War es zu Ostern noch recht kühl, stiegen danach die Temperaturen ständig nach oben. So machten dann unsere Spaziergänge in Neuruppin und Altruppin mehr Spaß.
Tagebuch
Vor dem Berliner Halbmarathon – Pressekonferenz mit Homiyu, Philipp und Gesa
Mit rund 36.000 Teilnehmern hat dieser Berliner Halbmarathon ungeahnte Dimensionen erreicht. Zwar ist er, gemessen am großen Bruder Berlin-Marathon, in der Öffentlichkeit nicht ganz so bekannt, aber trotzdem hängt mein Herz auch an dieser Laufveranstaltung. Nicht nur deshalb, weil ich selbst 2003 daran teilnahm, sondern auch, weil ich viele Jahre diesen Lauf journalistisch begleitete. Und gerade in diesen Tagen, am 4. April, wurde ich durch Carsten Eich auf seiner Facebook-Seite daran erinnert, daß er 1993 vor nunmehr 25 Jahren in diesem Wettbewerb den noch heute bestehenden deutschen Rekord von 60:34 min aufgestellt hat. Darüber ich damals für die Zeitschrift Leichtathletik geschrieben:
Wer sind seine möglichen Nachfolger? Zuallererst fällt mir da Homiyu Tesfaye ein, der gebürtige Äthiopier und seit vielen Jahren Deutscher. Eigentlich Mittelstreckler, fühlt er sich auch auf den längeren Distanzen zuhause, lief vor einem Monat in Den Haag im Halbmarathon 61:20 Minuten.
Und wie es der Zufall will, läuft er mir an diesem Freitag ( 6. April ) wenige Minuten vor der Pressekonferenz zum Berliner Halbmarathon im Hotel Intercontinenal „vor die Füße“. Aus etwas fünf Metern lächelt er mir zu – er ist meistens so freundlich -, und ich merke, daß er mich wiedererkennt, obwohl wir uns doch länger nicht gesehen haben. Schnell ein Foto „geschossen“, ohne Blitzlicht und leicht verwaschen, aber nachher werden die Fotos besser.
Für mich sind solche Pressekonferenzen immer auch deshalb interessant, um „alte“ Kollegen wiederzutreffen und uns gemeinsam zu freuen: Hurra, wir leben noch! Diesmal sind es die beiden Mildes, Vater Horst und Sohn Mark, Thomas Steffens, Jörg Wenig, Philip Häfner und Wolfgang Weising. Mehr sind es nicht, leider. Aber so ist der Gang der Zeit.
Zuspruch findet die Pressekonferenz im Raum Schöneberg trotzdem und unterhaltsam wird sie wie immer, auch wenn ich leider nicht jedes Wort verstehe. Zum einen „flüstern“ die Akteure vorn oft nur – eine positive Ausnahme ist Mark Milde -, und zum anderen läßt mein Hörvermögen doch nach.
Urs Weber (links), dessen Beiträge ich aus verschiedenen Laufzeitschriften kenne, moderiert, spricht mit Jürgen Lock vom SCC Events GmbH über die allgemeinen Themen des kommenden Laufes.
Einiges zu sagen hat auch der Sportliche Leiter Mark Milde:
Ich aber bin nun damit beschäftigt, die einzelnen Läufer abzulichten:
Homiyu Tesfaye:
Philipp Pflieger:
Gesa Felicitas Krause:
Und dann nochmals alles zusammen und in Grüppchen:
Es folgt ein kurzer Plausch mit Thomas Steffens (links), der nebenher mit der Pressemitteilung beschäftigt ist und sich mit Jürgen Lock austauscht:
Einige Stunden später lese ich im Internet die folgende Pressemitteilung des SCC Events GmbH:
Berliner Halbmarathon am Sonntag: Homiyu Tesfaye plant Rekordjagd, Gesa Krause für Überraschung gut
06.04.2018
Top-Athleten des Berliner Halbmarathons: Melat Kejata, Philipp Pflieger, Richard Mengich, Homiyu Tesfaye, Gesa Felicitas Krause (von links)
Deutsche Läufer haben beim hochklassigsten und größten nationalen Halbmarathon am Sonntag deutlich bessere Chancen, als das zuletzt der Fall war. Während Läufer aus Kenia und Äthiopien einmal mehr als Favoriten beim 38. Berliner Halbmarathon an den Start gehen, sind vor allen Homiyu Tesfaye (Eintracht Frankfurt) und Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) für Überraschungen gut.
Bei den Männern kommen die Favoriten aus Kenia: Mit Gilbert Masai und Richard Mengich treffen dabei die Sieger der vergangenen beiden Jahre aufeinander. Masai geht als Titelverteidiger ins Rennen, sein kenianischer Landsmann Mengich gewann den Berliner Halbmarathon 2016. „Ich habe gut trainiert, nachdem mich im vergangenen Jahr ein Ermüdungsbruch im linken Bein zurückgeworfen hat. Am Sonntag will ich gewinnen“, sagte Richard Mengich. Ein kenianischer Newcomer gehört ebenfalls zu den Favoriten: Erick Kiptanui gewann sein Halbmarathon-Debüt in Lissabon im März in flotten 60:05 Minuten.
Auch Homiyu Tesfaye will vorne mitlaufen. „Richard Mengich wird es nicht leicht haben, wenn er gewinnen will“, sagte der aus Äthiopien stammende 1.500-m-Spezialist, der bereits vor einem Jahr beim Berliner Halbmarathon als Siebenter in 62:58 Minuten überrascht hatte. „Das war gar nicht so gut im letzten Jahr, dieses Mal bin ich besser vorbereitet“, sagte Homiyu Tesfaye, der sich im März in Den Haag auf starke 61:20 steigerte und nun am Sonntag in Berlin den deutschen Rekord ins Visier nimmt. „Mein Ziel ist es, diesen Rekord zu brechen.“ Die Bestmarke hatte der damalige Leipziger Carsten Eich beim Berliner Halbmarathon vor 25 Jahren aufgestellt. Er gewann 1993 das Rennen in 60:34 Minuten, was damals sogar ein Europarekord war. Mit Philipp Pflieger (LG Telis Finanz Regensburg) ist ein zweiter deutscher Topläufer am Start, der gut in das Wettkampfjahr 2018 gestartet ist. „Ich habe zuletzt gut trainieren können und will mich am Sonntag weiter steigern“, sagte der 30-Jährige.
Im Rennen der Frauen startet mit Kejeta Melat eine Läuferin, die vor kurzem sehr gute Form zeigte: Die Äthiopierin, die für Grün-Weiß Kassel startet und in Deutschland lebt, ist die einzige Läuferin im Feld, die eine Bestzeit von unter 70 Minuten aufweist (68:41). „Ich habe gut trainiert und hoffe, dass das Wetter gut ist“, sagte Melat. Einen zweiten Anlauf nimmt beim Berliner Halbmarathon Gesa Krause. Europas beste Hindernis-Läuferin hatte sich vor einem Jahr in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) schon einmal an den 21,0975 km versucht, kam dort jedoch nicht ins Ziel. „Ich freue mich, dass ich wieder in Berlin laufen kann – wenn auch auf einer ungewohnten Strecke. Deswegen ist es schwer, eine Zeitprognose abzugeben. Aber ich bin in Topform“, sagte Gesa Krause, die erst am Freitagmorgen aus einem Trainingslager in Südafrika direkt nach Berlin kam. Wenn die Hindernis-WM-Dritte von 2015 ihr Potenzial auch nur halbwegs auf den Halbmarathon übertragen kann, kann sie am Sonntag eine gute Rolle spielen.
Hilfreich ist für Gesa Krause, dass mit Katharina Heinig (Eintracht Frankfurt) eine Trainingspartnerin und Freundin im Rennen ist. Nachdem sie vor einem Jahr beim Berliner Halbmarathon ihre persönliche Bestzeit um 30 Sekunden verpasst hatte, will Heinig es dieses Mal besser machen. 72:55 Minuten war sie vor zwei Jahren in Barcelona gelaufen. In Berlin plant die 28-Jährige eine deutliche Steigerung.
Ausgewählte Topläufer mit Bestzeiten
Männer:
Gilbert Masai KEN 0:59:31
Richard Mengich KEN 0:59:35
Erick Kiptanui KEN 1:00:05
Noah Kigen KEN 1:00:25
Vincent Kipchumba KEN 1:00:32
Simon Tesfaye ERI 1:01:00
Homiyu Tesfaye GER 1:01:20
Zouhair Talbi MAR 1:02:00
Suttoali Khoarahlima LES 1:02:04
Evans Kurui KEN 1:02:08
Emmanuel Kiprono KEN 1:02:56
Birhanu Addisie ETH 1:03:20
Philipp Pflieger GER 1:03:44
Frederick Kipkosgei KEN Debüt
Frauen:
Kejeta Melat ETH 1:08:41
Maryanne Wangari KEN 1:10:13
Eunice Kioko KEN 1:10:31
Maja Neuenschwander SUI 1:10:46
Anne-Mari Hyryläinen FIN 1:11:10
Martina Strähl SUI 1:11:50
Neheng Khatala LES 1:12:46
Katharina Heinig GER 1:12:55
Gesa Felicitas Krause GER – – –
Und später sehe ich noch ein hörenwertes Interview, welche Urs Weber nach (oder vor) der Pressekonferenz mit den deutschen Hauptakteuren führte.
Ein Besuch im Schloß Rheinsberg
Kultur und Geburtstag ist für mich eine sehr gute Kombination. Und so hielt ich es auch an diesem 21. März 2018.
Ziel ist für uns die etwa 30 km nördlich von Neuruppin gelegene Gemeinde Rheinsberg. Der Hauptanziehungspunkt ist dort das Schloß.
Vorab lesen wir uns ein wenig kundig:
Das malerisch am Ufer des Grienericksees gelegene Schloß Rheinsberg war von 1736 bis 1740 die Kronprinzenresidenz des späteren preußischen Königs Friedrich des Großen. Friedrich Wilhelm I. erwarb den Landsitz für seinen ältesten Sohn im Jahr 1734 nach dessen Heirat mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff erweiterte das Gebäude zu einer Dreiflügelanlage und gestaltete die Innenräume im Stil des frühen Rokoko. Der Kronprinz schuf hier einen Musenhof, an dem er sich fernab von Berlin seinen philosophischen, literarischen und musischen Interessen widmen konnte.
Nach seinem Regierungsantritt schenkte Friedrich das Schloß seinem Bruder Heinrich. Der Prinz, ein Diplomat von europäischem Rang, führte die Tradition des Musenhofes ab 1752 glanzvoll fort. Der friderizianische Park wurde erweitert und zu einem der frühesten empfindsamen Landschaftsgärten Deutschlands umgestaltet.
Die Umbauten, die Heinrich über ein halbes Jahrhundert hinweg an seiner Residenz vornahm, fanden mit der Einrichtung der Paraderäume und der Sommerwohnung als frühklassizistische Raumkunstwerke einen krönenden Abschluß. Aus der Kronprinzenzeit Friedrichs hat sich unter anderem der prachtvolle Spiegelsaal erhalten:
Soweit einige geschichtliche Bezüge.
Die Sonne lacht
Für unseren Besuch haben wir Sonnenschein bestellt und Petrus erfüllt den Wunsch. Schnee und Sonnenschein bilden einen interessanten Kontrast:
Und noch bevor wir das Schloß erreichen, haben wir eine kurze Begegnung mit einem Eichhörnchen.
Dann aber spazieren wir weiter Richtung Schloß, schauen auf den Grienericksee:
Weil unsere Führung durch das Schloß erst um 12 Uhr beginnt, erkunden wir weiter das Umfeld:
Dann aber schließen wir uns 15 Leuten an und lassen uns die Schönheiten des Schlosses von der Fremdenführerin erläutern.
Zu schauen gibt es sehr viel. Hier nur ein kurzer Eindruck:
Nach einer Stunde verabschieden wir uns vom Schloß und fahren ins zwei Kilometer entfernte Hafendorf Rheinsberg. Dort im Hotel erwartet uns ein leckeres Mittagessen. Anschließend werfen wir noch einen Blick ins eigentliche Hafendorf:
Peter Grau
Das Wort zum Sonntag: Vielen Dank für alle Glückwünsche
Die Tage gehen ins Land, mein Geburtstag ist Vergangenheit.
Nachlesen kann ich auf Papier, wer an mich gedacht hat. Drei Briefe erreichten mich: Einer aus Berlin von meinem Lauffreund Jürgen, einer von meinem Neuruppiner Freund Günther und einer vom Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg, genauer von Jürgen Fischer, den ich sicherlich schon seit 40 Jahren kenne.
Die meisten Glückwünsche aber kamen über Facebook. Rund 190 Freunde dachten an mich. Einen Teil von ihnen kenne ich persönlich, aus meiner Journalisten-Zeit. Andere sind virtuelle Freunde, die ich bei Facebook gewonnen habe. Alle habe ich registriert, nur bei wenigen konnte ich mich bisher persönlich bedanken. Ich schaffe das zeitlich einfach nicht. Deshalb an dieser Stelle: Dank an alle, die an mich dachten. Ich denke auch an sie, wenn sie wieder Geburtstag haben. Und wenn ich nicht jedem Glückwünsche schicke, sei mir das verziehen. Inzwischen, im März 2018, sind es allein 2082 Freunde bei Facebook geworden. Eigentlich zuviel, um sich mit ihnen ständig zu „unterhalten“. Aber ich habe mich daran gewöhnt, will sie nicht mehr missen. Jeden Tag erfahre ich viel von ihnen, und manchmal darf ich auch solche Meldungen nutzen, um mit ihnen meine Homepage zu verschönern.
Vor allem Künstler und deren Werke habe ich in der letzten Zeit vorgestellt, sowohl auf meiner Homepage als auch auf meiner zweiten Facebook-Seite (Peter Grau, Journalist, Kunst-und Kulturseite).
Wie lange ich dafür die Kraft aufbringen werde, weiß ich nicht. Ganz damit aufhören will ich nicht, weil ich damit soviel Freude habe und neues Wissen erlange. Aber ich will in den nächsten Monaten mich vor allem auch mit meinem eigenen Leben befassen, mich an all das erinnern, was ich in nunmehr 78 Jahren erlebt habe. Und das soll dann in einem Buch münden. Zwar sehe ich jetzt schon das Problem, daß ein Buch wohl nicht reichen wird. Aber sammeln möchte ich erstmal den Stoff und dann kann ich entscheiden, was daraus wird. Mal sehen, wie ist in einem Jahr aussieht.
Man wird bei Geburtstagen oft gefragt, was man denn geschenkt bekommen habe. Hier ist ein Blick auf meinen Gabentisch:
Depeche Mode – Von Ostberlin bis Mexiko
Ich freue mich immer, wenn ich auf Facebook neue Entdeckungen machen kann. Und eine solche hat mir Marion Mergen beschert. Sie schrieb über ihre Erinnerungen an ein Depeche Mode-Konzert, was sie vor nunmehr dreißig Jahren am 7. März 1988 in Ostberlin in der Werner –Seelenbinder-Halle besucht hatte.
Marion Mergen (Mari März):
DER SOUND DER ANDEREN
Heute vor genau 30 Jahren war ich dabei, als Depeche Mode Geschichte schrieb. Ostdeutsche Geschichte. Zu einer Zeit, als niemand auch nur im Traum daran dachte, dass dieses Ungetüm aus Stahl und Beton eines Tages verschwinden würde. Ich war fünfzehn … damals … am 7. März 1988. Der Geburtstag der FDJ – der Freien Deutschen Jugend. Ein bitterer Witz, der mir zu dieser Zeit so langsam bewusst wurde. FREI. Dieses Attribut gab es hinter der Mauer nicht. Jedenfalls nicht für mich in Ost-Berlin. Schon gar nicht mitten in der Pubertät – als Freigeist und Outlaw zwischen all den Söhnen und Töchtern der Staatssicherheit. In meiner Schule, die nicht umsonst den Namen des Begründers dieser paranoiden und menschenverachtenden Organisation trug. Felix Dzierzynski. Etwas Gutes hatte dieser Umstand allerdings. Ich war mit meiner Freundin Romana die Einzige in unserer Klasse, die überhaupt englische Musik hörte und mit diesem SOUND DER ANDEREN etwas anfangen konnte. Ich weiß heute ehrlich gesagt nicht mehr, wie wir es geschafft haben, legal an diese Karte zu kommen, für die zahllose DM-Fans in der DDR mehrere Monatsgehälter und sogar ganze Motorräder auf dem Schwarzmarkt bezahlten oder aber zu Hunderten vor der Werner-Seelenbinder-Halle in Berlin/Prenzlauer Berg in dieser unglaublichen Märznacht umsonst warteten.
Wir hatten damals kein Telefon, kein Internet, im DDR-Fernsehen wurde darüber nicht berichtet, auf der Eintrittskarte stand nicht mal der Name der Band … und trotzdem wussten meine Freundin und ich, dass diese „goldene“ Eintrittskarte mehr wert war als alles Geld der Welt. Depeche Mode machte übrigens 100.000,00 DM Verlust an jenem Abend … und doch spielten sie. Für uns! Die Atmosphäre am Einlass war mit nichts zu vergleichen. Ich habe sie sehr still und bedrückend in Erinnerung. Angst ging um. Die einen (wie wir) fürchteten, dass uns jemand die Karte wegnehmen könne. Ich hatte meine im Stiefel versteckt. Und die anderen (so viele) konnten die bittere Wahrheit kaum ertragen, dass sie ohne Karte das einzigartige Konzert ihrer Idole nur von draußen erleben durften. Viele weinten an diesem Abend. Heulten sich die Seele aus dem Leib. Ich auch. Obwohl ich zu den Glücklichen gehörte, die Dave Gahan, Martin Gore, Andrew Fletcher und (damals noch) Alan Wilder live erleben durften, flennte ich die ganze Zeit … als ein Traum Realität wurde, wir die Unfreiheit für einen unvergesslichen Moment vergaßen, als unsere Idole von den heimlich geschmuggelten BRAVO-Postern stiegen und wir uns fühlen durften wie ganz normale Teenager jenseits der Mauer. Ein Jahresvorrat an Tränen ging an diesem Abend drauf. Nicht nur bei mir…“
Soweit der authentische Bericht von Marion Mergen. Und ich muß gestehen: Schon beim Lesen dieses Berichtes flossen bei mir die Tränen, obwohl ich kein Depeche Mode-Fan war (allerdings gefällt mir deren Musik heutzutage). Aber solche Tränen sind leicht erklärbar. All das, was wir damals in der DDR erlebten, blieb bis heute in unserem Gedächtnis. Und vor allem auch das, was wir damals nicht erleben durften. Eben, weil wir eingemauert waren.
Die Erinnerungen verblassen
Dreißig Jahre sind eine sehr lange Zeit. Manches verblaßt. Doch erinnern konnte ich mich zumindest, daß Ulrike, eine meiner Töchter, damals auch Depeche Mode-Fan gewesen ist. Sie war etwa im Alter von Marion Mergen, wir lebten ebenfalls in Ostberlin. Ulrike, die nun seit vielen Jahren in Mexiko-Stadt lebt schrieb mir dazu jetzt:
„Ich habe dunkel in Erinnerung, daß damals in unserer Schulklasse 2 Tickets verteilt wurden. Mit Sicherheit weiß ich, daß wir alle für René gestimmt haben, weil er der Mega-Fan von Depeche Mode war. Ich denke fast, daß ich ebenfalls eine Eintrittskarte hatte, auf der allerdings nicht mal der Name der Band stand. Also hatte ich vielleicht das zweite Ticket. Oder ich habe damals soviel darüber gelesen, daß ich denke, daß ich dabei war“. Meine zweite Tochter Petra allerdings ist der Meinung, daß ihre Schwester nicht live dabei war. Gleich, wie es war. Dieses Konzert hat Ulrike damals sehr bewegt.
Doch nun kommt der Knalleffekt. Drei Tage, nachdem ich die Geschichte von Marion Mergen gelesen hatte, bekam ich folgende Fotos aus Mexiko zugeschickt:
Depeche Mode tourt gerade in Amerika, und Ulrike hatte kurzfristig mit ihrer Kollegin Valentina (rechts) Tickets für ein Konzert der nunmehr dreiköpfigen Band in einem Baseball-Stadion von Mexiko-Stadt erstehen können. Sie konnte ihr Glück kaum fassen.
Peter Grau
Über das Konzert von Depeche Mode 1988 in Ostberlin kann man auch im Folgenden nachlesen
http://www.spiegel.de/einestages/depeche-mode-in-der-ddr-a-946720.html.
Und über Marion Mergen, die ja der eigentliche Auslöser dieser Geschichte war, werde ich bald auf meiner Homepage berichten.
Wer sehr neugierig ist, kann sich über sie, die auch mit ihrem Künstlernamen Mari März bekannt ist, unter www.mari-März.de oder www.korrekt-getippt.de informieren.
Frühlingsgefühle am Ruppiner See
Am 10. März schien bereits der Frühling seinen Einzug zu halten. Die Sonne kam heraus, die Neuruppiner und ihre Gäste spazierten am Bollwerk entlang und genossen den Blick auf den Ruppiner See. Der war teilweise noch vereist, aber das hindert beispielsweise einen Kanuten nicht daran, seine Runden zu drehen:
Und auch die Enten fühlen sich schon wohl:
Ruhe haben noch die Passagierschiffe, so die MS Kronprinz Friedrich (links) oder die Gustav Kühn, die an der Holzbrücke ankert.
Von der Brücke aus bietet sich dieses Bild:
Genug geschaut, wir spazieren zurück. Auf dem Rückweg werfen wir noch vom „Spucknapf“, dem beliebten Aussichtspunkt, einen Blick zurück. Und das nicht im Zorn:
Und dann kommen wir wie so oft auch an der Pfarrkirche vorbei:
Die letzten Tage im März 1945 als Soldat an der Ostfront
Bisher wußte ich nicht viel darüber, wie es meinem Vater Walter Grau während seines Einsatzes an der Ostfront ergangen ist. Zwar fand ich einige Fotos aus seiner Wehrmachtszeit, aber ansonsten hatte ich von meiner Mutter nur wenig über Vaters Schicksal erfahren. Auf meiner Homepage habe ich unter http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=9309 geschrieben, was ich vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge über den Verbleib meines Vaters erfahren habe.
Nun aber kommt etwas mehr Licht ins Dunkel. Beim Aufräumen fand ich jetzt einen Brief meiner Cousine Ute, den sie mir am 20.3. 1998 geschickt hat und der einige Papiere enthielt, die die Bemühungen meines Onkels Karl (damals wohnhaft in Neustadt bei Coburg) zeigten, das Schicksal seines Bruders aufzuklären, u.a. durch Anfragen beim Roten Kreuz.
Vor allem zwei längere Briefe schilderten die letzten Tage meines Vaters, wobei beide Berichterstatter im Nachhinein doch alles recht unterschiedlich empfanden. Aber ich kann ein wenig nachfühlen, wie schwer es ist, ein solch einschneidendes Erlebnis, das einen wohl ein Leben lang nicht mehr losgelassen hat, einigermaßen genau zu schildern.
Im März 1945 in Mor/Ungarn
Mor liegt zwischen Budapest und dem Balaton
Zunächst fand ich den Brief von Herbert Müller (Burkhardtsdorf im Erzgebirge), geschrieben am 11.11.1945 an meine Mutter.
„Gern will ich Ihnen schreiben, was ich von Ihrem Gatten weiß, da ich der Letzte der Batterie war, der mit ihm zusammen war.
Mitte März 1945 lagen wir in Mor in Ungarn. Wir, das war unsere Batterie, aufgeteilt in zwei Kampftrupps, zu je zwei 8,8 und 3,2 cm-Geschützen und dem Infanteriezug. Wir waren am Ortseingang und am Ortsausgang zur Sicherung gegen feindliche Panzer- und Infanteriekräften eingesetzt. Den ersten Kampftrupp führte Ihr Gatte. Es war am 18. März gegen 11 Uhr, als sein Kampftrupp erste Feindberührung hatte, nachdem ich kurz zuvor dort mit dem Infanteriezug eingetroffen war. Nach einem ca. einstündigen Feuergefecht, das auf beiden Seiten zahlreiche Opfer forderte, ging bereits die Munition bei uns zur Neige. Wegen des immer mehr wachsenden Personalausfalls und der gegnerischen Übermacht waren wir gezwungen, nachdem alle Munition verschossen war, die Fahrzeuge und Geschütze zu sprengen. Es wird so um 13 Uhr gewesen sind, als plötzliche Ruhe eintrat. Ich hatte bis dahin, hinter einer Böschung liegend, die feindliche Infanterie beobachtet und bekämpft. Da erschrak ich wegen einer plötzlichen Detonation in meiner Nähe und sah in die Richtung eines 8,8 cm-Geschützes, welches Ihr Gatte soeben gesprengt hatte. Er rief mir zu, daß es höchste Zeit sein, abzurücken. Da merkte ich erst, daß wir zwei die Einzigen von unserem Kampftrupp waren. 100 Meter von uns entfernt zogen in Richtung Friedhof die letzten unserer Kameraden, die Verwundete mit sich trugen. Während Ihr Gatte als Waffe nur eine 6,35 mm-Walther-Pistole trug, hatte ich noch eine Maschinenpistole mit 8 Schuß. Aber diese Waffe hatte eine Ladehemmung, die ich nicht beheben konnte. Geduckt rannten wir über die Straße, durch ein Gartentor in einen Hof und standen dann auf einem freien Gelände. Weil wir uns dort nicht auskannten, wählten wir den Weg hinter den Häusern längs der Straße A, bis wir an einen Erdhügel kamen. Dort verschnauften wir erstmalig, sprachen kurz miteinander und sahen uns nach allen Seiten um. Hier merkte ich, daß Ihr Gatte am rechten Unterarm leicht verwundet war. Dabei erblickte ich plötzlich in ca. 120 m Entfernung drei russische Gruppen von jeweils 5 bis 15 Mann. Ich erklärte deshalb Ihrem Gatten, daß es Unsinn sei, in der geplanten Richtung weiterzulaufen, zumal meine Maschinenpistole nicht mehr funktionierte. Während ich mich umdrehte und nach hinten schaute, um nicht von dort überrascht zu werden, rief mir Ihr Gatte zu, daß ich kommen solle. Ich lief ihm nach und rief zweimal, daß er zurückkommen solle. Da mittlerweile Bewegung in die Russen kam, rannte ich zurück längs der Straße B, an deren Ende ich plötzlich Soldaten sah, deren Nationalität ich nicht erkennen konnte. Da es für mich sowieso keine andere Wahl gab, rannte ich auf sie zu und war froh, daß es einige Kameraden meiner Batterie waren. Ihren Gatten habe ich seit jenem Tag nicht mehr gesehen“.
Soweit diese Schilderung, deren Kern ich so immer im Gedächtnis hatte.
Interessant ist auch, was im zweiten handschriftlichen Brief eines seiner Kameraden stand, zumal dort die Märztage doch etwas anders dargestellt wurden.
Johann Franz, Führer des 1. Kampftrupps der 2. Batterie des Flak-Regiments 231, schrieb am 12. Juni 1963:
Die letzten Tage des Einsatzes von Walter Grau sind schnell erklärt:
Walter hatte die Führung des 2. Kampftrupps und ich die des 1. Kampftrupps der 2. Batterie. Die Front war in den Märztagen des Jahres 1945 in völliger Auflösung. Wir versuchten mit unserer 2. Batterie als einer der wenigen noch intakten, mit enormer Feuerkraft ausgestatteten 8,8 cm-Batterie, das Chaos für die Landser zu mildern. Aus diesem Grunde erreichten wir eine Zurücknahme unserer HKL (Hauptkampflinie) nach Mor. Der Rückzug war notwendig, weil ich einige Tage zuvor bei einer bewaffneten Aufklärung festgestellt hatte, daß der Russe nachts mit scheinbar aufgelösten Verbänden durch unsere losen Linien gestoßen war. Dies wollte mir leider damals keiner glauben, vor allem, unter welchen Umständen das geschah. Aber es würde zu weit führen, über alle Einzelheiten zu berichten.
Die Rücknahme der Hauptkampflinie nach Mor war schon unter diesen Umständen ein Erfolg. Sie hätte allerdings noch fünf Kilometer weiter zurückgenommen werden müssen, und alles wäre uns erspart geblieben. Hauptmann Paul Jodeit war ein großartiger Kamerad, der mir ob meiner großen Erfahrungen großzügige Freiheiten ließ. Das war auch der Grund, weshalb ich mit Walter zusammen die Stellung aussuchte (in der er dann gefallen ist). Wir beide versuchten drei Tage lang, die Westseite des Städtchens Mor mitsamt Umgebung aufzuklären, um für meine Beobachtungen den Beweis zu erbringen. Wir beiden brachten diesen Beweis.
Große Truppenkontingente mit 7,62 mm Pak ( Panzerabwehrkanone) und ganze Granatwerferkompanien der Russen hatten sich hinter unserer Front eingegraben. Dieser Beweis brachte die ahnungslosen Stäbe in Mor völlig durcheinander. Walter und ich machten uns nun daran, diese einzelnen, gut getarnten Granatwerfer und Pak-Nester, die uns in aller Ruhe in Stellung ziehen ließen, „ohne zu knallen“, in harten Nahkämpfen, teil in den Weinbergen, auszuheben. Wie wollten uns auf einen eventuellen Stellungswechsel „ohne Verluste“ vorbereiten. Das wäre uns auch gelungen, ja wenn!!
Wie schon erwähnt, waren die Stäbe der verschiedensten Truppenteile in Mor stationiert. Denen mußten wir nun den Rücken sauber halten und konnten nicht nach den von uns gewonnenen Erkenntnissen handeln. Walter und ich arbeiteten uns Tag und Nacht an neue Stellungen der Russens heran und spielten uns so aufeinander ein, daß jeder die Handlung des anderen ohne Worte erkannte. Es war großartig, soweit im Krieg überhaupt etwas großartig sein kann. Wir freuten uns schon, daß wir die größte Gefahr von unseren Männern ferngehalten hatten.
Dann aber kam der große Knall! Der Russe hatte im letzten Moment erkannt, daß unsere ganzen Stäbe sich aus der Stadt absetzen wollten und griff nun mit ungeheurem Elan von drei Seiten an. Wir kämpften – jetzt jeder bei seinem Kampftrupp-, gegen die große Übermacht und hielten so lange aus, bis die spärlichen eigenen Infanterieverbände in den anschließenden Stellungen links und rechts von unserem Abschnitt niedergemacht waren. Wie Sie sich denken können, kam jetzt der Stoß des Gegners von hinten und von vorn auf uns zu. Walter wurde zuerst überrannt. Nachdem das letzte 8,8 cm-Geschütz ausgefallen war, kämpfte er mit der Pistole im Nahkampf weiter, bis alles, was sich von seinem Kampftrupp noch wehrte, niedergeschossen war.
Wir wollten vom Friedhof her im Gegenstoß die Häuser säubern und Walters Kampftrupp erreichen, um sie noch herauszuholen. Bis zum Kampftrupp sind wir durchgebrochen und dabei fanden wir Walter mit seinen Männern. Helfen konnten auch wir nicht mehr. Mit ganz wenigen Männern konnten wir uns dann zwischen den Russen hindurch herauskämpfen.
Das war die Geschichte von den letzten Tagen Ihres Bruders Walter, die Sie besser – außer der Gewißheit seines Todes, nicht erfahren hätten. Aber wie sollte ich Ihnen sonst die letzten Tage ihres Bruders beschreiben? Zumal Sie ein Mann sind und mittlerweile 18 Jahre vergangen sind. Seiner Gattin hätte ich all diese Umstände nicht mitgeteilt. Dabei habe ich Ihnen nur einen kurzen Eindruck von dem heillosen Durcheinander geben können.
Walter war damals in meinem jetzigen Alter (42 Jahre) und hat alles in seiner ruhigen, besonnenen Art kommen sehen. Wir beide haben mit Paul Jodeit alle Chancen für unsere Truppe überlegt, aber was galten die Überlegungen gegen die Befehle von oben…
Mit freundlichen Grüßen Ihr Johann Franz.
Soweit die beiden Berichte über die letzten Tage meines Vaters Walter Grau
So schmerzlich das alles ist, so sehr bin ich jetzt froh, daß ich wenigsten einigermaßen Gewissheit bekommen habe. Andererseits besteht kein Zweifel: Solche Kriegsberichte, die es ja millionenfach gibt, gewinnen eine ganz andere Dynamik, wenn sie einen ganz nahen Verwandten, eben den Vater, betreffen. Und sie zeigen, wie schrecklich dieser Krieg gewesen ist.
Peter Grau
Armin Mueller – Stahl: Maler, Schauspieler, Musiker, Schriftsteller
Manchmal sind meine Geschichten ein Selbstläufer. So war es in diesem März 2018 mit meiner Begegnung mit Armin Mueller- Stahl. Zunächst traf ich ihn gemeinsam mit 600 anderen Kunstinteressenten beim Konzert in der Neuruppiner Pfarrkirche. Darüber habe ich hier auf meiner Homepage unter http://www.petergrau-leichtathlet.de/?p=12032 berichtet. Und gleichzeitig angekündigt, daß ich die in der Kirche ausgestellten gemalten Werke des Künstlers mir nochmals in Ruhe ansehen würde. Das habe ich getan und dabei die Mehrzahl der dort gezeigten Bilder fotografiert, um sie nun hier zu Gesicht zu bringen.
Doch vorher wollte ich einiges zu seinem Leben schreiben, beginnend mit seiner Geburt am 17. Dezember 1930 im ostpreußischen Tilsit, über die Jugend- und Schauspieljahre in der DDR und später in der Bundesrepublik, dann über seine erfolgreichen Filmjahre in Hollywood und natürlich auch über seine Erlebnisse mit Pinsel und Farben als Maler.
Beginnen wollte ich mit seinem bekannten Satz: „ Bin schon Gaukler über 60 Jahre“, den ich irgendwo mal gelesen hatte und den er auch in Neuruppin in verkürzter Form – Ich bin ein Gaukler – wiederholte. Um mehr darüber zu erfahren, nahm ich den Umweg über das Allwissens-Medium Google, das vieles erzählt, was man wissen möchte, wissen muß.
Mir wurde klar, daß ich mich nicht auf meiner Homepage über Armin Mueller –Stahl auslassen muß, sondern für die, die sich ihm nähern wollen, auf Google, auf seine Bücher und auf andere Quellen zu verweisen sollte.
Empfehlen kann ich zudem einen sehens – und hörenswerten Film, den Wolfram Kons für NTV drehte und der mit Besuchen im Zuhause des Künstlers an der Ostsee und in Los Angeles so authentisch herüberkommt: https://www.youtube.com/watch?v=BaMRuvONIAc.
Ich war schnell gefesselt von diesem Film, auch weil er nicht nur etwas zur Person des Künstlers sagte, sondern besonders auch über seine Malerei, die Herangehensweise, die Absichten…
Das scheint für mich der richtige Einstieg zu sein, um nun die Bilder in der Neuruppiner Pfarrkirche vorzustellen:
Jetzt, im Nachhinein, finde ich eine noch bessere Beziehung zu den Werken von Armin Mueller Stahl. Und ich kann ebenfalls empfehlen, im Internet eine 28-minütige Begegnung des Fernsehjournalisten Jörg Thadeusz (RBB) mit Armin Mueller – Stahl nachzuempfinden, die vieles über ihn aussagt: https://www.youtube.com/watch?v=2g7QT-N0c48.
Die Ausstellung der Werke Armin Mueller-Stahls in der Neuruppiner Pfarrkirche ist noch bis Ostern 2018 zu sehen. Aber wer es nicht mehr dorthin schafft, kann auch woanders pfündig werden, beispielsweise in Lübeck:
Das Kunsthaus Lübeck (http://www.kunsthaus-luebeck.de/), das auch für die Neuruppiner Ausstellung mit verantwortlich zeichnete, hat ein breites Angebot der Werke Armin Mueller – Stahls auf Lager. Nachzuschauen auch in dem sehenswerten Katalog über die Graphikeditionen des Künstlers, den ich in der Neuruppiner Ausstellung erwerben konnte:
Peter Grau
Traumhafte Winterlandschaften in Tirol
An diesem Wochenende (17./18. März) soll der Winter nochmals nach Deutschland zurückkommen. Ein wenig Schnee, ein wenig Kälte, mehr wird es wohl nicht werden.
Da lebt mein Tiroler Facebook-Freund Andreas Wiesinger in einer ganz anderen Welt. Er muß den Schnee nicht suchen, er findet ihn überall in seiner Heimat. Und so kann er voller Inbrunst schreiben: „Endlich war mal a gscheiter Winter“!
Und untermauert das mit traumhaften Bildern, die noch traumhafter werden, wenn man sie einzeln anklickt:
(alle Fotos: Andreas Wiesinger)
Armin Mueller-Stahl: Mit der Geige und mit vielen Bildern in Neuruppin zu Gast
Wenn Armin Mueller-Stahl kommt, dann strömen die Neuruppiner in ihre größte Veranstaltungshalle, die Kulturkirche.
Früher hieß diese Kirche Pfarrkirche St. Marien, war in den Jahren 1801 bis 1806 als quergelagerte Saalkirche errichtet worden. Ich habe 1968 in dieser Kirche geheiratet . Die Einheimischen sprechen auch heute noch von der Pfarrkirche, doch Gottesdienste werden dort nicht mehr abgehalten und auch keine Paare mehr getraut. Seit 2002 ist sie ein modernes Kultur-und Kongreßzentrum, eben eine Kulturkirche. Und sie lockt mehr und mehr die Künstler unterschiedlichsten Genres an.
Armin Mueller-Stahl, der Weltstar mit vielen Begabungen, kommt gern hierher. Der Schauspieler, Musiker, Maler und Schriftsteller, hat die Welt gesehen und erlebt, feierte in Hollywood Erfolge, aber fühlt sich nach wie vor wohl in Deutschland. Und das spürt man an diesem Sonntagabend (11. März 2018), an dem er gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Günther Fischer (Klavier, Saxophon, Klarinette), Tobias Morgenstern (Akkordeon) und Tom Götze (Kontrabass, Tuba) ein zweistündiges Konzert gibt.
Gleichzeitig wird eine Ausstellung seiner Bilder eröffnet, u.a. ein Zyklus aus Shakespeares Dramen. Bis Ostern ist diese Ausstellung noch zu sehen.
600 Kunstinteressierte füllen die Kirche:
Sie geizen nicht mit Beifall, als die vier Musiker, stilgerecht in dunklem Gewande gekleidet und wohlbehütet, auf der Bühne stehen:
Schnell gewöhnt man sich an die nicht eben alltägliche Zusammensetzung der Instrumente:
Die vier Musiker begeistern das Publikum mit einer Musik, die oft leicht jazzig angehaucht ist (man erkennt die Handschrift von Günther Fischer, der sowohl als Filmkomponist als auch als Jazzvirtuose bekannt wurde).
Günther Fischer
Doch über allem schwebt die Souveränität eines Armin Mueller –Stahls, der als Geigenvirtuose brilliert:
Auch mit seinen einfühlsamen Songs und seinem Sprechgesang überzeugt er. Da fühle ich mich ein wenig zurückversetzt in meine Berliner Jahre um 1960 bis 1980, wo ich gern ins Berliner Ensemble gegangen bin. Zwar gastierte Armin Mueller-Stahl nicht dort, aber den Sprechgesang habe ich dort erstmals kennengelernt.
Die erste Stunde des Konzerts vergeht wie im Flug, ehe der „Meister“ die Richtung vorgibt: Ein Päus-chen, bitte.“
Zeit für mich, einen Blick zum Bühnenbereich zu werfen:
Aber ich schaue auch einige der ausgestellten Werke des Künstlers an (den ausgedehnten Rundgang nehme ich mir für spätere Tage vor):
Auch die zweite Stunde des Konzertes vergeht wie im Flug. Nach zwei Zugaben verabschieden sich die vier Künstler:
Das Publikum ist zufrieden und die Künstler auch. „ Wir kommen immer gern nach Neuruppin“, sagt Armin Mueller –Stahl zum Abschied. Wir freuen uns schon auf seine Rückkehr.
Peter Grau
(P.S.: Der Rundgang durch die Ausstellung folgt später)
























































































































































































