Tagebuch

Start an der Birkenallee: Mit dem Fahrrad auf meinen Laufspuren

In früheren Jahren traf sich eine größere Laufgruppe jeden Sonntag am Rande des Neuruppiner Stadtparks, an der Birkenallee. Damals war ich immer mittendrin, und dachte, daß es auch später mal so sein würde. Doch die Mitstreiter wurden immer weniger und ich lief auch nur noch sporadisch. Deshalb kam mir nun der Gedanke, mich mit dem Fahrrad auf die Laufspuren zu begeben. Einmal, um die Natur zu genießen, und zum anderen, um vielleicht die Laufbegeisterung wiederzuerwecken.

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Anfangs steht nur eine Birke an der Startlinie,

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doch bald werden es mehr:

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Nach rund 150 Metern langte ich am Goldfischteich an, war nun mitten im Stadtpark.

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Auf der anderen Seite führte ein Weg Richtung See. Dort lag und liegt auch heute noch die Sprintübungsstrecke des Neuruppiner Leichtathletik-Clubs. legten und legen solche Alterssportler wie Brigitte Schommler die Grundlagen dafür, um Medaillen auf nationaler und internationaler Ebene einzusammeln.

 

Weiter führt der Weg, immer am Ufer des Ruppiner Sees entlang. Manchmal ist der Blick zum Wasser von vielen Bäumen versperrt, manchmal ist der Blick frei, wie hier dicht am Weinberg. Dort wächst zwar kein Wein, aber früher haben ihn die Neuruppiner im Winter, wenn es denn Schnee gab, als Rodelberg zur rasanten Abfahrt genutzt.

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Heute liegt kein Schnee. Vielmehr komme ich mit einem Berliner Pärchen ins Gespräch, die auf Schusters Rappen unterwegs sind und noch bis zum Kalksee in Binenwalde wandern wollen. Sehr weit weg ist das Ziel, doch schon bisher sind die Berliner, die aus Tempelhof kommen, von der Landschaft begeistert. Und auch ihre kurze Stippvisite im Ort Neuruppin ließ sie schwärmen. Und ich konnte mit meinen Kenntnissen über frühere Zeiten, als sowohl in der Stadt als auch in den Kasernen außerhalb der Stadt sehr viele Soldaten und Offiziere der Roten Armee ihre Unterkünfte hatten, überzeugen. Hier ganz in der Nähe haben die Sowjets, wie man sie damals auch nannte, die gerade gefangenen Fische gebraten, während wir vorbeiliefen. Lang, lang ist es her.

Und lang ist es auch her, als wir nach dem Abzug der Roten Armee in einem der nun fast zugewachsenen kleinen Seen im Stadtpark einen „Saporoshez“ linkerhand im Wasser liegen sahen, einen sowjetischen Kleinwagen mit 40 PS, den man u.a. auch „Zappelfrosch“ nannte.

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Schade drum, aber zu dieser Zeit waren „Westautos“ die großen Rennen für die Ex-DDR-Bürger.

Nach rund 5 Kilometern komme ich hinein in den Ort Alt Ruppin, d.h. fahre durch eine kurze Straße, die von kleinen und größeren Häusern gesäumt ist.

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Am Ende der Straße steht links ein Riesenbau, das ehemalige Hotel „Hubertus“.

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„ Lang ist er her, und vergeblich haben seitdem verschiedene Investoren versucht, aus dem Bau etwas Nützliches zu machen. Die Handwerkskammer hatte mal vor, hier zu bauen, doch auch daraus wurde nichts. Nun wartet das Hotel auf den Prinzen, der es wach küßt.

Die viel befahrene große Straße zwischen Neuruppin und Alt Ruppin überquere ich, und weiter geht es Richtung Schleuse.

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Hier auf der Asphaltraße ließ es sich immer besonders schnell laufen, kann ich mich erinnern.

Bald ist die Schleuse Altruppin erreicht.

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Aus neuerer Zeit kann ich mich daran erinnern, daß ich hier von der Brücke die Fußballer von RB Leipzig fotografierte, die u.a. mit Ex-Stabhochspringer Tim Lobinger sich als Kanuten übten. (siehe auch „Wiedersehen mit Tim Lobinger“   unter “ Treffs mit Leichtahtleten“ )

Weiter führt der Weg Richtung Molchow vorbei an einem großen Backsteinbau. Hier restauriert Tischlermeister Manfred Neumann Möbel und verkauft Antiquitäten.

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Und ab und an werden hier auch Konzerte aufgeführt. Wir haben dort vor einiger Zeit den Pianisten Axel Zwingenberger gehört. Zum Konzert der Polkaholics bekamen wir leider keine Eintrittskarten mehr.

Etwa 150 danach biege ich von der Asphaltstraße ab und wähle den romantischeren Weg direkt unten am See.

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An der Badestelle in Molchow will ich zwar diesmal nicht baden, aber geschwommen bin ich damals öfters hier.

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Später komme ich zunächst am ehemaligen Kaffee vorbei, das aber nicht mehr existiert.

Aber es hat guten Ersatz gefunden und das Schild „River Cafe“ weist darauf hin.

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Auf der gepflasterten Dorfstraße führt der Weg zum Ortskern.

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Und dann geht es auf einem schmalen Weg hinunter zur Molchowbrücke.

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Von der Brücke schaut das Wasser, auf der einen Seite der Molchowsee und auf der anderen Seite der Teetzensee, heute zwar etwas düster aus, aber jedes Wetter hat seine Reize.

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Nach der Brücke sind es nur noch wenige Meter bis zum neuen River Cafe.

Einige Boote ankern dort:

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Urlaubsgäste staken in ihrem Kajak nach Kaffee und Kuchen wieder von dannen:

 

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Ich aber kehre heute nicht ein.

Auch wenn ich den Weg nicht kennen würde, hätte ich keine Orientierungsschwierigkeiten. Auf einem Wegweiser kann ich mir aussuchen, wohin ich fahren will. Ich wähle Neuruppin.

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Ich radle weiter auf dem bekannten Laufweg früherer Zeiten und erinnere mich daran, daß wir gerade hier oft das Tempo anzogen, um die Laufpartner ein wenig herauszufordern.

Das Fahrradfahren ist dagegen keine Herausforderung, zumal ich jetzt vom Waldboden auf den asphaltierten neuen Radweg wechsele.

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Auf dem Foto sieht er recht eben aus, doch das täuscht. Im Lauf der letzten Jahre ist er leider durch zahlreiche Unebenheiten, hervorgerufen von Baumwurzeln, nur noch mit Vorsicht zu befahren.

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Bald bin ich wieder an der Schleuse und kann nun den gleichen Weg wie vorhin nehmen.

Ein schöner Ausflug, beladen mit vielen Erinnerungen, geht damit zuende.

Peter Grau

Die Kunst, Fotos auf der Homepage einzubauen

In meiner Jugend habe ich mit diesem Fotoapparat  gearbeitet, d.h. ich habe damit schöne Papierfotos in Schwarz-Weiß  gemacht:

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Viele Jahre später, als Journalist, habe ich dann nur Texte fabriziert und die Fotoarbeit den echten Fotografen überlassen. Doch nun, bei meiner eigenen Homepage, entdecke ich, daß das Fotografieren Spaß macht. Anfangs verwendete ich dazu die kleine Digitalkamera

Panasonic   Lumix DMC-FS56.Lumix erste Kamera

Doch spätestens, als ich merkte, daß ich die Ente und ihre 10 gerade geschlüpften Küken auf unserem Glasdach nicht richtig „heranzoomen“ konnte, dachte ich um. Es sollte eine bessere Kamera sein. Doch wie findet man die Richtige aus der Vielfalt des Angebots?

Bei den Halleschen Werfertagen nutzte ich eine freie Stunde, um in den Media-Markt zu gehen und mich dort beraten zu lassen. Der freundliche Verkäufer gab mir folgenden Tip:  Eine Canon-Kamera,  „ Canon SX 540“ , mit einem 50er Zoom wäre für meine Zwecke das Richtige.  Diesen Tip speicherte ich im Kopf, und  mein Fotografen-Freund Dirk Gantenberg bestätigte mir, daß es ein guter Tip sei.

Zurück in Neuruppin wandte ich mich an das Fachgeschäft „ Expert“ und erkundigte mich per Internet, ob dort diese Kamera vorrätig sei. Man verneinte, bot mir aber Hilfe beim Bestellen an und verwies auch auf andere Kameras. Doch ich wollte die „Canon“ und nahm mir vor, meine Fahrt am 9. Juni 2016   zur ISTAF-Pressekonferenz zu nutzen, um anschließend im Spandauer Mediamarkt die Canon zu kaufen. Einen Tag zuvor aber brachte „General Zufall“ die Wende.

Bei einem meiner normalen Friedhofsgänge – die Pflanzen an zwei Gräbern brauchen immer Wasser – sah ich dort ein Pärchen fotografierender Weise. Ich sprach die Dame an, weil ihr Fotoapparat meiner angepeilten „Canon“ ähnlich war. Und dann konnte ich den Redefluß der Dame nicht mehr stoppen. Sie hatte gerade eine neue Kamera im Neuruppiner „Expert“ erstanden und war des Lobes voll. Die Kamera:    Panasonic Lumix FZ72.    

Am gleichen Tag fuhr ich zum „Expert“ und erstand dort bei Herrn Wetzel die letzte Kamera.

Panasonic Lumix neu

Und dann fotografierte ich schon am nächsten Tag auf der ISTAF-Pressekonferenz „lustig“ vor mich hin. Zwar merkte ich beim Einarbeiten der Fotos auf meine Homepage, daß der neue Apparat größere, andere Fotos macht als der Vorgänger. Ich hatte wieder mehr zu tun, um die Fotos so zu verkleinern, damit sie vom System der Homepage angenommen wurden. Aber ich meinte, daß alles in Ordnung sei.

War es aber nicht. Einer paßte auf und schickte mir eine Nachricht: „ Deine Fotos sind alle unscharf. Du mußt die Verschlußzeit der Kamera verkürzen. Außerdem mal die Fotos auf wetransfer  hochladen.“ Wer aber war der Schreiber?  Robert Harting, der Diskuswerfer. Und ich war ihm dankbar für die konstruktive Kritik. Nun gilt es, weiter daran zu arbeiten. Das Gute ist, daß ich ja die Fotos auf meiner Homepage immer wieder ersetzen kann.

Und einen Tip habe ich noch: einfach die Fotos einmal anklicken. Dann werden sie nicht nur größer, sondern auch schärfer.

Peter Grau

Entenküken, Fontane und Landschaften – die Chance zum Innehalten

Wer wie ich sich auf das Abenteuer Homepage einläßt, der muß wissen, was er will und wohin er will. Ich will zuallererst Wissenswertes über die Leichtathletik verbreiten, weil ich viele Jahre meines Lebens damit verbracht habe und weil ich sie noch immer mag, trotz aller Negativmeldungen. Und deshalb fahre ich auch zu Veranstaltungen wie den Halleschen Werfertagen und lasse dort vor allem das Drumherum auf mich wirken und gebe es weiter.

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David Storl wird bei den Halleschen Werfertagen interviewt

 

Spontan greife ich Ereignisse aus dem normalen täglichen Leben auf, so etwa unsere 30- tägige Begegnung mit der Entenfrau und ihren zehn Küken (siehe „Die Ente auf dem heißen Glasdach“).

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Über manches stolpere ich einfach, wenn ich durch die Stadt gehe. So geschehen, als der Künstler Ottmar Hörl für einige Wochen rund 400 Fontanefiguren vor der Neuruppiner Pfarrkirche aufstellte:

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Fontane-Figuren vor der Pfarrkirche (Foto: Wrosch)

Vier Fontane-Figuren trapierte er zudem am Bollwerk mit Blick auf den Ruppiner See. Und unsere Ente mit ihren Küken staunte nicht schlecht, als sie die vier gelben Gestalten sah, kurz bevor sie selbst den Sprung ins Wasser wagte (Foto: Wrosch)

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Ebenfalls ein wichtiges Element dieser meiner Homepage sind Spaziergänge durch Städte und Dörfer, und Wanderungen durch die Natur. Flora (Pflanzenwelt) und Fauna (Tierwelt) sind dankbare Objekte für den Fotoapparat und die Schreibfeder.

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Und ich merke es immer an den Reaktionen der Leser, daß sie sich gern auf diese „leichten“ Themen einlassen. Auch, um etwas Ruhe in das ansonsten hektische Leben zu bringen.

 

Heraushalten wollte ich mich aus den ausufernden politischen Debatten, obwohl das manchmal sehr schwer fiel und fällt. Denn ich habe den Eindruck, daß von der öffentlichen Meinung, sprich den Medien, oft die Probleme so lange behandelt werden, bis sie keiner mehr hören will und kann. So war es bei Böhmermann, der irgendwie die richtige Kampfrichtung gefunden hat, nämlich kontra Erdogan, daß nur wenige sich trauten, zu sagen, daß sie solch ein Gedicht als geschmacklos, einfach unangenehm empfanden (ich zählte mich dazu). Nun ist dieses Kapitel hoffentlich abgeschlossen.

Nicht abgeschlossen ist der allgegenwärtige, ständige Kampf gegen alles, was AfD heißt, was sich auch nur damit beschäftigt. Zuviel Interesse an dieser Partei weckt Mißtrauen, sodaß es klüger ist, sich nur im privaten Kreis oder überhaupt nicht zu äußern. Aber das nicht alle die AfD ablehnen, wird dann an den Wahlurnen sichtbar.

Die Flüchtlingsdebatte läuft gerade nur auf Sparflamme, zumindest in den Medien. An der Basis, in den Städten und Gemeinden, die eng damit befaßt sind, ist das sicher anders.

Heute kam nun ein neues „weltbewegendes“ Problem in die Öffentlichkeit. Der Bundestag stimmte der Armenienresolution zu. Normalerweise würden sich 99 Prozent der Deutschen nicht damit befassen, weil sie schlicht von diesem Fakt keine Kenntnis hatten. Nun aber ist man gezwungen, nachzuschauen, was damals im 1. Weltkrieg geschah und warum 1,5 Millionen Armenier ihr Leben lassen mußten.  Aber wenn man weiß, daß die Türkei bei diesem Thema immer sehr pikiert reagiert, versteht es man schwer, daß man nun ohne Not eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei riskiert.  Fazit: Gibt es nicht wichtigere Themen, die die Nation bewegen?

Und ein weiteres persönliches Fazit: Ich fahre besser damit, mich nicht auf die politische Schiene einzulassen. Dazu müßte ich ganz tief in die Materie einsteigen, mich vielleicht als Journalist im politischen Berlin akkreditieren lassen. Doch dazu habe ich nicht mehr die Kraft.

So belasse ich es bei Pressekonferenzen (PK) rund um die Leichtathletik. Wie etwa am 9. Juni, wenn ich nach Berlin zur Eröffnungs-PK des 75. ISTAF fahre.

Peter Grau

 

Die Halleschen Werfertage 2016 – von Kathrin Klaas bis Christina Obergföll

Halle Werfertage 2016 Programm

Das Kugelstoßen der Männer und das Diskuswerfen der Frauen sind also Geschichte. Nun gilt es, sich zu entscheiden, wohin man seine Füße setzen und seine Augen kreisen lassen will. Zeitliche Überschneidungen der einzelnen Wurfdisziplinen gibt es bei diesen Werfertagen immer. Aber sie sind nicht zu vermeiden, denn sonst würde die Veranstaltung doppelt so lang werden. Und ich habe sie schon immer dadurch verkürzt, daß ich auf den zweiten Tag, den Sonntag, immer verzichtete. Und der ist ja nochmals eine geballte Ladung von Wettkämpfen, nur eben der jüngeren Athleten.

Während das Diskuswerfen der Frauen läuft, hat an der anderen Seite, dicht neben dem Kugelstoßring, das Hammerwerfen der Frauen begonnen. Von der „Empore“ haben die Zuschauer den besten Blick.

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Kathrin Klaas möchte heute gern die Olympianorm von 71,00 m packen.

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Doch von Wurf zu Wurf sieht man ihr an, daß es diesmal nicht richtig rund läuft bzw. dreht. Am Ende wurden es 70,30 m und ein fünfter Platz. „ Es war kein einfacher Wettkampf. Aber lieber langsam ins Rollen kommen, als zu früh alles Pulver verschießen“, urteilt sie selbst.

Sie ist zwar sehr mit sich beschäftigt, aber aus den Augenwinkeln sieht sie, daß die Weltrekordlerin aus Polen, Anita Wlodarczyk, den Hammer weit fliegen läßt und mit 79,48 m den bisherigen Meetingrekord von Betty Heidler von 79,42 m, den diese am 21. Mai 2011 aufstellte, verbesserte.

Ein Schild weist noch auf Heidlers Rekord hin, der damals auch Weltrekord bedeutete:

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Sprecher Andreas Möckel kommentiert die Weitenjagd weiter, links auf der Anzeigetafel ist noch die neue Meeting-Rekordweite zu sehen: 79,48 m:

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Ich aber verabschiede mich vom Hammerwurfplatz und führe einige Gespräche, so mit einer Ex-Diskuswerferin und einem Ex-Speerwerfer. Darüber schreibe ich demnächst kleine Geschichten. Ihre Namen aber nenne ich noch nicht, denn die schreibende Konkurrenz „lauert“ überall. Das habe ich gerade erfahren, als ich mir vornahm, in Berlin mit Ex-Weitspringerin Susen Tiedtke zu sprechen. Aus Termingründen verschoben wir unser Treffen und dann las ich es am Sonntag: „Bild“ hatte eine Story geschrieben. Ärgerlich, denn man möchte bei solchen Geschichten schon immer der Erste sein. Aber, aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Auf dem Weg zur Speerwurfanlage treffe ich Jürgen Schult, den Wurf-Bundestrainer. Der Schweriner, der jetzt bei Potsdam wohnt, ist gewissermaßen ein „altes Inventar“ bei diesen Werfertagen. „Schon mit 14 Jahren habe ich hier geworfen und bin immer wieder gern hierher gekommen.“ Nun beobachtet er, wie sich seine Nachfolger schlagen.

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Einige Schritte weiter treffe ich auf Martin Sanne. Er war zu DDR-Zeiten beim SC Magdeburg Cheftrainer der Leichtathleten und zudem Verbandstrainer für die Mittel- und Langstreckler. Nach der Wende war er beim SC Magdeburg von 1991 bis 2010 Sportlicher Leiter für alle Sportarten:

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Seine Liebe zur Leichtathletik hat er sich bis heute erhalten. Deshalb ist er auch in Halle Stammgast.

Und eine Begegnung habe ich dann noch, die mir hinterher Kopfschmerzen macht. Ex-Kugelstoßerin Kathrin Neimke kommt vorbei. Wir nicken uns kurz zu, mehr nicht. Danach denke ich: Das wäre doch auch eine Geschichte für mich, d.h. ihren Berufsweg nach ihrer sportlichen Karriere zu schildern. Aber warum zögere ich? Weil Kathrin Neimke, wie ich mich erinnere, nach der Wende recht lange gegen Dopingvorwürfe ankämpfen mußte. Zwar war sie nie positiv getestet worden, aber sie fiel eben mit unter den Generalverdacht: DDR-Staatsdoping. Um so mehr reizt es mich im Nachhinein, mit ihr zu reden. Immerhin habe ich früher ihre Erfolge ausgenutzt, um Berichte und Geschichten über sie zu schreiben. Und sie war immer sehr auskunftsfreudig. Warum soll ich heute nun nicht mehr mit ihr reden? Ein bißchen feige kam ich mir schon vor, und es war wieder ähnlich wie zu DDR-Zeiten, als die „Schere im Kopf“ allgegenwärtig war, man nicht über alles schreiben durfte und wollte. Heute darf man es eigentlich, doch beim Thema Doping ist die Öffentlichkeit hellwach und kritisch, aber nicht immer gerecht. Mein Fazit: Beim nächsten Mal traue ich mich.

Eine neue Speerwurfanlage

Gespannt bin ich, wie die neue Speerwurfanlage bei den Athletinnen ankommt:

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An der gleichen Stelle wie die alte Anlage errichtet, – zwischen Parkplatz und Wurfhalle gelegen-, bietet sie äußerlich einen schmucken Anblick. Es sieht fast aus, als ob die Anlaufbahn ansteigt, aber Ex-Speerwerferin Tanja Damaske meint, daß das eine optische Täuschung sei.

Für ein Trio mit Christina Obergföll, Linda Stahl und Christin Hussong geht es nicht nur darum, die Konkurrentinnen hinter sich zu lassen. Es lockt auch die Olympianorm von 62,00 m.

Linda Stahl, wie immer konzentriert am Ablauf:

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und am Abwurf:

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Aber es wird nur eine Weite von 60,60 m und damit der 4. Platz.

Christin Hussong, die junge Aufsteigerin vom LAZ Zweibrücken,  sehe ich erstmals live und bin von ihren körperlichen Möglichkeiten beeindruckt. Auffällig, daß sie am Ablauf immer dicht bei Linda Stahl steht.

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Für Christin Hussong  (rechts) fliegen die Speere zunächst nicht allzuweit, doch im sechsten Versuch schafft sie mit 62,32 m noch eine annehmbare Weite, die den dritten Rang bedeutet.

Rund 20 m entfernt von den beiden nimmt Christina Obergföll Platz, wenn sie geworfen hat. Das beweist aber nicht, daß sie mit den beiden anderen nicht „ kann“, sondern wie konzentriert und fokussiert sie ist.

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Dann im vierten Versuch klappt es bei Christina Obergföll. 64,96 m weit segelt ihr Speer und der Jubel über den Siegwurf ist bei der Offenburgerin entsprechend groß. „ Das ist ein großer Befreiungsschlag. Ich hoffe, daß es noch ein bißchen weiter gehen kann“.

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Und sie freut sich auch mit ihrer zeitweiligen Trainingskameradin Mathilde Andraud aus Frankreich über deren zweiten Platz und den neuen französischen Rekord von 63,54 m.

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„ Das kam völlig überraschend, wir waren alle aus dem Häuschen“, so Trainer Werner Daniels. Und er organisierte flugs noch eine Dopingkontrolle – man erinnere sich an meine Ausführungen und das Schild „Dopingkontrolle-, denn das ist für die Anerkennung eine Rekordes notwendig.

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Freude also beim Trainergespann Obergföll /Daniels. Trotzdem wertet Werner Daniels die neue Wurfanlage etwas kritisch. „ Beim Abwurf rutschten die Werferinnen und blieben so unter ihren Möglichkeiten. “ Und das sah man später auch bei den Männern, die nicht auf die herausragenden Weiten kamen.

Der glückliche Julian

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Doch einer war trotzdem hinterher sehr glücklich. Speerwerfer Julian Weber (USC Mainz) unterstrich seine Olympia-Ambitionen, gewann mit der persönlichen Bestleistung von 82,69 m vor Johannes Vetter (Offenburg / 81,53 m) und blieb damit nur 31 cm unter der geforderten Olympianorm. Der Ex-Handballer hielt sich deshalb auch mit etwaiger Kritik an der neuen Anlage zurück. „ Es ist eine schön gemachte Speerwurfanlage“.

Christoph Harting glänzte mit dem Diskus

Zeitlich eingebettet zwischen den beiden Speerwettbewerben aber bot der Diskuswurf der Männer ein Spektakel. Ich verfolgte es nur mit dem Ohr, sprich, ich registrierte die Weiten und den Sieg des Berliners Christoph Harting mit 65,61 m. Damit hatte er die Scharte von Wiesbaden, als er nur drei ungültige Versuche zuwegebrachte, ausgewetzt. Entsprechend entspannt konnte er auf dem Podest lächeln.

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Die ersten Drei: Daniel Jasinski ( 65,38 m/ 2.), Christoph Harting (1.), Martin Wierig (63,88 m / 3. – von links)

Von der Hitze des Tages leicht geschafft, verzichtete ich darauf, den letzten Spitzenwettbewerb des Tages, das Kugelstoßen der Frauen, live zu beobachten. Es reichte mir, das Ergebnis im Nachhinein im Internet nachzulesen und zu registrieren, daß drei Chinesinnen die ersten Plätze belegten.

Zaungast Thomas Röhler

Dafür sprach ich noch kurz mit dem gegenwärtig besten deutschen Speerwerfer  Thomas Röhler aus Jena, der am Vorabend den Wettkampf im tschechischen Ostrava mit der Weltjahresbestleistung von 87,37 m gewonnen hatte und deshalb bei den Werfertagen nicht am Start war.

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Man merkt ihm förmlich noch an, wie in der gestrige Wettkampf begeistert hatte. „ Es war ein sehr spannender Wettkampf,  und ich war im letzten Durchgang sogar auf Platz 3 zurückgedrängt worden. Doch dann hatte ich alles in der Hand. Es war mein Moment, weil ich den allerletzten Versuch hatte.“ Und der gelang ihm dann mit 87,37 m bestens. Dem Ägypter Abdelrahman (84,85) und dem Polen Krukowski (84,74 m) blieben nur die Plätze 2 und 3. Und Thomas Röhler hatte die Genugtuung, daß er mehr Beifall als Usain Bolt bekam. Kein Wunder in einem Speerwerferland, das mit Jan Zelezny noch den aktuellen Weltrekordhalter hat.  „ Es ist sehr schön, daß ich so früh in der Saison solch eine Herausforderung hatte,“ erklärt Röhler. Aber gleichzeitig verweist er darauf, daß das internationale Niveau gestiegen ist. „ Es geht wieder hin zu den Zeiten, wo man mit 90 Metern gewonnen hat und nicht mit 84 Metern.“ Und diesen 90 Metern nähert sich der Gewinner der Diamond Race 2014 und WM-Vierten von Peking nun mit Macht. (mehr dazu auf meiner Homepage unter „Treffs mit Leichtathleten“). Und Thomas Röhler weiß, was er tun muß. „ Man muß immer über den Tellerrand hinausschauen, und das tun mein Trainer Harro Schwuchow und ich. Wir wollen keinen Stillstand haben.“

Voller Interesse hat er den Speerwurfwettbewerb bei den Werfertagen verfolgt. „ Wir kennen uns alle schon lange und mit Johannes Vetter, Andreas Hofmann und dem heutigen Sieger Julian Weber kommen starke Werfer nach. Es wird also nicht leicht, sich durchzusetzen und für Rio zu qualifizieren. Wir werden auf alle Fälle ein starkes, konkurrenzfähiges Team zusammenbekommen. “ Keine Frage, daß Thomas Röhler dabei sein will. Vor allem gesund bleiben muß er. „Dafür mache ich eine ganze Menge, vielleicht mehr als alle anderen“, äußert sich der schlanke Athlet. „ Physio besuche ich nie“, verblüfft er mich. „ Das ist eine spannende Geschichte“, nicht eben so am Rande zu erläutern. „ Wir kümmern uns also selbst darum, neue Möglichkeiten zu entdecken. Es gibt tolle Möglichkeiten, so etwa Back Rolling.  „ Später lasse ich mir von „Herrn Google“ sagen, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. Toll, wenn man selbst in einem solchen Gespräch auch hinzulernt.

Thomas Röhler führt noch ein kurzes Gespräch mit Ralph Hirsch, dem Chef des Dessauer Anhalt-Meetings, das am 27. Mai im Paul-Greifzu-Stadion stattfindet:

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Dann steigt er ins Auto und fährt auf der A 9 südwärts nach Hause ins relativ nahe Jena. Ich aber schließe das Kapitel „Hallesche Werfertage“ für dieses Jahr ab, und fahre auf der A 9 nordwärts.

Die vielen Erlebnisse und Begegnungen dieser zwei Tage schwirren mir noch lange im Kopf herum. Im nächsten Jahr – geplant ist der 20. Und 21. Mai 2017 -, bin ich gern bei der 43. Auflage der Halleschen Werfertage wieder dabei.

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(Fotos: Peter Grau / Werner Daniels)

Die Halleschen Werfertage 2016 – von David Storl bis Julia Fischer

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Schon vom Parkplatz aus kann man einen Blick auf die Wettkampfanlagen werfen. Und man darf sich zunächst auch Gedanken über den Namen Sportzentrum Brandberge machen. Brandberge – dieser Name irritiert ein wenig. Und bei Wikipedia werden die Brandberge als ein 92 Hektar großes Naturschutzgebiet beschrieben, im nordwestlichen Stadtgebiet von Halle, zwischen Kröllwitz und Heide Nord.

Nicht Berge im eigentlichen Sinne erwarten einen, sondern vielmehr eine hügelähnliche Landschaft. Sie hatte ich ja schon bei meinem Abstecher rund um die Kröllwitzer Brücke gesehen. Die Brandberge haben ihren Ursprung in kalkhaltigem Gestein, hat man mir früher mal erzählt. Davon ist hier allerdings wenig zu sehen. Vielmehr viel Grün, viel Rasen. Denkt man sich die einzelnen Wurfanlagen weg, dann ist es einfach eine große Wiese, dazu eine Ebene höher noch ein Rasenplatz. Mittendrin steht die Wurfhalle, in der allerdings nicht geworfen wird, sondern in der die Athleten Kraft im Kraftraum tanken können. Bei den Werfertagen dient sie den Athleten vor allem als Aufenthalts- und Aufwärmraum.

Und an diesem Sommertag nutzen sie gern die Kühle der Halle. Da die Wettkämpfe noch nicht begonnen haben, suche ich auch zunächst diese Halle auf, um nach Gesprächspartnern Ausschau zu halten. Da läuft mir zum zweiten Mal Boris Obergföll über den Weg, Bundestrainer und Heimtrainer seiner Frau Christina. Gemeinsam mit Werner Daniels, dem langjährigen Trainer der Weltmeisterin von 2013, läßt er die Speere überprüfen:

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Jürgen Schmitt, seines Zeichens Obmann der Gerätekontrolle, wiegt jeden Speer, ermittelt den Schwerpunkt und stellt den Durchmesser der Speere an verschiedenen Meßpunkten fest. Stimmt alles, bekommt der Speer das „Okay“.

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Gerätechef Jürgen Schmitt   bei der Arbeit

 

Gleich daneben wird Kugelstoßer David Storl vom Physiotherapeuten auf den Wettkampf vorbereitet. Nicht nur ums Knie kümmert er sich, er prüft auch die Reflexe.

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Ansonsten wird in der Halle viel gedehnt, oder einfach nur geruht. Auch hier überwiegt das Familiäre, die Zuschauer können einfach durch die Halle spazieren und zusehen.

Die Präsentation der Spitzenathleten

Familiär ist auch immer die Vorstellung einiger Spitzenathleten zu Beginn der Veranstaltung. Schon hier ist die Aufmerksamkeit des sachkundigen Publikums zu spüren.

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Ein herzliches Willkommen wünscht Gesamtleiter Dr. Falk Ritschel:

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Kleine Geschenke werden den Athleten überreicht, die Fotografen kommen auf ihre Kosten:

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Kathrin Klaas, Christina Obergföll, Linda Stahl (von links)

 

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Lokalmatadorin Nadine Müller

 

Dann aber beginnt endlich das eigentliche Kräftemessen.

Ab 12.30 Uhr versammelt sich eine unübersehbare Menge rund um den Kugelstoßring. Man muß als Zuschauer möglichst 2 Meter groß sein und dazu über Stehvermögen verfügen, um alles verfolgen zu können:

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Aber wer nicht alles mitbekommt, wird vom Sprecher auf dem Laufenden gehalten.

Ich schaue mir das Ganze aus der Ferne an und blicke auf den Wurfsektor:

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In der anderen Richtung erblicke ich das Schild „Doping-Kontrolle“:

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Der Weg der dafür ausgelosten bzw. bestimmten Athleten führt von dort hinunter in die nächste Halle, die Sporthalle Brandberge. Diese Halle ist vor allem als Leichtathletikhalle konzipiert und bietet mit 1.840 Sitz- und 160 Stehplätzen viel Platz für die Zuschauer. Aber nicht nur Leichtathletik wird dort zelebriert, sondern es finden auch kulturelle Veranstaltungen aller Art statt.

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Doch heute, an einem Sommertag, spielt sich das sportliche Geschehen im Freien ab.

Meine Aufmerksamkeit gilt den aktiven Kugelstoßern. Einfach ist es, die „Rückfront“ des nach David Storl gegenwärtig zweitbesten Deutschen Tobias Dahm aufs Foto zu bekommen. Er sitzt nach seinem dritten Versuch von 19,77 m auf der Bank am Rande des Sektors und beobachtet die Konkurrenz:

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Einfach ist es auch, David Storl bei seinen Vorbereitungen „abzulichten“:

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Schwerer ist es für mich dagegen, die Aktionen der Kugelstoßer aus der Entfernung ins rechte Bild zu setzte. Da reicht, wie vorher schon beschrieben, der „Zoom“ meiner Kamera nicht aus. Aber mit ein wenig Phantasie erkennt man hier, daß Publikumsliebling David Storl gerade die Kugel aus der Hand „gelassen“ hat:

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20,25 m werden für ihn gemessen, und das sollte am Ende  sein weitester Versuch bleiben. Der Weltmeister von 2011 und 2013 und Olympiazweiter von 2012 ist damit nicht zufrieden, auch wenn es sein Saisoneinstand nach 8 Monaten Wettkampfpause ist.

So äußert er sich später im Gespräch mit den Journalisten recht enttäuscht.

Und hier sieht man wieder die Vorteile des Meetings für die Medien. Sofort nach Ende des Wettkampfes stehen die Athleten zur Verfügung, und David Storl darf schildern, wie er alles bewertet und auch, wie es seinem Knie „geht“. Diese Frage aber hörte er wohl zu oft, denn leicht genervt meint er bald: „ Hört doch endlich mit dem Quatsch auf“. Man kann das als gutes Zeichen deuten.

Die Journalisten bei der Arbeit:

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Frank Schober (rechts, Leipziger Volkszeitung) interviewt David Storl

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Gespanntes Lauschen bei Ralf Jarkowski (dpa)

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Hier werden die „goldenen Worte“ festgehalten, die später um die Welt gehen.

Halli Jan 0812Jan-Henner Reitze hält alles für „leichtathletik.de“ im Video-Interview fest.

Nach dem Interview-Marathon geht es für David Storl dann zur Siegerehrung. Vorher werden noch freundliche Worte mit dem Ex-Kugelstoßer Ralf Bartels (rotes T-Shirt) gewechselt, der hier in Halle früher zu den Lieblingen des Publikums gehörte, auch wenn er nicht immer gewinnen konnte. Oliver-Sven Buder (ganz links) schaut zu,  auch ein Exkugelstoßer ( über ihn kann man bei mir in „ Treffs mit Leichtathleten“ manches nachlesen.).

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Typisch für Halle, wo sich aktuelle und frühere Athleten immer wieder freundschaftlich begegnen.

Dann also die Siegerehrung für die Kugelstoßer:

Zunächst wird Tobias Dahm (VfL Sindelfingen) für seinen dritten Rang ausgezeichnet:

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Dann darf sich David Storl (SC DHfK Leipzig) zu seinem zweiten Platz beglückwünschen lassen:

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Nach seinen vorherigen Leistungen nicht unerwartet gewinnt der polnische Drehstoßer Konrad Bukowiecki mit einer Weite von 20,62 m:

Halli Pole Ehre0823

 

Die mehr oder weniger glücklichen Drei:

Halli 3 Geehrte Kugel 0825

Und erwähnenswert noch, daß Dennis Lewke (SC Magdeburg / 19,42 m) Vierter wird, Christian Jagusch (SC Neubrandenburg / 19,09) Siebenter und Patrick Müller (SC Neubrandenburg /19,05) Achter.

 

Die Königin der Werfertage

13.30 Uhr beginnt der Diskuswurf der Frauen, gleich neben der Kugelstoßanlage. Für die Diskuswerfer stehen vier Wurfringe zur Auswahl und jeweils kurz vor Beginn des Wettkampfes kann vom Veranstalter der vermeintlich beste, sprich windbegünstigste Ring ausgewählt werden. Zwar hat man sich früher auch mal bei dieser Auswahl vertan, aber wie sagt man so schön: „ Mit des Windes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten“. Oder so ähnlich. Diesmal spielte der Wind eine relativ untergeordnete Rolle, denn er wehte nur recht schwach.

Halle 2016 klein Fischer TafelP1020832

Aber stark war die Leistung der Berliner Diskuswerferin Julia Fischer, über die ich schon ausführlich in meinem Tagebuch berichtet habe (siehe: Julia Fischer – die Königin der Werfertage).

Peter Grau

(Fotos:  Peter Grau)

Fortsetzung unter: Die Halleschen Werfertage 2016 – von Kathrin Klaas bis Christoph Harting

Die Hallenser Werfertage 2016: ein Erlebnis

Halle Werfertage 2016 Programm

Es waren zwei inhaltsreiche Tage rund um die Halplus-Werfertage in Halle an der Saale. Nicht ohne Grund spricht man von einem Treffen der Werferfamilie. Das Familiäre spürte man überall. Und die Eindrücke waren so vielschichtig, daß ich nicht alles in einem „Ritt“ abhandeln kann.  Es wird eine Etappen-Berichterstattung, wobei  nicht das aktuelle sportliche Geschehen im Vordergrund stehen wird ( das wurde ja schon ausführlich bei  „leichtathlet.de“ vom Mann am Ort, Jan-Henner Reitze, erläutert).

Ich will vielmehr gewissermaßen einen Mix anbieten. Angefangen von Begegnungen und Erlebnissen im Vorfeld der Wettkämpfe,  fortgesetzt mit einer Reportage von den Hauptwettkämpfen am Samstag aus der Sicht eines Zuschauers, der von Wettkampfdisziplin zu Wettkampfdisziplin mit den Athleten mitzieht bis hin zu meinen vielen intensiven und teilweise auch nur flüchtigen Gesprächen am Rande des Werfertages.

Untermalt wird alles mit  Fotos, die ich selbst am Ort des Geschehens „ geschossen“ habe.  131 Fotos waren es insgesamt, und dafür brauche ich dann leider auch einige Zeit, um sie „mundgerecht“ für meine Homepage vorzubereiten.

Aber, und das ist auch der Vorteil einer eigenen Homepage: Es herrscht kein Termindruck.  Früher ,– ich habe immerhin schon seit 1992 für die Zeitschrift „Leichtathletik“ von den Hallenser Werfertagen berichtet -,  bin ich in der Regel am Samstag früh von Berlin nach Halle gefahren, habe dann alle Wurfdisziplinen verfolgt (was nicht ganz einfach war, weil sich manche zeitlich überschnitten),  habe die Gespräche mit den Athleten geführt und bin abends zurückgefahren. Am Sonntag wurde dann alles zu „ Papier“, sprich in den Computer gebracht.

Nun aber nehme ich mir die Zeit, alles in Ruhe aufzuarbeiten.

Aber einige Fotos will ich schon vorweg zeigen:

 

 

Halle 2016 klein PräsentationP1020786

Ein lächelndes Trio bei der Präsentation: Kathrin Klaas, Christina Obergföll, Linda Stahl (von links)

 

Halle 2016 klein blick auf KugelP1020793

Blick auf den Kugelstoßring

 

Halle 2016 klein Fischer TafelP1020832

Diskuswerferin Julia Fischer  mit ihrer Siegesweite.

 

Halle 2016 klein Weber SpeerP1020869

Ein strahlender Speerwurfsieger Julian Weber (USC Mainz)

 

Halle 2016 klein Ewald mit Diskusmännern P1020877

Veranstaltungssprecher Ewald Walker im Kreise des siegreichen Trios der Diskuswerfer:  Daniel Jasinski (2.), Christoph Harting (1.), Martin Wierig (3. /  von links)

 

Die Ente auf dem heißen Glasdach

Dieser Titel ist folgendem Filmtitel aus den 1950er Jahren nachempfunden:  Die Katze auf dem heißen Blechdach. Dieser Film, nach  dem gleichnamigen Theaterstück von Tennessee Williams gedreht, wurde am 18. September 1958 in den USA uraufgeführt. Die Hauptrollen spielten damals Elisabeth Taylor und Paul Newmann. Der Film wurde zu einem der größten Kassenschlager der 1950er Jahre. Und ich kann mich dunkel erinnern, daß ich dazu auch mein Scherflein beigetragen habe, irgendwann 1960 oder 1961, als ich schon in Berlin wohnte und für Ostmark in einem Westberliner Kino diesen Film sah. Und wenn mich auch der  Inhalt nicht ganz so begeisterte, ist mir der Filmtitel bis heute im Gedächtnis geblieben.

Genug der Einleitung, denn es soll ja hier nicht eine Katze, sondern eine Ente die Hauptrolle spielen.

Das Nest auf dem Dach

Vor einem Monat, am 13. April,  wollten wir unser Glasdach, das sich über der Sitzecke unseres kleinen  Hausgartens spannt, von Efeuranken und Blättern reinigen.

Ente klein Idylle im GartenP1020587

Glasermeister Mario Wrosch, ( mehr zu ihm  am Ende der Geschichte) der in unserem Haus seine Werkstatt betreibt,   stieg also aufs Dach und staunte nicht schlecht. Dort, wo der größte Haufen an Ästen und  Blättern lag, hatte sich eine Ente niedergelassen. Und da sie sich nach ihrer Entdeckung auch nicht vom Fleck rührte, kamen wir schnell zum Schluß:  Sie brütet.

Mario 378 BrütenDSC00378

Fortan wurde es zur täglichen Routine, mit unseren Fernstechern aus ca. 10 Meter  Entfernung zu beobachten, was sich tat.  Es tat sich nichts, und wir waren immer sicherer, daß diese Ente brütete. Sie verließ nie ihren Platz, verlagerte nur ein wenig die Stellung. Und ein Entenmann ließ sich nicht blicken.

Wir machten uns im Internet sachkundig. Dort stand, daß es im Frühjahr üblich sei, daß Enten, besonders Stockenten,  auf Balkonen oder Hausdächern brüten würden.  Man solle also den Dingen seinen Lauf lassen. Tips bekamen wir viele, was man tun solle und wie lange es dauern könne. Der Anruf beim Tierpark Kunsterspring brachte nur allgemeine Hinweise. Wir hatten auf Unterstützung gehofft, aber die Auskunft war:  „ Wir haben viel zu viele Enten, können also nicht helfen“.

Es dauerte und dauerte. Die Ente bewegte sich zwar wenig vom Fleck, aber baute ihr Nest immer mehr aus.  Am Schluß war es fast wie eine Trutzburg um sie herum.

Leichte Zweifel kamen bei uns auf, ob das Brüten Erfolg haben würde, ob die Eier befruchtet waren oder es sich vielleicht nur um eine Scheinschwangerschaft handele.

30 Tage nach der Entdeckung war es dann endlich soweit.

Die Küken sind da

Am Freitag, dem 13. Mai 2016, Punkt 8 Uhr in der Früh schaute ich gewohnheitsmäßig aufs Dach und bekam einen freudigen Schreck. Die Ente war in voller Größe zu sehen und viele Küken standen um sie herum.

Ente klein Küken gerade daP1020720

Ente klein kurz nach GeburtP1020722

Ente klein 24 Ente plus KükenP1020724

Die Botschaft verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Nun kam der größere Teil des Abenteuers für uns. Im Geiste vorbereitet hatten wir uns, denn wir wollten die Entenschar zu Fuß hinunter zum Ruppiner See bringen. Der Weg war klar, das Ziel auch. Aber, zunächst mußte sich die Entenmama mit  ihren Schützlingen in Bewegung setzen.

Und sie tat es mit Bedacht. Einige Male stolzierte sie mit den 10 Küken über das Glasdach, um zum einen das Laufen zu trainieren und zum anderen den Fluchtweg vom Dach auszuloten. Auffallend, wie diszipliniert die Küken waren. Niemand ging eigene Wege, alle folgten der Mutter.

Ente klein auf GlasdachP1020729

Wir aber trafen Vorbereitungen, schleppten Wannen mit Wasser in den Garten und legten Holzlatten an das Dach, um das Herunterkommen zu erleichtern.

Ente klein Wannen 35P1020735

Ente klein Blick durchs GlasdachP1020737

Es zog sich bis in den frühen Nachmittag hin. Und dann wählte die Entenmama einen von uns unerwarteten Weg. Der führte nicht wie erhofft in unseren Garten, sondern man stürzte sich gemeinsam etwa zwei Meter hinab auf Nachbars Grundstück.  Unsere Aufregung wuchs.  Dann aber sichteten wir die Mama mit ihren Küken im tiefen Gras von Nachbars Garten. Aufgeregt schnatterte die Ente, aber es gelang uns zu Dritt, die Ente zum Gang durch den Torweg hinaus auf die Friedrich-Ebert-Straße zu bewegen. Und wie erhofft folgte die aufgeregte Kükenschar ganz diszipliniert.

Der Weg zum See

Nun hieß es für uns, die Ruhe zu bewahren und der Entenschar den Weg zu weisen. Mit  Holzlatten in Form von Löffeln zeigten wir den Weg.   Zwei Kinder, die zufälligerweise vorbeikamen, schlossen sich auf unsere Bitte hin an. „ Wir sind tierlieb, helfen gern“.  Nebenher ihr Eis schleckend, waren sie uns eine große Stütze.  Aber ganz ohne Aufregung ging es trotzdem nicht.

Ente klein EntenmarschP1020741

Zunächst führte unser Weg nach 50 Metern über den Schulplatz, wo wie jeden Freitag der Markt stattfand.  Die Marktbesucher wurden schnell auf uns aufmerksam.  Wann sieht man schon mal solch einen Entenzug in der Stadt?

Es wurde etwas unruhiger im Umfeld und auch die  Ente zeigte sich leicht irritiert. Sie versuchte zunächst, nach rechts auszubrechen. Vielleicht konnte sie sich erinnern, daß  sie vor rund einem Monat mal aus dieser Richtung eingeflogen war.

Aber durch geduldiges Zureden und sanfte Gewalt mit Hilfe unserer „Holzlöffel“  brachten  wir sie wieder auf den richtigen Weg.  Kurz hinter dem  Postgebäude kam bald die nächste Bewährungsprobe für unsere „Prozession“.  Es galt, die Friedrich-Engels-Straße  zu überqueren. Nur gut, daß diese Straße immer noch eine Dauerbaustelle ist und der Autoverkehr deshalb gering war.

Mario Poststraße 413

Zwar wollte unsere Entenfrau wieder nach rechts ausbrechen, aber das wußten wir geschickt zu verhindern.  Nun mußten wir nur noch durch die Poststraße. Vielleicht konnten die Enten das Wasser schon erahnen.  Jedenfalls ging es flott voran, in brütender Sonne.

Ente klein KlosterhofP1020742

Mario 414 Post 2

Ente klein StolpersteineP1020743

Erstaunlich, wie fit die Küken an ihrem ersten Lebenstag schon waren. Und auch die Ente, die ja 30 Tage nur still im Nest gesessen hatte, watschelte mit flottem Tempo voraus.   Entgegenkommende Passanten wurde von  uns freundlich auf die andere Straßenseite „komplimentiert“, unsere Schützlinge sollten keine Hindernisse mehr haben.

Der See ruft

Erleichterung bei uns, als wir dann den Ruppiner See  direkt  vor uns sahen. Links das Restaurant „Zur Wichmannslinde“ und der Aussichtspunkt „ Spucknapf“, rechts vor der Klosterkirche der gewaltige Bühnenaufbau für das Musikschauspiel „Grete Minde“ im Rahmen der Fontane-Festspiele.

Und wir marschierten mittendurch. Wir hatten schon vorher unsere eigene Aufführung, die für uns ja auch eine Uraufführung war.

Mario 415 Ufer Fontanes

Leicht abschüssig nun der Pflasterweg hinunter zum Bollwerk, doch Frau Ente wählte den kürzeren Weg über den Rasen.

Ente klein Ente plus Küken 44 P1020744

Vielleicht sah sie dort auch die vier gelben Fontane-Figuren, die  vom Künstler   Ottmar Hörl aufgestellt worden sind (400 weitere Skulpturen aus Plastik stehen gegenwärtig vor der Neuruppiner Pfarrkirche, unter dem Motto:  Theodor Fontane – Wanderer zwischen den Welten) ,  und dachte sich:  Wo Fontane ist, da wandert es sich gut.

Die letzten Meter schaffte unsere „Prozession“   mit Bravour. Die kleinen Treppenabsätze bildeten kein Hindernis, springend und purzelnd wurden sie überwunden. Dann endlich war man am Wasser angelangt.

Mario 416 Bollwerk

Wir konnten nachfühlen, als unsere Ente genüßlich einen ersten Schluck Wasser zu sich nahm.  Sehr lange hatte sie darauf gewartet, denn in den 24 Tagen der Brut war nur wenig Regen gefallen.

Nun aber hatte sie Wasser im Überfluß vor sich. Und deshalb: hinein in den Ruppiner See. Die 10 Küken zeigten sich nicht als wasserscheu und stürzten sich erstmals in ihrem bisher so kurzen Leben ins Wasser.

Mario Wasser 417

Ente klein im WasserP1020745

Und dann segelte die Enten-Armada davon, mit einem beachtlichen Tempo. Unsere guten Wünsche begleiteten sie.

Ente klein WegschwimmendP1020746

Das Abenteuer  „ Die Ente auf dem heißen Glasdach“ hatte ein glückliches Ende gefunden.

Peter Grau

(Fotos: Peter Grau und Mario Wrosch)

Glaserei Wrosch

Am Vatertag zum Italiener

Nicht immer muß es am Vatertag eine Radpartie sein. Es reicht manchmal auch ein Spaziergang auf dem Uferweg am Ruppiner See.

Italiener   klein   UferwegP1020696

Italiener   klein SeeblickP1020697

Italiener  klein SeeblickP1020692

Und dann entdeckt man  eine neue Gaststätte, das „Ristorante Stella Marina“:

Italiener   klein    Stellla P1020693

Neu ist aber relativ, denn hier gab es schon vorher eine Gaststätte „La Caleta“ , allerdings mit spanischer Kost.

An dieser Stelle stand früher das Gebäude einer Stärkefabrik,  aber das wurde 2007 abgerissen.

Italiener klein  StellaP1020694

Nun aber ist seit Anfang März 2016 Italien Trumpf. Und mit italienischer Freundlichkeit wird uns ein Eiskaffee und ein erfrischendes Getränk Campari mit Tonic auf der Terrasse kredenzt.

Erfrischt und beschwingt begeben wir uns wieder auf den Heimweg und versprechen den Gastgebern, bald mal wieder dort einzukehren.

Italiener   klein    Rückweg 1P1020698

Italiener    klein     Rcüweg 2P1020699

Italiener  klein Rückweg 3P1020700

Die Schmerzen mit der Barmer

Rückenzemtrum ich zweites Foto

Mein sportliches Kapitel „ Rückenzentrum“ ist vorerst beendet. Zwanzig Mal habe ich mich jeweils eine Stunde lang im „Rückenzentrum“ in der Neuruppiner Junckerstraße an den Geräten abgemüht. Teilweise habe ich in meinem Tagebuch darüber berichtet.

Früher als Läufer hatte ich einen Bogen um Kraftgeräte gemacht, hatte Gymnastik nur bei anderen bestaunt und meinen Körper, sprich vorrangig meine Oberschenkel, nur kurzzeitig gedehnt. Als ich dann las, daß man auch im Alter noch Krafttraining beginnen könne,  habe ich diesen Wunsch meinem Hausarzt mitgeteilt. Aber nicht nur Kraft wollte ich tanken. Auch meine Rückenbeschwerden sollten durch die Stärkung der Muskulatur weniger werden. Mein Hausarzt verschrieb mir neben 6 x Physio und 6 x Fango auch 50 Übungseinheiten beim Rehabilitationssport. Doch als ich dafür bei meiner Krankenkasse, der Barmer GEK, eine Unterschrift holen wollte, machte man mir dort einen anderen Vorschlag:  „Gehen Sie doch ins Rückenzentrum. Dort werden Sie individuell betreut und außerdem finanziert die Barmer auch noch diese Kurse“.

Gesagt, getan. Ich folgte dem Vorschlag, landete im Rückenzentrum bei Toni und paßte mich recht schnell dem Trainingsrhythmus an. Parallel dazu hatte ich meinen Antrag zur Finanzierung des Kurses Ende November 2015 in der Geschäftsstelle der Krankenkasse abgeben, unterstützt durch entsprechende Einlassungen von Ärzten. Vielleicht war ich nicht krank genug, waren meine Rückenschmerzen nicht stark genug und vielleicht gehörte ich als Rentner nicht zur Zielgruppe dieser Therapiemaßnahme. Das weiß ich nicht.

Jedenfalls wartete und wartete ich, bekam bisher, Stand 30. April 2016, keine Antwort, sei sie nun negativ oder positiv. Die Kosten für das Training hatte ich zunächst privat bezahlt, in der Hoffnung, daß irgendwann die Krankenkasse etwas zusteuern würde. Aber diese Hoffnung wurde immer geringer. Ärgerlich nur, daß ich überhaupt keine Antwort bekam.

Barmer Gesundheitskarte Scan_Pic0041

Immerhin bin ich seit  1990 Mitglied der Barmer, habe immer meine Beiträge gezahlt und sehr wenig dafür Leistungen in Anspruch genommen. Ein Leistenbruch, eine Augen-OP, Zuzahlungen bei der Zahnbehandlung und beim Hörgerät waren die einzigen außergewöhnlichen Sachen. Dazu der nicht eben häufige Besuch bei Ärzten und regelmäßig Tabletten gegen Bluthochdruck, das war es dann auch. Man kann sich ausrechnen, daß ich in über 25 Jahren viel mehr eingezahlt als Kosten verursacht habe. Doch dieses Aufrechnen ist nur die eine Seite. Keine Antwort zu bekommen ist die andere Seite der Medaille.

Die Geräte fehlen mir

Aber nicht nur die Antwort der Krankenkasse fehlt mir. Mir fehlt auch das wöchentliche Training an den Geräten. Man glaubt gar nicht, wie schnell man sich an eine Sache gewöhnen kann. Das kam auch beim Abschlußgespräch im Rückenzentrum zur Sprache. Toni schätzte ein, daß ich mich während dieser drei Monate stark verbessert habe, vor allem in der unteren Rückenmuskulatur, der seitlichen Bauchmuskulatur und der Rotationsmuskulatur. Die Halsmuskulatur ist ausgeglichener geworden. Gestärkt werden muß in Zukunft besonders die Bauchmuskulatur. Sprich, dort waren die Fortschritte weniger groß. In der Bilanz schlug zu meinen Ungunsten an, daß ich anfangs 73 kg wog und nun 76 kg.  Aber trotzdem waren die Veränderungen an den einzelnen Geräten beachtlich:

Rumpfbeugen            Anfang 15 kg Gewicht eingestellt, Ende   30 kg

Zur Seite beugen        Anfang 27,5   Ende   42,5

Rotation Anfang  17,5    Ende  30

Rückenstrecker  Anfang 27,5    Ende 40 kg

Halswirbelsäule:  zur Seite beugen   Anfang 5 kg, Ende 7 kg

Halswirbelsäule:  nach hinten drücken:  Anfang  9 kg, Ende 13 kg.

Wie nun weiter?

Mein Anfangsgedanke war, das Training an den Geräten eine Etage über dem Rückenzentrum, in der Fitness-Lounge, weiterzuführen. Dort wartet Sören schon auf mich, ich hätte also wieder eine individuelle Betreuung. Und neben der Arbeit an den Geräten könnte ich dort auch Neues praktizieren, könnte auch auf dem Laufband probieren, ob ich doch noch mal „ins Laufen“ kommen kann.

Stichwort Laufen: Gerade beim Ausgestalten meiner Homepage kam mir wieder zu Bewußtsein, wie eng ich doch immer am „Laufen“ war, wie sehr es mir vom Kopf her liegt. Und so versuche ich mich nach einem Trainingsplan, der verspricht:  In einem Monat 30 Minuten im Stück laufen zu können, ohne Gehpausen. Die ersten drei Male verliefen ohne Mühe, doch dann siegte erneut die Bequemlichkeit. Und es drängte ja auch kein Termin, kein Trainer wartete.

So ist der Stand, und ich denke wieder neu nach.

Mal sehen, wohin es mich in den nächsten Monaten treibt:  Zum Laufen, zum Radfahren (eine weitere Alternative) oder ins Studio.

Peter Grau

 

Laufen oder an die Geräte, das ist hier die Frage:

London-Marathon klein Ziel ohne Zeit

klein klein zehn 61

 

Vor 20 Jahren beim London-Marathon

Als die Mauer zwischen Ost und West noch fast undurchlässig war, träumten wir von Marathonstarts in Boston, New York oder London. Als es dann nach 1990 so einfach war, packte ich es lange nicht, weil ich der Arbeit den Vorzug gab und deshalb viel weniger als früher trainierte. Und Marathon ohne ausreichendes Training, das wird entweder zur Quälerei oder aber bringt kein vernünftiges Ergebnis. Und Ergebnisse wollten wir früher immer, nicht nur einen Spaßmarathon laufen.

1990 war ich den Berlin-Marathon gelaufen, 1996 wollte ich wieder mal einen Anlauf nehmen. New York und Boston waren mir zu weit entfernt London schien machbar. Dachte ich.

Aber das Training vorher war einfach nicht ausreichend. Nur 30 bis 40 km schaffte ich pro Woche. Doch ein Rückzieher kam nicht in Frage, die Reise war bereits kurz vor Weihnachten 1995 fest gebucht.

London-Marathon klein FlugzeitenScan_Pic0039

Am 19. April 1996 war es dann soweit. Gemeinsam mit Arno und Marion fuhr ich mit einem Großraumtaxi von Neuruppin zum Berliner  Flughafen Tegel. Alles klappte perfekt, der Flug nach London war kurzweilig und die Fahrt zum Hotel St. Giles verlief auch ohne Probleme.

Londonmara Hotel St. Giles

Am gleichen Tag holten wir uns noch die Startunterlagen ab, sahen uns ein wenig in der Stadt um, und dann begann das Warten.

London-Marathon klein StartnummerScan_Pic0036

Früh am Morgen des 20. Aprils bewegten wir uns per Bahn im Strom der  Gleichgesinnten in Richtung Greenwich. Dieser Ort ist vor allem bekannt als Null-Meridian, als Datumsgrenze. Doch das interessierte uns diesmal nur am Rande. Für uns stand der Start im Riesenpark von Greenwich im Vordergrund.

London-Marathon Startgebietstart-map800

Einen kleinen Dämpfer hatte es für mich aber schon gegeben: Es war recht warm. Wenig trainiert – später heiß, das war eine sehr leistungsmindernde  Mischung.

Anfangs merkte ich das zwar noch nicht, zumal die Strecke gefühlt nur abwärts führte. Der erste Höhepunkt kam bei Meile 6 (ca. 10 km), als wir das Segelschiff Cutty Sark umrundeten.

Wenig später, bei Meile 8,  stand dann einer der vielen Fotografen parat und schoß dieses Foto:

London-Marathon klein 8 MeilenScan_Pic0040

Bei Meile 8 mit  Nr. 2457 und gelbem Hemd vorn in der dritten Reihe.

Wenn man genauer hinschaut, bemerkt man, daß wir da noch alle recht gut und frisch aussahen. Aber sicher täuschte das bei den meisten Läufern schon.

Anschließend kamen wir zunächst durch weniger attraktive Vororte, doch bald, bei Meile 12, liefen wir  auf die Tower Bridge zu.

towerbridge

Aber schon da spürte ich immer mehr, daß angesichts der steigenden Temperaturen meine Kräfte spürbar schwanden.  Und bald, und das war kein gutes Zeichen, mußte ich Gehpausen einlegen. Da nützte auch der Beifall und das Geschrei der Zuschauer wenig. Man schämte sich eher, weil man nicht mehr lief, sondern nur noch ging.

Die Gehstrecken wurden immer länger, die Freude am Laufen immer geringer. Noch in Erinnerung ist mir eine sehr lange Straße, gelegen über der U-Bahn-Station Embankment. Zwischen hohen Häusern „promenierten“ wir, doch eher schlichen wir vorwärts.  Arno und ich konnten sich kürzlich sehr gut daran erinnern, daß dort die Straße „dampfte“.  Warum, das wissen wir nicht mehr so genau, aber uns war,  als ob der Asphalt kochte. Denn geregnet hatte es ja nicht.  Irgendwann war auch diese Straße passiert. Vorbei am Parlamentsgebäude mit dem Big Ben rechterhand ging es dann  Richtung Buckingham Palace. Vorbei an Westminster Abbey, durch die Prachtstraße  Birdcage Walk,  und endlich rückte das Ziel immer näher.

London-Marathon Buckingham

Um dann im Ziel frisch auszusehen, legte ich nochmals eine lange Gehpause ein, und dann konnte ich die abfallende Straße hinunter ins Ziel einigermaßen genießen.

London-Marathon klein Ziele mit ZeitScan_Pic0038

Auf dem Zielfoto sah ich dann auch nicht erschöpft aus. Aber die Zeit über mir sprach Bände:  5:01:33.

Doch eine Medaille gab es trotzdem:

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Früher war ich zwischen 3:30 und 3:08 gelaufen, doch mit solch geringem Training war das eben nicht machbar. Und deshalb habe ich diesen London-Marathon auch nicht als „richtigen“ Marathon in Erinnerung.  Für mich mußte damals ein Marathon mindestens unter 4 Stunden enden, möglichst unter 3:30 Stunden.

Geblieben ist die Erinnerung an einen spektakulären Lauf, und jedes Jahr im April wird mir das bewußt, wenn der London-Marathon wieder 30.000 Läufer und Läuferinnen in die Themse-Stadt ruft.

Peter Grau