Zur Doping – Berichterstattung im Zusammenhang mit den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017 in London

London WM Titelfoto

Die ersten Tage meiner London-Beobachtungen sind von der Dopingberichterstattung beeinträchtigt worden. Es geht mir dabei manchmal so, als wolle man mir ein „Spielzeug“ nehmen, etwas, was ich gern mache, aber was mir zerredet oder zerschrieben wird.

So ging es mir vor einigen Jahren, als ich, – ein bekennender Freund der Tour de France-, durch die massiven Dopingfälle und den Boykott der Berichterstattung fast „auf dem Trockenen“ saß. Damals „rettete“ mich Eurosport, die weiter berichteten.

Wie es nun in der Leichtathletik werden wird, weiß ich nicht. Sicher ist es für eine Sportart, die immer mehr in Richtung einer Randsportart tendiert, schwer, sich allein durch Leistungen das Publikum zu erhalten, wenn andererseits massive Zweifel am ehrlichen Sport aufkommen.

Ich kann als normaler Zuschauer – der direkte Kontakt zur Leichtathletik-Szene, sprich, der Einblick in das „Innerste“ fehlt mir – nicht wissen, inwieweit die Berichte stimmen und inwieweit es nur Vermutungen sind.

London Bolt zehn Gatlin

Sieger über 100 m, Justin Gatlin (USA) – Foto: Brockmann

 

Natürlich habe ich auch meine Meinung bei solchen „einfachen“ Fällen wie beim WM-Erfolg über 100 m von Justin Gatlin. Da gehe ich mit der Mehrheit konform, die nach einem zweimaligen Dopingvergehen  eine lebenslange Strafe fordert. Doch ich weiß auch, wie die quasi Begnadigung des US-Sprinters erfolgte.

Sicher war es nicht angenehm für ihn, die Pfiffe, der 60.000 Zuschauer im Londoner Station zu ertragen. Generös vielleicht, wie Usain Bolt reagierte, Justin Gatlin ein wenig Mut zusprach und ihn umarmte.

London Bolt elf

Zieleinlauf 100 m Männer (Foto: Brockmann)

 

Ich habe nun aber danach auch wieder Stimmen gehört, die meinten:  Usain Bolt wird wohl wissen, was er tut. Sicher ist er auch nicht ganz sauber. Sei es wie es sei. Ich kann es nicht wissen, kann es nicht entscheiden. Deshalb muß ich meine eigene Lösung finden.

Die besteht einmal darin, zunächst  vor allem mich mit eigenem Sporttreiben „abzulenken“. So geschehen am heutigen Montag, als ich zwei Stunden mich im Fitneßstudio betätigte.

Zum anderen informiere ich mich natürlich weiter, was über das Thema Doping in den Medien geschrieben wird. Und weil ich weiß, wie tief mein Kollege Michael Reinsch (Frankfurter Allgemeine Zeitung –  FAZ) in diese Materie eingedrungen ist, lese ich besonders seine Artikel gründlich.

So hat er gerade jetzt zu der Niederlage von Usain Bolt gegen Justin Gatlin den folgenden Beitrag geschrieben:

http://www.faz.net/aktuell/sport/leichtathletik-wm/bolt-nur-zweiter-gatlin-gewinnt-wm-gold-ueber-100-meter-15138730.html

Gatlin und das Doping-Erbe

Unter dieser Überschrift schreibt Michael Reinsch einen Kommentar unter

http://www.faz.net/aktuell/sport/leichtathletik-wm/leichtathletik-wm-sprint-weltmeister-justin-gatlin-ausgebuht-15139550.html?GEPC=s2

Besonders nahe aber geht mir sein Kommentar zur nachträglichen Medaillenvergabe an Mehrkämpferin Jennifer Oeser. Ich kann ein wenig nachfühlen, wie ihr eigentlich zumute war. Sie hat das Beste darauf gemacht, das Positive gesehen. Andere, wie etwa Nadine Kleinert und Markus Esser, deren Karriere ich lange hautnah verfolgte, haben eine andere Meinung, fühlen sich geprellt und betrogen. Solche Einzelschicksale überzeugen mich dann mehr als allgemeine Kritik an afrikanischen Läufer u.ä.

Mehr zur Nachreichung der Medaille an Jennifer Oeser ist nachzulesen unter der Überschrift:  „Wie die Opfer des Dopingbetruges geehrt wurden“ unter:

http://www.faz.net/aktuell/sport/leichtathletik-wm/leichtathletik-wm-opfer-des-doping-betrugs-werden-geehrt-15138630.html