:51:27","slug":"ein-lauf-im-namen-des-friedens-im-jahre-1983","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=786","title":{"rendered":"Ein Lauf im Namen des Friedens im Jahre 1983"},"content":{"rendered":"<p>In der DDR  wurde das Wort \u201eFrieden\u201c fast inflation\u00e4r gebraucht.   Es hie\u00df oft bei politischen Meinungen oder gar Entscheidungen des Einzelnen: \u201e Wenn Du das und das nicht machst,  dann bist Du nicht f\u00fcr den Frieden.\u201c  Eine sehr vordergr\u00fcndige These.<br \/>\nAber es gab auch Ereignisse, wo wir gern dabei waren. So beim Friedenslauf im Jahr 1983 in Berlin.  Da Frieden an sich ja etwas sehr Sch\u00f6nes, Erstrebenswertes war und ist, hatten wir L\u00e4ufer keine Skrupel, an einem Friedenslauf teilnehmen. Da war garantiert, da\u00df auch die staatlichen Stellen voll dahinter standen und uns unterst\u00fctzten.<br \/>\nMeiner Mutter schrieb ich hinterher: \u201e Es war eine ziemliche Masse, die sich in Bewegung setzte. Ich startete \u00fcber 20 km (1:25:41), mit mir noch ca. 1500 L\u00e4ufer, dazu 800 Marathonl\u00e4ufer und ca. 500 L\u00e4ufer \u00fcber 10 km. Es ging vom Leninplatz \u00fcber den Strausberger Platz, den Alex, vorbei am Palast der Republik bis kurz vor die Friedrichstra\u00dfe. Dort war die erste Wende. Dann zur\u00fcck bis zum Strausberger Platz, entlang der Karl-Marx-Allee, Frankfurter Allee, Stra\u00dfe der Befreiung, durch den Autotunnel und danach war f\u00fcr uns die Wende. Die Marathonl\u00e4ufer mu\u00dften noch nach Marzahn. Das Wetter war gut, r\u00fcckw\u00e4rts R\u00fcckenwind. Elke und Ulrike sahen mich am Start, dort war ich sch\u00f6n weit vorn, dann nochmals am Strausberger Platz und dann am Ziel. Ich war mit meinem Platz (24. in der Altersklasse, 199. insgesamt ) zufrieden.\u201c <\/p>\n<p>Im <strong>\u201eLeichtathleten\u201c<\/strong>  schrieb ich dann etwas \u201eparteiischer\u201c, sprich der Frieden kam da schon mehr vor. Heutzutage liest sich das vielleicht etwas seltsam, aber damals war es ganz normal:<br \/>\n \u201eRund 35000 Berliner Sportler und G\u00e4ste aus allen Teilen der Republik sowie dem Ausland beteiligten sich am 2. Berliner Friedenslauf. Volks- und Spitzensportler, junge und \u00e4ltere L\u00e4ufer, Familien und Hausgemeinschaften machten diese Laufveranstaltung zu einer machtvollen Demonstration f\u00fcr die wichtigste Aufgabe unserer Zeit, die Erhaltung und Festigung des Friedens. Eindrucksvoll das Bild auf dem Leninplatz, als sich die Aktiven kurz vor dem Start auf den verschiedenen Stellpl\u00e4tzen einfanden. Zur Er\u00f6ffnung richtete die Turnolympiasiegerin Dr. Katrin B\u00fcttner-Janz, Mitglied des DDR-Friedensrates, mahnende und zugleich aufr\u00fcttelnde Worte an die Sportler\u2026  \u201eIn diesen Tagen, unmittelbar vor dem Weltfriedenstag, vereinen sich unsere Gedanken und Vorschl\u00e4ge st\u00e4rker denn je mit den Forderungen von aber Millionen Menschen der ganzen Welt an die verantwortlichen Politiker der NATO-Staaten, sich den zahlreichen Friedensangeboten nicht zu verschlie\u00dfen. Wir sagen nein zu den Atomkriegspl\u00e4nen der USA. Wir sagen ja zu den Friedensinitiativen der Sowjetunion.\u201c\u2026   Mit dem Ert\u00f6nen des Startschusses setzte sich das Riesenfeld in Bewegung. Fast un\u00fcbersehbar das Gewimmel auf den k\u00fcrzeren Strecken im Friedrichshain. F\u00fcr manche war das schon eine betr\u00e4chtliche Anstrengung. Aber voller Begeisterung wurden die Meile oder die 5 km gemeistert. Nicht anders ging es auf den Wettkampfstrecken zu. Treffend dr\u00fcckte es der Neuruppiner Ludwig Wolter aus: \u201e Es ist leichter, im Schwei\u00df zu baden, als in Asche zu vergehen\u201c.<\/p>\n<p>\u2026Im 20-km-Lauf hatten sich nach der H\u00e4lfte der Distanz Michael <strong>Heilmann <\/strong>(TSC Berlin) und <strong>Roland G\u00fcnther<\/strong> aus einer F\u00fcnfergruppe gel\u00f6st, der TSC-Sportler behauptete sich dann im Zielspurt knapp. Dramatisch auch das Geschehen im Marathonlauf. Hier konnten der Berliner <strong>Manfred <\/strong><strong>Vetter<\/strong> und der Bulgare <strong>Vesselin Wassilew<\/strong> nach 30 km eine Vierergruppe sprengen. 9 km vor dem Ziel setzte sich dann Vetter ab und sah schon wie der Sieger aus. Doch dann bekam er krampfartige Beschwerden und mu\u00dfte einige kurze Gehpausen einlegen. So konnte im Ziel am Leninplatz der Bulgare als Sieger gefeiert werden\u2026<\/p>\n<p>Hinterher gab mir der damals 33-j\u00e4hrige Diplomsportlehrer <strong>Stefan <\/strong><strong>Senkel,<\/strong> im DTSB-Bezirksvorstand Berlin f\u00fcr den Freizeit-und Erholungssport verantwortlich, und einer der Hauptorganisatoren des Friedenslaufes, ein Interview.<\/p>\n<p><strong>Frage<\/strong>: F\u00fcr die wettkampferfahrenen L\u00e4ufer waren die 20 km und der Marathon gedacht. Sie sind selbst Marathonl\u00e4ufer. Wie ist Ihre Meinung zu solchen Stadtmarathons?<br \/>\n<strong>S. Senkel:<\/strong> Diese L\u00e4ufe sind sowohl f\u00fcr Aktive als auch f\u00fcr Zuschauer reizvoll. Die Laufstrecken sind abwechslungsreich und stimulieren die Sportler. Der Werbeeffekt f\u00fcr das Laufen ist sicher auch nicht zu untersch\u00e4tzen. Dadurch kann die sich immer st\u00e4rker entwickelnde Laufbewegung doch mehr in das Bewu\u00dftsein der \u00d6ffentlichkeit eindringen, als wenn die L\u00e4ufe auf abgeschiedenen Waldwegen stattfinden\u2026<br \/>\n<strong>Frage<\/strong>: Wie wurde die Versorgung und Betreuung gesichert?<br \/>\n<strong>S. Senkel<\/strong>: Die Umkleider\u00e4ume, Wasch-und Duschgelegenheiten reichten aus, von vielen wurde nach dem Lauf das Schwimmbad an der Friedensstra\u00dfe genutzt. An den sieben Verpflegungspunkten wurden ausreichend Tee, Haferschleim, Keks, Salz, Regusal, Zucker und Zitronenscheiben bereitgestellt. Nat\u00fcrlich war auch die medizinische Hilfe einsatzbereit, aber dank der guten Vorbereitung der Teilnehmer gab es keine nennenswerten Zwischenf\u00e4lle.<br \/>\nSoweit das Interview. <\/p>\n<p>Interessant auch, zumindest f\u00fcr diejenigen, die dabei waren, ein Einblick in die Ergebnisliste:<br \/>\n(<strong>Berlin, 28.8.1983<\/strong>): 20 km: M\u00e4nner, AK 18-32: Heilmann (TSC) 1:03:03, G\u00fcnther 1:03:04, Tronnier ( bd. SC Magdeburg) 1:04:13; AK 37-42: Krebs (Lok Potsdam) 1:12:14, AK 43-50: Kastanowicz (TSG Obersch\u00f6neweide) 1:13:15;  AK \u00fcber 60:  Witte 1:25:45, Selby 1:30:48. Frauen, AK 18-28: Riethm\u00fcller 1:17:11, Schmidt 1:19:12, Weinhold 1:20,00, Ute Goldammer (Einheit Pankow) 1:22:53; AK 29-32; Bianchin (Freiberg) 1:29:53, Nemitz 1:28:13; AK 37-42: Oehler 1:32:10.<br \/>\nMarathon, M\u00e4nner: AK 18-32: Wassilew 2:26:01; AK 33-36: Vetter (Hf\u00d6 Berlin) 2:26:08; AK 37-42: Lachmann (EBT Berlin) 2:27:21, Stolz 2:33:28, Deparade 2:35:41; AK 43-50: Lorenz (EBB) 2:32:07, Oppermann 2:32:49, Kahms 2:35:59.   Frauen: Gudrun Strohbach (Humboldt-Uni) 3:12:23, P\u00f6plow 3:13:15, Naumann (Motor Wei\u00dfensee) 3:14:17, Pikhart (Ruhla) 3:32:58.<br \/>\n(Quelle:  Der Leichtathlet Nr. 36\/83 vom 8. September 1983)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der DDR wurde das Wort \u201eFrieden\u201c fast inflation\u00e4r gebraucht. Es hie\u00df oft bei politischen Meinungen oder gar Entscheidungen des Einzelnen: \u201e Wenn Du das und das nicht machst, dann bist Du nicht f\u00fcr den Frieden.\u201c Eine sehr vordergr\u00fcndige These. 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