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Zwischen Marathon, Heizkörper und 100-km-Lauf in Grünheide

Der Sonntag (7.12.25) beginnt mit meiner Ex-Leidenschaft. Im ARD-Livestream wird ab 8.15 Uhr der Valencia-Marathon aus Spanien übertragen.  Tim Tonder und Ralf Scholt führen sachkundig durch die 2 Stunden.  Ich kann alles auf meinem Handy verfolgen, frühstücke, bereite das Auto zur Fahrt nach Grünheide vor.

Grünheide – da war doch mal etwas. Am 20.3.1980 lief ich dort vor den Toren Berlins meinen ersten Marathon im Rahmen des 100-km-Laufes.  Diesmal will ich dort aber nicht laufen, sondern bei Herrn B. in der Karl-Marx-Straße einen Außenwandgasheizer als Ersatz für mögliche Ausfälle meiner alten Gamat-Heizer  holen, die er unter „Kleinanzeigen“ angeboten hat. Zwischen 11 und 11.30 Uhr soll ich bei ihm sein. Also wird es knapp mit dem Finale in Valencia, 10.17 Uhr wird der Sieger im Ziel sein . „Ich fahren also vorher los, tanke für 1,80 (bei der Heimkehr steht der Preis auf 1,69) und sehe mir im Handy den Zieleinlauf an. Dann aber hurtig Richtung Grünheide. Wenig Verkehr auf der Autobahn, es regnet leicht, mein automatischer Regenwischer ist kurz außer Gefecht, aber durch einen Kunstkniff  bekomme ich ihn in Gang.  Abfahrt Erkner nach rund 90 km, den Weg kenne ich schon vom letzten Besuch bei meinem Schulfreund Bernd. Diesmal bin ich schnell in der Karl-Marx-Straße,  klingele, Herr B. (Jg. 1958) kommt aus seinem Haus, seit 1987 wohnt er hier.  Gleich verwickele ich ihn in ein sportliches Fachgespräch.  Ich zeige ihm zwei Fotos von meinen Läufen in Grünheide, er weiß um die Geschichte des 100-km-Laufes, meint auch zu wissen, wo er stattfand.  „Dort ist heute das Internationale Kinder-, Jugend und Familiencamp Störitzland , da fahren Sie diese Straße lang und dann über die Kreuzung  u.s.w.“, aber ich verweise auf mein Navi, das wird es schon richten…

Nebenher plaudern wir noch über unsere Armeezeiten, ich „diente“ 2 Jahre in Erfurt und später ein Vierteljahr zur Reserve in Oranienburg. Er absolvierte 1 ½ Jahre in Strausberg bei Berlin,  später war er zur Reserve in Eggesin und in Prora an der Ostsee.

Doch genug geredet, nun  kommen wir zum eigentlichen Geschäft. Auf dem Hof sehe ich Baugeschehen, frage, ob er sich dort ein zweites Haus baut. „Nein, da zieht mein Sohn mit Frau und zwei Kindern später  ein, aber ich helfe ihm beim Bau“. Ein massives zweistöckiges Gebäude ist zu sehen,  „aus alt mach neu“, so die Devise. Und da ist eben auch „mein“ Heizer aussortiert worden. Er ist in einem  Umzugskarton verpackt,  es wird mir  erklärt, was alles dazu gehört, der eigentliche Heizkörper, das Gasrohr, ein Anschlußstück für das Rohr, alles gut sortiert. Für den Karton ist genug Platz im Auto, der kleine Obulus  wird entrichtet, und  dann verabschieden wir uns voneinander.

Störitzsee ins Navi eingegeben, ca. 5 km Fahrt und ich stehe auf dem Parkplatz vor der Anlage. Abgeschlossen das Ganze, aber ich klingele bei der Rezeption, erzähle, daß ich auf den Spuren meiner Jugend bin. „Ich öffne Ihnen die Tür, und später kommen Sie auch wieder hinaus, wenn Sie an dem Mast vor der Tür auf den obersten Knopf drücken“, plaudert die freundliche Stimme und ich bedanke mich. Die Tür öffnet sich, ich gehe auf Spurensuche und merke gleich, daß sich hier alles verändert hat. Viele neue Gebäude sind entstanden, es sieht aus wie früher in unseren Kinderferienlagern. Ich wandere so vor mich hin, bin auch bald am Wald, aber es wird mir bewußt, daß ich hier nichts aus damaliger Zeit finde.  Ich bin froh, als mir auf dem Riesengelände endlich ein Mensch entgegenkommt (im Lager herrscht ansonsten Winterpause).  Ich spreche ihn an, bedauere erst, daß er so jung ist und mir sicher nicht helfen kann. Doch da habe ich mich getäuscht.  Er weiß um die Geschichte der 100 km von Grünheide, weiß, daß die 100 km dann ins nahe Kienbaum verlegt wurden und heute hier auf diesem Gelände stattfinden. „Gert Schlarbaum kommt jedes Jahr hierher, veranstaltet die 100 km von Grünheide“.  Gert Schlarbaum, oh, den kenne ich gut, als ehemaligen Laufkumpel.  „ Der kann sicher sagen, wo damals der Lauf stattfand. Denn hier auf den Fotos, die Sie mir zeigen, sehe ich ein hohes Haus im Hintergrund, das kann also nicht hier gewesen sein.“  Und er erzählt weiter, daß dieses Ferienobjekt schon  1972 aus Anlaß der Weltfestspiele  erbaut wurde. Ich  verabschiede mich, denn  langsam drängt die Zeit. 14 Uhr will ich in Neuruppin den finalen Lauf der Formel 1 schauen. Ich muß mich also beeilen. Am Ausgang finde ich den obersten Knopf an der Holzsäule, drücke ihn und die Tür läßt sich öffnen. 50 m bis zum Auto, nun kann es zurück gehen bzw. fahren. Doch eine Hürde baut sich auf: Das Navi funktioniert nicht. Und ohne Navi wird es nicht einfach für mich.  Ich probiere, und irgendwie merke ich, daß ich auf dem Handy etwas ändern muß, um die Verbindung von Navi und Handy zu ermöglichen. Es klappt, und dann läuft alles wie am Schnürchen. Der Weg ist anfangs spürbar kürzer  als auf der Hinfahrt, schnell bin ich auf der Autobahn A 10 und noch schneller sehr ich rechts ein große Fabrikgelände: TESLA, so ruft ein großer Schriftzug. Viel darüber gehört und nun bin ich ganz nahe dran. Aber ich habe keine Zeit, die Formel 1 ruft.  100 km sind immerhin zu fahren, aber das schaffe ich ohne Probleme.  13.45 Uhr bin ich in Neuruppin, fahre auf den Hof. Und schnell nach oben, den Fernseher angestellt.  Geschafft, ich gebe das Startzeichen und los geht die wilde Jagd. Spannend das Geschehen, am Ende wird Lando Norris   Weltmeister, 2 Punkte vor Max Verstappen.   Ich aber habe einen Tag voller Erlebnisse hinter.

Einmal Berlin und zurück

Das ist nicht der Kauf einer Fahrkarte bei der Bahn, sondern die Fahrt mit dem Auto. An diesem  Mittwoch (19.11.25) bin ich für 11.30 Uhr mit dem Auktionsbüro für Briefmarken  und Münzen in Berlin- Marzahn, Wolfener Straße,  verabredet. Ich will mir die bei der letzten Auktion ersteigerten Briefmarken abholen.  Glück habe ich mit dem Wetter, denn der Schnee läßt noch auf sich warten. Für mich scheint die Sonne.  Schnell bin ich auf der Autobahn Richtung Berlin und merke, daß der Verkehr nicht sehr stark ist. Nur viele Lkws sind unterwegs. Das Navi führt mich und die freundliche Dame meint nach 50 Minuten: in 3 km abfahren. Weiß ich doch, will ich antworten, aber solche Überheblichkeit rächt sich. Gerade verdecken einige Autos die Sicht nach rechts, ich sehe zwar das Zeichen „Ausfahrt“, aber mir fehlt die Richtung (Hohenschönhausen müßte draufstehen). So fahre ich weiter und verfehle damit erstmals diese Abfahrt. Damit bleibt mir diesmal die Staufahrt durch Ahrensfelde erspart. 6 km weiter kommt die Ausfahrt nach Berlin-Marzahn, mein Navi bleibt auch ruhig, hat sich schnell angepaßt. 3 km angenehme Fahrt und dann sehe ich den Kaufpark Eiche. Viel habe ich darüber gelesen, aber noch nie war ich dort. Und weiter sehe ich bekannte Namen wie Hönow (dort wohnte früher eine Bekannte von uns, und auch die U-Bahn fährt vom Tierpark nach Hönow). Ringleber Straße soll ich abbiegen, mache ich auch. Ich komme an der Wuhletalstraße vorbei, hier im Wuhletal finden  immer die Laufveranstaltungen der Kaulsdorfer Orientierungsläufer statt, mit den Brettschneiders als Organisatoren. Gudrun Brettschneider habe ich ja neulich in Sommerfeld besucht, als sie eine neue Hüfte bekam. Nach vier Wochen spazierte sie schon wieder munter über die Orientierungsstrecken (übrigens orientieren sich die Läufer dort doch mit Karte und Kompaß, das hatte ich kürzlich falsch beschrieben). Doch ich schweife ab, es soll ja eine kurze Geschichte werden (wenn ich das überhaupt noch kann). 

Meine Navi-Frau gibt sich alle Mühe, aber weil der Blumberger Damm teilweise gesperrt ist, muß sie eine neue Strecke durch die Marzahner Häuserschluchten vorschlagen, kommt fast an ihre Grenzen, denn plötzlich lande ich in einer Sackgasse. Doch irgendwie finde ich die Lösung, über den Blumberger Damm gelange ich schließlich bald zur Wolfener Straße, mein Ziel. Und nun folgt eine weitere Premiere.  Parkte ich früher hier immer irgendwo außerhalb des Gewerbegebietes, wage ich mich diesmal hinein ins Getümmel. 1. Tor keine Einfahrt, 2. Tor keine Einfahrt, aber aller guten Dinge sind 3. Einfahrt möglich, ich ziehe ein Ticket vor der Schranke und flugs öffnet sich diese. Auf diesen Höfen kenne ich mich schon aus und so kann ich ohne Probleme das Auto direkt in der Ladezone am vierstöckigen Gebäude parken, dort, wo im 4. Stock das Auktionsbüro residiert.

Der Fahrstuhl funktioniert, die Bürotür läßt sich leicht öffnen und schon sehe ich das bekannte Bild. Rechts sitzt Frau Wegner, die Empfangsdame und fragt mich nach meinem Begehren. Links sehe ich schon geschäftiges Treiben, die beiden Chefs (der Vater ist der Briefmarkenexperte und der Sohn der Münzfachmann)  schieben im großen Raum Kisten und Kartons umher, um sie zum Abtransport fertig zu machen. Der Chef kommt gleich auf mich zu, begrüßt mich mit Handschlag und meint zu Frau Wegner: „ Hier habe ich alles für Herrn Scheerer bereitgestellt.“  Auf einem kleinen Transportwägelchen (Möbelroller) sehe ich den Umzugskarton, einen kleinen Karton und ein Album. Frau Wegner vergleicht alles, es stimmt. Und bezahlen muß ich heute auch nicht, denn es wird mit dem Erlös meiner Münzen verrechnet. Ich bedanke mich, nehme meine Errungenschaften mit.  15 Meter sind es bis zum Fahrstuhl, vier Etagen bis ins Erdgeschoß und dann schiebe ich das Wägelchen bis zum Auto, lade alles ein. Zurück mit dem Fahrstuhl und nun  ergibt sich die Gelegenheit, noch ein wenig mit beiden Chefs zu plaudern. Warum am Schluß der Auktion so viele Kartons zu geringen Preisen versteigerten wurden, frage ich.   „Wenn wir größere Sammlungen abholen, wollen die Kunden immer alles geräumt haben. So nehmen wir auch das mit, was nicht viel wert ist.“  Jetzt wird schon wieder die nächste Auktion, die im April 2026 stattfindet, vorbereitet. Dazu fahren wir, erzählt der Chef, in mehrere Orte, empfangen dort die Kunden mit ihren Schätzen. Am Arbeitstisch klebt der Reiseplan, ganz oben steht Erfurt. Hotel Mercure, das kenne ich und auch der Chef weiß gleich Bescheid, ja, mitten im Zentrum, dicht am Anger. „Es ist angenehm dort, aber leider sind die Preise deutlich angestiegen“.   Flugs sind wir bei den alten Zeiten. Versteigerungen waren damals völlig anders als heute. „ Es gab noch kein Internet, wir versteigerten direkt vor den Kunden. Zunächst im Saal am Berliner Ostbahnhof (dort war ich zu DDR-Zeiten auch mal Gast), später in der Berliner Kongreßhalle am Alexanderplatz. Stolz zeigt mir der Chef Fotos von damals, er jung und gut aussehend, der Saal mit über 100 Leuten gefüllt. „Doch die Zeiten haben sich eben geändert, es macht sich einfacher für die Käufer, alles am Bildschirm zu verfolgen und dort auch die gewünschten Lose zu ersteigern.“ So, wie ich das ja auch gern tue.

Genug geschwatzt, die Arbeit ruft und ich verabschiede mich. Die Rückfahrt  ist kein Problem, der Stau in Ahrensfelde ist kleiner als gewöhnlich, ich verpasse auch nicht  die  Auffahrt auf die Autobahn und auch nicht die Abfahrt kurz vor Neuruppin. 14.20 Uhr bin ich wieder  zuhause, glücklich und zufrieden.

Beim 50. Hubertuslauf in Neuruppin

An diesem Sonntag (19.10.25) findet der Hubertuslauf in Neuruppin zum 50. Mal statt.  Ich war bereits 1978 dabei, damals noch mit dem Start auf dem Sportplatz in Alt Ruppin. Zunächst lief ich nur die 13 km, aber bereits 1980 wagte ich mich an die lange Strecke von rund 27 km. 1981 wurde die Strecke mit 25 km vermessen, bei 12 Grad brauchte ich 1:54:53 h. Der Kurs führte bis zum Wendepunkt nach Boltenmühle und zurück,  und diesen Kurs habe ich in den Jahren danach oft absolviert, im Training und im Wettkampf. Mittlerweile ist der Start auf das Gelände des Oberstufenzentrums verlegt worden, weil dort bessere Bedingungen für die Organisatoren und Teilnehmer angeboten werden.

Lang, lang ist es her, aber die Erinnerung bleibt. Und an diesem Sonntag will ich wenigstens als Zuschauer dabei sein.

10.15 Uhr  ist der erste Start für die 3-km-Läufer und die 8-km-Wanderer angesetzt. Ich fahre 9.45 Uhr mit dem Auto in die Nähe der Wettkampfstätte, parke aber einiges früher vor dem Haus einer  KfZ-Werkstatt. Das Fenster öffnet sich, aber ich bin nur zufällig hier gelandet. Der KfZ-Meister fragt nach meinen Wünschen und staunt, daß ich von hier aus bis zum Startgelände gehen, wandern will. „ Das sind aber 1,5 km“, meint er. „Ich schaffe das locker“, entgegne ich. Nicht wissend, welche Strecke ich heute noch bewältigen werde. Spontan wird es sein, und das ist manchmal das Beste. Jedenfalls schaffe ich es locker bis zum Start, kann noch fotografieren und dann spaziere ich einfach den Läufern und  Wandersleuten nach. Zuerst über einen großen Parkplatz, dann einen schmalen Wald-und Wiesenweg  entlang, hinein in das Waldgebiet. Je länger ich gehe, desto mehr überrede ich mich, weiter zu gehen. Die Neugier siegt, denn schon länger habe ich diese Gegend nicht gesehen, weder mit dem Fahrrad noch zu Fuß. Bald bin ich auf dem Radweg. Rechts führt er hinunter zur Schleuse Altruppin, nach links aber laufen und gehen die Teilnehmer des Hubertuslaufes. Ich versuche mich zu erinnern, wähle dann einen anderen Weg, nicht weit von der Strecke, aber in der gleichen Richtung. Bald komme ich an vielen Bungalows (so hieß es früher) und auch an vielen neuen Häusern vorbei. Keine Menschenseele ist zu sehen, zu hören. Ich bin froh, als mir endlich drei Wandersleut entgegen kommen. Erfreut grüße ich sie, verwickele eine freundliche Dame in ein kurzes Gespräch. Weil ich verwundert darüber bin, daß der früher sehr holprige Weg nun glatt und autofreundlich hergerichtet ist, meint sie: „ Ja, hier ist viel gebaut worden, und weil nun viel Prominenz hier lebt, hat sich auch die Straße verbessert“.  Aber, so meinte sie zum Abschied, „wir haben es doch schön hier.“

Ich komme bald an eine Schneise, die ich noch gut von Trainingsläufen her kenne. Dort haben wir oft Zwischenspurts eingelegt, denn jeder wollte oben der Erste sein. Jetzt aber geht es für mich herunter, vorbei am River Cafe Molchow, dort, wo ich  vor vielen Jahren mal die Berliner  Gerhard und Alexandra getroffen habe, die von dort aus in ihr Paddelboot stiegen. Jetzt aber wird nicht gepaddelt. Vielmehr stehen viele kleinere und größere Boote am Ufer, aber wohl schon im Herbstschlaf.

Nicht mehr weit ist es bis zur Molchow-Brücke. Über sie wurde vor Jahren viel gestritten. Zwar war die alte Brücke morsch und mußte abgerissen werden, aber die neue, moderne Brücke fand nicht überall Zustimmung. Nun steht sie aber und sie gefällt mir. Kurz vor der Brücke ist der Punkt, wo sich die Geister scheiden. Ich bin, das habe ich gar nicht erwähnt, wieder auf der richtigen Wettkampfstrecke und durch einen freundlichen Helfer werden die ankommenden 8-und 15-kmLäufer und Läuferinnen (die um 11 Uhr gestartet sind) in die richtige Richtung gewiesen. Für die 15er geht es nach rechts über die Brücke und dann bis Stendenitz, für die 8er nach links. Und dorthin wende ich mich auch und sehe einen mächtigen Anstieg vor mir. Ich schaffe es wandernd, neben mir schnauft und keucht es, kein Zuckerschlecken für die Läufer.  Spätestens jetzt bin ich froh, nicht mitlaufen zu müssen. Eigentlich hatte ich mir vor einiger Zeit vorgenommen, wieder mit dem Laufen anzufangen und die 8 km zu bestreiten. Doch ich schaffte es nicht und ich weiß auch: Diesen „Berg“ hätte ich nur gehend überwinden können.

Bis jetzt bin ich 4 km gewandert, nun liegen wieder 4 km  vor mir. Diesmal wähle ich den Kurs der Läufer, darf hautnah beobachten, wie leicht oder schwer es ihnen fällt. Und ich merke auch, daß wandern ohne Training auch nicht so einfach ist. Die Strecke zieht sich. Aber irgendwann höre ich wieder die Lautsprecheransagen aus dem Start-und Zielbereich, sehe die Zielgerade. Ich bekomme zwar keine Medaille, weil ich mich ja nicht als Teilnehmer angemeldet habe und keine Startnummer besitze, aber ich kann mit den Glücklichen mitfühlen, die das Ziel erreichen. Ich „schieße“ schnell noch ein Foto vom Mitorganisator Bernd Gummelt, der früher mal DDR-Spitzengeher war und heute die Siegerehrungen vornimmt, die Urkunden und Pokale ausgibt. 

1,5 km liegen nun nur noch vor mir, ich bin praktisch im Endspurt. Es ist zwar ein langsamer Spurt, aber mein „Benzin“ reicht noch bis zum Parkplatz. Mein Auto erwartet mich schon sehnsüchtig und begrüßt mich: „Herzlichen Glückwunsch, 12 km Gehen ohne richtiges Training ist eine gute Leistung“.

Beim Börsentag in Berlin


Mit der Börse beschäftige ich mich schon seit langem. Beim Studium empfand ich die Vorlesungen über die Börse, über Devisen, allgemein über Geld immer spannend, auch wenn wir in der DDR da meist außen vor waren. Nach 1990 ergab sich dann die Möglichkeit, auch mal an der Börse aktiv zu werden, sprich, Aktien zu kaufen. Doch was ist die Börse eigentlich?
„Die Börse ist ein organisierter Markt für den Handel mit Wertpapieren, Währungen (Devisen) und Rohstoffen. Sie dient als Plattform, auf der Käufer und Verkäufer aufeinandertreffen, um Preise zu bilden, die sich nach Angebot und Nachfrage richten. Unternehmen können hier Kapital aufnehmen, indem sie Aktien ausgeben, und Anleger können Gewinne erzielen, indem sie Wertpapiere kaufen und später teurer verkaufen.“ Das liest man bei Google und weiß etwas Bescheid.
Aber ich wollte schon immer tiefer einsteigen, las Bücher und informierte mich auf den jährlichen Börsentagen in Berlin. Dort wurden Vorträge gehalten, konnte man sich mit den Fachleuten in Ruhe unterhalten und sich beraten lassen.
Das Thema interessiert mich weiterhin. Deshalb fahre ich an diesem Sonnabend (19.10.25) nach Berlin zum Börsentag.
Erster Halt ist der Ernst-Reuter-Platz. Hier parke ich oft, beispielsweise, wenn ich bei km 8 den Berlin-Marathon beobachte oder einfach nur in Richtung S-Bahnhof Zoologischer Garten spaziere. 11.45 Uhr komme ich an, 12.00 Uhr ist der erste Vortrag. Genügend Zeit also, denn nur 10 Minuten Fußweg benötige ich. Und dabei schaue ich mich um, bemerke, daß der große Buchladen Kiepert nicht mehr existiert (ich lese jetzt, daß er schon 2002 Insolvenz angemeldet hat) , daß das Restaurant am Steinplatz, wo ich vor einigen Jahren nach einem Börsentag mit Börsenprofi Orkan Kuyas einige Stunden verbrachte, nicht mehr da ist. Neu für mich ist in einem der prächtigen Häuser auf der anderen Straßenseite die Filiale von pro aurum (Gold hat das chemische Symbol Au), einem Goldhändler. Sie soll nachher noch Bedeutung gewinnen. Vorbei an der Akademie der Künste Berlin in der Hardenbergstraße 33 bin ich dann bald an der Fasanenstraße. Dort steht das Ludwig-Erhard-Haus, wo der Börsentag stattfindet. Im Internet habe ich mich vorher als Besucher angemeldet, weise mich am Eingang entsprechend aus, d.h. vom Einlaßchef wird ein QR-Code gescannt, den ich auf meinem Handy vorweise. Klingt kompliziert, aber ist es nicht. Nur weiß ich nicht, warum… Vielleicht will der veranstaltende Berliner Börsenkreis meine Daten, um mir später Informationen zukommen zu lassen. Oder vielleicht dient es einfach der Ordnung und Sicherheit. Sei es wie es sei, ich bin drin!
Ich begebe mich ins 1. Obergeschoß, suche das Kleine Atrium. Später informiere ich mich, was eigentlich ein Atrium ist. „Ein Atrium wird von einer glasüberdeckten Halle gebildet, die von zwei oder mehr Seiten von Gebäudeteilen eingeschlossen wird und ggf. auch die gesamte Erschließung des Gebäudes beherbergt. Das Licht fällt von oben ein“. So in etwa ist auch dieses Atrium hier.
Christian Giesen von philaro Edelmetalle hält einen Vortrag zum Thema:“ Vermögenssicherung und Kaufkrafterhalt mit Edelmetallen.“ Vielversprechend, aber im Endeffekt nur Vermittlung von Allgemeinwissen. Ich halte aber aus, auch wenn es ziemlich kühl in diesem Atrium ist. Nach einer halben Stunde ist der Vortrag beendet, ich gehe in das Große Atrium nebenan, wo deutlich mehr dem Referenten Raimund Ortner lauschen. „ Von der Vision zur Vermögensstrategie. Warum Bitcoin in jedes Portfolio gehört“. Ich bekomme nur die letzten zehn Minuten des Vortrages mit, bin aber wie alle Zuhörer vom Referenten gefesselt. Hinterher spreche ich zwanzig Minuten mit Raimund Ortner, der in im österreichischen Graz für einen Bitcoin-Broker arbeitet. Ich erkläre ihm, daß ich bisher nicht viel von Bitcoin und den Kryptowährungen verstehe, mir aber gern ein Buch kaufe, um mich weiterzubilden. Herr Ortner ist daran interessiert zu erfahren , wie ich zur Börse gekommen bin, seit wann ich mich für Finanzen interessiere. Er weist darauf hin, daß sich immer noch zu wenig Leute mit ihren eigenen Finanzen befassen, keine Strategie haben. Und bemerkt, daß natürlich ein Teil der Bevölkerung keine Beziehung zur Börse hat, weil das „nötige Kleingeld“ fehlt, weil man damit zu tun, hat, im täglichen Leben über die Runden zu kommen. Irgendwann müssen wir uns verabschieden, und ich bedauere, daß Graz so weit weg ist. Solche Gespräche müßte man öfter führen und nicht nur das verfolgen, was im Internet geschrieben wird.
Mittlerweile ist es 14.15 Uhr, der nächste Vortrag steht an. Es ist ja nicht einfach, aus gefühlt 50 Vorträgen etwas auszuwählen. Ich habe mir diesmal die „Schiene“ Gold und Edelmetalle sowie Devisenhandel vorgenommen.
Ich gehe wieder nach nebenan in das „Kleine Atrium“, an die Kühle habe ich mich ja gewöhnt. Nun wird über den Devisenhandel gesprochen. „Wenn Sie eine Apple-Aktie kaufen, sind Sie auch Devisenhändler. Sie kaufen in Euro, die Aktie des US-Konzern ist mit Dollar auf dem Markt“. Ein einfacher, aber verständlicher Einstieg. Die anderen wichtigen Währungen werden aufgezählt, wie der Japanische Yen, das britische Pfund, der Schweizer Franken und der chinesische Renminbi (übersetzt Volkswährung). Die Währungen dienen nicht nur als Zahlungsmittel im Land, sondern werden auch gehandelt. Die größten Umsätze am Devisenmarkt gibt es nach wie vor in Dollar, es folgen der Euro, der Yen, das Pfund und der Renminbi. Alle Rohstoffe werden auf Dollar gehandelt. Weitere Themen im Vortrag sind die Verschuldung der USA und anderer Staaten, die Aktivitäten von China und Japan und anderer Länder, ihre US-Anleihenbestände abzubauen und die wachsende Rolle Chinas im Weltmaßstab. Viel Diskussionsstoff, und Aufforderung, sich weiter damit zu befassen.
Der Vortrag ist beendet, ich bleibe aber, denn der nächste Vortrag „Edelmetallpreise im Rallyemodus- was Anleger nun wissen müssen“ steht auf meinem Plan. Und das wird der Höhepunkt des Tages, weil der Referent Alexander Köhne sein Handwerk beherrscht, ein brillanter Redner vor dem Herrn ist und weil er überzeugend darlegt, warum man einen Teil seines Vermögens, wenn man es denn hat, in Gold anlegen sollte. Alexander Köhne arbeitet für „pro aurum“, eben diesem Edelmetallhändler, an dessen Berliner Filiale ich vorhin auf dem Herweg vorbeigekommen bin.
Überzeugend wird dargelegt, daß sich Gold auch in früheren Krisen als Fels in der Brandung erwiesen hat. Ob Kriege, ob Weltwirtschaftskrise, mit Gold konnte man allem widerstehen. Zum gegenwärtigen Hoch der Goldpreise trage vieles bei, wie die außer Kontrolle geratene Staatsverschuldung, der Ukrainekrieg, eine drohende Taiwankrise, die Konflikte in Nahost, die Demographie, der Klimawandel. All das führt dazu, dass man Gold als rettenden Anker wählt. Und vor allem die Zentralbanken der wichtigsten Länder stocken ihre Goldbestände auf. Und die, die viel Gold besitzen wie die USA und Deutschland, wollen ihre Goldbestände nicht verkaufen. Also, alles geht im Moment Richtung Gold und auch die Aussichten für die fernere Zukunft sind positiv. Das Unternehmen Pro Aurum ist aber nicht nur Goldhändler, sondern kauft und verkauft auch andere Edelmetalle. Zwar steigen Silber und Platin im Moment ebenfalls stark an, aber, so der Referent, gerade bei Silber sind die Preisschwankungen doch sehr hoch. Und spätestens jetzt merke ich, daß ich den Inhalt eines 45minütigen Referates aus der Erinnerung nicht im Ansatz aufschreiben kann. Somit beende ich die Glorifizierung des Goldes, wissend, daß nicht jeder genug „Kohle“ hat, um einen Teil in Gold anzulegen und andererseits, jeder seines eigenen Glückes Schmied ist.
15.45 Uhr beende ich den Aufenthalt beim Börsentag, spaziere bei herrlichem Herbstwetter den Weg zurück zum Parkplatz, erfüllt und gefüllt von vielen Eindrücken, Worten, Hinweisen, Ratschlägen.
Am 10. Oktober 2026 bin ich wieder beim Börsentag in Berlin. Mal sehen, was sich bis dahin in der Welt der Finanzen, der Wirtschaft und vor allem in der Welt des Goldes getan hat.

Zwei tolle Tage mit Paulie in Neuruppin und Berlin

Enkeltochter Paulie ist am Donnerstag (9.10.2025) pünktlich 16 Uhr mit dem Zug aus Köln in Spandau angekommen.  Flugs geht  es  zum Parkplatz. Seit Paulies erstem  Lebensjahr fahren wir diese Strecke, immer vorbei am Haus mit dem Pferdekopf in der Mauer, geradeüber vom Havelpark.  Auf der Autobahn herrscht geringer Verkehr, in Neuruppin decken wir uns bei REWE für drei Tage ein.  Am Freitag (10.10.) folgt der obligatorische Besuch im Tierpark Kunsterspring. Hauptziel für Paulie sind die Bergziegen, die wie immer hungrig sind. Das Füttern klappt, auch wenn die Futterautomaten in die Jahre gekommen sind  und nur widerwillig das Futter hergeben.   Da ist es dann 17 Uhr beim Italiener in der Präsidentenstraße einfacher. Der Chef  Herr Fiore,  empfängt uns persönlich, bittet zu Tisch.  Speis und Trank munden uns köstlich, mir wie üblich  die gegrillten Lachsstücke, Paulie die  Pasta Arrabiata.

Der Haupterlebnistag  wird  der Samstag (Sonnabend).

Paulie hat im Internet ein Parkhaus auf dem Berliner Alexanderplatz ausgekundschaftet, ich bin gespannt, weil ich dort noch nie gewesen bin. Es ist eine Tiefgarage mit zwei Ebenen, direkt neben dem früheren Hotel Berlin, wo Paulie mit ihrer Mutter Petra früher schon mal übernachtet hat. Einfach  die Einfahrt, das Ziehen des Tickets und die Suche nach einem freien Platz. Der Vorteil  eines Parkhauses: Wir müssen nicht einschätzen, wie lange wir unterwegs sind.

Frohen Mutes begeben wir uns auf Entdeckungsreise. Ich spiele den Reiseführer, fühle mich in dieser Gegend sehr wohl, weil ich seit 1961 dort oft langgegangen bin. Vom S-Bahnhof Alexanderplatz führte mich damals der Weg zu meiner Uni.  Diesen Weg zeichne ich heute nach, links vorbei am Fernsehturm (hier habe ich früher in einer kleinen Gaststätte oft mir ein Entenstück vom Grill als Abendmahlzeit gekauft), vorbei an den Rathauspassagen mit der Bowlingbahn, dann aber Richtung Neptunbrunnen, an der Marienkirche vorbei und hinüber in die Spandauer Straße.  Nach 100 m sehe ich auf der linken Seite das prächtige Gebäude der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Dort  habe ich von 1961 bis 1965 immer fleißig  studiert. Auch heute wird dort noch Wirtschaftswissenschaft gelehrt. Wir aber müssen weiter, das erste Ziel ist der Touristenpunkt Hackescher Markt. Wir laufen unter der Brücke hindurch, über uns rattert die S-Bahn. Wir aber sind gleich mitten im wuseligen Marktgeschehen, und danach mitten im pulsierenden Leben. Die Gaststätte, in der wir als Studenten oft Karten gespielt haben, existiert noch, wenn auch in anderer Form.  Wir schlendern durch die vielen Passagen mit den zahlreichen Läden, Cafes, Restaurants.  Weil wir Hunger und Durst verspüren, gehen wir in  ein kleines Selbstbedienungsrestaurant, leisten und ein gut schmeckendes Stückchen Quarktorte, dazu einen Matcha-Tee (Paulie) und ich eine Cola. Erstaunlich, wie viele sich in die Warteschlange vor dem Verkaufstresen einreihen.

Wir aber müssen weiter. Auf der anderen Straßenseite lockt ein großer, moderner Saal. Paulie erspäht gleich: Apple. Das lockt. Paulie hat gefühlt seit ihrer seit Geburt  nur Geräte der Firma  Apple, ob  Ipad (Handy), Tablett oder Laptop.

Der Andrang ist gewaltig, rund 120 Leute schauen sich die Geräte an, sprechen mit den Beratern oder hören Vorträgen zu.   Wir beide, Paulie und ich, sind überrascht und begeistert. Schwieriger gestaltet sich die Suche nach einem Berater bzw. Verkäufer. Eigentlich wollte sich Paulie die neueste Kreation des AirPods Pro 3 anschauen und erklären lassen.

Ich höre zum ersten Mal das Wort Air-Pod, frage mich, was das ist.  Das Internet gibt Auskunft: 

„Ein Air Pod ist ein kabelloser In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer von Apple. Er wird in verschiedenen Modellvarianten angeboten, wie den Standard-AirPods, den Pro-Versionen mit aktiver Geräuschunterdrückung und den Over-Ear-Kopfhörern AirPods Max. Die Kopfhörer sind mit den meisten Bluetooth-fähigen Geräten kompatibel, funktionieren aber am besten mit Apple-Geräten.“ Doch was kann man mit diesen Stöpseln im Ohr tun? Petra erklärt: Man kann Musik hören, kann  Filme sehen (sprich die Stimmen hören), Podcasts hören (habe ich noch nie). Vor allem ist es wichtig für lange Reisen, mit der Bahn, mit dem Flugzeug (im Auto ist es dem Fahrer nicht gestattet, aber die Beifahrerin darf sich natürlich damit entspannen).

 Ich rede Petra ein, dass ich ihr die Stöpsel doch zu Weihnachten  schenken könnte,  sie  aber schon jetzt benutzen dürfe. Diesen Vorschlag findet sie gut.

 Der erste Berater meint, der eigentliche Verkäufer sei nicht da, also sollten wir das kleine Gerät online bestellen.  Das aber ist uns erstmal zu aufwändig. Also die nächste Beraterin abgepaßt, die aber eine ähnliche Auskunft gibt.  Wir schauen uns dann nochmals das Angebot der 3 Varianten des Airpods an.  Variante 1 hat sich Paulie vor 6 Jahren gekauft, ist also  jetzt  ziemlich veraltet.  Wie aber ist die Variante 3? Da kommt der Zufall in Gestalt eines freundlichen Ehepaares zu Hilfe,, das  sich gerade die Airpods anschaut . Ich frage den Mann , ob er ein solches Gerät habe. Er bejaht es , preist das Air Pod 3 in hohen Tönen an. Es ist überzeugend.  Also heraus aus dem Verkaufssaal, vor die Tür und Paulie versucht,  das Gerät online zu bestellen. Erst wird die Kreditkarte gefordert, die ich aber nicht mithabe. Dann der Gedanke, das Geld zu überweisen, aber das klappt auch nicht.

Letzter Versuch:  Paulie überweist  per Pay Pal,  und das nimmt das System freudi g an. „Das Gerät wird  im Verkaufsraum bereitgestellt,“ können wir lesen. Hoffentlich klappt das, bis 20 Uhr ist geöffnet.

Inzwischen ist es  16.30 Uhr, unser Hunger wächst, die  Zeit fürs  Mittagessen naht. Paulie hat schon vorher vorgeschlagen, beim Inder essen zu gehen. Sie schwärmt davon, daß sie vor zwei Jahren bei einem Berlin-Besuch ihrer Schulklasse bei einem Inder gespeist habe und es so köstlich geschmeckt habe.  Irgendwo in der Nähe des Friedrichstadtpalastes, erinnert sie sich.

Vom Hackeschen Markt spazieren wir zur die Oranienburger Straße, vorbei am Restaurant, in dem Tochter Petra mal gearbeitet hat und wo heutzutage ein mexikanisches Restaurant die Kunden empfängt. Die jüdische Synagoge und das benachbarte Verwaltungsgebäude  sind wie immer schwer bewacht, das kenne ich schon von früher her. Und Israel, das gerade für Schlagzeilen sorgt,  sollte uns heute nochmals begegnen.  Wir laufen durch ein neues Gebäude, was in den letzten Jahren an Stelle des ehemaligen Kulturzentrums „Tacheles“ entstanden ist.  Gleich sind wir am Friedrichstadtpalast, daneben ist das indische Restaurant „Bombay“. Ich wähne mich am Ziel, aber Paulie meint enttäuscht: „Das war es nicht“. Also im Internet schnell  nachgeschaut und dort kommt der Tipp für einen Inder ganz in der Nähe.  Zurück durch das „neue“ Tacheles, und auf der Oranienburger Straße sehen wir gleich geradeüber ein größeres Restaurant.“ Das ist es“, ruft Paulie erfreut aus und sie wird noch sicherer, als wir in die riesigen Räume „eintauchen“. Rund 500 Gäste finden hier Platz, einfach umwerfend. Und umwerfend ist auch die Freundlichkeit  der Kellner. Der Oberkellner bittet uns zu einem freien Tisch, direkt mit Aussicht auf die Straße. Perfekt! Und perfekt ist auch das Essen:  Hähnchenstückchen , einmal vegan, einmal normal, dazu Reis und eine köstliche Tomatensoße. Einziges Problem: es ist zuviel! Aber die Lösung ist einfach, wir bekommen das, was wir nicht schaffen , in einer Plastikschale samt Papiertüte mit auf den Heimweg.  Aber noch geht es nicht zurück nach Neuruppin. 

18 Uhr verabschieden wir uns vom Inder und spazieren zurück zum Apple-Verkaufssaal.  Ich fühle mich hier in der Gegendl recht heimisch, habe eine gute räumliche Orientierung. Die ist auch nötig, denn wir nehmen einen anderen Rückweg. Es geht durch die Auguststraße, dort, wo früher mal ein Tanztreff  der Humboldt-Universität  war.  Irgendwann stoßen wir auf die Sophienstraße. Da wollte ich hin. Denn sie führt  vorbei an der Sophienkirche zurück ins Viertel am Hackeschen Markt. Und zurück zum Apple-Saal. Die Spannung steigt. Ob unser „Unternehmen“  geklappt hat, ob  das Airpod unserer, Paulies Begierde schon geliefert wurde, fragen wir uns. Die Antwort kommt gleich und sie ist positiv.

Die erste freundliche Dame weist uns an den Ausgabetisch, dort, wo vor zwei Stunden  noch eine lange Warteschlange stand. Die hat sich aber abgebaut.   Ein freundlicher Verkäufer empfängt uns, scannt die Daten von Paulies Handy, das System funktioniert , alles ist in Ordnung. Aus einem Regal hinter der Verkaufstheke entnimmt er  ein kleines weißes Kästchen,  in welchem die Air Pods weich gelagert sind.  Es folgt eine kurze  Erklärung  und dann bekommt Paulie das Kästchen. Wir sind glücklich.

Noch aber ist das  Tagesprogramm  nicht abgearbeitet. 

Unser nächstes Ziel: Das Berliner Lichterfest.  Seit drei Tagen werden jeden Abend  ab 19 Uhr einige ausgewählte Gebäude, vor allem in der Innenstadt, angeleuchtet. Und nicht nur so einfach angeleuchtet, sondern mit phantasievollen, wechselnden Motiven bestrahlt.  Auf mir bekannten Wegen geht es bis zur Brücke, zwischen dem ehemaligen Palasthotel und meinem Uni-Gebäude auf der einen Seite und dem Museumsviertel und dem Berliner Dom auf der anderen Seite. Auf der Brücke stehen schon die Schaulustigen, aber von hier aus wird man wenig sehen.  So gehen wir weiter, vorbei  am Maxim-Gorki-Theater und einem neugebauten Eingang zum Deutschen Historischen Museum. Doch dafür haben wir heute keine Zeit.  Wir wollen zunächst zum Gebäude der Humboldt-Uni. Dort sehen wir die ersten Lichteffekte, aber geradeüber  wird noch mehr geboten. Auf dem August-Bebel-Platz hat sich ein Menschenmeer versammelt, man staunt und fotographiert.  Wie schön, daß es Handys und Ipads  gibt. Die Staatsoper, die St. Hedwigskathedrale, das Hotel de Rome (hier war bis 1945 die Dresdner Bank, später in der DDR eine Bankfiliale des Berliner Stadtkontors und so ganz nebenbei auch einige Zeit Sitz unserer Mittagskantine; ich arbeitete nebenan in der Staatsbank)  und die Kommode, alles wird in Farbe getaucht.  Wir sehen uns satt und schlagen dann den Weg zum Parkhaus ein. Aber so einfach ist das nicht.  Auf der breiten Karl-Liebknecht-Straße  kommen uns aus Richtung Alexanderplatz/Marienkirche Menschenmassen entgegen. Die Straße ist für den Autoverkehr gesperrt. Wir haben Mühe, uns gegen den Menschenstrom zu  behaupten. Und mir fällt ein, daß ich am 4. November 1989  auf dieser Straße an  einem Protestmarsch (gegen die Zustände  in der DDR, für freie Wahlen, Pressefreiheit) teilnahm, der bis zum Palast der Republik führte. Der allerdings existiert nun nicht mehr, wurde abgerissen und nun steht dort das Humboldt-Forum.  Aber er steht noch: der Fernsehturm.  In diese Richtung müssen wir. Ganz einfach ist das heute am Abend nicht. Plötzlich ist die ganze Straße mit Polizeiautos abgesperrt. Es  bleibt noch ein kleiner Durchschlupf. Vorbei an der Marienkirche, dann rechts Richtung S-Bahnhof-Alexanderplatz, durch den Bahnhof  hindurch, auf den Alexanderplatz und dann machen wir einen  kleinen Fehler, gehen nicht  durch das Hotel Berlin (es heißt jetzt anders, Radisson In ), sondern um den Gebäudekomplex einschließlich des neben dem Hotel neu entstehenden Hochhauses. Schwierig, weil dieser Bau den Gehweg verschwinden läßt, aber irgendwie schlagen wir uns durch, finden auch dann die Treppe hinunter in das Parkhaus. Auf der 2. Ebene steht unser grüner Opel-Mokka und freut sich, endlich wieder bewegt zu werden.  Vorher müssen wir noch zahlen, für 7 Stunden und  7 Minuten wird die Höchsttagesgebühr von 24 Euro gefordert. Aber das ist uns das Tagesvergnügen wert.

Doch noch ist das Abenteuer Berlin nicht beendet. Wir haben vorhin bei der Suche nach dem Zugang zum Parkhaus schon in der Ferne Lärm gehört und eine Demonstration beobachtet. Viel Polizei ist im Einsatz, der Demonstrationszug wird nicht weiter Richtung  Straße Unter den Linden und Brandenburger Tor gelassen, denn dort sind ja die Schaulustigen des Lichterfestes unterwegs  Die Palästina-Demonstration mit 14.000 Teilnehmer wird an der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße / Memhard-Straße  angehalten, dort am früheren Pressecafe, neben dem Gebäude des Berliner Verlages.

Ich hoffe, dass wir  vom Parkhaus nicht in Richtung Demonstration , sondern in  Richtung Karl-Marx-Allee, also Richtung Osten fahren können. Das sieht auch anfangs so aus, aber  nur anfangs.  Eine Absperrung auf der Straße verwehrt uns die Weiterfahrt.  Also müssen wir uns wohl oder übel  nach links bewegen, in Richtung Westen, in Richtung  Demonstration.  Ich fahre zunächst langsam, halte nochmals an. Ich muß nach rechts Richtung Prenzlauer Allee fahren, aber da sehe ich mindesten 10 Polizeiautos  in der Karl-Liebknecht-Straße  in der rechten Fahrspur parken.  Ob sie wohl die ganze Straße sperren? Dann sind wir in der Mausefalle, denn geradeaus können wir nicht, weil da ja die Demonstranten laufen (zur Orientierung: es gibt in der Karl-Liebknechtstraße  in beiden Richtungen je 3 Fahrspuren, das wird uns bald helfen).

Als ich sehe, daß ein Polizeiauto in die von mir gewünschte Richtung fährt, fasse ich Mut, fahre dem Polizeiauto nach. Es klappt, die Fahrbahn ist frei, die rechts stehenden Polizeiautos stören nicht.  Ich fühle mich, uns , gerettet. Mein Orientierungssinn in dieser Gegend macht mich sicher, die Freiheit naht. Rechts liegt der Friedhof, links das Gebäude der ehemaligen Brotfabrik, dann die Tankstelle (etwas weiter hatte Tochter Petra früher mal eine Wohnung), dann links die Metzer Straße, wo ich  seit 1961 lange Zeit wohnte. Wir fahren auf der Prenzlauer Allee entlang, wie so oft. Nun ist es für mich und das Navi kein Problem mehr.  Bald sind wird auf der Autobahn, und der Rest ist ein Kinderspiel.  21.20 Uhr sind wir zuhause in der Friedrich-Ebert-Straße.

Paulie probiert bald ihre Air Pods aus, auch an mir. Erstmals habe ich so etwas im Ohr, und darf Musik lauschen. Es klingt sehr gut, vielleicht kaufe ich mir irgendwann auch mal solch ein Zaubergerät.  Paulie ist glücklich, hat sie  nun Unterhaltung für 8 Stunden (so lange hält der Akku, bevor neu geladen werde muß) Bahnfahrt, die sie  am Sonntag (12.10.) wieder zurück nach Köln führen wird.

Das Pfeifen im Auto

Mein Opel –Mokka rollt und rollt , seit Juli 2024 nun schon 12.000 km. Nur dreimal mängelte es. Es begann vor einigen Monaten bei einer Fahrt auf der Autobahn. Kurz vor der Raststätte Linumer Bruch setzte ein Wolkenbruch ein, ich fuhr herunter und wartete. Dann wollte ich starten und ein Pfeifton erschreckte mich. „Feststellbremse lösen“ stand auf dem Display. Ziemlich hilflos drückte und zog ich überall, ohne Erfolg. Als ich schon einen anderen Autofahrer um Hilfe bitten wollte, versuchte ich es nochmal. Und plötzlich war der Pfeifton weg, alles rollte wie gehabt. Vor einem Monat fuhr ich zur Autowerkstatt Wernicke, um Elisabeth zu ihrem neuen Auto zu bringen. Auto abgestellt, kurz andere Autos angeschaut und wieder hineingesetzt: Der Pfeifton erschreckte mich. Diesmal rief ich gleich die Mitarbeiterin der Werkstatt zur Hilfe. Wir setzten uns in Ruhe ins Auto, holten tief Luft, dann drehte ich den Zündschlüssel und alles war wie immer. Kein Pfeifton, Bremse (P) gelöst), auf D gestellt und ab ging die Lucie.
Am Sonntag (28.9.) nun wieder mal das „Pfeifen im Walde“, sprich im Auto. Nach meinem Stadtrundgang in Nauen fuhr ich los, hielt aber nach einem Kilometer nochmals an, um mein Navi einzustellen. Als ich dann wieder losfahren wollte, schreckte mich „mein“ Pfeifton auf. „Feststellbremse lösen“ hieß es zuerst, voller Hektik versuchte ich das, ohne Erfolg. Beim zweiten Versuch stand dann auf dem Display: „Automatik auf D stellen.“ Getan, aber ohne Erfolg. Kurz zur Beruhigung ausgestiegen, nach Hilfe Ausschau gehalten. Sie kam nicht. Also wieder ins Auto gesetzt, im Unterbewußtsein die Autotür richtig zugemacht, und , oh Wunder, nun klappte es wie immer. Kein Pfeifen, keine Hinweise.
Aber verunsichert war ich doch. Abends las ich viel im Internet über ähnliche Probleme, studierte meine Gebrauchsanweisung, alles sehr verwirrend und vielschichtig. Heute am Morgen (30.9.) dann die Eingebung. Es könnte sein, daß ich die Autotür nicht richtig geschlossen hatte. Das wollte ich in meiner Autowerkstatt erzählen, zum Termin um 12 Uhr. Auf dem Hof probierte ich schon mal im Selbstversuch, es klappte. Die Autotür nur leicht zugemacht, Zündschlüssel gedreht, schon kam mein „geliebtes“ Pfeifen. Ich wurde immer sicherer, die Ursache gefunden zu haben. Meine Mieterin Franziska, die nicht nur Kunst kann, sondern auch ein Automatikauto besitzt, bestärkte mich. Sie hörte nicht nur das Pfeifen, sondern sah auch auf dem Display das rote Zeichen mit der geöffneten Tür. Ich hatte das bisher nicht erblickt, nur die große Schrift: „Feststellbremse lösen“.
Selbstbewußt fuhr ich in die Autowerkstatt, bat einen freundlichen Mitarbeiter ins Auto und führte ihm alles nochmals vor: Autotür nur leicht geschlossen, dann Zündung betätigt und schon pfiff es. Die Ursache war entdeckt und der Mitarbeiter erklärte mir nochmals alles auf das Genaueste. Und betonte, daß dieses Problem bei den Kunden öfter mal auftrete, also ich kein Einzelfall sei.
Befriedigt fuhr ich wieder nach Hause. Es war wie in alten Zeiten. Früher habe ich den Trabant auch mal repariert, den Keilriemen erneuert, die Zündkerzen gereinigt, das Motoröl aufgefüllt und ähnliche kleine Sachen. Aber heutzutag sitzt man ziemlich hilflos im Auto, wenn etwas nicht funktioniert. Man verläßt sich auf die Automatik. Oder denkt mal in Ruhe nach und hat dann die Lösung und ein Erfolgserlebnis.

Wiedersehen in Grünheide

In Grünheide, einem Ort vor der Toren Berlins, war ich zuletzt vor 26 Jahren. Anlaß dafür war damals der Umzug von Bernd und Elfriede von der Giselastraße in Berlin-Lichtenberg hinaus in die Natur. „ Das Schöne ist, dass wir direkt vom Haus aus in ein großes Waldgebiet gehen können“, meinten sie damals wie heute. Eine geräumige Parterrewohnung erwartete sie. Ich half beim Umzug, hängte damals die Gardinen auf. Heute lasse ich das lieber andere tun.
Ich wohnte weiter in Berlin, später ab 2005 in Neuruppin. Die räumliche Trennung brachte es mit sich, daß wir uns nur noch auf den Klassentreffen trafen, meistens in Erfurt. Mit Bernd war ich seit der Einschulung in einer Klasse, bis hin zum Abitur.
Nun also, an einem Sonntag im August (10.8.25) sollte unser Wiedersehen in Grünheide stattfinden.
Abfahrt 13 Uhr, das Navi zeigt eine Stunde Fahrzeit an. Doch schon mitten im Ort beginnt ein Stau, den ich so noch nie erlebt habe. Aber die Ursache ist klar: Es hat einen Unfall auf der Autobahn zwischen Herzsprung und Neuruppin –Süd gegeben und die Umleitung führt durch die Stadt. Langsam geht es vorwärts, dann sehe ich, daß der Verkehr auf der Autobahn still steht. Kurzes Überlegen, ich biege nicht ab, sondern fahre weiter Richtung Fehrbellin, durch den Ort und dann der Versuch, wieder auf die Autobahn zu fahren. Der Versuch gelingt, der Verkehr fließt, wenn auch zähflüssig. Aber nach den Abfahrten Richtung Potsdam/Leipzig und später Berlin-Reinickendorf normalisiert sich alles. Abfahrt Erkner, gleich erste Straße links hinein, komischerweise kann ich mich daran noch erinnern. Nach einigen Kilometern taucht das Ortsschild Altbuchhorst auf. Der Name ist mir nicht mehr erinnerlich, aber Bernd erzählt, daß Altbuchhorst zur Gemeinde Grünheide gehört. Stichwort Bernd: Er steht in der Nähe der Wohnung und hält einen Parkplatz für mich frei.
Es ist alles so, als ob wir uns erst gestern gesehen haben. Mit Bernd und Elfriede läßt sich 5 Stunden lang munter plaudern, den Waldspaziergang verschieben wir aufs nächste Mal. Die Rückfahrt verläuft staufrei, nur der Anfang ist holprig, als ich die Abfahrt auf die Autobahn Richtung Hamburg verfehle, weil ich das Schild nicht rechtzeitig gesehen habe und mich das Navi auch nicht gerettet hat. Aber kurz danach kann ich umkehren und beim zweiten Anlauf klappt es. Die Autobahn hat mich wieder. Es ist ein entspanntes Fahren, nur die tiefstehende Sonne stört permanent. Aber sie kann meine Fahrt nicht stoppen. Und auch ein Wolkenbruch, der mich vor zwei Wochen an der Raststätte Linumer Bruch erwischte, ist heute nicht in Sicht. 20.30 Uhr bin ich wieder zuhause, nach einem ereignisreichen Tag.
P.S.: Grünheide kenne ich allerdings schon viel länger. 1980 lief ich dort meinen ersten Marathon und danach versuchte ich mich 1982, 1983 und 1984 am 100-km-Lauf, aber der Sprit reichte jeweils nur bis 70 km. Aber immerhin…

Zwischen Eberswalde und Berlin

                        Am Donnerstag (24.7.) beginnen die zwei tollen Tage in und um Berlin.  14.30 Uhr Abfahrt mit Ulrike , 16 Uhr Ankunft Berlin-Kastanienallee, Parkplatz direkt an der Zionskirche gefunden. Von dort  die Kastanienallee Richtung U-Bahnhof Dimitroffstraße (heute Eberswalder Straße) spaziert, an alte Zeiten um 1960 gedacht, als ich hier ganz in der Nähe in der Lychener Straße bei Frau Rosniewski mein möbliertes Zimmer hatte. Damals machte ich oft Halt beim Currywurst-Stand von Konopke. Den gibt es auch heute noch , deshalb gönnen wir uns dort jeder eine Wurst mit Kartoffelsalat. Gestärkt  geht es  zum Treffpunkt für Ulrike , der Sprachschule. Eine Stunde hospiziert sie im Unterricht von Deutschlehrerin Petra, bewertet später den Unterricht. Gemeinsam gehen wird noch kurz zur Zionskirche. Dort bin ich  erstmals in meinem Leben gewesen, sprach mit dem Kirchenangestellten, der mir von 1989 erzählte, als sich in der Zionskirche oft Oppositionelle trafen.

Zurück fahren wir vorbei an der Rheinsberger Straße, wo mein Studienkollege Hans-Dieter Möhling in der Rheinsberger Straße  direkt in der Sperrzone, dicht an der Bernauer Straße wohnte.  Heute hat die Bernauer Straße ein völlig anderes Gesicht. An früher soll der Mauerpark direkt am Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark erinnern.  Das große Sportstadion, in welchem ich selbst 10.000-m-Wettkämpfe bestritt und meine Tochter Petra am BZA-Lauf  teilnahm, wird leider abgerissen und soll neu gebaut werden.

Weiter führt die Rückfahrt  unter der U-Bahnlinie hindurch  bis zur Kreuzung Prenzlauer Straße und dann Richtung Autobahn. Getankt wird auch, für 1,63 Euro pro Liter.  Und wir gönnen uns beide eine Bockwurst mit Brötchen und Senf. Gestärkt geht es auf die Autobahn. 18 Uhr sind wir in Neuruppin und bereiten uns auf den nächsten Reisetag vor.

Auf der Eberswalder Straße waren wir ja heute schon. Morgen fahren wir nach Eberswalde. Das bietet sich an, weil Ulrike dort einen Arbeitstermin hat.

Abfahrt am Freitag (25.7.) 8.30 Uhr,  ca. 80 km nach Eberswalde, über Alt Ruppin, Grieben, Löwenberg, Liebenberg bis ins Zentrum von Eberswalde, dicht an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, so der moderne Name.  Beim Bäcker Wiese sitzt schon Luis, der Mexikaner, der an der Hochschule arbeitet. Wir trinken einen Kaffee , essen ein Stück Kuchen, die beiden Experten reden über die kommende Sitzung. 11 Uhr beginnt sie, ich habe 2 Stunden Zeit zum Stadtbummel. Dicht an der Kirche ruft eine Bank „Setz Dich doch“, und diese Bitte nehme ich dankbar an.  Rückweg zur Bäckerei   über den Markt, durch ein altes Viertel, alles ähnlich wie in Neuruppin.  Ulrike und Luis kommen bald, mit dem Auto geht es Richtung Berlin-Karlshorst. Auf einer für mich völlig neuen Route, u.a. über Werneuchen.  Das Schild Blumberg zeigt mir an, dass ich schon  mal hier war. Es war der Wendepunkt der 25-km-Strecke „Quer durch Weißensee“. Damals lief ich meine  Bestzeit von 1:45 h. Die Strecke führte vom Stadion Buschallee Weißensee, durch Ahrensfelde, kurz über die Autobahnbrücke  und dann zurück.  Davon existiert ein sehr schönes Foto einer Vierergruppe, mit mir und mit Dieter Gummelt, und  unser „Höllentempo“ ist sichtbar.

Wir fahren also mit dem Auto den Streckenabschnitt durch Ahrensfelde ab, biegen dann in die Märkische Allee, wir sind in  Marzahn im Norden Berlins. Links stehen die Häuser, rechts fährt die S-Bahn.  Zwischenziel ist der Bahnhof Lichtenberg, wo wir Luis verabschieden.  Dann fahre ich mit Ulrike durch unser „altes“ Wohnviertel, vorbei am Zachertsportplatz, durch die Lincolnstraße, die Sophienstraße, dann zurück durch die Volkradstraße, vorbei an der Mellenseestraße  bis zum Friedhof in Karlshorst.  Auf dem Urnengrab, wo meine beiden Ehefrauen Elke und Ruth ihre letzte Ruhe gefunden haben, blüht es in allen Farben.

Weiter fahren wir Richtung S-Bahnhof Karlshorst, rechts in die Ehrlichstraße hinein. Ulrike steigt aus, geht zur Apotheke und wen trifft sie dort?  Lucas Böttcher, Sohn des Malers Strawalde,  der für seinen Vater gerade Tabletten holt. Welch Zufall, denn das Haus von Lucas ist ja Ulrikes Ziel.  Kurze Besichtigung des Gartens mit einer kleinen Bühne für Konzerte, einem Wohnwagen und vorn dem Haus, wo nachher das Klassentreffen stattfindet.  Ich aber verabschiede mich, spaziere noch kurz zum Traberweg und denke zurück, als ich mit der Laufgruppe von Borussia Friedrichsfelde dort während unserer Trainingsrunden vorbeikam.

Nun aber bevorzuge ich das Auto. Um dem Verkehr in der Treskowallee zu entgehen, wähle ich eine andere Strecke und das werde ich büßen. Blockdammweg, rechts Richtung Ostkreuz, Versuch, in die Schlichtallee hineinzufahren. Zwar steht auf einem Schild „nur bis zur Polizeidirektion“ , aber ich riskiere es. Muß aber umkehren, fahre zurück Richtung Treskowallee. Hier ist kürzlich eine Straßenbrücke abgerissen worden, die Kreuzung ist jetzt gut passierbar.  Ich fahre die Treskowallee Richtung S-Bahnhof Karlshorst , vorbei an meiner früheren Wohnung geradeüber der Trabrennbahn. Doch dann lese ich im Navi „8 min Verzögerung“. Die  Autos bewegen sich nur ganz langsam,   ich verliere die Nerven und biege wieder in die Ehrlichstraße , also zurück zum Ausgangspunkt, der Villa von Lucas. Nochmals Blockdammweg, wieder rechts herum auf die Hauptstraße, vorbei am Kraftwerk Klingenberg, am Knast, an neuen Wohnbauten. Diesmal biege ich an der Schlichtallee nicht ab. Stehe etwas im Stau und lese:  „18 min Verzögerung“.  Das  will ich nicht erdulden, fahre unter der S-Bahnstrecke hindurch und biege gleich rechts ab in die Nöldnerstraße. Vorbei am Blumenladen, am Haus meiner früheren Hausärztin, vorbei an der Kirche und dann bis zur Weitlingstraße. Zwischendurch stehen überall neue Häuser, in 30 Jahren hat sich viel getan. Wenig Neues sehe ich in der Weitlingstraße. Nun bin ich wieder am Bahnhof Lichtenberg, wo wir vor einigen Stunden Luis abgeliefert haben.  Mein Vorhaben, Richtung Rhinstraße zu fahren, führe ich nicht aus,  sondern fahre Richtung Alexanderplatz, werde vom Navi am Ringcenter nach rechts in die Möllendorfstraße geführt. Dann nehme ich erstmals das Angebot wahr, in die Storkower Straße zu fahren. Und wieder staune ich über die vielen Neubauten, verpasse dadurch beinahe meine alte Arbeitsstätte beim DTSB (Deutscher Turn-und Sportbund). Aber ich erkenne das Gebäude noch. Und auch die Kniprode Straße ist mir noch bekannt, weil dort früher mal eine Freundin wohnte. Wichtig ist aber jetzt, dass kein Stau mehr kommt. Bald bin ich auf der Prenzlauer Promenade, dort, wo ich erst gestern mit Ulrike an der Tankstelle eine Bockwurst gegessen habe. Endlich bin ich auf der Autobahn.  Nun scheint die lange Rücktour gut beendet. Aber zu früh gefreut. Kurz vor der Raststätte Linumer Bruch erwischt mich und die anderen Autofahrer ein Wolkenbruch, die Sicht geht gegen Null. Glücklicherweise erwische ich die Ausfahrt zur Raststätte, kann abwarten, bis es nicht mehr regnet. Es dauert 10 min, dann will ich weiterfahren. Zündschlüssel gedreht, dann ertönt ein Dauerton und auf dem  Display steht: „Feststellbremse lösen“. Was tun? Es ist ein Automatikauto, und ich muß erst in der Gebrauchsanweisung nachsehen, was diese Warnung bedeutet. Doch ich finde nichts, versuche nochmals das Auto in Gang zu setzen, aber vergebens. Steige aus dem Auto, noch regnet es etwas. Ich entdecke nichts am Auto, will einen in der Nähe parkenden Autofahrer um Rat bitten. Vorher aber setze ich mich nochmals ins Auto, und Überraschung: Der Dauerton ist weg, die Warnschrift auf dem Display auch. Ich fahre und bin sehr glücklich. Nun passiert nichts mehr, 18.30 Uhr, nach 2 ½ Stunden, bin ich wieder in Neuruppin. Die zwei tollen Tage sind geschafft.

Und ein Zusatz. Sonnabend ist für mich Ruhetag, am Sonntag (27.7.) fahre ich wieder Richtung Berlin, bringe Ulrike zum Bahnhof Spandau, wo sie 11.46 Uhr in den  Flixtrain einsteigt, der sie nach Köln bringen wird.  18 Uhr fährt ihr Zug in Köln- Hauptbahnhof ein. Ihre Nichte Paulie holt sie ab und gemeinsam fahren sie zum Schokoladenmuseum, parken dort den Koffer, wollen noch eine halbe Stunde am Rhein sitzen. Doch etwas kommt dazwischen: ein Wolkenbruch.

Regen, das ist das Thema des Sonntags. In Paris fängt es auf der Schlußetappe der Tour des France  20 km vor dem Schlußspurt an zu regnen. Die Fahrer aber fahren zumindest in der Spitzengruppe „volle Lotte“, teilweise auf Kopfsteinpflaster.  Und zum Glück stürzt keiner. Begeisternd das Publikum, trotz Regen. Eine große Tour de France!

Laufen und Schwimmen in Rheinsberg

An diesem Sonntag (22.6.25) bekomme ich Kontakt zu einer neuen Sportart.  In Rheinsberg ist „Swim Run“, auf gut deutsch Schwimmen und Laufen, angesagt . Was verbirgt sich dahinter? Die Teilnehmer haben einen Neopren-Schwimmanzug an, Laufschuhe an den Füßen und tragen teilweise Paddles an den Händen, die das Schwimmer erleichtert. Sie  laufen und schwimmen im Wechsel.

Meine Neugier ist geweckt. Von Neuruppin fahre ich  die 27 km nach Rheinsberg. Aber  diesmal nicht zum Zahnarzt. Ich will mir den Wettkampf ansehen. Das Auto stelle ich in einer Seitenstraße, der Paulshorster Straße,  ab und spaziere 20 Minuten durch die Stadt hinunter zum Seehotel. Dort ganz in der Nähe haben die Veranstalter vom SCC Berlin (sie organisieren auch den Berlin-Marathon) Start und Ziel aufgebaut.  11 Uhr werden die Spitzenathleten und Athletinnen auf die Halbmarathonreise geschickt, später die Teilnehmer auf den kürzeren Strecken.

 Zuerst 200 m Lauf am Ufer entlang, dann schön angestellt und nach und nach auf einer Leiter in den See hinabgeklettert. Hineinspringen ist nicht gestattet. Geschwommen wird rund 300 m bis ans gegenüberliegende Ufer, dann geht es laufenderweise zunächst einen kleinen Hügel hinauf zum Rheinsberger Obelisken.  Dann entschwinden sie unseren Blicken.  Einer der rührigen Helfer erzählt uns, daß drüben noch einige kleinere Seen zu durchschwimmen seien, also immer laufen und schwimmen abwechselnd. Dabei behält man natürlich den Schwimmanzug an. Es ist sehr heiß, so um die 30 Grad, und deshalb ist das Schwimmen sicher immer eine willkommene Erfrischung. Aber was sich drüben abspielt, können  wir nicht sehen, nicht fühlen. Doch irgendwann tauchen die Ersten drüben aus dem Wald auf, müssen nochmals durch den Grienericksee schwimmen und die  wenigen Meter zurück bis ins Ziel laufen.  Als Erste rennt eine Frau ins Ziel, sehr zur Überraschung des Sprechers. Meistens ist es ja so, daß die Männer schneller als die Frauen sind. Doch bald kommt  auch der erste Mann ins Ziel, dann auch die Zweierteams. 

Ich nutze die Zeit zu einem Spaziergang am Ufer, vorbei am großen Seehotel. Dort hat man für die Pasta-Party kräftig aufgetafelt und harrt der Kundschaft, sprich,  wartet auf die Sportler. Ich aber habe genug von der Hitze, spaziere vorbei an zahlreichen Restaurants bis zum Rheinsberger Schloß. Aber nur, um das obligatorische Foto zu „schießen“.  

13 Uhr bin  ich wieder am Auto, schicke die ersten Fotos in die Welt und fahre zurück ins heiße Neuruppin. Unterhaltsam waren diese zwei Stunden für mich und ein wenig dachte ich daran, wie schön es sein würde, wenn ich im Herbst an einem kurzen Lauf teilnehmen würde, in Neuruppin beim Hubertuslauf ( 8 km) oder in Berlin beim Müggelseelauf (5 km). Doch dafür muß ich endlich mal wieder etwas trainieren!  Aber nicht bei dieser Hitze.

Premiere bei einer Briefmarkenauktion

Am 3. April 2025  habe ich erstmals aktiv an einer Briefmarkenauktion teilgenommen. An sich verwunderlich, dass es solange dauerte,  denn schon in meiner Jugend habe ich Marken aus aller Herren Länder gesammelt.

Ein Blick zurück: In Erfurt melde ich mich im Jahr 1954 beim Kulturbund in der AG Philatelie an, bekomme von dort einen speziellen Ausweis, mit dem ich immer dann, wenn neue Sondermarken herauskommen, zum Postamt am Erfurter Anger gehe und die drei Sätze abhole. Wichtig ist, dass in den kompletten Sätzen der sogenannte Sperrwert dabei ist, eine Marke mit geringerer Auflage. Und ebenfalls über den Kulturbund bekomme ich die offizielle Erlaubnis, mit Partnern im westlichen Ausland in Briefkontakt zu treten. Die fertige Sendung mit einer Inhaltsangabe wird ohne Probleme auf den Weg gen Westen geschickt.

Außerdem besuche ich die wöchentlichen Tauschveranstaltungen in der Erfurter Thälmannstraße, später in Berlin im Berolinahochhaus am Alexanderplatz und im Club in der Puschkinallee nahe der S-Bahnstation Treptower Park. So komme ich mit den Jahren zu einer umfangreichen Sammlung. Einige Ausgaben, vor allem aus Westdeutschland und Westberlin, sind so wertvoll, dass es sich lohnt, sie im Westen zu verkaufen, gegen das begehrte Westgeld. Und das ist  in den Jahren 1960 und 1961noch einfach. Ich nehme die entsprechenden Marken, stecke sie in ein kleines Album, verstaue dieses in der Innentasche meines Sakkos  und fahre los. In der Regel vom S-Bahnhof-Prenzlauer Allee. Nächste Station Schönhauser Allee und dann kommt schon die erste Station in Westberlin, Gesundbrunnen. Wenige Meter vom Bahnhof entfernt gibt es einen Briefmarkenladen, dessen Besitzer mir bereitwillig die Marken abnimmt und mir das Westgeld über den Ladentisch reicht. Für uns beide ein gutes Geschäft. Manchmal habe ich dann das Geld gleich in der nahen großen Straße in Ware umgesetzt. Von dieser Straße ist mir vor allem auch ein Bekleidungsgeschäft in Erinnerung, bei dem als Werbung eine ganze Zeit lang ein Petticoat an einer Stange vor der Ladentür hing.

Zurück den Briefmarken. Einmal war ich bei  der Berliner Briefmarkenauktion als passiver Zuschauer dabei, damals noch in den Geschäftsräumen am Ostbahnhof. Doch langsam erlosch die Leidenschaft, Briefmarken zu sammeln. Familie, Beruf und Sport hatten nun Vorrang.

Um so schöner, dass nun, Anfang 2025  das Feuer wieder entfacht wurde.  Warum? Weil mein Physiotherapeut  Mario mir einige Briefmarkenalben vorbeibrachte, die er zuhause gelagert  und für die er keine Verwendung hatte.

Ich kramte mir meine alten Alben heraus, auch die, die ich von meinem Onkel Ernst geerbt hatte. Er hatte sein halbes Leben gesammelt, doch vor allem blieb es bei DDR-Marken. Und die ältesten Jahrgänge zwischen 1949 und 1958  fehlten durchweg, bzw. waren früher von ihm auf Auktionen verkauft worden.  

So kam mir der Gedanke, dass ich  mir doch einen Wunsch erfüllen  und eine komplette DDR-Sammlung ersteigern könnte. Und vielleicht wäre auch eine Westberlin-Sammlung erschwinglich.

Im Internet entdeckte ich, dass die ehemalige  Berliner Auktion nun unter dem Namen „ Hadersbeck  Auktionen“ firmiert.  Wolfgang Hadersbeck, der seit 1975 Chef der Berliner Auktion war, hatte das Zepter bis 2012 in der Hand, ehe sein Mitarbeiter Thomas Wickboldt  Geschäftsführer wurde.

Und mit dem führte ich im März 2025 bei meinem erstmaligen Besuch in den neuen Geschäftsräumen in der Wolfener Straße am Rande des Neubauviertels  Marzahn ein freundliches Gespräch. Ich durfte mir einige Lose (so bezeichnet man die einzelnen  Stücke, die versteigert werden)  ansehen,  notierte mir die besten Lose und fuhr wieder nach Neuruppin zurück. Am 3. April 2025 sollte meine aktive Premiere bei einer Auktion erfolgen.

                       Mein Einsatz mit Nr. 232

Inmitten von Hochhäusern in der Mehrower Allee finde ich einen Parkplatz, laufe die rund 500 m bis in den Econopark, einer Ansammlung von Gewerbeunternehmen. Den Weg zum Auktionsbüro kenne ich vom ersten Besuch, fahre mit dem Fahrstuhl in den 4. Stock. Freundlich werde ich am Tresen begrüßt, die Anmeldung erfolgt reibungslos und ich bekomme ein Schild mit der Nr. 232. Das soll mir dann den Weg zum gewünschten Los freischaufeln. Die Auktion läuft bereits, ich höre die Stimme des Auktionators Thomas Wickboldt. Der kleine Auktionssaal liegt im ersten Stock, rund 10 Interessenten verfolgen dort die Auktion, der Hauptteil der Interessenten sitzt zu Hause und bietet per Internet mit.

Ich  habe noch Zeit, mich einzugewöhnen. Es ist 11.10 Uhr.   Gerade wird das  Los 4740  aufgerufen.  Mein erstes Wunschlos , eine Berlin-Sammlung, kommt erst mit Nr. 4969 an die Reihe.. Also bleibt noch rund eine Stunde Zeit.. Ich merke, dass die Berlin–Sammlungen   ab Los 4946 nur schlecht gehen, d.h. das Interesse im Saal und im Internet relativ  gering ist. So steigt meine Hoffnung, erfolgreich zu sein. Bei 4966 steigt mein Puls, volle Konzentration ist nötig. Als 4969 (Berlin1948-90, komplette Sammlung im Vordruckalbum)  mit 180 Euro aufgerufen wird, recke ich mutig mein Schild hoch, nehme Blickkontakt mit Thomas Wickboldt auf, der erfreut ist, dass endlich mal wieder jemand zuschlägt. Ich bekomme den Zuschlag, bin glücklich.

Nun habe ich wieder Zeit, mich zu beruhigen. Ab 12.40 Uhr winkt die zweite Chance des Tages für mich. Es werden DDR-Sammlungen aufgerufen. Drei Lose habe ich favorisiert: 5122, 5123 und 5127. Eigentlich gefällt mir 5127 am besten. Ich  hatte mir dieses Los (DDR-Sammlung, 1949 -1973 komplette postfrische Sammlung im Schaubeckalbum, sehr gute Erhaltung.)  vorher angesehen und mit „sehr gut“  bewertet. Also setze ich voll darauf. Wieder steigt der Puls, aber ich bleibe bei mir, recke beim Aufruf der 5127  für 170 Euro wieder mein Schild hoch und,  ich bin mutig, rufe dem Auktionator ein Untergebot zu: 150 Euro. Thomas Wickboldt lächelt mir zu, sagt  153 Euro, denn er hat schon ein Angebot von 150 vorzuliegen. Ich nicke und es klingt aus dem Mikrofon:  153 Euro für 232, hier im Saal.  Ich bin glücklich. Erstmals in meinem Leben darf ich eine komplette DDR-Sammlung 1949-73 (die  Jahre 1974 bis 1989 habe ich ja überkomplett zuhause) und eine komplette Berlin-Sammlung mein eigen nennen. Mein Ziel ist erreicht, ich verlasse den Auktionsraum, spaziere die Treppe hinunter zum Tresen, erkläre der freundlichen Dame, dass ich erfolgreich war. Sie schaut in den Computer, vergleicht die Ergebnisse mit meiner Schilder-Nummer 232, fertigt eine Rechnung aus (es kommt noch eine Gebühr für das Auktionsbüro hinzu) und bittet um Zahlung mit meiner  Girokarte. Trotz meiner Aufregung tippe ich die richtige Pin-Nummer ein, bekomme die Rechnung und trabe damit die wenigen Schritte zur Ausgabe. Je ein Album bekomme ich überreicht, schaue nochmals nach, ob es auch die richtigen Lose sind und dann schiebt mir die Ausgabe-Frau die Alben in meine beiden mitgebrachten Taschen. Dankbar nehme ich Abschied. Draußen scheint die Sonne, die sich mit mir freut