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Bleiben die Briten in der EU oder gehen sie?

Der heutige Tag, der 23. Juni 2016, ist ein Tag, der viele umtreibt, die Politik nicht nur am Stammtisch verfolgen. In Großbritannien (GB) wird das Volk gefragt, ob ihr Staat, der sicher nicht aller Staat ist, in der Europäischen Union (EU) bleiben soll oder nicht. Premierminister David Cameron hat diese Abstimmung 2013 ins Rollen gebracht, und nun kämpft er verzweifelt darum, daß GB in der EU bleibt.

Die Gegner haben sich gesammelt und streben den Brexit an. Brexit, das ist ein Kunstwort, bestehend aus  englisch „Britain“ für Großbritannien und englisch „Exit“ für „Ausgang, Austritt“. Dieses Wort wurde, wie bei Wikipedia nachzulesen ist, erstmals im Juni 2012 in einem Artikel des „Economist“ verwendet.

Die Debatte über „ bleiben oder gehen“ wurde mit äußerster Schärfe geführt, die Nation ist gespalten. Und in all dem „Für oder wieder“ soll sich der britische Normalbürger zurechtfinden.  Viele sind überfordert, und meines Erachtens dürften sie auch nicht so einer so wichtigen Sache befragt werden. Sie haben die Politiker gewählt, und die sollten es richten.

Ein großer Schwenk zum Sport sei mir gestattet. Zuletzt wurden in unseren Landen die Bürger Hamburgs befragt, ob sie für oder gegen eine Bewerbung Hamburgs für Olympische Spiele sind. Sie entschieden sich dagegen und ich habe am 30. November 2015 in meinem Tagebuch folgendes geschrieben:

An diesem Sonntag-Abend wird natürlich viel über die Entscheidung der Hamburger gegen eine Olympiabewerbung im Jahr 2024 geschrieben, vor allem auch im Netz. Ich hätte mir auch ein Ja gewünscht, denn das wäre für mich vielleicht erstmals die Gelegenheit gewesen, auch einmal bei Olympia dabei sein zu können. Doch es sollte nicht sein.
Und schon vorher habe ich gemeint, daß man mit dieser Abstimmung die Demokratie übertreibt… und kaum habe ich das gedacht, lese ich bei Facebook vom Sportredakteur bei der BILD Berlin Sebastian Kayser die folgende Meinung, die mir so richtig aus dem Herzen spricht:

Sebastian Kayser

…wusste schon immer, dass man es mit der Demokratie auch übertreiben kann. The Olympic Games werden in Deutschland nicht stattfinden. Kein Wunder nach der Fehlerkette: Falsche Stadt, falsche Zeit, falsches Demokratie-Verständnis.
Ich bleibe dabei: Olympia-Chancen hätte nur Berlin gehabt, und dann auch nur für 2028 oder 2032. Die Bewerbung für 2024, wo Deutschland die Fußball-EM bekommt, war rausgeschmissenes Geld, völlig sinnlos. Und dann mit Hamburg! Nur Berlin hat als deutsche Stadt weltweiten Klang. Das ist eindeutig. Aber wenn ich mich als DOSB und Politik schon entscheide, ins Rennen zu gehen, dann muss ich es durchziehen – OHNE Volksabstimmung. Erst Recht, wenn sich über die IOC-Vorgaben hinweggesetzt wird, die da “Bestand nutzen” lauteten. Hamburg hat im Gegensatz zu Berlin kaum nutzbare Sportstätten. Die immensen Kosten haben nun anscheinend abgeschreckt. Umso mehr muss ich einfach mal anpacken, statt ständig hier noch ne Abstimmung und da noch ne Befragung zu machen. Das Volk hat die Bürgerschaft in Hamburg und das Abgeordnetenhaus in Berlin gewählt, und wenn die Ja zu Olympia sagen, dann wird es eben gemacht. Sonst brauche ich ja keine Wahlen, weder für den Bundestag noch für den Landtag noch in der Kommune.

Soweit der Bild-Kollege Sebastian Kayser.

Zurück zur britischen Insel. Wenn heute um Mitternacht das Ergebnis der Befragung der britischen Bürger feststehen wird, wird man wieder zur Tagesordnung übergehen müssen. Entscheidet man sich gegen einen Brexit, bleibt wohl alles wie zuvor.  Wählt man den Brexit, werden die Verwerfungen sicher größer sein, und auch internationale Auswirkungen haben. Weil ich es nicht beeinflussen kann, muß ich geduldig auf das Ergebnis warten.

Und ich erinnere mich lieber an schöne Erlebnisse, die ich mit Großbritannien, speziell mit London verbinde.

towerbridge

Leider war es mir erst nach dem Fall der Mauer vergönnt, auch mal eine private Reise nach London zu unternehmen. Aber dieser einwöchige Aufenthalt in London  ließ uns das Flair der britischen Hauptstadt genießen, sodaß wir immer wieder gern daran zurückgedacht haben.

Und später, 1996, weilte ich dann nochmals in London, nahm am London-Marathon teil (siehe auch im Tagebuch unter : Vor 20 Jahren beim London-Marathon).

London-Marathon klein Ziel ohne Zeit

Wenn das auch wegen meines ungenügenden Trainings und der Hitze am Wettkampftag nicht eben der läuferische Höhepunkt wurde, blieb es mir lange in Erinnerung, nicht zuletzt dann, wenn ich die jährlichen Fernsehübertragungen des London-Marathons verfolgte.

Das Fernsehen wird mir auch die Kunde zur Abstimmung der Briten übermitteln. Ich bin gespannt auf das Ergebnis.

Peter Grau

 

Sprinterin Gina Lückenkemper: Am Rande der Weltspitze

Gina klein Porträt von ihrer Seite

Gina Lückenkemper

Kurz vor den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Kassel hatte Michael Reinsch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit  Gina Lückenkemper (Foto von ihrer Facebookseite) und deren Trainer Uli Kunst  gesprochen und dabei auf einige interessante Aspekte rund um die junge Sprinterin aufmerksam gemacht. Und irgendwie schien er beeindruckt von der jungen Dame. Und nach Kassel war er es noch mehr, denn  Gina Lückenkemper gewann auf ihrer Lieblingsstrecke, den 200 Metern, in 22,84 Sekunden  die Goldmedaille. Aber einfach war das nicht, denn Lisa Mayer  setzte ihr bis zum Zielstrich stark zu und mußte sich in 22,87 Sekunden nur knapp geschlagen geben.  Erfrischend, wie sich beide hinterher im Videointerview auf  „leichtathletik.de“ präsentierten. Da wächst eine neue Sprint-Lockerheit heran.

Und um das zu untermauern, möchte ich  Auszüge aus dem Beitrag von Michael Reinsch zitieren, der am 19. Juni 2016 in der FAZ erschien.

Gina Lückenkemper: Am Rande der Weltspitze

Gina klein DM 2016

Gina Lückenkemper bei der DM 2016 in Kassel (Foto: Dirk Gantenberg)

Locker wie eine Jamaikanerin sprintet Gina Lückenkemper kurz vor Rio ins Rampenlicht. „Rennen gibt mir ein Gefühl von Freiheit“, sagt sie – und ist mittlerweile gar die schnellste deutsche Sprinterin.

Gina Lückenkemper muss einfach zu den Olympischen Spielen. 22,67 Sekunden hat die Sprinterin der LG Olympia Dortmund am 5. Juni in Regensburg für die 200 Meter gebraucht. Das ist rasend schnell für eine Neunzehnjährige, selbst wenn sie Junioren-Europameisterin auf dieser Strecke ist. Innerhalb von acht Tagen hat sie sich damit zur schnellsten Deutschen gemacht. Nur eine Woche zuvor war sie in Mannheim – mit einem Schrei im Ziel – die hundert Meter in 11,13 Sekunden gelaufen. „Ich liebe Läufe, in denen ich nicht vorneweg renne“, behauptet die 1,68 Meter große Sprinterin, „sondern anderen hinterherjagen muss.“ Das soll sie doch bitte schön im August in Rio de Janeiro tun, als Kurvenläuferin der deutschen Staffel und über 200 Meter. Auch noch über hundert Meter zu starten, für die sie auch qualifiziert ist, wäre allerdings zu viel verlangt von der jungen Sportlerin.

Reifeprüfung auf der Bahn

Im April hat Gina Lückenkemper die Klausuren für ihr Abitur geschrieben, nun folgt die Reifeprüfung auf der Bahn. „Sie ist am Rande der Weltspitze angekommen“, sagt ihr Trainer Uli Kunst. Deutsche Meisterschaft, Europameisterschaft, Olympia – vielleicht in diesem Jahr schon wird sie einen weiteren Schritt hin zur Exzellenz in ihrer Sportart tun. Keine deutsche Sportlerin ist so schnell wie sie. Verena Sailer, mit der gemeinsam Gina Lückenkemper noch im vergangenen Jahr Fünfte der Weltmeisterschaft in der Staffel wurde, ist vor drei Jahren 11,03 Sekunden auf der Geraden gesprintet, eine glatte Zehntelsekunde schneller. Inzwischen ist sie zurückgetreten.

Auf der Lieblingsstrecke von Gina Lückenkemper, die aus der Kurve auf die Gerade führt, muss man schon bis 1999 und zu Andrea Philipp zurückgehen, um eine Bessere zu finden.

Doch selbst deren 22,25 Sekunden wirken, als hätte die junge Westfälin sie in Reichweite. Kunst scheint sich auf die Zunge beißen zu müssen, um nicht die tollsten Prognosen abzugeben. Ein außergewöhnliches Talent sei das Mädchen, verrät er, mit fünf Einheiten pro Woche trainiere sie bisher geradezu auf Sparflamme. „Sie ist noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.“

Schon im Kindergarten ließ die kleine Gina im Wettkampf auf der Wiese Mädchen und Jungs hinter sich. „Schnell war ich schon immer“, sagt sie. „Ich rede schnell, ich esse schnell.“ Manchmal fährt sie auch schnell Auto. Doch mit ihrem Tempo zu Fuß fiel sie auf, sagt sie, und sei richtig trainiert worden. „Jetzt bin ich noch schneller.“ Von Anatomie und Technik spricht sie, davon, dass sie ein sauberes Laufbild herausgebildet habe, den Schritt unter dem Körper treffe, nicht mehr allzu große Bremseinwirkungen im Bewegungsablauf habe und beim Start, statt zu trippeln, große Schritte mache. Alles zusammen aber bewegt mehr als den Körper. „Rennen gibt mir ein Gefühl von Freiheit“, sagt sie. „Ich mache mir keine Gedanken, ich blase mir dabei einfach den Kopf frei.“ Nicht Erste zu werden, sei entscheidend, sondern Freude zu haben.

Gina klein 2014 Gantenberg

Gina Lückenkemper im Jahr 2014 (Foto:  Dirk Gantenberg)

So erlebt es auch ihr Trainer. Die Psyche von Gina sei herausragend, sagt er. „Sie verfügt über die Fähigkeit, über den Spaßfaktor locker zu bleiben. Und im Sprint ist Lockerheit unabdingbar.“ Was bei anderen das Trainingslager in der Karibik besorgt – oder das Leben dort -, die Entspannung von Geist und Muskulatur, verschafft der blonden jungen Dame aus Soest in Westfalen die Sonne im Herzen. Als während der U-20-Europameisterschaft in Eskilstuna in der schwedischen Provinz Södermanlands der Startschuss zum Endlauf über 200 Meter auf sich warten ließ, nutzte sie Zeit und Stimmung für ein Tänzchen hinterm Startblock. Dann gewann sie. „Das sind Fähigkeiten, die kann man niemandem antrainieren“, sagt Kunst. Man muss schon an einen sehr schnellen Jamaikaner denken, an Usain Bolt, um ein Beispiel für ähnliche Lockerheit am Start zu finden.

An große Ziele will Gina Lückenkemper noch nicht denken. „Sie wird sich entscheiden müssen: Will sie in die Weltspitze hinein?“ prognostiziert ihr Trainer, „Ist sie bereit, mehr in Training zu investieren.“ Doch da spricht er schon von der Perspektive Tokio 2020. Sie denkt erst einmal nur acht Wochen weit: „Ich werde mit allem zufrieden sein. Ein Traum geht allein dadurch in Erfüllung, dass ich dort renne.“ Doping im Übrigen sei ein zu hoher Preis für jedes Ziel; nicht einmal Nahrungsergänzung, sagt der Trainer, spiele bei ihnen eine Rolle.

Bei ihren Konkurrentinnen aus der Karibik hat sich die Jamaikanerin im Herzen noch nicht bekanntgemacht. Klar, sie gucke schon mal rüber, was Shelly-Ann Fraser-Pryce macht, bevor sie bei der WM mit der Weltmeisterstaffel antritt. „Die Jamaikanerinnen machen die selben Aufwärmübungen wie wir“, hat sie im Vorjahr beobachtet. „Aber sie wirken unnahbar.“ Um sie anzusprechen, ist sie noch zu schüchtern. Gina Lückenkemper wird sich wohl in vollem Lauf bekannt machen müssen.

(soweit Auszüge aus dem Beitrag von Michael Reinsch in der FAZ vom 19. Juni 2016)

Michael Reinsch

Michael Reinsch

Robert Harting: Sein Diskuswurf nach Rio

Diskuswerfer Robert Harting unterhält die Öffentlichkeit gern, mit Worten und mit Taten. Und wer den sechsten Versuch des Berliners im Finale der Deutschen Meisterschaften in Kassel live im Stadion oder zuhause am Fernseher erlebte, wird ihn so schnell nicht vergessen. Solche Momente prägen sich ins Gedächtnis ein, solche Momente kann nicht jeder herbeizaubern, zudem in der Leichtathletik.

Vor einigen Tagen hatte ich in Berlin eine Pressekonferenz zum ISTAF 2016 besucht und danach für meine Homepage einen Artikel über Robert Harting geschrieben: „ Die Leidenschaft des Wettkämpfers ist wieder da“.

Darin hatte ich ihm auch geraten, nicht mehr so viele Interviews zu geben, um sich mehr auf den Sport konzentrieren zu können. Dabei sind mir Athleten viel lieber, die viel sagen und vor allem, die  gern Interviews geben.  Inwieweit er sich seitdem daran gehalten hat, weiß ich nicht. Und sicherlich werden nun nach dem Paukenschlag in Kassel die Anfragen wieder mehr werden.

Doch, was war eigentlich in Kassel geschehen, und wie habe ich es verfolgt?

Fest vorgenommen hatte ich mir, in Kassel selbst dabei zu sein. Das Hotelzimmer im nahen Baunatal war gebucht, die Eintritts- und Parkkarten hatte ich ebenfalls. Doch dann ereilte mich eine Sommergrippe und schweren Herzens mußte ich absagen. Doch der Gesamtverbund von ARD, leichtathletik.de  und Ergebnisdienst war ein wenn auch nicht so emotionaler Ersatz.

Sonntag, 19. Juni 2016, 14:30 Uhr:  Die 14 Diskuswerfer werden vorgestellt. Es sind recht viele, aber das ist eben ohne Qualifikation so. Im ersten Durchgang wirft Robert Harting  63,53 m und setzt sich damit an die Spitze. Die anderen schwächeln, und ich starre immer auf den Ergebnisdienst, ob er diesen Platz hält (ich bin ein wenig parteiisch, das darf ich).  Es dauert bis zum dritten Durchgang, ehe Daniel  Jasinski mit 65,18 m die Spitze übernimmt. Dessen Vater Miroslaw kenne ich seit vielen Jahrzehnten, immer als Trainer. Nun ist sein Sohn soweit, um aufs Treppchen zu kommen.

Jasinski im Wurf

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Doch alles ist nur Vorgeplänkel. Schade, daß nun die ARD Pause macht und die Meisterschaft der Vielseitigkeitsreiter überträgt. Doch ich habe ja meine Liveergebnisse. Und darauf starre ich wie gebahnt, sehe, daß Robert Harting im fünften Versuch mit 65,60 m wieder die Spitzenposition erringt.

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Dann aber setzt die ARD wieder ein, faßt das bisherige Geschehen im Diskusring nochmals zusammen. Der sechste Durchgang übertrifft dann alles an Dramatik.  Zunächst schleudert Bruder Christoph Harting die 2-kg-Scheibe auf  66,41 m.

Christoph Tafel

Das scheint der Sieg zu sein. Und ich denke mit Schrecken an meine Kollegen in Kassel. Ein Sieger, der nicht spricht. Ein Albtraum für Journalisten. Aber Christoph hatte es immer wieder gesagt: „ Ich gebe im Sommer keine Interviews.“ Und nach der aktuellen dpa-Meldung hat er das wohl nun auf das ganze Jahr ausgedehnt.  Warum? Ich weiß es nicht. Ich kann mich an ein eigenes Gespräch vor einigen Jahren erinnern, bei der Vorstellung des Berlin-Teams in der Berliner Spielbank am Potsdamer Platz. Da sprach er mit mir, und ich bekam es auch hin, ihn zu lockern. Nun aber verschließt er sich, warum auch immer. Man darf gar nicht vorausschauen:  Was würde sein, wenn Christoph Harting in Rio Gold holt und stumm wie ein Fisch bleibt? Aber das ist bisher nur ein Albtraum.

Zurück zur Realität nach Kassel. Der letzte Wurf des Robert Harting wird im Fernsehen zelebriert. Und dann ist es wie früher.  Der 2,01- m-Hüne geht in den Ring, läßt die Scheibe fliegen und schreit, schreit, als könne er sie damit noch weiter treiben. Aber da weiß er schon, daß es weit gehen wird. „ Ich habe gespürt, daß günstiger Wind aufkam, wollte deshalb auch so schnell wie möglich in den Ring“. Und der Wind hilft auch ein wenig, um diese Zahl auf die Videowand zu werfen:  68,04 m.

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Robert Harting geht auf die Knie, schlägt die Fäuste auf den Rasen und kann es  selbst zunächst nicht fassen.

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Damit ist der Meistertitel gesichert, und, noch viel wichtiger, das Flugticket nach Rio.

Die Leidenszeit nach dem Kreuzbandriß 2014 hat endlich ein Ende. Und nun sprudelt es aus ihm heraus, verzückt er die fragenden Journalisten mit seiner Wortgewalt, mit seinen oft so klugen Worten, die so gar nicht dem normalen Äußerungen anderer Sportler ähneln.

Für leichtathletik.de  gibt er dem Ex-Stabhochspringer Michael Stolle ein langes Videointerview, nachzulesen und zu hören bei „Leichtathletik.TV“.

Heute am Montag surfe ich durchs Netz und sehe, daß sich vieles um Robert Harting dreht. So hat  Saskia Aleythe am 20. Juni für die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel: „ Der neue Harting kämpft gegen sein altes Ich“ einen lesenswerten Artikel geschrieben.

Und ein Ex-Diskuswerfer, Alwin Wagner, der von 1981 bis 1985 deutscher Meister im Diskuswerfen war und 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles einen sechsten Platz belegte,  möchte seine Begeisterung über den live in Kassel erlebten Wettkampf auch mit anderen teilen und stellt einige Fotos ins Netz, die ich in dieser Geschichte bringen darf.

Robert Harting aber „grüßt“ aus der Eiskammer, und bereitet sich auf die nächsten Wettkämpfe in Schweden und in Zeulenroda vor. Danach aber wird eisern trainiert. In Rio will er wieder ganz vorn mitmischen. Ist er wieder so emotional wie in Kassel an diesem Sonntag, dann ist ihm alles zuzutrauen.

Peter Grau

(Fotos:  Alwin Wagner)

Gesa Felicitas Krause: Fühlt sich wohl auf der Hindernisstrecke

 

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Gesa Felicitas Krause (Foto: Dirk Gantenberg)

Gesa Felicitas Krause dominierte die 3000 m Hindernis am 18. Juni 2016 bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Kassel im Alleingang. Ungefährdet vor dem Feld holte sich die Hessin in 9:31:00 min den Meistertitel.  Zuvor hatte sie wochenlang auf dem Werbeplakat der Meisterschaften geprangt.

Und kurz vor den Meisterschaften hatte mein Journalistenkollege Berthold Mertes für den Bonner Generalanzeiger ein Interview mit der WM-Dritten von Peking geführt, welches ich in Auszügen nachfolgend veröffentlichen darf.

Gesa Krause: Sport macht nur ohne Manipulation Sinn

Gesa Foto von Dirk Gantenberg

(Foto:  Dirk Gantenberg)

Bonn, 18. Juni 2016.   Sensibel, höflich, bescheiden: So wirkt Leichtathletin Gesa Krause bei dem Treffen auf ihrer Heim-Trainingsanlage in Frankfurt-Niederrad. Irgendwie auch zerbrechlich während ihrer Steigerungsläufe auf der Kunststoffbahn. Im Gespräch nach der Übungseinheit: Die zierliche Person, die 2015 mit WM-Bronze über 3000 Meter Hindernis eine 15 Jahre währende Medaillenflaute deutscher Läufer beendet hat, strahlt unglaubliche Energie aus. Krause ist fokussiert auf Erfolg. Und sie hat einen Plan. Über den für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sprach sie mit Berthold Mertes – und über den Caipirinha danach.

Frau Krause, Sie haben 2015 in Peking die erste deutsche Laufmedaille bei einem Weltereignis seit Nils Schumanns 800-Meter-Gold von Sydney 2000 gewonnen. Träumen Sie noch öfter davon?

Gesa Krause: Ich hatte die Bilder lange präsent. Es war nicht wie sonst: Wettkampf abhaken und an den nächsten denken. Über die Wintermonate ist das WM-Rennen aus den Gedanken herausgerückt, weil ich mich mehr mit dem Training für die neue Saison beschäftigt habe.

Schildern Sie doch mal Ihre Olympiavorbereitung.

Krause: Seit dem Herbst bis zu den Spielen im August in Rio gehören fünf je dreiwöchige Höhentrainingslager dazu, vier davon habe ich jetzt hinter mir. Täglich trainiere ich bis zu dreimal, dabei neben den Laufeinheiten auch reichlich Athletik.

Insofern müssen Sie froh sein, vor den deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende ein wenig durchzuschnaufen, oder?

Krause: Ja, das gibt mir Zeit für Dinge, die auch zum Sport gehören: PR-Termine, Interviews für Radio, Fernsehen oder Zeitschriften. Damit fülle ich lockere Wochen so, dass ich mich nicht nutzlos fühle.

Rund 15 000 Menschen folgen Ihnen auf Facebook. Dort gewähren Sie Einblick in Ihren Profi-Alltag. Warum tun Sie das?

Krause: Ich versuche, den Alltag eines Sportlers zu zeigen, denn ich habe schon oft die Frage gestellt bekommen: Fängst du im April wieder mit dem Training an? Deshalb zeige ich, dass eine Saisonvorbereitung bereits im Oktober beginnt. Dass wir sehr viel unterwegs sind. Und dass Kenia für mich nicht Sonne, Strand und Urlaub bedeutet.

Sondern?

Krause: Knallharte Arbeit.

Hilft dabei das Kopfkino vom WM-Bronze?

Krause: Klar sind das Bilder, die sich bei harten Tempoläufen im Kopf abspielen. Aber das wird verstärkt erst wieder vor Olympia kommen. Jetzt will ich zunächst wieder deutsche Meisterin werden, dann kommt die EM – erst danach rückt Olympia in mein Blickfeld. Ich denke immer von Ziel zu Ziel. Vor Rio entwickelt sich eine neue Traumvorstellung.

Nach WM-Bronze hören Sie bestimmt öfter: „Und in Rio holst du Gold.“ Wie empfinden Sie das?

Krause: Das ist ja motivierend gemeint. Aber ich sage dann immer: Ich gebe mein Bestes. Ich bin Realist und kämpfe bis zum letzten Tag um die absolut beste Form.

Zum deutschen Rekord – 9:18,54 Minuten von Antje Möldner-Schmidt – fehlten Ihnen in Peking 71 Hundertstelsekunden – wann fällt er?

Krause: Den Rekord habe ich schon lange Zeit vor Augen. Er ist definitiv ein Ziel für dieses Jahr. Unter 9:15 sollte es schon gehen. Zumal die Top Drei der Welt zwischen 9:00 und 9:10 Minuten laufen können.

Mit welchem Plan wollen Sie denn eine Olympiamedaille gewinnen?

Krause: Bisher ist es mir immer sehr gut gelungen, mein Potenzial auszuschöpfen. Auf den 15. August 2016 (Krauses Olympiafinale, die Red.) kommt es an. Alles ist auf diesen Tag X ausgerichtet.

Und irgendwann wollen Sie ganz oben stehen, die Hymne hören?

Krause: Definitiv ja. Das ist meine Triebfeder, auch wenn ich dieses Jahr davon noch entfernt bin. Ich bin noch jung, es steckt viel Potenzial in mir, das herausgekitzelt werden will. Meine Zeit kommt noch. Irgendwann will ich nicht die Erste sein, die sich anstellt, sondern ganz vorne sein.

Wie ist es, im Läuferland  Kenia zu trainieren, die Athleten dort zu erleben und kennenzulernen?

Krause: Es ist beeindruckend für die Psyche und wirkt sich auf die eigene Einstellung aus. Weil die Menschen mit einem Lächeln auf den Platz gehen. Und dann rennen sie einfach, bis sie nicht mehr können. Das muss man sich zu Herzen nehmen. Denn unser Sport ist ein Knochenjob. Ist mit Schmerz und Leid verbunden. Ich bin immer froh, wenn ich die Trainingslager hinter mir habe. Aber ich weiß halt, dass dieses harte Training mich besser macht.

Ist die Bereitschaft der Afrikaner, sich zu quälen, stärker ausgeprägt als bei Mitteleuropäern?

Krause: Ja. Vereinzelt bringen Menschen sie auch hier mit.

Wie Sie zum Beispiel. Warum eigentlich?

Krause: Das hat mit Leidenschaft zu tun. Wenn einem etwas wichtig ist, nimmt man auch mehr Strapazen auf sich.

Warum sind Sie Läuferin?

Krause: Ich habe als Schülerin auch Stabhochsprung ausprobiert. Alles außer Hammerwurf und Dreisprung. Aber ich war schon immer relativ klein und zierlich. Ich bin kein geborener Sprinter, war aber von Beginn an recht gut über die Mittelstrecke. Also blieb nur das Laufen übrig. Die Vielseitigkeit in jungen Jahren hat gut getan – deshalb bin ich heute vielleicht auf der Hindernisstrecke zu Hause.

Seit 2009 werden Sie von Wolfgang Heinig (aktuell Bundestrainer für alle Laufdisziplinen ab 800 Meter) betreut. Welche Rolle spielt er?

Krause: Er hat mich als hessischer Landestrainer von Dillenburg nach Frankfurt geholt und mir angeboten, aufs Sportinternat zu gehen. Das war die wichtigste Entscheidung. Er hat mir den Weg aufgezeigt. Er hat einen Plan, wie man Leistung entwickelt – fundiert, strukturiert und zielstrebig. Das war mir gleich plausibel.

Sind Sie ein Kopfmensch?

Krause: Auf jeden Fall. Auch wenn mir das in jungen Jahren noch nicht bewusst war.

Bleibt noch Zeit für Genuss?

Krause: Ja, ich koche sehr gerne, wenn die Zeit es erlaubt, und mag frisches Essen. Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, aber ich trinke auch gerne einmal ein Glas Rotwein zum Essen.

Doping beeinträchtigt stärker denn je die Leichtathletik. Russische Athleten haben betrogen, was das Zeug hält. Auch Kenia steht im Zwielicht. Wie empfinden Sie das?

Krause: Russland macht mich sprachlos. Wöchentlich kommen neue Meldungen. Man kann derzeit keinem Sportler von dort vertrauen. Es tut mir leid für den einen oder anderen sauberen Athleten, den es vielleicht auch in Russland gibt. Aber ich habe inzwischen keine Lust mehr, mir das anzuschauen und darüber zu lesen.

Was erschüttert Sie am meisten?

Krause: Es ist eine Schande, dass dieses System offenbar vom Staat instruiert ist. Dass fast alle unter einer Decke stecken.

Und in Kenia?

Krause: Dort ist die Führung das Problem, bei den Russen sind es inzwischen die Athleten selbst, weil der Staat sie über Jahrzehnte zu Betrügern gemacht hat. In Kenia wirkt alles unorganisiert, Verbandsfunktionäre kochen ihr Süppchen. Und es kommt mir so vor, dass die dopenden Athleten meistens aus der dritten und vierten Reihe kommen. Weil sie sich ein bisschen Geld verdienen wollen.

Stört es Sie, wenn Leute sagen, ohne Doping ließe sich keine Medaille in der Leichtathletik gewinnen?

Krause: Na klar. Vor allem finde ich es unfair, dass wir und Athleten einiger Nationen 24 Stunden rund um die Uhr überwacht werden. Wir melden der Nationalen Anti Doping Agentur, wo wir sind, was wir machen. Dagegen kriegt man es anderswo nicht auf die Reihe, den Athleten beizubringen, dass Kontrollen und harte Strafen notwendig sind – weil der Sport nur ohne Manipulation Sinn macht.

Sind Sie dafür, dass Russlands und Kenias Leichtathleten in Rio nicht starten?

Krause: Bei den Russen fände ich es sehr grenzwertig, wenn sie am Ende doch noch zugelassen würden. Dagegen kann ich mir bei den Kenianern nicht vorstellen, dass sie ausgeschlossen werden.

Was hat sich für Sie seit WM-Bronze verändert?

Krause: Es gab ein paar Fernsehauftritte, die Zahl der facebook-Follower hat sich erhöht, aber in puncto Sponsoren ist leider nichts passiert.

Obwohl Sie zu Deutschlands Leichtathletin des Jahres gewählt wurden?

Krause: Die bestehenden Partnerschaften haben sich gefestigt, aber es kam nichts Neues dazu. Der Verein und der Ausrüster – das sind meine einzigen Sponsoren, und natürlich die Bundeswehr. Im Prinzip habe ich diese drei Arbeitgeber.

Laufsternchen Sabrina Mockenhaupt oder Eisschnellläuferin Anni Freisinger haben mit Modeln mehr Geld verdient als mit dem Sport. Wäre ein solches Parallel-Engagement etwas für Sie?

Krause: Darüber habe ich mir noch nicht viele Gedanken gemacht. Bis 30 will ich den Sport definitiv machen. Ich hoffe, dass sich in dieser Zeit die eine oder andere Tür öffnet.

Über die Karriere nach der Karriere machen Sie sich noch keine Gedanken?

Krause: Es gibt Tage, an denen ich grüble, ob ich in meinem Fernstudium der Wirtschaftspsychologie vielleicht etwas schneller vorwärts komme. Aber Laufen ist momentan ein Fulltime-Job. In den letzten beiden Jahren ist mir das sehr deutlich geworden.

Brasilien steckt in einer gesellschaftlichen Krise. Gehört Olympia dorthin?

Krause: Es ist immer so, wenn die Spiele in weniger entwickelte Länder vergeben werden, dass es Volksgruppen gibt, die darunter leiden. Leider trifft es dann meistens die Armen. Auch wenn ich mir selbstverständlich darüber Gedanken mache: Was soll ich tun? Ich trainiere mein ganzes Leben für Olympia. Das ist mein Job. So hart es klingt: Deshalb kann ich darauf auch leider keine Rücksicht nehmen. Ich muss an mich selbst denken.

Machen Sie sich Sorgen um Ihre Gesundheit wegen des Zika-Virus?

Krause: Ich mache mir keinen großen Kopf darüber. Für die Leute, die in verschmutztes Wasser müssen, sieht die Sache sicherlich anders aus.

Angst vor Terror?

Krause: Habe ich nicht. Ich denke immer positiv. Es kann dich überall erwischen, nicht zuletzt bei einem Trip in eine europäische Metropole, auch in Frankfurt. Das ist ein grundsätzliches Problem, mit dem wir heute leben müssen. Alles weitere ist Schicksal. Vielleicht bin ich in Rio nicht so viel alleine außerhalb des Dorfes unterwegs wie in London. Ich werde auch nicht mit Schmuck an der Copacabana herumlaufen.

Nach den Spielen in London waren Sie total erschöpft und reisten früher ab als geplant. Wie kam das?

Krause: Damals wollte ich unbedingt dortbleiben und gemeinsam mit der gesamten Mannschaft die Heimreise mit dem Schiff antreten. Doch ich war emotional und körperlich völlig ausgelaugt, wollte plötzlich nur noch nach Hause. Wenn man das ganze Jahr auf ein großes Ziel hinarbeitet, folgt danach ein unglaublicher Spannungsabfall.

Für Rio schließen Sie einen solchen Zusammenbruch aus?

Krause: Jetzt bin ich vier Jahre älter und habe einen festen Platz im deutschen Team, kenne die Leute besser und habe meinen Coach dabei. Ich bleibe diesmal definitiv bis zum Ende der Spiele. Das Erlebnis Olympia will ich mitnehmen.

Wie genießen Sie den Abschluss?

Krause: An der Copacabana mit einem Caipirinha – das ist sowieso mein Lieblingscocktail.

(Auszüge aus einen von Berthold Mertes geführten und am 18. Juni 2016 im „ Bonner Generalanzeiger“ erschienenen Interview.  Nachzulesen auch auf der Webseite der Tageszeitung unter www.general-anzeiger-bonn.de)

Berthold Mertes klein Porträtfoto

Berthold Mertes

Start an der Birkenallee: Mit dem Fahrrad auf meinen Laufspuren

In früheren Jahren traf sich eine größere Laufgruppe jeden Sonntag am Rande des Neuruppiner Stadtparks, an der Birkenallee. Damals war ich immer mittendrin, und dachte, daß es auch später mal so sein würde. Doch die Mitstreiter wurden immer weniger und ich lief auch nur noch sporadisch. Deshalb kam mir nun der Gedanke, mich mit dem Fahrrad auf die Laufspuren zu begeben. Einmal, um die Natur zu genießen, und zum anderen, um vielleicht die Laufbegeisterung wiederzuerwecken.

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Anfangs steht nur eine Birke an der Startlinie,

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doch bald werden es mehr:

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Nach rund 150 Metern langte ich am Goldfischteich an, war nun mitten im Stadtpark.

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Auf der anderen Seite führte ein Weg Richtung See. Dort lag und liegt auch heute noch die Sprintübungsstrecke des Neuruppiner Leichtathletik-Clubs. legten und legen solche Alterssportler wie Brigitte Schommler die Grundlagen dafür, um Medaillen auf nationaler und internationaler Ebene einzusammeln.

 

Weiter führt der Weg, immer am Ufer des Ruppiner Sees entlang. Manchmal ist der Blick zum Wasser von vielen Bäumen versperrt, manchmal ist der Blick frei, wie hier dicht am Weinberg. Dort wächst zwar kein Wein, aber früher haben ihn die Neuruppiner im Winter, wenn es denn Schnee gab, als Rodelberg zur rasanten Abfahrt genutzt.

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Heute liegt kein Schnee. Vielmehr komme ich mit einem Berliner Pärchen ins Gespräch, die auf Schusters Rappen unterwegs sind und noch bis zum Kalksee in Binenwalde wandern wollen. Sehr weit weg ist das Ziel, doch schon bisher sind die Berliner, die aus Tempelhof kommen, von der Landschaft begeistert. Und auch ihre kurze Stippvisite im Ort Neuruppin ließ sie schwärmen. Und ich konnte mit meinen Kenntnissen über frühere Zeiten, als sowohl in der Stadt als auch in den Kasernen außerhalb der Stadt sehr viele Soldaten und Offiziere der Roten Armee ihre Unterkünfte hatten, überzeugen. Hier ganz in der Nähe haben die Sowjets, wie man sie damals auch nannte, die gerade gefangenen Fische gebraten, während wir vorbeiliefen. Lang, lang ist es her.

Und lang ist es auch her, als wir nach dem Abzug der Roten Armee in einem der nun fast zugewachsenen kleinen Seen im Stadtpark einen „Saporoshez“ linkerhand im Wasser liegen sahen, einen sowjetischen Kleinwagen mit 40 PS, den man u.a. auch „Zappelfrosch“ nannte.

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Schade drum, aber zu dieser Zeit waren „Westautos“ die großen Rennen für die Ex-DDR-Bürger.

Nach rund 5 Kilometern komme ich hinein in den Ort Alt Ruppin, d.h. fahre durch eine kurze Straße, die von kleinen und größeren Häusern gesäumt ist.

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Am Ende der Straße steht links ein Riesenbau, das ehemalige Hotel „Hubertus“.

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„ Lang ist er her, und vergeblich haben seitdem verschiedene Investoren versucht, aus dem Bau etwas Nützliches zu machen. Die Handwerkskammer hatte mal vor, hier zu bauen, doch auch daraus wurde nichts. Nun wartet das Hotel auf den Prinzen, der es wach küßt.

Die viel befahrene große Straße zwischen Neuruppin und Alt Ruppin überquere ich, und weiter geht es Richtung Schleuse.

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Hier auf der Asphaltraße ließ es sich immer besonders schnell laufen, kann ich mich erinnern.

Bald ist die Schleuse Altruppin erreicht.

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Aus neuerer Zeit kann ich mich daran erinnern, daß ich hier von der Brücke die Fußballer von RB Leipzig fotografierte, die u.a. mit Ex-Stabhochspringer Tim Lobinger sich als Kanuten übten. (siehe auch „Wiedersehen mit Tim Lobinger“   unter “ Treffs mit Leichtahtleten“ )

Weiter führt der Weg Richtung Molchow vorbei an einem großen Backsteinbau. Hier restauriert Tischlermeister Manfred Neumann Möbel und verkauft Antiquitäten.

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Und ab und an werden hier auch Konzerte aufgeführt. Wir haben dort vor einiger Zeit den Pianisten Axel Zwingenberger gehört. Zum Konzert der Polkaholics bekamen wir leider keine Eintrittskarten mehr.

Etwa 150 danach biege ich von der Asphaltstraße ab und wähle den romantischeren Weg direkt unten am See.

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An der Badestelle in Molchow will ich zwar diesmal nicht baden, aber geschwommen bin ich damals öfters hier.

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Später komme ich zunächst am ehemaligen Kaffee vorbei, das aber nicht mehr existiert.

Aber es hat guten Ersatz gefunden und das Schild „River Cafe“ weist darauf hin.

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Auf der gepflasterten Dorfstraße führt der Weg zum Ortskern.

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Und dann geht es auf einem schmalen Weg hinunter zur Molchowbrücke.

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Von der Brücke schaut das Wasser, auf der einen Seite der Molchowsee und auf der anderen Seite der Teetzensee, heute zwar etwas düster aus, aber jedes Wetter hat seine Reize.

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Nach der Brücke sind es nur noch wenige Meter bis zum neuen River Cafe.

Einige Boote ankern dort:

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Urlaubsgäste staken in ihrem Kajak nach Kaffee und Kuchen wieder von dannen:

 

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Ich aber kehre heute nicht ein.

Auch wenn ich den Weg nicht kennen würde, hätte ich keine Orientierungsschwierigkeiten. Auf einem Wegweiser kann ich mir aussuchen, wohin ich fahren will. Ich wähle Neuruppin.

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Ich radle weiter auf dem bekannten Laufweg früherer Zeiten und erinnere mich daran, daß wir gerade hier oft das Tempo anzogen, um die Laufpartner ein wenig herauszufordern.

Das Fahrradfahren ist dagegen keine Herausforderung, zumal ich jetzt vom Waldboden auf den asphaltierten neuen Radweg wechsele.

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Auf dem Foto sieht er recht eben aus, doch das täuscht. Im Lauf der letzten Jahre ist er leider durch zahlreiche Unebenheiten, hervorgerufen von Baumwurzeln, nur noch mit Vorsicht zu befahren.

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Bald bin ich wieder an der Schleuse und kann nun den gleichen Weg wie vorhin nehmen.

Ein schöner Ausflug, beladen mit vielen Erinnerungen, geht damit zuende.

Peter Grau

Die Kunst, Fotos auf der Homepage einzubauen

In meiner Jugend habe ich mit diesem Fotoapparat  gearbeitet, d.h. ich habe damit schöne Papierfotos in Schwarz-Weiß  gemacht:

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Viele Jahre später, als Journalist, habe ich dann nur Texte fabriziert und die Fotoarbeit den echten Fotografen überlassen. Doch nun, bei meiner eigenen Homepage, entdecke ich, daß das Fotografieren Spaß macht. Anfangs verwendete ich dazu die kleine Digitalkamera

Panasonic   Lumix DMC-FS56.Lumix erste Kamera

Doch spätestens, als ich merkte, daß ich die Ente und ihre 10 gerade geschlüpften Küken auf unserem Glasdach nicht richtig „heranzoomen“ konnte, dachte ich um. Es sollte eine bessere Kamera sein. Doch wie findet man die Richtige aus der Vielfalt des Angebots?

Bei den Halleschen Werfertagen nutzte ich eine freie Stunde, um in den Media-Markt zu gehen und mich dort beraten zu lassen. Der freundliche Verkäufer gab mir folgenden Tip:  Eine Canon-Kamera,  „ Canon SX 540“ , mit einem 50er Zoom wäre für meine Zwecke das Richtige.  Diesen Tip speicherte ich im Kopf, und  mein Fotografen-Freund Dirk Gantenberg bestätigte mir, daß es ein guter Tip sei.

Zurück in Neuruppin wandte ich mich an das Fachgeschäft „ Expert“ und erkundigte mich per Internet, ob dort diese Kamera vorrätig sei. Man verneinte, bot mir aber Hilfe beim Bestellen an und verwies auch auf andere Kameras. Doch ich wollte die „Canon“ und nahm mir vor, meine Fahrt am 9. Juni 2016   zur ISTAF-Pressekonferenz zu nutzen, um anschließend im Spandauer Mediamarkt die Canon zu kaufen. Einen Tag zuvor aber brachte „General Zufall“ die Wende.

Bei einem meiner normalen Friedhofsgänge – die Pflanzen an zwei Gräbern brauchen immer Wasser – sah ich dort ein Pärchen fotografierender Weise. Ich sprach die Dame an, weil ihr Fotoapparat meiner angepeilten „Canon“ ähnlich war. Und dann konnte ich den Redefluß der Dame nicht mehr stoppen. Sie hatte gerade eine neue Kamera im Neuruppiner „Expert“ erstanden und war des Lobes voll. Die Kamera:    Panasonic Lumix FZ72.    

Am gleichen Tag fuhr ich zum „Expert“ und erstand dort bei Herrn Wetzel die letzte Kamera.

Panasonic Lumix neu

Und dann fotografierte ich schon am nächsten Tag auf der ISTAF-Pressekonferenz „lustig“ vor mich hin. Zwar merkte ich beim Einarbeiten der Fotos auf meine Homepage, daß der neue Apparat größere, andere Fotos macht als der Vorgänger. Ich hatte wieder mehr zu tun, um die Fotos so zu verkleinern, damit sie vom System der Homepage angenommen wurden. Aber ich meinte, daß alles in Ordnung sei.

War es aber nicht. Einer paßte auf und schickte mir eine Nachricht: „ Deine Fotos sind alle unscharf. Du mußt die Verschlußzeit der Kamera verkürzen. Außerdem mal die Fotos auf wetransfer  hochladen.“ Wer aber war der Schreiber?  Robert Harting, der Diskuswerfer. Und ich war ihm dankbar für die konstruktive Kritik. Nun gilt es, weiter daran zu arbeiten. Das Gute ist, daß ich ja die Fotos auf meiner Homepage immer wieder ersetzen kann.

Und einen Tip habe ich noch: einfach die Fotos einmal anklicken. Dann werden sie nicht nur größer, sondern auch schärfer.

Peter Grau

Vor dem ISTAF 2016: Auftaktpressekonferenz in der Berliner Taubenstraße

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Zu Pressekonferenzen nach Berlin fahre ich sehr gern. Zwar liegen 80 km Anfahrtsweg dazwischen, Neuruppin liegt eben leider nicht so dicht an der Metropole. Aber, in Berlin habe ich 45 Jahre verbracht, 30 in Ostberlin und 15 im vereinigten Berlin. Da bleibt viel Erinnerung, und es macht Spaß, diese aufzufrischen.

Zur ISTAF-Auftaktpressekonferenz  am 9. Juni wählten die Veranstalter wieder den Sitz eines ihrer Hauptsponsoren, der Deutschen Kreditbank (DKB), aus. Sie residieren in der Taubenstraße, einer Nebenstraße der Friedrichstraße. Zu DDR-Zeiten hieß diese Straße Johannes-Dieckmann-Straße, und unweit davon, in der Mohrenstraße, arbeitete ich ab 1960 ein Jahr lang im Außenhandelsunternehmen WMW-Export.

Viel Trubel herrscht heute wie damals in diesem Viertel, und die Parkplätze sind rar. Aber es ist vorteilhaft, wenn man sich in dieser Gegend noch auskennt, auch wenn sich vieles verändert hat. Meine Anfahrt über Kaiserdamm, Ernst-Reuter-Platz, Bahnhof-Zoo, Potsdamer Platz gestaltet sich einfach. In der Leipziger Straße biege ich dort nach rechts ab, wo früher ein Delikat- Laden war, indem es Köstlichkeiten zu sehr hohen Preisen zu kaufen gab. Je mehr man nachdenkt, desto mehr kommen die Erinnerungen.

Doch es soll ja heute um das ISTAF gehen. Also das Auto geparkt und stehenden Fußes (was für eine Floskel, aber sie bedeutet: sofort, umgehend) hinüber zum Gendarmenmarkt gelaufen. Manche sprechen vom schönsten Platz Europas und die Fotos zeigen das ein wenig:

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Von dort sind es nur noch wenige Schritte zum Ort der Pressekonferenz (PK).

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Hinein ins das moderne Gebäude führt eine Freitreppe. Nur der rote Teppich fehlt noch zum ganz großen Auftritt. Doch wir backen heute kleinere Brötchen. Sprich, der Wagen von „lekka berlin“ mit Brötchen, Pommes Frites und Currywürsten wartet schon vor der Tür auf uns.

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Mit Hilfe eines Armbandes haben wir dort später nach der PK freien Zugriff zu Eßbarem. Zunächst aber locken im Innern des Gebäudes  Erfrischungen in Form von Getränken, und auch die beiden sportlichen Gäste dieser PK, Diskuswerfer Robert Harting und Kugelstoßerin Christina Schwanitz, langen erstmal zu.

Auffällig ist die fast familiäre Atmosphäre dieser PK. Und wenn mich Meetingdirektor Martin Seeber und Pressechef Sven Ibald gleich am Eingang freundlich begrüßen, fühle ich mich sofort heimisch. Da denke ich dann einen Moment nicht an all das, was die Leichtathletik gegenwärtig negativ umtreibt.

 

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Und wie geht es Michael Reinsch (links), meinem geschätzten Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)? Im Gespräch mit dem Potsdamer Cheffotografen Eberhard Thonfeld scheint er Verbindung zu den Allmächtigen da „Oben“ aufzunehmen. Was bringt der 17. Juni? Wie urteilt die IAAF an diesem Tag über die russische Leichtathletik? Wird für alle russischen Leichtathleten das Tor nach Rio abgeschlossen?

Doch das ist heute nicht das Hauptthema. Heute dreht sich alles um das ISTAF 2016, das in diesem Jahr mit der 75. Auflage ein Jubiläum feiert, erstmals seit 1970 an einem Samstag stattfindet und einige Neuerungen bringt   (mehr dazu auch unter www.istaf.de).

Doch zunächst sind die Fotografen gefragt. Robert Harting und Christina Schwanitz müssen in allen Lagen posieren und tun dies mit einem Lächeln.

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Dann aber wird Platz genommen, sowohl auf den „billigen“ Plätzen:

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als auch im Podium:

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Meetingdirektor Martin Seeber, Robert Harting, Christina Schwanitz, Vorstandsvorsitzender der DKB Stefan Unterlandstätter, Geschäftsführer der EM 2018 Frank Kowalski (von links).

Und neu in der Runde ist Sven Ibald, seines Zeichens nun Head of Communications des ISTAF und der TOP Sportevents Gmbh, kürzer gefaßt Pressesprecher. Seine Premiere gelingt bestens, Nervosität ist ihm nicht anzumerken.

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Sven Ibald

Konkrete Fragen werden an alle fünf Persönlichkeiten, die im Podium Platz genommen habe, gestellt, untermalt mit kurzweiligen Filmen rund um das ISTAF. Es ist ein stimmiges Konzept einer Pressekonferenz.

Meetingdirektor Martin Seeber gibt das Ziel des Veranstalters vor, sowohl Topathleten als möglichst alle deutschen Medaillengewinner von Rio einzuladen. Neue Zuschauer sollen gewonnen werden, und dazu wird der günstige Sonnabend-Termin ebenso beitragen wie die Flutlichtatmosphäre und das Abschlußfeuerwerk. Und mit Blick auf seinen Nachbarn Robert Harting teilt er mit, daß dessen langjähriger Wunsch nun erfüllt wird. Der Diskusring wird vor die Ostkurve gelegt, dort wo sonst die Hertha-Fans Stimmung machen. „ Von dort haben die Athleten Gegenwind, der Diskus fliegt weiter (wenn denn Wind da ist, das kann er natürlich nicht garantieren). „ Robert Harting freut sich und fügt später im Gespräch mit Ulrike Krieger (BZ) hinzu: „ Ein weiterer Vorteil ist, daß wir nicht mehr diagonal aus einer Ecke, sondern parallel zu den Tribünen werfen. Die Zuschauer bekommen dadurch ein anderes Weitengefühl, der Genußfaktor ist viel höher“.   Jeder Genuß aber hat auch seinen Preis. Die Veranstalter mußten einiges Geld in die Hand nehmen. So kostet der neue Wurfboden, der dort stehen wird, wo sonst das Fußballtor ist, rund 15.000 Euro. Dazu muß der Rasen im Fünf-Meter – Raum ausgehoben und ein neuer Betonring eingelassen werden.

Neu an der Veranstaltung wird auch sein, daß die Kugelstoßerinnen und Kugelstoßer erstmals ihre Wettbewerbe gemeinsam austragen. Der Doppelpack rückt außerdem ins Hauptprogramm. Die Männer und Frauen bekommen auch eine gemeinsame Sitzbank im Stadion, sind dann eine ISTAF-Familie.“ Und träumen darf man auch: David Storl und Christina Schwanitz mit olympischen Medaillen im Gepäck im Berliner Olympiastadion, das wäre doch ein schönes Bild.

Einen anderen Traum träumt Frank Kowalski, Geschäftsführer der EM 2018, in eben diesem Berliner Olympiastadion. Er schaut schon zwei Jahre voraus und sieht, daß bei den Europameisterschaften jeder Abend wie ein Meeting ablaufen wird, daß zwischen 18.15 Uhr und 21.45 Uhr nur Finals geboten werden. Und er verschweigt auch nicht, daß Martin Seeber und er gewissermaßen „ Brüder im gleichen Geiste“ sind, was die Gestaltung einer Leichtathletikveranstaltung angeht und daß er Neuerungen des ISTAFs nach Möglichkeit auch auf die EM übertragen will.

Der Hausherr Stefan Unterlandstättner von der DKB betont seine Nähe zum ISTAF und sein großes Interesse an dieser Veranstaltung.

Robert Harting erzählt, daß er nun wieder die Leidenschaft des Wettkämpfers entdeckt hat (siehe mehr über ihn im „Treffs für Leichtathleten“ auf dieser Homepage).

Bei Christina Schwanitz wird noch einmal ihr grandioses Jahr 2015 mit dem Weltmeistertitel in Peking hervorgehoben. Und um sich die Dimension ihrer Bestweite von 20,77 m zu verdeutlichen, haben die Veranstalter im Raum der PK dicht vor dem Podium einen hölzernen Kugelstoßring aufgebaut, und ganz weit entfernt, kurz vor der nach außen führenden Treppe, auf der Erde die 20,77 m markiert.

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Manchmal braucht es solche einfachen Mittel, um sich Dimensionen deutlich zu machen. Ähnlich ist es ja, wenn man sich beim Hochsprung die 2,30 m an der Wohnungstür markiert oder in seinem Wohnraum die 8,00 m eines Weitspringers abschreitet (wenn das Zimmer das überhaupt zuläßt).

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Christina Schwanitz, die wie immer mit ihrer fröhlichen Präsenz überzeugt, verweist darauf, daß dieses Jahr 2016 nicht gerade reibungslos für sie verlief. Kurz nach dem Jahreswechsel verletzte sie sich, mußte dann 14 Wochen mit dem Training aussetzen und Wettkämpfe waren nicht möglich. Nun aber trainiert sie seit sieben Wochen wieder und es geht aufwärts. „ Aber Geduld ist nicht meine Stärke.“ Doch, und das äußert sie später mir gegenüber: „ Es ist positiv, daß ich dank 2015 weiß, wie es geht. Und Kugelstoßen ist wie Fahrrad fahren. Man verlernt es nicht.“ Und daß sie es nicht verlernt hat, bewies sie zwei Tage später beim Saisonauftakt in Gotha mit einer Weite von 19,05 m.

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Zwischendurch und zum Abschluß dieses Teils der Pressekonferenz wird eifrig fotografiert.

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Eberhard Thonfeld (Potsdam).

 

Es folgen die schon erwähnten Einzelgespräche.

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Und dann verabschiedet man sich langsam, darf vor dem Haus noch eine der Berliner Köstlichkeiten, die Currywurst mit Pommes Frites oder mit Brötchen genießen. Ich lasse in der Schlange (wie in früheren DDR-Zeiten, wir sind ja auch auf ehemaligem DDR-Gebiet) meinen Journalistenkollegen Ralf Jarkowski vor, weil er im Zeitstreß ist. Fünf Minuten gewinnt er vielleicht, aber das hilft ihm, denn 14.59 Uhr geht seine dpa-Meldung über die PK in die Welt hinaus.

Ich  nehme mir noch die Zeit, mich am Stehtisch mit einer Professorin aus München zu unterhalten, und darüber zu sinieren, wie normal es heute ist, wegen des Berufes die Wohnorte zu wechseln (sie hat das schon einige Male praktiziert). Sie, die im Bereich Bildung tätig ist, hebt hervor, daß heutzutage Jugendliche in der 11. oder 12. Klasse schon Praktikumswochen oder Monate im Ausland verbringen. Für Erwachsene ist es selbstverständlich, wegen des Berufes oder aus privaten Gründen rund um den Erdball reisen.

Ich aber, der ich 1980 oder 1985 oft in dieser Straße weilte, hatte damals nicht im Traum an ein solches „Wunder“ geglaubt. Zu unüberwindlich schien damals die Mauer.

Und da kann ich auch wieder den Bogen zum 75. ISTAF am 3. September schlagen. Denn dann ist es völlig normal, daß die Athleten aus aller Welt, aus Ost und West, aus Süd und Nord, nach Berlin einfliegen werden.

Peter Grau

Robert Harting: Die Leidenschaft des Wettkämpfers ist wieder da

 

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Diskuswerfer Robert Harting ist auf Pressekonferenzen, die sich um die Leichtathletik drehen, stets ein gern gesehener Gast. Besonders auch in Berlin, seiner Heimatstadt, dort, wo er das Olympiastadion lange Zeit als sein Wohnzimmer bezeichnete. In diesem Jahr soll es das wieder werden, bei der 75. Auflage des Internationalen Stadionfestes (ISTAF). Und wie um das zu beweisen, prangt sein Konterfei auf dem Werbeplakat.

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Im Sommerlook, mit T-Shirt und Shorts, kommt Robert Harting lächelnd die Eingangstreppe des DKB-Gebäudes in der Berliner Taubenstraße empor, als Gast der Eröffnungspressekonferenz für das 75. ISTAF. Er begrüßt jeden freundlich, den er sieht und erkennt, und nimmt sich erstmal am Büffet eine Erfrischung. Er sieht entspannt aus, läßt Sorgen und Ängste nicht erkennen, die ihm nach eigener Aussage gegenwärtig ob seines langen Fernabseins von den Wurfringen wegen seines Kreuzbandrisses plagen.

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Vorn auf dem Podium, neben ISTAF-Direktor Martin Seeber, der Weltmeisterin im Kugelstoßen von 2015, Christina Schwanitz, dem Vorsitzenden des Vorstands der Deutschen Kreditbank (DKB) Stefan Unterlandstättner und dem EM 2018-Chef Frank Kowalski (von links) läßt er sich dann in den Sessel fallen.

Geduldig gibt er Antworten auf die Fragen des neuen Head of Communications, Sven Ibald . ( Früher sagte man mal Pressechef, aber das ist heutzutage zu kurz gefaßt).

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Gern hat Robert Harting zuvor die Mitteilung von ISTAF-Chef Martin Seeber zur Kenntnis genommen, daß nun auf seinen Wunsch hin der Diskusring auf die andere Seite des Stadions verlagert wird, um den eventuellen Gegenwind für gute Weiten besser nutzen zu können. „ Da könnte dann der Stadionrekord von Lars Riedel (70,60 m) wohl ins Wanken geraten.“

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Ob Robert Harting diesen Rekord angreifen kann, läßt er offen. Zwar ist er nunmehr froh, wieder im Ring zu stehen. Den ersten Erfolg konnte er im Frühjahr beim ISTAF-Indoor einfahren, und man sieht ihm beim Einspiel eines kleinen Film von damals an, wie ihn das motiviert.

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Martin Seeber und Robert Harting

 

Seit dem Wettkampf am 5. Juni 2016 in Birmingham hat er nun die Olympianorm in der Tasche. Wohl wissend, daß das kein Freifahrtschein im Rennen nach Rio ist. Er räumt ein, daß es ein ungewohnter Zustand ist, in der gegenwärtigen Bestenliste nur auf Rang 5 zu rangieren. „ Aber jetzt ist die Konkurrenzsituation da, die ich mir immer gewünscht habe. Ich sehe da zwar eine Bedrohung, begreife das aber als Herausforderung. Zwar fehlen mir noch rund 60 bis 70 Prozent an Automatismen, die einfach für weite Würfe notwendig sind. Aber ich spüre wieder die Leidenschaft des Wettkämpfers.“

Diese Leidenschaft will er schon am Samstag (11. Juni) beim Meeting im niederländischen Leiden aufleben lassen. Aber unabhängig davon, bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel will er im Finale am 19. Juni möglichst ganz vorn landen, denn „ Meistertitel plus Olympianorm“ garantieren den Flug nach Rio.

Und auf dem Podium der Pressekonferenz hört man ihm wie immer gern zu, wenn er ins Philosophieren kommt, wenn er Einblicke in die Geheimnisse des Diskuswurfs gewährt.

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Die „Journalistenmeute“ aber gibt noch lange keine Ruhe. Ist einer wie Robert Harting da, dann hat er gefälligst auch viel zu erzählen, viel zu antworten. Ein bißchen egoistisch sind wir Journalisten dann alle. Ob er vielleicht jetzt lieber gehen würden, etwas zur Ruhe kommen, bzw. wieder ins nächste Training einsteigen möchte, das interessiert weniger.

Robert Harting ist zu bewundern, wie er so etwas bewältigt. Souverän ist er allemal. Als ihm noch auf dem Podium eine Frage zu Doping und zur russischen Leichtathletik gestellt wird, blockt er das geschickt ab und verweist auf ein mögliches Zwiegespräch nachher. Nicht daß er nichts sagen will, aber er weiß, daß es heute um das ISTAF geht, und das zunächst im Vordergrund steht.   Aber dann holt ihn die große Sportpolitik wieder ein. Ob er gestern den ARD-Film von Hajo Seppelt über die russische Leichtathletik gesehen habe und was er dazu sage, wird er gefragt: „ Nein , habe ich nicht gesehen, was kam denn darin vor?“ Köstlich, diese Gegenfrage. Er darf das. Als endlich, so denkt man als Außenstehender, das Frage – und Antwortspiel vorbei ist, sieht man Robert Harting an, daß zu diesem Zeitpunkt mittags gegen 13 Uhr sein Akku langsam leer wird. Aber „nein“ sagen ist eben nicht sein Ding. Meinem Potsdamer Kollegen Peter Stein gewährt er noch ein Vieraugengespräch.

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Peter Stein im Gespräch mit Robert Harting

 

Dann aber ist es geschafft. Als ich ihn, -es klingt vielleicht etwas altväterlich, aber ich darf das -, rate, in der nächsten Zeit nicht mehr allen Interviewwünschen nachzugeben, denn das würde auch solch eine starke Persönlichkeit wie ihn überfordern, zumal seine Hauptaufgabe gegenwärtig ja im Wurfring und dort im „Weitwerfen“ liege, schaut er mich dankbar an und meint: „ Das ist der richtige Rat. Ich habe es auch schon probiert, habe einfach mein Handy ausgelassen und nicht so oft ins Internet geschaut. Nur so geht es.“

Es möge für Robert Harting die Ruhe vor dem Sturm sein. Wohin „ der Sturm“ seine Diskusscheiben wehen wird, zeigt sich bald. Ob in Kassel, Amsterdam oder Rio, alles ist möglich.

Peter Grau

Die Speere fliegen – Matthias de Zordo ist wieder dabei

Die deutschen Speerwerfer lassen ihre Speere in diesem Jahr bisher sehr weit fliegen. Allen voran Thomas Röhler (LC Jena), der gegenwärtig (Stand 8. Juni 2016) die deutsche Jahresbestenliste mit 87,91 m anführt. Gefolgt wird er von Lars Hamann (Dresdner SC 1898 / 85,67 m) und Johannes Vetter (LG Offenburg / 84,38 m). Alle drei Athleten haben die für Olympia geforderte Norm von 83,00 m gepackt. Dahinter gruppieren sich Julian Weber (USC Mainz / 82,69 m) und Andreas Hofmann (MTG Mannheim /82,47 m) ein. Bernard Seifert (SC Potsdam) hat bisher 79,34 m geworfen und, – um ihn geht es in dieser Geschichte -, Matthias de Zordo hatte nach den 3 ungültigen Versuchen von Dessau nun am 4. Juni in Jena das erste kleine Erfolgserlebnis von 76,89 m.  Nicht weit eben und beileibe zu wenig im Kampf mit den anderen, aber eben ein Hoffnungsschimmer.

Am 27. Mai in Dessau, als noch vieles schief lief, sprach Michael Reinsch hinterher mit ihm. Lesen Sie Auszüge aus seinem Beitrag vom 4. Juni 2016 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ):

Matthias de Zordo: Der Speerwerfer mit Killer-Instinkt

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Speerwerfer Matthias de Zordo ist wieder da, und er ist besser denn je. Nun gut, nach drei Fehlversuchen im ersten Wettkampf seit drei Jahren Verletzungspause war in Dessau erst einmal Schluss für den einstigen Weltmeister. Aber das lag nicht daran, dass er schlecht gewesen wäre. „Ich bin um einiges schneller angelaufen als im Training“, erzählt er, „die Beine sind besser gelaufen als erwartet.“ Und dann war er auch schon übergetreten. De Zordo verlängerte den Anlauf. „Im zweiten Versuch war ich noch schneller als im ersten.“ Wieder übergetreten, wieder ungültig. Aber der Speer flog, und er flog über die 75-Meter-Markierung hinaus. Auch der dritte Anlauf war so schnell, dass de Zordo sich nach dem Stemmschritt nicht zurückhalten konnte. Damit war der Wettkampf beim Anhalt-Meeting am 27. Mai 2016 in Dessau für ihn auch schon zu Ende.

Matthias de Zordo ist ein Beispiel dafür, dass jemand tatsächlich 110, 120 Prozent leisten kann.

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Matthias de Zordo 2010 bei der DM in Braunschweig (Foto: Dirk Gantenberg)

Als er 2010 aus heiterem Himmel Zweiter der Europameisterschaft von Barcelona wurde, als er bei der Weltmeisterschaft von Daegu im Jahr darauf überraschend auch noch den Titel holte, da erzählten Trainer und Mannschaftskameraden immer wieder, dass de Zordo nicht die besten Kraftwerte habe, nicht die besten Trainingsleistungen bringe, aber über einen Killer-Instinkt verfüge. „Das ist mal Neuland“, sagte der inzwischen 28 Jahre alte Athlet in Dessau, „dass ich im Training besser bin als im Wettkampf.“

Von einem Killer hat de Zordo so gar nichts, wie er in Dessau aus dem Stadion zur Wurstbude schlurft, wie er hier angeregt plaudert und dort freundlich schwätzt. Ganz offensichtlich genießt er es, wieder Athlet unter Athleten zu sein. In den vergangenen drei Jahren war de Zordo vor allem Patient und Rekonvaleszent gewesen. Bei den Olympischen Spielen von London 2012, wegen einer langwierigen Verletzung ohne Qualifikation nominiert, erreichte der Weltmeister nicht einmal das Finale; alle drei schlechten Versuche machte er ungeschehen, indem er absichtlich übertrat.

Nach Achillessehnenriss zwei Jahre Rehabilitation

Als er im Mai 2013 bei den Werfertagen von Halle an der Saale die neue Saison begann, ging ihm der Speer wieder nicht so leicht von der Hand, wie er das erwartet hatte. Er quälte sich mehr schlecht als recht durch den Wettkampf, und als er beim fünften Versuch den Speer mit Gewalt in eine Flugkurve zwang, riss ihm beim Stemmschritt mit dem rechten Bein die Achillessehne. Wer dabei war, wird den Schrei des verwundeten Athleten nie vergessen. De Zordo rettete sich in einen Purzelbaum, dann blieb er liegen. Zwei Jahre dauerten Rehabilitation und Aufbau – dann klemmte er sich im Ellbogen seines Wurfarms, des linken, einen Nerv ein, der sich auch noch entzündete. Das nächste Jahr ging verloren.

Nun also ist der Champion von gestern zurück, und er hat keine Eile, sich und der Welt zu beweisen, dass er immer noch ein überragender Athlet ist. Mit 28 Jahren ist de Zordo jung genug für mindestens noch einen olympischen Zyklus. Für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro ist er in dem Moment qualifiziert, in dem sein Speer 83 Meter weit fliegt. (d.h. nur dann, wenn er sich gegen starke deutsche Konkurrenz durchsetzt. P.Gr.)

Das ist ein großer Wunsch und auch erhofft, dass ich mitfahre nach Rio“, sagt de Zordo. „Aber mein Ziel ist es, mir nicht groß Druck zu machen. Ich will Anschluss finden, ich will ein positives Jahr haben, auf das ich aufbauen kann.“ Nicht Olympia ad hoc zählt, sondern die Perspektive.

Das ist der de Zordo, der seinen Sport ausübt wie eine Kunst. „Für mich ist Speerwurf ein Gefühl“, sagt er. „Ich muss die Bewegung spüren, den Speer, den Anlauf, wie ich vorn reingehe – und vor allem, wie die Spannung über die Brust kommt.“ In seinen Würfen wirkt ein unerklärliches, ein unkalkulierbares Element. Der Werfer wächst hinaus über den Sportler, der Tag für Tag Speerwurf trainiert. Sobald der Speer die Hand verlässt, weiß de Zordo, ob dies ein guter Wurf ist oder nicht. Die Weite ist die Bestätigung dessen, was er längst weiß.

Die Verletzung ereilte de Zordo just, als er aus dem Saarland nach Magdeburg umgezogen war und die Arbeit mit einem neuen Trainer begonnen hatte, Ralf Wollbrück. Drei Jahre lang haben sie daran gearbeitet, die Form von 2010 und 2011 wieder zu erreichen und vor allem Vertrauen in die Achillessehne zurückzugewinnen. Ständig habe er in den Körper hinein gehorcht, erzählt de Zordo, habe sich gefragt: Ziept es hier, ist dort alles in Ordung? „Ich kann normal sprinten, normal springen, normal stemmen“, sagt er nun. „Es ist schön zu wissen: Der Kopf ist frei.“

„Das Glück kommt, wenn ich mal eine Weite stehen habe“

88,36 Meter weit warf de Zordo 2011, in dem Jahr, in dem er Weltmeister wurde. Noch ist er mehr als zehn Meter von dieser Bestleistung entfernt. Thomas Röhler, sein thüringischer Konkurrent, hat es in der jungen Saison schon auf 87,91 Meter gebracht; im vergangenen Jahr gewann der Kenianer Julius Yego die Weltmeisterschaft mit 92,72 Metern. „Ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dass ich am Limit bin“, sagt de Zordo. Ist es ein Glück, wieder werfen zu können? Da wird aus dem Genießer des Augenblicks ein rationaler Athlet. „Das Glück kommt“, sagt er, „wenn ich mal eine Weite stehen habe und nicht drei ungültige Versuche.“

Michael Reinsch, FAZ-Korrespondent für Sport in Berlin

(aus Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4. Juni 2016)

 

Mark Frank: Früher Speerwerfer – heute Trainer

Mark Frank Porträtfoto

Äußerlich verändert hat sich Mark Frank, der Ex-Speerwerfer aus Rostock, nur wenig. Deshalb erkannte ich ihn sofort,  als ich mich am 21. Mai 2016 bei den Halleschen Werfertagen durch die Zuschauermassen zwischen Werferhaus und Kugelstoßanlage kämpfte.

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Bei solchen eher zufälligen Begegnungen ist es für mich immer angenehm, wenn sich beide Seiten erkennen. Das zeigt einesteils, daß man sich selbst nicht völlig verändert hat. Andererseits beweist es, daß man früher Vertrauen aufgebaut hat. Da ich nicht zu den „investigativen“ Journalisten ( von lateinisch investigare aufspüren, genauestens untersuchen)  gehöre und auch nicht gehören wollte, und die Sportler immer als Partner betrachtet habe, war mir solch eine menschliche Beziehung immer wichtig.

Mark Frank in Halle

Ein beiderseitiges Lächeln signalisierte nicht nur das Erkennen, sondern auch die Bereitschaft, miteinander zu sprechen. Und das ließ sich am besten in der kühlen Wurfhalle bewerkstelligen, abseits des aktuellen Treibens auf den Wettkampfanlagen.

Dreimal WM- dreimal Achter

Ein wenig schauten wir zunächst  auf die aktive Zeit des gebürtigen Neustrelitzers zurück, der für den 1. LAV Rostock startete und seit 1997 von Ralf Skopnik trainiert wurde. Im Jahr 2005 landete er  mit einem Europacupsieg seinen ersten internationalen Erfolg. Mark Frank qualifizierte sich damit für die Weltmeisterschaften in Helsinki, wo er Achter wurde. Danach er stellte er am 4. September beim ISTAF in Berlin mit 84,88 m seine persönliche Bestleistung auf.

Doch seine Hoffnung, daß es nun so weitergehen könnte, erfüllte sich nicht. 2006 zog er sich beim Fußballspiel eine Fußverletzung zu. „ Leider habe ich mich grundsätzlich beim Fußballspielen verletzt.  Das hat aber nicht mit meinen Fähigkeiten am Ball zu tun. Und die Lösung kann nicht sein, nicht zu spielen. Dafür mache ich es zu gerne und es lockert das Training etwas auf, ist  eine gute Möglichkeit der Erwärmung. Ich habe wie viele andere Jungen mit dem Fußball angefangen. Mit 9 Jahren bin ich zur Leichtathletik gekommen, habe dann beides sechs Jahre parallel betrieben. Ich wollte mich dann von der Leichtathletik lösen, aber mein damaliger Trainer in Neustrelitz, Bruno Beutler, hat mich überzeugt, doch Leichtathlet zu bleiben und das war auch sicher richtig.“  Soweit der Rückblick.

Nichts kaputt, aber trotzdem Schmerz

Jedenfalls behinderte ihn diese Verletzung 2006 länger als erwartet.  „Es wäre nicht eine solch langwierige Geschichte geworden, wenn man es richtig behandelt hätte,“ erinnert er sich. „Wenn ich den Fuß gebrochen hätte, wäre es sicher einfacher gewesen. So aber war nichts kaputt und der Schmerz trotzdem da. Deshalb habe ich mich im April 2006 in Wahrendorf einer Intensivtherapie unterzogen, aber dort hat man mir bereits gesagt, daß es eigentlich schon zu spät sei, um noch einen vernünftige Saison abzuliefern. Und so war es dann auch. Danach habe ich nochmals eine Therapie gemacht, und intensiv mit meiner Physiotherapeutin gearbeitet. Letztendlich haben wir es hinbekommen. Ich konnte wieder im Sprint-Sprungbereich trainieren, hatte aber nun technische Defizite.“

Mühevoll war es, aus dem Tief herauszukommen, zumal, wenn man beobachtete, wie andere den Speer fliegen ließen. „ Ich habe beispielsweise nach dem Meeting in Dessau lange mit dem Letten Vadims Vasilevskis zusammengesessen und Erfahrungen ausgetauscht. Der Lette war bei einem leicht übergetretenen Wurf auf 94 m gekommen.  „In den  Zubringerleistungen waren wir auf einer Ebene. Aber ins Staunen kam ich, als er uns erzählte, daß er im Training beispielsweise mit Anlauf durch die Lichtschranke rennt und dann 20 m mit Einbeinsprüngen überwindet. Und das in 2,7 Sekunden“.

In Deutschland, so sagte mir Mark Frank damals, wird noch zuviel Wert auf Maximalkrafttraining gelegt, obwohl das von der internationalen Konkurrenz  widerlegt wird. Die Weltspitze, ob nun Thorkildsen, Pitkämäki, Vasilevskis oder Makarow, ist athletisch geprägt und besitzt ein sehr gutes Technikbild. „Wenn ich mir aber das Technikbild in Deutschland ansehe,“ so Mark Frank, „ dann haben wir alle das gleiche Problem. Wir überlaufen mehr oder weniger das Stemmbein und verlassen uns auf unseren schnellen Arm. Wir sind nicht langsamer oder schwächer auf dem Arm, aber wir kommen nie in eine solche Abwurfposition, daß wir wirklich diese Katapultwirkung erzielen, daß unsere Hüfte richtig gegen das linke Bein arbeitet,  daß dann die Schulter sich richtig aufdreht und dann explodieren kann.“  Das klingt alles sehr speziell und es stammt auch aus dem Jahr 2006, aber es zeigte vor allem, daß sich Mark Frank schon damals mehr als üblich mit den Geheimnissen des Speerwurfes befaßte. Irgendwie blitzte da schon durch, daß er einmal Trainer werden könnte.

Doch bis dahin gingen noch einige Jahre ins Land, die leider auch durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Verletzungen geprägt waren. Das allein würde den Rahmen dieser Geschichte sprengen.

Mark Frank mit Speer

Jedenfalls kam er erst 2009 wieder so richtig in Schwung und holte sich seinen ersten Deutschen Meistertitel. Mit großen Erwartungen fuhr er zur Heim-WM ins Berliner Olympiastadion. Doch erneut wurde es nur ein achter Platz. „ Beim Einwerfen war noch alles okay“, ist im WM-Buch des DLV nachzulesen. „ Aber dann habe ich die Beinarbeit eingestellt. Sicher habe ich auch übersteuert, nur aus den Armen werfen geht eben nicht.

Aber er ließ sich nicht unterkriegen, versuchte auch 2011 bei der WM in Daegu nochmals, eine internationale Medaille zu erhaschen. Doch wieder wurde es nur der achte Platz. Und der Gedanke wurde immer stärker, daß es irgendwann mit dem aktiven Werfen Schluß sein werde.

Abschluß und Neuanfang

Und somit bekomme ich wieder die Brücke zu unserem aktuellen Gespräch in der Werferhalle. „ 2012 war ich nochmals bei Deutschen Meisterschaften dabei, dann aber war Feierabend.“ Warum nun doch? „ Wegen Alterserscheinungen“, bemerkt er leicht sarkastisch. „ Vor allem war es nun bei mir die Schulter. Ich habe sie im Spätsommer 2012 nochmals operieren lassen, in der Hoffnung, 2013 nochmals starten zu können. Aber diese Hoffnung hat sich dann leider zerschlagen. Es hat mit der Schulter nicht mehr so funktioniert, wie es früher war. Und das mußte ich einsehen.“

Aber in ein mentales Loch fiel er nicht. „  Für mich war seit längerem klar, daß ich den Trainerberuf ergreifen wollte. In meinem Verein hatte ich bereits Jugendliche betreut. Ich habe  2010  mit der Trainerausbildung begonnen.“ Über die B-Ausbildung ging die „Reise“ zur A-Lizenz und dann darauf aufbauend zur Diplomtrainer-Ausbildung in Köln (Trainerakademie). „ Die habe ich abgeschlossen und kann mich also Diplomtrainer nennen.“

Gegenwärtig hat er eine kleine Trainingsgruppe, betreut zwei 16-Jährige. Aber das ist natürlich nicht alles. „ Ich bin in der glücklichen Lage, über die Traineroffensive bei der Bundeswehr gefördert zu werden, – ich war ja Sportsoldat bei der Bundeswehr in der Sportfördergruppe-. Im offiziellen Deutsch bin ich also Bundeswehrtrainer.“

Gekoppelt ist diese Stelle in der Außenstelle Rostock an das Bundesleistungszentrum Neubrandenburg. In Neubrandenburg werden Kugel und Diskus betreut, in Rostock die Speerwerfer. „ Natürlich umfaßt mein Aufgabengebiet die Sichtung junger Athleten im norddeutschen Raum. Fakt ist, daß  in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen zu wenig Trainer für den Speerwurf tätig sind. Entsprechend liegt dort auch die Talentsichtung ein wenig brach. Das soll also meine Hauptaufgabe sein. Hinzu kommt die Unterstützung der Bundestrainer für die Männer und die U20.“ Klar, daß eine solche Tätigkeit mit vielen Reisen verbunden ist. Um so mehr genießt der zweifache Familienvater Mark Frank ab und zu auch die Ruhe zuhause.  „ Wir, meine Frau und ich“, haben uns 2004 ein Haus in Groß Grenz gebaut, zwanzig Kilometer von Rostock entfernt. Und wir leben dort mit unseren Söhnen Eric und Jannik.“

Mark Frank mit Familie von Dirk Behm

Die glücklichen Vier  ( Foto:  Dirk Behm)

Viel reist der 38-Jährige herum, und so bleibt nur noch wenig Zeit für sein Hobby Angeln. „ Von Jugend  an habe ich gern geangelt, und ich habe auf diesem Gebiet auch noch einen Traum. Einmal möchte ich gemeinsam mit meinem ältesten Sohn in Nord-Norwegen angeln“.

Der Angelsport hat also Pause, aber ganz ohne Sport kommt Mark Frank nicht aus. „ Zweimal pro Woche gehe ich in den Kraftraum. Und wenn ich das nicht regelmäßig tue, wundere ich mich, daß Körperteile schmerzen, von denen ich vorher nichts wußte. Ab und an ist es der Rücken, und die Schultern sind sowieso vorbelastet.“   Und äußerlich sieht er fit wie immer aus. Das Lächeln hat er ebenfalls noch nicht verloren.  Auch nicht an diesem Samstag bei den Halleschen Werfertagen 2016.

Peter Grau