Matthias Schlicht: Sprinter, Gymnasiallehrer, Maler

Schlicht Porträt vier

Für viele Leichtathleten sind Medaillen, Siege und Zeiten das Wichtigste, worauf sie später zurückschauen können. Für den Berliner Ex-Sprinter Matthias Schlicht sind es vor allem die Silbermedaille bei den Hallen-Europameisterschaften 1989 in Den Haag (eigentlich eine Goldmedaille, weil später Andreas Bergers Dopingvergangenheit herauskam) und der Trainingsaufenthalt in Houston /Texas.

Dort in den USA studierte Schlicht 1989/1990 nicht nur Kunst und Sport, sondern trainierte auch in einer Gruppe mit Carl Lewis, Leroy Burrell, Joe DeLoach und anderen. Matthias Schlicht war damit auch sehr dicht am Olympiasieger und Weltmeister Carl Lewis dran. Zwar trennten beide zehn Zentimeter, Schlicht maß 1,78 m, Lewis 1,88 m. Aber um so mehr versuchte der Berliner, mit dem „Großen Carl“ auf der Bahn mitzuhalten.

„ An Carl Lewis hat mir vor allem sein Durchhaltevermögen über die 100 m imponiert. Doch unschlagbar war er nicht. Im März 1990  habe ich ihn in einem Wettkampf über 50 m geschlagen, ihm einen Meter abgenommen. Danach waren alle baff und alle Schwarzen, gleich ob Leichtathleten, Footballer, Baseballer oder Basketballer, haben über mich geredet: Das ist der Weiße, der Carl Lewis geschlagen hat. Der läuft mal unter 10 Sekunden über 100 m.“  Trainer Tom Tellez stimmte in diesen Chor ein, und auch Carl Lewis hatte eine hohe Meinung von Matthias Schlicht. Und der glaubte seitdem selbst ein wenig daran.

Gleichzeitig Sprinter und Reisebürokaufmann

Doch warum war Matthias Schlicht überhaupt in dieser Trainingsgruppe gelandet?

Der gebürtige Berliner (Jg. 1967) hatte 1985 sein Abitur am Werner von Siemens-Gymnasium in Zehlendorf abgelegt. Bald faßte er in der Leichtathletik Fuß, wurde Sprinter. Sein Vater Uwe, als Journalist beim Berliner „Tagesspiegel“ tätig, lenkte seine berufliche Entwicklung. Er meinte:  Erst Ausbildung, dann Studium und auf gar keinen Fall in den Profisport, weil das zu riskant sei. So begann Schlicht zunächst eine Reisebürolehre und  funktionierte fortan zweigleisig, tagsüber im Reisebüro beim „Bayern Express“ in der Otto-Suhr-Allee, abends dann im Stadion Hakenfelde oder in der Harbig-Halle.

Und er fühlte sich nicht überfordert, auch, weil er erste Erfolge auf der Tartanbahn errang.  1986 wurde er bei der ersten Junioren-WM in Athen über 100 m Vierter und drei Tage später – Schlicht als Startläufer -, mit der 4×100-m-Staffel der Bundesrepublik Vizeweltmeister. „Das war ein totes Rennen mit den Briten“, erinnert sich Matthias Schlicht, wie überhaupt sein Gedächtnis phänomenal ist. „Es hat eine halbe Stunde gedauert, um Gold und Silber zu bestimmen. Die Amerikaner wurden übrigens disqualifiziert, weil sie alle Wechsel verpatzten“.

Drei Jahre später, im Februar 1989, folgte bei der Hallen-EM in Den Haag sein bis dahin größter sportlicher Erfolg. Über 60 m lag er lange in Führung und wurde erst kurz vor der Ziellinie vom Österreicher Andreas Berger (6.56 s) abgefangen. „Ich freute mich trotzdem über die unerwartete Silbermedaille.“ Aber drei Jahre später bekam diese Freude einen Dämpfer: „Ich erfuhr, daß Berger im Training des Dopings überführt wurde und dann zugab, auch vorher schon gedopt zu haben. Nie zuvor und auch nie danach war Berger schneller als 6,56 s gelaufen. Deshalb bin ich mir auch sicher, daß er in Den Haag gedopt war.“  Und Schlicht wünscht sich, daß der Europäische Leichtathletikverband (EAA) den Österreicher irgendwann aus den Ergebnislisten streichen möge und sein Sohn Enrique oder kommende Enkel dann stolz auf den Europameister sein können.

Auf den Gedanken, zum Training in die USA zu gehen, hatte ihn sein jüngerer Bruder Christian gebracht, der als Austauschschüler schon dort gewesen war. „Aber für mich kam ein solcher Austausch nicht mehr in Frage, weil ich dafür zu alt war.“ Doch ISTAF-Chef Rudi Thiel hatte telefonischen Kontakt zur Trainerlegende Tom Tellez und erreichte, daß Schlicht ab Januar 1989 in dessen Trainingsgruppe kommen durfte. „Ich habe an der Universität von Houston  als Hauptfach Kunst, daneben noch Leistungssport studiert und in der Trainingsgruppe von Carl Lewis trainiert.“

Matthias Schlicht Werbebroschüre Houston

Eine  Werbebroschüre von der University of Houston von 1988, wo Matthias Schlicht von 1989 bis 1990 studierte.  Unten links der 200-Meter-Olympiasieger von Seoul, Joe DeLoach (19,75 s und 10,03 s) und  Leroy Burrell (zweifacher 100-m-Weltrekordler,  1991 in 9,90 und 1994 in 9,85 s).

Nebenher frönte Matthias Schlicht seinem Hobby, der Malerei. „Damals malte ich vor allem mit Aquarellfarben Stilleben, Landschaften, Häuser“.

Schlicht dreiSchlicht Wohnung sieben

Schlicht achtSchlicht sechszehn

Schlicht vierSchlicht sechs

 

Sein Berliner Trainer Frank Hensel ließ ihn  nur ungern in die USA ziehen. „Ich stimme nur zu, wenn Du mir wöchentlich die Trainingsprotokolle zuschickst. Doch wenn Du verletzt zurückkommst, mußt Du Dir einen anderen Trainer suchen,“  hatte er gewissermaßen ein Ultimatum gesetzt.

Schlicht willigte ein, schickte per Post die handgeschriebenen Protokolle, ohne vorauszusehen, welche Bedeutung sie später mal für den deutschen Sprint erlangen würden.

Und er machte die ganz normale Erfahrung, daß sich eine Sprache  am besten vor Ort  lernen läßt. „Zudem merkte ich, daß ich nicht nur allgemein ein gutes Gedächtnis hatte (und habe), sondern speziell auch für Fremdsprachen. Ich habe dort in den USA das Schreiben von Aufsätzen gelernt“. Später kam ihm das zunutze, als er an der TU Berlin den amerikanischen Professoren im Englischstudium half, die Arbeiten von Studenten zu korrigieren. „Ich hatte das amerikanische Schema drauf, wie überhaupt das schriftliche Englisch meine absolute Stärke ist“.

Inzwischen beherrscht Matthias Schlicht aber nicht nur englisch und amerikanisch, sondern auch portugiesisch ( seit 26 Jahren ist er mit seiner brasilianischen Frau     verheiratet).

Da er also sehr schnell die englische Sprache lernte und sich auch ansonsten gut in die Trainingsgruppe einfügte, faßte man Vertrauen zu ihm. Und er bekam schnell zu hören, was seine Trainingsgefährten Carl Lewis, Leroy Burrell, Joe DeLoach, Mike Marsh, Floyd Hurt, Mark Witherspoon über Doping dachten. Sie alle haßten den Kanadier Ben Johnson (Johnson hatte 1988 in Seoul  bei Olympia das 100-m-Finale gegen Carl Lewis gewonnen, war aber drei Tage später wegen Dopings disqualifiziert worden.

Siehe dazu auch einen Bericht von Michael Reinsch aus dem Jahr 2013: http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/doping/ben-johnson-das-dreckigste-rennen-12585412-p3.html ).

„Wenn ich seinen Namen nur erwähnte, gab es immer die Geste von der Spritze und den Tabletten. Und unser Trainer Tom Tellez holte mich eines Tages ins Büro und meinte: „Mat, wir haben Dich als ersten und einzigen Deutschen aufgenommen,  wollen mit Dir ein Vierjahresprogramm machen. Ich hoffe, Du bist clean, denn wenn Du gedopt hast, dann fliegst Du gleich raus. Wir dopen nicht, wir brauchen das Zeug nicht.“  Schlicht fand nichts besonderes dabei, denn  „ich habe nie gedopt. Mich haben immer nur die natürlichen Grenzen interessiert.“

Die Signale schienen also für ihn auf Grün zu stehen, auch wenn noch nicht alles so gelang, wie er es sich gedacht hatte.

Die Halle war seine Stärke

Zwei Wochen nach der Hallen-EM 1989 gewann Schlicht bei der  Hallen-WM in Budapest das Halbfinale über 60 m. „Es  war ein superknappes Ding, drei Leute liefen 6,58 s, zwei 6,59 s. Aber nun war ich im Finale Mitfavorit für eine Medaille. Doch leider verpatzte ich den Start  und wurde nur Sechster.“

Aber er hatte bewiesen, daß er mit der Weltelite mithalten konnte. In der Halle lief er lieber als im Freien, weil er dort seine größeren Erfolgsaussichten sah. Doch immerhin war er mit 20 Jahren 1987 über 100 m bereits eine 10,35 s gelaufen. Und auch in seiner amerikanischen Trainingsgruppe bewies er, daß er auch über 100 m schnell war. Und wieder berichtet er in unserem Gespräch so überzeugend, als wolle er von seinem Super-Gedächtnis Zeugnis ablegen:

Das mißglückte Sommermärchen

„Im Mai 1989 sollten wir 120 m laufen, dabei über 80 m von Null auf Hundert steigern und  die letzten 40 m voll durchziehen. Carl Lewis lief zu meiner Rechten. Er war die ganze Zeit einen halben Meter vor mir, auch bei 120 m. An ihm kam ich nicht vorbei, das war für mich unmöglich. Aber ich war vor allen anderen, vor Leroy Burrell, vor Joe deLoach, vor Mark Witherspoon. Ich war Zweiter. Tom Tellez, der Trainer, war sehr beeindruckt von mir.  Er hatte nicht damit gerechnet, daß ich über 120 m so gut mithalten konnte. Doch leider war fünf Minuten später, beim warming down, alles vorbei. Ich merkte, daß ich nicht mehr richtig gehen konnte, weil beide Adduktoren durchgezerrt waren. Der Sommer 1989 war damit im Eimer.“ Matthias Schlicht  mußte tatenlos erleben, wie Wolfgang Haupt in 10,45 s Deutscher Meister über 100 m wurde. „Ohne die Verletzung wäre ich ganz locker Deutscher Meister geworden, mit einer 10,20er oder 10,10er-Zeit.  Ich bin vorher in der Halle allen Deutschen ein bis zwei Meter davongelaufen. Und das hätten sie auch über 100 m nicht aufgeholt. Ich war im amerikanischen Training drin, auch dicht an Carl Lewis dran.“

Sein Körper spielt leider nicht mehr mit

Im September 1989 war er wieder fit, fuhr erneut in die USA. Zwar schlug das Training wieder gut an, aber erneut machten ihm Verletzungsprobleme einen Strich durch die Erfolgs-Rechnung: Ischiasprobleme, viele Zerrungen, auch Muskelfaserrisse. Noch gravierender waren ab 1992 sehr schwere Erkältungen, die teilweise ein halbes Jahr anhielten. „1992 / 1993 wollte ich eigentlich mein Comeback „feiern“,  habe damals bei Wolfgang Huth trainiert. Ich hatte dieselbe Form wie im Winter 1988/89, hätte also wieder unter 6,60 s laufen können. Aber  Weihnachten 1992  machte ich einen Dauerlauf, erkältete mich danach und hatte ein halbes Jahr mit Fieber zu kämpfen.  Danach war ich körperlich ein Wrack, auch wenn ich 1993  nochmals Deutscher Meister geworden bin (eine Woche, nachdem ich 40,7 Grad Fieber hatte und zudem eine Zwischenprüfung in Erdkunde mit 1,3  bestand).  Den internationalen Durchbruch schaffte er aber nun nicht mehr.  Vielmehr blieb die Verletzungs-und Krankheitshexe Dauergast bei ihm.

„Im September 1995 wollte ich mich nochmals für die Hallensaison 1995/96 aufbauen. Da fing es wieder mit einer Nebenhöhlenvereiterung an, es folgten eine Bronchitis und das inzwischen chronische Fieber.“ Weder  Medizin noch der häufige Wechsel der  Ärzte halfen. „ Am 5. November 1995 hatte ich beim Training sogar Atemnot und  Erstickungsanfälle.“ Das war das letzte Zeichen, sich vom Sport zu verabschieden.

Als Lehrer nach Kaiserslautern

Nunmehr konnte sich Matthias Schlicht voll der beruflichen Entwicklung widmen. Er schloß das Lehramt-Studium von Geographie und Englisch mit dem Staatsexamen ab und absolvierte anschließend von  2001 bis 2003 das Referendariat am Hans Gorossa-Gymnasium in Berlin-Spandau. „Und dann kam die Zeit, in der Klaus Böger Schulsenator war und alles drunter und drüber ging,“ erinnert sich Matthias Schlicht. „Es gab keine Stellen, auch nicht für uns vier Leute, die wir mit 1,1 das zweite Staatsexamen abgeschlossen hatten.  Ich las eine Anzeige des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern, die dringend für die Leichtathletik einen Lehrer-Trainer brauchten, zur Hälfte für den normalen Unterricht und zur  Hälfte für die Betreuung der Leichtathleten ab der 6. Stunde sowie deren Betreuung an den Wochenenden ab Pfalzmeisterschaften aufwärts. Da habe ich mich beworben, und weil vom Direktor Dr. Becker ein Trainerschein gefordert wurde, habe ich in Berlin meinen C- und B-Trainerschein gemacht und anschließend in Mainz von 2004 bis 2006 unter Helmar Hommel die A-Trainer-Ausbildung Block-Sprint absolviert.“

Bei der A-Trainer-Ausbildung traf er auf DLV-Trainer wie Rüdiger Harksen, Heinz Hüsselmann, Winfried Vonstein oder Uli Knapp. „Und überall haben sie mich angesprochen und mir erklärt, wie wichtig  meine Trainingsprotokolle aus den USA für sie gewesen sind, ob nun für die Blöcke Sprint, Sprung oder Wurf. Uli Knapp,  der frühere Heimtrainer von Speerwerfer Boris Henry (heute Obergföll), hat mir gesagt: „Auch für die Werfer haben wir vom  Schnellkraftteil, der in Deinen Protokollen stand, enorm profitiert. Und Sprinttrainer erzählten: „ Wir haben seitdem das Training umgestellt.“  Es zog also immer weitere Kreise. „Inzwischen trainieren die deutschen Topsprinter nach dem amerikanischen Schema, was erstmals in meinen Trainingsprotokollen auftauchte“, ist sich Schlicht sicher. „Sie fahren im Februar nach Florida. Und warum: Wegen der Wärme!“

Mit den Trainerscheinen hatte Matthias Schlicht nicht nur die Anforderungen für die Anstellung in Kaiserlautern erfüllt, sondern auch wieder Kontakt zur Leichtathletik aufgenommen. Und in Kaiserlautern konnte er auch noch mal seine US-Protokolle verwenden. „In einer Arbeit mußte ich meine Trainingserfahrungen in den USA  mit dem Training verbinden, mit dem ich meine Schüler für „Jugend trainiert für Olympia“ vorbereitete.“

Eine Revolution im deutschen Sprint 

Matthias Schlicht weiß also aus berufenem Munde, wie wichtig seine Trainingsprotokolle waren. „Ich sage es mal knallhart: Es ist die Revolution im deutschen Sprint gewesen.“  An Bescheidenheit leidet er nicht, aber im Gespräch nimmt man  ihm alles ab, ohne es sofort nachprüfen zu können. Auch wenn er meint, daß „Julian Reus die 10,01 s nicht nach dem deutschen, sondern nach dem amerikanischen Sprint-Schema gelaufen ist.“

„Die Amerikaner sind nicht soviel im Kraftraum, sondern trainieren meistens auf Wettkampfebene,“  doziert er weiter.

An einem Montag in Texas

Und es wäre nicht Matthias Schlicht, wenn er nicht auch dafür ein Beispiel aus seiner amerikanischen Trainingsgruppe parat hätte:

„Der Montag war immer unser härtester Trainingstag. Der Tag hieß: Break down day.

Mitte September fingen wir mit dem Training an, zunächst zweimal 800 m,  immer mit einer halben Stunde Pause, nichts weiter. Aber Carl Lewis lief sie in 1:58,9 min mit Leroy Burell, ich in 2:10 min.

Dann ab Anfang Oktober:  600 m, 20 min Pause, 500 m, 20 min Pause, 400 m, fertig.  Carl Lewis lief wie Leroy Burrell die 600 m in 1:24,9. Joe DeLoach (Olympiasieger von 1988) und ich liefen die 600 m   in 1:31 bis 1:32, wir waren immer die Schlußlichter.

500 m lief Carl Lewis  in 66 sec, Joe und ich in 71 und 72 sec

400 m: Carl  48 sec.

Ab Mitte November: 500 m, 400 m, 300 m. Immer mit 20 min Pause, aber volles Rohr.

Und dann war Carl Lewis ab Mitte November bis Mitte Januar spurlos verschwunden: Keiner wußte, wo er war. Dann tauchte er Ende Januar wieder auf, lief in einer Extra-Gruppe die 400 m (wir waren da schon bei 400 m, 300 m, 200 m). Carl lief 54 sec über 400 m, über 300 m 37 sec, 200 m 22 sec. Alle  dachten: Warum so langsam?

Drei Wochen später, Mitte Februar, rückte Carl Lewis in die Gruppe von Burrell und Mark Witherspoon auf und die liefen die 400 m in 46,7, die 300 m in 32,8 bis 33,0  und die 200 m in 20,5. Und später, von Mitte Mai bis in den Juli hinein, folgten 300 m, 200 m, 100 m,  immer mit 20 min Pause. Dann hat Carl Lewis  beim break down day „die Sau rausgelassen“:  300 m: 31,7 , 200 m:  20,1, 100 m: 10,30.

Dann folgte der Wettkampf, bei dem ich 10,40 lief (wenige Tage nach den 50 m), genau so schnell wie Leroy Burell. Nur war ich danach verletzt.  Leroy wurde später US-Meister in 9,94 s. Da sieht man, was aus einer 10,40 s Mitte März im Juli  mit dem amerikanischen Training erreicht werden kann.“

Bekannte Schüler

Doch nun wieder zurück zum Beruf, zum Lehrer-Dasein in Kaiserslautern. Von 1994 bis 2013 war er dort angestellt, wurde immer im Leistungskurs Englisch eingesetzt. Und er hatte in diesen Jahren auch ab und an Schüler, die später zu sportlichen Ehren gelangten. So etwa die Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Bahnradsport, Miriam Welte oder den heutigen Fußball-Torwart von Paris St. Germain, Kevin Trapp, der am 14. November 2017 im Freundschaftspiel gegen Frankreich als Torwart der deutschen Nationalmannschaft so prächtig hielt.

Matthias Schlicht gefiel es in Kaiserlautern, aber familiäre Gründe führten ihn wieder zurück nach Berlin. „2008 kam mein Sohn Enrique auf die Welt. Nach drei Jahren war die Elternzeit  vorbei, und meine Frau wollte  zurück nach Berlin, um dort ihre Arbeit wieder aufzunehmen.“ Es dauerte einige Zeit, ehe Matthias Schlicht in Berlin eine neue  Schule fand und danach die Freigabe vom Land Rheinland –Pfalz erhielt. Im April 2013 konnte er in Berlin beginnen, zunächst in einer Grundschule im Märkischen Viertel. „Doch für mich als Gymnasiallehrer war das noch nicht die passende Schule. Umso glücklicher war ich dann, als ich in eine Sekundärschule, in die Julius-Leber-Schule in Reinickendorf, versetzt wurde. Dort unterrichte ich auch heute noch.“ Wie er sagt, ist er „ Lehrer aus Leidenschaft“.  „Ich mag meine Schüler, mag meine Kollegen, mag meine Schulleitung, mag meine Schule. Ich fühle mich da wohl, auch wenn es eine Brennpunkt-Schule ist, aber ich komme damit zurecht. Ich nehme die Schüler, wie sie sind, und sie mögen mich. Es ist eine gegenseitige Zuneigung“.

Erstmals unterrichtet er kein Englisch, aber mit genauso großer Lust ist er nun Kunstlehrer, gibt Erdkundestunden und andere Wahlpflichtfächer, die etwas mit Kunst zu tun haben. Und er kommt damit an bei den Schülern.

Kunst in der Schule und als Hobby

Die  Kunst ist ein weiteres Stichwort für das abwechslungsreiche Leben des Matthias Schlicht. Irgendwie hatte ich bei unserem Gespräch zuhause bei ihm in Berlin-Lichterfelde immer das Gefühl, daß er sich auf vielen Gebieten „austoben“ muß, einfach keine Grenzen kennt. So beschäftigt er sich auch seit Jahren mit moderner Astronomie, wertet Galaxien aus und ist über das Internet mit Millionen Hobby-Astronomen aus aller Welt verbunden.

Und seit 1984 ist er intensiv in die Malerei eingestiegen, zunächst mit selbstgemalten Aquarellen als auch später mit vielfältigen Ideen für den Kunstunterricht.

Über 30 Jahre  Kunst-Maler und Kunst-Lehrer

In seiner Wohnung in Berlin-Lichterfelde hängen einige seiner Werke:

Schlicht Wohnung eins

Schlicht Wohnung drei  Schlicht Wohnung vier    

schlicht zweiunddreißig

 

Ob in den USA – an einem Bild über Chicago hat er rund ein Jahr gearbeitet-, ob in Berlin, Kaiserslautern und nun wieder in Berlin: immer fand er die Zeit (oder er nahm sie sich einfach), um zu malen.

Dabei stand die Vorbereitung des Kunstunterrichts oft im Vordergrund. „So habe ich, wie ich es von meinem Kunststudium in den USA gewohnt war, über 45 Skizzen selbst gezeichnet. Dabei habe ich immer zwei verschiedene Stilrichtungen kombiniert oder eben zwei verschiedene Künstler in eine Skizze hingezeichnet.

Ich habe beispielsweise Albrecht Dürer mit Claude Monet kombiniert, das Bayerhaus von 1502 von Dürer mit den Seerosen von Monet. Oder Roy Lichtenstein mit Joan Miro, dem abstrakten Maler aus Katalonien. Später fügte ich Albrecht Dürers Drahtziehmühle mit islamischer Kunst zusammen und fand dabei bei meinen Schülern –  70 Prozent sind muslimisch-, großen Anklang. Aber auch die Verbindung  Caspar David Friedrich und Karl-Friedrich Schinkel kam an. In einer anderen Skizze brachte ich  Albrecht-Dürer-Bilder unter wie den jungen Feldhasen, den Hirschkäfer und das große Rasenstück.  Farbspezifisch ist Emil Nolde (1865-1965) einer meiner Lieblingskünstler für den Unterricht.“

Und wenn man Matthias Schlicht nach seinen Vorbildern fragt, läßt er sich nicht lange bitten: „Bei den Skizzen ist für mich Albrecht Dürer die Nr. 1.  Ich meine, daß ich seine Sprache verstehe und seinen Rhythmus, obwohl er vor 500 Jahren lebte. Wenn es um die Ölmalerei geht, habe ich als Vorbilder Albrecht Dürer, Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Frederic Edwin Church (USA) und Claude Monet und neuerdings auch den Japaner Katsushika Hokusai  (1760 geboren, 1849 gestorben). Ich kombiniere inzwischen den Japaner mit Caspar David Friedrich.

Sergej Bubkas Lieblingsbild

Der Kunstunterricht steht zwar im Blickpunkt, aber natürlich fühlt sich Matthias Schlicht auch als Maler anerkannt, wenn er seine Werke in Ausstellungen zeigen darf oder aber einzelne Werke verkaufen kann. Gern erinnert er sich an das Jahr 1997, als er in Werder bei Potsdam im Rathaus ausstellen durfte, anschließend den Auftrag für ein Bild zum 120. Baumblütenfest erhielt.

Weitere Ausstellungen im Postgiroamt am Halleschen Tor oder in einem portugiesischen Restaurant in Charlottenburg folgten.

Besonders eindrucksvoll aber war eine Ausstellung im Radisson Plaza in Berlin, initiiert von Rudi Thiel, der damit Werbung für das ISTAF-Springermeeting machen wollte. Mit dabei war auch Sergej Bubka, der damals wie  Matthias Schlicht für den OSC Berlin startete. „Und Sergej Bubka erkor das Bild „Prozession“ zu seinem Lieblingsbild:

Schlicht Wohnung zwei

Die Prozession

Im Rahmen dieser Ausstellung versteigerte Schlicht ein anderes Bild, „Sonnenuntergang an der Ostsee“, für 2000 DM an einen Hamburger, wobei 1000 DM an die Obachlosenzeitschrift „Platte“ überwiesen wurden.

„Malen werde ich immer, solange ich gesund bin und solange ich sehen kann“, schaut Matthias Schlicht in die Zukunft.

Schlicht Porträt fünf

Und damit er fit bleibt, schwimmt er beispielsweise viel. Von Mai bis Oktober spult er Distanzen bis zu 6 km im Sacrower See oder im Schlachtensee ab. Wenn es dort aber zu kalt wird, schwimmt er bis zu 5 km in der Halle. Aber auch Dauerlauf, Radfahren, Tischtennis und Fußball spielen mit seinem Sohn steht auf seinem sportlichen Programm.

Peter Grau

Einblick in die Vielfalt der Werke, die Matthias Schlicht bisher schuf:

Schlicht Wohnung vier Schlicht Wohnung fünf   Schlicht einsSchlicht Wohnung sechs Schlicht zwei    Schlicht sieben

 Schlicht vierzehn Schlicht fünfzehn  Schlicht siebzehn Schlicht neunzehn

Schlicht dreiundzwanzig Schlicht zweiundzwanzig Schlicht einundzwanzig Schlicht sechsundzwanzig Schlicht fünfundzwanzig Schlicht siebenundzwanzig Schlicht vierundzwanzig Schlicht achtundzwanzig Schlicht neunundzwanzig Schlicht dreiunddreißig

Schlicht dreißig Schlicht einunddreißig

Schlicht fünf Schlicht zehn Schlicht neun Schlicht elf Schlicht zwölf