Tagebuch

Das Narrenschiff

Letzte Nacht habe ich wieder einiges geträumt. Zuerst: Tochter Ulrike  war plötzlich in Neuruppin angekommen. Ich meinte: So etwas habe ich mir fast gedacht.  Ein zweiter Traum:   Es hing mit Walter Ulbricht zusammen, der  in einem Raum schlief, bewacht von einer Pflegekraft. Plötzlich stand er auf, um zu einer Versammlung zu gehen. Ich war passiv dabei, mußte aber dann mitgehen.  Allerdings hatte ich Probleme, das richtige weiße Hemd dafür auszusuchen.

Der letzte Traum hängt vielleicht mit dem Buch „Das Narrenschiff“ von Christoph Hein zusammen, das ich gerade lese.   Anfangs gefiel es mir nicht, weil die Hauptfigur ein Krüppel  war, der ein Bein im Krieg verloren hatte. So etwas belastet mich beim Lesen vor dem Einschlafen.  Aber je weiter ich im Buch komme, gefällt es mir, weil viel  aus dem Partei-und Wirtschaftsleben der DDR geschildert wird, was ich gut nachvollziehen kann. Die Hochschule für Ökonomie in Karlshorst spielt auch eine Rolle. Zwar studierte ich Wirtschaftswissenschaften an der Humboldt –Uni, aber die Lehrpläne waren sicher sehr ähnlich. Die Hauptfiguren des Buches wandeln in Ostberlin herum, fahren ab und zu mit der S-Bahn nach Westberlin, um einzukaufen (wie ich von 1960 bis 1961). Sie  essen und trinken in Ostberlin im Restaurant Budapest, und zuletzt: Die weibliche Hauptfigur lernt in der Ausflugsgaststätte „Riviera“ in Grünau (dort wo ich mal gekellnert habe),  beim Tanzkurs einen Mann kennen.   Es ist so, als ob der Schriftsteller einen wichtigen Teil meines Lebens abbildet. In der „Riviera“ habe ich als Student 1963 gekellnert und dabei meine spätere Ehefrau kennengelernt.

Viel wird aus den Kreisen des Zentralkomitees der SED berichtet, weil eine Hauptfigur dort beschäftigt ist. 1956 hielt Nikita Chrustschow auf dem Parteitag in Moskau eine wichtige Rede, in der mit Stalin abgerechnet wurde. Auch darüber streiten die Buch-Figuren.

Mehr soll aus dem Buch nicht verraten werden. Selbst lesen, das ist meine Anregung.

Schreck auf der Autobahn

Es gibt Dinge, die gibt es einfach nicht. Seit 1977 habe ich einen Führerschein, bin seitdem viele Tausende Kilometer in Städten, auf Landstraßen und auf Autobahnen  gefahren. Von Trabant über Wartburg, Opel  Kadett, Opel Vectra, Toyota Corolla und nun seit 2012 Hyundai i 20  habe ich alles probiert und manches erlebt. Doch was an diesem Sonntag, dem 26. Mai 2024, geschieht, ist für mich eine Premiere.  Vormittags 10.30 Uhr fahre ich von Neuruppin aus auf die Autobahn, die A24, Richtung Berlin. Zunächst bewege ich mich auf den zwei Fahrspuren, dann wird es großräumiger, drei Fahrspuren bieten uns viel Platz. Auch wenn der Verkehr überschaubar ist, mag ich es doch viel mehr, wenn ich drei Fahrspuren zur Verfügung habe.

Aber dann traue ich meinen Augen nicht. Ich fahre auf der Mittelspur, mit moderatem Tempo von ca. 120 km /h.  Da rollt plötzlich, wie von Geisterhand getrieben, ein kleiner Autoreifen auf meiner Fahrspur vor mir her. Kurz denke ich nach, erinnere mich, daß ich bei Wild auf der Straße draufzuhalten soll. Aber hier draufhalten traue ich mich nicht, denn ich weiß nicht, was der Reifen mit meinem Auto macht, wenn ich drüberfahre.  Was ich nicht schaffe, ist, die Warnlampe zu bedienen. Der Reifen rollt weiter vor mir her, etwa 1 Meter von der rechten Spur entfernt.  Ich habe kein Gefühl, ob in den beiden anderen Fahrspuren jemand fährt, ob dicht hinter mir jemand den Vorgang beobachtet.  Ich hoffe, daß der Reifen nicht weiter in meine Fahrspur hinrollt, und habe Glück. Ich lenke etwas nach links, schlängele mich an dem Reifen vorbei. Glück habe ich, daß mein Auto nicht sehr breit ist. So komme ich zwar etwas nach links, aber nicht in die linke Spur. Glück gehabt, denn im gleichen Moment werde ich links überholt.  Und mir gelingt es, mich am Reifen vorbeizudrücken. Und soweit ich es mitbekomme, richtet der Reifen auch hinter mir keinen Schaden an. Ich sehe noch, daß zwei Autos am rechten Autobahnrand anhalten. Vielleicht hat einer den Reifen verloren bzw. vermißt ihn. Ich aber fahre weiter, danke meinem Schutzengel und hoffe, daß das eine einmalige Begegnung bleibt.

Die Suche nach dem Briefmarkenladen

            Anfang 1961 war ich das letzte Mal in Berlin-Gesundbrunnen. Damals gab es die Mauer noch nicht . Ich fuhr einige Male mit der S-Bahn vom Bahnhof Schönhauser Allee und war eine Station später in Westberlin, in Gesundbrunnen.

Heute, am 13. Januar 2025, also rund  63 Jahre danach, wiederhole ich diese Reise und bin sehr angespannt. Der Grund: Ich will Tochter Ulrike vom Bahnhof Gesundbrunnen abholen. Sie ist dienstlich in Eberswalde, um einen Kooperationsvertrag zwischen der dortigen Hochschule für nachhaltige Entwicklung und der Landwirtschaftlichen Uni  in  Chapingo bei Mexiko-Stadt (dort , wo Ulrike als Deutschlehrerin arbeitet)  abzuschließen.

Eigentlich wollte ich mir in der Umgebung vom Bahnhof Gesundbrunnen einen Parkplatz suchen, aber nachts hatte ich die Idee, lieber in der Nähe vom S-Bahnhof Prenzlauer Allee zu parken. Dort kenne ich mich eher aus.

Abfahrt 13.10, Ankunft in der Nähe vom S-Bahnhof Prenzlauer Berg 13.58 Uhr. In der Zelter Straße finde ich ohne Mühe einen Parkplatz, spaziere die Wichert Straße entlang, ein kurzes Stück Prenzlauer Allee und schon bin ich an der S-Bahn. Gefühlt 50 Treppen geht es hinunter und dann kommt die erste Bewährungsprobe: Der Fahrkartenautomat. Aber ich bin gut vorbereitet, klicke eine Viererfahrkarte für den Kurzbereich an, bekomme 7,10 Euro angezeigt, stecke einen 10-Euro-Schein in irgendeinen Schlitz und hoffe, dass es der Richtige ist. Irritiert bin ich, weil am Automaten  steht, dass kein Wechselgeld herausgegeben wird. Wird es aber doch, glücklich nehme ich die Fahrkarten in Empfang und entwerte eine davon am Stehknipser. Leichter ist es, die richtige S-Bahn auszuwählen. Die Ringbahnen  41 und 42 fahren  nach Gesundbrunnen, und alle 6 Minuten kommt eine Bahn. Eingestiegen, nach einer Station auf dem S-Bahnhof Schönhauser Allee ausgestiegen. Nach einigen Umwegen finde ich die Schönhauser Arcaden, eine Einkaufsmeile, so wie ich sie beispielsweise von Spandau kenne. Aber hier gefällt es mir besser, weil es kleiner und feiner wirkt.  Es ist schon erstaunlich, was hier aus dem Nichts hingezaubert wurde. In einer Fotoausstellung kann ich den Bau nachvollziehen. Nehme mir vor, bald mal wieder hierher zu fahren.

Jetzt aber habe ich wenig Zeit, denn 15.22 Uhr soll  Ulrikes Regionalbahn in Gesundbrunnen ankommen. Also wieder hinein in die Ringbahn und ich simuliere das Gefühl, was ich vor 63 Jahre hatte: Die Fahrt vom Osten in den Westen. Wo die Grenze war, bekomme ich zwar nicht mit, aber das habe ich damals auch nicht so bemerkt. 3 Minuten Fahrzeit bis Gesundbrunnen, Ausstieg und die Suche nach der Vergangenheit. Aber mir ist klar, dass mein Briefmarkenladen, in dem ich Briefmarken für Westgeld verkaufte, nicht mehr da ist. Dazu hat sich hier zu viel verändert, ist ein riesiges Einkaufszentrum, das Gesundbrunnencenter, entstanden.

Die Badstraße aber finde ich schnell, doch auch da ist das Kleidungsgeschäft von damals, an dem ein Petticoat vor dem Eingang hing, nicht mehr da. Aber wie damals ist die Straße stark befahren und belaufen. Laut wird gesprochen, manches verstehe ich nicht. Auffällig ein riesiger Ost-und Gemüseladen, fest in türkischer Hand. Ich werde als Einheimischer erkannt und muß einem älteren Herrn den Weg zur S-Bahn weisen.

Die Zeit rast, und schnell mache ich noch einen Abstecher ins Einkaufszentrum. Hier ist alles größer als an der Schönhauser Allee, aber die Geschäfte  ähneln sich. Es ist so groß, dass ich Mühe habe, wieder  den Ausgang zu finden. 15.15 Uhr bin ich endlich an der frischen Luft, finde Gleis 6 der Deutschen Bahn und kaum bin ich auf dem Bahnsteig , kommt der Zug aus Eberswalde (genauer aus Stralsund) und Ulrike steigt aus dem Zug. Ihr mexikanischer Kollege Luis Carlos  fährt weiter bis zum Hauptbahnhof.

Mit Ulrike gehe ich noch in ein kleines Geschäft, um eine Currywurst mit Pommes und Mayo zu essen. Dann aber flugs in die S-Bahn, bis Prenzlauer Berg gefahren, bis zum Auto gelaufen. Es ist noch da, das Navi weist den Weg. Abfahrt 16.19 Uhr, Ankunft in Neuruppin 17.20 Uhr.

Ein ereignisreicher Tag ist vorbei, die Erinnerungen von 1961 sind wieder aufgefrischt worden.

Wieder mal am Müggelsee

      

Am Sonntag (20.10.24)  ist mir Berlin  nähergerückt.  Erstmals nach vielleicht 20 oder 25 Jahren war ich wieder am Müggelsee. Ziel war der Lauf „Rund um den Müggelsee“.   Ich habe es zwar nicht geschafft, ganz früh aufzustehen, um noch etwas vom Lauf  mitzubekommen, aber es war ja auch wichtiger, Leute von früher zu treffen und zu sprechen. Das ging hinterher besser. Zuerst war ich auf dem Friedhof in Karlshorst, habe dort einen Blumentopf und ein kleines Alpenveilchen hingestellt. Dann per Handy Richtung Müggelsee, d.h. ich habe eine Straße  im Gebiet Müggelheim eingegeben.  Zunächst wurde ich in die Waldowallee gelenkt, auf meine alte Trainingsstrecke entlang einer  Kleingartenanlage bis zum S-Bahnhof Wuhlheide. Dann über die Brücke hinein ins Laufgebiet Wuhlheide. Aber dort waren die alten Parkplätze zugewachsen, in 30 Jahren tut sich eben viel. Vorn an der großen Straße an der Wuhlheide sah ich auch die große Eiche, unter der wir  Eicheln für den Tierpark gesammelt haben. Die Fahrtroute führte dann nicht links Richtung Altstadt Köpenick, sondern es gibt eine Umfahrung, über eine Brücke über die S-Bahngleise , vorbei am früheren Sportladen linkerhand dicht an der Abzweigung nach Grünau, weiter über die Spree oder wie sie dort heißt und dann Richtung Allendeviertel.  Dann die lange Straße Richtung Müggelheim. Geparkt, gefragt, wo die Müggelseeperle ist und die Auskunft bekommen, daß es Parkplätze gäbe. Den ersten Parkplatz nahm ich, dicht an der Gaststätte Rübezahl, wie ich später merkte. Deshalb durfte ich ca. 2 km (10 min) unten am Ufer des Müggelsees auf einem Asphaltweg langspazieren, auf dem sich vorher die Läufer bewegt hatten. Beim Start-und Zielpunkt an dem Hotel Müggelseeperle (heißt wohl heute anders) traf ich zunächst den Chefsprecher Karl-Heinz Wendorff, den ich von vielen Laufveranstaltungen, von der Fernsehsendung „Medizin nach Noten“ und auch neuerdings von facebook kenne. Froh war ich, als er mich sofort erkannte. Ich muß mich also nicht ganz so verändert haben. Genauso erging es mir mit Roland Winkler, der in der Organisation des Laufes mitarbeitete und mich sofort nach meinen Töchtern fragte und wie immer, ob ich noch in Neustrelitz wohnen würde. Zum wiederholten Male mußte ich ihm erklären, daß ich in Neuruppin wohne. Als Nächster kam Wolfgang Weising auf mich zu, um mich freudig in die Arme zu schließen. Er ist praktisch der „Erfinder“ des Laufes rund um den Müggelsee, zudem früher Chef der Zeitschrift „Laufzeit.“  Mehr traf ich nicht, aber es sind auch nicht mehr viele von früher laufenderweise unterwegs, weil sie zu alt oder sogar schon im Himmel sind. Leider kann man die schöne Zeit von früher nicht zurückholen. Nach zwei Stunden Freude am Müggelsee marschierte ich wieder die 2 km bis zum Parkplatz, setzte mich in mein Auto und fuhr die gleiche Strecke zurück, von  14.50 Uhr bis 16.25 Uhr.

Auf den Spuren des Palastes

An diesem Sonntag, dem 15. September 2024, will ich endlich mir mit eigenen Augen ansehen, was an der Stelle des Palastes der Republik im Zentrum Berlins seine Heimstatt gefunden hat. Das Schloß oder das Humboldt Forum, gleich wie man es nennt. Ich bin gespannt.

Aus Neuruppin kommend, fahre ich zunächst die Prenzlauer Allee entlang, staune, was in der Nähe meiner ehemaligen Wohnung in der Metzer Straße für ein Riesenhaus entsteht. Gut sind rote Ampeln, um kurz zu fotografieren. Der Fernsehturm blickt mir freundlich entgegen. Vorbei am Berliner Verlag, wo ich früher auch mal für die Berliner Zeitung Korrektur gelesen habe, bin ich gleich am Alexanderplatz. Dominiert wird der von Baukränen, Neues entsteht. An der Längsseite des Roten Rathauses blicke ich auf das Nikolai-Viertel. Ich fahre Richtung Spandauer Straße, vorbei an meiner Uni. Dann weiter über Hackeschen Markt, Ackerstraße, Rosenthaler Platz, zurück Richtung Alex und dann finde ich plötzlich direkt neben der S-Bahnstrecke einen Parkplatz. Zwar kostet die Stunde 4 Euro, aber das leiste ich mir.

Diese Stunde muß reichen, um zu Fuß das „Revier“ zu erkunden. Vorbei am altehrwürdigen Gebäude der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät spaziere ich Richtung Berliner Dom. Der Goldschmied, bei dem ich 1969 unsere goldenen Eheringe anfertigen ließ, ist erwartungsgemäß nicht mehr dort. Büros haben seinen Platz eingenommen. Aber ich fühle mich schnell zuhause, laufe über die Brücke, blicke rechts auf die Museumsinsel und links auf den Berliner Dom. Und wohltuend finde ich, wieviel Leute, Einheimische und Touristen, umherspazieren. Es ist eine gelöste, entspannte Atmosphäre, dank auch des milden Spätsommerwetters.

Dann aber gilt meine ungeteilte Aufmerksamkeit dem Gebäude, das nun seit 2021 den Platz des Palastes der Republik einnimmt. Auch wenn ich den Palast mochte und viele schöne Stunden dort verbrachte, will ich unvoreingenommen herangehen. Mein erster Eindruck: Das Humboldt Forum ist ein gelungenes Gebäude, es dominiert den Raum und ist eher ein Schloß als ein Forum.

Ich erinnere mich kurz, daß ich am 4. November 1989 an eben dieser Stelle mit 500.000 Berlinern am Palast der Republik vorbeigezogen bin, kurz vor Ende der DDR. 35 Jahre sind seitdem vergangen, eine lange Zeit. Lang genug, um sich wohl an Vergangenes zu erinnern, aber auch das Neue zu akzeptieren, zu würdigen.

Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal auch das Innere des Schlosses zu erkunden, Ausstellungen zu besuchen und näher heranzurücken an das Humboldt Forum. Für heute aber ist es ausreichend, denn ich habe ja nur eine Stunde Zeit.

Einfach ist es überall, zu fotographieren. Einfach, weil das Smartphone alles erleichtert. Einfach aber auch, weil so viele Motive darum bitten, abgelichtet zu werden.

Das gilt auch für den prächtigen Berliner Dom, an dem zwar immer, vergleichbar mit dem Kölner Dom, gebaut wird. Es immer etwas zu renovieren. Aber der Berliner Dom zieht die Massen trotzdem in seinen Bann.

Mich aber zieht es weiter, hinüber zum Gebäudekomplex, in dem früher zu meiner Berliner Zeit das von den Schweden 1979 gebaute Palasthotel seine Gäste empfing. 2001 wurde es abgerissen, und ein neuer Komplex mit dem Namen „Das DomAquaree“ errichtet. Hotel, Büros, Gastronomie vor allem in einigen Freigaststätten direkt an der Spree bilden nun den Anziehungspunkt,.

Mich aber zieht ein Imbißstand an, Currywurst und Pommes beruhigen meinen Magen. Ich esse genüßlich und sitze dabei direkt an der Spree, mit Blick auf den Berliner Dom. Meine Gedanken schweifen zurück, als ich hier ganz in der Nähe an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt Universität von 1961 bis 1965 studierte. Was alles ist seitdem passiert?

Und nun sitze ich wieder hier und fühle mich sofort wieder heimisch. Ich habe eben mehr als einen Koffer in Berlin.

Peter Grau

(Fotos folgen, wenn ich es technisch bewerkstelligen kann)

Die Klosterruinen von Lindow-ein Ort der Ruhe und Besinnlichkeit

An die Leere und Stille in den Straßen und auf den Plätzen Neuruppins, am Ufer des Ruppiner Sees und sogar auf dem Friedhof hat man sich in diesen Tagen des Corona-Virus im März/April 2020  schnell gewöhnt, mußte sich gewöhnen. Es ist täglich greifbar, oft beängstigend.

Da paßt unser Sonntagsausflug ins 13 km entfernte Lindow irgendwie hinein, weil Lindow vor allem wegen seines ehemaligen Klosters bekannt ist.  Kloster und Stille gehören irgendwie zusammen.  Und wenn man, wie wir, die Klosterruinen betrachtet, kann man sich schnell in frühere Zeiten hineinversetzen.

Aber nicht nur Stille herrscht dort. Wenige Meter weiter öffnet sich der Blick auf den Wutzsee, der Blick auf die Natur. Zwar sorgen im Moment nur einige Wasservögel für Leben, aber allein der hörbare  Wellenschlag sorgt für eine angenehme „Musik“.

Nicht nur diese „Musik“ treffen wir auf unserem Spaziergang auf dem Uferweg an, sondern auch gegenständliche Kunst.  Mit viel Phantasie  hat man  aus Holz und Metall einige Figuren hingezaubert.

Auf dem Rückweg gönnen wir uns nochmals einen Blick auf die Klosterruinen-Landschaft.

Und dann werden wir auf einer Schautafel darauf hingewiesen,  daß es im Land Brandenburg noch viele solcher Klosterruinen bzw. erhaltene Klöster zu besichtigen gibt. Die nächsten Kurzreisen können wir schon planen, denn noch dürfen wir mit dem Auto herumfahren.

Peter Grau

Die Ruhe auf meiner Homepage

Eine Zeit lang habe ich mich weniger mit dieser meiner Homepage befaßt. Der Hauptgrund dafür war, daß WordPress sein System umgestellt hat und ich große Schwierigkeiten hatte und auch noch habe, mich da hineinzuarbeiten. Veränderungen sollen eigentlich immer auch Verbesserungen mit sich bringen. Aber brauche ich eine Veränderung, wenn ich zuvor so gut zurecht kam? Es war so einfach, Texte zu schreiben und sie dann unter der jeweiligen Rubrik einzubauen. Genauso einfach war es, Fotos in den Text einzubauen. Und Fotos hatte ich ja zur Genüge. Nicht nur die eigenen Fotos, sondern auch z.B. die meines Journalistenkollegen Olaf Brockmann aus Wien und natürlich auch die vielen Abbildungen von Werken der Künstler, die ich vorstellte.

All das fällt mir jetzt schwerer. Deshalb die Pause, und auch der Gedanke, mich mehr meinem Buchprojekt zu widmen. Aber die Vorstellungen, wie ich mein Buch, daß vor allem Lebenserinnerungen enthalten soll, anlege, reifen nur langsam. Ich habe schnell gemerkt, daß der Stoff von nunmehr 80 Lebensjahren den Rahmen eines Buches (auf Papier) sprengen würde. Im Internet , etwas auf dieser Homepage, könnte ich zwar endlos schreiben, doch ich mag Papier, bin da sehr konservativ und möchte ein Buch in altbewährter Form gestalten. So gehe ich im Moment davon aus, daß ich Geschichten aus meiner Berliner Zeit von 1960 bis 2005 schreiben werde, und auf all das, was zwischen 1940 und 1959 (in meiner Erfurter Zeit) geschehen ist, verzichten werde.

Aber da ich diese Homepage nicht brachliegen lassen möchte, beispielsweise viele Künstler kenne, die ich vorstellen will, werde ich mich wohl oder übel in das neue WordPress einarbeiten müssen. Mal sehen, wie schnell das mir gelingt.

Peter Grau

P.S.: Es gelang mir eben, das Foto aus dem Neuruppiner Stadtpark (Goldfischteich) in den Beitrag hineinzuschieben!

Am Tag, als die Mauer fiel – die Überraschung am 9. November 1989

Das trifft nach meiner Kenntnis…ist das sofort, unverzüglich.“ Ein Satz, eher holprig,  aber im Nachhinein mit einer ungeheuren Wirkung versehen.  Günter Schabowski,  Sprecher des SED-Zentralkomitees, des Machtzentrums der DDR, spricht den Satz auf einer internationalen Pressekonferenz am 9. November 1989 um 18:57 Uhr in der Berliner Mohrenstraße aus und kündigt damit eine neue Reiseverordnung an. 

Es dauert einige Minuten, ehe die Journalisten die Tragweite erkennen. Und genauso ergeht es mir im fernen Neuruppin. Ich habe die Pressekonferenz  direkt  im Fernsehen verfolgt.  Verblüfft überlege ich,  was das bedeuten könnte. Dann gehe ich ins Nachbarzimmer, wo meine Frau Ruth in ihrer Funktion als Glaserobermeisterin mit einigen Glasern der Region zusammensitzt und Fachprobleme diskutiert. „Ich glaube, wir dürfen bald alle legal reisen“, formuliere ich vorsichtig. Und damit war die Arbeitsberatung beendet. Reisefreiheit, dieses Wort elektrisiert in diesen Tagen alle.

Auch mich und meine Frau. An diesem Abend verfolgen wir bis in die Nacht hinein gebannt das Geschehen am Fernseher und sehen, wie sich in Berlin zuerst an der Bornholmer Straße die Schlagbäume heben und die Massen nach Westberlin strömen. In diesem Moment bedauere, daß ich an diesem Abend nicht in Berlin in meiner Wohnung bin. Dann wäre ich garantiert auch an die Mauer gefahren.

So aber warte ich bis zum nächsten Tag. Am 10. November aber fahre ich nach Berlin zum Grenzübergang an der Invalidenstraße. In einer kleinen Hausnische auf der linken Seite sitzt ein Grenzpolizist und drückt mir einen Stempel in meinen Personalausweis. Ein wenig Bürokratie muß eben noch sein. Mein Herz klopft ein wenig, aber im  Spalier durch die  Beifall klatschenden Westberliner nimmt meine Nervosität ab und die Freude zu.

Dann streife ich durch die Straßen, schaue mir die Gegend rund um den  Kurfürstendamm an und lasse mich vom Glanz der neuen Welt blenden.  Kurz vor meiner Rückfahrt vom S-Bahnhof Zoologischer Garten nach Ostberlin gehe ich noch zu einer Telefonzelle und berichte meine Erlebnisse nach Neuruppin. Als ich fertig bin und mich umdrehe, steht meine Tochter Ulrike überraschenderweise vor mir. Überraschend deshalb, weil ich nicht wußte, daß sie an diesem Tag ebenfalls in Westberlin ist. Wir fallen uns in die Arme, genauso, wie es am Tag der Maueröffnung viele Ostberliner und Westberliner taten.

Peter Scheerer


P.S.:  Viel ist danach über dieses Ereignis geschrieben worden. So auch im November 2019, 30 Jahre nach dem Mauerfall:

https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/30-jahre-mauerfall-was-geschah-jetzt-vor-30-jahren-im-historischen-live-ticker-65906948.bild.html

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/schabowskis-legendaerer-auftritt-das-folgenreichste-versehen-der-ddr-geschichte-a-660203.html

https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/spandau/erinnern-sie-sich-die-faszinierenden-berlin-bilder-des-ekkehard-k-/25179960.html?utm_source=pocket-newtab

http://www.chronik-der-mauer.de/chronik/_year1989/_month11/?month=11&year=1989&opennid=174871&moc=1#anchoryear1989

https://www.tagesspiegel.de/politik/aus-versehen-die-ddr-aufgeloest-wie-sich-das-mysterium-um-schabowskis-verschwundenen-zettel-aufloeste/25196724.html?utm_source=pocket-newtab

https://www.welt.de/geschichte/article203067278/Fall-der-Mauer-So-pleite-war-die-DDR-1989-wirklich.html?utm_source=pocket-newtab

Mit 500.000 Mutigen am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz bei der größten Demonstration der DDR

Auf dem Alexanderplatz. Spruchband gegen Karl-Eduard von Schnitzler
(Foto: Eberhard Thonfeld)

Es liegt 30 Jahre zurück, aber auch nach dieser langen Zeit kann ich mich noch gut daran erinnern. Die Unzufriedenheit mit den Zuständen in der DDR nahm damals immer mehr zu, der Drang nach Veränderungen wuchs.  Nicht jeder traute sich, offen aufzubegehren, viele hatten sich mit den Gegebenheiten arrangiert und sich eigene Nischen geschaffen.

Ich schwebte gewissermaßen zwischen Baum und Borke. Zufrieden war ich mit manchem in der DDR nicht, obwohl ich mit meiner Laufleidenschaft eine Nische gefunden hatte, die mir vieles erleichterte. Offen Widerstand leisten wollte ich nicht, mein Leben bei einem Fluchtversuch riskieren ebenso nicht. Außerdem hatte ich ja auch Familie und wollte und konnte sie nicht im Stich lassen. Im Nachhinein müßte ich Selbstkritik üben, daß ich mich nicht traute, wenigstens in die Kirchen zu gehen und dort den Widerstand zu stärken.z

So war es für mich schon mutig, mich am 4. November 1989 in die U-Bahn zu setzen und zur großen Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz zu fahren.  Doch inmitten der Massen brauchte ich dann wenig Mut, zumal die Kundgebung ja vom Staat genehmigt war. Und es gehörte auch wenig Mut dazu, solchen Rednern wie Stefan Heym, Christa Wolf, Heiner Müller, Friedrich Schorlemmer oder Marianne Birthler Beifall zu spenden, die Mißstände im Staat anprangerten und Veränderungen anmahnten, vor allem Pressefreiheit, Reisefreiheit und freie Wahlen forderten. Noch gut kann ich mich an die Worte der Schauspielerin Steffie  Spira erinnern: „lch wünsche für meine Urenkel, daß sie aufwachsen ohne Fahnenappell, ohne Staatsbürgerkunde, und daß keine Blauhemden mit Fackeln an den hohen Leuten vorübergehen.“

Auf dem Alexanderplatz: Wen lachen sie gerade aus? (Foto: Eberhard Thonfeld)



Bei den SED-Rednern Gregor Gysi, Lothar Bisky oder Günter Schabowski bewunderte ich, daß sie sich vor einer solchen Masse überhaupt auf die Bühne wagten und riskierten, ausgelacht und ausgebuht zu werden. Aber diese drei Redner gehörten eher zu den Hoffnungsträgern, die die Probleme nicht leugneten, sondern nach Lösungen suchten, um die Leute bei der Stange zu halten und vor allem den täglichen Strom der Flüchtlinge in den Westen aufzuhalten. Fast paradox, daß einer von ihnen, Günter Schabowski, fünf Tage später auf einer Pressekonferenz  bei der Ankündigung einer neuen Reiseverordnung eher ungewollt  auf die Frage, wann diese Verordnung denn eintrete, erklärte: „  „Das trifft nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“.        

Dabei war, wie sich später herausstellte,  für die Verlautbarung eine Sperrfrist angegeben:  10. November 4 Uhr.

Sei es wie es sei, dieser eine Tag früher oder später ist im Nachhinein unerheblich. Fakt ist, daß die Mauer fiel, viel schneller, als auch die 500.000 auf dem Alexanderplatz gedacht hatten.

Straßendemo zum Palast der Republik

Demonstranten ziehen am Palast der Republik vorbei (Foto: Eberhard Thonfeld)

Viele von ihnen schlossen sich nach der Kundgebung dem Demonstrationszug an, der vom Alexanderplatz zum Palast der Republik und zurück bis zur Münze am Molkenmarkt führte. Auch hier sprang ich über meinen Schatten, reihte mich direkt hinter dem Kaufhaus in den Zug ein und war darüber später mächtig stolz. Diszipliniert spazierten wir die Karl-Liebknecht-Straße entlang, vorbei an der Marienkirche, über die Kreuzung Spandauer Straße, nur wenige Meter entfernt vom Gebäude der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, wo ich von 1961 bis 1965 studiert hatte, und dann vorbei am Berliner Dom.  Es war fast wie ein Marsch am 1. Mai, nur ohne Fahnen, aber mit vielen Transparenten und eben einer ganz anderen Zielrichtung. Etliche dieser Schilder waren dann auf der Empore des Palastes der Republik aufgestellt worden und schmunzelnd und zustimmend von den Vorbeiziehenden zur Kenntnis genommen. Vor wenigen Wochen wären solche Schilder nicht erlaubt worden. Doch jetzt schien vieles möglich.

Ich aber trabte mit der Masse weiter, voll der vielen Eindrücke und mit der Frage auf den Lippen: Wo wird das enden? Es endete bald, viel schneller, als sich alle gedacht hatten. Die Demonstration am 4. November 1989 war ein wichtiger Schritt zur baldigen Öffnung der Mauer am 9. November und der Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands. 

Peter Scheerer

Abrudern auf dem Neuruppiner See

Abrudern beim Neuruppiner Ruderclub am Samstag (26. Oktober). Angeführt von einem Achter, begleitet von drei Vierern, setzte sich die Ruder-Armada auf dem Ruppiner See bei guten äußeren Bedingungen in Bewegung. Zuerst Richtung Lanke, dann vorbei am Hotel „Waldfrieden“ ging es am Ostufer entlang, unter der Bahnbrücke hindurch bis zur Schleuse Neumühle in Alt Ruppin. Von dort zurück und zum abschließenden Kaffeeplausch mit Kuchengarnierung ins heimische Bootshaus.