Erinnerungen

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge: Versöhnung über den Gräbern. Arbeit für den Frieden.

Ein wenig blüht sie im Verborgenen, die deutsche Kriegsgräberfürsorge. Um so erfreuter war ich, als ich am 11. August 2017  vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.  einen dicken Brief mit viel Material zum Verbleib meines Vaters Walter Grau bekam.

Angefragt hatte ich zuvor, ob die Kriegsgräberfürsorge auch im ungarischen Mór tätig gewesen ist. Diesen Ort hatte ich im Gedächtnis, weil dort mein Vater von seinen Kameraden auf dem Rückzug der Deutschen Wehrmacht letztmals gesehen worden sei. So hatte es mir meine Mutter erzählt und mit einigen Fotos untermauert.

Mein Vater im März 1945 im ungarischen Mor und in Seregelyes:

Walter in Mor und Seregelyes

Die Antwort brachte für mich viel Neues.

Zunächst die kurze Mitteilung der Deutschen Dienststelle (ehemalige Wehrmachtsauskunftsstelle), Berlin:

Name: Walter Grau, Dienstgrad Leutnant, geboren 20.8.1903 Lichte (Thüringen); Erkennungsmarke: -18-2.Res.Flak.Abt.433; Todesort: bei Mor/Ungarn (nahe der Grenze zu Österreich); Grablage: Friedhof Mor.

Weiter hieß es im Schreiben der Kriegsgräberfürsorge:

„Ihr Vater verstarb nach unseren Aufzeichnungen im März oder April 1945. Das genaue Datum geht aus den Unterlagen leider nicht hervor.

Im Rahmen der in Ungarn stattgefundenen Umbettungsmaßnahmen deutscher Soldaten konnten aus dem Gelände des Gemeindefriedhofes in Mor die Gebeine von 22 Soldaten exhumiert und auf die Kriegsgräberstätte Székesfehérvár überführt werden.

Nicht alle für die Ortschaft Mor registrierten Soldaten konnten bei den Exhumierungen geborgen werden. Dies trifft leider auch auf Ihren Vater zu. Die Grablagen waren zum Teil mit Ziviltoten überbettet. Die Lage des Ortes Mor entnehmen Sie bitte dem beigefügten Kartenausschnitt:

Walter Karte Mor

Um das Schicksal Ihres Vaters vor dem Vergessen zu bewahren, haben wir seine persönlichen Daten in das Gedenknamenbuch Székésfehérvár übernommen. Einen entsprechenden Auszug aus dem Namenbuch können Sie gern bei uns bestellen. (ist von mir bestellt worden):

Walter Gedenknamenbuch Walter Gedenktafel Namen

 

Auf der Suche nach einer weiteren Gedenklösung haben wir seine persönlichen Daten zusätzlich auf der deutschen Kriegsgräberstätte Székésfehérvár verzeichnet. Das Todesdatum erscheint hier jedoch nicht.“

Kriegsgräber zwei

Soweit das Schreiben der Kriegsgräberfürsorge, genauer der Abteilung Gräberdienst. Angeboten wurde mir noch, Fotowünsche zu Kriegsgräberstätte Székésféhérvár  zu äußern und bei Interesse mich für eine vom Volksbund organisierten Gemeinschaftsfahrt zum Friedhof anzumelden.

Beigefügt waren dem Brief neben der Lageskizze diverses Material über die Kriegshandlungen in den Jahren 1944 /45  in Ungarn, speziell rund um  Budapest. Ebenso war Material über die Kriegstoten des 1. und des 2. Weltkrieges in Ungarn beigelegt und eine ausführliche Darstellung über die deutsche Kriegsgräberstätte in Székésféhérvár:

Walter Kriegsgräber null

Walter Kriegsgräber drei Walter Kriegsgräber vier Kriegsgräber zwei Walter Kriegsgräber fünf

 

Alles in allem: eine umfassende Antwort, die mich nun anregt, weiter über meinen Vater nachzuforschen. Dabei werde ich sowohl private Fotos meines Vaters (den ich, Geburtsjahr 1940, nur wenig sehen konnte) als auch Fotos seiner Wehrmachtszeit und Auszüge aus seinen Feldpostbriefen an meine Mutter sichten.  Das bin ich meinem Vater schuldig!

Inzwischen habe ich einige Fotos meines Vaters gefunden, die ihn im Kreise seiner Wehrmachtskameraden zeigen und die einiges vom Kriesgeschehen abbilden:

Walter in Uniform eins Walter an der Front

Eine Zusammenstellung von Fotos, die meine Mutter aufbewahrt hatte, sind  typisch für die Kriegsjahre:

Vereidigung – Nachsinnnen – Grab:

Walter Vereidigung

Es hat lange gedauert, bis ich mich nun mehr  mit der Vergangenheit beschäftige.  Meine Mutter hat mir über alles, was mit meinem Vater zusammenhing, wenig bis garnichts erzählt. Sicherlich, weil sie wegen der Geheimhaltung in den Kriegszeiten wenig von ihm wußte, aber später wohl mehr, um zu vergessen. Mein Vater galt viele Jahre als vermißt. Zu DDR-Zeiten spielte das Kapitel Wehrmacht und Kriegsgräberfürsorge praktisch  keine Rolle.  Entsprechend wenig wurde geforscht, getrauert, erinnert.

Und das wurde mir so mitgegeben. Ich wuchs faktisch ohne Vater auf.  Meine Mutter war Mutter und Vater zugleich, meine Hauptbezugsperson. Sie hielt immer ihre Hand über mich, wollte mir alles Unangenehme fernhalten.

Im Nachhinein bedauere ich, daß ich mich nicht schon Jahre eher um das Leben meines Vaters gekümmert habe.  Als meine Mutter noch lebte (verstorben ist sie im Jahr 1998), bekam ich nur n mit, daß sie dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ Spenden zukommen ließ. Ich selbst habe als kleine Aufmerksamkeit eine ganze Zeit lang auf der Gedenkstätte für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges auf dem Neuruppiner Friedhof ein willkürlich ausgewähltes Grab  gepflegt.  Nun aber bin ich froh, daß ich regelmäßig dem Volksbund eine Spende zukommen lassen kann.

Ich weiß nun, wie nötig diese Spenden sind und wie sinnvoll sie verwendet werden.

Peter Grau
 

1995 war in Barcelona die Welt noch in Ordnung

Barcelona_Cityscape_Panorama_-_Jan_2007

Vor 1 ½ Jahren habe ich auf meiner Homepage unter http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=1334    einiges über die Hallenweltmeisterschaften 1995 im spanischen Barcelona geschrieben. Dabei ging es vor allem um technische  Probleme bei der Übertragung der Berichte für die Zeitschrift „Leichtathletik“. Wie klein sind doch diese Probleme gewesen, in  Anbetracht des Terroranschlages vom 17. August 2017 mitten in Barcelona, auf der Prachtstraße „La Rambla“?

Gestern habe ich die schrecklichen Ereignisse viele Stunden am Fernseher und im Internet verfolgt. Manchmal denke ich, daß es vielleicht besser wäre, nicht so intensiv in den Medien zu berichten. Doch das ist wohl ein frommer Wunsch, denn im Zeitalter der digitalen Vernetzung und des Dauergebrauchs von Handys und Smartphones ist ein Verschweigen sowieso nicht mehr möglich.

Aber wie geht man damit um, im Augenblick des Sehens und danach? Live dabei wird man vom Geschehen gepackt, ernüchtert, ist entsetzt, fühlt sich hilflos.  Die wohl egoistische erste Reaktion: Wer ist von Verwandten und Bekannten gerade dort? Eine Tochter ist gerade im niederländischen Zeeland, die andere in Mexiko-Stadt, also weit weg vom Geschehen. Aber beide sind schon einige Male in Barcelona gewesen, könnten also auch diesmal dort gewesen sein.

Doch, was ist mit den anderen, den Betroffenen und den nochmal heil Davongekommenen? Man denkt an sie, trauert mit und dann geht die Zeit des Vergessens leider sehr schnell voran.

Erinnerungen an eine aufregende Stadt

Erinnern aber kann man sich, wenn man schon mal in der Stadt gewesen ist, in der der Terroranschlag stattfand.

Ich war das einzige und letzte Mal im Jahr 1995 in Barcelona. Zu lange her, um noch intensive Erinnerungen hervorkramen zu können. Leider hatte ich damals noch keine Homepage, führte kein Tagebuch und hatte auch keine Kamera, die mir das Fotografieren so leicht macht wie heute.

Erinnern kann ich mich, daß wir in ausgedehnten Stadtspaziergängen die Schönheit Barcelonas aufsaugten. Vor allem die Kirche Sagrada Familia, 1882 von Baumeister Antoni Gaudi begonnen, ist mir da in Erinnerung.

Barcelona Sagrada Familia

Gewohnt haben wir im Hotel (der Name wird mir noch einfallen). Von dort gingen wir zu Fuß zur Veranstaltungsstätte Palau Sant Jordi :

Barcelona Palau Sant Jordi

Diese imposante Halle liegt auf dem Montjuic, einem im Süden der Stadt gelegenen 173 m hohen Berg.   Ganz in der Nähe befindet sich das Olympiastadion, Austragungsort der Olympischen Spiele 1992.

Barcelona Olympia Vignette Barcelona Olympiastadion

 

An irgendwelche Bedrohungen dachten wir damals garantiert nicht. Auch unsere Gespräche mit Einheimischen ließen uns unbeschwert sein.  In einem Restaurant in der Nähe des Hotels stellte uns mein Kollege Karl-Heinz Bergmann, -der damals für die Berliner Zeitung schrieb und später, 2003, viel zu früh ohne Abschied aus dieser Welt verschwand-, einen Deutschen vor, der schon lange in Barcelona lebte und uns viel über die Mentalität, über die Lebensweise der Spanier erzählte. Solche Gespräche sind sicher eindrucksvoller als irgendwelche Texte in Reiseführern.

Sicherlich war mein Aufenthalt in Barcelona vor allem von meiner journalistischen Tätigkeit geprägt und ausgefüllt. Aber an den Schönheiten der Stadt kann man nicht vorbeisehen, vorbeigehen.

Um so mehr erschüttert mich dieser Terroranschlag. Wohin soll das nur führen?

Peter Grau

Vor den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2017 in Erfurt

 

Am kommenden Wochenende, am 8. und 9. Juli 2017, finden in Erfurt zum vierten Mal die Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten statt. Ich werde dabei sein, wie vorher in den Jahren 1994, 1999 und 2007. Auch die U23- Leichtathletik-Europameisterschaft 2005 habe ich in Erfurt als Journalist für das Fachblatt „ Leichtathletik“ verfolgt.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille.  Die andere liegt in den Erinnerungen.  Nur rund 500 m vom Stadion entfernt verbrachte ich meine Kindheit und meine Jugendjahre.

In den Jahren nach 1950 war ich oft im nahen, großen Stadion zuhause, das früher Georgij-Dimitroff-Stadion hieß, und heute Steigerwaldstadion. Anfangs war ich vor allem bei den Fußballspielen von Turbine Erfurt, die 1954 und 1955 DDR-Meister wurden, im Stadion. Erinnerlich ist mir, und das war wohl meine erste Begegnung mit Pferden, daß es schon damals manchmal recht ruppig auf den Rängen zuging und dann die Polizei auf Pferden für Ordnung sorgen mußte.

Ich habe aber auch miterlebt, als Radfahrer in dieses Stadion einfuhren, z.B. beim Radrennen Halle-Erfurt –Halle. Hier fährt der Sieger Gustav-Adolf-Schur über den Zielstrich und später mit Emil Reinicke auf der Ehrenrunde:

Steigerwald zwei

Ich war damals, zu DDR-Zeiten, dabei, als die Leichtathleten glänzten und fotografierte sie damals auch:

4×100-m-Staffelauf mit Gisela Birkemeyer und 3000-m-Hindernislauf:

Scan_Pic0053

Und ich selbst „glänzte“ auch einige Male als Läufer, u.a. bei einem Stundenlauf.

 

Anfangs gab es eine 500-Meter-Aschenbahn in diesem Stadion.

Steigerwald eins

Stadion im Jahre 1965 (Foto:  Rittweger / „Der Leichtathlet“)

Dann wurde diese Aschenbahn von einer 400-Meter-Tartanbahn ersetzt.
Seit meinen Jugendjahren ist jedenfalls im Stadion viel geschehen. Die damalige Holztribüne ist schon lange Geschichte.

Und jetzt hat das Steigerwaldstadion erneut seine äußere Form verändert. Ich bin gespannt, wie es nun auf mich wirkt.

Auffällig aber ist, daß die Leichtathletik weiterhin eine Heimstatt in Erfurt hat. Woran das im Endeffekt liegen mag, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Aber ich brauche nicht zu betonen, wie froh ich darüber bin. Und ich hoffe, daß das noch lange so bleiben möge.

Peter Grau

Werner Sonntag: Die Lauflegende, der Laufjournalist und Kultbuchautor wurde gerade 91 Jahre

Werner Sonntag Porträt

Meine erste Begegnung mit Werner Sonntag liegt sehr lange zurück. Es war  im Mai 1987, als ich auf meiner ersten Westreise nach dem Mauerbau 1961  in der Heimat von Werner Sonntag, im Stuttgarter Raum, konkret in Ostfildern, weilte und mit  Werner in den Schwarzwald fuhr, um dort am 3. Internationalen Schluchseelauf über 18 km teilzunehmen. Vor allem ist mir davon in Erinnerung, daß wir am 3.Mai in der Nähe des Feldbergs noch Schnee vorfanden.

Meine Medaille vom Schluchseelauf:

Werner Sonntag Schluchseelauf

Ein Jahr später nutzte ich erneut die Gunst der Stunde, eher die Gunst des Verwandtseins. Mein Onkel Karl, der in Eßlingen bei Stuttgart wohnte, hatte im Mai Geburtstag (er wurde 89 Jahre),  und das war eine dringende Familienangelegenheit, lt. DDR-Terminus. So durfte ich wieder  zwei Wochen in den Westen reisen. Am 28. April kam ich in Stuttgart an, nach einem Stadtbummel bin ich am Nachmittag nach Ostfildern gefahren, wo Werner Sonntag schon damals wohnte. Ab 17 Uhr, so meine Aufzeichnungen, lief ich mit Werner 11 km auf seiner Hausstrecke. Anschließend folgte ein leckeres Abendessen bei ihm und seiner Frau. Danach fuhr ich wieder zu meinem Onkel, feierte am 2. Mai dessen Geburtstag. Am 6. Mai hatte ich mich dann mit Werner Sonntag am Stuttgarter Hauptbahnhof verabredet, um mit ihm nach München zu fahren, wo wir dann beide am 8. Mai den München-Marathon liefen. Ich war mit meinen 3:32:19 h glücklich, Werner mit seinen 3:45 h. Am Nachmittag ging es dann per Auto mit Werner Sonntag zurück nach Stuttgart.

Meine Medaille vom München-Marathon:

Werner Sonntag München-München-Marathon

Das nächste Treffen mit Werner Sonntag folgte ein Jahr später, 1989. Wieder liefen wir gemeinsam auf seiner Hausstrecke, trafen uns beim Abendessen. Gemeinsam mit ihm fuhr ich dann nach Zürich, ich lief den Halbmarathon und er den Marathon.

Dann fiel die Mauer, ich konnte nun ohne besondere Gründe in den Westen fahren. Und weil ich dann als Anlaufpunkt meine Tante Gerda in Stuttgart-Feuerbach hatte, traf ich mich noch einige Male mit Werner Sonntag.

In Berlin begegneten wir uns am Rande eines Berlin-Marathons. Werner lief damals mit, ich verletzungsbedingt nicht:

Werner Sonntag Begegnung beim Berlin-Marathon

Ansonsten blieb uns der briefliche Kontakt. Er verfolgte meine Aktivitäten in der Zeitschrift „Leichtathletik“, ich seine in diversen Zeitschriften und seit langem auch im Internetdienst „LaufReport“, wo Werner Sonntag eine wöchentliche Kolumne hat.

Und in diesem „LaufReport“ las ich auch eine lange, sehr inhaltsreiche Geschichte, die Wolfgang W. Schüler über Werner Sonntag aus Anlaß dessen 90.  Geburtstags geschrieben hat.

Lesen Sie diese Geschichte  unter:  http://www.laufreport.de/impressum/team/sonntag/sonntag.htm

Am 22. Juni 2017 wurde Werner Sonntag 91 Jahre. Ich wünsche ihm vor allem viel Gesundheit und weiter eine flotte Feder. Es sind nur noch 9 Jahre bis zur 100!

Peter Grau

Anna Rüh – die Diskuswerferin aus Magdeburg

An manche Interviews kann man sich als Journalist noch recht gut erinnern. Mir geht es so mit einem Interview mit der Diskuswerferin Anna Rüh. Bei einem meiner vielen Besuche der Halleschen Werfertage drängte sich im Mai 2012 die damals 18-Jährige durch ihre Leistung förmlich auf. Zwar war sie anfangs recht zurückhaltend, als ich sie in der Aufwärm-und Ruhehalle um ein Gespräch bat. Kein Wunder, denn ich nehme an, daß das ihr erstes großes, langes Interview wurde.

Anna Rüh Porträt vier

 

Und für mich war es deshalb so reizvoll, weil es meine erste Begegnung mit der langaufgeschossenen Blondine war. Da kann man dann viel fragen, erfragen und so war es dann auch. Es war ein ergiebiges Gespräch und im Ergebnis kam die folgende Geschichte zustande, die am 24. Mai 2012   bei leichtathletik.de   erschien:

Anna Rüh in neuen Dimensionen

Geplant hatte Anna Rüh (SC Neubrandenburg) eigentlich nur mit der U20-WM im Juli in Barcelona (10. bis 15. Juli 2012). Diese Planung wurde bei den Halleschen Werfertagen am Samstag ordentlich durcheinander gewirbelt: Mit einem Wurf auf 63,04 Meter überbot sie die Olympia-Norm und kann nun auch mit einem Olympia-Ticket liebäugeln. Glück brachte der 18-Jährigen in Halle ein ganz besonderes Wurfgerät.

Die schwarze Diskusscheibe, die Anna Rüh mit zu den Werfertagen gebracht hatte, nutzte einst die dreimalige Weltmeisterin Franka Dietzsch, die zu ihrer aktiven Zeit ebenfalls für den SC Neubrandenburg startete. Bei der WM 2007 in Osaka (Japan) schleuderte sie ihn auf die Siegesweite von 66,61 Meter.

An ihren Wurf vom Vormittag konnte Anna Rüh sich schon am Nachmittag nicht mehr so recht erinnern. „Ich war wahrscheinlich so erleichtert, dass ich es geschafft habe, und dann fiel eine Last von mir.“ Auf die Frage, ob sie danach sofort an London gedacht habe, lautete die spontane und ehrliche Antwort: „Ja, denn ich habe einen Meter über der Norm geworfen!“

Ticket nach London umkämpft

Anna Rüh räumte allerdings ein, dass die Reise nach London noch lange nicht gebucht sei. „Ich habe zwar gute Chancen, aber es gibt auch noch andere Werferinnen, die die Norm packen könnten.“

Dazu zählen sicherlich Heike Koderisch (SC Magdeburg) oder die ebenfalls noch der U20-Jugend angehörende Shanice Craft (MTG Mannheim).

Auch Bundestrainer Werner Goldmann bestätigte: „Natürlich haben im Moment Nadine Müller, Julia Fischer und Anna Rüh die besten Karten. Aber ich denke, dass auch andere Athletinnen bei guten Bedingungen noch in den Normbereich kommen können.“

Respekt vor Frauen-Konkurrenz

Nach dem U20-Wettbewerb am Vormittag maß sich Anna Rüh am Nachmittag mit den Frauen und zeigte einigen Respekt: „ Das ist natürlich ein Riesenniveau. Da versucht man sich anzupassen an dieses Niveau. Aber ich war auch viel nervöser“.

Aus nächster Nähe konnte sie beobachten, wie Nadine Müller (Hallesche LA-Freunde) mit 66,68 Metern alle Konkurrentinnen hinter sich ließ und auch Julia Fischer (SCC Berlin) mit 63,37 Metern erneut die Olympianorm übertraf. Sie selbst konnte ihre Leistung vom Vormittag bestätigen und wurde mit 62,32 Metern Sechste.

Trainingsleistung bestätigt

Für die blonde Athletin kam die Leistungssteigerung nicht überraschend. „Ich habe im Training gesehen, dass ich über 60 Meter werfen kann. Und im Wettkampf bin ich noch stärker als im Training, denn da kommt noch das Adrenalin hinzu.“

Trainiert hatte der Schützling von Dieter Kollark in der letzten Zeit nicht nur im heimischen Neubrandenburg, sondern auch viel in Kienbaum bei Berlin. Zwar habe sie sich von den Kraftwerten her nicht viel gesteigert, nur etwas an Körpergewicht zugelegt habe sie, die bei 1,84 Meter Größe jetzt rund 80 Kilogramm wiegt. „Aber wir haben viel Technik trainiert, und das hat sich ausgezahlt.“

Erstmals war sie zudem für eine Woche mit den anderen Spitzenwerfern im Trainingslager in Albufeira (Portugal). „Dort hat sie sehr gut trainiert, sodass die zweimalige Normerfüllung für mich keine Überraschung darstellt“, berichtete Bundestrainer Werner Goldmann.

Kaufmännische Ausbildung

Das Leben der 18-Jährigen besteht allerdings nicht nur aus Sport. In Neubrandenburg hat Anna Rüh im Sportgymnasium den Realabschluss gemacht und dann ein Jahr lang ein Praktikum in der Unternehmensberatung Hannig absolviert.

Da ihr das gefiel, begann sie dort anschließend eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Und sie hat das Glück, dass ihr Chef sportbegeistert ist und ihr für Training und Wettkämpfe die nötigen Freiräume lässt.

Im Jahr 2011 holte sie sich in Tallinn (Estland) bei der U20-EM mit dem Diskus Silber und bewies mit Bronze im Kugelstoßen ihre Vielseitigkeit. Doch gegenwärtig konzentriert sie sich mehr aufs Diskuswerfen. „Wir haben das Kugelstoßen etwas zurückgestellt, aber ich fange damit bald wieder an“. Vielleicht wird sie bei der U20-WM in Barcelona sogar wieder mit beiden Geräten antreten.

Anna Rüh von Dirk Gartenberg

Anna Rüh als Kugelstoßerin (Foto: Dirk Gantenberg)
Schwarzer Diskus als Glücksbringer

Dass Anna Rüh nicht unbedingt mit der Olympiachance gerechnet hatte, zeigt sich auch darin, dass über die nächsten Wettkämpfe noch keine Klarheit herrscht. „ Ich werde in Leipzig starten und dann natürlich bei den Deutschen Meisterschaften. Mehr weiß ich noch nicht“.

Fest steht, dass sie auch bei den nächsten Wettkämpfen wieder auf die Disken von Franka Dietzsch zurückgreifen wird. Im Moment bringt ihr die schwarze Scheibe von Osaka Glück: „Wenn man weiß, dass der Diskus schon mal so weit geflogen ist, dann vertraut man ihm.“ Und Anna Rüh hätte nichts dagegen, wenn der Diskus auch bei den Olympischen Spielen in London weit fliegen würde.

Soweit meine Geschichte über Anna Rüh aus dem Mai 2012.

 

2012 wurde dann für Anna Rüh das  international bisher erfolgreichstes Jahr. Bei der EM in Helsinki wurde sie Vierte, zwei Wochen danach gewann sie den Titel bei der Junioren-WM und bei den Olympischen Spielen in London erreichte sie einen zehnten Platz.

 

Die Jahre zwischen 2012 und 2016

Natürlich habe ich ihren weiteren Weg mit besonderem Interesse verfolgt, weil solch ein  Premiereninterview  auch im Gedächtnis bleibt.

Seitdem sind immerhin fast fünf Jahre vergangen.  Anna Rüh wirft weiterhin den Diskus, aber es hat sich seit 2012 viel getan.  Sie hat ihren Verein gewechselt, ist von Neubrandenburg nach Magdeburg gezogen. Und auch beruflich und privat hat sich einiges verändert.

 

Doch wie ist die aktuelle Lage zu Beginn des Jahres 2017?  Da hat einer Licht ins Dunkel gebracht, der selbst bis vor kurzem im Hochleistungssport als 400-m-Hürden -Läufer in der deutsche Spitze aktiv war, für den SC Magdeburg startete und deshalb auch Anna Rüh gut kennt: Varg Königsmark.

Königsmark bestes Profilfoto

Varg Königsmark  (Foto: Dirk Gantenberg)

Varg Königsmark hat 2016 die Spikes an den berühmten Nagel gehängt, studiert weiterhin Psychologie an  der Otto-von-Guericke-Universität von Magdeburg. Gegenwärtig absolviert er  im französischen Grenoble ein Forschungspraktikum.

Warum hat aber hat er nun für leichtathletik.de  eine lange Geschichte über die Diskuswerferin Anna Rüh geschrieben?  Varg Königsmark erzählt es mir so: „ Es war, wenn man so will, so etwas wie mein Pilotprojekt. Seit ich Jack Kerouac (US-amerikanischer Schriftsteller mit franko-kanadischen Wurzeln) gelesen habe, war es immer mein Wunsch, es nebenher im Schreiben zu versuchen. Und jetzt, da ich mit der Leichtathletik aus Athletenperspektive aufhören mußte, erschien es mir als ein günstiger Zeitpunkt, dahingehend mal einen kleinen Versuch zu starten.“

Königsmark Hürden mit Georg Fleischhauer

Varg Königsmark (rechts) und Georg Fleischhauer im Hürdenwald (Foto:  Dirk Gantenberg)

 

Vielleicht bleibt das auch keine „Eintagsfliege“, denn Varg Königsmark  erklärte mir auch:

„ Ich könnte mir schon vorstellen, auch gepaart mit der Psychologie, in diesen Bereich etwas weiter vorzudringen (Thema Fachjournalismus z.B.). Die Psychologie ist ja die Lehre menschlichen Verhaltens und Erlebens und daher finde ich es sehr „verlockend“, „ über Menschen“  zu schreiben, mich ausführlich mit den Hintergründen zu befassen. “

Seine aktuelle Geschichte über Anna Rüh jedenfalls ist sehr lesenswert. Unter der Überschrift „Anna Rüh und das verflixte Jahr 2016“ wurde sie bei  leichtathletik.de  am 17. Februar 2017 veröffentlicht.

Lesen Sie bitte unter: https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/anna-rueh-in-neuen-dimensionen/

Wer noch mehr über Anna Rüh wissen möchte und wer viele Fotos sehen möchte, kann deren sehr beeindruckende Homepage   www.annarueh.de   besuchen.

Und wer sie in Aktion mit der Diskusscheibe sehen möchte, der muß zu einem der kommenden Wettkämpfe der leichtathletischen Sommersaison kommen.

Ich werde sie wahrscheinlich, wenn wir beide den Weg nach Halle/Saale zum diesjährigen Werfermeeting finden, dort wiedersehen. Nach nunmehr fünf Jahren, seit unserer ersten Begegnung.

 Peter Grau

 

 

Die Hallen-Europameisterschaften der Leichtathleten in Belgrad: Wie war die öffentliche Wahrnehmung?

 

Yvette eins eins Belgrad

Die Hallen-Europameisterschaften der Leichtathleten  fanden vom 3. bis 5. März 2017 im serbischen Belgrad statt und aus deutscher Sicht waren sie recht gelungen. So werden es sicher die Journalisten vor Ort empfunden haben.  Wenn man selbst am Ort des Geschehens weilt, dann erhöht man schnell die Wichtigkeit des Ereignisses.

Ich erinnere mich, daß es mir sowohl bei nationalen als auch bei internationalen Titelkämpfen ähnlich erging. International war ich 1994 in Paris und 1996 in Stockholm bei Hallen-Europameisterschaften, 1995 in Barcelona und 1997 in Paris bei Hallen-Weltmeisterschaften. Und gleich wo, die Halle hat mir immer sehr gut gefallen. Vor allem war man dicht am Geschehen.

Dicht am Geschehen war ich auch diesmal, allerdings zuhause. Zunächst versuchte ich es über Eurosport. Aber der Zugang zu Eurosport 2 war mir einfach zu kompliziert. So nahm ich mit den kurzen Berichterstattungen bei Eurosport 1 vorlieb und schaute dafür ausgiebig den Livestream des Europäischen Leichtathletikverbandes  (EAA). Zwar fehlte da eine Kommentierung, aber die brauchte ich nicht.

Mein Ärger, daß ARD und ZDF erneut nur als Wintersportsender auftraten, hielt sich deshalb in Grenzen. Allerdings machte ich mir schon Gedanken, wenn in epischer Länge beispielsweise Eisschnellaufwettbewerbe übertragen wurden. Irgendwie scheint die Leichtathletik in den Medien doch immer mehr zu einer Randsportart tendieren. Und das nicht nur im Fernsehen, sondern auch in der Presse.

Da ist es tröstlich, daß  zumindest das schriftliche Angebot durch leichtathletik.de   und durch die EAA  perfekt war.

In Ruhe konnte ich beobachten, wer sich so alles in Richtung Belgrad begeben hatte. Eine meiner Facebook-Freundinnen, die Ex-DDR-Mittelstrecklerin Yvette McKoy (geb. Grabner),  hatte den weiten Weg aus dem kanadischen Toronto nicht gescheut:

Yvette vier Halle

Und sie traf am Rande des Geschehens einige gute Bekannte aus früheren Zeiten.

So den italienischen Mittelstreckler Stefano Mei:

Yvette fünf Stefano Mei

 

Den britischen Mittelstreckler Steve Cram:

Yvette Steve Cram

 

Den sowjetischen Weitspringer Robert Emmijan:

Yvette sechs Robert Emmijan

 

Den Ex-Stabhochspringer Sergej Bubka:

Yvette dreizehn Sergej Bubka

 

Carol Coe, die Gattin von Sebastian Coe (IAAF-Präsident) und zwischen beiden Damen der Direktor des Tesla-Museums:

Yvette Coes Frau

 

Die österreichische Kugelstoßerin  Walentina Fedjuschina:

Yvette zwei Fedjuschina

 

Den britischen Hürdenkurzsprinter Colin Jackson:

Yvette sieben Colin Jackson 110 m H

 

Eine besondere Überraschung  erwartete sie dann noch.   „Fahre in ein anderes Land und du triffst einen Freund aus deiner Heimatstadt“. Und wer war das?  Ex-Sprinter Ben Johnson, der 1988 bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul  erstmals    in die Dopingschlagzeilen geriet. Fast 29  Jahre ist das nun schon her.

Yvette zwölf Ben Johnson

(alle Fotos: Yvette McKoy)

Über Doping sprach man in diesen Europameisterschaftstagen nur wenig. Allein beim Sieg des polnischen Kugelstoßers Bukowiecki    konnte sich Reporter Sigi Heinrich nicht zurückhalten. Er verwies darauf, daß der Pole im Sommer eine positive A-Probe (also den Dopingnachweis) hatte, die B-Probe aber später verschwand und nicht geprüft werden konnte.

Doch das war nur ein kleiner Schatten, der über diese Europameisterschaften gelegt wurde.

Peter Grau

Nach ihrer Rückkehr nach Toronto schickte mir Yvette McKoy noch einige Fotos:

Zunächst vom ersten Halbfinale der Hürdensprinterinnen:

Yvette sieben Belgard vo rdem Start

Und dann vom Start des Finales der Hürdensprinterinnen:

Yvette fünf Belgrad Start Hürden

Yvette vier Belgrad

 

Und zuletzt vom Kampf der Fotografen um die besten Fotos von den drei besten Weitspringerinnen, der Siegerin Ivana Spanovic (Serbien) , der Zweitplazierten Lorraine Ugen (Großbritannien)    und der Drittplazierten  Claudia Salman-Rath (Deutschland):

Yvette zwölf Spanovic allein nach #Sieg Yvette elf Spanovic nach Sieg

Nachklang:

Passend zum Thema Leichtathletik hat Achim Achilles bei Spiegel-Online einen sehr lesbaren Artikel unter der Überschrift „ Früher war mehr Dreisprung“ geschrieben.  Nachzulesen unter:

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/achilles-verse-frueher-war-mehr-dreisprung-a-1137193.html

 

Wo sind die Freunde geblieben…

Der sonntägliche Spaziergang führte mich nicht weit, „nur“ bis zum nahen Fitneßstudio. Diesmal stand vormittags Ausdauertraining auf dem Plan. 25 Minuten spulte ich auf dem Fahrradergometer ab,  bewältigte dabei 10 km und arbeitete 200 kcal ab. Nicht viel, aber Punkt 12 Uhr wartete die Ente auf dem Mittagstisch. Am späten Nachmittag ein zweiter Spaziergang, wieder ins Studio. Aber, keine Angst, ich will mich nicht übertrainieren. Vielmehr suche ich ab und an die Entspannung, verbunden mit Massage, auf diesem Wunderwerk der Technik:

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Diesmal wählte ich das Programm Nr. 82  mit dem Titel    Freundschaft.

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Und hörte entspannt zehn Minuten zu, wie mir aus den Kopfhörern all das, was sich um Freundschaft, um Freunde, rankt, von einer angenehmen Frauenstimme überbracht wurde. Sofort kam der Gedanke, daraus eine kleine Geschichte für meine Homepage zu gestalten.

Dabei dachte ich zunächst nicht an die vielen Freundschaftsanfragen, die ich zuletzt bei Facebook stellte, und die mich auf die Schnelle auf über 700 brachten. Ich finde den Terminus „Freunde“ in diesem Zusammenhang richtig, weiß aber auch, daß damit nicht der ursprüngliche Gedanke von „echten“ Freunden gemeint ist.  Doch was sind „echte“ Freunde?

Schulfreunde

Meine Schulzeit in Erfurt liegt weit zurück. In der Grundschule hielten sich echte Freundschaften in Grenzen.  Ich kam mit allen gut aus, mehr nicht.

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Mit 14 Jahren kam ich dann in die Heinrich-Mann-Oberschule, dicht am großen Stadion, dem Georgij-Dimitroff-Stadion, gelegen. In dieser Zeit entwickelte sich die Freundschaft vor allem zu Bernd, mit dem ich den gemeinsamen Schulweg teilte, aber auch viele Erlebnisse in der Schule und in der Freizeit.

Schulfreunde Bernd Peter

Oben mit Bernd, unten mit Peter

 

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Schulfreunde Oberschule

Auch mit Peter spazierte ich oft gemeinsam zur Schule, aber unsere Wege trennten sich dann, als ich nach Ostberlin zog und er in Erfurt bzw. Jena blieb. Mit Bernd aber hatte ich auch nach der Schule engen Kontakt, denn wie es der Zufall wollte, kam er nach seinem Physik-Studium in Jena auch nach Ostberlin, zum Institut  Manfred von Ardennes. Und wir wohnten im Stadtbezirk Lichtenberg in enger Nachbarschaft, nur 500 m voneinander getrennt. Wir besuchten uns öfters, sahen unsere Kinder heranwachsen.   Auch heute besteht noch eine Verbindung, wenn wir auch räumlich auseinandergerückt sind. Er wohnt in Grünheide bei Berlin, ich in Neuruppin.

Armeefreunde

Von 1958 bis 1960  war ich bei der Armee, genauer bei einer Artillerieeinheit auf der „Henne“, einer Kaserne vor den Toren Erfurts. Sicherlich verstand ich mich dort mit  manchen Kameraden besser, aber geblieben ist aus dieser Zeit keine Freundschaft.

armeefreunde

 Studienfreunde

1960 zog ich dann nach Berlin, begann ein Jahr später mein Studium an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt – Universität. In meiner Studiengruppe bildeten sich schnell Grüppchen. Um mich scharte ich mit Klaus, Wolfgang und Manfred drei Leute, die ich Freunde nennen konnte. Und einen besonders, Klaus Fricke. Da erinnere ich mich auch heute noch, daß er für mich ein echter Freund war. Doch nach dem Studium riß irgendwann der Kontakt, weil wir uns beide beruflich und räumlich voneinander entfernten. Bedauert habe ich das immer. Und ich versuche nun, seine Spuren wieder aufzunehmen. Vielleicht hilft das Internet dabei.

studienfreunde

Lauffreunde

Einen wesentlichen Raum meines Lebens in Ostberlin bildete seit 1978 meine Laufleidenschaft.  Ich meldete mich bei der BSG Empor Brandenburger Tor (EBT) an, und bestritt alle Wettkämpfe für diesen Verein.

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Das Training aber absolvierte ich gemeinsam mit der  dortigen Laufgruppe in Berlin-Friedrichsfelde. Dort hatte ich mit dem Laufen begonnen und schnell Gleichgesinnte gefunden.

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rennsteig-1987

Vor allem das fast tägliche Lauftraining schweißte uns zusammen. Mit dabei auf den Wegen vom Zachertsportplatz bis in die Wuhlheide waren damals vor allem: Jürgen, Horst, Bernd, Siggi, Manfred, Gunther, Günther, Klaus, Werner. Später kamen ein weiterer Klaus (der Entwickler meiner Homepage) und Birgit hinzu. Rainer und Udo liefen die gleichen Wege, aber viel schneller als wir.

Aber wir waren nicht nur im Training beisammen. Bei vielen Laufveranstaltungen rückten wir und unsere Familien zusammen, feierten dort unsere Siege und Niederlagen. Und auch außerhalb der Lauferei trafen wir uns,  bei Geburtstagen, im normalen Alltag und regelmäßig bei gemeinsamen Silvesterfeiern im damals noch eingemauerten Land.  Es waren für mich alles  echte Lauffreunde, und da Laufen zu dieser Zeit für mich ganz oben stand, eben auch Freunde.

Auch außerhalb unserer Laufgruppe fand ich viele Lauffreunde. Ob Roland,  Wolfgang, Udo, Gerd, Rosi, Bertold, Ute, Inge, Fritz, Volker, Gerhard… diese Reihe kann ich nach Belieben noch erweitern…

Mit allen hatte ich ein freundschaftliches Verhältnis, auch wenn sie nicht zu meinen „echten“ Freunden wurden.

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Nur einer, dem ich sehr nahe war, enttäuschte mich später. Klaus traf ich oft, er schrieb meine Laufpläne, führte mich im Marathon ganz dicht an die 3-Stunden-Grenze. Auch nach der Wende sahen wir uns noch am Rande von Wettkämpfen. Doch die Enttäuschung kam, als ich dann meine Stasi-Akte las. Er, mein Freund, war ein IM (Informeller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit), der mich beschattete. Als ich das aus den Akten erfuhr, brach fast eine Welt für mich zusammen. Vor drei Jahren rief er mich an, stellte sich als Zatopek vor (das war sein Deckname). Er meinte, diese Zeit verdrängt zu haben, betonte die beruflichen Zwänge, die auf ihm lasteten. Aber überzeugen konnte er mich damit nicht.

Doch das war Gottseidank ein Einzelfall. Es sei denn, weitere Forschungen in den Stasiakten ergeben für mich neue Erkenntnisse.

Freunde auf Arbeit

Damals in Berlin bestand das Leben nicht nur aus dem Laufen. Auch die Arbeit bot  die Gelegenheit, Freunde zu gewinnen. Doch das ist wieder ein neues Kapitel, was ich demnächst  angehen möchte. Es ist ja das Schöne an solch einer Homepage, daß man die Geschichten immer wieder ergänzen kann.

Journalistenfreunde

Ab ca. 1985 stieg ich auch in das Journalistenleben ein. Nach der Wende durfte ich auf vielen Leichtathletikveranstaltungen in aller Welt dabei sein, und dort entwickelten sich naturgemäß engere Bindungen zu manchen Kollegen.

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Olaf Brockmann Porträt mit Telefon

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Ob  Klaus, Frank, Rolf, Anja, Silke, Ursula, Christian, Norbert, Jörg, Wilfried, Jochen, Karl-Heinz, Peter, Ralf, Martin, Werner,  Dirk, Iris, Gladys und viele andere, mit ihnen verstand ich mich immer recht gut. Zwar wurden es keine „echten“ Freunde, denn  so etwas gedeiht wohl auch nur, wenn man recht dicht beieinander wohnt. Aber es waren und sind noch immer Menschen, mit denen man sich versteht, mit denen man sich austauschen kann.

Freunde in Neuruppin

Seit langem gehört auch Neuruppin zu meinem Lebenskreis. Pendelte ich anfangs von Berlin nach Neuruppin, bin ich nun seit 2005 hier ansäßig. Und auch hier habe ich mir zunächst meine Freunde in der Laufszene gesucht. Zunächst war ich Stammgast beim Hubertuslauf, der auch über die Stadtgrenzen hinaus seine Anziehungskraft hatte und hat. Und dann fand ich auch hier eine kleine Laufgruppe, mit der ich oft trainierte. Wir trafen uns jeden Sonntag am Birkenweg, und von da aus ging bzw. lief es hinaus, zur Schleuse Neumühle, weiter bis Stendenitz. Es fand sich ein harter Kern, mit  Gerald, Siggi,  Franzer, Gerhard u.a.

Und ich malte mir aus, wie ich später mal, als Rentner, mit diesen Läufern weiter zusammen sein würde. Denn es war ja nicht nur das Laufen, sondern auch das pausenlose Reden über Gott und die Welt während des Laufens. Doch daraus ist leider nichts geworden. Ich bin der Einzige, der noch läuft. Die anderen haben das Laufen aufgegeben, zumeist wegen körperlicher Probleme.

Es wurde also nichts mit der lebenslangen Freundschaft. Vielleicht ist das Laufen auch nur ein zu dünnes Band…

Wie wichtig sind Freunde?

Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich gemerkt, daß ich selten „richtige“ Freunde hatte. Vielleicht liegt das aber auch daran, daß ich immer selbst „mein bester Freund“ war, sprich, ein wenig meinen Egoismus übertrieb. Doch diesen Charakterzug zu ändern, ist nun wohl auch nicht mehr möglich. So muß ich, und das tue ich gern, den einzigen wahren Freund, mit dem ich mich über alles austauschen kann und zu dem ich mit allen Sorgen gehen kann, festhalten: meine Lebenspartnerin Ruth:

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Neues von Diskusolympiasieger Christoph Harting

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Christoph Harting

Mit allen Dreien, mit Christoph Harting, mit seinem Bruder Robert Harting und mit deren gemeinsamen Trainer Torsten Lönnefors  (früher Schmidt) hatte ich früher direkten Kontakt gehabt. Zunächst mit Robert Harting, den ich als Jugendlichen zunächst im Wurfhaus des Sportzentrum in Berlin-Hohenschönhausen traf und einige Jahre später  bei den Berliner Meisterschaften im Stadion Lichterfelde in Berlin-Wilmersdorf , wo er mich in einem längeren Gespräch sehr tief in seine Seele blicken ließ.

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Robert Harting

Seitdem sind wir uns oft über den Weg gelaufen, und er hat, wie es so seine Art ist, immer offen auf meine /unsere Fragen geantwortet.

Etwas anders war es bei seinem Bruder Christoph Harting. Ihn hatte ich einmal bei der Vorstellung des Berlin-Teams in der Berliner Spielbank am Potsdamer Platz gesprochen. Ich erinnere mich, daß es nicht ganz einfach war, von ihm etwas zu erfahren, aber im Laufe unserer Unterhaltung erfuhr ich das, was ich wissen wollte. Danach ergab sich nicht mehr die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, aber das lag allein daran, daß er mit seinen Leistungen zunächst nicht ganz oben ankam und meistens im Schatten seines Bruders stand.

Dann aber, als sich Christoph Harting immer mehr nach vorn schob,  war ich nicht mehr in die aktuelle Berichterstattung eingebunden. So wurde mir auch das Jahr 2016 erspart, als Christoph, aus welchen Gründen auch immer, die Journalisten mit Nichtachtung strafte und keine Interviews mehr gab.

Die Sprache wiedergefunden hatte er dann einige Wochen nach seinem Olympiaerfolg von Rio.  Mein Kollege Jan-Henner Reitze von leichtathletik.de  gelang das erste Interview nach der „Sendepause“.

Trainerwechsel

Zwischen und mit beiden Diskusriesen agierte Trainer  Torsten Lönnfors (früher Schmidt). Ihn hatte ich früher in seiner aktiven Zeit vor allem deshalb in Erinnerung, als er im Winter keine Wettkämpfe für die Diskuswerfer im Freien gab und er sich deshalb an den Kugelstoßwettbewerben in der Halle beteiligte und ich ihn in der Rudolf-Harbig-Halle in Berlin sprechen konnte.

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Torsten Lönnfors (mit Sonnenbrille) bei den Hallenser Werfertagen

Nun, im Jahre 2017, ist alles etwas anders geworden.  Torsten Lönnfors trainiert zwar weiter Christoph Harting, aber Robert Harting und dessen Ehefrau Julia Harting (geb. Fischer) werden nun von Marko Badura betreut, der von Leipzig nach Berlin wechselte.

 

Über den aktuellen Stand hat sich mein Kollege Michael Reinsch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)  mit Trainer Torsten Lönnefors unterhalten und am 3. Januar 2017 dazu einen Beitrag in der FAZ veröffentlicht.

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Michael Reinsch (FAZ)

 

Diskuswurf-Olympiasieger Harting plant das nächste verrückte Ding

Die Arbeit sei nicht leichter geworden, sagt Torsten Lönnfors. Vielleicht kann  man sagen, sie ist etwas entspannter geworden. Die Spannung ist raus aus dem täglichen Geschäft“. Der Berliner Diskus-Trainer betreut statt zwei Hartings nur noch einen, statt den einen Olympiasieger den anderen.

Lesen Sie weiter unter

http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/diskuswurf-olympiasieger-will-80-meter-weit-werfen-14592488.html

 

Amsterdamer Impressionen

Die Europameisterschaften der Leichtathleten in Amsterdam sind nun schon seit fast einer Woche Vergangenheit. Aber für die, die dabei waren und für die, die alles am Fernseher verfolgt haben, wirken sie noch nach. Mein Journalisten-Kollege Olaf Brockmann war wie so oft direkt am Ort, und er hat nebenher einiges Sehenswerte aus Amsterdam mit seiner Kamera erfaßt.  Schwelgen wir gemeinsam in den Erinnerungen.  (bitte einmal auf die Fotos klicken).

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Als Zuschauer 1928 bei den Olympischen Spielen in Amsterdam

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Vom 6. Juli bis 10. Juli 2016 finden in Amsterdam die Europameisterschaften der Leichtathleten statt, und zwar in dem Stadion, das 1928 als Wettkampfstätte für die Olympischen Spiele diente.

Als gestern mein Wiener Journalistenkollege Olaf Brockmann ein Foto vom Olympiastadion Amsterdam aus dem Jahre 1928 postete, erinnerte ich mich sofort daran, daß mein Vater Walter Grau als Zuschauer auch bei diesen Olympischen Spielen zugegen war. Er hat mir zwar nie davon erzählen können, weil er aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurückkam, aber ich fand kürzlich einige Fotos, die er damals gemacht hatte. Zwar ist die Qualität der Fotos nicht mit heutigen Maßstäben zu messen, aber sie sind immerhin ein Zeitdokument.

Zunächst bannte er zweimal Langstreckler Paaovo Nurmi auf seinen Film und schrieb dazu, daß dieser im 5000-m-Lauf gerade wieder Konkurrenten überrundet.

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Aber es reichte für den Finnen in 14:40,0 min „nur“ zum zweiten Platz hinter seinem finnischen Landsmann Ville Ritola (14:38,0).  Dafür drehte Nurmi dann über 10.000 m den Spieß um und holte sich in 30:18,8 min Gold.

Nurmi war zu dieser Zeit in aller Munde, und ich erinnere mich, daß wir in der Schule auch „so schnell wie Nurmi“ laufen wollten.  Später begegnete ich Nurmi nochmals, allerdings in Stein, als Denkmal vor dem Stadion in Helsinki.

 

Damals 1994 war ich Berichterstatter bei den Europameisterschaften der Leichtathleten.

Und nochmals kam mir der Name „Nurmi“ unter. Das war allerdings in einem unerfreulichen Zusammenhang. Als vom Staatssicherheitsdienst der DDR über mich eine Akte angelegt wurde, wählte man für meine Person den Namen „Nurmi“, wohl wegen meiner damaligen intensiven Lauf – und  Marathonambitionen.

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Doch zurück ins Jahr 1928. Warum war mein Vater überhaupt nach Amsterdam gefahren? Wie ich aus Briefen und durch Fotos mitbekam, war er schon von Jugend an sehr sportinteressiert. Alles, was irgendwie möglich war, betrieb er. Ob es nun der Skisport war, der Segelsport oder der Hockeysport, er schien alles auszuprobieren. Stolz war er u.a. auf die Besteigung des Großglockners (mein Vater links):

Vater Großglockner

Viel Gefallen fand er auch an Mannschaftssportarten, so vor allem am Hockeysport, der damals noch viel populärer war als heute:

Vater Hockeymannschaften

Die schönsten Erlebnisse hatte er wohl mit dem THC Apolda, dem Thüringer Hockeyclub Apolda. Hier bei einem Gastspiel in München (mein Vater erste Reihe, rechts):

Vater THC Apolda

Und mit dem Apoldaer Hockeyclub machte er sich auch auf die Reise nach Amsterdam:

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Apoldaer Hockeyclub vor der Abreise

Über  manche Fotos kann ich mir noch keinen Reim machen. So vom folgenden Foto, das meinen Vater (links) vor dem Zollamt in Bentheim zeigt:

Zollamt Bad Bentheim

Was wollte er dort? War es auf der Hinfahrt oder der Rückfahrt?  Gemeint ist wohl der Ort Bad Bentheim, der dicht an der niederländischen Grenze liegt.

Zu erkennen ist ein Gemälde, vielleicht ein teuerer „Holländer“? Bei uns zuhause aufgetaucht ist er nie, soweit ich mich erinnern kann.

Zu den anderen Fotos gibt es keinen roten „Erzählfaden“. Deshalb reihe ich sie so einfach aneinander, mit den Beschriftungen aus dem Fotoalbum.

Zunächst ein Foto von Helmut Körnig:

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Helmut Körnig (mein Vater schrieb Hellmuth Körnig) steht hier vor dem Trainingsquartier der Deutschen Olympiamannschaft. Körnig holte sich über 200 m die Bronzemedaille und als Schlußläufer der 4×100-m-Staffel Silber. Mit in dieser Staffel liegen Georg Lammers, Richard Corts und Hubert Houben.

 

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Grandhotel in Zandvoort, Trainings-Quartier der Deutschen Olympiamannschaft (rechts); links das Quartier der USA-Mannschaft und der kanadischen Olympiamannschaft auf einem großen Dampfer.

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Oben links:  Ablösung der Wache vor dem Königlichen Palais; Königliches Palais; Unten links: Die Kalverstraat, die schon damals sehr belebte Geschäftsstraße Amsterdams; daneben Blick auf den Centralbahnhof

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Links Hafengasse, rechts moderne Wohnbauten.

 

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Links Zoo in Amsterdam; rechts Markt.

 

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Am Nordseestrand in Zandvoort, wo man nach den Olympischen Spielen noch einige Tage Urlaub verlebte. Oben links Strandwagen; rechts daneben:  ein Teil der Hockeytruppe (mein Vater Zweiter von rechts); unten biegsame junge Damen.

Amsterdamer Hafen

Amsterdamer Hafen

 

Und dann noch zwei Fotos direkt zur Leichtathletik:

Schwarz-Rot-Gold weht am höchsten Mast. Lina Radke  hat die 800 m der Frauen gewonnen:

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Nochmals Helmut Körnig, u.a. Dritter im 200-m-Lauf,  vor dem Quartier in Zandvoort:

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Und somit haben wir wieder die Brücke (deren es in Amsterdam so viele gibt) zu den Leichtathletik-Europameisterschften, die morgen, am 6. Juli 2016 im Olympiastadion beginnen.

88 Jahre, nachdem mein Vater Walter Grau dort als Zuschauer weilte.

Peter Grau

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