{"id":856,"date":"2016-01-21T21:30:06","date_gmt":"2016-01-21T20:30:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=856"},"modified":"2016-01-21T21:30:06","modified_gmt":"2016-01-21T20:30:06","slug":"fast-luxus-telefonieren-in-ost-berlin-im-jahr-1981","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.petergrau-leichtathlet.de\/?p=856","title":{"rendered":"Fast Luxus: Telefonieren in Ost-Berlin im Jahr 1981"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die &#8220; <strong>Randnotizen aus Berlin<\/strong>&#8220; d\u00fcrfen auf dieser Homepage auch andere \u201eSchreiberlinge\u201c ihre Geschichten pr\u00e4sentieren. So im folgenden mein Journalisten-Kollege <strong>J\u00f6rg <\/strong><strong>Kotterba<\/strong>, fr\u00fcher in Ostberlin wohnend, dann kurzeitig in K\u00f6ln lebend und nun seit langem in Frankfurt an der Oder.<br \/>\nMit J\u00f6rg Kotterba war ich in den Achtzigern beruflich eng verbunden. Einmal bei der \u201e<strong>Berliner Zeitung<\/strong>\u201c, wo er als Sportjournalist t\u00e4tig war und ich durch seine Vermittlung Korrektur lesen durfte. Und dann beim \u201e<strong>Leichtathleten<\/strong>\u201c, wo er einige Jahre Chef war und ich sein Mitarbeiter.<\/p>\n<p>J\u00f6rg Kotterba schreibt seit dem 20. August 2008, dem Tag der Geburt seiner Enkelin <strong>Emily<\/strong>, f\u00fcr diese ein Tagebuch und ver\u00f6ffentlich das  u.a. bei Facebook.<\/p>\n<p>Unter dem Datum 12. Januar 2011 steht in seinem Tagebuch:<br \/>\nVor 30 Jahren ist die DDR-Hauptstadt in Jubil\u00e4umslaune, Emily. Berlins Telefonnetz feiert am 12. Januar 1981 hundertsten Geburtstag. Der weitsichtige Generalpostmeister Heinrich Stephan wirbt erstmals 1881 an der Spree f\u00fcr das Telefon.<br \/>\nZehn Jahrzehnte sp\u00e4ter k\u00f6nnen in <strong>Berlin-Ost<\/strong> die Telefonleitungen ihr Alter nicht verbergen. Sie sind nicht nur extrem knapp. Und werden teilweise doppelt belegt. Mit unterschiedlichen Rufnummern zwar. Doch spricht der eine, kann der andere nicht reden. Das Niveau der DDR-Telefonleitungen \u00e4hnelt jener Beschreibung aus Meyers Konversationslexikon von 1898: \u201eDas Fernsprechen auf weite Entfernung hat mit technischen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen. Laufen mehrere Fernsprechleitungen nebeneinander her, so h\u00f6rt man infolge der Induktionswirkung in der eigenen Leitung, was in der anderen gesprochen wird; ebenso machen sich die Str\u00f6me benachbarter Telegraphenleitungen durch Erzeugung eines knackenden Ger\u00e4usches in den Telephonen bemerkbar.\u201c<br \/>\nIn Berlin-Ost gibt es 1985 mehr als 260 000 Telefonanschl\u00fcsse. Und 120 000 unerledigte Antr\u00e4ge. Auf einen Telefonanschluss wartet der Berliner drei Jahre. In den Bezirken der kleinen Republik bis zu zw\u00f6lf. Der B\u00fcrger muss bei Antragstellung eine Bef\u00fcrwortung des Betriebes abgeben. Ohne dringende berufliche Notwendigkeit und eine saubere Kaderakte ist die Chance auf einen Anschluss gleich Null.<br \/>\nSeit 1972 beweisen die<strong> Nordh\u00e4user<\/strong>, dass sie auch andere begehrenswerte Sachen herstellen k\u00f6nnen als Schiffsdiesel und Doppelkorn: Sie besitzen das Monopol als Fernsprechbuchmacher. Alle Druckunterlagen werden in der Zentralen Buch- und Mikrofilmstelle beim Post- und Fernmeldeamt Nordhausen vorbereitet. In <strong>Nordhausen<\/strong> lagern rund sechseinhalbtausend Lochstreifen. Und jeder von ihnen speichert 175 Teilnehmer. Lichtsetzmaschinen in Dresden und Berlin vollbringen die Metamorphose von der Perforation zu lesbaren Namen, Titeln, Anschriften und Rufnummer.<br \/>\nDie deutsche B\u00fcrokratie macht auch vor den DDR-Fernsprechb\u00fcchern nicht halt. Sucht der Ost-Berliner eine Taxirufs\u00e4ule \u2013 Anlaufpunkt von wartenden Taxen -, muss er nicht unter T, sondern unter K schauen. K \u2013 wie Kombinat Berliner Taxibetriebe, Kombinatsbetrieb Taxi, Autorufs\u00e4ulen.<br \/>\nDie Glanzleistung bietet das<strong> Geraer<\/strong> Fernsprechbuch. Wer darin die Rufnummer der viel frequentierten <strong>Saalfelder Feengrotten <\/strong>sucht, muss ein Hellseher sein. Und unter O \u2013 wie Ostth\u00fcringische Brauen P\u00f6\u00dfneck, VEB, Werk Brauhaus, Werkteil Feengrotten &#8211; suchen. Daf\u00fcr ist hundert Jahre nach Einf\u00fchrung des Telefons im Vorspann der Fernsprechb\u00fccher exakt beschrieben, wie zu telefonieren sei: \u201eErmitteln Sie zun\u00e4chst die Anschluss-Rufnummer des Verlangten &#8230; Heben Sie den Handapparat ab. W\u00e4hlen Sie die einzelnen Ziffern &#8230; &#8211; von links beginnend.\u201c<br \/>\nUm in DDR-Zeiten auf Kosten der Deutschen Post zu telefonieren, \u00f6ffnen pfiffige B\u00fcrger in den \u201e\u00d6ffentlichen\u201c das Telefon und drehen ein kleines Modul, das f\u00fcr die Polarisation zust\u00e4ndig ist, um. Ein anderer Trick klappt bis 1980. Mit Hilfe einer Stimmgabel in Telefonzellen k\u00f6nnen Knobel Kniffligs kostenlos telefonieren, da das Fr\u00e4ulein vom Amt die eingebaute Gabel nicht von einer mitgebrachten unterscheiden kann.<br \/>\nTelefonate in den \u201e\u00d6ffentlichen\u201c kosten in der kleinen Republik bei Stromausfall nichts. Was jedesmal f\u00fcr einen heftigen Andrang auf das Telefonnetz sorgt. Es kommt aber auch vor, dass bei einzelnen Telefonzellen von der Stasi der Strom abgedreht wird. Um sogenannte subversive Elemente und deren Gespr\u00e4che abzuh\u00f6ren.<br \/>\n(Quelle: Facebook J\u00f6rg Kotterba)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die &#8220; Randnotizen aus Berlin&#8220; d\u00fcrfen auf dieser Homepage auch andere \u201eSchreiberlinge\u201c ihre Geschichten pr\u00e4sentieren. 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