Tagebuch

Frankfurt-Marathon 2017: Arne Gabius glänzt bei Comeback, Katharina Heinig strahlende Deutsche Meisterin

Trotz windigen Wetters liefert der Mainova Frankfurt Marathon Spitzenresultate / Äthiopischer Dreifachsieg bei den Männern mit 2:05er-Siegerzeit / Olympiasiegerin Vivian Cheruiyot gewinnt das Frauenrennen 

2017 Frankfurt Marathon Frankfurt, Germany October 29, 2017 Photo: Victah Sailer@PhotoRun Victah1111@aol.com 631-291-3409 www.photorun.NET
Sieger: Shura Kitata Tola (Äthiopien) Foto:Mainova Frankfurt Marathon

Ein beeindruckendes Comeback von Arne Gabius in unter 2:10 Stunden; die sechstbeste Siegerzeit des Jahres 2017; eine Olympiasiegerin triumphiert in der Festhalle und Lokalmatadorin Katharina Heinig glänzt bei ihrem Heimspiel als Deutsche Meisterin: Der Mainova Frankfurt Marathon hat sowohl international als auch aus deutscher Sicht wieder Spitzenresultate geliefert.

Der Äthiopier Shura Kitata Tola und die Kenianerin Vivian Cheruiyot haben die 36. Ausgabe des Laufklassikers am Main gewonnen. Der deutsche Lauf-Star Arne Gabius blieb bei seinem starken Rennen mit 2:09:59 Stunden als Sechster haarscharf unter 2:10. Kitata lief bei schwierigen Bedingungen mit starkem Wind hochklassige 2:05:50 und führte vor seinen Landsleuten Kelkile Gezahegn Woldaregay (2:06:56) und Getu Feleke (2:07:46) einen äthiopischen Dreifachsieg an. „Ich habe von Beginn an erwartet, dass ich gewinne. Sicher war ich mir dann nach 30 Kilometern, als wir uns mit einer Dreiergruppe absetzen konnten. Ich habe gehofft, dass ich schneller laufen kann, aber das Wetter war nicht so einfach“, sagte der 21 Jahre junge Überraschungssieger.

Die Vorentscheidung im Männerrennen fiel bei Kilometer 30. Das äthiopische Trio Getu Feleke, Kelkile Gezahegn Woldaregay und Shura Kitata Tola setzte sich aus einer fünfköpfigen Spitzengruppe ab. Zunächst forcierte Feleke das Tempo. Bei Kilometer 37 attackierte jedoch Shura Kitata Tola und ließ seinen Landsleuten auf dem Weg in die vor Begeisterung brodelnde Festhalle keine Chance mehr. Bester Europäer war überraschend der britische Debütant Dewi Griffiths. Der Waliser lief als Fünfter 2:09:49 und erreichte die zweitbeste Zeit eines europäischen Läufers in diesem Jahr.

Alle Wettbewerbe zusammengerechnet verzeichneten die Veranstalter 26.482 Meldungen aus 108 Nationen, davon 14.513 Läufer über die 42,195-Kilometer-Distanz. Die Bedingungen waren für die Läufer besser als befürchtet, durch den starken Wind aber sehr herausfordernd. „Letztlich habe ich mit meinem Optimismus Recht behalten und es gab recht vernünftige Rennbedingungen, das zeigen auch die Ergebnisse mit vielen hochklassigen Zeiten“, sagte Veranstalter Jo Schindler. „Es war toll, mit welcher Begeisterung die Läufer das Ziel erreichten.“

Auch der Sportliche Leiter Christoph Kopp zog ein positives Resümee: „Sportlich ist alles gut gegangen, auch wenn nicht alle Träume von Einzelnen in Erfüllung sind. Ich wusste, dass das Potenzial für starke Leistungen da ist. Wir konnten aufgrund der Wetterbedingungen aber nicht davon ausgehen, dass diese Fähigkeiten auch umgesetzt werden.“ Der Sieger Shura Kitata Tola erzielte trotz schwieriger Bedingungen mit 2:05:50 Stunden die weltweit sechstbeste Marathon-Siegerzeit in diesem Jahr und schob sich an Position elf der Weltjahresbestenliste. Mit acht Läuferinnen unter 2:30 Stunden gab es eine bemerkenswerte Leistungsdichte im Frauenfeld. Dazu setzten sich europäische Läufer stark in Szene. Zusätzlich zum Briten Griffiths und zu Arne Gabius brachte der Pole Henryk Szost mit 2:10:09 eine beachtliche Leistung.

Mit großer Begeisterung erlebte Dr. Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender von Titelsponsor Mainova, den Frankfurter Marathontag: „Da war sehr viel Leidenschaft im Spiel und die Veranstaltung war perfekt organisiert. Es war ein großartiges Rennen mit emotionalen Momenten auch für die Zuschauer, das war fantastisch.“

Drei Marathonstarts in Frankfurt, dreimal mit der von Christoph Kopp vergebenen „Glücksnummer 7“ und dreimal unter 2:10 Stunden: Frankfurt erwies sich für den deutschen Rekordhalter Arne Gabius einmal mehr als ideales Pflaster. „Es war richtig hart im Gegenwind, und ich bekam im letzten Teil Probleme mit meiner linken Oberschenkelrückseite. Aber ich bin volles Risiko gegangen, um die Zeit von unter 2:10 noch zu erreichen“, sagte Gabius, der eine deutsche Jahresbestzeit lief. Mit seinen 2:09:59 schob er sich an dritte Stelle der europäischen Jahresbestenliste.

ArneGabius Festhalle-1

Arne Gabius   (Foto: Mainova Frankfurt Marathon)

„Ich bin sehr erleichtert, dass es noch für unter 2:10 gereicht hat. Der schwierige Part war zwischen Kilometer 20 und 30. Ich habe aber nie ans Aufgeben gedacht. Die Geburt meines Sohnes war motivierend, aber während des Rennens war ich so fokussiert, ich habe nicht ständig dran gedacht. Jetzt werde ich die Zeit genießen. Meine Oberschenkel spüre ich sehr, aber in den nächsten Wochen brauche ich ohnehin nur meine Hände zum Windeln wechseln“, so Gabius, der drei Tage vor dem Lauf zum ersten Mal Vater geworden ist.

Die 5.000-Meter-Olympiasiegerin Vivian Cheruiyot lief in ihrem zweiten Marathon eine persönliche Bestzeit von 2:23:35. Lange Zeit lag sie auf Streckenrekordkurs von 2:21:01, doch im starken Wind konnte auch sie das Tempo nicht durchhalten. „Hier zu gewinnen gibt mir Selbstvertrauen. Es war sehr windig. Ich bin couragiert gelaufen und dachte, dass ich 2:20 erreichen kann. Aber ich bin zufrieden mit der Zeit. Ich bin noch neu im Marathon und werde mich weiter verbessern.“

Zweite wurde Yebrgual Melese in 2:24:30 vor ihrer äthiopischen Landsfrau Meskerem Assefa, die nach 2:24:38 im Ziel in der Festhalle war. Die beiden konnten am Ende den Rückstand auf die Siegerin Cheruiyot noch deutlich verkürzen. Als Fünfte jubelte die US-Amerikanerin Sara Hall über eine persönliche Bestzeit von 2:27:21.

Während Arne Gabius sich erwartungsgemäß den deutschen Meistertitel sicherte, gab es bei den Frauen eine Überraschung: Katharina Heinig (Eintracht Frankfurt) überholte in der Schlussphase die Titelverteidigerin Fate Tola (LG Braunschweig) und war als Achte und beste Europäerin in 2:29:29 im Ziel. Tola folgte unmittelbar dahinter als Neunte mit 2:30:12. Beide blieben damit klar unter der Norm für die Europameisterschaften in Berlin 2018 von 2:32:00 Stunden.

Katharina Heinig brachte mit einem packenden Finish die Festhalle zum Kochen. „Es war ein Hammerrennen und hinten raus wirklich hart. In der Stadt war eine klasse Stimmung, der Einlauf in die Festhalle ist Wahnsinn. Es war ein Sieg für die ganze Stadt. Als Deutsche Meisterin bin ich sicher nächstes Jahr bei der EM in Berlin dabei“, sagte die Frankfurterin strahlend.

Fate Tola, die Zweite der deutschen Meisterschaften, sagte: „Ich bin rundherum zufrieden. Ich bin während des Rennens müde geworden, daher konnte ich das Tempo nicht halten. Der Wind war sehr stark, da hatte ich keine Kraft mehr. Aber trotzdem bin ich zufrieden, ich bin Zweite bei der Deutsche Meisterschaft und habe die Norm für die EM, alles okay.“ Mit den Marathon-Debütantinnen Laura Hottenrott in 2:34:43 und Franziska Reng in 2:34:57 haben zusätzlich zwei deutsche Läuferinnen das Team-Limit für die EM von 2:35:00 Stunden unterboten.

Ergebnisse, Männer:

  1. Shura Kitata Tola ETH 2:05:50
  2. Kelkile Gezahegn ETH 2:06:56
  3. Getu Feleke ETH 2:07:46
  4. Martin Kosgey KEN 2:09:39
  5. Dewi Griffiths GBR 2:09:49
  6. Arne Gabius GER 2:09:59
  7. Henryk Szost POL 2:10:09
  8. Scott Smith USA 2:12:21
  9. Scott Fauble USA 2:12:35
  10. Mark Korir KEN 2:12:37

Frauen:

  1. Vivian Cheruiyot KEN 2:23:35
  2. Yebrgual Melese ETH 2:24:30
  3. Meskerem Assefa ETH 2:24:38
  4. Abebech Afework ETH 2:26:45
  5. Sara Hall USA 2:27:21
  6. Merima Mohammed BRN 2:27:49
  7. Sylvia Medugu KEN 2:29:09
  8. Katharina Heinig GER 2:29:29
  9. Fate Tola GER 2:30:12
  10. Anna Incerti ITA 2:32:11

„Aufgeregt, glücklich und voller Euphorie“

 Frankfurt Marathon 2017

Katharina Heinig  (Foto:  Mainova Frankfurt Marathon)

Deutsche Meisterin Katharina Heinig in Hochstimmung nach ihrem geglückten „Heimspiel“ beim Mainova Frankfurt Marathon / Nationales und internationales Ausrufezeichen gesetzt mit beeindruckenden Resultaten der Topathleten  / Mehr Frauen an der Startlinie und eine erstaunlich gute Finisher-Quote

Jo Schindler hatte am Tag nach der 36. Ausgabe des Mainova Frankfurt Marathon frische Zahlen dabei. Der Renndirektor freute sich über die aufgrund der schwierigen Bedingungen sehr gute Finisher-Quote. 11.146 Läufer erreichten beim Laufklassiker am Main am Sonntag das Ziel in der wieder mal außerordentlich stimmungsvollen Festhalle – ein erstaunliches Plus im Vergleich zum Vorjahr, als die Läufer von strahlendem Sonnenschein verwöhnt waren.

Es ließen sich weder die Breitensportler noch die Profis in dem windumtosten Rennen von ihrem Kurs abbringen. Nach den gezeigten sportlichen Leistungen hat der älteste deutsche Stadtmarathon national und international ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt. Legt man die schnellsten zehn Zeiten zugrunde, belegt der Laufklassiker am Main in Deutschland Rang zwei und weltweit Platz 7. Die Zeit von 2:05:50 Stunden des äthiopischen Champions Shura Kitala Tola (die sechstbeste Siegerzeit weltweit 2017) war ebenso Weltklasse wie die Tatsache, dass in Frankfurt erstmals die ersten acht Frauen in der Festhalle allesamt unter 2:30 Stunden geblieben sind.

„Es war eine sehr schöne Ausgabe des Mainova Frankfurt Marathon. Wir haben wieder bewiesen, dass in Frankfurt Topathleten und Breitensportler gleichermaßen gute Bedingungen für einen schnellen Marathon geboten werden“, sagte Schindler, der sich auch über den um vier Prozent gestiegenen Anteil von Frauen an der Startlinie freute.

Eine Teilnehmerin, nämlich die Frankfurterin Katharina Heinig, war nach ihrem beherzten Lauf zum Deutschen Meistertitel in 2:29:29 Stunden auch am Tag danach noch „aufgeregt, glücklich und voller Euphorie.“ Der ganze Druck und die Anspannung nach ihrer tollen Leistung auf heimischem Pflaster seien schlagartig von ihr abgefallen. Dass die 28-Jährige unter diesen Rennbedingungen nicht weit über ihrer persönlichen Bestzeit blieb in der unter der Begeisterung der Zuschauer brodelnden Festhalle, „rechne ich mir hoch an“, sagte Heinig.

Die neue Deutsche Meisterin wird in der kalten Jahreszeit unter anderem wieder in Kenia und auch in Südafrika in der Höhe trainieren. Das nächste Ziel sei, über Unterdistanz-Rennen „meine Grundschnelligkeit zu verbessern, was mir dann im Marathon zugutekommt“, so Heinig. Im Fokus stehen bei Katharina Heinig und auch bei der DM-Zweitplatzierten Fate Tola (2:30:12), deren Kräfte bei ihrem dritten Marathonlauf 2017 am Ende schwanden, die Europameisterschaften in Berlin im Sommer.

Arne Gabius, der mit dem Verband im Streit liegt, kann sich in Berlin eine Rückkehr auf die Bahn im 10.000-Meter-Rennen vorstellen. Doch nach seinem weiteren fulminanten Frankfurter Lauf wollte der deutsche Lauf-Star erstmal schnellstmöglich zurück ins heimische Stuttgart zu seiner Frau und seinem drei Tage vor dem Mainova Frankfurt Marathon geborenen Sohn.

Obwohl von Schmerzen in der hinteren Oberschenkelmuskulatur geplagt, hielt Gabius während des Rennens eisern an seinem Ziel fest, unter 2:10 Stunden ins Ziel zu kommen. „Ich bin volles Risiko gegangen – entweder schaffe ich es oder ich komme humpelnd nach 2:12 Stunden ins Ziel“, lautete seine Devise im letzten Renndrittel. Letztlich schaffte er es mit einer abermals starken Leistung am Main auf die Sekunde genau: 2:09:59.

Damit ist Arne Gabius der einzige deutsche Läufer, der jemals drei Marathons unter 2:10 Stunden bewältigt hat. Alle seine beeindruckenden Finishs waren in: Frankfurt. „Arne ist ja fast schon ein Frankfurter“, betonte der Sportliche Leiter Christoph Kopp die besondere Beziehung von Gabius zum Mainova Frankfurt Marathon.

Besondere Freude machten den Veranstaltern auch die Leistungen der zweiten deutschen Garde bei den Deutschen Meisterschaften. Hinter Gabius deuteten Jonas Koller (2:16:03) und Frank Schauer (2:16:30) ihr Potential mehr als nur an. Auch bei den Frauen setzten Laura Hottenrott (2:34:43) und Franziska Reng (2:34:57) Ausrufezeichen. Für großen Jubel in der Festhalle sorgte auch Klemens Wittig. Der 80 Jahre alte Dortmunder erreichte in der Altersklasse M80 in 3:39:54 Stunden eine neue europäische Bestleitung.

Einen neuen persönlichen Rekord erreichte auch Vivian Cheruiyot. Die Olympiasiegerin über 5000 Meter gewann den Laufklassiker am Main in 2:23:35 Stunden und fand anschließend persönliche Glückwünsche des kenianischen Staatspräsidenten in ihrem Emailfach. „Ein Marathonsieg ist etwas ganz Besonderes“, sagte die mehrfache Weltmeisterin über 5000 und 10.000 Meter. „Auch wenn der starke Wind meinen kleinen Körper fast hat wegfliegen lassen.“

Daheim in Kenia wolle sie auf jeden Fall berichten, dass man in Frankfurt einen schnellen, top organisierten Marathon laufen kann. „Ich“, sagte Cheruiyot, „komme gerne wieder.“

Alex Westhoff
PR+Kommunikation Mainova Frankfurt Marathon
Tel: +49 (0)1525-4693847 Fax: +49 (0)69 3700468-11
mailto:aw@frankfurt-marathon.com www.frankfurt-marathon.com

 

 

Der Sonnenschein folgt dem Sturm Herwart

Sturm Herwart hat am Sonntag (29. Oktober) im Stadtzentrum von Neuruppin nur wenig Schäden angerichtet. Diesmal waren die Angst vorher und die schlechten Wettervorhersagen größer als die negativen Auswirkungen. Allerdings mußte am Sonntag zwei Stunden vor dem Start der traditionelle Hubertuslauf abgesagt werden. „Es war eine Vorsichtsmaßnahme, wir konnten nichts riskieren“, erklärte dazu der Cheforganisator Bernd Gummelt.

Einen Tag später, am Montag, strahlte die Sonne vom Himmel, als wäre nichts gewesen. Grund genug, den alltäglichen Spaziergang quer durch die Stadt zu unternehmen.

Sonne zwei Sonne drei Sonne fünf Sonne sieben Sonne acht Sonne neun Sonne zehn Sonne elf Sonne zwölf Sonne eins

 

Abendlicher Zauber in Neuruppin

Eine Woche vor Beginn des Martinimarktes in Neuruppin füllt sich die Stadt langsam mit den Fahrgeschäften. Und ganz in unserer Nähe ist über Nacht das Riesenrad aufgebaut worden:

Neur Abend fünfundzwanzig

Gern spazieren wir abends durch die Stadt. Diesmal ist Paulie aus Köln dabei, mit neuen LED-Schuhen mit allen Farben und Farbwechseln:

Neur Abend eins Neur Abend vier Neur Abend dreiundzwanzig Neur Abend sechsundzwanzig

Nicht weit von uns liegt der Ruppiner See, und auch hier ist die abendliche Stimmung anheimelnd:

Neur Abend neun Neur Abend acht Neur Abend zehn Neur Abend zwölf Neur Abend vierzehn Neur Abend fünfzehn Neur Abend sechszehn Neur Abend achtzehn Neur Abend neunzehn

Auf dem Rückweg kommen wir noch  am Spielplatz am Neuen Markt vorbei. Dort eröffnet demnächst der Weihnachtsmarkt:

Neur Abend zwanzig

Doch nun ist es Zeit, zurück in die Friedrich-Ebert-Straße zu gehen:

Neur Abend zwei Neur Abend siebenundzwanzig

Mein Freund- der Uhu! Besuch im Heimattierpark Kunsterspring bei Neuruppin

Kunster siebenundzwanzig Kunster siebenunddreißig Superporträt

Wenn meine Kölner, Tochter und Enkeltochter, in den Schulferien nach Neuruppin kommen, gehört traditionell ein Besuch im Tierpark Kunsterspring zum Programm. Diesmal, Ende Oktober, war dieser Besuch gefährdet. Hurrikan Xavier hatte vor kurzem gewütet und auch im Tierpark Schäden angerichtet.

 

Kunster vierunddreißig Kunster dreiunddreißig

Kunster achtzehn Kunster fünfundzwanzig

Zwar wurden die Tiere rechtzeitig in feste Behausungen einquartiert, aber einige Anlagen, vor allem die für Wölfe, Luchse, Wisente mußten gesperrt werden, weil die Zäune demoliert waren.

So waren wir also froh, daß der Tierpark überhaupt geöffnet hatte:

Kunster eins Kunster zwei

Kunster neun

Die erste Überraschung: Der Teich, in dem sich sonst hunderte Enten und anderes Getier tummeln, war fast leer. Nur wenige Tiere waren noch zu sehen und abzulichten:

Kunster fünf Kunster sechs Kunster zehn Kunster sieben Kunster sechszehn Kunster siebzehn

Ein wenig besser sah es dann bei den Zwergziegen aus. Die kleinen Ziegen fehlten zwar, aber das hatte wohl biologische Gründe. Aber die Großen waren wie immer sehr hungrig.

Kunster zwölf Kunster einunddreißig

Wohlgenährt suchten nebenan die Schafe ihre Beute und auch die Schweine sind auf Nahrungssuche:

Kunster fünfzehn

Kunster zweiundzwanzig Kunster neunzehn

Wenig Tiere waren dann auf dem Weg zu meinen Lieblingen, den Uhus, zu sehen. Keine Marder, keine Fischotter, keine Flugvögel. Da waren wir schon glücklich, drei Waschbären in luftiger Höhe zu erblicken:

Kunster zwanzig

Und ein Reh schaute uns mit treuen Augen an (was aber sind treue Augen?):

Kunster zweiunddreißig

Kunster einundzwanzig Kunster dreiundzwanzig

Das beste Fotomotiv für mich aber ist immer der Uhu. Warum? Weil er so schön ruhig sitzt und still hält, bis das Foto im „Kasten“ ist:

Kunster siebenundzwanzig Kunster achtundzwanzig

Peter Grau

Vom aktiven Triathlon in Waren an der Müritz 1989 bis zum passiven Ironman von Hawaii 2017

Triathlon begeistert mich seit langem. Als Marathonläufer versuchte ich in den 1980er-Jahren, dort Fuß zu fassen. Doch es blieb bei einem einmaligen Versuch. Nicht so weit von Berlin bzw. Neuruppin entfernt wurde in Waren an der Müritz für den 5. August 1989 zum vierten Mal ein Triathlon ausgeschrieben.  0,5 km Schwimmen, 25 km Radfahren und 8 km Laufen sollten absolviert werden.

Laufen brauchte ich nicht extra trainieren, Radfahren auch nicht (allerdings fehlte mir damals ein richtiges Rennrad). Nur vor dem Schwimmen hatte ich Respekt. So trainierte ich einige Male im Kalksee bei Boltenmühle, dort, wo glasklares Wasser das Schwimmen zu einem Vergnügen machte, wenn man denn richtig und schnell schwimmen konnte. Und das konnte ich leider nicht. Zwar hatte ich in Erfurter Zeiten 1954 meine Freischwimmer – Prüfungen und auch meine Fahrtenschwimmer-Prüfungen ablegt. 45 Minuten im Kreis schwimmen war kein Problem. Auch hatte ich richtig das Schwimmen gelernt, im Erfurter Dreienbrunnenbad, teilweise an der Angel. Dort sprang ich auch vom 5-m-Brett. Aber ein Manko hatte das Ganze: Mir wurde nur das Brustschwimmen gelehrt. Und das erwies sich beim Triathlon als großes Hemmnis.

Waren sechs

Auf einer ähnlichen Wiese war vor 28 Jahren auch  der Start zum Schwimmen über 0,8 km. (Foto:  Olaf Brockmann /2017)

Ich wußte um mein Handicap, nur das Brustschwimmen zu beherrschen, aber  ich versuchte das zu überspielen. Zu Hilfe kam mir, daß ich kein Rennrad hatte und deshalb in Waren beim Schwimmwettbewerb einen Vorsprung vor den anderen eingeräumt bekam. Aber das half mir wenig, denn eingeholt wurde ich trotzdem von der Meute. Dabei schluckte ich heftig Wasser, aber irgendwie schaffte ich es doch bis zum rettenden Ufer.

Das Radfahren über 25 km auf einer normalen Landstraße war dann weniger ein Problem, auch nicht mit dem Sportrad. Dann der Umstieg aufs Laufen, den ich zwar trainiert hatte, aber eben nicht unter Wettkampfbedingungen. So hatte ich anfangs das Gefühl, überhaupt nicht vorwärtszukommen. Und dieses Gefühl ließ mich auf den ganzen 8 Kilometern nicht los. Überrascht war ich, später zu erfahren, daß ich mich im Laufen doch recht gut gegenüber den Konkurrenten hielt.

Jedenfalls war ich am Ende stolz darüber, für meinen ersten  Triathlon die folgende Urkunde bekommen zu haben:

Peter Waren Triathlon

Es blieb der einzige Triathlon, aber seitdem habe ich immer sehr interessiert den Neuruppiner Triathlon live erlebt und die vielen Fernsehübertragungen am Bildschirm.  So auch wieder gestern (14. Oktober 2017) bzw. heute Nacht, als der Ironman 2017 auf Hawaii übertragen wurde, der Höhepunkt für viele Triathleten.

Zunächst sah und hörte ich mir ab 18.30 Uhr alles im Livestream des ZDF an, das Internet machte es möglich. Und ich erlebte, wie der eigentliche Favorit Jan Frodeno große Probleme zu Beginn des Laufens bekam und die Aussicht auf einen nunmehr dritten Erfolg auf Hawaii dahinschwinden sah.

Gegen 1 Uhr legte ich mich dann zu Bett und wurde, wie oft, nach 1 ½ Stunden wieder wach, nahm mein Smartphone zur Hand und beobachtete, wie Patrick Lange nach vorn marschierte und erstmals siegte.

Am Morgen dann aber war mein erster Gang zum Computer. Voller Freude sah ich, daß ARD-Tagesschau-Sprecher Thorsten Schröder nach 10:56:12 Stunden das Ziel erreicht hatte.

Viele Fans hatte er auf diesem Weg auch bei Facebook hinter sich und entsprechend zahlreich waren die Glückwünsche. Und irgendwie ist man als „normaler“ Läufer oder Triathlet eben bei solchen Leuten dabei, die nicht Profis sind, sondern so fast nebenher (was beim Triathlon ja nicht geht) sich auf einen Ironman vorbereiten und dann erfolgreich sind.

28 Jahre liegen zwischen meinem einzigen Triathlon und diesem Triathlon auf Hawaii. Eine lange Zeit mit sehr vielen Veränderungen, auch im Triathlon.

Peter Grau

Buchtip: Sergej Lochthofen: GRAU – Eine Lebensgeschichte aus einem untergegangenen Land

Sergej Lochthofen GRAU

An diesem 3. Oktober wollte ich über etwas schreiben, was mit diesem Tag der Einheit zusammenhängt. Zwar hätte ich mir lieber den 9. November, den Tag des Mauerfalls, als Einheits-Tag gewünscht, aber dem stand entgegen, daß dieser Novembertag  historisch gewissermaßen schon überbesetzt ist. Am 9. November 1918  wurde die erste deutsche Republik ausgerufen, der 9. November  1938 ist durch den Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung belastet und nun der Mauerfall am 9. November  1989.   Ein anderes Datum wurde also gesucht.

Der 7. Oktober sollte es auch nicht sein, denn das war ja 40 Jahre lang der Jahrestag der DDR-Gründung gewesen (und natürlich ist er mir noch im Gedächtnis). Es wurde also der  3. Oktober.  Und da fiel mir schnell ein, daß ich vor kurzem ein Buch gelesen hatte, das viel mit der DDR zu tun hatte.

Ich hatte es gekauft, weil mir der Autor Sergej Lochthofen bekannt war, vor allem durch seine häufige Teilnahme an Talkshows.  Vor zwei Wochen sah ich ihn zuletzt und da hörte ich erstmals, daß er als Stimme des Ostens angekündigt wurde. Seinem Buch habe ich angemerkt, welche Sachkenntnis er in den Jahren seines abwechslungsreichen Lebens zwischen dem Arbeitslager in Workuta (als Kind) und dem Chefposten bei der Erfurter Tageszeitung „Thüringer Allgemeine“ gesammelt hat.  Die Erfurter Zeitungsszene habe ich immer verfolgt. Zu DDR-Zeiten hieß diese Zeitung noch „Das Volk“, ich als gebürtiger Erfurter, habe sie zumindest bei Tante und Onkel gelesen, denn meine Mutter und ich hatten die Thüringische Landeszeitung (TLZ) abonniert.

Lang, lang ist es her.

Das Buch „GRAU – Eine Lebensgeschichte aus einem untergegangenen Land“ habe ich nicht nur wegen des Autors gekauft, sondern auch wegen des Titels. Das GRAU lockte mich einfach an. Ein bißchen eitel bin ich ja, und meinen Nachnamen mag ich auch. Gerade auch deshalb, weil diese Farbe grau oft unterschätzt wird, eher negativ belegt ist. Dabei, und das werden viele Künstlern bestätigen, ist grau eine Farbe, auf die Maler nicht verzichten möchten. Ein  bekannter Maler, den ich in DDR-Zeiten durch meine Tätigkeit bei der Zeitschrift „Prisma“, die sich mit den Schokoladenseiten der DDR beschäftigte, kennenlernte, hat mir einmal seine positive Sicht zur Farbe grau geschrieben.

 

Kahnt:  den Text suche ich noch!

 

Doch allein GRAU hätte nicht zum Kauf des Buches ausgereicht. Vielmehr bin ich an allem interessiert, was die DDR, die ja den Großteil meines Lebens bestimmte, durchleuchtet, ihre vielschichtigen Seiten beleuchtet.

Soviel zum Motiv des Buchkaufes. Nun aber zum Inhalt. Und da bediene ich mich des Klappentextes, der den Autor folgendes sagen läßt:

„ Nichts war, nichts ist selbstverständlich. Daß ich im Gulag auf die Welt kam und doch eine behütete Kindheit hatte, daß ich von dort nach Deutschland kam und nicht irgendwohin in die Steppe, daß es der Osten war und nicht der Westen, Gotha und nicht Berlin, daß ich in eine russische und nicht die deutsche Schule ging, einen sowjetischen Paß und nicht einen Ausweis der DDR besaß. Nicht davon ist selbstverständlich. Vermutlich auch nicht, daß ich keine Heimat habe.“

Der Norden Rußlands: Drei Jungen kämpfen in einem schadhaften Boot mitten im eisigen Fluß um ihr Leben. Es ist die Workuta, die einer ganzen Schreckensregion den Namen gibt. Jahrzehnte später steht einer von ihnen auf den Domstufen in Erfurt und verkündet vor Zehntausenden Demonstranten, daß seine Zeitungsredaktion sich gerade von der allmächtigen Partei unabhängig gemacht hat. Es ist die Geburtsstunde der ersten Reformzeitung in der DDR.

Nun blickt Sergej Lochthofen zurück auf ein Leben als Deutscher unter Russen und als Russe unter Deutschen: erlebte Geschichte, spannend erzählt.“

Soweit ein kleiner Einblick in den Inhalt des Buches des Journalisten Sergej Lochthofen.

Mehr erfährt man, wenn man das im Rowohlt-Verlag erschienene Buch kauft:   ISBN 978 3 499 62863 4.

Peter Grau

Horst Prill: Er war ein liebenswerter Freund

Horst einunddreißig

Manche Freundschaften sind oberflächlich, nur in eine Richtung angelegt. Im Nachhinein denke ich, daß es auf meine Beziehung zu meinem  Freund Horst zutrifft, mit dem ich zwar seit 1975 bis ca. 2005 oft zusammen war, allerdings vor allem bei Laufveranstaltungen und im Lauftraining, und außerdem bei Geburtstags- und Silvestertreffen. Horst war handwerklich vorgebildet, konnte fest zupacken und weil er sehr hilfsbereit war, mußten mir nur anrufen und schon kam er vorbei. Vor allem auch in der Zeit, als wir uns in der  Lincolnstraße in Berlin-Lichtenberg auch näherkamen, weil ich eine Wohnung zwei Häuser neben seiner Wohnung (Nr. 57) bezog.  Meine Frau und ich erinnern uns noch gut,  wie er beispielsweise  eine Badewanne für mich auftrieb, die gewissermaßen als Sperrmüll in einem Container auf der Straße abgestellt war, aber noch fast neu war.  Auch gegen meinen Widerstand setzte er durch, daß die Badewanne sichergestellt wurde und mit unseren gemeinsamen Lauffreunden Jürgen, Bernd und Siggi per Hand ca. 150 m getragen wurden und dann ins erste Stockwerk hinausgetragen wurde.

Horst zweiunddreißig Horst dreiunddreißig

Horst Prill ist seit einer Woche im Himmel (siehe auch mein Bericht  unter  http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=9667). Ich bin sicher, daß er im Himmel und nicht in der Hölle ist. Dazu hatte er zu viele positive Eigenschaften, war menschlich einfach eine Perle.

So werden es die meisten gesehen haben, die ihn kannten. Und es war kein Zufall, daß vor einer Woche, als wir Horst auf seiner letzten Reise begleiteten, diese menschlichen Charakterzüge auch in der anrührenden, aber sehr informativen Abschiedsrede in der kleinen Kapelle auf dem Evangelischen Friedhof in Berlin-Lichtenberg in der Marzahner Straße 20 hervorgehoben worden.

Die Zeremonie auf dem Friedhof würde Horst gefallen haben. Angefangen von besinnlicher Musik, die uns und die 40 Trauergäste einstimmen sollten, über die Rede, die Horst würdigen sollte bis hin zum letzten Weg, als die Urne in die Erde gesenkt wurde, ein Trompeter aus der Ferne letzte Grüße sandte und wir uns dann von Horst verabschiedeten. Da wurde uns bewußt, daß es auf ewig sein würde. Oder sehen wir uns alle im Himmel wieder?

Wenn, dann würden wir sicherlich genug Zeit haben, unser Leben nochmals voreinander ausbreiten.

Es begann in Jarmen an der Peene

Ein wenig konnte ich mich erinnern und einiges erfuhr ich durch die Abschiedsrede, die vor allem durch seine Schwester Evi gespeist worden war. Geboren wurde Horst am 26. Februar 1938 in Jarmen, einer Gemeinde am Fluß Peene. 19 km nördlich von Jarmen liegt Greifwald, 43 km südlich liegt Neubrandenburg. Ich habe Jarmen immer bemerkt, als ich auf dem Weg an die Ostsee, zur Insel Rügen oder nach Usedom, fuhr und dabei durch den Ort kam.

Gemeinsam mit seiner Schwester Evi und seinem Bruder wuchs Horst in Jarmen auf, hatte eine behütete Kindheit. Beruflich tendierte er zum Technischen, und deshalb absolvierte er auch eine Lehre als Elektromaschinenbauer (kam mir bekannt vor, weil man Onkel in Erfurt auch Elektromaschinenbaumeister war). Und 1961, mit 23 Jahren, begann er dann ein Studium für Ingenieur-Elektromaschinenbau und schloß es erfolgreich ab. Dann arbeitete er viele Jahre im Kombinat Robotron (   http://www.robotrontechnik.de/   ), hatte dort mit Computern zu tun (die damals langsam ihren Weg auch in die DDR fanden) und wurde wegen seiner Zuverlässigkeit viel in Ungarn eingesetzt. Deshalb begann er auch, die ungarische Sprache zu lehren.

Wie sehr er an diesem Land hing, habe ich erfahren, als wir als Zuschauer zur Leichtathletik-Europameisterschaft nach Budapest fuhren. Zwei Ereignisse habe ich von damals noch im Gedächtnis.

Zum einen wurden wir, als wir eines Tages dort durch die Straßen spazierten, von Eurosport-Kommentator Dirk Thiele angesprochen und eingeladen, als Gäste an einem Festessen teilzunehmen. Wir ließen uns überreden, obwohl wir mit unseren kurzen Hosen nicht gerade richtig angezogen waren. Ein wenig litten wir, weil im Hotel die Klimaanlage so eingestellt war, daß wir froren. Das wurde aber durch die Speisen und die alkoholischen Getränke ausgeglichen.

Zweitens erinnere ich mich, daß wir eines späten Abends mit meinem Trabant durch die Budapester Straßen fuhren und dabei auf ein haltendes Taxi und einen gestikulierenden Fahrgast aufmerksam wurden. Wir hielten an und ich sah meinen Journalistenkollegen Olaf Brockmann im Disput. „Der Taxifahrer will mich betrügen, die mitlaufende Kilometeruhr war viel zu schnell eingestellt. Doch Olaf konnte sich auch dank seiner ungarischen Sprachkenntnisse wehren und die letzte Hilfe leisteten wir, indem wir ihn praktisch „befreiten“. Das hat mir Olaf nie vergessen. Wir haben uns noch oft bei internationalen Veranstaltungen getroffen und nun habe ich ihm auf meiner Homepage eine eigene Rubrik eingerichtet.

Horst war seit langem ein Fan der Leichtathletik. Beim ASK Vorwärts Potsdam war er als Mittelstreckler vor allem auf den 800 m unterwegs. Zwar schaffte er  es nicht bis in die DDR-Spitze, aber zumindest legte er die Grundlage, um später als Ausdauerläufer auf den längeren Distanzen bis zum Marathon gut zurecht zu kommen.

Kennengelernt haben wir uns als Läufer. Ich hatte 1974 mit dem Laufen auf dem Zachertsportplatz in Berlin-Lichtenberg angefangen, zunächst in der Laufgruppe von Bernd Rost.  Nach und nach steigerte ich meine Trainingskilometer und bestritt dann 1978  meinen ersten Wettkampf.

Horst gehörte 1981 mit zu den Gründungsmitgliedern der Laufgruppe von Borussia Friedrichsfelde.  Ich trat zwar diesem Verein nie bei, weil ich schon vorher Mitglied der BSG Empor Brandenburger Tor (EBT) war.

 

Zach 387

Der Zachertsportplatz im Jahr 2017

Aber ich trainierte viel gemeinsam mit den Borussen. Und Ausgangspunkt war in der Regel immer der Zachertsportplatz. Horst wohnte ganz dicht am Sportplatz, und ich hatte nur etwa 10 Minuten Anrenn-Weg. Gemeinsam ging es hinaus, durch die Gartenanlagen in Richtung des Pionierparkes und des Waldgebietes Wuhlheide.

Ich habe einen Teil unserer Trainingsstrecke auf meiner Homepage unter dem Titel „ Auf den Laufspuren“ unter http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=2474   vorgestellt.

Zu den Borussen gehörten damals vor allem: Jürgen Stark, Horst Prill, Bernd Dehnke, Siggi Büttner, Gunther Hildebrandt, Klaus Hennig, Werner Pohl, Günther Peschel,  Manfred und Gabi Naumann, Michael Kujath. Später hinzu kamen dann Klaus Hopf und seine Frau Birgit. Auch aus dem fernen Köln kam nach dem Mauerfall mit Michael Täuber ein Läufer hinzu, der bald ein enges Verhältnis zu uns Ostlern aufbaute und uns viele neue Impulse brachte, auf läuferischem und auf gesellschaftlichem Gebiet.

Ebenfalls auf diesem Trainingskurs liefen Udo Bauermeister und Rainer Lehmann, aber sie liefen separat, weil sie zu schnell für uns waren.

Udo Bauermeister (vorn) und Peter Grau beim Halbstundenlauf auf dem Zachertsportplatz:

Horst Peter Udo

Gudrun Strohbach wohnte direkt am Zachertsportplatz, schaute von ihrem Balkon direkt auf die Läuferschar. Sie war schon in jungen Jahren Langstrecklerin und im Marathonlauf an der DDR-Spitze. Sie war sicherlich viel zu schnell für unsere „langsame“ Trainingsgruppe, aber zumindest auf dem Sportplatz sind wir oft gemeinsam mit ihr gelaufen.

Gudrun Porträt

Und auch heute läuft Gudrun, seit langem mit Gerhard Brettschneider verheiratet, regelmäßig und nimmt an Wettkämpfen im Orientierungslauf teil.

Zurück zu meinen gemeinsamen Läufen mit und gegen Horst. Wir liefen gern zusammen, aber es war auch immer Ernst in unserem Bemühen, Erster zu sein.  Manchmal gelang mir das, weil ich eben in der Regel größere Umfänge trainierte und damit die größere Grundschnelligkeit von Horst übertrumpfen konnte.

Ein Erlebnis ist mir noch in Erinnerung geblieben. Bei einem Wettkampf, entweder beim Hubertuslauf in Neuruppin oder aber beim Baaseelauf in Bad Freienwalde, lief Horst vor mir, d.h. er ging und machte mit den Armen Lockerungsübungen gen Himmel. Ob ich dadurch noch an ihm vorbeigezogen bin, weiß ich nicht mehr. Wir haben danach oft darüber gesprochen und uns amüsiert.

Horst konnte also auch über sich selbst lachen, Späße machen. Aber andererseits vermittelte er immer den Eindruck, alles genau zu wissen. Manchmal habe ich ihn damit aufgezogen, bin aber nicht sicher, ob er das überhaupt gemerkt hat. Wie ich überhaupt meine, daß man noch mehr über alles hätte sprechen müssen. Doch vieles wurde überlagert durch das Laufen. Es war unsere Nische, in der wir uns so wohl fühlten. Es machte Spaß und füllte uns aus.

Wenige Fotos wurden zu dieser Zeit bei den Laufveranstaltungen gemacht. Deshalb sind auch Fotos rar, auf denen wir beide im Wettkampf zu sehen sind. Ziemlich am Anfang nahmen wir an einem 5000- oder 10.000-m-Lauf auf den Willi-Sänger-Sportanlagen in Berlin-Schöneweide teil.

Auf dem Foto liege ich dabei vorn, Horst „hechelt“ hinterher. Sicher hatte er nicht genug trainiert:

Horst 10.000 m 1981

Einen ganzen Marathon bestritten wir 1988 gemeinsam. Beim EBT-Team Marathon im Berliner Plänterwald, – organisiert von Roland Winkler-, mußten die Dreierteams die gesamten 42,195 km gemeinsam zurücklegen.

Hier kurz nach dem Start können alle noch lächeln (Horst Zweiter von rechts, mit Stirnband):

Horst Plänterwald

 

Eher eine Ausnahme war lange Zeit vor dem Mauerfall,  daß sich auch westdeutsche oder Westberliner Läufer an unseren Läufen beteiligten.  Aber manche wie Jürgen Roscher oder Horst Preisler wagten es trotzdem.

Auf dem Foto ist sogar ein Ost-West-Trio zu sehen. In der vorderen Reihe laufen  Jürgen Roscher (Westberlin), Peter Grau und Horst Prill (beide Ostberlin, v. links):

Horst Teammarathon Plänterwald

Der 5-km-Kurs im Berliner Plänterwald war oft Treffpunkt der Berliner Läufer und der Läufer von außerhalb. Anfangs wurden dort die Wettkämpfe von Bernd Steinberg  ausgerichtet, später vor allem vom leider viel zu früh verstorbenen Folker Lorenz und eben, wie gesagt, der Teammarathon von Roland Winkler.

Aber es gab auch anderswo Wettkämpfe, so im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark an der Cantianstraße, in Weißensee (Cross), in der Lichtenberger  Parkaue, in den Müggelbergen und anderswo

Sportplätze sehen manchmal gleich aus, aber ich glaube, daß das folgende Foto aus dem Stadion an der Weißensee Buschallee stammt. Werner Zock hat das Foto am 9. April 1988 gemacht:

Horst Weißensee zwei

Oft war Horst auch außerhalb Berlins bei Wettkämpfen dabei. Er mochte vor allem auch den Rennsteiglauf, sicher auch, weil dort vor allem das Gemeinschaftsgefühl zum Tragen kam.

Start des Rennsteiglaufes (45 km) im Jahr 1984:

Horst 1984 Rennsteiglauf

Vier Jahre später Gruppenbild vor dem Rennsteiglauf:

Horst zehn 1988

 

Horst fühlte sich immer wohl, wenn er sich mit anderen treffen, austauschen, einfach nur reden konnte.

Denn es gab ja auch noch einen anderen Horst, einen mit einem Beruf und einem Privatleben. Doch das wird mir erst jetzt, wo er nicht mehr da ist, so richtig bewußt.

Glücklich in der Familie

1964 hatte er Erika geheiratet, bald kam auch seine Tochter Karin zur Welt. Mit Erika war er sehr glücklich, sicher auch stolz, weil sie eine solch attraktive Frau war. Horst mußte in diesen Jahren immer den Spagat zwischen privat und Sport schaffen. Manchmal trainierte er weniger, eben um seiner Familie nahe zu sein.  23 Jahre war er verheiratet, aber dann brach seine Ehe auseinander.  Ich habe zwar gemerkt, was das für ein herber Verlust für ihn war, aber  es selbst hat er sich mir gegenüber und wohl auch den anderen Läufern gegenüber nie völlig geöffnet, nie durchblicken lassen, wie schwer ihn das damals getroffen hat. Meine Frau Ruth aber öffnete er sich mehr, ließ durchblicken, wie sehr er noch an Erika hing. Und das hinderte ihn sicher auch später daran, neue feste Verbindungen zur holden Weiblichkeit zu knüpfen. Er brachte zwar immer mal wieder neue Freundinnen zu unseren Veranstaltungen mit, doch irgendwie war das alles nicht von Dauer. Dabei hätte er es so nötig gehabt, denn Einsamkeit ist für viele nur schwer zu ertragen. Und auch räumliche Trennungen sind oft schwer zu überbrücken. Seine Tochter Karin war zwar beruflich sehr erfolgreich,  doch nach der Wende zog sie, wie manche Ostler, der Arbeit nach, landete in Leverkusen.  Dort bzw. in der nahen Umgebung blieb sie bis heute. Einige Male fuhr Horst nach Leverkusen, doch das war zu wenig, um eng aneinanderzurücken.

So blieb ihm weiterhin als Lebenselixier das Laufen und seine Laufkameraden in Berlin-Lichtenberg.  Und er fuhr auch weiter zu Veranstaltungen, auch ins Ausland. Zunächst nur ins sozialistische Ausland, denn noch stand die Mauer.

Ein Höhepunkt unserer Wettkämpfe war  im Jahr 1987 der Start bei den Europameisterschaften der Senioren in Karlovy Vary (von links Horst Prill, Peter Grau, Jürgen Stark):

Horst sieben

Nach dem Mauerfall aber öffnete sich für Horst, wie für viele andere Läufer und für alle Bürger der DDR die Tür zum Westen.

Horst nutzte es weidlich, erfüllte sich mit dem Start beim New York-Marathon einen Traum.  Aber auch die Teilnahme am Medoc-Marathon in Frankreich war für ihn eindrucksvoll, genauso wie Läufe auf Zypern.

Horst elf 1994

Jedes Jahr fuhr eine Gruppe von Borussenläufern samt ihren Anhörigen nach Holland, wo viel gelaufen wurde, aber man  auch Land und Leute entdeckte.  Horst war oft dabei, genauso wie Jürgen Stark und dessen Marlis, die auch die folgenden Fotos machten:

In Holland:

Horst vierundzwanzig Holland

Oft war Horst auch bei den Sylvesterfahrten dabei, die vor allem von Günther Peschel und von Jürgen Stark geplant worden waren:

Horst eins Sylvester Horst Barbarossahöhle

Wieck am Darß:

Horst fünfzehn 2005

 

Vor allem machte es Horst Spaß, wenn es sportlich zuging. Sei es nun bei Radausflügen oder aber bei ganz normalen Urlaubsreisen.

Pec (Tschechien):

Horst neununddreißig Horst sechsunddreißig

Horst fünfunddreißig Horst dreiunddreißig

Horst sechszehn Schnee Horst siebzehn 2004 Horst achtzehn 2004 Horst siebenundzwanzig Pec Horst achtundzwanzig Pec

 

Zypern:

Horst neun

 

Solche Fahrten waren für Horst immer Höhepunkte, von denen er lange zehren konnte.

Und ähnlich war es auch, wenn er sich an der Organisation von Läufen in Berlin beteiligen konnte, wie dem Veteranen-Marathon im Pionierparl oder dem Gartenlauf in Berlin-Friedrichsfelde:

Horst dreizehn 2001

 

Aber auch ganz normale Kaffee-Runden in Berlin mochte er:

Horst sechs 1 2013 Bei Horst -Kaffee Horst acht Horst vierzig Garten

 

Aber leider gab es für ihn auch gesundheitliche Rückschläge.  Der erste größere Rückschlag kam, als er einen Schlaganfall?   erlitt. Dank seiner guten körperlichen Verfassung konnte er das aber gut bewältigen. Als wir ihn bei der Reha in Wandlitz besuchten, was er zumindestens äußerlich wieder fit.  Vielleicht taten ihm auch die Gespräche mit anderen Patienten dort gut.

Unterhalten war ihm wichtig. Sicher fühlte er sich oft einsam, und das verstärkte sich, als die ehemalige Laufgruppe der Borussen langsam auseinanderfiel. Einige Läufer zogen aus Berlin weg  ( Michael Kujath, Michael Täuber, Peter Grau), andere zogen aus Lichtenberg in andere Stadtteile um (Gunther Hildebrandt, Udo Bauermeister, Gudrun Brettschneider). Es kamen zwar junge Läuferinnen und Läufer nach, doch da taten sich dann bald Generationenkonflikte auf.  Jedenfalls waren die Zeiten des gemeinsamen Erlebens und des Zusammengehörigkeitsgefühls leider vorbei bzw. sie bauten sich ab.

Ein aktuelles Foto der Laufgruppe Borussia -Friedrichsfelde zeigt, wie sich der Generationenwechsel vollzogen hat:

Horst dreiundzwanzig Laufgruppe

 

Horst versuchte alles, um in den Jahren nach dem Mauerfall auch beruflich noch mithalten zu können. Zwar packte er es nicht mehr, tiefer in die Computerbranche einzudringen und die Geheimnisse des Internets zu entziffern.  Einige Zeit lang arbeitete er in einer Firma mit, die Registrierkassen reparierte. Da fühlte er sich wieder in seinem Metier, bewies, daß er präzise arbeiten konnte.  Präzision, Genauigkeit, das war immer eines seiner Markenzeichen. Und auch wenn es dann manchmal etwas länger dauerte, fand es doch letztendlich Anerkennung.

Je älter er wurde, desto schwerer aber wurde es, noch die richtige Arbeit zu finden. Vielleicht kamen dann auch Selbstzweifel auf.  So war es kein Zufall, daß er immer förmlich auflebte, wenn  wir zu zweit aus Neuruppin „einflogen“, in meine neue Wohnung in  der Lincolstraße gingen und das Mittagsbrot vorbereiteten. Ein Anruf genügte und Horst kam voller Freude zu uns. Und wir konnten  ein klein wenig zurückgeben, was er mir /uns in all den Jahren gegeben hatte. Ob es nun der Aufbau der Küche, das Anbringen der Gardinenstangen, der Zusammenbau der Schrankwand, der Anschluß der Badewanne war, Horst konnte alles. Manchmal dachte ich schon, ihn zu sehr „auszubeuten“. So war ich froh, wenn ich ab und zu etwas zurückgeben konnte.

Aber 2004 zog ich ganz nach Neuruppin um, gab meine letzte Wohnung in Berlin, an der Treskowallee gegenüber der Trabrennbahn auf. Auch dort hatte Horst bei der Vorbereitung der Wohnung und beim Umzug von der Lincolnstraße in die Treskowallee mitgeholfen.

Horst war inzwischen auch umgezogen, blieb aber in der Lincolnstraße.  Aber immer weniger konnte er sich zum Laufen überwinden. Das war vielleicht noch zu verkraften. Doch seine Gesundheit macht ihm mehr und mehr Probleme.

Letztendlich sahen er und seine Schwester Evi, zu der er nach wie vor ein sehr enges Verhältnis hatte, die Lösung darin, in ein Seniorenheim umzuziehen. Es lag an der Volkradstraße, also nur wenige Schritte vom Zachertsportplatz entfernt. Doch die Welt im Heim war eine andere. Umgeben von kranken Leuten wurde er langsam immer schwächer.  Jürgen Stark und seine Frau Marlis besuchten ihn jedenfalls noch sehr lange regelmäßig dort. Sie brachten ihn auch nochmals im Rollstuhl zum Gartenlauf in der Märkischen Aue, einem Lauf, den er sowohl als aktiver Läufer als auch als Mitorganisator immer mochte.  Alle freuten sich, aber alle waren auch traurig.

Man hätte gewünscht, daß ihm die letzten Jahren im Heim erspart worden wären. Zuletzt konnte er die Signale der Umwelt nicht mehr aufnehmen, lebte nur noch vor sich hin. So war es fast eine Erlösung für alle, die ihm wohlwollten, als sie die Nachricht bekamen, daß er am 26. August 2017 endlich seine Augen für immer geschlossen hat.

Nun ist Horst im Himmel und findet dort immer mehr Gefährten, die er im Leben auf der Erde kannte. Gefährten, die ihn mochten, schätzten, die gern mit ihm zusammen waren.

Das wurde in der Abschiedsrede zu seinem Ableben nochmals bekräftigt. Und ein Satz ist mir im Ohr geblieben:

Vielleicht war Horst Prill ein wenig zu gut für diese Welt.

Peter Grau

(Die meisten Fotos dieses Artikels stammen von Jürgen Stark)

 

Impressionen aus Südtirol

Heute, am 2. Oktober 2017, braucht man starke Nerven, um das traurige Geschehen dieses Tages zu verkraften. In Las Vegas (USA)  hat ein Einzelner mindestens 58 Besucher eines Country-   Konzertes aus einem Hotelzimmer heraus erschossen. Zudem gab es über 500 Verletzte.

Ich kann mich und meine Leser nur etwas beruhigen, indem ich zeige, daß es trotzdem noch eine heile Welt gibt.  Andreas Wiesinger kennt sie. Zum wiederholten Male war er in der Umgebung von Sexten unterwegs, einer Gemeinde im östlichen Teil von Südtirol (Italien). Dort befinden sich die bedeutendsten Dolomitengipfel. Und Ausblicke, an denen man sich nicht sattsehen kann:

Sexten eins Sexten zwei Sexten drei Sexten vier Sexten sechs Sexten fünf Sexten sieben Sexten acht Sexten neun Sexten zehn

Eindrücke rund um den Berlin-Marathon 2017

Über die Ergebnisse und Ereignisse rund um den Berlin-Marathon 2017 ist viel berichtet worden, zusammenfassend auch auf meiner Homepage  unter  http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=9647. Einige Tage später habe ich meine 80 Fotos gesichtet, die ich an diesem regnerischen Sonntag „geschossen“ habe. Und ich konnte mich dann um so besser daran erinnern,  was so alles geschah.

Es beginnt in der Frühe dieses 24. Septembers. Wie immer stelle ich nach meiner Anfahrt aus Neuruppin mein Auto am Kaiserdamm ab und spaziere dann voller Erwartung zum Ernst-Reuter-Platz. Dort  erwarte ich das Riesenfeld der 42.000 Läuferinnen und Läufer.  An diesem Punkt stehen wie immer mit mir viele Zuschauer und sehen zunächst die Führungsfahrzeuge und Begleitfahrräder um die Ecke biegen:

Mara 17 eins Mara 17 zwei

Dann aber folgen die Hauptakteure, angeführt von einer ca. 12 köpfigen Spitze mit schwarzafrikanischen Läufern. Zu schnell sind sie für meine Kamerakünste und entsprechend verwischt ist das Foto:

Mara 17 drei

Nur mit relativ geringem Abstand folgt der beste deutsche Läufer Philipp Pflieger in einer großen Gruppe. Mit seiner Körpergröße ragt er heraus ( im blauen Trikot, 5. von links), und zu diesem Zeitpunkt sieht er  noch sehr gut aus:

Mara 17 dreiundzwanzig Pflieger

Blick in das folgende Läuferfeld:

Mara 17 sechs Mara 17 fünf Mara 17 sieben Mara 17 acht

Mara 17 zwölf Mara 17 elf

Kunst am Wege – aber regennaß:

Mara 17 neun Mara 17 zehn

Natürlich kann ich nicht das ganze Läuferfeld abwarten, denn ich will ja die Spitze noch an anderen Stellen des Kurses sehen. Deshalb fahre ich mit der U-Bahn bis zur Bülowstraße:

Mara 17 dreizehn

Dort aber merke ich, daß es eine  für Fotos unattraktive Gegend ist und fahre weiter, zunächst bis zum Bahnhof Märkisches Museum.

 

Mara 17 vierzehn Mara 17 fünfzehn

Dort führt zwar der Laufkurs nicht vorbei, aber ich habe ja noch etwas Zeit und kann einen kurzen Spaziergang in altbekannter Gegend unternehmen. Altbekannt, weil ich in den Jahren 1978 bis 1988  hier in der Redaktion „Prisma“ gearbeitet habe, einer Vierteljahreszeitschrift, die von der Auslandspresseagentur  Panorama DDR herausgegeben wurde.

In diesem Gebäude in der Wallstraße lag damals meine Arbeitsstätte. Dort residierte auch der Dietz-Verlag:

Mara 17 sechszehn

Aber nicht nur an die Arbeit erinnere ich mich, sondern auch an schöne Stunden, die ich direkt daneben  im Restaurant Ermelerhaus verbracht habe:

Mara 17 achtzehn Mara 17 einundzwanzig

Schon damals gab es diese herrliche Aussicht:

Mara 17 neunzehn Mara 17 zweiundzwanzig

Genug des Abstechers und zurück mit der U-Bahn bis zur Station Hausvogteiplatz:

Mara 17 siebenundzwanzig

Auch diesen Bahnhof kannte ich von früher her gut, denn hier stieg ich immer aus, um zu meiner Arbeitsstelle in der Investitionsbank bzw. danach der Staatsbank zu gelangen. Das war in den Jahren 1965 bis 1973.  In diesem Gebäude an der Ecke  Charlottenstraße/Französische Straße waren die Banken untergebracht:

Mara 17 vierunddreißig

Ähnliche Gebäude gab es damals und gibt es auch heute zuhauf:

Mara 17 einunddreißig?

Warum aber sind diese beiden Fotos unterschiedlich in der Größe? Weil eines mit dem Fotoapparat und das andere mit dem Smartphone gemacht wurde.  Ganz urplötzlich gab nämlich die SIM-Karte im Fotoapparat ihren Geist auf.  SIM-Karte voll las ich und damit mußte ich mich nun mit dem Smartphone behelfen.

Aber trotzdem wirkt der Gendarmenmarkt auch dann noch beeindruckend, wenn auch nicht ganz so schön wie bei Sonnenschein:

Mara 17 neunundzwanzig Mara 17 dreiunddreißig

Von den Läufern aber war noch nichts zu sehen. So suche ich mir einen passenden Stellplatz, um die Spitze des Feldes ablichten zu können. Und auch von hier grüßt der     Französische  Dom:

Mara 17 fünfunddreißig

War ich sicher, daß es der Französische Dom ist? Ja, denn ich hatte mir die Eselsbrücke aus DDR-Zeiten gemerkt. Wenn man am Gendarmenmarkt ist,  steht links ein Dom, rechts ein Dom und in der Mitte das Konzerthaus (Schauspielhaus). DDR= links, also links ist der Deutsche Dom, so war meine Eselsbrücke.

Doch das ist alles heute nur Kulisse. Wann kommen die Hauptdarsteller?

Die begleitenden Autos kündigen sie an.  Als auf dem Zeitauto 1:57 h stehen, ist mir klar, daß es wohl kein Weltrekord werden wird. Hier ist km 40, es sind also noch über 2 km zu rennen.

Mara 17 sechsunddreißig Mara 17 siebenunddreißig

Es kommen die zwei Spitzenreiter gemeinsam vorbei, und ich versuche  vergeblich, sie mit meinem Smartphone zu erhaschen. Erschwert wird der „goldene Schuß“ auch durch die dicht vor den Läufern fahrenden Fahrzeuge. So bleiben mir nur einige Schnappschüsse von nachfolgenden Läufern:

Mara 17 neununddreißig Mara 17 vierzig

 

Doch wo ist Pflieger (in Anlehnung an den Wintersport: Wo ist Behle)?  Nach mehr als zehn Minuten wird mir klar, daß er nicht mehr kommt. Aber warum?  Übers Internet kann ich mich heute nicht im Livestream informieren, weil mein Smartphone nicht mitspielt. So bin ich einige Zeit unwissend, bekomme die Aufklärung dann erst im Pressehotel „Interconti“ in der Budapester Straße.

Aber ein wenig streife ich noch in dieser Gegend umher, fotografiere die Staatsoper (links/dort wird seit ewigen Zeiten gebaut), die Kommode (rechts) und die Hedwigskathedrale (unten).

Mara 17 einundvierzig Mara 17 zweiundvierzig Mara 17 vierundvierzig

Hier am August-Bebelplatz befindet sich auch das „Hotel de Rome„.  Blick zurück: In den siebziger Jahren, also vor fast 50 Jahren, war in diesem Haus das „Berliner Stadtkontor“ansäßig, die Berliner Hauptfiliale der Staatsbank der DDR. Noch wichtiger für mich: Dort war für Jahre meine Essenskantine. Schmackhaftes Mittagessen zu niedrigen Preisen, die vom Betrieb gestützt wurden,  blieb mir in Erinnerung.

 

 

Mara 17 fünfundvierzigMara 17 dreiundvierzig

Vergeblich suche ich in der nahen Französischen Straße das Haus, in dem früher der Aufbau-Verlag residierte. Später kann ich zuhause nachlesen, daß der Aufbau-Verlag in die Prinzenstraße 85 umgezogen ist, nahe am U-Bahnhof Moritzplatz.

Weiter führt mein Weg, vorbei an einem Wahllokal:

Mara 17 siebenundvierzig

Da wird mir bewußt, daß heute am Sonntag nicht nur Marathontag, sondern auch Wahltag ist. Als Briefwähler muß ich nicht mehr ins Neuruppiner Wahllokal gehen, habe also noch Zeit, herumzuspazieren. Allerdings will ich ja noch ins Pressezentrum.

Zunächst erblicke ich die  Friedrichswerdesche Kirche, einst erbaut vom Neuruppiner Karl Friedrich Schinkel. Auch heute wird an ihr wieder mächtig gebaut. Und auf der anderen Seite sehe ich einen langgestreckten Bau. Früher  „regierte“ dort das Zentralkomitee der Sozialisten Einheitspartei Deutschland (SED), heute gehört es, so glaube ich, zum Außenministerium:

Mara 17 achtundvierzig Mara 17 fünfzig

Langsam erlischt meine Lust am Fotografieren. Nur noch zwei Aufnahmen, und dann begebe ich mich wieder in die U-Bahn, um zum Bahnhof Wittenbergplatz zu fahren.

 

Mara 17 einundfünfzig Mara 17 zweiundfünfzig

Ich nehme den „Sonderzug nach Pankow“, sprich die U-Bahn Richtung Pankow. Am Bahnhof Wittenbergplatz steige ich aus, schaue draußen im Freien auf das Kaufhaus des Westens und auf die lange Läuferschar, die sich direkt am Kaufhaus vorbeigeschlängelt:

Mara 17 siebenundfünfzig Mara 17 sechsundfünfzig

Zu Fuß geht es nun für mich Richtung Hotel Interconti.

Im Pressezentrum schaue ich erstmal meinem Kollegen Philipp Häfner über die Schulter, der den Rennverlauf des Marathons zu Papier, sprich in den Computer gebracht hat. Nun erfahre ich, wer gewonnen hat und was mit Philipp Pflieger geschehen ist.

Mara 17 achtundfünfzig

Die Pressekonferenz mit den Siegern hat noch nicht begonnen. Ich spaziere vor die Tür, treffe dort Ralf Kerkeling (links), den Chef der Zeitschrift „Leichtathletik“ und von „aktiv Laufen“ und den Berglaufspezialisten Wilfried Raatz, den ich sicher schon 25 Jahre kenne:

Mara 17 sechzig Kerkeling Raatz

Einige Schritte weiter löst sich das Rätsel  „Wo ist Pflieger“?  Philipp Pflieger erzählt uns  auf dem Gang, wie er alles erlebt hat. „Ich habe anfangs bewußt ein hohes Tempo angeschlagen, in Richtung 2:11 Stunden. Leider stieg der erste „Hase“ schon bei 9 km aus und der letzte Hase ebenfalls verfrüht bei 25 km (er sollte mindestens bis 30 km durchhalten). Doch es lief weiterhin gut. Dann aber plötzlich, so ca. 34 km (so genau weiß man das hinterher wohl nicht), war es, als ob man mir den Stecker gezogen hat. Ich mußte mich am Geländer festhalten, hatte dreimal einen Schwächeanfall und konnte einfach nicht mehr.“ So um die 38 km war für ihn  der Marathon zuende.  Und ich hatte vergebens auf ihn bei km 40 gewartet.

Mara 17 sechzig Pflieger Kerkeling

Ralf Kerkeling im Gespräch mit Philipp Pflieger

In der Pressekonferenz erzählt er dann  Urs Weber nochmals das Ganze:

Mara 17 einundsechzig Pflieger PK Mara 17 zweiundsechzig Pflieger PK

Danach aber kommen die Sieger des  Marathons zu Wort. Zunächst der Sieger Eliud Kipchoge (Kenia):

Mara 17 dreiundsechszig

Dann folgt er Zweite, der Debütant Guye Adola aus Äthiopien:

Mara 17 vierundsechszig

Und am Ende sind alle vereint, auch der Drittplazierte Mosinet Geremew (Äthiopien)  ist dabei:

Mara 17 fünfundsechzig Mara 17 sechundsechzig

Anna Hahner (in weiß),  als Fünfte beste deutsche Läuferin, darf über ihre Glücksgefühle plaudern:

Mara 17 einundsiebzig Hahner

Und alles, was gesagt und erlebt wurde, wird von den Journalisten zu Berichten und Geschichten verarbeitet:

Mara 17 zweiundsiebzig Mara 17 achtundsechzig

Michael Reinsch (links/FAZ) und Johannes  Knuth (Süddeutsche Zeitung)

 

Mara 17 dreiundsiebzig Ermert Mara 17 siebenundsechzig Ermert

Christian Ermert ( Köln )

Und eine Überraschung taucht für mich noch auf. Roland Winkler, ein Berliner Lauffreund aus früheren glorreichen Laufzeiten, strahlt mich freundlich wie immer an:

Mara 17 siebzig Roland Winkler

Roland hat seine Arbeit schon beendet. Seit vielen Jahren ist er für den Startbereich des Berlin-Marathons verantwortlich.  Oft ist er auch mitgelaufen, doch diesmal läßt er die anderen laufen.  “ Mein nächster Lauf ist der Brockenlauf“, meint der 70-Jährige.

Aktuell darf oder muß ich über diesen Marathon nicht berichten. Aber meine Homepage sucht ja immer nach Futter. So ergreife ich die Gelegenheit, ein halbstündiges Gespräch mit Ralf Kerkeling, dem Chef der Zeitschrift Leichtathletik und des Laufmagazins  „aktiv Laufen“ zu führen.

Mara 17 vierundsiebzig Ralf Kerkeling Porträt

Sehr interessant für mich, was er mir alles über sein bisheriges Leben als Musiker und Journalist erzählt. Ich freue mich schon darauf, daraus eine Geschichte zu basteln. Und revanchiert habe ich mich mit der Geschichte über einen deutschen Ex-Sprinter, den ich vor kurzem getroffen und gesprochen habe. Doch den Namen behalte ich noch geheim, denn heutzutage muß man ja immer mit der schreibenden Konkurrenz rechnen.

Inzwischen ist es 16 Uhr geworden, und es wird Zeit, die Heimreise anzutreten. Ich gehe Richtung U-Bahnhof Wittenbergplatz, komme dabei in der Nürnberger Straße an einem Hotel vorbei. Dort habe ich 1990 meinen ersten Arbeitsvertrag mit dem Kölner Sportverlag für die Zeitschrift Leichtathletik vorbereitet. Damals hieß es Penta-Hotel, heute Crowne Plaza:

Mara 17 fünfundsiebzig

Die letzten Fotos des Tages werden „geschossen“:

Mara 17 siebenundsiebzig Mara 17 sechsundsiebzig

Mara 17 einundachtzig Mara 17 achtzig Mara 17 neunundsiebzig Mara 17 achtundsiebzig

Vom Bahnhof Zoologischer Garten muß ich zum Ernst-Reuter-Platz. Normalerweise gehe ich da zu Fuß, aber heute fahre ich diese Strecke nochmals mit der U-Bahn. Und bin glücklich, als ich gegen 16.30 Uhr an meinem Auto ankomme.  Die Rückfahrt ist streßfrei, die Staus des Tages haben sich abgebaut und die Autobahn ist frei: Freies Fahren für freie Bürger.    17.45 Uhr treffe ich zuhause in Neuruppin ein. Rechtzeitig, um die erste Hochrechnung des Wahltages zu erleben. Der Wechsel ist vollbracht:  Vom Berlin-Marathon zur Bundestagswahl.

Peter Grau

(Fotos:  Peter Grau)

 

 

 

Horst Prill: Ein Läuferherz hat aufgehört zu schlagen

Horst einunddreißig

Traurig war uns zumute, als wir heute am Dienstag (26. September 2017) von Neuruppin nach Berlin fuhren, um meinem Freund Horst Prill die letzte Ehre zu erweisen. Zwar war es für ihn eine Erlösung, weil er die letzten Jahren im Seniorenheim in Berlin-Lichtenberg krank war, keine sozialen Kontakte mehr pflegen konnte. Aber es ist dann eben ein Abschied auf ewig.

Da spendet nur Trost, wenn man sich an frühere Zeiten erinnert. Kennengelernt hatten wir uns laufenderweise. Ich hatte 1974 auf dem Zachertsportplatz in Lichtenberg mit dem Laufen begonnen.  Wir beide wohnten ganz in der Nähe des Sportplatzes und auch Horst fand bald den Weg ins Stadion und später hinaus auf die Wege in Richtung Wuhlheide. Dabei hatte er schon vor mir Leichtathletik betrieben, zeigte als 800-m-Läufer passable Leistungen. Diese Grundschnelligkeit zahlte sich auch später aus. Wenn Horst Ernst machte, hatten wir anderen im Spurt keine Chance.

Leider wurde damals anfangs wenig fotografiert, aber einige Fotos sind noch erhalten geblieben:

1981 beim Lauf auf den Willi-Sänger-Sportanlagen (Peter vorn, Horst hinten):

Horst 10.000 m 1981

Ostwesttrio 1988 beim EBT-Team-Marathon im Berliner Plänterwald: Jürgen Roscher (Westberlin), Peter Grau und Horst Prill (beide Ostberlin, v. links):

Teammarathon 1988

 

Horst beim Zieleinlauf in Zypern:

Horst elf 1994

Harter Wettkampf auf der Bahn:

Horst vier

 

Vor den vielen Wettkämpfen, die wir gemeinsam bestritten, war aber immer intensives Training angesetzt. Und meistens war der Zachertsportplatz der Ausgangspunkt und dann ging es hinaus durch Parks, Gartenanlagen in Richtung des Pionierparkes und des Waldgebietes Wuhlheide.

Ich habe einen Teil unserer Trainingsstrecke auf meiner Homepage unter dem Titel „ Auf den Laufspuren“ unter

http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=2474   vorgestellt.

Wer gehörte damals zu unserer Laufgruppe?

Jürgen Stark, Horst Prill, Bernd Dehnke, Siggi Büttner, Peter Grau, Gunther Hildebrandt, Michael Täuber (Köln), Klaus Hennig, Werner Pohl, Günther Peschel, Manfred und Gabi Naumann, Michael Kujath. Erst später hinzu kamen dann Klaus Hopf und seine Frau Birgit.

Ebenfalls auf diesem Trainingskurs liefen Udo Bauermeister und Rainer Lehmann, aber sie liefen separat, weil sie zu schnell für uns waren.  Gudrun Strohbach wohnte direkt am Zachertsportplatz, war schon in jungen Jahren Langstrecklerin und im DDR-Marathonlauf an der Spitze. Sie war sicherlich auch viel zu schnell für unsere „langsame“ Trainingsgruppe, aber zumindest auf dem Sportplatz sind wir oft gemeinsam mit ihr gelaufen.  Und auch heute läuft  Gudrun, seit langem mit Gerhard Brettschneider verheiratet, regelmäßig und nimmt an Wettkämpfen im Orientierungslauf teil.

Zurück zu meinen gemeinsamen Läufen mit und gegen Horst. Wir liefen gern zusammen, aber es war auch immer Ernst in unserem Bemühen, Erster zu sein.  Manchmal gelang mir das, weil ich eben in der Regel größere Umfänge trainierte und damit die größere Grundschnelligkeit von Horst übertrumpfen konnte.

Ein Höhepunkt unserer Wettkämpfe war damals im Jahr 1987 der Start bei den 5. Europameisterschaften der Senioren in Karlovy Vary (von links Horst Prill, Peter Grau, Jürgen Stark):

Horst drei Karlovy Vary

http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=990

Soweit ein erster Rundumschlag, geschrieben am Abend des 26. Septembers.

Wenn man sich an  gemeinsame sportliche Erlebnisse erinnert,  gerät man schnell ins Schwärmen. Wie schön war doch diese Laufzeit, die uns niemand wegnehmen kann.

Um so härter ist dann der Schnitt, wenn man am Grab steht, die Urne in die Erde versenkt wird  und der Abschied endgültig ist.

 

Horst Beerdigung 003

 

Wie klein werden da die Probleme des Alltags!

Peter Grau

(Diese Geschichte wird in der nächsten Zeit noch ausgebaut, mit mehr Fotos untermauert)