Alle Artikel von Neuruppin

Exzellenter Film über Neuruppin

DVD Neuruppin      Manche Schätze blühen…

im Verborgenen. So auch ein brillant gestalteter 30-Minutenfilm über die Stadt Neuruppin, der den Betrachter vom Stadtbrand 1787 bis zur Neuzeit Eckpunkte der Stadtgeschichte erleben und Fontane zu Wort kommen läßt und die wichtigsten Bauten zeigt.
Entstanden ist er im Sommer 2015 aus Anlaß eines Absolvententreffens in Neuruppin. Dort fand er großen Anklang, doch danach wurde er nicht so richtig bekannt. Das soll nun besser werden, denn Ähnliches gibt es bisher nicht.
Der Film von Ulrich Bredow ist auf DVD für 10 Euro zu haben. Bestellungen über meine email-Adresse: petergrau@aol.com

Alarm auf Ally-Pally

Dart FotosSeit einigen Jahren begeistert mich ein Spiel, das viel mehr als ein Spiel ist: DART lautet das Zauberwort. Und heute am Donnerstag beginnt sie, die Darts-WM in London. Bis zum 3. Januar 2016 findet im legendären Alexandra Palace, kurz Ally Pally, die WM statt, ehe der Weltmeister gekürt wird. Titelverteidiger ist Gary Anderson, der „Flying Scotsman“. Aber der Favorit kommt mit Michael van Gerwen aus Holland. Und wie weit schafft es Rekordweltmeister Phil Taylor? Es geht um rund 2 Millionen Euro, und 72 Spieler sind am Start.

Kleine Regelkunde:
Ziel eines jeden Durchgangs (Leg) ist es, zuerst von 501 auf null zu kommen. Dabei werden im Kampf eins gegen eins abwechselnd je drei Pfeile geworfen. Ein Leg muss mit einem Wurf auf ein Doppel-Feld beendet werden. Wer drei Legs gewinnt, gewinnt einen Satz. Zum Gewinn eines Matches sind je nach Runde unterschiedlich viele Sätze notwendig.
IN WELCHEM MODUS WIRD GESPIELT?
Im K.o.-System. Für einen Sieg in der Qualifikation müssen zwei Sätze à drei Legs gewonnen werden. Die erste Runde wird im Modus best-of-five gespielt, die zweite Runde und das Achtelfinale im Modus best-of-seven. Im Viertelfinale sind fünf Gewinnsätze nötig, im Halbfinale sechs und im Finale schließlich sieben.

Eine Sopranistin auf Abwegen

Manchmal macht es Klick, wenn man bestimmte Namen hört. So gestern geschehen, als ich las: Die spanische Sopranistin Montserrat Caballé (82 Jahre) ist wegen Steuerbetrugs zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Hinzu kam eine Geldstrafe von 250.000 Euro und noch eine Zahlung von 70.000 Euro an das Finanzamt. Ihr wurde vorgeworfen, dem Finanzamt im Jahre 2010 Steuern vorenthalten zu haben. Sie habe den Pyrenäen-Kleinstaat Andorra als ihren Wohnsitz angegeben, aber in Wirklichkeit in Barcelona gelebt. Die Musikerin hatte bei einer Vernehmung durch einen Ermittlungsrichter einen Steuerbetrug bestritten und ausgesagt, in dieser Zeit wirklich in Andorra gewohnt zu haben. Dennoch zahlte sie die angeblich hinterzogenen Steuern mittlerweile nach. Dies dürfte den Weg zu dem jetzt geschlossenen Übereinkommen freigemacht haben.
Und warum erinnerte ich mich an sie? 1997 hatte ich sie das erste und einzige Mal live singen hören und zwar bei der Eröffnungsfeier der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Athen. Sie fand in dem für die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit erbauten Marmorstadion Panathinaikos statt. Ich weiß auch noch, daß ich und mein Kollege Jörg Wenig von dieser Feier sehr angetan waren, und das u.a. auch wegen der Sopranistin. Und wenige Tage danach liefen die Marathonläufer dort ins Ziel.

Im alten Wohnviertel am Tierpark

Mellensee_4Vorige Woche war ich wieder mal in meinem alten Wohnviertel in Berlin. Damals hieß es „ Hans-Loch-Viertel“ und war ein Neubauviertel mit schicken Plattenbauten nahe des Tierparks. Die nächste U-Bahnstation hieß Friedrichsfelde, die U-Bahn fuhr damals noch nicht weiter in Richtung Tierpark. 1971 wohnten wir zuvor in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung in der Boxhagener Straße, heute eher ein Szeneviertel im Friedrichshain. Damals waren wir sehr froh, als uns eine 3-Zimmer-Neubauwohnung in eben diesem Hans-Loch-Viertel in der Mellenseestr. 60 zugewiesen wurde. 3 Zimmer, dazu eine Küche mit Fenstern, Bad und Toilette mit Fenstern, und das alles im obersten Stock des Hauses, im 10. Stock. Zu dritt zogen wir ein, und es sollte lange unsere Bleibe sein, auch dann, als wir 4 Personen waren.
Heutzutage, rund 35 Jahre später, stehen die Häuser immer noch, sind von außen und innen renoviert. Sichtbare Veränderung im äußeren Bereich: viel Grün und die Bäume sind fast in den Himmel gewachsen. Kindergarten und Kinderkrippe (so hieß das früher) und die Schule stehen noch, nur die Schüler, Lehrer und Lehrpläne sind andere.
Auch wenn ich das jetzt mit anderen Augen betrachte: Wohlgefühlt haben wir uns dort immer.

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Zwei Tage Website

Bei Facebook habe ich mich für die ersten Reaktionen auf meine neue Website wie folgt bedankt:

Danke erstmal dafür, daß meine neue Website www.petergrau-leichtathlet.de schon an den ersten beiden Tagen eine solche Aufmerksamkeit gefunden hat. Normalerweise ist es garnicht so einfach, eine neue Seite zu verbreiten. Zumal, wenn es wie für mich eine Premiere ist.
Aber ich merke auch sofort, daß man mit dem Internet (auch dank Facebook) doch mehr Leute erreicht und auch mehr Reaktionen erhält. Letzteres ist bei einem Buch sicher leider nicht so. Da schmort der Autor mehr im eigenen Saft und bekommt nur bei Lesungen die Rückkoppelung.
Interessant auch, daß es sicher einige Zeit (Tage, Wochen) dauert, bis man meine Seite unter google direkt erreichen kann. Aber das wußte ich vorher. Doch wenn man „Wie lange braucht google“ eingibt, bekommt man mit, daß auch andere Leute Probleme haben, schnell von Google aufgenommen zu werden. Meistens macht man sich über so etwas wenig Gedanken, sondern googelt einfach vor sich hin.

Zum Geburtstag meiner Website

 

cropped-Homepage-ISTAF-Indoor-2014-Sprint-Foto1.jpgAnfang dieses Jahres 2015 keimte die Idee, eine eigene Website zu erstellen. Doch ich merkte bald, daß es ohne den Einsatz von viel „Kohle“ gar nicht so einfach ist, jemanden zu finden, der Ahnung, Zeit, Muße und Lust hat, einem zu helfen. Und Hilfe braucht man, auch wenn im Netz oft steht, daß es gaaanz einfach wäre. Die Anfangshilfe von Ulrich Bredow war zwar selbstlos und gut gemeint, aber „ Magix Webdesigner 10“ war eher für diejenigen gedacht, die Fotos und Filme in die Welt senden wollen. Lange Texte, so wie ich sie mag, fanden darin nicht genügend Platz. So folgte eine schöpferische Pause.
Mein Ex-Chef Christian Fuchs ( leichtathletik.de) hatte mir zwischendurch geschrieben, daß er für meine Zwecke „wordpress“ vorgezogen hätte. Das hatte ich also im Hinterkopf, als ich im November per Zufall mitbekam, daß sich in Berlin in der Gaststätte „Max und Moritz“ monatlich Kundige und Interessierte treffen, um sich über word press-Probleme zu unterhalten. Am 26. November war ich also dort, fand zwar keinen, der mir direkt helfen konnte, aber man gab mir einige Tips. Und dann brachte es der Zufall mit sich, daß ich bei einem Besuch meiner alten Heimat in Berlin auf dem Zachertsportplatz meinen „ alten“ Lauffreund Klaus traf, der sich anbot, mir zu helfen. Und das tat er mit Bravour. In knapp einem Monat stand die Website und nun, heute, am Montag, dem 14. Dezember 2015, erhielt ich von ihm die Nachricht: „Es ist geschafft.“ Die Website ist im Netz, kann auf Computern, Tablets und Smartphones aufgerufen werden. Und sie hört auch auf alle Rufe, hoffentlich. Und mich wird sie rufen: „Gib mir Futter“. Das ist nun meine nächste, mindestens genauso schwere Aufgabe.

Neues Buch: „Neuruppin-das Album“

 

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Das Buch ist da! Am 10. Dezember wurde das neue Buch „ Neuruppin-das Album“ von der Druckerei  ausgeliefert und landete im Hause Pusch in der Neuruppiner Gerhart-Hauptmann-Straße. Peter Pusch ist der Herausgeber und maßgeblicher Macher des Buches.
Man erhält im Buch eine Stadtführung der besonderen Art. Reich bebildert mit über 500 Postkarten, untermalt mit kurzen Texten, wird der Leser an die Hand genommen und durch Vergangenheit und Gegenwart der Stadt geleitet.
Alte Stadtpläne, neue Stadtansichten, Postkarten und Bilderbogen, farbig und schwarz-weiß, es gibt viel zu entdecken. Es ist ein Spiegelbild von eindrucksvollen Häusern, von Denkmalen, Kirchen, Parks und Wallanlagen.
Das 204 Seiten umfassende Buch ist für 19,90 Euro in der Neuruppiner Fontanebuchhandlung, im Buch-Konsum Antiquariat in der Friedrich-Ebert-Straße und in der Buchhandlung Ruppiner Lesezeichen im Reiz erhältlich. Es kann auch direkt bei Peter Pusch (Gerhart-Hauptmann-Str. 30, 16816 Neuruppin; 03391-358795; regional-verlag-ruppin@t-online.de) bestellt werden.

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Erstmals an einem Fitneß-Gerät

Rückenzentrum 11.12. u.a 005

Das war schon ein besonderer Moment für mich: Am Freitag, dem 11. Dezember 2015, saß ich erstmals an einem Fitneß-Gerät in einem Studio und durfte einige Übungen absolvieren.  Im Neuruppiner Rückenzentrum hatte mich Toni unter seinen Fittichen, ging mit mir die einzelnen Geräte durch und prüfte meine Belastbarkeit. Ob Rumpf, Nacken,  Hals oder Rücken, überall wurde wissenschaftlich festgestellt, wieviel ich mir demnächst an diesen Geräten zumuten darf. Und alles, damit meine Muskulatur gestärkt und die Rücken- und Nackenschmerzen weniger werden. Erste Einschätzung von Toni: Ich habe recht gut abgeschnitten. Und das, obwohl ich früher „nur“ gelaufen“ bin und fast nie Gymnastik oder Krafttraining gemacht haben. Nun gehe ich voller Optimismus ins nächste Jahr, wenn ab 5. Januar die richtigen Trainingseinheiten folgen werden.

Besuch beim deutschen Außenminister

Der Journalistenausweis öffnet manchmal auch die Tore zu den Zentren der Macht. So geschehen an einem Donnerstag im Jahre 2007.

Ort: Auswärtiges Amt, sprich Außenministerium, in Berlin, am Werderschen Markt. Das Organisationsbüro der WM 2009 in Berlin rief zum Fototermin plus Kurzstatements. Thema : Die materielle und ideelle Unterstützung der WM 2009 durch das Außenministerium.

Den schreibenden und photographierenden Journalisten wollten sich Außenminister Dr. Frank – Walter  Steinmeier und diverse Sportprominenz von DLV-Präsident Clemens Prokop bis zu Betty Heidler, Danny Ecker und Kamghe Gaba stellen.

Streikbefürchtungen der Bahn bewahrheiten sich nicht, alle kamen pünktlich an. Der Berichterstatter für leichtathletik.de  gelangte mit dem Auto von Neuruppin ins Zentrum der Hauptstadt. Parken dicht an der Leipziger Straße kostete 50 Cent pro 15 Minuten, weiter dran am Geschehen wären es 75 Cent gewesen. Dann gemütlicher Nachmittagsspaziergang hin zum Außenministerium. Und schon folgte die erste Überraschung. Für jemanden, der seit 1966 in Berlin gelebt hat und gerade in dieser Gegend viele Arbeitsjahre verbrachte, hat sich das Umfeld völlig verändert. Man hatte Mühe, alte Straßenzüge wie die Niederwallstraße wiederzuerkennen. Viele Büro – und Wohngebäude entstanden dort in den letzten 15 Jahren, und sie entstehen immer noch.

Dann also hinein ins Außenministerium. Erste Hürde: die Personenkontrolle. So wie am Flughafen durfte man den Mantel ablegen, Handy und Schlüssel abgeben und die Tasche aufs Band legen. Aber, keine Kritik, das gibt eben Sicherheit und die braucht ein Außenministerium. Man war im Lichthof, dem Eingang zum ersten, neu gebauten Gebäude. Nächste Station: Pförtnerloge, und daneben der Austausch des Personalausweises gegen eine blecherne Marke mit der Aufschrift Presse Nr. 5.  Platznehmen auf weichem Leder, Abmarsch mit anderen Kollegen unter Führung von zwei wichtigen Personen des Ministeriums. Der Weg führte uns in den Altbau, dorthin, wo zu DDR-Zeiten ab 1959 das Zentralkomitee und das Politbüro der SED, der Staatspartei, residierten und die wichtigen Entscheidungen fürs Wohl oder Wehe des Volkes fällten. Das Parteiemblem (das mit den verschlungenen Händen)  ist längst nicht mehr an der Außenfront, alles macht einen neuen Eindruck, von der Fassade bis zu den Innenräumen. Auf den Spuren von Erich Honecker und Co. fühlten wir uns, und direkt ins Zentrum der früheren Machthaber, in den 2. Stock, geleitete uns der wichtige „Mensch“ des Außenministeriums.

Kurzes Umschauen und Erinnern. Ich selbst habe eine besondere Beziehung zu dem Haus. Zwar bin ich früher weder privat noch dienstlich hineingekommen, aber einmal durfte ich doch. Als Mitarbeiter der Staatsbank der DDR, der Nachfolgerin der 1951 gegründeten Deutschen Notenbank, hatte ich mit anderen Kollegen einen Arbeitseinsatz in diesen hehren Räumen.

Vorausschicken muss man, dass ab 1940 bis 1945  hier die Reichsbank residierte und aus dieser Zeit auch ein riesiger Tresor stammte, den es auch heute noch gibt. Was heute drin ist, weiß man nicht (zumindest uns wurde es nicht mitgeteilt). Aber früher, etwas so um 1975, lagerten dort viele Millionen DDR-Mark als Reserve für die umlaufende Geldmenge. Und wir Bankangestellten hatten nun die Aufgabe, das in Säcken verpackte Geld aus irgendwelchen uns unbekannten Gründen aus dem Tresorraum per Paternoster in ein anderes Stockwerk zu transportieren. Das geschah auf Schubkarren. Ich hatte also, so bin ich sicher, eine Million vor mir, fühlte mich kurzzeitig so wie ein Millionär. Doch dieser Traum verflog damals schnell.

Zeit hatte ich diesmal für den Blick in die Vergangenheit, denn der Minister ließ auf sich warten. Er sollte eine halbe Stunde später kommen, also nicht 17.15 Uhr, sondern erst 17.45 Uhr.  Und Punkt 17.45 Uhr  kam Frank-Walter Steinmeier, im Gefolge Clemens Prokop, Dagmar Freitag, Betty Heidler, Danny Ecker und Kamghe Gaba.   Letztere drei natürlich nicht im Sportdress, sondern fein gekleidet, dem Anlaß und Ort angemessen. Und ein wenig aufgeregt waren sie auch, das brachte das Haus, aber vor allem eben das Zusammensein mit dem Außenminister mit sich. Dabei strahlte der weniger unnahbarer Staatsmann, als viel mehr Herzlichkeit aus und erwies sich als freundlicher Plauderer.

Die Fotoapparate klickten, dann hub Steinmeier zur kurzen Ansprache an, und die ca. 10 Journalisten standen rund zwei Meter vor ihm  und schrieben eifrig in ihre Blöcke. Gleiches beim folgenden Redner, DLV-Präsident Prokop. Noch zwei kurze Fragen an die drei Sportler, wie sie die WM 2009 in der Vorbereitung unterstützen werden. Und schon war der „Spuk“ vorbei. Abmarsch der „Fotomodelle“, die nächsten Termine standen für sie an.

Wir Journalisten aber suchten unsere Siebensachen zusammen, versuchten uns in den langen Gängen des Hauses dem Ausgang zu nähern, was letztendlich auch allen gelang.

Austausch der Pressemarke 5  gegen den Personalausweis, und hinaus aus dem Außenministerium. Die Sonne schien über dem Werderschen Markt, nur die kümmerlichen Reste des gegenüberliegenden „Palastes der Republik“ störten das Bild.

Doch die Sonne sollte sicher ein Zeichen sein, dass auch 2009 im August die Sonne für die Leichtathleten im Olympiastadion scheinen wird. Und nicht nur für die Gäste, sondern vor allem auch für die Gastgeber.

Peter Grau

Geschichten aus meinem Läuferleben

Es war ein freundlicher Tag, dieser 9. Mai im Jahre 1985. Und es sollte ein erfolgreicher Marathontag werden, an dem für mich am Ende eine Zahl stand: 3:08:57.  Drei Stunden, acht Minuten und 57 Sekunden. Am Tag zuvor war ich gemeinsam mit meinem Lauffreund Udo Frey aus Berlin angereist. Wir hatten uns Decin ausgesucht, diesen Ort in der CSSR, an der Elbe und nahe der Grenze zur DDR gelegen. Schon einmal war ich 1981 dort auf Marathonspuren gewesen. Doch da blieben die Uhren erst bei 3:17:55   stehen, vor allem auch den hohen Temperaturen von fast 30 Grad geschuldet. Nun sollte es eine neue Bestzeit werden. Am Abend zuvor, so kann ich mich erinnern, ließen wir uns einige Gläser leckeren tschechischen Bieres schmecken. Für Profis wohl nicht die richtige Vorbereitung, aber wir als Amateure konnten danach wenigstens ruhig schlafen. Hellwach aber waren wir an diesem Donnerstag (8. Mai war Tag der Befreiung) , gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten, die sich zum Start auf dem Marktplatz der Stadt sammelten. Die Temperaturen waren marathonfreundlich und der erste Teil der 42.195 km verlief reibungslos. Schulter an Schulter lief ich mit Udo aus dem Ort hinaus und dann auf einer asphaltierten Straße entlang.  Auf Asphalt laufen mochte ich schon immer. Bei einem kontinuierlichen Tempo blieb noch genug Zeit, um die Umgebung wahrzunehmen.  Links floß die Elbe dahin und an der rechten Seite türmten sich die dichten Wälder des Böhmischen Mittelgebirges. Bald waren wir an der Grenze angelangt, zogen in Bad Schandau eine kleine Schleife im Ort und begaben uns dann auf die Rückreise. Lange blieben wir zwei  zusammen, ehe sich Udo rund drei Kilometer vor dem Ziel absetzen konnte. Das war aber für mich nur eine „kleine“ Niederlage, denn der Sieg wurde mir dann schwarz auf weiß mit der neuen Bestzeit geliefert.

In den folgenden Jahren versuchte ich es zwar noch mehrmals, unter die ominöse 3-Stunden-Marke zu kommen, war einmal auch kurz davor, ehe mir eine Verletzung einen Streich spielte. Deshalb aber behielt ich Decin immer in bester Erinnerung. Mit 3:08:55 kann ich heutzutage schon ein klein wenig angeben.

Aber wie war ich überhaupt zum Marathon und zu einer solchen Zeit gekommen?  Sport getrieben hatte ich in Jugendzeiten gern, bei Fußball, Handball, Tischtennis und Tennis stellte ich mich nicht ungeschickt an. Sprintschnell war ich nie, doch schon damals machten mir etwas längere Laufstrecken keine Angst. Aber eine Laufbewegung im eigentlichen Sinne gab es noch nicht.  Sie entwickelte sich in der DDR nur langsam, aber dann ziemlich gewaltig. Und ich schwamm gern auf dieser Welle mit.

Aller Anfang ist schwer

Es begann am 3. Januar 1974 auf dem Zachertsportplatz in Berlin-Lichtenberg, also vor über 40 Jahren. Dort lief ich meine ersten 400-m-Runden, 12 an der Zahl, in einem gemächlichen Tempo von zusammen 27 Minuten. In den folgenden Monaten kam ich zwar nicht über diese Distanz hinaus, aber es war immerhin ein Anfang. Die Jahresbilanz: 108 km.

1975 schraubte ich mein Pensum wieder stark zurück, es wurden gerade mal 8 km. Aller Anfang war also schwer. Doch dann, 1976, ging es spürbar aufwärts. Es begann mit einem Neujahrslauf in Berlin-Friedrichshain. Der nötige Auftakt , um mehr zu wagen. Zwar steigerte sich die Distanz nicht so schnell, doch es wurden im Urlaub in Cantnitz immerhin schon 6 km im Stück. Und am 7. November 1976 lief ich beim Stundenlauf der BSG Turbine Bewag auf den Willi-Sänger-Sportanlagen meinen ersten Wettkampf.  Fast 30 Runden schaffte ich auf der Aschenbahn, 11.910 Meter genau. Im November folgte noch ein zweiter Stundenlauf, nun auf meinem heimischen Zachertsportplatz. Diesmal kamen 12.240 Meter heraus, gelaufen mit einem Körpergewicht von 61 kg. Hinterher wog ich noch 60,5 kg, hatte also ein Pfund verloren.

Jedenfalls hatte ich „Blut“ geleckt. Von nun  an reizten mich  Wettkämpfe.  Ob es nun der Crosslauf in Weißensee auf schwerem Boden oder der BVB-Stundenlauf im Stadion an der Siegfriedstraße mit erreichten 12.900 Metern waren, der nötige Anreiz war gegeben, auch mehr zu trainieren. Erleichtert wurde mir der Anfang, weil ich etliche Gleichgesinnte fand, die ebenfalls wie ich auf dem Zachertsportplatz fast bei Null anfingen und sich dann kontinuierlich steigerten. Zu ihnen zählten u.a. Udo Bauermeister, Jürgen Stark, Horst Prill,  Gunther Hildebrandt,  Siggi Büttner und Bernd Dehnke.

1976 kamen immerhin schon 314 km heraus.

1977- ein Jahr im Aufwind

Im Januar 1977  wagte ich mich an einen Halbmarathon, für den ich 106 Minuten brauchte. Im März folgte ein kleiner Rückschlag, als ich beim 20-km-Plänterwaldlauf, der auf einem 5-km-Kurs durchgeführt wurde, schon bei 15 km ausstieg, und das ohne ersichtlichen Grund. Vielleicht war das Anfangstempo von 21:35 min für die ersten 5 km zu schnell gewesen. Ich hatte an dieser Aufgabe einige Zeit zu knabbern und schwor mir, es nicht wieder zu tun. Und diesen Schwur hielt ich  ein, auch wenn ich später etwa bei Hitzemarathons manchmal knapp vorm Aufgeben war.

Wie einfach es aber war, mit einem höheren Trainingspensum auch viele Wettkämpfe bestehen zu können, zeigten mir die nächsten Wettkämpfe. Am 26. März lief ich auf der Bahn über 10.000 m 43:52 min,  am 4. April beim HfÖ-Cross in der Lichtenberger Parkaue 67:57 min über 15 km, am 13. April 43:31 min beim 10-km-Lauf auf der Tartanbahn im Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark. Am 17. April beim ersten Wettkampf außerhalb von Berlin  im nahen Oranienburg sprangen beim Sachsenhausen-Gedenklauf über 15 km  66:28 Minuten heraus. Damals in Oranienburg gewann  Konstantin Lebedjew, der aus der Sowjetunion stammte und als Offizier in Elstal bei Berlin stationiert war.  Lebedjew,  ein sehr angenehmer Lauffreund, war fortan bei vielen Wettkämpfen dabei, die auch ich bestritt. Nach dem Abzug der Roten Armee aus Deutschland verlor ich ihn zunächst aus den Augen, doch über Facebook bekam ich wieder Kontakt zu ihm.  Jetzt, 2015, meldet er sich oft aus Kiew, berichtet über die politischen Entwicklungen in der Ukraine und über seine sportlichen Auftritte. Er konnte wie viele Läufer von damals nicht von der Lauferei lassen.

Seinen Stationierungsort Elstal habe ich viele Jahre später auch kennengelernt, als ich als Berichterstatter bei leichtathletischen Wettkämpfen dort arbeitete. An einem Ort, an dem sich 1936 Sportler auf die Wettkämpfe der Olympischen Spiele im Olympiastadion vorbereiteten. So konnte man dort auch das Zimmer besichtigen, das Jesse Owens damals bewohnte.

Wie schnell ich mein  Leistungsniveau steigern konnte, bewies ich am 8. Mai 1977, als ich im Erfurter Georgij-Dimitroff-Stadion  bei großer Hitze einen Stundenlauf bestritt. Hitze war nie mein Freund , aber ich schaffte immerhin schon 13.146 Meter. Drei Tage später lief ich im Berliner Ernst-Grube-Stadion die 10.000 m in 43:14 Minuten. Es war ein angenehmes Gefühl, die Verbesserungen spüren zu dürfen, die allein auf einem besseren Training basierten.  Und auch danach war es immer so, daß ich relativ viele Wettkämpfe bestritt und damit auch die Lust zum Trainieren wach hielt. Zudem trainierte ich auch mehr, weil ich in den Ergebnislisten nicht immer weit hinten stehen wollte.

Erster Marathon in Grünheide

Am 29. März 1980 bestritt ich meinen ersten Marathonlauf. Und der war nicht einmal geplant. In Grünheide vor den Toren Berlins fand seit 1977 ein 100-km-Lauf statt, und man konnte dort auch mitlaufen, wenn man nicht den ganzen langen Kanten absolvieren wollte.  So hatte ich geplant, nur 30 km als Training mitzulaufen. Doch da ich mich gut fühlte, meldete ich mich auch offiziell an.

Marathon-Premiere in Grünheide

5.30 Uhr war in Berlin aufstehen angesagt, 6.30 Uhr startete ich meinen Trabant, um 7.15 Uhr am Veranstaltungsort einzutreffen. Dort bekam ich dann die Startnummer 3, begrüßte etliche Bekannte und Punkt 8 Uhr ging es los. Der Start erfolgte inmitten eines Ferienobjektes mit vielen Bungalows, die wir auch zum Umziehen nutzten. Jeweils nach einer Waldrunde von 10 Kilometern kehrten wir zurück, konnten dort Tee und Haferschleim zu uns nehmen. Ich tat das bei 20 und 30 km, dazu nur Tee bei 25 und 35 km. Von Anfang an lief ich mit dem Berliner Peter Schultze, der ca. 60 km laufen wollte und deshalb auch langsamer begann. Die ersten 10 km liefen wir in 55 Minuten, die folgenden 3×10 km in jeweils 58 Minuten. Bis auf kurze Gehpausen an der Verpflegungsstelle waren wir ständig in Bewegung, und immer im Wald. Schon nach 10 Kilometern war ich sicher, daß ich die Marathondistanz schaffen würde. Und die Zeit verging auch fast wie im Fluge, denn wir unterhielten uns oft und über viele Dinge des Lebens und genossen die Waldluft. Erst ab 35 km wurden meine Beine etwas schwerer, aber das war wohl normal. Ehrgeiz hatte ich noch, um unter 4 Stunden zu bleiben und deshalb ließ ich auch die letzte Verpflegungsstelle aus. Mit 4:02:20 h gelang mir das zwar nicht ganz, aber meiner Freude tat das keinen Abbruch. Frisch geduscht und schnell erholt ging es wieder zurück nach Berlin. Meiner sehr laufinteressierten Mutter schrieb ich dann im Brief:

„Insgesamt habe ich jetzt ein Hoch. Ich weiß nun auch, wie es am Rennsteig sein wird und wie ich mich dort verhalten muß. Solch ein Wettkampf ist leichter, als wenn ich 4 Stunden trainieren müßte.“

Der Kultlauf am Rennsteig

Rennsteiglauf, das war gewissermaßen das Mekka der DDR-Läufer. Es gehörte einfach zum guten Ton, jedes Jahr im Mai an diesem Lauf teilzunehmen, der über Berg und Tal auf dem Höhenweg „Rennsteig“ im Thüringer Wald führte. Ich war dort in meiner Jugend schon unterwegs gewesen, doch nicht als Läufer, sondern als Skiläufer. Von Erfurt waren wir in den 1950er-Jahren mit der Eisenbahn nach Oberhof gefahren und dann hieß es, auf Skiern den Rennsteig erwandern. Ein wenig übte ich auch das Abwärtsfahren, so auf der berühmten „Idiotenwiese“ in Oberhof. Doch so richtig lernte ich das Wedeln, das Slalom-Fahren nicht, und auch nicht das „Skaten“, denn das kam erst viel später. Zu dieser Zeit aber konnte ich mir noch nicht vorstellen, daß ich später mal viele Male am Rennsteiglauf teilnehmen würde.

Der erste offizielle Rennsteiglauf fand am 12. Mai 1973 als 100-km-GutsMuths-Gedenklauf statt, die Strecke führte von der Hohen Sonne bei Eisenach bis nach Masserberg. Am 9. Mai 1975 fand der Rennsteiglauf erstmals als Wettkampf statt und bald bestand das Angebot aus einer längeren Strecke von ca. 70 km  und einer kürzeren Strecke von rund 45 km. Mir reichte immer die kürzere Distanz, denn auch die war wegen der vielen Hügel und Berge recht strapaziös.

 

Meine Rennsteigpremiere im Jahre 1980

Wie immer bei einer Premiere war die Aufregung groß, denn ich wußte ja nicht, was da auf mich zukommen würde. Aber ich hatte ja die Erfahrung des ersten Marathons mit im Gepäck. So bekam ich am 17. Mai meine Nerven in den Griff, konnte sogar in der Nacht zuvor einigermaßen schlafen. Wie später bei meinen oftmaligen Starts hier am Rennsteeig bekam ich die erste Gänsehaut, als die tausend Köpfe zählende Läuferschar sich im Startgebiet auf einer riesengroßen Wiese drängte.

Rennsteiglauf 1984
Rennsteiglauf 1984

Punkt 9 Uhr setzte sich die Herde in Bewegung. Blockstarts waren dabei nicht möglich und so mußte ich anfangs öfters gehen, später an jedem Anstieg und die gab es zuhauf.

Rennsteiglauf

Die einzelnen Stationen: Limbach 10 Uhr (1 x Tee), Masserberg 11 Uhr (2x Haferschleim, 1 x Tee), Neustadt 12.15 Uhr (1 x Haferschleim, 1 x Tee), Frauenwald 13.30 Uhr.

Das Ziel Rennsteiglauf

Und dann der grandiose Zieleinlauf in Schmiedefeld am Rennsteig. Nach 5 Stunden und 8 Minuten hatte ich die ca. 45 km über Stock und Stein, über Berge und durch Täler bewältigt.
Es war mein erster Rennsteiglauf, und es sollten noch viele folgen.

Auf der Erholungswiese nach dem Zieleinlauf
Auf der Erholungswiese nach dem Zieleinlauf

Aber nicht nur die großen Läufe säumten meine Läufer-Laufbahn. Genauso gern war ich bei kürzeren Distanzen dabei. Als Beispiel darf ich dieses Jahr 1980 anführen. Nach dem Rennsteiglauf folgten bald ein Stundenlauf (25.6.; 13.380 m), dann ein Stundenpaarlauf auf dem Zachertsportplatz (1.7.) mit Rainer Lehmann bei Dauerregen (uns immer abwechselnd schafften wir 15.756 m), später der Buchenwald-Gedenklauf in Weimar über 25 km (13.9.; 2:02:15 h; auf einer schweren Strecke und kurz unterbrochen wegen eines Wolkenbruches in einem Hauseingang), ein 25-km-Lauf in Waren „Rund um die Müritz“ (5.10.; 1:57:02 h), ein 16-km-Lauf in Wendisch Rietz (1:22:04), ein 10.000-m-Lauf auf dem Kissingensportplatz (14.10.; 44:22), ein 33-km-Lauf „Rund um die Müggelberge“ (19.10.; 2:51:47), der Hubertuslauf über 26 km in Neuruppin (2.11.), der Pfefferkuchenlauf über eine Stunde (13.670 m; 21.12.) in der Siegfriedstraße und der EBT-Silvesterlauf im Berliner Plänterwald über 10 km in 41:34 min. Alles in einem Jahr!

So könnte ich jetzt über jedes Jahr berichten, über alte und neue Laufveranstaltungen. Aber es bringt mehr, wenn ich einige herausgreife und vor allem auch meine Entwicklung darstelle, die mit mehr Laufkilometern auch schnellere Zeiten auf allen Distanzen brachte. Klingt einfach, und im Nachhinein war es auch einfach. Auch deswegen, weil wir uns nicht allein bewegten, sondern in der Gemeinschaft, sei es bei der Sportgemeinschaft EBT (Empor Brandenburger Tor) Berlin, sei es in meinem Wohnumfeld in Berlin-Lichtenberg mit einer Laufgruppe, die nicht nur auf dem Zachertsportplatz trainierte, sondern auch von dort aus die Parks und das Waldumfeld des Pionierparks und der „Alten Försterei“, der Heimstatt des Fußballclubs Union Berlin, laufenderweise unsicher machte.

Fortsetzung folgt!