Erinnerungen

Vor den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2017 in Erfurt

 

Am kommenden Wochenende, am 8. und 9. Juli 2017, finden in Erfurt zum vierten Mal die Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten statt. Ich werde dabei sein, wie vorher in den Jahren 1994, 1999 und 2007. Auch die U23- Leichtathletik-Europameisterschaft 2005 habe ich in Erfurt als Journalist für das Fachblatt „ Leichtathletik“ verfolgt.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille.  Die andere liegt in den Erinnerungen.  Nur rund 500 m vom Stadion entfernt verbrachte ich meine Kindheit und meine Jugendjahre.

In den Jahren nach 1950 war ich oft im nahen, großen Stadion zuhause, das früher Georgij-Dimitroff-Stadion hieß, und heute Steigerwaldstadion. Anfangs war ich vor allem bei den Fußballspielen von Turbine Erfurt, die 1954 und 1955 DDR-Meister wurden, im Stadion. Erinnerlich ist mir, und das war wohl meine erste Begegnung mit Pferden, daß es schon damals manchmal recht ruppig auf den Rängen zuging und dann die Polizei auf Pferden für Ordnung sorgen mußte.

Ich habe aber auch miterlebt, als Radfahrer in dieses Stadion einfuhren, z.B. beim Radrennen Halle-Erfurt –Halle. Hier fährt der Sieger Gustav-Adolf-Schur über den Zielstrich und später mit Emil Reinicke auf der Ehrenrunde:

Steigerwald zwei

Ich war damals, zu DDR-Zeiten, dabei, als die Leichtathleten glänzten und fotografierte sie damals auch:

4×100-m-Staffelauf mit Gisela Birkemeyer und 3000-m-Hindernislauf:

Scan_Pic0053

Und ich selbst „glänzte“ auch einige Male als Läufer, u.a. bei einem Stundenlauf.

 

Anfangs gab es eine 500-Meter-Aschenbahn in diesem Stadion.

Steigerwald eins

Stadion im Jahre 1965 (Foto:  Rittweger / „Der Leichtathlet“)

Dann wurde diese Aschenbahn von einer 400-Meter-Tartanbahn ersetzt.
Seit meinen Jugendjahren ist jedenfalls im Stadion viel geschehen. Die damalige Holztribüne ist schon lange Geschichte.

Und jetzt hat das Steigerwaldstadion erneut seine äußere Form verändert. Ich bin gespannt, wie es nun auf mich wirkt.

Auffällig aber ist, daß die Leichtathletik weiterhin eine Heimstatt in Erfurt hat. Woran das im Endeffekt liegen mag, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Aber ich brauche nicht zu betonen, wie froh ich darüber bin. Und ich hoffe, daß das noch lange so bleiben möge.

Peter Grau

Werner Sonntag: Die Lauflegende, der Laufjournalist und Kultbuchautor wurde gerade 91 Jahre

Werner Sonntag Porträt

Meine erste Begegnung mit Werner Sonntag liegt sehr lange zurück. Es war  im Mai 1987, als ich auf meiner ersten Westreise nach dem Mauerbau 1961  in der Heimat von Werner Sonntag, im Stuttgarter Raum, konkret in Ostfildern, weilte und mit  Werner in den Schwarzwald fuhr, um dort am 3. Internationalen Schluchseelauf über 18 km teilzunehmen. Vor allem ist mir davon in Erinnerung, daß wir am 3.Mai in der Nähe des Feldbergs noch Schnee vorfanden.

Meine Medaille vom Schluchseelauf:

Werner Sonntag Schluchseelauf

Ein Jahr später nutzte ich erneut die Gunst der Stunde, eher die Gunst des Verwandtseins. Mein Onkel Karl, der in Eßlingen bei Stuttgart wohnte, hatte im Mai Geburtstag (er wurde 89 Jahre),  und das war eine dringende Familienangelegenheit, lt. DDR-Terminus. So durfte ich wieder  zwei Wochen in den Westen reisen. Am 28. April kam ich in Stuttgart an, nach einem Stadtbummel bin ich am Nachmittag nach Ostfildern gefahren, wo Werner Sonntag schon damals wohnte. Ab 17 Uhr, so meine Aufzeichnungen, lief ich mit Werner 11 km auf seiner Hausstrecke. Anschließend folgte ein leckeres Abendessen bei ihm und seiner Frau. Danach fuhr ich wieder zu meinem Onkel, feierte am 2. Mai dessen Geburtstag. Am 6. Mai hatte ich mich dann mit Werner Sonntag am Stuttgarter Hauptbahnhof verabredet, um mit ihm nach München zu fahren, wo wir dann beide am 8. Mai den München-Marathon liefen. Ich war mit meinen 3:32:19 h glücklich, Werner mit seinen 3:45 h. Am Nachmittag ging es dann per Auto mit Werner Sonntag zurück nach Stuttgart.

Meine Medaille vom München-Marathon:

Werner Sonntag München-München-Marathon

Das nächste Treffen mit Werner Sonntag folgte ein Jahr später, 1989. Wieder liefen wir gemeinsam auf seiner Hausstrecke, trafen uns beim Abendessen. Gemeinsam mit ihm fuhr ich dann nach Zürich, ich lief den Halbmarathon und er den Marathon.

Dann fiel die Mauer, ich konnte nun ohne besondere Gründe in den Westen fahren. Und weil ich dann als Anlaufpunkt meine Tante Gerda in Stuttgart-Feuerbach hatte, traf ich mich noch einige Male mit Werner Sonntag.

In Berlin begegneten wir uns am Rande eines Berlin-Marathons. Werner lief damals mit, ich verletzungsbedingt nicht:

Werner Sonntag Begegnung beim Berlin-Marathon

Ansonsten blieb uns der briefliche Kontakt. Er verfolgte meine Aktivitäten in der Zeitschrift „Leichtathletik“, ich seine in diversen Zeitschriften und seit langem auch im Internetdienst „LaufReport“, wo Werner Sonntag eine wöchentliche Kolumne hat.

Und in diesem „LaufReport“ las ich auch eine lange, sehr inhaltsreiche Geschichte, die Wolfgang W. Schüler über Werner Sonntag aus Anlaß dessen 90.  Geburtstags geschrieben hat.

Lesen Sie diese Geschichte  unter:  http://www.laufreport.de/impressum/team/sonntag/sonntag.htm

Am 22. Juni 2017 wurde Werner Sonntag 91 Jahre. Ich wünsche ihm vor allem viel Gesundheit und weiter eine flotte Feder. Es sind nur noch 9 Jahre bis zur 100!

Peter Grau

Anna Rüh – die Diskuswerferin aus Magdeburg

An manche Interviews kann man sich als Journalist noch recht gut erinnern. Mir geht es so mit einem Interview mit der Diskuswerferin Anna Rüh. Bei einem meiner vielen Besuche der Halleschen Werfertage drängte sich im Mai 2012 die damals 18-Jährige durch ihre Leistung förmlich auf. Zwar war sie anfangs recht zurückhaltend, als ich sie in der Aufwärm-und Ruhehalle um ein Gespräch bat. Kein Wunder, denn ich nehme an, daß das ihr erstes großes, langes Interview wurde.

Anna Rüh Porträt vier

 

Und für mich war es deshalb so reizvoll, weil es meine erste Begegnung mit der langaufgeschossenen Blondine war. Da kann man dann viel fragen, erfragen und so war es dann auch. Es war ein ergiebiges Gespräch und im Ergebnis kam die folgende Geschichte zustande, die am 24. Mai 2012   bei leichtathletik.de   erschien:

Anna Rüh in neuen Dimensionen

Geplant hatte Anna Rüh (SC Neubrandenburg) eigentlich nur mit der U20-WM im Juli in Barcelona (10. bis 15. Juli 2012). Diese Planung wurde bei den Halleschen Werfertagen am Samstag ordentlich durcheinander gewirbelt: Mit einem Wurf auf 63,04 Meter überbot sie die Olympia-Norm und kann nun auch mit einem Olympia-Ticket liebäugeln. Glück brachte der 18-Jährigen in Halle ein ganz besonderes Wurfgerät.

Die schwarze Diskusscheibe, die Anna Rüh mit zu den Werfertagen gebracht hatte, nutzte einst die dreimalige Weltmeisterin Franka Dietzsch, die zu ihrer aktiven Zeit ebenfalls für den SC Neubrandenburg startete. Bei der WM 2007 in Osaka (Japan) schleuderte sie ihn auf die Siegesweite von 66,61 Meter.

An ihren Wurf vom Vormittag konnte Anna Rüh sich schon am Nachmittag nicht mehr so recht erinnern. „Ich war wahrscheinlich so erleichtert, dass ich es geschafft habe, und dann fiel eine Last von mir.“ Auf die Frage, ob sie danach sofort an London gedacht habe, lautete die spontane und ehrliche Antwort: „Ja, denn ich habe einen Meter über der Norm geworfen!“

Ticket nach London umkämpft

Anna Rüh räumte allerdings ein, dass die Reise nach London noch lange nicht gebucht sei. „Ich habe zwar gute Chancen, aber es gibt auch noch andere Werferinnen, die die Norm packen könnten.“

Dazu zählen sicherlich Heike Koderisch (SC Magdeburg) oder die ebenfalls noch der U20-Jugend angehörende Shanice Craft (MTG Mannheim).

Auch Bundestrainer Werner Goldmann bestätigte: „Natürlich haben im Moment Nadine Müller, Julia Fischer und Anna Rüh die besten Karten. Aber ich denke, dass auch andere Athletinnen bei guten Bedingungen noch in den Normbereich kommen können.“

Respekt vor Frauen-Konkurrenz

Nach dem U20-Wettbewerb am Vormittag maß sich Anna Rüh am Nachmittag mit den Frauen und zeigte einigen Respekt: „ Das ist natürlich ein Riesenniveau. Da versucht man sich anzupassen an dieses Niveau. Aber ich war auch viel nervöser“.

Aus nächster Nähe konnte sie beobachten, wie Nadine Müller (Hallesche LA-Freunde) mit 66,68 Metern alle Konkurrentinnen hinter sich ließ und auch Julia Fischer (SCC Berlin) mit 63,37 Metern erneut die Olympianorm übertraf. Sie selbst konnte ihre Leistung vom Vormittag bestätigen und wurde mit 62,32 Metern Sechste.

Trainingsleistung bestätigt

Für die blonde Athletin kam die Leistungssteigerung nicht überraschend. „Ich habe im Training gesehen, dass ich über 60 Meter werfen kann. Und im Wettkampf bin ich noch stärker als im Training, denn da kommt noch das Adrenalin hinzu.“

Trainiert hatte der Schützling von Dieter Kollark in der letzten Zeit nicht nur im heimischen Neubrandenburg, sondern auch viel in Kienbaum bei Berlin. Zwar habe sie sich von den Kraftwerten her nicht viel gesteigert, nur etwas an Körpergewicht zugelegt habe sie, die bei 1,84 Meter Größe jetzt rund 80 Kilogramm wiegt. „Aber wir haben viel Technik trainiert, und das hat sich ausgezahlt.“

Erstmals war sie zudem für eine Woche mit den anderen Spitzenwerfern im Trainingslager in Albufeira (Portugal). „Dort hat sie sehr gut trainiert, sodass die zweimalige Normerfüllung für mich keine Überraschung darstellt“, berichtete Bundestrainer Werner Goldmann.

Kaufmännische Ausbildung

Das Leben der 18-Jährigen besteht allerdings nicht nur aus Sport. In Neubrandenburg hat Anna Rüh im Sportgymnasium den Realabschluss gemacht und dann ein Jahr lang ein Praktikum in der Unternehmensberatung Hannig absolviert.

Da ihr das gefiel, begann sie dort anschließend eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Und sie hat das Glück, dass ihr Chef sportbegeistert ist und ihr für Training und Wettkämpfe die nötigen Freiräume lässt.

Im Jahr 2011 holte sie sich in Tallinn (Estland) bei der U20-EM mit dem Diskus Silber und bewies mit Bronze im Kugelstoßen ihre Vielseitigkeit. Doch gegenwärtig konzentriert sie sich mehr aufs Diskuswerfen. „Wir haben das Kugelstoßen etwas zurückgestellt, aber ich fange damit bald wieder an“. Vielleicht wird sie bei der U20-WM in Barcelona sogar wieder mit beiden Geräten antreten.

Anna Rüh von Dirk Gartenberg

Anna Rüh als Kugelstoßerin (Foto: Dirk Gantenberg)
Schwarzer Diskus als Glücksbringer

Dass Anna Rüh nicht unbedingt mit der Olympiachance gerechnet hatte, zeigt sich auch darin, dass über die nächsten Wettkämpfe noch keine Klarheit herrscht. „ Ich werde in Leipzig starten und dann natürlich bei den Deutschen Meisterschaften. Mehr weiß ich noch nicht“.

Fest steht, dass sie auch bei den nächsten Wettkämpfen wieder auf die Disken von Franka Dietzsch zurückgreifen wird. Im Moment bringt ihr die schwarze Scheibe von Osaka Glück: „Wenn man weiß, dass der Diskus schon mal so weit geflogen ist, dann vertraut man ihm.“ Und Anna Rüh hätte nichts dagegen, wenn der Diskus auch bei den Olympischen Spielen in London weit fliegen würde.

Soweit meine Geschichte über Anna Rüh aus dem Mai 2012.

 

2012 wurde dann für Anna Rüh das  international bisher erfolgreichstes Jahr. Bei der EM in Helsinki wurde sie Vierte, zwei Wochen danach gewann sie den Titel bei der Junioren-WM und bei den Olympischen Spielen in London erreichte sie einen zehnten Platz.

 

Die Jahre zwischen 2012 und 2016

Natürlich habe ich ihren weiteren Weg mit besonderem Interesse verfolgt, weil solch ein  Premiereninterview  auch im Gedächtnis bleibt.

Seitdem sind immerhin fast fünf Jahre vergangen.  Anna Rüh wirft weiterhin den Diskus, aber es hat sich seit 2012 viel getan.  Sie hat ihren Verein gewechselt, ist von Neubrandenburg nach Magdeburg gezogen. Und auch beruflich und privat hat sich einiges verändert.

 

Doch wie ist die aktuelle Lage zu Beginn des Jahres 2017?  Da hat einer Licht ins Dunkel gebracht, der selbst bis vor kurzem im Hochleistungssport als 400-m-Hürden -Läufer in der deutsche Spitze aktiv war, für den SC Magdeburg startete und deshalb auch Anna Rüh gut kennt: Varg Königsmark.

Königsmark bestes Profilfoto

Varg Königsmark  (Foto: Dirk Gantenberg)

Varg Königsmark hat 2016 die Spikes an den berühmten Nagel gehängt, studiert weiterhin Psychologie an  der Otto-von-Guericke-Universität von Magdeburg. Gegenwärtig absolviert er  im französischen Grenoble ein Forschungspraktikum.

Warum hat aber hat er nun für leichtathletik.de  eine lange Geschichte über die Diskuswerferin Anna Rüh geschrieben?  Varg Königsmark erzählt es mir so: „ Es war, wenn man so will, so etwas wie mein Pilotprojekt. Seit ich Jack Kerouac (US-amerikanischer Schriftsteller mit franko-kanadischen Wurzeln) gelesen habe, war es immer mein Wunsch, es nebenher im Schreiben zu versuchen. Und jetzt, da ich mit der Leichtathletik aus Athletenperspektive aufhören mußte, erschien es mir als ein günstiger Zeitpunkt, dahingehend mal einen kleinen Versuch zu starten.“

Königsmark Hürden mit Georg Fleischhauer

Varg Königsmark (rechts) und Georg Fleischhauer im Hürdenwald (Foto:  Dirk Gantenberg)

 

Vielleicht bleibt das auch keine „Eintagsfliege“, denn Varg Königsmark  erklärte mir auch:

„ Ich könnte mir schon vorstellen, auch gepaart mit der Psychologie, in diesen Bereich etwas weiter vorzudringen (Thema Fachjournalismus z.B.). Die Psychologie ist ja die Lehre menschlichen Verhaltens und Erlebens und daher finde ich es sehr „verlockend“, „ über Menschen“  zu schreiben, mich ausführlich mit den Hintergründen zu befassen. “

Seine aktuelle Geschichte über Anna Rüh jedenfalls ist sehr lesenswert. Unter der Überschrift „Anna Rüh und das verflixte Jahr 2016“ wurde sie bei  leichtathletik.de  am 17. Februar 2017 veröffentlicht.

Lesen Sie bitte unter: https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/anna-rueh-in-neuen-dimensionen/

Wer noch mehr über Anna Rüh wissen möchte und wer viele Fotos sehen möchte, kann deren sehr beeindruckende Homepage   www.annarueh.de   besuchen.

Und wer sie in Aktion mit der Diskusscheibe sehen möchte, der muß zu einem der kommenden Wettkämpfe der leichtathletischen Sommersaison kommen.

Ich werde sie wahrscheinlich, wenn wir beide den Weg nach Halle/Saale zum diesjährigen Werfermeeting finden, dort wiedersehen. Nach nunmehr fünf Jahren, seit unserer ersten Begegnung.

 Peter Grau

 

 

Die Hallen-Europameisterschaften der Leichtathleten in Belgrad: Wie war die öffentliche Wahrnehmung?

 

Yvette eins eins Belgrad

Die Hallen-Europameisterschaften der Leichtathleten  fanden vom 3. bis 5. März 2017 im serbischen Belgrad statt und aus deutscher Sicht waren sie recht gelungen. So werden es sicher die Journalisten vor Ort empfunden haben.  Wenn man selbst am Ort des Geschehens weilt, dann erhöht man schnell die Wichtigkeit des Ereignisses.

Ich erinnere mich, daß es mir sowohl bei nationalen als auch bei internationalen Titelkämpfen ähnlich erging. International war ich 1994 in Paris und 1996 in Stockholm bei Hallen-Europameisterschaften, 1995 in Barcelona und 1997 in Paris bei Hallen-Weltmeisterschaften. Und gleich wo, die Halle hat mir immer sehr gut gefallen. Vor allem war man dicht am Geschehen.

Dicht am Geschehen war ich auch diesmal, allerdings zuhause. Zunächst versuchte ich es über Eurosport. Aber der Zugang zu Eurosport 2 war mir einfach zu kompliziert. So nahm ich mit den kurzen Berichterstattungen bei Eurosport 1 vorlieb und schaute dafür ausgiebig den Livestream des Europäischen Leichtathletikverbandes  (EAA). Zwar fehlte da eine Kommentierung, aber die brauchte ich nicht.

Mein Ärger, daß ARD und ZDF erneut nur als Wintersportsender auftraten, hielt sich deshalb in Grenzen. Allerdings machte ich mir schon Gedanken, wenn in epischer Länge beispielsweise Eisschnellaufwettbewerbe übertragen wurden. Irgendwie scheint die Leichtathletik in den Medien doch immer mehr zu einer Randsportart tendieren. Und das nicht nur im Fernsehen, sondern auch in der Presse.

Da ist es tröstlich, daß  zumindest das schriftliche Angebot durch leichtathletik.de   und durch die EAA  perfekt war.

In Ruhe konnte ich beobachten, wer sich so alles in Richtung Belgrad begeben hatte. Eine meiner Facebook-Freundinnen, die Ex-DDR-Mittelstrecklerin Yvette McKoy (geb. Grabner),  hatte den weiten Weg aus dem kanadischen Toronto nicht gescheut:

Yvette vier Halle

Und sie traf am Rande des Geschehens einige gute Bekannte aus früheren Zeiten.

So den italienischen Mittelstreckler Stefano Mei:

Yvette fünf Stefano Mei

 

Den britischen Mittelstreckler Steve Cram:

Yvette Steve Cram

 

Den sowjetischen Weitspringer Robert Emmijan:

Yvette sechs Robert Emmijan

 

Den Ex-Stabhochspringer Sergej Bubka:

Yvette dreizehn Sergej Bubka

 

Carol Coe, die Gattin von Sebastian Coe (IAAF-Präsident) und zwischen beiden Damen der Direktor des Tesla-Museums:

Yvette Coes Frau

 

Die österreichische Kugelstoßerin  Walentina Fedjuschina:

Yvette zwei Fedjuschina

 

Den britischen Hürdenkurzsprinter Colin Jackson:

Yvette sieben Colin Jackson 110 m H

 

Eine besondere Überraschung  erwartete sie dann noch.   „Fahre in ein anderes Land und du triffst einen Freund aus deiner Heimatstadt“. Und wer war das?  Ex-Sprinter Ben Johnson, der 1988 bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul  erstmals    in die Dopingschlagzeilen geriet. Fast 29  Jahre ist das nun schon her.

Yvette zwölf Ben Johnson

(alle Fotos: Yvette McKoy)

Über Doping sprach man in diesen Europameisterschaftstagen nur wenig. Allein beim Sieg des polnischen Kugelstoßers Bukowiecki    konnte sich Reporter Sigi Heinrich nicht zurückhalten. Er verwies darauf, daß der Pole im Sommer eine positive A-Probe (also den Dopingnachweis) hatte, die B-Probe aber später verschwand und nicht geprüft werden konnte.

Doch das war nur ein kleiner Schatten, der über diese Europameisterschaften gelegt wurde.

Peter Grau

Nach ihrer Rückkehr nach Toronto schickte mir Yvette McKoy noch einige Fotos:

Zunächst vom ersten Halbfinale der Hürdensprinterinnen:

Yvette sieben Belgard vo rdem Start

Und dann vom Start des Finales der Hürdensprinterinnen:

Yvette fünf Belgrad Start Hürden

Yvette vier Belgrad

 

Und zuletzt vom Kampf der Fotografen um die besten Fotos von den drei besten Weitspringerinnen, der Siegerin Ivana Spanovic (Serbien) , der Zweitplazierten Lorraine Ugen (Großbritannien)    und der Drittplazierten  Claudia Salman-Rath (Deutschland):

Yvette zwölf Spanovic allein nach #Sieg Yvette elf Spanovic nach Sieg

Nachklang:

Passend zum Thema Leichtathletik hat Achim Achilles bei Spiegel-Online einen sehr lesbaren Artikel unter der Überschrift „ Früher war mehr Dreisprung“ geschrieben.  Nachzulesen unter:

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/achilles-verse-frueher-war-mehr-dreisprung-a-1137193.html

 

Wo sind die Freunde geblieben…

Der sonntägliche Spaziergang führte mich nicht weit, „nur“ bis zum nahen Fitneßstudio. Diesmal stand vormittags Ausdauertraining auf dem Plan. 25 Minuten spulte ich auf dem Fahrradergometer ab,  bewältigte dabei 10 km und arbeitete 200 kcal ab. Nicht viel, aber Punkt 12 Uhr wartete die Ente auf dem Mittagstisch. Am späten Nachmittag ein zweiter Spaziergang, wieder ins Studio. Aber, keine Angst, ich will mich nicht übertrainieren. Vielmehr suche ich ab und an die Entspannung, verbunden mit Massage, auf diesem Wunderwerk der Technik:

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Diesmal wählte ich das Programm Nr. 82  mit dem Titel    Freundschaft.

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Und hörte entspannt zehn Minuten zu, wie mir aus den Kopfhörern all das, was sich um Freundschaft, um Freunde, rankt, von einer angenehmen Frauenstimme überbracht wurde. Sofort kam der Gedanke, daraus eine kleine Geschichte für meine Homepage zu gestalten.

Dabei dachte ich zunächst nicht an die vielen Freundschaftsanfragen, die ich zuletzt bei Facebook stellte, und die mich auf die Schnelle auf über 700 brachten. Ich finde den Terminus „Freunde“ in diesem Zusammenhang richtig, weiß aber auch, daß damit nicht der ursprüngliche Gedanke von „echten“ Freunden gemeint ist.  Doch was sind „echte“ Freunde?

Schulfreunde

Meine Schulzeit in Erfurt liegt weit zurück. In der Grundschule hielten sich echte Freundschaften in Grenzen.  Ich kam mit allen gut aus, mehr nicht.

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Mit 14 Jahren kam ich dann in die Heinrich-Mann-Oberschule, dicht am großen Stadion, dem Georgij-Dimitroff-Stadion, gelegen. In dieser Zeit entwickelte sich die Freundschaft vor allem zu Bernd, mit dem ich den gemeinsamen Schulweg teilte, aber auch viele Erlebnisse in der Schule und in der Freizeit.

Schulfreunde Bernd Peter

Oben mit Bernd, unten mit Peter

 

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Schulfreunde Oberschule

Auch mit Peter spazierte ich oft gemeinsam zur Schule, aber unsere Wege trennten sich dann, als ich nach Ostberlin zog und er in Erfurt bzw. Jena blieb. Mit Bernd aber hatte ich auch nach der Schule engen Kontakt, denn wie es der Zufall wollte, kam er nach seinem Physik-Studium in Jena auch nach Ostberlin, zum Institut  Manfred von Ardennes. Und wir wohnten im Stadtbezirk Lichtenberg in enger Nachbarschaft, nur 500 m voneinander getrennt. Wir besuchten uns öfters, sahen unsere Kinder heranwachsen.   Auch heute besteht noch eine Verbindung, wenn wir auch räumlich auseinandergerückt sind. Er wohnt in Grünheide bei Berlin, ich in Neuruppin.

Armeefreunde

Von 1958 bis 1960  war ich bei der Armee, genauer bei einer Artillerieeinheit auf der „Henne“, einer Kaserne vor den Toren Erfurts. Sicherlich verstand ich mich dort mit  manchen Kameraden besser, aber geblieben ist aus dieser Zeit keine Freundschaft.

armeefreunde

 Studienfreunde

1960 zog ich dann nach Berlin, begann ein Jahr später mein Studium an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt – Universität. In meiner Studiengruppe bildeten sich schnell Grüppchen. Um mich scharte ich mit Klaus, Wolfgang und Manfred drei Leute, die ich Freunde nennen konnte. Und einen besonders, Klaus Fricke. Da erinnere ich mich auch heute noch, daß er für mich ein echter Freund war. Doch nach dem Studium riß irgendwann der Kontakt, weil wir uns beide beruflich und räumlich voneinander entfernten. Bedauert habe ich das immer. Und ich versuche nun, seine Spuren wieder aufzunehmen. Vielleicht hilft das Internet dabei.

studienfreunde

Lauffreunde

Einen wesentlichen Raum meines Lebens in Ostberlin bildete seit 1978 meine Laufleidenschaft.  Ich meldete mich bei der BSG Empor Brandenburger Tor (EBT) an, und bestritt alle Wettkämpfe für diesen Verein.

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Das Training aber absolvierte ich gemeinsam mit der  dortigen Laufgruppe in Berlin-Friedrichsfelde. Dort hatte ich mit dem Laufen begonnen und schnell Gleichgesinnte gefunden.

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rennsteig-1987

Vor allem das fast tägliche Lauftraining schweißte uns zusammen. Mit dabei auf den Wegen vom Zachertsportplatz bis in die Wuhlheide waren damals vor allem: Jürgen, Horst, Bernd, Siggi, Manfred, Gunther, Günther, Klaus, Werner. Später kamen ein weiterer Klaus (der Entwickler meiner Homepage) und Birgit hinzu. Rainer und Udo liefen die gleichen Wege, aber viel schneller als wir.

Aber wir waren nicht nur im Training beisammen. Bei vielen Laufveranstaltungen rückten wir und unsere Familien zusammen, feierten dort unsere Siege und Niederlagen. Und auch außerhalb der Lauferei trafen wir uns,  bei Geburtstagen, im normalen Alltag und regelmäßig bei gemeinsamen Silvesterfeiern im damals noch eingemauerten Land.  Es waren für mich alles  echte Lauffreunde, und da Laufen zu dieser Zeit für mich ganz oben stand, eben auch Freunde.

Auch außerhalb unserer Laufgruppe fand ich viele Lauffreunde. Ob Roland,  Wolfgang, Udo, Gerd, Rosi, Bertold, Ute, Inge, Fritz, Volker, Gerhard… diese Reihe kann ich nach Belieben noch erweitern…

Mit allen hatte ich ein freundschaftliches Verhältnis, auch wenn sie nicht zu meinen „echten“ Freunden wurden.

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Nur einer, dem ich sehr nahe war, enttäuschte mich später. Klaus traf ich oft, er schrieb meine Laufpläne, führte mich im Marathon ganz dicht an die 3-Stunden-Grenze. Auch nach der Wende sahen wir uns noch am Rande von Wettkämpfen. Doch die Enttäuschung kam, als ich dann meine Stasi-Akte las. Er, mein Freund, war ein IM (Informeller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit), der mich beschattete. Als ich das aus den Akten erfuhr, brach fast eine Welt für mich zusammen. Vor drei Jahren rief er mich an, stellte sich als Zatopek vor (das war sein Deckname). Er meinte, diese Zeit verdrängt zu haben, betonte die beruflichen Zwänge, die auf ihm lasteten. Aber überzeugen konnte er mich damit nicht.

Doch das war Gottseidank ein Einzelfall. Es sei denn, weitere Forschungen in den Stasiakten ergeben für mich neue Erkenntnisse.

Freunde auf Arbeit

Damals in Berlin bestand das Leben nicht nur aus dem Laufen. Auch die Arbeit bot  die Gelegenheit, Freunde zu gewinnen. Doch das ist wieder ein neues Kapitel, was ich demnächst  angehen möchte. Es ist ja das Schöne an solch einer Homepage, daß man die Geschichten immer wieder ergänzen kann.

Journalistenfreunde

Ab ca. 1985 stieg ich auch in das Journalistenleben ein. Nach der Wende durfte ich auf vielen Leichtathletikveranstaltungen in aller Welt dabei sein, und dort entwickelten sich naturgemäß engere Bindungen zu manchen Kollegen.

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Olaf Brockmann Porträt mit Telefon

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Ob  Klaus, Frank, Rolf, Anja, Silke, Ursula, Christian, Norbert, Jörg, Wilfried, Jochen, Karl-Heinz, Peter, Ralf, Martin, Werner,  Dirk, Iris, Gladys und viele andere, mit ihnen verstand ich mich immer recht gut. Zwar wurden es keine „echten“ Freunde, denn  so etwas gedeiht wohl auch nur, wenn man recht dicht beieinander wohnt. Aber es waren und sind noch immer Menschen, mit denen man sich versteht, mit denen man sich austauschen kann.

Freunde in Neuruppin

Seit langem gehört auch Neuruppin zu meinem Lebenskreis. Pendelte ich anfangs von Berlin nach Neuruppin, bin ich nun seit 2005 hier ansäßig. Und auch hier habe ich mir zunächst meine Freunde in der Laufszene gesucht. Zunächst war ich Stammgast beim Hubertuslauf, der auch über die Stadtgrenzen hinaus seine Anziehungskraft hatte und hat. Und dann fand ich auch hier eine kleine Laufgruppe, mit der ich oft trainierte. Wir trafen uns jeden Sonntag am Birkenweg, und von da aus ging bzw. lief es hinaus, zur Schleuse Neumühle, weiter bis Stendenitz. Es fand sich ein harter Kern, mit  Gerald, Siggi,  Franzer, Gerhard u.a.

Und ich malte mir aus, wie ich später mal, als Rentner, mit diesen Läufern weiter zusammen sein würde. Denn es war ja nicht nur das Laufen, sondern auch das pausenlose Reden über Gott und die Welt während des Laufens. Doch daraus ist leider nichts geworden. Ich bin der Einzige, der noch läuft. Die anderen haben das Laufen aufgegeben, zumeist wegen körperlicher Probleme.

Es wurde also nichts mit der lebenslangen Freundschaft. Vielleicht ist das Laufen auch nur ein zu dünnes Band…

Wie wichtig sind Freunde?

Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich gemerkt, daß ich selten „richtige“ Freunde hatte. Vielleicht liegt das aber auch daran, daß ich immer selbst „mein bester Freund“ war, sprich, ein wenig meinen Egoismus übertrieb. Doch diesen Charakterzug zu ändern, ist nun wohl auch nicht mehr möglich. So muß ich, und das tue ich gern, den einzigen wahren Freund, mit dem ich mich über alles austauschen kann und zu dem ich mit allen Sorgen gehen kann, festhalten: meine Lebenspartnerin Ruth:

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Neues von Diskusolympiasieger Christoph Harting

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Christoph Harting

Mit allen Dreien, mit Christoph Harting, mit seinem Bruder Robert Harting und mit deren gemeinsamen Trainer Torsten Lönnefors  (früher Schmidt) hatte ich früher direkten Kontakt gehabt. Zunächst mit Robert Harting, den ich als Jugendlichen zunächst im Wurfhaus des Sportzentrum in Berlin-Hohenschönhausen traf und einige Jahre später  bei den Berliner Meisterschaften im Stadion Lichterfelde in Berlin-Wilmersdorf , wo er mich in einem längeren Gespräch sehr tief in seine Seele blicken ließ.

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Robert Harting

Seitdem sind wir uns oft über den Weg gelaufen, und er hat, wie es so seine Art ist, immer offen auf meine /unsere Fragen geantwortet.

Etwas anders war es bei seinem Bruder Christoph Harting. Ihn hatte ich einmal bei der Vorstellung des Berlin-Teams in der Berliner Spielbank am Potsdamer Platz gesprochen. Ich erinnere mich, daß es nicht ganz einfach war, von ihm etwas zu erfahren, aber im Laufe unserer Unterhaltung erfuhr ich das, was ich wissen wollte. Danach ergab sich nicht mehr die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, aber das lag allein daran, daß er mit seinen Leistungen zunächst nicht ganz oben ankam und meistens im Schatten seines Bruders stand.

Dann aber, als sich Christoph Harting immer mehr nach vorn schob,  war ich nicht mehr in die aktuelle Berichterstattung eingebunden. So wurde mir auch das Jahr 2016 erspart, als Christoph, aus welchen Gründen auch immer, die Journalisten mit Nichtachtung strafte und keine Interviews mehr gab.

Die Sprache wiedergefunden hatte er dann einige Wochen nach seinem Olympiaerfolg von Rio.  Mein Kollege Jan-Henner Reitze von leichtathletik.de  gelang das erste Interview nach der „Sendepause“.

Trainerwechsel

Zwischen und mit beiden Diskusriesen agierte Trainer  Torsten Lönnfors (früher Schmidt). Ihn hatte ich früher in seiner aktiven Zeit vor allem deshalb in Erinnerung, als er im Winter keine Wettkämpfe für die Diskuswerfer im Freien gab und er sich deshalb an den Kugelstoßwettbewerben in der Halle beteiligte und ich ihn in der Rudolf-Harbig-Halle in Berlin sprechen konnte.

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Torsten Lönnfors (mit Sonnenbrille) bei den Hallenser Werfertagen

Nun, im Jahre 2017, ist alles etwas anders geworden.  Torsten Lönnfors trainiert zwar weiter Christoph Harting, aber Robert Harting und dessen Ehefrau Julia Harting (geb. Fischer) werden nun von Marko Badura betreut, der von Leipzig nach Berlin wechselte.

 

Über den aktuellen Stand hat sich mein Kollege Michael Reinsch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)  mit Trainer Torsten Lönnefors unterhalten und am 3. Januar 2017 dazu einen Beitrag in der FAZ veröffentlicht.

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Michael Reinsch (FAZ)

 

Diskuswurf-Olympiasieger Harting plant das nächste verrückte Ding

Die Arbeit sei nicht leichter geworden, sagt Torsten Lönnfors. Vielleicht kann  man sagen, sie ist etwas entspannter geworden. Die Spannung ist raus aus dem täglichen Geschäft“. Der Berliner Diskus-Trainer betreut statt zwei Hartings nur noch einen, statt den einen Olympiasieger den anderen.

Lesen Sie weiter unter

http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/diskuswurf-olympiasieger-will-80-meter-weit-werfen-14592488.html

 

Amsterdamer Impressionen

Die Europameisterschaften der Leichtathleten in Amsterdam sind nun schon seit fast einer Woche Vergangenheit. Aber für die, die dabei waren und für die, die alles am Fernseher verfolgt haben, wirken sie noch nach. Mein Journalisten-Kollege Olaf Brockmann war wie so oft direkt am Ort, und er hat nebenher einiges Sehenswerte aus Amsterdam mit seiner Kamera erfaßt.  Schwelgen wir gemeinsam in den Erinnerungen.  (bitte einmal auf die Fotos klicken).

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Als Zuschauer 1928 bei den Olympischen Spielen in Amsterdam

Amsterdam EM klein Einführungsfoto

Vom 6. Juli bis 10. Juli 2016 finden in Amsterdam die Europameisterschaften der Leichtathleten statt, und zwar in dem Stadion, das 1928 als Wettkampfstätte für die Olympischen Spiele diente.

Als gestern mein Wiener Journalistenkollege Olaf Brockmann ein Foto vom Olympiastadion Amsterdam aus dem Jahre 1928 postete, erinnerte ich mich sofort daran, daß mein Vater Walter Grau als Zuschauer auch bei diesen Olympischen Spielen zugegen war. Er hat mir zwar nie davon erzählen können, weil er aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurückkam, aber ich fand kürzlich einige Fotos, die er damals gemacht hatte. Zwar ist die Qualität der Fotos nicht mit heutigen Maßstäben zu messen, aber sie sind immerhin ein Zeitdokument.

Zunächst bannte er zweimal Langstreckler Paaovo Nurmi auf seinen Film und schrieb dazu, daß dieser im 5000-m-Lauf gerade wieder Konkurrenten überrundet.

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Aber es reichte für den Finnen in 14:40,0 min „nur“ zum zweiten Platz hinter seinem finnischen Landsmann Ville Ritola (14:38,0).  Dafür drehte Nurmi dann über 10.000 m den Spieß um und holte sich in 30:18,8 min Gold.

Nurmi war zu dieser Zeit in aller Munde, und ich erinnere mich, daß wir in der Schule auch „so schnell wie Nurmi“ laufen wollten.  Später begegnete ich Nurmi nochmals, allerdings in Stein, als Denkmal vor dem Stadion in Helsinki.

 

Damals 1994 war ich Berichterstatter bei den Europameisterschaften der Leichtathleten.

Und nochmals kam mir der Name „Nurmi“ unter. Das war allerdings in einem unerfreulichen Zusammenhang. Als vom Staatssicherheitsdienst der DDR über mich eine Akte angelegt wurde, wählte man für meine Person den Namen „Nurmi“, wohl wegen meiner damaligen intensiven Lauf – und  Marathonambitionen.

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Doch zurück ins Jahr 1928. Warum war mein Vater überhaupt nach Amsterdam gefahren? Wie ich aus Briefen und durch Fotos mitbekam, war er schon von Jugend an sehr sportinteressiert. Alles, was irgendwie möglich war, betrieb er. Ob es nun der Skisport war, der Segelsport oder der Hockeysport, er schien alles auszuprobieren. Stolz war er u.a. auf die Besteigung des Großglockners (mein Vater links):

Vater Großglockner

Viel Gefallen fand er auch an Mannschaftssportarten, so vor allem am Hockeysport, der damals noch viel populärer war als heute:

Vater Hockeymannschaften

Die schönsten Erlebnisse hatte er wohl mit dem THC Apolda, dem Thüringer Hockeyclub Apolda. Hier bei einem Gastspiel in München (mein Vater erste Reihe, rechts):

Vater THC Apolda

Und mit dem Apoldaer Hockeyclub machte er sich auch auf die Reise nach Amsterdam:

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Apoldaer Hockeyclub vor der Abreise

Über  manche Fotos kann ich mir noch keinen Reim machen. So vom folgenden Foto, das meinen Vater (links) vor dem Zollamt in Bentheim zeigt:

Zollamt Bad Bentheim

Was wollte er dort? War es auf der Hinfahrt oder der Rückfahrt?  Gemeint ist wohl der Ort Bad Bentheim, der dicht an der niederländischen Grenze liegt.

Zu erkennen ist ein Gemälde, vielleicht ein teuerer „Holländer“? Bei uns zuhause aufgetaucht ist er nie, soweit ich mich erinnern kann.

Zu den anderen Fotos gibt es keinen roten „Erzählfaden“. Deshalb reihe ich sie so einfach aneinander, mit den Beschriftungen aus dem Fotoalbum.

Zunächst ein Foto von Helmut Körnig:

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Helmut Körnig (mein Vater schrieb Hellmuth Körnig) steht hier vor dem Trainingsquartier der Deutschen Olympiamannschaft. Körnig holte sich über 200 m die Bronzemedaille und als Schlußläufer der 4×100-m-Staffel Silber. Mit in dieser Staffel liegen Georg Lammers, Richard Corts und Hubert Houben.

 

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Grandhotel in Zandvoort, Trainings-Quartier der Deutschen Olympiamannschaft (rechts); links das Quartier der USA-Mannschaft und der kanadischen Olympiamannschaft auf einem großen Dampfer.

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Oben links:  Ablösung der Wache vor dem Königlichen Palais; Königliches Palais; Unten links: Die Kalverstraat, die schon damals sehr belebte Geschäftsstraße Amsterdams; daneben Blick auf den Centralbahnhof

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Links Hafengasse, rechts moderne Wohnbauten.

 

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Links Zoo in Amsterdam; rechts Markt.

 

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Am Nordseestrand in Zandvoort, wo man nach den Olympischen Spielen noch einige Tage Urlaub verlebte. Oben links Strandwagen; rechts daneben:  ein Teil der Hockeytruppe (mein Vater Zweiter von rechts); unten biegsame junge Damen.

Amsterdamer Hafen

Amsterdamer Hafen

 

Und dann noch zwei Fotos direkt zur Leichtathletik:

Schwarz-Rot-Gold weht am höchsten Mast. Lina Radke  hat die 800 m der Frauen gewonnen:

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Nochmals Helmut Körnig, u.a. Dritter im 200-m-Lauf,  vor dem Quartier in Zandvoort:

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Und somit haben wir wieder die Brücke (deren es in Amsterdam so viele gibt) zu den Leichtathletik-Europameisterschften, die morgen, am 6. Juli 2016 im Olympiastadion beginnen.

88 Jahre, nachdem mein Vater Walter Grau dort als Zuschauer weilte.

Peter Grau

Amsterdam EM klein Einführungsfoto

 

 

Kugelstoßerin Denise Hinrichs – Abschied und Ausblick

Jeder Abschied ist auch ein Anfang.  Und auch wenn ein Abschied manchmal  plötzlich und unerwartet kommt, kann es Gründe geben, die das Abschiednehmen geradezu herausfordern.

Denise Kunze klein Porträt Gantenberg

Denise Hinrichs im Jahr 2015 (Foto:  Dirk Gantenberg)

 

Kugelstoßerin Denise Hinrichs hatte sich für dieses Jahr 2016 viel vorgenommen, wollte zur EM nach Amsterdam. Aber auch die Olympischen Spiele waren ein Ziel. „ Die Rio-Norm von 18,50 Metern ist happig, aber durchaus ein Thema,“  ließ sie im Herbst 2015 verlauten.

Doch es lief 2016 nicht wie gewünscht bei der Wattenscheiderin. Zwar versuchte sie es nochmals bei der Deutschen Meisterschaft in Kassel, aber ohne Erfolg.  Drei ungültige Versuche kamen für sie ins Protokoll.

Und am Montag darauf, dem 27. Juni,  las ich bei Facebook eine Nachricht von Denise Kunze. Ich wunderte mich, denn dieser Name war mir bisher nicht bekannt. Nach wenigen Sätzen und nach dem Wort „ Kugel“ fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es mußte sich um Denise Hinrichs handeln.

Und das wurde bald noch deutlicher, als das folgende Hochzeitsfoto erschien:

Denise Kunze Hochzeitsfoto

Denise Hinrichs und ihr langjähriger Partner Thomas Kunze haben also geheiratet.

 

Davon, vom Abschied vom Sport, und von dem Hauptgrund des Abschieds informierte Denise also einen Tag nach Kassel in sehr emotionalen Worten Freunde und Bekannte im folgenden Facebook-Eintrag:

Veränderungen gehören zum Leben!

Es wird Zeit die Kugel in die Ecke zu legen und in die Zukunft zu blicken.
Bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel habe ich meine Karriere mit xxx beendet. Nicht schön, doch irgendwie auch passend zu mir!

Ich habe eine wirklich tolle Zeit in der Welt des Sports erleben dürfen.1996 startete ich beim Schwaaner SV, 2000 wechselte ich nach Neubrandenburg ehe ich 2007, beim TV Wattenscheid, mein Glück fand.

Ich feierte Erfolge (U20/ U23 Europameisterin, Vizehalleneuropameisterin mit meiner Bestleistung von 19,63 m u.s.w, doch fiel ich oft und lernte was es heißt ‚immer wieder aufzustehen‘! Ich möchte gar nicht lamentieren ‚Was wäre wenn…‘- Nein, ich möchte ‚Danke‘ sagen:

Danke, lieber Miro – für 9 Jahre, in denen du nicht nur Trainer, sondern auch Motivator, Zuhörer und Freund geworden bist! :-)

Danke, TV Wattenscheid– für 9 Jahre Treue in ‚Guten wie in schlechten Zeiten‘!

Danke, Dr.Carsten Radas– du hast wohl einen Einblick in meine Knie wie kein anderer 😉

Danke, Bundespolizei– mein Arbeitgeber steht seit 10 Jahren hinter mir und gibt/gab mir die nötige Sicherheit , den Leistungssport auszuüben!

Danke, liebe Familie und Freunde– ohne euch ist das Leben nur halb so schön!

Danke, mein lieber Ehemann Thomas -du musstest die letzten 5 Jahre so viel auf mich verzichten! Doch diese Zeit ist vorbei!

Danke an alle, die Teil unserer Hochzeit waren- Ihr habt diesen Tag wirklich unvergesslich werden lassen!
Lindi und Britta, ihr seid ganz tolle Freundinnen :-*

Und ganz zum Schluss freue ich mich über den schönsten und wichtigsten Grund, meine Karriere zu beenden! Mein Mann und ich erwarten im Dezember unseren Nachwuchs!

Wir freuen uns auf diesen Teil des Lebens und blicken freudig der Zukunft entgegen!

Danke an alle, die bis zum Schluss gelesen haben 😉

Denise

 

Denise Kunze klein mit Kugel 2015 HDM

Denise Hinrichs bei der Hallen-DM 2015 (Foto: Dirk Gantenberg)

 

Meine Begegnung mit Denise Hinrichs im Jahre 2011

Den sportlichen Weg von Denise Hinrichs habe ich sehr lange als Berichterstatter verfolgt. Und ich habe sie immer als eine  freundliche, auskunftsfreudige Athletin erlebt. Zuletzt, und das sehr ausgiebig, beim einem Mittagessen im Athletenhotel, vor dem Kugelstoßmeeting in Nordhausen. Das war im Jahre 2011 und auch damals erzählte sie einiges über ihre Verletzungssorgen. Da konnte ich noch nicht ahnen, daß dann am Wettkampfabend neue Sorgen hinzukamen. Der erste Kreuzbandriß ereilte sie und ich fühlte mich ein wenig schuldig, weil ich wenige Stunden zuvor mit ihr dieses lange Gespräch geführt habe. Seitdem habe ich es in der Regel unterlassen, mit Athleten vor dem Wettkampf zu plaudern.

Als ich jetzt Denise von meinen Schuldgefühlen berichtete, erteilte sie mir  gewissermaßen Absolution:  „Du musst dir da keine Vorwürfe machen. Mein Körper hat diese Schnellkraftsportart nicht so verkraftet.“

 

Soweit der Blick in die Vergangenheit. Und er wird unterstützt durch den Artikel, den ich damals 2011 nach dem Kugelstoßmeeting in Nordhausen für die Zeitschrift „Leichtathletik“ schrieb:

 

Denise Hinrichs erlitt Kreuzbandriss

Die Hallen-Vizeeuropameisterin Denise Hinrichs zog sich beim Kugelstoßmeeting in Nordhausen einen Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie zu. Am 17. Februar soll sie operiert werden.

So schnell schlägt das Schicksal manchmal zu. Denise Hinrichs (TV Wattenscheid 01) war voller Optimismus, der Wettkampf begann mit 17,81 Metern auch recht gut. „ Doch beim zweiten Versuch knackte es im Knie. Weil der Schmerz  nachließ, versuchte ich es nochmal, aber da hatte ich überhaupt keine Kontrolle mehr über das Knie und es tat auch sehr weh.“  Zwar ergab die erste Arztkontrolle in der Halle erstmal leichte Entwarnung, doch im Trainingslager in Kienbaum, wo sie anschließend mit ihrem Trainer Miroslaw Jasinski hingefahren war, kam der Schmerz zurück. Bei der Untersuchung im Berliner Unfallkrankenhaus wurde dann erstmals der Verdacht auf einen Kreuzbandriss geäußert und in Sendenhorst durch Dr. Carsten Radas bestätigt.

Zuversicht beim Mittagessen

Fünf Stunden vor dem Wettkampf hatte die Welt für die freundliche Athletin noch rosig ausgesehen.  Entspannt ließ sie sich im Athletenhotel das Mittagessen munden, nur am Eis hatte sie etwas auszusetzen. „Ich mag Schokoladeneis nicht, ebenso wenig wie Schokoladenpudding. Dafür aber  reine Schokolade“. Im Nachhinein eine Randnotiz, unwichtig im Vergleich zu gesundheitlichen Problemen.

Und über die erzählte die gebürtige Rostockerin ausführlich. Ihre sportliche Karriere hatte  2009 mit dem 2. Platz bei der Hallen-EM in Turin, dem 11. Platz bei der WM in Berlin und den beiden Bestleistungen von 19,63 Metern in der Halle und 19,47 Metern im Freien ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Beruflich konnte sie den Abschluss der Ausbildung bei der Bundespolizei in Cottbus als Erfolg vermelden. Aber danach lief bei der Polizeimeisterin im mittleren Dienst nicht alles rund.

„ Auf die Hallensaison 2010 hatten wir verzichtet, wegen der Ausbildung und auch deshalb, weil in Cottbus die Trainingshalle abgerissen worden war. Wir trainierten dann für die Sommersaison in Kienbaum, aber dort fing ich mir einen Norovirus ein. Bis Anfang Juni hatte mein Körper damit zu tun.“ Aber das war noch nicht alles. „Es traten, wie schon 2009, wieder Probleme zwischen Knie und Wade auf, die mich in der maximalen Belastung behinderten.“ Die Ärzte waren nicht sicher, woher die Probleme rührten, auf den MRT-Bildern war es nicht zu erkennen.  „Die Probleme blieben, meine Technik verschlechterte sich.“  Mit dem 8. Platz bei der EM in Barcelona (18,48 m) musste sie also noch zufrieden sein.

Im September 2010 ließ sich Denise Hinrichs am Knie operieren, stieg danach ins Training ein, doch im Dezember 2010 meldete sich die Wade erneut. Kurz vor dem Nordhausen-Meeting  war sie eine Woche im St. Joseph-Stift in Sendenhorst bei Münster,  dort, wo viele Athleten Linderung ihrer Schmerzen und kompetente Diagnosen suchen. Neue Hoffnung keimte.„ Dr. Radas als Arzt und Peter Müller als Physiotherapeut haben  nun wohl die Ursache für die Schmerzen gefunden, „ berichtete Denise Hinrichs und erläuterte den medizinischen Stand: „Hinter dem Kreuzband hat sich Kapselflüssigkeit gebildet, die sich verhärtet und bei Maximalbelastung in die Muskulatur drückt. Das wurde angespritzt und seit einer Woche bin ich nun schmerzfrei und hoffe, dass es so bleibt.“  Fünf Stunden später aber wusste sie, dass diese Hoffnung trog.

Dabei hatte die 1,80 m große Athletin, die von 2000 bis 2007 bei Gerald Bergmann in Neubrandenburg trainierte,  seitdem in Bochum –Wattenscheid wohnt und dort von Miroslaw Jasinski betreut wird, schon große sportliche Pläne geschmiedet.

„ Natürlich will ich zur Hallen-EM und zur WM nach Südkorea, und in der Weite will ich einfach noch eine Schippe drauflegen, auch in Richtung Olympia 2012“. Und Trainer Jasinski ergänzte: „Sicher sind auch die 20 m nicht unmöglich.  Und damit kann man jeden Wettkampf vorn mitbestimmen.“

Nun also dieser Rückschlag. „Es wird ein langwieriger Prozess werden. Aber ich werde noch stärker zurückkommen,“ macht sich Denise Hinrichs Mut. Und sicher hilft der Polizeimeisterin  dabei mental auch, dass sie ab Oktober 2010  ein Studium der Politikwissenschaften beginnen wird.

Peter Grau

(veröffentlicht in der Zeitschrift „Leichtathletik“ im Februar 2011)

Bei der Hallen-WM 1995 in Barcelona – Probleme mit Modem und Telefon

Barcelona klein Presseausweis vorn

Barcelona klein Presseausweis hinten

Die diesjährigen Hallen-Weltmeisterschaften der Leichtathleten in Portland (USA) bekam ich nur im Fernsehen und im Internet mit, war also nicht vor Ort. Aber immerhin darf ich meine Erinnerungen schweifen lassen, einige Jahre zurück, als ich selbst noch von solchen Großereignissen berichten durfte.

Ob bei den Hallen-Weltmeisterschaften 1995 in Barcelona und 1997 in Paris, ob bei den Hallen-Europameisterschaften 1994 in Paris und 1996 in Stockholm, immer hat mir die Hallenatmosphäre sehr gefallen. Da brauchte ich keinen Feldstecher, um wie bei manchen Freiluftveranstaltungen die einzelnen Athleten erkennen zu können. Hautnah war das in der Halle für mich, und genauso wichtig, auch für das Publikum.

Schwierig war damals für uns vor allem der Kampf mit der Technik. Und da meine ich nicht die Notebooks, die wir alle bereits besaßen, und die uns auch wenig Probleme beim Schreiben bereiteten. Komplizierter aber war es, das Ganze dann an die Heimatredaktionen zu überspielen. Ich habe diese ersten Zeiten mitgemacht, als das Modem Trumpf war. Es gab weder die kleinen Sticks, mit denen man ins Internet hineinkam, noch das WLAN.
Nicht alle hatten solch ein Modem am Anfang. So erinnere ich mich, daß ich der Einzige war, der ein Modem besaß und deshalb von allen anderen, die für die Zeitschrift „Leichtathletik“ schrieben, die Berichte bekam und sie überspielen sollte. Nur gut, daß damals die Viren noch nicht so verbreitet waren. Aber auch so war es nicht einfach, denn zunächst mußte man sich den Gegebenheiten des Gastgeberlandes anpassen, ob es nun der ganz normale Stecker für die Stromsteckdosen war, denn man erst in der Stadt kaufen mußte, oder aber die Telefonzellen im Pressezentrum, in denen man auf engstem Raum Computer plus Modem ausbreiten mußte.
Und manchmal kam es sogar zu privaten Problemen. In Barcelona war ich an einem der Tage sehr lange mit dem Überspielen beschäftigt, konnte auch meiner Frau, die als Zuschauerin mitgereist war, nicht mitteilen, wann ich fertig sein würde (Handys gab es da noch lange nicht). So saß ich im Streß noch in der leeren Halle, während sich meine Frau, die keinen Zutritt zum Pressezentrum hatte, allein auf den Heimweg machte. Ein wenig hing dann der Haussegen schief, aber Gottseidank nicht lange.

Aber in Erinnerung habe ich auch, daß damals immer sehr viele Journalisten der einzelnen Zeitungen dabei waren, und das wir uns nicht nur im Pressezentrum sahen und sprachen, sondern dann auch in den sogenannten Deutschen Häusern. Das waren die Häuser, in denen wir Journalisten, die Athleten, Trainer und Funktionäre endlich nach den Mühen des Tages Speis und Trank bekamen…

WM 1995 Göteborg

Im Deutschen Haus bei der Freiluft-WM 1995 in Göteborg ( Peter Grau, Eberhard Thonfeld, Klaus Weise v. links)